Die zweite Chance

Fanfiction von Slytherene



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Danke schön an Textehexe, Alcina, Spitzohr, Sally S., Moonlight, Harriet Smethwyck und Morti für Eure Reviews!

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Liebe Leserinnen,
hat ein bisschen gedauert, aber voilá: Hier kommt das letzte Kapitel der Saga um Remus und Sanni. Besorgt Tee und Kekse und lehnt Euch entspannt zurück, denn jetzt wird es romantisch. Und irgendwie muss ich das Rating ja auch mal rechtfertigen ;-)

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Meergrün beta-gelesen von TheVirginian, danke sehr!

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Come cover me

Cover the night with your love
Dry the rain from my beaten face
Drink the wine the red sweet taste of mine

Come cover me with you
For the thrill
till you will take me in
Come comfort me in you
Young love must
Live twice only for us

(Nightwish)

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38. Die zweite Chance

Von außen betrachtet erwies sich das Stadthaus der Nykänen in Tampere als nicht weiter bemerkenswert. Es lag in einer ruhigen Straße in unmittelbarer Nähe des Pyhäjärvi, eines der beiden Seen der Stadt, inmitten eines parkähnlichen Gartens. Ein hoher Zaun und eine dichte Hecke schützten den inneren Bereich gegen neugierige Blicke von außen. Die schwere Tür aus dunklem Holz öffnete sich, ohne dass Sanni ihren Zauberstab oder einen Schlüssel auch nur angerührt hatte.

Enni huschte eilig durch den Flur davon, in der Hand einen Korb mit Pilzen. Helles Licht flutete in den schmalen Durchgang. Eine Wand des Flurs bestand aus Glas, und Remus' Blick wurde von einer baumhohen Halle gefangen genommen. Eine Phalanx dicht an dicht gereihter Oberlichter ließ das Sonnenlicht ungehindert hereinfluten. Die Strahlen verteilten sich auf den Wipfeln zartgrüner Birken und olivgesprenkelter Buchen, gelangten hier und da bis auf den Erdboden, wo Waldmeister neben Maiglöckchen einen dichten, zarten Teppich aus Grün und Weiß woben.

„Das Reich meiner Mutter", erklärte Sanni lächelnd.

„Ihr habt ein Haus mit eigenem Wald – innen?" Remus schüttelte den Kopf. „Ich sehe den Sinn, aber ich muss dennoch zugeben, das ist…bemerkenswert."

„Es ist notwendig", erwiderte Sanni. „Darf ich dir den Mantel abnehmen?"

„Warte, lass mich erst das Gepäck herausnehmen", antwortete Remus, zog seinen Koffer aus der Tasche und vergrößerte ihn.

Die Tür der Waldhalle schwang auf. Vogelgezwitscher und der Duft von Frühlingsblumen fluteten auf den Gang. Enni eilte hastig herbei. Sie rief Sanni hektisch etwas zu und riss Remus förmlich den Reiseumhang aus der Hand. Sanni sagte etwas auf Finnisch zu der Hauselfe, und Enni nickte eifrig.

„Mister Lupin wollen Enni folgen. Sie zeigen Zimmer", kündigte sie dann auf Englisch an. Mit einem Wink ihres Fingers schwebte Remus' schwerer Koffer die gewundene Treppe hinauf, und die Elfe bedeutete Remus, ihr zu folgen.

„Du wirst dich nach der Reise und dem kalten Friedhof sicher etwas frisch machen wollen", vermutete Sanni. „In deinem Brief stand, du bist mit Finnair nach Helsinki geflogen und hast von dort aus den Zug genommen. Gibt es keine Portschlüssel mehr in England?"

„Ich wollte Eero nicht belästigen", gab Remus zurück. „Und dem britischen Ministerium weiche ich lieber aus. Umbridge hat mir den Auftritt bei Mattis Anhörung sehr übel genommen, es gab eine Menge Ärger, nachdem ihr heimgekehrt seid."

„Das tut mir Leid", bekräftigte Sanni. „Hast du Hunger? Es ist lange nach Mittag."

„Nicht zu sehr", erwiderte Remus mit der ihm eigenen Bescheidenheit.

„Tee, Scones und Laskiaispulla", entschied Sanni. „Ich treffe dich in einer halben Stunde im Salon. Enni wird dir alles zeigen."

