„Lisa? Schon Feierabend?", hielt David seine Chefin davon ab, Kerima Moda an einem Nachmittag viele Wochen später zu verlassen. „Ja. Ich will zu Rokko ins Reha-Zentrum." – „Wie geht's ihm denn?" – „Er macht ständig Fortschritte, aber es ist noch ein weiter Weg, bis er wieder der Alte ist." – „Grüß ihn von mir", forderte David Lisa auf. „Danke… für alles, David. Dafür, dass du in den letzten Wochen so für uns da bist und dafür, dass du… naja… nicht versuchst, deinen Vorteil aus der Situation zu schlagen." – „Kein Ding. Das bin ich dir schuldig, oder? Jetzt weiß ich wenigstens, wie sich das anfühlt, so hoffnungslos verliebt zu sein", zuckte David gequält lächelnd mit den Schultern. „Du findest ganz sicher auch die Frau fürs Leben", munterte Lisa ihn auf. „Ich muss jetzt wirklich los, ja? Ich will keine Minute verpassen."

„… und Hugo lässt ausrichten, dass du ihm fehlst", schloss Lisa ihren Bericht an Rokko. „Schön", strahlte dieser. „Ist mir aber alles egal – Hauptsache, du bist da. Du hast ja noch gar nichts von deinem Kuchen gegessen", stellte er dann traurig fest. „Ich weiß. Als ich ihn vorhin gekauft habe, hatte ich total Jieper darauf, aber jetzt wird mir alleine von dem Geruch schlecht." – „Du wirst doch hoffentlich nicht krank", entfuhr es Rokko besorgt. „Wer ist krank?", fragte Rokkos behandelnder Arzt, der gerade das Zimmer betrat. „Niemand", wiegelte Lisa ab. „Meine Freundin – erst hat sie ein Gelüst und jetzt wird ihr von eben diesem Gelüst oder vielmehr seinem Geruch schlecht." – „Klingt ja jetzt nicht so spezifisch", schmunzelte der Arzt. „Zeigen Sie mir mal Ihre Arme", forderte er Lisa auf. „Der da sieht gut aus", stellte er dann mit einem Blick auf Lisas linken Arm zufrieden fest. Ehe Lisa sich versah, hatte der Arzt ihren Arm auch schon desinfiziert und nahm ihr Blut ab. „Wenn Sie nachher gehen, kommen Sie nochmal an meinem Büro vorbei, dann lasse ich Sie wissen, ob mit Ihrem Blutbild alles in Ordnung ist."

„Das ist so großartig", bestaunte Lisa, wie Rokko mit Hilfe von Krücken durch den krankenhauseigenen Park lief. „Das finde ich auch. War viel Arbeit", ächzte Rokko. „Das nächste Ziel ist es, mich gepflegt zu unterhalten, während ich so durch die Gegend humpele." – „Okay, ich lese in der Zwischenzeit dann laute schlaue Bücher, damit ich auch mitreden kann", lachte Lisa gutgelaunt. „Herr Kowalski! Frau Plenske! Da sind Sie ja", lief Rokkos Arzt auf die Beiden zu. „Stimmt etwas nicht, Herr Doktor?", wollte Rokko wissen. „Es ist alles in bester Ordnung. Ich dachte nur… Ich habe Frau Plenskes Blutergebnisse und dachte mir, ich sollte Ihnen das persönlich sagen: Herzlichen Glückwunsch! Sie werden Eltern." Lisas blaue Augen wurden riesig. „Nein!", staunte sie. „Doch", lächelte der Arzt. „Alles Weitere muss ein Kollege aus der Gynäkologie abklären, aber Sie sind definitiv schwanger." – „Rokko, hast du das gehört?", wirbelte Lisa zu ihrem Lebensgefährten herum. „Ja, habe ich", hauchte er ehrfürchtig. „Herr Doktor, wie viele Extra-Einheiten kann ich bis zur Geburt kriegen? Ich will nämlich wieder ganz auf der Höhe sein, wenn der kleine Wurm auf der Welt ist." – „Ich werde sehen, was ich tun kann. Je nach dem in welcher Woche Ihre Freundin ist, ist das vielleicht gar nicht nötig – bei dem Tempo, das Sie bei der Reha zurücklegen."

„Dein Papa ist ein Held", sprach Lisa mit ihrem Bauch. „Erzähl dem Kind doch nicht so einen Blödsinn. Ich habe nur gemacht, was jeder andere auch getan hätte", winkte Rokko ab. Er lag mittlerweile wieder in seinem Krankenhausbett und erholte sich von den Strapazen des Tages. „Und bescheiden ist er auch noch", kicherte Lisa. „Ich muss dann wohl los, oder?" Rokko warf einen Blick auf die Uhr. „Ich schätze schon. Schade", seufzte er. „Ich komme ja morgen wieder", tröstete Lisa. „Ihr kommt morgen wieder", korrigierte Rokko. „Ja, wir", lächelte Lisa. „Ich freue mich so", gestand sie Rokko dann. „Treffer versenkt – gleich beim ersten Mal", schockierte sie Rokko dann mit einer sehr direkten Beschreibung der Umstände. „Das könnte man so sagen… zumindest bei einem der ersten Male. Das werden wir ja nie wirklich erfahren. Nun macht aber, dass ihr nach Hause kommt. Die Physiotherapeutin kommt gleich nochmal und ich will mein Bestes geben, um bald wieder fit und vor allem Zuhause zu sein." – „Ja, Zuhause", seufzte Lisa. „Ich freue mich schon darauf – nur du, ich und der kleine Wurm. Dann trainier mal schön", beugte sie sich für einen Kuss zu Rokko herunter.

1