WHEN LOVE TENDS TO BECOME A PROBLEM -

REMEMBER, IT STILL REMAINS A GIFT

Disclaimer: So gut wie alle Charaktere in dieser Geschichte gehören nicht mir, sondern Disney und keine Ahnung wem sonst noch. Das einzige, was mir gehört ist die Idee dieser Geschichte. Dasselbe gilt auch für weiter folgende Kapitel.

Kapitel 1 – Mein Name ist Lilly Truscott

Stille, nichts war aus dem kleinen Einfamilienhaus zu hören.

Niemand – der zufällig hier vorbei fuhr – hätte erwartet, dass in eben diesem Haus ein junges Mädchen ihr Dasein fristete. Die Mutter auf der Arbeit, obwohl es gerade mal zehn Minuten vor sieben war, der Vater schon lange Zeit mit einer Jüngeren ausgerissen.

Ihre Mutter verließ das Haus schon immer sehr früh, seid ihrer Scheidung von dem einzigen Mann, mit dem sie je mehr angefangen hatte, als nur eine kleine Beziehung. Und nun gut, bei diesen Umständen kommt es doch nun auch wirklich nicht darauf an, ob sich ihre 17-jährige Tochter nicht vielleicht vernachlässigt fühlen könnte. Nein, das kam Heather Truscott nicht in den Sinn. Wieso auch? Das Kind hatte immerhin schon ein eigenes Auto und sie selbst hatte genug Probleme.

Tja, und eben diese 17-jährige Tochter lag immer noch in ihrem Bett und machte auch keine Anstalten, sich in der nächsten Zeit noch groß zu bewegen. Sie schnarchte nicht, das kleine Haus war vollkommen leise. Aber selbst wenn. Es wäre doch ohnehin niemand da gewesen, der sich daran hätte stören können.

Mein Arm hängt noch in einer unbequemen Lage von meinem Doppelbett. Mein Gesicht ist zur Hälfte in meinem Kissen vergraben und ich schere mich noch nicht wirklich darum, dass Sabber von meinem Kinn getropft ist, als ich geschlafen habe. Wäre ich nicht schon wach, dann würde ich jetzt vermutlich anfangen zu murmeln. Das mache ich nämlich immer, wenn ich schlafe – oder so hat man es mir zumindest erzählt.

Es ist ein völlig normaler Morgen. Ein Morgen, an dem ich mir wahrscheinlich schon wieder nicht die Mühe mache aufzustehen und zur Schule zu schlurfen. Seaview High ist wirklich kein Ort, den man gerne besucht und wo man sich mit Freuden aufhält.

Oh richtig, ich hab' mich ja noch gar nicht vorgestellt. Also, mein Name ist Lilly Truscott und ich bin 17 – duh!Wie gesagt, meine Ma interessiert sich einen feuchten Dreck für mich, mein Vater ist als ich etwa sieben war abgehauen und mein Bruder ist auch weg. Irgendwo im Nirgendwo. Wenn ich sensibler wäre, würde mich das wahrscheinlich in irgendeiner Weise bedrücken, oder ich würde mich vielleicht einsam fühlen. Aber nein, es geht mir wirklich blendend!

Ich habe eine Menge alte, feine Narben auf meinem linken Arm – aber keine Sorge, die sind nicht von Schlägereien. Die sind alle vom Skateboarden. Mein eigenes Board lehnt gegen meinem Schreibtisch. Das weiß ich genau, dahin stelle ich es nämlich jeden Abend vor dem Schlafengehen.

Mein Handy – das Zerkratzte da auf meinem kleinen Tischchen neben einem Bild von mir und meiner Mom – hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Es ist bestimmt schon drei Mal aus Versehen im Meer gelandet. Und mein Nachttisch... Sagen wir es so, er war das einzige greifbare Möbelstück, das ich auftreiben konnte zu der Zeit. Nicht meine Schuld.

Eigentlich ist alles in meinem Zimmer ziemlich abgenutzt und kaputt. Im Gegensatz zum Rest des Hauses natürlich.. da sich dort ja nie jemand aufhält, seid Ma, Matt und Dad weg sind, wird es nie unordentlich hier. Als hätte ich mich darum wirklich gekümmert. Immerhin sieht MEIN Zimmer bewohnt aus!

