Die zweite Chance

Fanfiction von Slytherene

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Die Katze lässt das Mausen nicht …

… Slytherene kann nicht von Remus Lupin lassen.

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Seit Tagen drängelt sich diese kleine feine Fanfiction in meinen Kopf und zwischen meine Finger, sobald diese eine Tastatur berühren. Wenn ich es sowieso aufschreibe, kann ich Euch auch gerne teilhaben lassen. Dies wird kein Epos (aber das habe ich bei „Tage des Raben" auch gedacht), sonders eine kleine, zarte Romanze. Ein bisschen Fluff im grauen Herbst kann ja auch nicht schaden.

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Zum Inhalt: Remus Lupin, Anfang zwanzig und bereits mit den Härten des Lebens am Rand der Magischen Gesellschaft bestens vertraut, kämpft um eine Chance auf ein normales Leben. Doch die Sterne stehen schlecht, denn Dolores Umbridge macht Karriere im Ministerium und droht, allen Lykantrophen den Zugang zu Schulen und Universitäten zu verweigern. Remus versucht gegen alle Widerstände, sein Arithmantikstudium dennoch zu beenden.
Als er sich eines Nachts jedoch wider besseres Wissen in Dinge einmischt, die ihn nichts angehen, nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung…

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1. Auf das Leben!

„Komm, nimm noch ein Glas, Moony!"

Sirius schwankte bereits bedrohlich, als er auf Remus zusteuerte, in jeder Hand einen Feuerwhisky. Dennoch bewegte er sich mit der ihm eigenen Grazie, und erreichte den Freund, ohne einen einzige Tropfen zu verschütten.

„An einem solchen Abend muss man feiern", verkündete der Spross der edlen und ehrwürdigen Familie Black laut.

„Wir haben mehr als genug gefeiert, außerdem ist es bereits Nacht, um nicht zu sagen früher Morgen", erwiderte Remus, nahm aber doch das Glas und leerte es in einem Zug. Bei Merlin, er konnte es brauchen.

Eigentlich hatte der heutige Abend krönender Abschluss eines Festtags werden sollen. James und Lilli weihten ihr neues Haus in Godric's Hollow ein. Den ganzen Tag hatten sich die Gäste die Klinke in die Hand gegeben. Es schien, als sei halb Zaubererlondon daran interessiert, wie die Potters zukünftig leben würden.
Remus war bereits am frühen Morgen hier gewesen, und hatte Lilli erst in der Küche, später bei der Bewirtung der Gäste geholfen. Sirius war ebenfalls schon um zehn – für seine Verhältnisse also zu noch nachtschlafender Zeit – aufgekreuzt, doch der dunkelhaarige Zauberer hatte seine Zeit im Wesentlichen damit verbracht, James von der Arbeit abzuhalten und mit ihm im Garten Quidditch zu spielen.

Die Gästeliste war beeindruckend gewesen. Nicht nur James' Chef im Auror Department des Ministeriums, Alastor Moody, war gekommen, sondern auch der bekannte Quidditchspieler Ludo Bagman, und sogar Albus Dumbledore. Über diesen Besucher hat Remus sich besonders gefreut, denn Dumbledore hatte es tatsächlich geschafft, Remus und Lilli für eine Weile von dem Trubel loszueisen, um sich in Ruhe mit ihnen zu unterhalten.

„Nun, Mrs. Potter, wie gefällt es Ihnen an der Fakultät für Magische Heilkunst?" erkundigte er sich.

Lilli erzählte begeistert von ihrer Ausbildung. Doch Dumbledore fragte auch bei Remus nach, wie es ihm erging.

„Und Sie, Mr. Lupin? War Arithmantik die richtige Wahl?"

„Absolut, Sir", erwiderte Remus.

