WHEN LOVE TENDS TO BECOME A PROBLEM -

REMEMBER, IT STILL REMAINS A GIFT

Epilog – Es ist nie zu spät

Ihre Augen schmerzten, als sie dem ersten Sonnenstrahl dieses Tages entgegen trat. Sie seufzte leise und streckte ihren Rücken. Es knackte, sie kicherte. Das Bett war noch genauso unordentlich, wie sie es die letzte Nacht zurückgelassen hatte. Nichts Ungewöhnliches.

Sie rollte ihre linke Schulter, die seit einiger Zeit wieder angefangen hatte, zu schmerzen und schwang unbeholfen ihre Beine von der Bettkante. Sie war groß, leicht muskulös gebaut und von Natur aus eher schlank. Sie entledigte sich ihres weißen T-Shirts und ließ es beinahe lautlos zu Boden gleiten. Ein leises Kratzen an ihrem Hinterkopf und der Spiegel kam in ihr Blickfeld.

Das blonde Haar so ungekämmt und durcheinander, wie nach jeder Nacht, die sie mit ihrem Engel verbrachte. Ihre türkisen Augen stechend und eindringlich in ihren Höhlen. Die grauen Stippen fast in ihnen erloschen. Noch einmal rollte sie ihre Schulter. Der Arzt hatte sie gewarnt, dass ihre Schulter nie wieder die Alte sein würde.

Sie zierte eine lange Narbe gleich oberhalb ihrer linken Brust. Noch einmal seufzend strich sie die Konturen der zerrissenen Haut mit dem Zeigefinger nach und begutachtete ihr Spiegelbild genau. Sie hatte sich nicht viel verändert. Ihre Haare waren die gleichen, ihr Gesicht noch immer schmal und scharf geschnitten, die Wangenknochen genau zu erkennen.

Der schmale Mund verzog sich zu einem Lächeln, als sie ein kleines Stöhnen hinter sich hörte.

Sie wand ihren Kopf und starrte hinter sich. Dort lag sie, ihr Engel. Ihr wunderschöner Engel, der ganz allein ihr gehörte. Für immer und ewig, das hatten sie sich geschworen. Sanft schmunzelnd ließ sie sich neben ihre Frau sinken und strich geistesabwesend mit ihrer Hand über den langsam aber sicher deutlich hervortretenden Bauch. Sie beugte sich zu ihr, drückte ihre Lippen auf die Stirn ihrer Geliebten.

Für immer und ewig.

Das Bettzeug war um sie gewickelt, als hätte sie einen Kampf mit jemandem geführt und jetzt, wo sich die große Blondine daran erinnerte, war das gar nicht mal so falsch. Nur, dass es in diesem Fall keine Verlierer gegeben hatte. Ihre Augen huschten über das haselnussbraune Haar, die leicht gekräuselte Nase, dann wanderte ihr Blick.

Die Brünette war nackt, die Decke bedeckte sie von der Hüfte an abwärts. Die Blondine kicherte wieder, dann zog sie die Bettdecke hoch und bedeckte die frei liegenden Brüste ihrer Angebeteten. Sie schlief tief und fest. Sie hatte noch eine volle Stunde Schlaf vor sich und die Blondine würde sie nicht stören.

Sich erneut erhebend, griff die Blondine nach einer Jeanshose und schlüpfte ohne große Probleme hinein, zog sich Socken und Sneaker über die Füße und knöpfte ihr weißes Hemd zu, ließ die obersten drei Knöpfe ungeschlossen. Sie schob die kleine, silberne Halbmondbrille auf ihre Nase und beugte sich ein letztes Mal über ihre Frau und presste ihre Lippen wieder auf ihre Stirn.

Die brünette Frau schmunzelte in ihrem Schlaf, dann öffnete sich ein faules Auge.

„Morgen, Schlafmütze.", die Blondine kniete sich vor ihr auf den Boden und legte den Kopf etwas schief, um ihre Frau verliebt an zu lächeln. Diese stöhnte leise und wohlig und eine kleine, zierliche Hand kam unter der Bettdecke hervor, griff nach dem Hemdkragen der Größeren und zog sie in einen langen, liebevollen Kuss. „Du solltest dich besser wieder schlafen legen. Du hast noch eine ganze Stunde Zeit."

Die Brünette nickte lächelnd und strich mit ihrem Handrücken über die schmale Wange und kicherte leise, als sie von einer größeren Hand umschlossen wurde. „Wenn du nicht immer so früh gehen würdest, könnten wir den Morgen viel sinnvoller nutzen." Die Stimme der Frau im Bett war von Schlaf noch halb benommen und hatte einen süßen, dicken, aber vor allem herausfordernden Unterton an sich. Die Blondine zog ihre Augenbrauen hoch, dann grinste sie verschmitzt.

„Du brauchst den wenigen Schlaf, den du nach so einer Nacht bekommen kannst. Deswegen solltest du dich jetzt auch wieder hinlegen. Ich will nicht, dass du dich überanstrengst. Ich muss jetzt zur Arbeit. Bis nachher.", ihre Lippen fanden erneut den Weg zu denen der Brünetten und als sie endlich aufstand und zur Tür trottete, warf sie ihr noch einen letzten Blick zu. „Ich liebe dich."

