Was ich dir sagen wollte

von Kira Gmork

Die Stimme des Mannes passte zu seinem grimmigen Gesichtsausdruck.

"Du bist immer so wahnsinnig überzeugt von dir, so unerträglich überheblich, dass ich dich am liebsten manchmal dafür schlagen möchte."

Noch grimmiger starrte er den anderen an. "Deine Entscheidungen, deine Wünsche, deine Meinung, ist scheinbar alles was zählt! Mit dir befreundet zu sein, ist eine einzige Qual!"

Die dunklen Augen loderten beim letzten Satz, und mit spöttisch harscher Stimme fügte er an: "Aber es hat auch sein Gutes, in deinem Umfeld geduldet zu sein...selbst ich profitiere manchmal davon, obwohl ich diese Vorteile nie bewusst in Anspruch nehme, die deine Nähe mit sich bringen."

Nun hallte die Stimme des Schwarzhaarigen laut durch den Raum, während er den anderen Mann anfuhr: "Ich habe dein verdammtes Geld nie gewollt, mit dem du um dich schmeißt, wenn du glaubst, dich für etwas revanchieren zu müssen - deinen DANK hingegen hätte ich gerne entgegengenommen, aber dieses Wort auszusprechen bist du scheinbar nicht in der Lage..."

Er starrte den Freund mit dem langen blonden Haar an und seufzte: "Du bist ein arroganter Scheißkerl", dann wischte er sich über das Gesicht und fuhr fort: "Du verwechselst die Dinge in deiner grenzenlosen Dummheit. Du hältst Menschen für deine Freunde, die dir ohne zu zögern einen Fluch in den Rücken jagen würden, wenn du ihnen tot mehr nutzen würdest, als lebend. Aber du verachtest die Menschen, die dir die Wahrheit sagen und dich in Freundschaft kritisieren. Du verachtest sie und vermutlich auch mich. Nein...", er zögerte, dann sagte er leise, "...nicht nur VIELLEICHT, sondern ganz bestimmt verachtest du mich."

Das Flüstern wurde noch leiser. "Ich würde für dich durchs Feuer gehen, aber du würdest das Gleiche niemals für mich tun, sondern für die, die dir bedingungslose Ehrerbietung vorheucheln. Da gibt es nichts zu leugnen...nichts zu beschönigen...ich bin für dich nur irgendwer, den du zufällig schon lange genug kennst, um ihn auch jetzt noch in deiner Nähe zu dulden, obwohl du jeden anderen, der in deinen Augen so ein armer Schlucker ist, wie ich es bin, normalerweise aus deinem Umkreis fortjagst. Eigentlich passe ich nicht in deine versnobte Welt. Ich passe nicht in dein Arrangement aus einflussreichen, vermögenden Freunden...oder die, die vorgeben, deine Freunde zu sein. Keiner von denen würde dir sagen, wie lächerlich du dich manchmal benimmst...so, als würde die ganze Welt nur dir gehören und sich nur zu deiner alleinigen Freude drehen. Sie dreht sich für ALLE, auch für die, die du verachtest! Aber du siehst nur, was du sehen willst. Und mich...", seine Stimme versagte fast vor Zorn, "....und mich nimmst du nur am Rande wahr. Ich hasse dich dafür!"

Die Finger des Dunkelhaarigen pressten sich in die eigenen Handflächen und bildeten weißknöchelige Fäuste. Selbst die Stimme des Mannes klang nun wie eine Faust und es war mehr die verzweifelte Gewalt, als die Logik, die aus ihr sprach .

"Wenn du jetzt - verdammt nochmal - nicht endlich aus dem Koma erwachst, das der Fluch verursacht hat, dann reiße ich dir eigenhändig deinen selbstherrlichen, arroganten, eitlen Arsch auf, Lucius!"

Augenlider flackerten.

Eine schlanke, blasse Hand klammerte sich am Bettzeug fest, als fürchte der Erwachende, sich auf einem schwankenden Schiff wiederzufinden.

Die graublauen Augen suchten umher und trafen dann auf die dunklen.

Die Stimme des Erwachten klang rau, als er desorientiert sagte: "Ich muss eingeschlafen sein. Hast du etwas gesagt, Severus?"

Der Dunkelhaarige schüttelte den Kopf. "Nein, Lucius. Schön, dass du zurück bist!"

ENDE