Disclaimer: Die Jungs und die zugrunde liegende Serie gehören immer noch nicht mir sondern Eric Kripke plus Team – was ich über alle Maßen traurig finde aber ich komme damit klar. Uuund ich verdiene kein Geld, was ich auch ganz gut verkrafte :).

Übrigens: Ich war so beschäftigt mit meinem Leben, dass ich in den letzten Monaten hier garnicht mehr gepostet habe. Die Story ist immer noch WIP und ich habe derzeit ein bisschen Probleme, weiterzukommen, aber ich habe sie noch nicht aufgegeben. Wer das hier liest: Bitte gibt du die Story auch nicht auf! :-) LG, Kritty

Blutsgebundener und Bruder

Wieder machte sein Herz einen Satz, seine Kehle schnürte sich zu und nun spürte er, wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Dean würde alleine sein. Niemand würde mit ihm reden, ihm sagen was zu tun sei. Ich habe es versprochen... wurde ihm schmerzlich klar.

Er öffnete den Mund und tat etwas, das er solange wie möglich vermeiden hatte wollen.

Er rief leise in den dunklen, leeren Raum hinein. Und wusste, dass man ihn hören würde.

„Ich...ich werde es tun." erklang Sams raue Stimme in der Dunkelheit vor ihm. Nichts regte sich. Kein Geräusch war zu hören, nur das nervöse Klirren der Ketten um Sams Handgelenke, wenn sie aneinander stießen. Der junge Winchester räusperte sich. „Hallo? Ich sagte ich werde es tun!", sprach er noch einmal etwas lauter in die Finsternis hinein. Sein Herz klopfte wie wild und seine Finger krallten sich krampfhaft um die engen Ketten über ihm. Er kniff kurz die Augen zusammen und atmete tief ein. Gerade wollte er einen weiteren Versuch starten, als seine Vermutung bestätigt wurde und seine heisere Stimme augenscheinlich erhört worden war. Sam fuhr es in alle Glieder und sein Herz machte einen schmerzhaften Sprung.

„Und so hat der Bruder gerufen..." hallte die tiefe, raspelnde Stimme durch den dunklen Raum, das 'r' gerollt und die Worte seltsam schleppend lang gezogen. Sams Blick huschte durch die Schwärze vor ihm, um den Besitzer der Stimme ausfindig zu machen, doch die dumpfe, blechern klingende Stimme schien wie ein Windhauch über ihm zu schweben, erfüllte den Raum und klang ihm doch so natürlich in den Ohren wie ein sprechender Mensch direkt neben ihm. Sam hatte seine Stimme noch nicht wiedergefunden, das Herz klopfte rasend und seine Hände wurde schwitziger denn je, als er die Stimme abermals vernahm.

„Der Bruder hat gerufen..." , die Stimme schien einen tiefen Atemzug zu nehmen, „und hat sein Einverständnis gegeben..." Sams Brust zog sich zusammen. Nein. Ich habe nicht zugestimmt.

„Nein...nein, ich sagte dass ich es tun werde! Ich habe nichts davon gesagt dass..." fand Sam seine Stimme wieder doch wurde von der tiefen schleppenden Stimme unterbrochen.

„...der Bruder hat zugestimmt und nun ist das Ziel erreicht...", es folgte wieder ein schwerer Atemzug. Das Herz des jungen Mannes klopfte schmerzhaft gegen seine Brust.

„Nein! Das habe ich nie gesagt! Ich werde es tun! Lasst Dean in Ruhe!"

„Der Bruder will es selbst tun...gibt er nicht seinen Segen?"

„Nein! Lasst Dean in Ruhe, rührt ihn nicht an!" wurde Sam lauter, die Ketten über seinem Kopf klirrten, als er wütend an ihnen zog.

„Ihr lasst meinen Bruder in Ruhe, oder ich schwöre euch..."

„...was schwört der Bruder?" wurde er abermals unterbrochen, ein angestrengtes Schnaufen folgte.