Nachdem das Auror Department Remus trotz brillanter Noten abgelehnt hatte, war es dem jungen Zauberer schwer gefallen, einen Ausbildungsplatz oder einen Studienplatz zu bekommen. Private Universitäten schieden schon allein aus finanziellen Gründen aus, und die vom Ministerium finanzierte Universität in London hatte Remus mit Hinweis auf seine Lykantrophie und Sicherheitsbedenken abgelehnt.
Erst durch Vermittlung von Dumbledore, dem Lilli ohne Remus' Wissen eine Eule geschickt hatte, erhielt der junge Zauberer doch noch eine Zusage des Fachbereich Arithmantik. Der verschrobene Dekan, Ewan Mac Allister, war ein alter Freund und Studienkollege Dumbledores, und tat ihm gerne einen Gefallen.

„Angewandte Arithmantik interessiert mich besonders", berichtete Remus seinem ehemaligen Lehrer. „Der Umgang mit magischen Artefakten, heraus zu bekommen, wie sie funktionieren."

„Eine wirklich faszinierende Tätigkeit", stimmte Dumbledore zu. „Nun, es freut mich ihn Ihrem Fall besonders, Mr. Lupin, dass Sie ein Studienfach gefunden haben, das Ihnen Freude bereitet. Arithmantiker werden immer gesucht. Bei Ihren vermutlich gewohnt exzellenten Leistungen werden Sie sich den Arbeitgeber aussuchen können."

„Oh, ich werde sehr dankbar sein, wenn mich überhaupt jemand einstellt", erwiderte Remus bescheiden, aber mit vor Stolz brennenden Wangen.

Dumbledore traute ihm etwas zu. Wenn das keine Anerkennung war! Natürlich, Remus wusste, dass er durchwegs gute Leistungen erbrachte. Aber er wusste auch, wie schwierig es sein würde, eine feste Anstellung zu finden. Immerhin enthielt sein Lebenslauf ein unerfreuliches Detail, das zu verschweigen verboten war. Niemand wusste besser als Remus, das die Konsequenz daraus immer wieder Schwierigkeiten sein würden.

„Du machst das schon", sagte Lilli und klopfte ihm ermutigend auf die Schulter.

„Das denke ich auch", stimmte Dumbledore ihr zu.

Wenig später hatte er sich verabschiedet, und auch Lilli und Remus mussten sich wieder um die Gäste kümmern.

„Kannst du die Würstchen draußen verteilen?" bat Lilli.

Remus tat ihr gern den Gefallen, mischte sich unter die Gäste und kümmerte sich darum, dass niemandem etwas fehlte. Dann traf er Peter, der extra von Bristol angereist war, wo er seit einem Jahr Magische Botanik studierte. Sie saßen bei einem Glas Kürbissaft zusammen und wärmten alte Streiche aus der Schulzeit auf. Später stießen auch James und Sirius zu ihnen. So verging der Nachmittag.

Später am Abend – Remus hatte gerade begonnen, mit Lilli einen Schwung Gläser abzuwaschen - , kam Peter in die Küche , einen erschrockenen Ausdruck im runden Gesicht.

„Hast du eigentlich mit Mr. Moody gesprochen, Remus?"

Remus blickte auf, während sein Stab Spülbürste und Handtücher dirigierte.

„Ich kenne ihn kaum, nur vom Sehen", erwiderte er.

„Nun, ich stand eben in seiner Nähe, als er über eine neue Mitarbeiterin in der Abteilung zur Aufsicht und Führung Magischer Geschöpfe, eine gewisse Dolores Umbridge, erzählte", tat Peter kund.

„Von der habe ich auch schon gehört, und nichts Gutes", erwiderte Remus. „Aber sie ist doch nur ein kleines Licht, oder?"

„Nicht wirklich", erwiderte Peter. „Sie soll nach der Pensionierung des Resortleiters in drei Monaten die Abteilung übernehmen, zumindest die stellvertretende Leitung."

Derlei Nachrichten waren immer wichtig, und auch wenn Umbridge Remus nichts anhaben konnte, wuchs die Besorgnis in seinem Blick. Peter hatte sicher einen guten Grund, dieses Gespräch zu beginnen. Normalerweise vermied er es, seinen Freund daran zu erinnern, was er war – zumindest außerhalb der mondnahen Tage.

„Es heißt, sie plane eine Schul- und Studienreform, nach der Lykantrophe und andere Halbmenschen - sorry, Moony- von der Ausbildung ausgeschossen werden."

Ein kaltes Gelächter entrang sich Remus' Kehle.