Einem außen Stehenden würde es ohne Zweifel so vorkommen, als hätte hier ein Orkan gewütet. Das ist aber ebenfalls nicht meine Schuld. Ich lege eben nicht so viel Wert auf Ordnung. Überall hier liegen Klamotten, Zeitschriften und Pizzakartons verstreut. Dein Bier, Mutter. Du könntest mir ja auch mal sagen, ich soll meinen Saustall ausmisten!

Jetzt ist es etwa Sieben. Das weiß ich so genau, weil ich immer so gegen zehn vor Sieben aufwache, eben immer dann wenn meine Mutter gerade das Haus verlässt. Ich hasse mich selbst dafür, ich hasse es ein Morgenmensch zu sein!

Mein Handy klingelt. Okay... wenn man das Klingeln nennen kann. Es macht ein leises, gurgelndes Geräusch. Immerhin versucht es ja, mir treu zu bleiben. Ich liebe es deswegen ja auch so sehr. Aber meistens versagt es dann nach ein paar Minuten und gibt auf. Armes Ding.

Ich mache ein dumpfes Geräusch und strecke die Hand aus, die ohnehin schon vom Bett baumelt. Ich klappe meinen kleinen Freund auf.

„Hm?", morgens rede ich nicht gerne und vor allem nicht viel. Ich drücke das Telefon an mein Ohr.

„Na Lils? Schon wieder früh aufgewacht? Ich dachte ich tue dir mal den Gefallen und lasse dich meine wunderbare Stimme hören. Außerdem solltest du wenigstens heute Mal zur Schule erscheinen. Du weißt schon, damit du nicht noch mehr nachsitzen musst... außerdem hab ichs dir doch erzählt, Frischfleisch!", Oliver Oken. Mein bester Freund, ich armes, armes Mädchen. Der hat echt Nerven manchmal. Wir beide müssen für immer Freunde bleiben... er weiß einfach zu viel über mich.

Außerdem... hab ich ihn schon irgendwie lieb. Manchmal.

Ich höre ihn am anderen Ende der Leitung kichern und mache ein neues undefinierbares Geräusch. Ich sollte mir das patentieren lassen.

„Oliver, ich habe keine Lust. Kannst du mich denn nicht EIN Mal in Ruhe lassen?? Ist ja außerdem auch nicht so, als würde sich da auch nur irgendeiner freuen mich zu sehen.", jetzt grinse ich. Ohne Ausnahme, die gesamte Lehrerschaft hasst mich. Ich folge nie dem Unterricht und ich schaffe es trotzdem gute Noten zu bekommen. Meistens – eigentlich fast jeden Tag, wenn Oliver mich nicht zwingt – komme ich zu spät oder gar nicht zur Schule und wenn ich denn Mal da bin, dann rauche ich in den Pausen auf dem Schulhof. Aber ich habe einfach zu gute Noten, sie können mich nicht herauswerfen. Ich hebe den Durchschnitt. Und ich? Na ja, ich finde das ganze einfach nur witzig. Oliver nicht so...

Ich bin mindestens drei Mal am Tag in eine Schlägerei verwickelt. Ich sage eben einfach zu gern meine Meinung, ich habe eine große Klappe. Ich gebe es ja zu... manchmal überhitze ich vielleicht etwas zu schnell. Aber jetzt Mal im Ernst, es gibt Schlimmeres.

„Sorry, Lil. Du musst jetzt raus aus den Federn oder ich veranstalte ein Sturmklingeln an deiner Haustür. Ich habe Zeit und könnte sofort rüber kommen.", er kichert schon wieder. Manchmal benimmt er sich wirklich wie ein kleines Mädchen, meistens sogar mehr als ich.

„Schon gut, Oken. Ich bin schon fast fertig, okay? Wir sehen uns in der Schule.", ich gähne einmal herzhaft und lasse das Telefon zuschnappen. Jetzt wo ich Smokin' Oken an der Backe habe... kann ich auch gleich aus den Federn hüpfen. Wird schon schief gehen.

Langsam und schwerfällig richte ich mich auf, zupfe an meiner schwarzen Boxershorts, bevor ich meine Beine vom Bett schwinge und aufstehe. Ich liebe mein langes, weißes Schlaf-Shirt. Ich gähne noch einmal.