„...ich schwöre euch, ich bringe jeden einzelnen von euch um, bis auf den letzten verdammten Mann" knurrte Sam wütend, die Zähne zusammengebissen und die Stirn in tiefe Falten gezogen. Nur mit Mühe beherrschte er sich, nicht zu laut zu werden und seine Augen huschten unablässig durch das dunkle Nichts vor ihm. Er soll herkommen. Er soll sich zeigen. Die Stimme antwortete einige Sekunden nicht. Nach etwas weniger als einer Minute erklang sie wieder, diesmal weniger lang gezogen und atemlos, mehr fester und auch lauter.

„Wird der Bruder das?"

„Ja, das wird er!", knurrte Sam drohend , „und jetzt zeig dich, du glatzköpfiger Mistkerl!" füge er lauter hinzu. Und dann antwortete die Stimme und trotz seiner Wut rutschte Sam das Herz in die Knie, als sie nur wenige Zentimeter neben seinem rechten Ohr erklang.

„Ich bin schon hier, Bruder!" zischte es und der jüngste Winchester zuckte instinktiv vor der unangenehmen Stimme zurück. Ich bin nicht dein Bruder, schrie es in seinem Kopf.

„Na endlich!" warf er jedoch spöttisch in die Dunkelheit.

„Wieso, hat mich der Bruder erwartet?"

Sam lachte hohl und bitter auf.

„Ja, der Bruder hat dich erwartet. Der Bruder muss mit dir sprechen."

„Und über was möchte der Bruder sprechen?" kam die Stimme diesmal aus der Dunkelheit vor Sam, nun nicht mehr seltsam schallend und laut, sondern nahezu normal, wenn auch tief und immer noch langsam.

„Darüber, dass der Bruder nicht dein Bruder ist" antwortete Sam drohend.

„Oh." kam es nur und einige Sekunden war es wieder still.

„Warum hast du dann gesagt, dass du es machen wirst, Sam Winchester?" fügte die Stimme, plötzlich schneller und schneidend und nur wenige Zentimeter vor Sams Gesicht, hinzu. Der Angesprochene biss sich auf die Lippe. Es ist jemand hier. Er spürte heißen Atem auf seinem Gesicht. Natürlich, die Stimme muss ja auch zu jemandem gehören,rügte er sich, innerlich hohl auflachend.

Sam fuhr es kalt den Rücken hinunter. Jemand ist hier. Und er weiß meinen Namen. Es verwunderte ihn nicht. Jeder hier wusste ihn.

„Ich...werde es auch machen." brachte Sam schließlich hervor, die Stimme heiser aber bestimmt.

„Dann ist Sam Winchester mein Bruder, wenn er es vollbringen wird."

„Ihr rührt Dean nicht an. Verstanden? Ich tue es, aber krümmt ihr ihm auch nur ein Haar, dann..."

„...dann bringt uns der Bruder um, jeden einzelnen von uns, bis auf den letzten Mann." sagte die körperlose Stimme und Sam konnte schwören, ein böses Grinsen in der Tonlage zu hören, die spöttischen Augen die ihn anblitzten und kleine giftige Dolche entsandten.

„Ja. Und das meine ich ernst" drohte der junge Mann.

„So soll es sein, Bruder." schloss die Stimme und im selben Augenblick spürte Sam wie sich die Ketten um seine Hände lösten, und er zeitgleich mit immenser Geschwindigkeit und Stärke auf die Beine gehoben wurde. Stöhnend spürte er seine Arme pochen, seine Schultern brennen und seinen Rücken gegen die plötzliche vertikale Lage protestieren. Er biss die Zähne zusammen und rotierte beide Schultern, rieb sich die wundgescheuerten Handgelenke und streckte sich ein wenig. Und gleich darauf fühlte er in seinem Hosenbund nach seiner Waffe. Natürlich. Sie war nicht da. Er hätte es wissen müssen. Sie war schon seit dem Gepriesenen Raum verschwunden gewesen. Sein Herz zog sich zusammen.

„Ich will meinen Bruder sehen", befahl er in die Dunkelheit hinein, nicht wissend ob der verhasste Besucher noch im selben Raum verweilte wie er selbst.

„Das ist nicht möglich. Der Blutgebundene eines Bruders darf nicht gesehen werden, wenn er selbst kein Bruder ist."

Sam legte die Stirn in Falten. Er lachte spöttisch auf.