Und damit war sie verschwunden.

Die kleine, schwarze Tasche in der Hand, verließ sie dasselbe Haus, aus dem sie schon so viele Male heraus gekommen war. Die Malibu-Morgensonne schien ihr in die Augen, aber sie lächelte nur. Sie war dankbar für jeden Tag, den sie noch hatte. Auch wenn sie mit einer schmerzenden Schulter und Narben erwachte. Sie war glücklich.

Ein letzter Blick auf das Haus, das sie mit der Liebe ihres Lebens teilte und schon startete sie den Motor ihres schwarzen Wagens. Noch ein letzter Seufzer. Glück. Und sie war um die Ecke verschwunden. Nie hätte sie es für möglich gehalten. Aber sie war tatsächlich glücklich darüber, jeden Tag zu dieser Schule zurückkehren zu können.

•◘○

Vielleicht wäre mein Leben anders verlaufen, wenn ich es nur gelassen hätte. Vielleicht wäre ich dann jetzt nicht hier und vielleicht wäre das das Beste für uns alle gewesen. Vielleicht muss ich den Ärzten dankbar sein und vielleicht sollte ich sie erschießen, weil sie mir damals das Leben gerettet haben. Das kann man sehen, wie man will. Man kann es aber auch lassen und einfach das Leben genießen, was man hat.

Ich lebe. Ja, ich bin am leben und fast so fit wie ein Turnschuh. Ich muss zugeben, dass ich ebenso geschockt bin wie ihr. Und obwohl meine Schulter mich manchmal fast umbringt und die Narbe noch hässlicher ist als die, die ich ohnehin schon hatte... muss ich sagen, läuft es ausgesprochen gut.

Ich könnte kaum glücklicher sein.

Ich habe das College beendet, habe eine Zukunftsaussicht bekommen und den Menschen geheiratet, den ich über alles geliebt habe und immer lieben werde. Ich kratze mich an der Nase und biege auf den Parkplatz der Seaview Highschool ein. Fünf Jahre.

Ich bin jetzt 23. Manchmal frage ich mich, was wohl aus mir geworden wäre, wenn ich sie nicht kennen gelernt hätte. Miley. Miley Stewart. Oder wie ich sie heutzutage nenne, Miley Truscott. Ich kann immer noch kaum fassen, wie unglaublich glücklich sie mich jeden Tag aufs Neue macht. Dafür nehme ich es sogar in Kauf, angeschossen zu werden, fast zu sterben und mit Narben der Zeit gezeichnet zu sein.

Ich betrete die Schule durch die beiden Flügeltüren am Haupteingang. Ich kann nicht anders, ich muss grinsen. Ich streiche sanft mit meiner Hand durch die blonden Haare und biege in einen Seitengang ein, der mich fast augenblicklich in den neuen Flügel der Schule führt.

Die Grundschule in der Nähe hat Pleite gemacht und jetzt unterrichten wir sie hier. Ich kann es immer noch kaum fassen, dass ich wieder in meiner alten Schule unterrichte. Ich schaue auf die Uhr. Es ist jetzt sieben. Noch eine Stunde, bevor die Schüler eintreffen. Noch jede Menge Zeit.

Seit ich hier angefangen habe, komme ich jeden Tag eine Stunde zu früh. Ich weiß nicht, woran genau es liegt, dass ich diesen Tick entwickelt habe. Vielleicht will ich einfach nur schneller sein, als alle anderen. Meine Zeit genießen, die ich mühelos und ruhig verbringen kann.

Außerdem war ich schon immer ein Morgenmensch.

Mir kommt ein Gedanke.

Ich sehe mich schnell um, dann drehe ich wieder um und renne zurück durch den Gang. Ich steige eine Treppe hoch und komme schließlich vor einer Tür an, die mir sehr viel bedeutet. Ich schiebe die beiden großen Türen zur Aula auf und starre die vielen Sitzreihen hinunter.

Miley und ich.

Miley und ich sind zusammen gezogen. Gleich nach dem Zwischenfall auf dem allerletzten Hannah-Montana-Konzert. Ich konnte mich wochenlang nicht richtig bewegen und sie konnte nach meiner Verletzung einfach nicht mehr ohne mich leben. Ich habe ihr in dieser Zeit wohl mehr Angst gemacht, als sie zugeben will.

Ich kann es ihr nicht verübeln. Ich hatte selbst das Gefühl, ich würde nie wieder richtig auf die Beine kommen. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wieso ich immer noch am Leben bin und wieso ich nicht mit den Engeln im Himmel herum fliege. Ich war dem Tod schon so oft entronnen. Irgendwann müsste meine Zeit doch mal zu Ende sein.

Aber nichts dergleichen.

Wir wohnen jetzt ganz alleine in dem großen Haus der Stewarts. Der Flügel steht noch an Ort und Stelle, die alte Couch ist noch so grün wie eh und je und Mileys Zimmer wurde zu unserem Schlafzimmer umfunktioniert. Ich liebe es, in diesem Haus zu leben. Ich kann die Erinnerungen förmlich in mich aufsaugen. Robbie Ray ist freiwillig ausgezogen.