Ich kann fast spüren, wie zerzaust mein langes, blondes Haar im Moment aussieht. Ich trotte zum Badezimmer.

Dieser Oken, eine echte Nervensäge. Er hält sich immer zu sehr an Regeln, das hat er schon immer gemacht. Ein strenger Einserschüler, Mamas Liebling. Und trotzdem mein bester Freund schon seid der Grundschule. Manchmal frage ich mich selbst, wie wir beide uns gefunden haben.

Ich grinse schon wieder.

Die Zahnbürste in meiner Hand bewegt sich auf und ab und ich starre mein Spiegelbild an. Meine Augen sind wirklich das einzige, was ich an meinem Gesicht wirklich mag. Ich konnte meine langen, blonden Haare noch nie leiden. Nicht, dass ich je in Erwägung gezogen hätte, sie abzuschneiden. Nein, nein. Aber ich finde dieses Straßenköterblond einfach nicht schön (zum Färben bin ich dann allerdings auch wieder zu faul). Meine hohen Wangenknochen nerven mich schon seid Jahren und mein Gesicht ist relativ ausgemergelt und hohl. Ich glaube, man könnte mir nicht in die Wange kneifen, selbst wenn man es wollte. Ich bin sehr dünn – mein Arzt sagt zu dünn. Whatever.

•◘○

Robbie Ray Stewart stand vor seinem neuen Herd und summte vergnügt vor sich hin. Sein Pfeifen war laut, als er die Pfannkuchen mit einem gekonnten Wurf in der Pfanne umdrehte. Er lächelte warm. Seine Hüften schwangen zum Takt seines gesummten Liedes hin und her und er ließ seinen Holzspachtel mal hier mal da in der Luft kreisen.

Er war das, was man einen so gut wie perfekten Vater nennen konnte. Er kümmerte sich gewissenhaft um seine zwei Kinder, kochte leidenschaftlich gern und vor allem ein köstliches Essen und sorgte zusätzlich noch dafür, dass die Karriere seiner Tochter reibungslos verlief. Seine Tochter, die Verkörperung der Perfektion. Hannah Montana. Teenstar. Pop-Sensation.

Robbie Ray nannte sich selbst einen guten Manager. Er sorgte gern dafür, dass niemand seiner kleinen Miley zu nahe kam. Miley, die ebenfalls viel Arbeit investiert hatte um Hannah Montana zum Laufen zu bekommen. Hannah Montana, ihr Alter-Ego.

Aber apropos Miley.

„Miles! Frühstück ist fertig!", nun stand er an der Treppe. Ein junges Mädchen – gerade erst vor ein paar Wochen 17 geworden – mit dunkelbraunen Haaren, hell leuchtenden blauen Augen und langen, schlanken Beinen, kam gerade verschlafen herunter gestolpert. Miley war eben einfach ein kleiner, miesepetriger Morgenmuffel. Das war sie schon immer gewesen. Sie war noch in Pyjama und ihre Haare waren zu einem lockeren Zopf gebunden.

„Morgen Daddy!", sie gab ihrem lachenden Vater einen Kuss auf die Wange und stolperte zur Kücheninsel. Ihr Bruder saß bereits an eben dieser, vernichtete einen Teller voller Pfannkuchen. Sein Mund war voll gestopft, an seinem Kinn klebte Schokoladensoße. Robbie Ray verzog das Gesicht, wie auch wenig später seine Tochter.

„Hey Miles.", ein paar Stückchen Zerkautes landeten auf dem Tisch, bevor Jackson richtig schlucken konnte. Miley erschauderte, warf ihrem großen Bruder einen missbilligenden Blick zu und schüttelte dann entrüstet den Kopf. Sie hatte sich ihren Bruder nicht ausgesucht, aber manchmal fragte sie sich wirklich, woher er sein Benehmen hatte.

„Daddy! Kannst du Jackson bitte sagen, er soll sich nicht immer wie Schwein am Tisch aufführen?! Oder an sich, einfach überall wo er ist?", sie zog ihren Teller etwas weiter von ihrem Bruder weg. „Selbst an unserem ersten Tag hier benimmt er sich so! Das wird in der Schule gleich einen schlechten Eindruck machen...!", sie ließ sich auf einem Stuhl nieder und versuchte ebenfalls nach der Schokoladensoße zu greifen. Jackson knurrte.