„Was zum...Der Blutgebundene...ihr seid noch verrückter als ich dachte...Dean hatte recht, Menschen sind schlimmer als-" knurrte er, doch ein plötzlicher Schlag von links gegen seine Schläfe ließ ihn zur Seite taumeln und verstummen. Der kurze Schmerz ließ ihn die Augen kurz zusammenpressen, doch er versteifte sich und verfiel sofort in Verteidigungsposition, lauschte schwer atmend in die Dunkelheit.

„Wir sind nicht verrückt. Ich und die Brüder sind nicht verrückt, Sam Winchester. Du kannst dir uns nur nicht erklären." durchbrach die tiefe schleppende Stimme jetzt die Stille. Der Blick des Angesprochenen huschte zum wiederholten Male durch die alles einnehmende Dunkelheit und er atmete tief durch die Nase ein und aus.

„Bald wirst du verstehen, bald...du hast es selbst gesagt, du wirst es tun." sprach die Stimme weiter, diesmal hörte Sam, dass sie sich ihm näherte. Unwillkürlich versteifte er sich abermals, machte sich auf einen Aufprall, Angriff oder Ähnliches gefasst.

„Sam Winchester, als Bruder wirst du den Blutgebundenen nicht mehr brauchen." schloss die Stimme und Sam sank das Herz in die Knie als er einmal mehr den heißen Atem seines Gegenübers auf seinem Gesicht spürte und ihm die Stimme geradewegs ins Gesicht sprach. Gestank aus Wachs, Schweiß und Moder stieg ihm in die Nase und er hielt sekundenlang den Atem an. Er wartete auf mehr, doch die Stimme führte ihren Monolog nicht fort. Der Besitzer der Stimme schien ihn nur anzustarren. Der junge Mann spürte regelrecht die grünen toten Augen auf sich ruhen, das blasse Gesicht zu ihm gewandt, den dünnen Mund höhnisch zu einem weißzähnigen Grinsen verzogen.

„Ich sagte es schon einmal...zeig dich, du glatzköpfiger Bastard- ich will dich sehen, Feigling!" drohte Sam durch zusammengebissene Zähne.

„Ich werde nicht-" wollte er hinzufügen, doch innerhalb einer Sekunde verwandelte sich das verschlingende Schwarz um ihn herum in blendendes, alles erleuchtendes Licht, sodass er sich erschrocken die Hand vor die Augen heben, den Kopf senken und sich schwankend an die Wand hinter ihm lehnen musste.

„Und ich sagte es schon einmal. Ich bin schon hier, Bruder" kam die dumpfe Stimme von Sams linker Seite- der Angesprochene hob hastig den Kopf und ließ die schützende Hand sinken. Blinzelnd starrte Sam in das Gesicht, das er vor bestimmt mehr als gefühlten Stunden gesehen hatte; das befohlen hatte, Sam von seinem Bruder wegzuholen und in diesen Raum zu sperren. Und nichts war ihm in diesem Moment widerwärtiger als dieses jugendliche und doch so alte Gesicht, mit den so beängstigenden grünen, gestorbenen Augen und der totenblassen Haut. Der junge Winchester wäre ihm sofort an die Gurgel gegangen, wenn er sich nicht mit einem Mal so schwach fühlen würde- als würde er jeden Moment in tiefe Bewusstlosigkeit sinken. Sein verunstaltetes Gegenüber starrte ihn aus dieses toten Augen an, sein Kopf auf derselben Höhe wie Sams und den Mund wie erwartet zu einer spöttischen Fratze verzogen, was die einstige Schönheit des Gesichtes unweigerlich verunstaltete. Die hässliche Narbe auf dem glattrasierten Schädel tat ihr Übriges. Sam wandt sich innerlich. Sein Kopf fing an zu pochen, ein leichtes Schwindelgefühl hatte ihn erfasst und er grub seine wunden Finger in den Mörtel der steinernen Mauer, der Wand des Verbotenen Raumes, in dem er und sein gehasstes Gegenüber sich befanden.

Sam." erklang seine Stimme in der Dunkelheit und er stupste seinen kleinen Bruder mit dem Ellbogen an, zutiefst erleichtert dass dieser tatsächlich wie geschätzt und erhofft direkt neben ihm stand.

Ich habe dich gehört, Dean." kam die beinahe gelassene, heisere Antwort seines Bruders.