Manchmal, an meinen schwächeren Tagen, fühle ich mich schlecht, weil wir ihn praktisch dazu gezwungen haben. Aber wie gesagt, nur an meinen schwächeren. Eigentlich ist es mir ziemlich egal. Er ist ohnehin glücklicher in Tennessee.

Ich lasse meine Finger über die Lehnen der Sitze streifen und atme die so vertraue Luft ein. Ich habe diese Aula schon immer geliebt. Hier hat mein Leben immer seinen Lauf genommen. Ich grinse den schwarzen Flügel an und drücke ein paar Töne. Er wurde nie entfernt. Prof. Crown kümmert sich fast schon liebevoll um ihn. Er ist für ihn wie ein Kind. Was kein Wunder ist, immerhin hat er selbst ja keine richtigen Kinder. Auch wenn ich immer irgendwie das Gefühl hatte, zwischen ihm und Ms. Davis läuft irgendetwas.

Ich schwinge mich leichtfüßig auf die Bühne und grinse, als ich erkenne, was da vor mir auf dem Boden liegt. Ich gehe leicht in die Hocke und hebe es auf. Es ist das, was ich vor fast sechs Jahren brauchte, um ich selbst zu sein. Es ist eine dieser weißen Theatermasken. Vielleicht erinnert ihr euch noch. Ich stand genau hier und habe gesungen.

Aber ich hatte Angst, erkannt zu werden. Ich konnte es nicht alleine.

Heute brauche ich sie nicht mehr. Heute muss ich mich nicht mehr verstecken. Heute kann ich ich selbst sein. Ich hole aus und werfe die Maske wie eine Frisbee. Sie fliegt davon. Sie fliegt davon, wie meine Angst. Die Angst ist mir vergangen. Miley hat sie mir genommen.

Miley. Miley ist schwanger.

Miley erwartet unser erstes Kind. Selbst jetzt, vier Monate später kann ich es kaum fassen. Ich werde Mutter... Ihr habt keine Ahnung, wie süß sie ist, wenn sie sich den ganzen Tag beklagt, wie dick sie langsam aber sicher wird. Ich mag sie schlank und ich mag sie etwas pummeliger. Miley ist einfach immer perfekt. Ich kichere leise in mich hinein, als ich die Beine von der Bühne baumeln lasse.

Ich frage mich, was wir wohl bekommen. Ein Mädchen oder einen Jungen. Miley wollte es mir nicht verraten, was wirklich frustrierend ist. Ich kann mir nicht einmal überlegen, was ich dem Kleinen als erstes beibringen will. Skateboarden, Surfen, Fußball, Gitarre und Klavier spielen? Gott, so viele Sachen, die ich mit ihm oder ihr machen könnte.

Ich lehne mich zurück und seufze leise und zufrieden, als ich die Decke anstarre. Ich hab was aus meinem Leben gemacht. Seltsame Vorstellung, aus mir ist etwas geworden. Ich bin eine Grundschullehrerin. Ich unterrichte Mathe und Englisch, bringe den Kindern was bei. Na ja, oder zumindest versuche ich das. Ich meine, manche von diesen Kindern sind wirklich dumm wie Brot.

Tut mir ja Leid, aber es ist wirklich so. Einfach zum Verzweifeln. Aber man muss ja mit dem arbeiten, was man bekommt, nicht wahr? Ich bin sogar ein gutes Vorbild geworden. Ich rauche nicht, ich trinke nicht und Drogen hatte ich keine mehr seit dieser verhängnisvollen Woche, nachdem ich Miles betrogen hatte. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Wie ich das nur jemals machen konnte...

Gott sei Dank hat sie mir verziehen. Ich will gar nicht wissen, wo ich heute wäre, wenn ich nicht wieder mit ihr zusammen gekommen wäre. Ich meine, ich wäre nicht angeschossen worden und wäre nicht schon wieder fast abgekratzt, aber damit muss man nun einmal leben, wenn man einen internationalen Pop-Star zur Freundin hat.

Ich hätte an diesem Tag in Frieden sterben können. Weil ich wusste, dass meiner Miley nichts mehr passieren konnte. Weil der Kerl die einzige Chance vergeigt hatte, die er überhaupt bei ihr bekam. Weil ich die einzige Kugel genommen hatte, die an diesem Tag gefallen war.

Ich wäre bereitwillig für sie gestorben. Ohne zu zögern.

„Lilly?", ich setze mich schnell wieder auf und ein breites Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht. Ich winke ihm zu und er grinst mich an. „Wie immer viel zu früh, wie ich sehe." Prof. Crown macht seinen Weg die Stufen des Mittelganges hinunter und kommt gleich vor mir zum Stehen.

„Jep. Sie kennen mich doch.", die meisten Lehrer duzen sich, aber ich kann das nicht. Ich kann meine ehemaligen Lehrer einfach nicht duzen. Das geht nicht. Aber sie verstehen das schon. Die meisten wollen wohl ohnehin nicht, dass ich mich zu sehr mit ihnen abgebe. Alte Vorurteile, ihr wisst schon. Meine nicht ganz weiße Weste.