Remus folgte der Hauselfe, die ihn in ein Zimmer im ersten Stock führte. Angesichts der fantastischen Aussicht auf den See, den das riesige Fenster bot, stockte ihm der Atem. Er hatte stets gewusst, dass Sannis Familie reich war, aber es zu wissen und es zu sehen, war etwas völlig anderes. Er konnte nicht widerstehen und öffnete trotz der Kälte draußen die Tür zum Balkon. Klare Luft, die mit dem Londoner Smog nichts gemein hatte, strömte über sein Gesicht und die Hände, die Nachmittagssonne spiegelte sich träge in der blanken Oberfläche des Sees. Das weite, nur spärlich besiedelte Land hatte ihn bereits auf dem Weg nach Tampere in seinen Bann geschlagen. Die Freiheit schien hier förmlich mit Händen zu greifen. Fast ein wenig bedauernd riss er sich von dem faszinierenden Anblick los.

Das in hellen Farben gehaltene Gästezimmer war größer als seine ganze Wohnung in London, und das angeschlossene Bad lockte mit Wärme und dem Wohlgeruch eines eingelassenen Bades. Enni hatte Handtücher auf dem Rand der Badewanne bereit gelegt, in die heiße Steine eingewickelt waren, um sie zu wärmen. Ihm wurde erst klar, wie kalt ihm gewesen war, als das warme Badewasser seine Schultern duftend umschmeichelte. Er war müde und hatte Mühe, in dieser entspannenden Atmosphäre die Augen offen zu halten.
Ein zaghaftes Klopfen an der Badezimmertür ließ ihn zusammenfahren. Merlins Bart, er war doch nicht eingenickt?

„Miss Sanni sagt, Enni soll fragen, ob Mister Lupin lieber ausruhen möchten?", quiekte die Elfe.

„Nein. Nein, ich komme sofort." Remus zog sich aus der Wanne und rief mit einer Geste seinen Zauberstab auf. Ein Trocknungszauber verkürzte die Zeitspanne, bis er fertig angezogen war, erheblich. Er schüttelte den Kopf über sich selbst. Nachdem er es zwei Wochen schier nicht mehr ausgehalten hatte vor Sehnsucht danach, Sanni wiederzusehen, schlief er nun einfach in ihrer Badewanne ein. Vielleicht hatte er auch schlicht nur Angst vor der eigenen Courage.

Enni erwartete ihn vor der Tür seines Zimmers und trippelte voran die Treppe hinab. Sie führte ihn in einen großzügigen Raum, dem der Begriff ‚Salon' nicht wirklich gerecht wurde – es war mehr ein privates, wenn auch sehr großzügiges und exklusives Wohnzimmer.

Eine Glasveranda führte auf eine Terrasse, die direkt am See lag. Der Ausblick auf den Pyhäjärvi war auch hier atemberaubend. Am Steg lag eine Segeljolle, und ein Bootsschuppen beherbergte vermutlich noch mehr Wasserfahrzeuge. Die Wände waren mit Bücherregalen bedeckt, und allein der Wert des Inhalts eines einzigen Regals hätte Remus' Jahresgehalt als Lehrer in Hogwarts aufgezehrt. Obwohl ein weiches Ledersofa direkt am brennenden Kaminfeuer zum Verweilen einlud, blieben Remus' Finger an einem Band über Zauberkunde aus dem neunzehnten Jahrhundert hängen.
Ein helles Lachen riss ihn aus seiner Kontemplation.

„Du hast dich wahrlich nicht verändert", stellte Sanni fest. „Ein Buch in deinen Händen, und nicht einmal der Duft von Flugdarjeeling kann dich in aus deinen Gedanken locken."

Langsam wandte er sich um. „Ich habe dich nicht kommen hören", bekannte er und stellte das antiquarische Buch zurück.

Sein Blick wanderte über ihre schmale Gestalt. In Jeans und Pullover wirkte sie beinahe noch zierlicher als in den raumgreifenden Roben, die sie am Vormittag getragen hatte.

„Du gibst noch immer Muggelkleidern den Vorzug", sagte er mit halbem Lächeln. „Da Protest auszuschließen ist, vermute ich schlicht persönliche Präferenz."

„Wir haben solange in einer Muggelumgebung gelebt, dass niemand von uns Zaubererroben noch als normale Bekleidung betrachtet", gab sie zurück. „Falls du dich von den alten Schinken lösen kannst, hätte ich Tee anzubieten oder auch etwas Stärkeres."