Und? Hast du eine Idee?"

Nicht nur eine Idee. Ich weiß es. Sie nennen ihn, den Gepriesenen Raum."

Dean runzelte die Stirn. Der Gepriesene Raum. Etwas machte auf sich aufmerksam, etwas begann sich in den Tiefen von Deans Gedankenwelt zu regen. Ein Gefühl, das er nicht einordnen konnte – und wollte. Und in diesem Moment ignorierte er das sonderbare Gefühl und konzentrierte sich darauf, aus seinem offensichtlich ängstlichen Bruder die Umstände ihrer Situation herauszubekommen.

„Ein gepriesener Raum sagst du?" fragte er Sam. Der antwortete schneller als erwartet, die raue Stimme seltsam schneidend und Dean erkannte eine leichte Ungeduld in der Stimme seines Bruders.

„Nein, Dean. Der Gepriesene Raum. Nicht irgendeiner. Der. Gepriesene Raum."

„Der Gepriesene Raum." wiederholte Dean und schüttelte leicht den Kopf, kreiste seine rechte Schulter um die unangenehme Anspannung in seinem Rücken zu vertreiben. Die Wolke aus Watte hatte noch nicht vollständig aufgehört, sich um sein Denken zu legen und das nagende Angstgefühl hatte nun wieder eingesetzt, nachdem er für eine kurze Zeit beruhigt gewesen war über Sams Auftauchen. Aber nun musste er feststellen dass Sam...sich seltsam verhielt. Was hat man mit dir angestellt?

„Sammy, geht es dir gut?" Der Angesprochene antwortete sofort, diesmal wieder mit einer ruhigen, fast flüsternden Stimme.

„Ja, mir geht es gut. Und dir?"

Dean legte den Kopf schief. Es war anstrengend, aufrecht stehen zu bleiben, er spürte seine Knie leicht zittern. Er spürte wie ihm Schweißtropfen die Schläfe hinunterrannen. Und er spürte sein Herz schmerzhaft gegen die Brust klopfen, wenn auch lange nicht mehr so schnell wie zuvor. Und er spürte, wie er die Mauer zum Schutz gegen die Schmerzen nicht mehr lange aufrecht erhalten konnte und er sie nicht länger ignorieren konnte. Und das dumpfe Wattegefühl um seinen Verstand nahm zu. Es geht mir nicht ganz so gut, Sammy.

„Ich bin okay." sagte er trotzdem. Ich bin okay. Ich werde es überleben.

Einige Sekunden Stille. Dann hörte Dean so etwas wie ein Kichern. Ist das Sam?

„Sam, lachst du?" Das Kichern erstarb und es folgte ein Seufzen.

„Ja, Dean, ich habe gelacht" Der ältere Winchester hob den Kopf und legte die Stirn in Falten.

„Worüber." fragte er, nicht ganz so amüsiert wie offensichtlich sein kleiner Bruder.

Was ist an dieser Situation lustig?

„Du sagst du bist okay."

„Ja. Bin ich. Sam. Was ist daran witzig?"

„Du lügst." kam sofort die offene Antwort und im Gegensatz zur leicht wütenden Stimme folgte abermals ein leises Kichern.

Dean öffnete den Mund und wollte etwas sagen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er schüttelte nur den Kopf, hob die leicht zitternde Hand und strich sich über die kaltfeuchte Stirn. Als er seine eigene Stimme dann hörte klang sie erschöpft und zu seinem eigenen Entsetzten ängstlich. Er könnte sich dafür verfluchen. Halt. Die Winchesters sind schon reicht.

„Sam. Bitte. Ich werde es überleben. Jetzt komm schon, wir müssen uns hier rausschaffen."

Das Kichern erstarb und wieder folgte ein lautes Aufseufzen.

„Ja, ich weiß. Du wirst es überleben. Und wir müssen hier raus." Dean hörte, wie Sam sich neben ihm bewegte. Er hörte, wie sich sein Bruder mit schleifenden Schritten ein wenig von ihm entfernte.

„Sam, wo gehst du hin?"

