Prolog – Schnee

Wo war er nur?
Wo steckte er, irgendwo musste er hier sein.
Er konnte ihn riechen, er konnte ihn spüren…irgendwo hier war er.
Aber wo?

Fast lautlos schlich er sich durch die Menschenmengen, die Kapuze seines Umhangs tief ins Gesicht gezogen.

Niemand erkannte ihn, wusste wer der vermummte Kerl war, er wurde ignoriert…um so besser.

So konnte er seinen Plan ungestört ausführen, so konnte er das tun was er schon so lange gewollt hatte.
Was er schon so lange geplant hatte, und nun wo die richtige Zeit gekommen war, konnte er es tun…endlich.

Da war er, er sah ihn…nun brach eine neue Ära an.

Harry James Potter verließ langsam den Zauberersupermarkt und sah nach oben zum Himmel hoch, eine Schneeflocke berührte seine Nase.

Es schneite wieder, der erste Schnee seit Heiligabend, der erste Schnee im neuen Jahr.
Ein Jahr das noch nicht mal eine Woche alt war.

Es war noch so jung und unschuldig wie die Schneeflocken die bald den Boden mit einer weißen Schicht bedecken würden.
Damals hatte es auch geschneit, damals vor drei Jahren…als die Welt noch anders war. Als sie sich gerade veränderte und zu dem wurde was sie an diesem Tag zu sein schien.

Er streckte die Hand aus, fing eine Schneeflocke ein und beobachtete wie sie auf seiner Haut zerschmolz.

Wie wunderschön dieses Gefühl doch war, kühl und sanft

Nun würde es schnell kalt werden, zu kalt um sich noch lange in der Winkelgasse aufzuhalten. Am besten ging er schnell nach Hause und feuerte den Kamin ordentlich an. Dann würde er sich mit einem heißen Kakao davor setzen und…wahrscheinlich wieder darüber nachdenken wieso er alleine war. Wieso niemand mit ihm vor dem Kamin sitzen wollte. Wieso niemand seinen Arm um ihn legte und ihm einen Kuss auf die Stirn haucht, um damit zu zeigen das er da war und ihn beschützte…ihn liebte.

Ja gut, er hatte Freunde.

Nach der Schlacht hatte er die Spreu vom Weizen getrennt und nur die Menschen als Freunde behalten, welche er wirklich liebte und von denen er wusste das sie ihn ebenso liebten.

Zwei davon waren Remus Lupin und Severus Snape.
Die Beiden wollten schon lange das Harry bei ihnen einzog aber dem jungen Mann lag nichts daran den alternden Kriegern beim Knutschen zuzusehen.
Das würde ihm doch nur weh tun…

Nicht das er ihnen ihr Glück nicht gönnte, aber sie waren nun schon seit zwei Jahren in der Phase in der sie die Finger einfach nicht voneinander lassen konnten.

Harry hatte einfach keine Lust immer daran erinnert zu werden, dass er niemanden hatte der ihn küsste und in jeder Kammer verführte.

Wirklich jede Kammer…Remus und Severus waren wie zwei verliebte Schuljungen die noch erst alles ausprobieren mussten.

Sie hatten viel nachzuholen, viel zu erleben.
Und immer wenn Remus den jungen Mann besuchte musste dieser sich merkwürdige Details aus dem Liebesleben zweier Lehrer anhören.

Er sah seufzend in den Korb und betrachtete den Inhalt, wenn er doch auch einen Freund hätte…sicher war Remus schneller wieder zu Hause wenn Harry anfangen würde ihm schmutzige Details aus seinem Liebesleben zu offenbaren.

Nicht das er die Anwesenheit des Werwolfs nicht schätzte, er schätzte sie solange bis dieser anfing zu erzählen.
Von den Besenkammern, den Schülerpulten, dem Lehrertisch in der großen Halle, dem Labor, dem Raum der Wünsche…die Beiden schienen nichts auszulassen.

Severus schwieg meist bei seinen Besuchen, dann spielte er mit Harry Schach und sah dabei alle zehn Minuten auf seine goldene Taschenuhr.