„Na kommen Sie. Es ist nicht gesund, hier unten zu lange zu bleiben. Ich will nicht, dass Sie vereinsamen.", er bedeutet mir, ihm zu folgen und ich schwinge mich von der Bühne. Ich vereinsame schon nicht, Professor. Machen Sie sich da Mal keine Sorgen. „Außerdem hat Rose eine Überraschung für Sie."

Eine Überraschung, eh? Na jetzt kommt's.

„Was für eine Art von Überraschung, Professor?", er zwinkert mir nur zu und winkt mich mit seiner großen Hand weiter. Ich zucke mit den Schultern und stecke meine Hände in die Hosentaschen. Ich sehe auf meine Armbanduhr. 7:30 Uhr. „Aber beeilen Sie sich. Ich muss in einer Viertelstunde in meiner Klasse sitzen." Er kichert und schüttelt leicht den Kopf.

„Sie sollten sich nicht so viele Sorgen über die Zeit machen, Lilly. Sie haben doch noch jede Menge vor sich.", das dachte ich auch, bevor ich angeschossen wurde. Die fünf Jahre gingen vorbei wie im Flug. So viel ist seitdem passiert. „Außerdem dauert es wirklich nicht lange. Wir haben uns nur gedacht, jetzt wo Ihre Frau bald ein Kind erwartet, könnten Sie Verwendung dafür finden."

Oh toll, Babyzubehör.

„Ich bin sicher, Miles wird sich sehr freuen.", Mal sehen, was das für ein Teil ist. Das muss ich auch erst einmal in meinen Wagen rein bekommen. Ich seufze leise und resigniert, zwinge mich aber zu einem freundlichen Lächeln, als Prof. Crown mir einen kleinen Blick von der Seite zu wirft.

„Okay. Es ist im Lehrerzimmer und ich schwöre Ihnen, es war wirklich nicht einfach, da ran zu kommen. Also freuen Sie sich doch wenigstens ein bisschen, ja? Das ist ein Geschenk der Lehrerschaft an Sie und ein wirklich verspätetes Dankeschön von Rose, weil Sie ihr schon so oft ausgeholfen haben.", ich musste mehr als nur einmal ihren komischen Klavierspieler ersetzen. Dafür verdiene ich wirklich ein Geschenk.

Gott sei Dank musste ich nie wieder in einem ihrer Stücke mitspielen.

Prof. Crown stößt gelassen die Tür zum Lehrerzimmer auf und zieht mich ohne groß darüber nachzudenken mit sich in den alten, überfüllten Raum. Ich sehe mich um, dann fällt mein Blick auf Ms. Davis und Mr. Corelli, die mir freundlich zu grinsen. Dann wandern meine Augen zu einem winzigen, schwarz lackierten Ding. Etwas, was peinlich genau wie ein Klavier aussieht, aber viel kleiner.

Ms. Davis tritt vor und nimmt mich am Arm. Sie bugsiert mich hin zu dem winzigen Teil, weil meine Beine gerade zu Säulen geworden sind. „Wir haben uns überlegt, wo Sie beide musikalisch doch so begabt sind und Ihre Frau in der Musikbranche tätig ist... Wird Ihr Kind sicherlich einiges von ihrem Talent geerbt haben.", ich starre den kleinen Miniaturflügel an.

„Uhm... funktioniert der?", ich finde mich am Rande der Sprachlosigkeit und gehe leicht in die Hocke, hebe den kleinen Deckel an und besehe mir die Tasten, die für Kinderfinger genau passend sind. Die drei Lehrer lachen leicht auf, aber ich weiß, dass sie mich nicht auslachen.

„Natürlich funktioniert der, Lilly. Na los, probieren Sie ihn aus.", meine Finger sind nicht einmal zu groß für den kleinen Flügel, als ich sie darüber gleiten lasse. Eine Kindermelodie ertönt und erfüllt den Raum mit hellen Tönen. Natürlich ist das nichts im Vergleich zu einem richtigen Klavier, aber für das bloße Lernen ist er perfekt.

Ich wende mich an die drei einzigen Lehrer, die mich hier mögen. Ausgenommen natürlich der anderen Lehrer aus der Grundschule. „Vielen Dank, Miley wird außer sich sein. Ich weiß, dass sie schon seit Längerem darüber nachdenkt, dem Kleinen einen eigenen zu kaufen. Wollen wir doch erstmal sehen, wie er sich hier so schlägt. Oder sie."

Meine drei Freunde grinsen mir zu.

•◘○

Miley Truscott gähnte in ihre Hand, als sie ein paar Akten auf dem Tisch hin und her schob. Sie rollte mit den Augen, als sie feststellte, dass sie noch über eine halbe Stunde hier sitzen und nichts tun musste. Sie hatte bereits alle Bewerber und Demos durch gehört und wartete nur noch darauf, dass sie nach Hause zu ihrer Lilly gehen konnte.

Verändert hatte sie sich in den letzten fünf Jahren nicht wirklich. Ihre Haare waren etwas kürzer aber immer noch so lockig wie sonst. Sie sah vielleicht etwas erwachsener und vernünftiger aus, aber in ihrem Inneren schlug immer noch das gleiche kleine, verliebte und mädchenhafte Herz.