•◘○

Sauer macht lustig.

Wie das in den Gesamtkontext hinein passt? Ich habe keine Ahnung.

Ich sitze alleine in meiner Küche, das Radio läuft im Hintergrund. Hannah Montana. Aber eigentlich höre ich nicht zu. Oliver hat gestern durchblicken lassen, dass heute ein neues Mädchen den Fuß auf unseren guten Schulgrund der Seaview setzen soll – wie gesagt, Frischfleisch. Er hilft zusammen mit seiner Freundin – Saint Sarah (sie ist ein Umweltfreak) – ehrenamtlich im Schulsekretariat. Was für ein hoffnungsloser Trottel.

Ich kaue leicht an meinem Apfel, während ich an einer schnell dahin gekritzelten Musikhausaufgabe sitze. Musik ist das einzige Fach, was ich wirklich mag. Und deswegen strenge ich mich dort auch ein bisschen mehr an. Es ist nicht die Welt, aber es hilft mir mit meinem Lehrer. Der ist auch der einzige, dem ich wirklichen Respekt zolle in dieser Anstalt. Die anderen sind mir egal, so wie alle an dieser dämlich Seaview High. Ollie mal ausgenommen, Sarah ist auch ganz okay...

Aber nun zu einem anderen Thema. Ich will etwas über mich erzählen.

Ich liebe Musik über alles.

Ich spiele E-Gitrarre, manchmal auch Schlagzeug und als ich noch jünger und einfältiger gewesen bin, hat mein Vater mich gezwungen Klavierunterricht zu nehmen. Alter Bastard...

Ich singe nur dann, wenn ich muss. Und selbst dann... na ja, eigentlich singe ich nie.

Im Nachhinein sollte ich ''Daddy'' wohl dankbar sein, weil er mich damals so gedrängt hat, aber ich bin es nicht. Kein Stück. Seid er weg ist – schon ziemlich lange, möchte ich anmerken, über 10 Jahre – ist mein Familienleben nicht mehr dasselbe, es ist zerbröselt wie ein alter Keks (ich mag es Dinge mit Essen zu vergleichen, so am Rande erwähnt). Er hat alles weg geworfen, was meine Familie ausmachte.

Selbst Matty, mein drei Jahre älterer Bruder – der inzwischen aufs College geht – hat sich seitdem sehr verändert. Er hat sich in sich selbst zurück gezogen und genau deswegen ist die 'Beziehung' zu meinem Vater von meiner Seite aus so gestört. Es ist ein ähnliches Gefühl wie Hass, vielleicht nicht ganz so stark, aber es kommt sich nah. Immerhin ist er immer noch mein Vater, mein Schöpfer, mein Erzeuger (Gott bewahre mich, ich will nie so werden wie er).

Ich liebe meinen Bruder. Viel zu sehr um mit ansehen zu wollen, wie er innerlich immer mehr zerbricht wie eine Porzellanfigur. Nur weil unser dummer Vater nichts mit ihm zu tun haben will. Er hat sich seid ich klein war einen Dreck um mich und Matt geschert.

Ja doch, ein ziemlich starkes Gefühl der Abneigung, das HASS sehr, sehr, sehr nahe kommt.

Ich springe von meinem Stuhl auf, packe den Zettel in meine Tasche und greife nach meinem Skateboard. Oh, gutes, altes Skateboard. Manchmal kommt es mir vor, als wäre dieses Stück Holz mit Rädern das einzige, was mir von meinem alten, perfekten Leben geblieben ist. Es liegt noch immer perfekt in der Hand, lässt sich noch perfekt lenken, so wie mein Leben damals.

Perfekt...

In meinem Leben ist nichts mehr perfekt.

Der Wind streift durch meine Haare und zum ersten mal heute Morgen – und vielleicht seit Tagen – fühle ich mich richtig lebendig. Ich fahre lieber mit meinem Board, als mit dem Auto. Man kommt der Natur näher und es weckt einen auf für den ganzen Rest des erbärmlichen Tages. Außerdem macht es mich unheimlich glücklich. So wie sonst nichts auf der Welt.

Ich sause und schieße die Straße herunter, mein Mund zu einem breiten Grinsen verzogen.