Auf das Stichwort schwebte ein Tablett herein, beladen mit Teekanne, Scones, frischer Sahne, Laskiaispulla, Marmelade und zwei Whiskygläsern – und einem Schälchen, in dem in winzige Würfel geschnittenes Hühnerfleisch lag. Sanni stellte für Remus eine Tasse und einen Teller auf den niedrigen Couchtisch und ließ sich ins Sofa sinken.

„Du ahnst nicht, wie dankbar ich für dein Kommen bin", sagte sie leise.

Remus schluckte angesichts dieses freimütigen Bekenntnisses und nahm ihr gegenüber auf einem Sessel Platz. Weich fühlte sich das teure Leder unter seinen Fingern an, als er über die Armlehne strich. Sanni schenkte ihnen beiden Tee ein, dann nahm sie das Schälchen mit dem Fleisch und klopfte mit ihrem Löffel dagegen. Das zarte Porzellan gab einen klingenden Ton von sich, und plötzlich regte sich eines der Kissen, die neben Sanni auf dem Sofa lagen. Eine schwarze Nase hob sich schnüffelnd in die Luft, und ein Zittern lief durch das pelzige Bündel. Vier kurze Beine entfalteten sich unter dem zu einem Buckel gebogenen Körper, und dann ließ sich die schwarze Katze vorsichtig vom Sofa gleiten. Mit steifen, staksenden Schritten näherte sie sich dem Napf, und dann schnellte eine rosa Zunge aus dem Mäulchen hervor.
Es war eine alte Katze, das war offensichtlich. Remus starrte auf das magere Tier, dann sah er fragend zu Sanni.

„Ist das…?"

Sie nickte. „Das ist Kralle Taschenkatze. Wie du siehst, habe ich gut auf sie aufgepasst."

Remus glitt unwillkürlich von seinem Sessel und auf die Knie, seine Finger berührten vorsichtig das glänzende schwarze Fell.

„Ich kann nicht glauben, dass es dich noch gibt", sagte er leise zu der Katze, die immer noch eifrig das fein zerkleinerte Fleisch aufleckte. Sachte streichelte er über den Rücken des Pelztierchens. Kralle schnurrte zufrieden, und ihr ganzer Körper vibrierte. Sie beendete ihre Mahlzeit und presste dann den Kopf vertrauensvoll in Remus' Handfläche. Remus entfuhr ein Laut zwischen Lachen und Weinen. Der Anblick des greisen Tieres machte ihm schmerzlich bewusst, wie viel er verpasst hatte, und dies war nur der geringste Teil. An Sanni und Matti zu denken versagte er sich mit der letzten Kraft seiner bröckelnden Fassung.

Sanni hatte sich indessen auch auf den Teppich herabgelassen und streichelte sachte über Kralles Nacken. Die Berührung ihrer Hand, als sie Remus' Finger in die ihren schloss, brachte das Fass zum Überlaufen. Die Anspannung der letzten Tage und Wochen brach sich in einem Gefühlsausbruch Bahn, der Remus schlicht einer Flutwelle gleich hinwegspülte. Dass es Sanni, in deren Armen er sich wiederfand, nicht besser erging, machte die Sache keineswegs weniger peinlich.

„Merlin, es tut mir Leid", brachte Remus mit Mühe hervor, als das Abebben seiner Schluchzer ihn wieder halbwegs zu Atem kommen ließen. „Ich wollte nicht…" Hilflos zuckte er die Schultern, als die Tränen in ihrem Gesicht ihn ein weiteres Mal mit sich zu reißen drohten. „Ich wollte nicht…"

„Ich auch nicht", flüsterte Sanni. „Die Contenance verlieren, meine ich." Sie zog das Tablett mit einem „Accio" heran und reichte Remus eines der gut gefüllten Whiskygläser. „Versuch das hier."

Sie selbst nahm das andere Glas und stieß es gegen seines. „Hölkynkölyn", sagte sie und leerte es in einem Zug.

„Cheers", erwiderte er und tat es ihr gleich. Brennend und aromatisch bahnte sich der Feuerwhisky den Weg hinab in seinen Magen, wo er ein Gefühl beruhigender Wärme entfaltete.

„Skandinavier glauben, sie könnten jedes Problem mit Alkohol lösen", stellte Remus scherzhaft fest.

