Diese Geschichte ist irgendwann im Jahr 2003 entstanden. Ich habe von '99 bis 2003(?) mit kurzen unterbrechungen auf Vallon Zek gespielt und mir zumindest die EQ2 Beta angeschaut. Da kam mir dann die Idee, eine Geschichte in der Welt von EQ1 zu starten und die Charaktere Jahre später in EQ2 stranden zu lassen. EQ2 habe ich dann aber nie gespielt (WoW war einfach besser für mich Gelegenheitsspieler geeignet), daher werde ich einiges von dem, das in EQ2 spielen wird, improvisieren - bitte nicht steinigen, sollte irgendwem ein grober Fehler auffallen, laßt es mich einfach wissen!

Ich weiß nicht, wie regelmäßig ich die Geschichte updaten werde, zur Zeit schreibe ich eher an Supernatural. Allerdings finde ich die Handlung hier einfach zu spannend, um sie brach liegen zu lassen und bin schon neugierig, was Ijo, Oth und der Bote so alles erleben werden.

Disclaimer: Ich besitze natürlich keinerlei Rechte an Everquest oder den NPCs, die ich für meine Geschichte ausgeborgt habe.


Es ist finster. Aber es hat auch finster zu sein. Es ist Nacht. Tiefste Nacht. Und das ist auch gut so. Wenigstens sind die ganzen Raubtiere, die hier unter Tags unterwegs sind, weg. Die nächtlichen Raubtiere alleine sind auch gefährlich genug, um den meisten Leuten kalten Schweiß ausbrechen zu lassen. Aber jemand, der die tiefsten Schatten seine Heimat nennt, jemand, der in Neriak geboren wurde, der läßt sich von dem, was sich hier Gefahr nennt, nicht in die Flucht schlagen. Die wenigen Menschen, die jetzt noch auf der Straße sind, halten sich in den einsamen Lichtinseln der Laternen auf, eilen von einem erleuchteten Fleck zum nächsten. Aber für einen Tier'Dal ist es hier hell - angenehm hell. Nicht so blendend wie am Tag, wo die Augen durch die pure Kraft des Lichts beinahe verglühen. Hier am Hafen fällt eine einsame, vermummte Gestalt nicht auf, hier am Hafen gibt es so wenig Lichtquellen, daß selbst die wenigen Halbelfen, die hier leben, Schwierigkeiten hätten, den Schatten zu entdecken. Aber in den besseren Vierteln, wo auch um diese Zeit die Stadtwache patrouliert, da könnte es Probleme geben. Angeblich wurden drei Wachmänner bestochen. Allerdings muß das Timing stimmen. Und dafür wird die Zeit langsam knapp.

Noch zehn Meter bis zum Eingang der nächsten Taverne. Dort ist die Staße durch das trübe Licht, daß aus den Fenstern sickert, ein wenig erleuchtet. Nicht genug, um sich ernstliche Sorgen machen zu müssen, aber ausreichend, um Vorsicht walten zu lassen. Ein lautes Klirren ertönt aus dem Lokal und die Gestalt bleibt mitten im Schritt erstarrt stehen. Ein metallisches Klirren? Das war kein Dolch, das war ein Schwert. Wahrscheinlich ist es auf ein anderes Schwert geprallt - ein Kampf? Vielleicht eine Razzia der Stadtwache? Ein sehr ungünstiger Zeitpunkt, aber vielleicht läßt sich daraus auch ein Vorteil ziehen... Alle Wachmänner, die in diesem Lokal aufräumen, fehlen bei der Bewachung der anderen Viertel. Vorsichtig und dennoch flink wie eine Katze, huscht der Schatten die Straße entlang, bis er in der nächsten dunklen Ecke verschwindet. Für einen Wimpernschlag lang fällt dabei Licht auf das Gesicht der vermummten Gestalt und beleuchtet ein spitzes Kinn, über dem ein schmaler Mund sitzt. Eine weiße Haarsträhne blitzt unter der tiefen Kaputze vor. Dann ist auch schon nichts mehr zu sehen.