„De facto ist es fast schon so. Ich bin sozusagen privilegiert. Wäre Dumbledore nicht gewesen…"

Er ließ den Satz unvollendet. Jeder im Raum wusste, dass ohne Dumbledore für Remus nicht einmal der Besuch von Hogwarts möglich gewesen wäre.

„Jedenfalls solltest du versuchen, dein Studium ohne Verzögerung zu Ende zu bringen. Angeblich hat Umbridge alle Pläne für diese ‚Reform' fix und fertig in der Schublade liegen", beendete Peter seine Information.

„Remus ist der Regelstudienzeit jetzt schon ein Semester voraus", gab Lilli zurück.

„Ich brauche noch ein Jahr bis zum Abschluss", sagte Remus auf ihren fragenden Blick hin. „Mac Allister setzt mich als Tutor für die Erstsemester ein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er leicht zu beeindrucken ist durch das Ministerium."

Er zuckte lächelnd die Schulter. „Danke, Peter, für die Warnung. Ich tue, was ich kann, um schnell und möglichst unauffällig durchzukommen."

„Und du machst es wirklich gut", lobte Lilli und umarmte Remus freundschaftlich.

„Hey", protestierte Peter neidisch. „Was hat er, das ich nicht habe?"

„Lykantrophie", antworteten Remus und Lilli unisono, und alle drei lachten.

Doch tief unter der Oberfläche rumorte es in Remus. Mit jedem Monat wurde die Situation für ihn schwieriger. Die ohnehin gewaltigen Ressentiments der magischen Gesellschaft gegenüber Werwölfen wurden durch die Überfälle, die ein schottisches Rudel, das offenbar unter dem Einfluss von Schwarzmagiern stand, nur noch angeheizt.

Remus sah sich um. Er gönnte den Potters ihr Glück. Insgeheim wünschte er sich nichts anderes für sich selbst. Er wusste, wenn nur sein Fleiß und seine Begabungen über sein berufliches Fortkommen entscheiden würden, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis er sich ebenso ein ‚bürgerliches' Leben aufgebaut hätte wie James. Doch ihm war bewusst, dass sein Weg ein ungleich schwererer sein würde. Aber Hoffnung – die hatte er nach wie vor.

Ängste und Widerstände waren dazu da, sie zu überwinden. Der Mensch wuchs an diesen Herausforderungen. Er glaubte fest daran. Aber manchmal tat es gut, diese Ängste in ein paar Gläser Feuerwhisky zu erträ mit niemandem konnte man das so gut und zielsicher tun wie mit Sirius Black. Remus beschwor die Flasche aus der Küche, die Sirius dort hatte stehen lassen.

„Hast du keine Angst, dass sie dir um die Ohren fliegt?", nuschelte Sirius.

Betrunken zu zaubern war nicht eben ungefährlich.

Remus zuckte die Achseln. „Ich weiß, wie viel ich vertrage und wann ich aufhören muss zu zaubern", erwiderte er und schenkte erst Sirius, dann sich selbst nach.

„Was ist mit James?"

„Lilli hat ihn ins ehelische Schlafzimmer beordert", lallte Sirius und grinste breit.

„Das erklärt auch, dass du Zeit für mich hast", stellte Remus fest.

„Ach Moony", quengelte Sirius. „Wenn ich dich nicht so mögen würde, läge ich jetzt mit Hestia Jones irgendwo zwischen den Büschen und würde ihr das Hirn aus dem Leib vögeln."

„Nicht einmal Hestia hat ihr Gehirn in ihrem Leib", korrigierte Remus den betrunkenen Don Juan. „Aber was soll's. Ich bin dankbar, dass du meine Gesellschaft der ihren – zweifellos hübscheren – vorziehst."

Sirius kicherte und hob sein Glas. „Für dich wird sich auch noch ein Mädchen finden, Moony. Auf das Leben!" verkündete er und stieß einen lauten Rülpser aus.

Remus stieß den Rand seines Kristallkelches vorsichtig gegen den seines Freundes klingen. „Auf das Leben. Möge es gelegentlich Gnade walten lassen."


Fortsetzung folgt