„Idiootti", erwiderte Sanni wenig galant und lachte, wobei ihr letzte helle Tränen noch immer die Wange hinunter kullerten. „Wir Finnen trinken nur zum Spaß und bei unüberwindlichen Problemen."

„Und darf ich erfahren, was für ein unüberwindliches Problem dich dem Teufel Alkohol in die Arme treibt?" Der leichte Tonfall tat Remus erstaunlich gut und half ihm, seine Sinne zu sammeln.

„Du", erwiderte sie ernsthaft. „Du bist mein unüberwindliches Problem."

„Merlin", seufzte er leise und legte vorsichtig eine Hand an ihre Wange. Sanni war so nah, dass er die Wärme spüren konnte, die von ihr ausging. Er war sich ihrer Nähe plötzlich so körperlich bewusst, dass ihm das Blut zwischen die Lenden schoss. Ein Ort, wo er es in diesem Augenblick ganz sicher nicht gebrauchen konnte. Es fehlte in seinem Kopf, mit dem er doch denken musste! Sannis Finger in seinem Haar halfen auch nicht gerade bei diesem Unterfangen, ebenso wenig wie ihr schneller, pochender Herzschlag unter den Fingern seiner linken Hand, von der er bei Merlin nicht mehr sagen konnte, wie sie auf Sannis Brust gelangt war. Hastig beschloss er, das sinnlose Unterfangen des Nachdenkens aufzugeben und zog Sanni näher. Ihre Lippen waren so weich unter seinen Fingerkuppen, er musste einfach herausfinden, wie sie sich an den seinen anfühlen würden. Der erste Kuss brachte sein Herz zum Rasen und sein Denken vollständig zum Erliegen. Von einem Augenblick zum nächsten waren achtzehn Jahre und alle Verletzungen wie fortgewischt. Mit jeder Berührung wichen Unsicherheit und Schmerz einem tiefen, ursprünglichen Vertrauen, mit jedem Kleidungsstück, das sie einander vom Leib zogen, kamen sie dem Winter `82 näher. Sannis Fingern schien ein magischer Magnetismus inne zu wohnen – Remus' Blut folgte ihnen, egal wo auf seinem Körper sie ihn berührten. Jeder Kuss machte ihm klar, dass es genau das war, wonach er gehungert hatte, und jeder weitere ließ ihn nur mit unbändiger Sehnsucht nach mehr zurück.

Mit fiebrigen, zitternden Händen streifte er ihr schließlich Hemd und Höschen ab, um gleich darauf verzaubert inne zu halten. Die flackernden Flammen des Kamins warfen Myriaden gelbroter Lichter über ihre zarte Haut, überzogen die hellen Locken ihrer Scham mit einem Goldton und verliehen selbst den weißen Strähnen in ihrem langen Haar einen feurigen Schimmer. Feine weiße Narben zogen in parallelen Streifen über ihren Leib, dort wo die Schwangerschaft mit Matti ihre Spuren hinterlassen hatte. Remus berührte sie zögerlich, zärtlich. Wie gerne wäre er damals bei ihr gewesen, hätte sie betrachtet und geliebt mit ihrem runden, schwellenden Bauch, in dem ihr gemeinsames Kind heranwuchs. Das Gefühl, etwas Wertvolles verloren zu haben, schmerzte unerwartet stark. Remus wischte es beiseite. Er konnte später trauern, sie hatten das Hier und Jetzt miteinander, und sie war hinreißend.

„Du bist wunderschön", sagte er leise und wenig originell.

„Danke", erwiderte sie und grinste. „Du hast dich auch ganz gut gehalten. Ich hatte große Angst, einen Glatzkopf mit Bierbauch vor Dolohov retten zu müssen. Severus hatte so etwas angedeutet."

„Merlin, und ich habe Sirius davon abgehalten, ihn zu erwürgen, unendlich viele Male!" rief Remus mit gespielter Empörung aus.

Sanni prustete, ihr Lachen steckte ihn an, und er spürte, wie seine Mundwinkel zuckten. Die Heiterkeit verebbte, und Sannis Gesicht wurde ernst, auch wenn ihre Augen ihn weiter anstrahlten.

„Ich bin ein bisschen unsicher", gestand sie. „Ich will das hier so sehr."