Jeden Morgen komme ich an dem selben großen, leer stehenden Haus vorbei, aber heute werde ich komischer Weise abgelenkt. Ich drehe meinen Kopf zur Seite und mein Skateboard kommt zu einem Stillstand. Ich falle fast herunter, so schnell habe ich abgebremst.

Es brennt Licht, das Haus ist hell erleuchtet. Neue Nachbarn?

Mein Herz bleibt fast stehen. Ich bin wie erstarrt. Kennt ihr das auch, wenn ihr jemanden seht und ihr genau wisst, dass eben dieser Jemand etwas ganz besonderes ist? Na ja, eben genau das passiert mir gerade. Als ich SIE sehe. Ein Mädchen am Fenster direkt neben der Tür, das mich anstarrt.

Langes, wallendes, brünettes Haar und ein breites Lächeln. Ein gewinnendes, trotzdem zurückhaltendes Lächeln, das über ihre Lippen schießt. Ich wüsste nur zu gern ihren Namen. Er würde zu ihrem Gesicht passen, zu ihrem Strahlen. Er würde etwas sonniges an sich haben, etwas himmlisches.

Ich starre immer weiter.

Es dauert bestimmt zehn Minuten, bis ich aus meiner Trance erwache, sie steht immer noch da und sieht mich an. Was sie wohl denkt? Eigentlich hat es ohnehin keine Bedeutung. Ich werde dieses Mädchen niemals kennen lernen. Sie wird bald zum höheren Kreis der Nachbarschaft gehören, mit den 'cooleren' Kids der Straße rumhängen und mein Gesicht vergessen.

Sie ist von Natur aus sehr schön, sieht viel zu brav aus um sich mit jemandem wie mir abzugeben. Mit der Schläger-Chick Lillian Ann Truscott. Der Skaterin, dem blonden Teufel. Keine Ahnung, wie ich mich sonst noch beschreiben sollte. Punkt ist, ich bin böse und sie ist gut. Auch wenn sich Gegensätze ja bekanntlich anziehen, glaube ich nicht, dass das in unserem Fall auch so sein wird.

Ich werfe einen letzten, genauen Blick auf sie, dann verschwinde ich. Ich fahre weg, treibe mein Skateboard so schnell an wie es nur möglich ist.

Dieses verdammte Lächeln lässt mich nicht los.

•◘○

Miley starrte immer noch auf die Stelle, an der zuvor eine Blondine mit ihrem Skateboard gestanden hatte. Was sie wohl gewollt hatte? Sie hatte einfach nur da gestanden und geschaut. Fast schon war ihr die ganze Sache ein wenig unheimlich vorgekommen, sie hatte sich irgendwie unwohl gefühlt. Aber gleichzeitig... gefiel ihr von diesem Mädchen beobachtet zu werden. Sie hatte so einen intensiven Blick gehabt. Durchbohren scharfe Augen.

Die Brünette hatte ihren Blick einfach nicht von ihr abwenden können. Die Realität jedoch kam bald zu ihr zurück, in Form der Hand ihres Vaters auf ihrer Schulter und sie zuckte kurz zusammen, fasste sich aber sofort wieder.

„Miles, soll ich dich zur Schule fahren?", Robbie Ray ließ seinen Schlüsselbund klirren und grinste wohlwollend. Miley lächelte ebenfalls. Sie liebte ihren Vater über alles.

„Klar, Daddy."

Seaview High war ein gewaltig großes Gebäude. Es war sogar sehr viel größer, als Miley es sich vorgestellt hatte. Ihre alte Schule in Tennessee hatte nicht einmal die Hälfte dieser Highschool umfasst. Hunderte von Schülern strömten hinein und Miley kam sich schnell ein bisschen verloren vor. Wie sollte sie sich hier nur zurecht finden? Es dauerte sicher eine Weile, bis sie ein paar Freunde gefunden hatte. Sie konnte es noch nie leiden, dass neue Mädchen zu sein. Sie vermisste ihre alten Freunde bereits.

Zuerst einmal musste sie das Sekretariat finden... dann würde sich auf jeden Fall alles von ganz alleine ergeben. Ja, immer optimistisch bleiben.