Auf ihrem Schreibtisch stand ein gerahmtes Foto von Lilly, wie sie mit ihrem und Mileys Vater beim Angeln dasaß und lächelte. Ihre Haare unter einem Anglerhut verschwunden und ihre Brille etwas schief auf der Nase, hielt sie einen großen Fisch in die Luft. Ein breites Lächeln schlich sich bei diesem Anblick auf Mileys Gesicht und sie überlegte für einige Sekunden, ob sie Lillys Handy anrufen sollte.

Sie entschied sich dagegen.

Nur noch eine halbe Stunde und eine Autofahrt trennten sie von ihrem lang ersehnten Feierabend. Ihre persönliche Assistentin sah mindestens genauso gelangweilt aus wie Miley, auch wenn sie Akten durch ging und sich hin und wieder Notizen machte. Die ehemalige Pop-Prinzessin war mehr als froh, dass sie diese Arbeit nicht selbst erledigen musste.

Sie hatte sich eine kleine, eigene Plattenfirma aufgebaut. Ihr Vater war ebenfalls teilweise hier tätig. Er reichte hin und wieder Songtexte ein. Auch wenn er nicht wirklich arbeiten musste – er hatte in seinen Tagen als Country-Sänger genug Geld verdient – hatte er Spaß daran, nebenbei noch etwas Abwechslung zu bekommen, die ihm seine Tochter gerne geben wollte. Denn Miley war ihm mehr als dankbar. Er schrieb immer noch die besten Texte.

Miley starrte ihre Armbanduhr an. Die Zeit schien nur noch langsamer zu gehen, jetzt da sie wusste, dass Miley es eilig hatte, zu verschwinden. Der Zeiger tickte gemächlich zur nächsten Minute und die Brünette stöhnte frustriert. Dann kam ihr ein Gedanke. Ein heiliger Einfall, der so banal war, dass sie sich selbst dumm vor kam, weil er ihr nicht eher eingefallen war.

Sie war die Chefin dieser Firma. Sie allein hatte das Sagen über alles. Sie konnte eher Feierabend machen, wenn sie das wollte. Ein kleines, zufriedenes Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht und sie räumte ein paar Sachen zusammen und in ihre Tasche, bevor sie aufstand und ihren Schreibtisch umrundete.

„Ich gehe heute früher, Shirly. Sie können auch gehen, wenn Sie damit fertig sind. Und arbeiten Sie nicht zu lange, ja?", sie schenkte ihrer Sekretärin ein ehrliches Lächeln, was sie mindestens genauso breit erwiderte. Sie und Shirly hatten sich schon immer blendend verstanden. Aber sie verstand sich sowieso mit all ihren Angestellten.

„Haben Sie noch einen schönen Abend, Mrs. Truscott.", Miley winkte der Frau und verschwand schnell zum Fahrstuhl. Sie wollte nicht, dass Shirly etwas mitbekam. Aber immer, wenn sie diesen Namen hörte und er in ihre Richtung adressiert war, ließ es ihr einen kleinen, kalten Schauer über den Rücken laufen. Diese kleine Tatsache machte ihr jedes Mal wieder peinlich klar, dass sie mit Lilly verheiratet war. Verheiratet.

Fröhlich summend sprang Miley die vorderen Stufen vor ihrem Gebäude hinunter und lächelte dem Hausmeister zu, der ihr winkte. Die Sonne stand noch so wie immer am Himmel und beleuchtete den Parkplatz. Sie war so mit dem Himmel beschäftigt, dass sie gar nicht bemerkte, wie jemand an ihrem Auto lehnte und offenbar auf sie gewartet hatte.

Erst, als sie noch etwa sechs Meter entfernt war, bemerkte sie es und ihr Lächeln wurde – falls möglich – noch breiter und sie rannte auf die grinsende Person zu.

Sie warf sich in Lillys Arme und drückte sich fest gegen ihre Frau, gab ihr einen kleinen Begrüßungskuss und ließ sich dann von der Skaterin herum wirbeln. In der Tat schien sie hierher geskatet zu sein, denn ihr Auto war nirgends zu sehen und zum Gehen war es zu weit.

„Was machst du hier?", Miley murmelte es nur in Lillys Nacken und achtete nicht darauf, dass die Surferin stehen geblieben war und sie sanft abgesetzt hatte. Lilly hatte jedwede hastige Bewegungen unterlassen, seit sie ein Kind erwarteten. Ihr Arzt hatte ihnen gesagt, dass eine Schwangerschaft nach dieser neuen Methode vielleicht ein paar mehr Turbulenzen machen könnte und dass sie deswegen extra vorsichtig sein mussten.

Und das war Lilly die letzten vier Monate gewesen. Sie hatte sich zurück genommen, Miley umsorgt und sie nur mit Samthandschuhen angefasst und die Schwangerschaft schien mehr als perfekt zu verlaufen. Und es gab nichts, was Miley auf der ganzen Welt hätte glücklicher machen können.

„Ich wollte dich nur abholen. Du bist früh heute. Es ist doch alles okay mit der Firma, oder?", von dem, was Miley gehört hatte, war Lilly eine ganz hervorragende Lehrerin. Die Schüler liebten sie und die anderen Lehrer kamen gut mit ihr aus. Miley hatte nichts anderes von ihrer Lilly erwartet.