„Du bist die Frau", entgegnete Remus. „Wenn hier jemand nervös sein muss, bin ich das."

Sachte strich er ihr eine lange Strähne hinters Ohr. Ihr Haar war weich und duftete nach frisch gefallenem Schnee, selbst hier am offenen Kaminfeuer. Doch Remus konnte auch ihre Erregung riechen, und noch mehr als ihr Anblick trieb ihm dies den Schweiß auf die Haut und das Blut zwischen die Lenden. Doch er wollte nicht über sie herfallen wie ein ausgehungertes Tier, ein Vorsatz, der sich vermutlich in Luft auflösen würde, wenn er ihr auch nur ein winziges, weiteres Stückchen näher kam.

Sanni breitete die Arme aus, und Remus ließ sich willig in ihre Umarmung fallen. Das Gefühl, sie so nackt, Haut an Haut zu spüren, ließ ihn schwindlig werden vor Glück. Um die Beherrschung zu wahren, begann er konzentriert, jeden Zentimeter ihrer Haut mit Lippen, Zunge und Zähnen zu erkunden. Sanni gab sich ihm hin, ohne Hemmungen, ohne weitere Gedanken, und bald brachte er sie mit seinen Liebkosungen dazu, dass sie sich keuchend vor Lust unter ihm wand, Brüste und Scham seinen lockenden Küssen entgegenhebend. Plötzlich packte sie ihn an den Oberarmen, drehte ihn sachte auf den Rücken, und brachte ihr Gesicht direkt vor seines.

„Wie lange willst du mich noch warten lassen, Remus Lupin? Sind achtzehn Jahre nicht genug?"

„Ich dachte, du kannst ein bisschen Vorsprung gebrauchen. Ich werde nicht lange durchhalten", gab er atemlos zurück.

Seine Erektion rieb gegen ihren Schenkel, und er hätte laut aufstöhnen können vor Lust. Im nächsten Augenblick tat er genau dies, denn Sanni hatte sein Glied mit sanftem Griff an die richtige Stelle gebracht, und ließ sich langsam darauf hinabgleiten. Hitze und Enge umfingen Remus, der für einen Moment die Augen schloss, um dem Gefühl nachzuspüren, bevor er begann, Sannis Kopf zu sich herunter zu ziehen, sie zu küssen und sich langsam in ihr zu bewegen.
Er gab sein Bemühen, seine Erregung zu beherrschen auf, als der Raum begann, sich um ihn zu drehen. Er ertrank in seiner Lust, die in Wellen über ihn hinwegrollte und jeden Muskel am Ende weich und biegsam wie Gummi machte, ein Gefühl erschöpfter Befriedigung zurücklassend. Zärtlich küsste er Sanni, deren Augen noch immer dunkel vor Begehren flackerten.

„Bitte gib mir fünf Minuten", bat er.

Sie lachte. „Wir haben die ganze…." Ihr Blick ging zum Fenster. „Nun, den ganzen Nachmittag und die Nacht", stellte sie kichernd fest. „Ich bin sicher, du wirst mich noch zufrieden stellen."

„Vollständig", versprach er. „Sobald ich wieder Luft bekomme."

Remus Lupin hielt Wort. Zwischen Scones mit Sahne sowie dem ersten Tee und dem zweiten Glas Whisky kam Sanni zitternd unter ihm, seinen Namen auf den Lippen. Gegen Mitternacht schließlich, nachdem sie einander so oft geliebt hatten, dass Remus fürchtete, am Morgen nicht gerade gehen zu können, nachdem sie Stunden eng umschlungen auf dem Sofa gesessen, Kralle Taschenkatze gestreichelt und Erinnerungen ebenso beschworen wie Erlebnisse aus der Zeit, die sie einander fern gewesen waren, ausgetauscht hatten, schlief Sanni schließlich in Remus' Armen ein.

Er selbst war viel zu aufgewühlt, um zu schlafen. Das süße, schwere und berauschende Gefühl in seiner Mitte, das seine Brust eng machte vor Freude und Glück, war ihm durchaus bekannt und willkommen.

„Ich liebe dich, Sanni Nykänen", sagte er leise. Sie lächelte im Schlaf. „Ich glaube, ich habe nie damit aufgehört, all die Jahre war dieses Gefühl immer da."