Sie verabschiedete sich mit einem kleinen Kuss auf die Wange von ihrem Vater und machte sich langsam auf den Weg in das Bauwerk, das über ihr empor ragte. Sie wusste nicht so Recht, wo sie zuerst entlang gehen sollte. Die Schule schien ja offensichtlich sehr kompliziert aufgebaut zu sein. Sie blickte sich um, irgendjemand würde ihr ja wohl sagen können, wie sie zu ihrer Auskunft gelangen konnte.

Sie schaute kurz zur Seite, passte nicht auf wohin sie sich wandte und lief prompt in jemanden hinein. Mit einem lauten, dumpfen Geräusch landete sie auf dem Boden. Die Person ihr gegenüber ragte noch über ihr, augenscheinlich völlig unberührt.

„Scheiße, tut mir Leid! Alles okay?", es war die Blondine vom Morgen. Mileys Augen weiteten sich leicht, was für ein Zufall. Das Mädchen hielt ihre Hand ausgestreckt und Miley nahm sie dankend an. „Tut mir echt Leid, ich hab nicht aufgepasst!" Die Blondine trug eine dunkle, baggy Jeans mit leicht angerissenen Knien und ein langes, schwarzes Tank-Top. Ihre Lederjacke wirkte abgenutzt, verfehlte ihre Wirkung allerdings nicht sonderlich. Ihre blonden Haare waren in einem hohen Pferdeschwanz zusammengebunden. Alles in allem fand Miley, sah sie ziemlich gut aus. Ihre Züge waren aufgeweicht, ja fast schon schüchtern. Seltsam, das passte wirklich nicht zu ihren Klamotten.

Ein paar Köpfe drehten sich in ihre Richtung. Offenbar war niemand daran gewohnt, eben dieses Mädchen in einer so klaren und unverkennbaren Zurschaustellung von Wohlwollen vorzufinden.

„Das war meine Schuld, ich bin nur neu hier und habe noch keine Ahnung, wo ich lang muss und wie das hier alles funktioniert, weißt du? Das hier ist mein erster Tag...", jetzt lachte Miley leise und die Blondine lächelte warm und freundlich. Mileys Herz machte einen kleinen Hüpfer.

Ihr fiel auf, dass die Blondine ihre Hand noch immer nicht losgelassen hatte und sie blickte ein bisschen verlegen auf beiden sich haltenden Hände hinab. Die Handfläche der Blonden war sehr sanft, fast schon zierlich... das hätte sie ebenfalls nicht erwartet.

„Ähm... könntest du?", sofort ließ die Blonde sie los, lief leicht rot an und lachte verlegen, aber vor allem peinlich berührt. Miley kicherte ebenfalls ein wenig.

•◘○

Was für ein verdammter Glückspilz und gleichzeitig Vollpfosten du bist, Lilly.

Ich konnte es wirklich kaum fassen. Ich bin einfach direkt in sie hinein gerannt. Ich Trampel... Ausgerechnet in dieses Mädchen...

„Peinliche Stille", ich lache schon wieder ein wenig und kratze mich verlegen am Nacken – nervige Angewohnheit -, „... na ja, ich könnte dich hier ein bisschen herum führen... ich meine, nur wenn du m-magst. Wenn du nicht willst, oder wenn du einen Tutor hast, dann ist das natürlich auch okay... ich dachte nur. Ach, vergiss es!" Ich mache schnell ein paar Schritte zurück und verschwinde gekonnt in der Menge.

WAY TO GO, TRUSCOTT!

Ich habe nicht wirklich gerade gestottert, oder?! Was ist denn los mit mir?

Herr Gott nochmal!

Sobald die Brünette außer Sichtweite ist, beginne ich mich selbst an zu schreien.... Gedanklich, selbstverständlich. Oh wie sehr ich mich selbst doch hasse.

Das hast du ja echt wieder super hin bekommen, Truscott! In Zukunft wird einfach mal das Mundwerk zu gelassen, ja? Ich bin ein Idiot. Herr, wenn es dich gibt, dann töte mich bitte! Und mach es kurz und schmerzlos...

Etwas an ihr ist anders. Etwas an diesem verdammten Mädchen. Normalerweise bringt mich niemand so aus der Fassung. Ich bin selbstbewusst und ich bin vor allem diejenige, die andere Mädchen zum Stottern bringt!