Lange Minuten verstreichen, bis irgendwo im nördlichen Viertel in eine dunkle Ecke Bewegung kommt. Ein Schatten erscheint praktisch aus dem Nichts, unbemerkt von dem Wachposten, der nur wenige Meter entfernt patrulliert. Ist das einer von ihnen...? Die dunkle Gestalt zieht eine Münze unter dem Umhang hervor. Bloß kein Risiko eingehen. Das Zielen beansprucht nur wenige Sekunden, dann fliegt die Münze exakt dort hin, wo sie soll. Irgendwo auf die Straßen, Hauptsache weit weg von dem dunklen Eck. Der Wachmann hat gute Ohren. Der behelmte Kopf ruckt herum und mit gezogenem Schwert eilt die Wache fort von der dunklen Ecke. Ein Schatten, ein wenig fehl am Platz auf dieser hell beleuchteten Straße, huscht in der anderen Richtung davon. Die Strecke bis zur nächsten Deckung scheint mit jedem Schritt länger zu werden. Aber noch ist die Wache beschäftigt. Das Regenfaß ist schon beinahe in Reichweite, als vom anderen Ende der Straße, wo irgendwo die Wache sein muß, eine laute Stimme ertönt. Die Worte müßen wohl der Menschensprache entstammen, sie klingen vage vertraut. Aber dieser Dialekt... Dennoch bleibt der Inhalt des Ausrufs nicht verborgen. Was anderes könnte die Wache schreien als ein `Halt! Stehen bleiben!`? Die Gestalt wirbelt um die nächste Hausecke in einen kleinen Hinterhof. Den Rücken an die Wand gepresst, erscheint ein schlanker Dolch in der behandschuhten Hand der Gestalt, wie er in dieser Stadt wohl erst wenige Male gesehen wurde. Die kunstvollen Verzierungen daraus bestehen aus elfischen Schriftzeichen, aber auch arkane Symbole sind vertreten und lassen darauf schließen, daß wohl nicht das Metall das Tödliche an dieser Waffe ist. Minuten verstreichen: Minuten, in denen nicht passiert. Vorsichtig schiebt sich die Gestalt Zentimeter für Zentimeter nähe an die Ecke heran, bis sie schlußendlich einen kurzen Blich hinaus riskiert. Da! Am Ende der Straße steht die Wache - und dreht die Münze in den gepanzerten Fingern. Ein leiser, erleichterter Seuftzer entweicht den schmalen Lippen. Beinahe lautlos, nur für die geschulten Ohren eines Diebes hörbar setzt sich der Schatten wieder in Bewegung.

Der nächste Wachposten ist leer. Zumindest auf den ersten Blick. Diletantisch versteckt hockt der Wachmann hinter einem Kistenstapel. Ist es einer der bestochenen, der sich eine leicht verdiente Belobigung sichern will, in dem er den unerwünschten Besucher gefangen nimmt? Der Münzentrick wird hier wohl nicht funktionierten... Also dreht die Gestalt um und geht den Weg zurück, den sie gekommen ist. Allerdings nur ein etwa fünf Minuten langes Stück. Wenige Minuten später nähert sich der Schatten wieder dem Wachmann - allerdings dieses mal von der anderen Seite her. Hier ist genau ersichtlich, daß der hinter den Kisten auf etwas oder jemanden lauert. Eine Hand liegt am Schwert, die andere auf einer Signalpfeife. Vorsichtig, lautlos schleicht sich die Gestalt näher. Eine Hand am Dolch, die andere in den Tiefen des Umhangs verborgen. Der Wachmann merkt nichts von dem drohenden Unheil, bis der Dolch Blut leckt. Nicht einmal mehr ein sterbendes Röcheln ertönt. Völlig lautlos sinkt der Tote zu Boden. Warum hatte er auch seinen Helm abgelegt?

Langsam neigt sich die Nacht dem Ende zu. Nur mehr wenige Stunden bis zum Morgengrauen. In einer noblen Villa sitzt ein Mann vor dem offenen Kamin, dessen Gewänder mindestens so teuer sind, wie die übrige Einrichtung des Hauses. Hier wurde wohl beinahe so viel Geld ausgegeben, wie im gesammten Havenviertel zusammen. Eine kleine, goldene Uhr - zweifelsohne das Werk eines gnomischen Meisteringenieurs - zeigt, daß es an der Zeit ist. Der Mann steht auf, streicht sei Gewand glatt und betritt die Terasse, die auf den Garten hinaus blickt. Stille liegt über diesem Teil der Stadt. Ein gutes Zeichen. Hätte die Stadtwache den Eindringling entdeckt, wäre die Aufruhr sicher bis hier her zu hören. Nur ein leises Geräusch auf der preparierten Diele - dieser Bote ist sein Geld mehr als wert - und dann leistet ein Schatten dem Mann Gesellschaft. "Der Umschlag liegt auf dem Tisch. Ebenso wie die Anweisungen. Im `Freeport Inn` wurde ein Zimmer gemietet. Erster Stock. Das letzte Fenster. Dort ist die Anzahlung." Zu gerne würde er herum fahren und den Neuankömmling genau muster. Aber was würde das für ein Bild von ihm geben? Nein. Noch ein wenig ins Gespräch verwickeln und dann... "Ich hoffe, Ihr seid Euch der Gefahr bewußt, in die Ihr Euch begeben werdet. Man hat mir versichert, daß Ihr dem mehr als gewachsen sein werdet. Aber wir haben hier ein Sprichwort... Auch ein Versager kann einen guten Ruf haben." Fast beiläufig dreht sich der Mann um und muß feststellen, daß der Tisch leergeräumt ist und sich sein Gesprächspartner wieder in Luft aufgelöst zu haben scheint.