Geistesabwesend fuhr Miley mit ihrer Hand über Lillys linke Schulter und über die Stelle, an der die Schussverletzung und die lange, spitze Narbe sich befand. Miley hatte sich dieses Stück Haut sehr genau eingeprägt und Lilly dort mehr als nur ein Mal verwöhnt.

Jedes Mal, wenn sie sie sah, diese harte Wahrheit, wollte sie Lilly umarmen und sie nie wieder loslassen, sie nie wieder aus ihrem Haus lassen, sie für immer ganz nah bei sich behalten. Diese Stunden der Ungewissheit, ob Lilly leben würde oder sterben... der Schmerz saß ihr noch immer in den Knochen. Der Gedanke, Lilly vielleicht endgültig zu verlieren.

„Klar ist alles okay... ich hatte bloß keine Lust mehr.", Lilly lachte laut auf und strich sanft durch Mileys Haar, starrte jetzt selbst in den Himmel. Die Sonnenstrahlen brachen sich in ihren türkisen Augen und der Sturm in ihren Untiefen erinnerte Miley wie so oft an einen Himmel.

„So einfach geht das, was? Miles hat keine Lust mehr, also haut sie einfach ab. Ziemlich unfair deinen Angestellten gegenüber, die ihren Arbeitszeiten folgen müssen.", Lilly löste sich von ihr, zwinkerte, und streckte ihre Hand nach dem Autoschlüssel aus, den Miley ihr mehr als willig in die Hand drückte. Sie war wirklich nicht in der Stimmung, zu fahren.

„Was glaubst du, wieso ich meine eigene Firma gegründet habe. Damit ich dann gehen kann, wann auch immer ich will, um mit meiner Frau einen schönen Nachmittag zu genießen.", das verträumte Lächeln auf Lillys Gesicht erzeugte einen ähnlichen Ausdruck auf ihrem eigenen.

„Ich liebe es, wenn du mich deine Frau nennst.", Miley kicherte.

„Was soll ich sagen, es ist nunmal die Wahrheit und ändern kann ich es jetzt auch nicht mehr. Das Beste ist immer noch, bei der Wahrheit zu bleiben, egal wie sehr sie schmerzt.", die Blondine schüttelte ungläubig den Kopf und setzte rückwärts aus der Parklücke, bevor sie sich gemeinsam auf den Weg nach Hause machten. „Wieso holst du mich überhaupt ab?"

„Mir war einfach danach. Kann ich jetzt nicht einmal mehr vorbei schauen, um dir eine kleine Freude zu machen?", sie wirkte sichtlich entrüstet, aber die Brünette schob es auf Lillys gute Schauspielerei, sie konnte sich nicht wirklich angegriffen fühlen.

„Mir eine Freude machen? Womit denn?", jetzt wirkte die Blondine tatsächlich empört und Miley musste kichern, als sie Lillys Miene sah. Es war jetzt vollkommen klar, dass sie das Ganze nur vor spielte, denn offenbar hatte sie große Probleme damit, nicht gleich los zu lachen.

„Ach Miles, womit wohl? Mit meiner Präsenz und meiner ungeteilten Aufmerksamkeit natürlich. Also wirklich, jetzt bin ich wirklich verletzt. Wenn mein Kind da ist, werde ich es nehmen und davon rennen. Und zwar ganz weit weg, weil du mich jetzt in diesem Moment so tief gekränkt hast.", Lilly nickte betonend, wie um ihrem Vortrag noch ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit zu verschaffen, aber die ehemalige Pop-Prinzessin hatte eine Idee.

Sie lehnte sich nah an Lillys Ohr und flüsterte. So leise, dass es über das Rumoren des Motors fast nicht zu hören war. „Das tut mir Leid, Lil. Gibt es vielleicht irgendetwas, womit ich es wieder gut machen könnte? Vielleicht... irgendeine Tätigkeit... um meine unendlichen Schuldgefühle zu zeigen?", eine Hand glitt sanft Lillys mit Jeans bekleidetes Bein entlang und Miley konnte genau hören, wie Lilly die Luft im Hals stecken blieb.

Sie schickte Miley einen schnellen, kurzen Blick von der Seite, dann antwortete sie mit leicht zitternder Stimme. „Na ja... da wäre bestimmt das eine oder andere... was du tun könntest.", die Hand war jetzt gefährlich nah an Lillys Mitte und die Brünette konnte fühlen, wie Lilly leicht erzitterte. Sie machte einen kleinen Satz und das Auto machte einen kleinen Schlänker, als Mileys Finger einmal hart gegen sie drückten. „Gott, Miles. Nicht hier!"

Miley kicherte mädchenhaft, dann küsste sie Lillys Wange und zog sich auf ihren Platz zurück, während Lilly offenbar versuchte, ihre Fassung zurück zu erlangen. Die Wangen der Surferin waren leicht gerötet und an ihrem Kiefer zuckte ein Muskel. Ihre Fingerknöchel am Lenkrad wurden weiß.