Ich komme schließlich stolpernd an meinem Spinnt an und schlage erst einmal kräftig den Kopf dagegen. Das macht ein lustig klingendes 'DOING'-Geräusch. Ganz so lustig fühlt es sich allerdings nicht an. Gut so!

Noch einmal.

DOING.

Wann kriegst du es endlich in deinen dicken Schädel? Solche. Frauen. Wollen. Nichts. Von. Lilly. Truscott!

Ich schlage mit jedem Wort ein bisschen fester zu. Ich fühle mich allmählich echt ein bisschen benommen. Das ist besser als Crack zu rauchen, ich schwöre! (Fragt mich nicht, woher ich das weiß, ich weiß es eben!).

„Lil? Dir geht's aber ansonsten so weit gut, ja?", Oliver.

„Schon gut, Oken. Ich hab doch nur... was nachgesehen." Lahme Ausrede, ich weiß.

„Und was sollte das bitte sein? Wie lange du brauchst, bis du dir den Schädel am Metall aufgespalten hast? Sonst prüfst du sowas doch immer an anderen... Was ist los?", dämlicher Oliver und seine dämliche, fürsorgliche Seite. Das ist echt nicht, was ich im Moment brauche. Er soll mich bloß in Ruhe lassen.

„Jaja, hab du nur deinen Spaß. DU hast dich ja auch nicht zum Vollpfosten gemacht. Ich meine okay... das machst du die ganze Zeit. Aber trotzdem... das ist was anderes!", ich grinse gemein. Gotcha!

„Hey! Ich mache mich nicht zum Vollpfosten! Na schön, vielleicht MANCHMAL! Aber du lenkst vom Thema ab! Wieso hast du dich lächerlich gemacht? DU? Komm schon, ich bin dein bester Freund."

Unfair, er zieht den 'Bester Freund'-Joker. Ich erzähle ihm also alles in kurzen Sätzen. Meine wirklich HERRLICHE Begegnung mit der jungen, wunderhübschen Brünetten. Ich sehe ihn grinsen und ich schwöre, ich würde ihm so gerne meine Faust ins Gesicht drücken. Aber dafür sind wir zu gut befreundet und ich brauche Ollie noch.

„Und du hast echt nur Müll vor dich hin gestammelt und bist dann geflüchtet? Wie süß. Ich hätte nie gedacht, dass meine fiese, kleine Lilly mal weich wird. Ich muss diesem Mädchen unbedingt Blumen schicken!", jetzt lacht er laut und schallend auf. Gott, ich hasse auch ihn. Mehr als ich mich hasse. Ich schlage ihm schnell gegen die Stirn und funkele ihn böse an. TODESBLICK!

„Ich erzähle dir nie wieder irgendetwas! Ich offenbare meine arme Seele und du fängst an zu lachen, ich hasse dich...", ich seufze und gebe meinen Code in den Spinnt ein. Ich greife nach ein paar Büchern, die ich heute brauchen könnte – ich kann meinen Stundenplan immer noch nicht auswendig – und verstaue mein Board. Die grüne Tür hat jetzt eine große Delle. Elendes Kopfschlagen.

„Tut mir ja Leid. Ich bin bloß nicht darauf vorbereitet zu erfahren, das meine beste Freundin – die abgehärtetste und übelste Braut, die ich kenne – anfängt sich wie ein kleines, verknalltest Mädchen zu benehmen. Ich meine, du bist Lilly Truscott. Du solltest eigentlich die sein, die allen kleinen Mädchen die Herzen bricht.", ich greife mir theatralisch an die Brust und täusche arge Entrüstung vor.

„Oliver Oscar Oken! Ich und Herzen brechen? Ollie, was redest du denn da? Ich bin bestürzt, deine Worte treffen mich tief! Nie könnte ich das Herz einer jungen Dame brechen!", im nächsten Moment kann ich meinen ernsten Ausdruck schon nicht mehr halten und wir beide prusten vor Lachen laut los. Ja, genau so sollte es immer sein. Nur ich und Oliver. Mein verweichlichter, bester Freund. Ich komme nicht darum herum, was?

Ich gebe es zu, ich liebe ihn sehr. Er ist der vertrauensvolle Bruder, den ich nie hatte.

Matt passt ja schon lange nicht mehr in diese Rolle.

•◘○