Oh der Zaubertränkemeister schätzte es bei dem Retter der Welt zu sein, er mochte die Schachspiele und zeigte derweil sogar ein Lächeln. Aber kaum erwähnte der junge Mann das er müde war, war der Professor aus der Tür raus und wieder in den Armen seines Werwolfs.

Harry konnte darüber lachen, und er wünschte sich inständig genauso empfinden zu dürfen…einmal hatte er das sogar getan.

Aber nach einem Jahr hatten er und Draco erkannt das Freundschaft doch mehr das war was sie empfinden konnten, sie waren ja mehr auf dem Quidditschfeld gewesen als im Bett.

Und der junge Malfoy war auch nicht gerade kuschelbedürftig gewesen.

Ganz im Gegenteil zu Harry, der wollte kuscheln und geliebt werden und…alles eben.

Erbsen.

Milch.
Zucker und eingelegte Kirschen.

Harry vertrug den Zaubererreis aus irgendeinem Grund nicht, deswegen gab es statt Milchreis die Variante mit Erbsen. Das Zeug musste nur ewig kochen bis man es essen konnte. Natürlich hätte er auch in die Muggelwelt gehen können, aber was erwartete ihn da…er war seit drei Jahren nicht mehr dort gewesen. Mit der Zeit hatte er eine leichte Angst davor bekommen, die Muggel entwickelten sich schneller als die Zauberer.

Was war wenn Harry nicht mehr damit klar kam?
Normalerweise kochte der junge Mann nicht, aber an diesem Tag hatte er Hunger gehabt und zwar genau auf das Gericht was ihm Narcissa Malfoy immer gern gekocht hatte wenn er zu Besuch gekommen war.

Dracos Mutter kochte gerne.

Etwas was man von ihr nie erwarten würde.

Sonst ging er immer essen, immer im selben Restaurant. Dort kannten sie ihn schon und erfüllten ihm gerne seine Wünsche.
Er seufzte erneut, wickelte sich enger in seinen Umhang, dann ging er los.
Durch die Winkelgasse, durch die vielen Menschen die sich in die Läden drängten um ihre Weihnachtsgeschenke umzutauschen.

Den Laden der Weasleys gab es schon lange nicht mehr.

Fred und George waren in der Schlacht gestorben und Ron hatte zusammen mit Ginny das Geschäft in den Ruin gewirtschaftet. Aber da waren die Beiden schon nicht mehr mit Harry befreundet gewesen.

Ron kam nicht damit klar das sein ehemals bester Freund auf Männer stand und Ginny kam nicht damit klar das ihre große Liebe nichts von ihr wollte. Davon abgesehen, selbst wenn Harry hetero wäre…sie war hübsch und sie wusste das sie damit jeden Mann bekam.

Etwas was sie voll ausnutzte und sehr zu genießen schien.

Trotzdem waren sie bei Harry aufgelaufen als das Geschäft vor dem Ende war, sie hatten Geld verlangt…der guten alten Zeiten wegen…aber der Retter der magischen Welt hatte ihnen nichts gegeben.

Nun hassten sie ihn richtig, aber es war ihm egal.

Derweil neigten sie dazu ihn anzugreifen oder seine Hauswände mit Schmierereien voll zu zaubern, aber nur ein Brief an Lucius Malfoy reichte, und sie konnten sich eine schöne Woche in Askaban machen.

Ron und Ginny hatten in den letzten zwei Jahren sehr viele von diesen schönen Wochen gehabt, es schien sie nicht abzuschrecken aber Hedwig flog gerne nach Malfoy Manor…da gab es immer hausgemachte Eulenkekse aus Narcissas Küche.

Oh Harry hatte eigentlich sehr viele und gute Freunde, aber niemand zum kuscheln und lieben.

Niemand der ihn so liebte wie der junge Mann es sich wünschte.
War das sein Fluch?

Ein starker Ruck ging durch den jungen Mann und dann wurde Harry gepackt.

Starke Arme rissen ihm vom Boden hoch und warfen ihn über die Schulter. Er verlor den Korb, sah noch wie dieser auf den Boden knallte, dann verschwand alles um den jungen Mann herum…