Still lauschte er auf das Knacken des langsam herunter brennenden Feuers, atmete den Duft der Geliebten und hing seinen Gedanken nach. Dass diese Nacht nicht ihre letzte sein würde, daran hatte er keinen Zweifel. Er verfügte zwar über keine genaue Vorstellung davon, wie sich sein Leben nun verändern würde, doch eines wusste er sicher: Sanni und er, sie gehörten zusammen.

Das Klappen der Tür und aufgeregtes Lachen und unterdrücktes Kichern rissen ihn aus diesen angenehmen Gedanken.

„Im Wohnzimmer im Schrank", hörte er jemanden flüstern.

Schritte kamen näher, dann gab es einen dumpfen Schlag. Diesem folgte ein Schmerzenslaut und etwas, das wie ein Fluch klang.

Lumos!", gebot Remus, um im nächsten Moment die Augen zusammen zu kneifen. Nicht nur die Kerzen, auch alle Lampen im Raum leuchteten auf.

Remus starrte in Jukkas erstauntes Gesicht. Der junge Zauberer rieb sich das Knie, mit dem er offenbar an die Tischkante gestoßen war, und ließ die volle Flasche Feuerwhisky sinken, die er eben aus dem Schrank genommen hatte.

„Was ist los?", fragte Matti von der Tür her.

„Äh, nur deine Eltern", beeilte sich Jukka zu antworten. „Auf dem Sofa."

Remus zog indessen die Decke etwas höher und dämpfte das Licht. Nicht eine Sekunde zu früh, denn Matti trat neugierig in den Raum. Mit einem Anflug von Peinlichkeit beobachte Remus, wie sich die Nasenflügel seines Sohnes blähten. Natürlich, er war ein Wolfs-Animagus, sein Geruchssinn mochte gut und gerne dem seines Vaters ebenbürtig sein.

„Oh Merlin", entfuhr es dem jungem Zauberer, als er den Blick über die leeren Gläser und Teller sowie seine Mutter und Remus schweifen ließ, und eins und eins zusammenzählte.

„Nackt", ergänzte Jukka überflüssigerweise. „Das habe ich vergessen, zu erwähnen."

Die beiden Jungen starrten mit verblüfften Mienen auf das Paar.

„Leise, bitte", sagte Remus. „Eure Mutter schläft."

„Wir gehen dann mal wieder", erklärte Jukka und zerrte Matti am Ärmel. „Komm schon."

Matti schüttelte den Kopf, folgte jedoch seinem ‚Bruder' und sagte etwas auf Finnisch zu ihm.

„Ist ja gut, das kannst du ihn morgen fragen", antwortete Jukka.

„Nicht zu fassen, und mir verbietet sie, Mädchen mit nach Hause zu nehmen", hörte Remus seinen Sohn sagen.

„Sie hat Muggelmädchen gesagt", korrigierte ihn Jukka. „Und dein Vater ist kein Muggel, echt nicht."

Die Tür schloss sich hinter den beiden. Sanni gähnte und streckte sich. „Sind sie weg?"

Remus wandte sich zu ihr um. „Du Hexe, warst du die ganze Zeit wach?"

Sanni blinzelte. „Nein, erst, seit du hier drin die Festbeleuchtung getestet hast. Aber ich dachte, du liegst vorne, da kannst du auch mit ihnen sprechen. Immerhin musste ich das achtzehn Jahre allein tun."

„Wirklich?", erkundigte sich Remus. Es war die Gelegenheit eine Frage zu stellen, die ihm seit der Beerdigung auf den Nägeln brannte. „Ich hätte schwören können, du und dieser Matthew Senkonen…" Er vollendete den Satz nicht.

„Ein paar Jahre", erwiderte sie schulterzuckend. „Aber es hat nicht funktioniert. Heute sind wir nur gute Freunde."

„Sieht er das auch so?", erkundigte sich Remus. Er hatte gesehen, wie Senkonen Sanni angesehen hatte, und er war nicht geneigt, die Geschichte von ‚guten Freund' zu kaufen.

„Ich hab's ihm gesagt", erwiderte Sanni. „Was soll das werden, Remus, fragst du mich aus?"

Eine steile Falte erschien über ihrer Nasenwurzel.

„Aber nein", besänftigte er sie und gab ihr einen zärtlichen Kuss. „Ich bin nur besitzergreifend und eifersüchtig. Es sind schlechte Eigenschaften, aber ich besitze sie nun einmal." Er versuchte, die Aussage mit einem Grinsen zu mildern, aber er konnte an ihrer nachdenklichen Miene sehen, dass es nicht wirklich gut gelang.