„Okay... wenn wir Zuhause sind, dann kannst du was erleben...", die Glaubwürdigkeit dieses Satzes wurde sehr stark beeinträchtigt, weil die Blonde bei ihm grinste und ihre Augen aufleuchteten und Miley konnte sich ziemlich gut vorstellen, was Lilly da im Sinn hatte.

„Was auch immer du sagst, Lil. Was auch immer du sagst.", die Skaterin gluckste, dann bog sie in die Straße ein, die zu ihrem gemeinsamen Haus führte. Nicht mehr lange und dann würde dieses Haus nicht mehr nur ihnen beiden, sondern auch einem kleinen Kind gehören.

•◘○

Ich bin offiziell die absolut glücklichste Frau, die jemals gelebt hat und jemals leben wird. Ich seufze zufrieden, als ich meinen Arm noch etwas fester um meine Frau schlinge und geistesabwesend über ihren Bauch streiche. Nur noch fünf Monate, dann habe ich eine kleine Miley, um die ich mich kümmern kann. Oder einen Jungen, der trotzdem genauso wunderbar sein wird, wie seine Mutter.

Ich ziehe mit meiner Nase eine kleine Linie auf Mileys Nacken und kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Sie ist weg gedöst nach unserem kleinen Kampf und schlummert jetzt ruhig und gelassen in meiner Umarmung. Ich würde sie am liebsten immer so halten. So nah an meinem Herzen. Und ich werde sie nie wieder gehen lassen.

Das kann sie vergessen.

Ich habe es nicht einmal geschafft, ihr den kleinen Kinderflügel zu zeigen, den die anderen uns geschenkt haben. Sie wird sich so freuen. Ich hoffe, unser Kind erbt ihre musikalischen Talente oder zumindest ihr Aussehen. Meinetwegen kann es auch meine unglaubliche Begabung für das Skateboarden erben... Hauptsache es ist gesund und wohl auf. Das ist das Wichtigste.

„Wehe du fängst an, unser Kind mehr zu lieben, als mich.", Mileys müde Stimme dringt an mein Ohr und ich kann nicht anders als zu lächeln. Ich werde niemanden jemals mehr lieben als sie. Auch wenn unser Baby bestimmt nah heran kommt.

„Wirst du jetzt etwas eifersüchtig? Keine Sorge, ich werde bestimmt nicht aufhören, dich zu verwöhnen und für dich zu sorgen, nur weil ich dann auch noch ein kleines Kind hab, um dass ich mich kümmern muss. Du bist und bleibst meine Nummer 1.", langsam aber sicher sollte ihr das vielleicht klar werden. Immerhin sind wir schon über fünf Jahre zusammen und verheiratet.

„Okay, dann ist ja gut. Und wo wir gerade von verwöhnen sprechen...", sie dreht sich in meinen Armen um und schmiegt sich gegen meine nackte Brust, seufzt zufrieden. Ihr Finger fährt über meine Schusswunde und ihr Blick wird traurig. „Elender Mistkerl."

Ich küsse umsichtig ihre Stirn. „Mach dir keine Sorgen. Das ist alles vorbei. Ich bin verheilt und mir wird nichts mehr passieren. Ich habe genug Nah-Tod-Erfahrungen in meinen Leben gesammelt. Mehr brauche ich wirklich nicht.", Tränen schießen in ihre Augen und sie schmiegt ihren Kopf unter mein Kinn und krallt ihre Finger in meinen Rücken.

„Gott, ich hatte ja solche Angst.", ich streiche ihr beruhigend über den Rücken.

„Ich weiß, Miles. Ich weiß, aber jetzt ist alles okay. Wir kriegen unser erstes Kind, haben geregelte Jobs, deine Firma läuft mehr als gut und Jackson hat auch endlich eine Frau gefunden, die sich mit ihm abgeben kann. Und Ollies Frau ist auch endlich schwanger, er hat es auch geschafft. Also hör bitte auf zu weinen.", jetzt kichert sie leise und es hört sich verschnupft an.

„Stimmt, endlich ist gut. Jenny versucht jetzt doch schon seit über zwei Monaten, schwanger zu werden. Wann hast du die gute Nachricht denn erhalten?", sie wischt sich über die Augen, aber ihr Lächeln sieht immer noch ein bisschen zerbrochen aus. Also küsse ich sie.

„Heute Morgen. Er hat extra bis zur Mittagspause gewartet und ich sage dir, ich habe ihn nie glücklicher gehört. Ich hoffe nur sein Balg verdirbt unser Baby nicht. Dann müsste ich Mal ein ernstes Gespräch mit ihm führen.", Mileys linke Hand fährt über meinen rechten Arm und sie verschränkt unsere Finger ineinander. „Ich bin ja mal gespannt, was bei den beiden heraus kommt."

„Gott sei Dank ist ihr Baby nicht so weit von unserem entfernt. Nur vier Monate. Da hat unser Kleines gleich einen lieben Spielkameraden.", jetzt sieht sie tatsächlich wieder glücklich aus und mein Herz – was von einer kalten Hand umschlossen wurde, als sie anfing zu weinen – entspannt sich wieder. „Ollie wird es sicher gut erziehen, meinst du nicht auch? Er ist bestimmt ein guter Vater."