„Ich bin sehr freiheitsliebend", bekundete Sanni. „Du wirst damit leben müssen."

Sie küsste ihn und begann, ihre Finger unter die Decke gleiten zu lassen. Remus war müde, doch sein betrügerischer Körper reagierte sofort auf ihre Liebkosungen.

„Du könntest mir noch einmal zeigen, wie besitzergreifend du bist", schnurrte sie in sein Ohr.

„Ich werde wenig Zeit zur Eifersucht haben, denn ich werde bald tot sein", kommentierte er selbstironisch. „Tod" – er küsste Sannis zarten Hals - „durch" – er bedeckte ihre empfindlichen Brustwarzen mit sanften Bissen – „Erschöpfung." Seine Lippen glitten über ihren Bauchnabel, und seine Finger fanden den Weg zwischen ihre Schenkel.

Als Sanni kurze Zeit später nach Atem rang und zärtlich sein Haar zerzauste, rief er den Zauberstab auf, um das Sofa zu verbreitern. Sie zog einen Schmollmund.

„Früher hat es dir nichts ausgemacht, dein schmales Sofa mit mir zu teilen."

„Deine Erinnerung verklärt die Vergangenheit", bemerkte er. „Ich habe schon damals das Sofa verbreitert."

Sie lächelte. „Und ich bin auf dich drauf gekrabbelt, weil deine Verwandlungen so unzuverlässig waren. Wie oft bin ich nachts auf dem Boden gelandet, weil der Zauber vor der Zeit endete?"

„Solange, bis du dir angewöhnt hattest, innen zu schlafen", ergänzte er und küsste sie. „Ich war blind", bekannte er im nächsten Moment ernsthaft. „Wir waren so unsagbar glücklich, und ich habe es nicht einmal richtig bemerkt."

„Du hattest große Sorgen und eine Menge Enttäuschungen zu verkraften", tröstete sie sanft. „Aber weißt du, manche Dinge ändern sich, und ich habe oben im Schlafzimmer ein ganz gewöhnliches, völlig ummagisches Muggelbett, einssechzig mal zwei Meter."

„Klingt toll", bekannte er. „Direkt über uns?"

Sie nickte.

„Darf Kralle mit ins Bett?", erkundigte sich Remus. Suchend sah er sich nach der Katze um.

„Sie dürfte", bekannte Sanni. „Aber sie zieht es vor, bei Enni zu schlafen. Und ich glaube, sie hat sich längst davon gemacht."

Tatsächlich hatte Kralle bereits das Weite gesucht, und so konnte Remus sich auf Sanni konzentrieren, als er die Arme um sie legte und sie beide nach oben apparierte. Müde und zufrieden schlüpften sie unter die weichen Decken, und in der dunklen Kühle des stillen Raumes kam auch Remus' rastloser Kopf endlich zur Ruhe. Mit Sanni in seinen Armen schlief er ein, einen warmen Klumpen aus Scones, Tee, Whisky und Glückseligkeit im Bauch. Was immer der Morgen bringen würde – zusammen mit Sanni würde er heller und besser sein, als jeder andere in den vergangenen achtzehn Jahren.


ENDE



Finnisch mit Sanni:

„Hölkynkölyn" heißt natürlich Prost! Also wenn Ihr demnächst im Rahmen der Open Air-Festivalsaison ein „Meet and greet" mit Nightwish, Apocalyptia oder Lordi gewinnt: So geht's.

„Laskiaispulla" – finnisches Hefegebäck, oft mit leckerer Sahne und im Sommer mit Beeren gefüllt. Sozusagen die finnische Variante von Selmas legendären Blaubeermuffins ;-)

A/N: Natürlich war dies noch nicht das Ende! Wie immer gibt es einen Epilog, der den „Rest" klärt. Zuvor jedoch meine Frage an Euch: Was muss noch geklärt werden, abgesehen von Snapes und Malfoys Schicksal, welches geheimnisvolle Versprechen Sanni Lucius gegeben hat, wo Remus und Sanni zukünftig leben werden, was mit Matthew ist, und ob Matti nun in Los Angeles oder doch in Helsinki studiert? (Okay, ich glaube, das reicht für einen Spin-off…)