„Du weißt doch, wie sehr er sich darauf freut.", ich gähne leise und drehe mich auf den Rücken. Miley legt ihren Kopf auf meine angeschlagene Schulter, aber komischerweise ist der Druck auf ihr nicht einmal besonders schmerzhaft. Im Gegenteil, es ist angenehm, sie so nah bei mir und meiner Verletzung zu wissen. „Daddy freut sich auch schon wie verrückt, endlich Großvater zu werden. Ich glaube, er liebt dich jetzt sogar mehr als mich, weil du unser Kind bekommst."

Miley kichert ungläubig. „Klar tut er das, ich bin ja auch diejenige, die deswegen fett wird. Da kann ich auch ruhig ein bisschen Zuspruch für bekommen.", ich setze zu einer Antwort an, aber sie redet einfach weiter. „Ich weiß, ich weiß. Du liebst mich auch, wenn ich ein bisschen dicker bin. Aber warte nur noch ein paar Monate, dann bin ich eine verdammte Kuh!" Sie ächzt ungehalten und schlingt ihren Arm um meinen Bauch. Ich gluckse.

„Ach Quatsch. Du wirst keine Kuh. Du bist schwanger, Miles. Es ist ganz natürlich, da etwas zuzunehmen. Du kannst hinterher ja auch wieder abnehmen. Ich helfe dir auch dabei, ich werd dein Personal Trainer.", da könnten mir ein paar angenehme Gedanken kommen.

„Ändern kann und will ich es jetzt ohnehin nicht mehr. Das ist alles deine Schuld. Ich mache dich dafür verantwortlich, nur damit du es weißt. Es ist alles deine Schuld, dass ich mich in dich verliebt habe.", sie grummelt leise und setzt sich auf, schaut mir direkt in die Augen. „Und ich werde dich den Rest deines elenden Lebens daran erinnern." Ein süßes, unschuldiges Lächeln stiehlt sich auf ihre Lippen und ich rolle mit den Augen.

„Drama-Queen.", ich mache eine Bla-Bla-Bewegung mit meiner Hand und sie schlägt meine rechte Schulter leicht mit der Faust. „Und jetzt misshandelst du mich auch noch. Wo soll das nur enden, Miles. Du hast doch gerade erst wieder gut gemacht, dass du im Auto so gemein zu mir warst. Willst du etwa schon wieder etwas anzetteln?"

„Es geht nicht immer nur um Sex, Mrs. Truscott.", sie schwingt ein Bein über meinen Bauch und schaut auf mich herab. Ich lege meine Hände auf ihre Oberschenkel. Ihre Haut verbrennt fast meine Finger. Ich grinse sie verschmitzt an.

„Und worauf wollten Sie dann hinaus, Mrs. Truscott?", Gott, ich liebe es, dass sie meinen Namen angenommen hat. Es ist irgendwie so, als wäre sie... als wäre sie meins, nur weil sie jetzt meinen Namen trägt. Sie lächelt jetzt breit. Sie zuckt mit den Schultern.

„Das gilt es noch herauszufinden, nicht wahr? Das hier ist schließlich unser Leben, wir können mit ihm machen, was wir wollen.", ich nicke und sie fährt leicht über meine Wange, meine Nase, meine Haare, mein Kinn. „Na sowas, hast du gar nichts zu sagen?"

„Nein. Nicht wirklich. Ich bin rundum glücklich und stimme mit dir in allem überein.", jetzt sieht sie wirklich verwirrt aus. Sie zieht eine Augenbraue hoch und ihr Zeigefinger fährt über meinen Hals, mein Brustbein, meinen Bauch. Ihre Berührungen hinterlassen eine heiße Spur. Ihr Blick wird verschwommen. „Was ist? Alles in Ordnung?"

„Ich bin bloß manchmal erstaunt, was aus dir geworden ist. Du warst mal so unnahbar und gefährlich. Ich bin froh, dass ich dich zähmen konnte und du dich nicht mehr prügelst und all diese schrecklichen Dinge tust. Trotzdem... es ist seltsam.", ich rubbele sanft über ihre Beine.

„Ach, du kennst doch den Spruch, Miles.", sie starrt mich nur an und schüttelt dann mit dem Kopf. „Du hast keine Ahnung, was? Dieser Satz, den George Eliot mal gesagt hat.", sie legt ihre Stirn in Falten und rümpft ihre süße, kleine Nase. Sie ist so wunderbar.

„Wer ist George Eliot?", ich rolle mit den Augen, dann zwicke ich sie sanft in den rechten Oberschenkel. „Ouch! Komm schon, sag es mir doch einfach. Was hat dieser Kerl gesagt, was so unglaublich wichtig ist?", ich hebe eine Hand und streiche meinerseits über ihre Wange.

„Du hast mich gerettet, Miles. George Eliot ist der Künstlername von Mary Ann Evans. Eine englische Romanautorin. Und diese kluge Frau hat etwas ganz Wichtiges gesagt.", sie nickt wild und will, dass ich fortfahre. Sie war immer schon ungeduldig.

Ich liebe dich, Miles. Und ich werde dich immer lieben. Für immer und ewig.

Es ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können."