„Du sagtest doch, wir müssen hier raus." Dean antwortete nicht, sondern schüttelte nur den Kopf. Sam verhielt sich...anders. Er holte ein wenig Luft und setzte dann einen Fuß vor sich, die Beine bleischwer und die Knie zitternd. Zu seinem Erstaunen knickte er weder ein noch durchfuhr ihn eine Welle von Schmerz. Er spürte den hartweichen Untergrund, der sich sehr ähnlich anfühlte wie das Material auf dem er gelegen war. Blind und ohne jeglichen Sinn wie der Ort an dem er sich befand aussehen mochte tastete er sich vorwärts. Der Boden unter ihm war seltsam hügelig – und gab hin und wieder plötzlich nach. Moos. Das muss Moos sein. Und an manchen Stellen knirschte es plötzlich auf und ein fürchterliches Knacken durchbrach die Stille. Und Holz. Äste. Wir müssen in einem Wald sein.

„Sam?" sprach Dean nach etwa einer Minute in die Dunkelheit hinein. „Wo bist du, hast du etwas?"

Er vertraute seinem Bruder bedingungslos, und das wusste auch Sam – doch er brauchte trotzdem die Gewissheit, dass sein Bruder noch anwesend war, musste die Stimme hören. Und er hörte sie. Sie klang leicht ungeduldig, ähnlich wie zuvor.

„Ich bin hier, etwa 5 Meter von dir entfernt zu deiner Rechten. Und nein, ich habe noch nichts."

Der ältere Winchester nickte erleichtert und streckte dann wieder seine Hände aus, um sich in der Dunkelheit voran zu bewegen und plötzlich auftauchende Hindernisse erkennen zu können. Dann machte sein Herz einen Sprung. Er drehte sich leicht in die Richtung aus der Sams Stimme gekommen war.

„Woher weißt du, dass ich genau 5 Meter von dir entfernt bin?". Die Antwort kam etwas verspätet.

„Ich hab dich schleichen hören."

„Du hast mich schleichen hören?" fragte Dean ungläubig zurück.

„In der Tat." Dean wollte gerade etwas erwidern und versuchte das seltsame Panikgefühl von Skepsis zu ignorieren, als er mit seinen ausgestreckten Fingern plötzlich an etwas stieß.

„Ich bin an etwas gestoßen."

„Ich habs gehört" war die Antwort. Dean riss die Augen weiter auf und drehte sich in die vermutete Richtung seines Bruders.

„Schau mich nicht so an, ich hab gute Ohren."

„Und eine gute Nachtsicht hab ich auch." fügte er hinzu.

Dean antwortete nicht sondern schüttelte nur den Kopf, biss die Zähne zusammen als seine Brust plötzlich eine heiße Welle von Schmerz freigab und atmete dann langsam mit geschlossenen Augen aus. Seine Finger erkundeten unterdessen das Hindernis vor ihm. Kalt. Leicht feucht. Dean verzog das Gesicht. Er wollte gar nicht wissen, was da feuchtes vor ihm in der Dunkelheit aufragte. Seine wunden Finger fuhren über das raue, kalte und feuchte Material, fanden kleine vorstehende Huppel, die beim Berühren sofort abbrachen und unter seinen Fingern zerbröselten. Eine Mauer. Eine klamme Mauer aus Stein, kam dem jungen Mann in den Sinn.

„Dean, ich bin auch an der Mauer."

Der Angesprochene lächelte. Natürlich bist du das, Sammy. Sein Bruder hatte ebenfalls sofort herausgefunden was sie vor sich hatten.

Dean schickte sich an, seitwärts an der offensichtlichen Mauer entlang zu gehen, beide Hände flach vor sich aufgelegt als ihm etwas in den Sinn kam.

„Sam, woher weißt du, dass das hier Gepriesener Raum genannt wird? Und warum ist dieser Raum im Wald und hat keinen richtigen Boden?" fragte er und drehte seinen Kopf nach rechts.

„Ich weiß es eben. Und woher weißt du dass er im Wald ist?"

„Ich weiß es eben" entgegnete Dean. „Komm schon, du kannst das nicht einfach so wissen."

Er biss sich kurz auf die Unterlippe bevor er weiterredete. „Wie lange war ich weg?"

Es kam keine Antwort für einige Sekunden. Und als sie kam, war sie nicht das, was Dean erwartet hatte.

„Keine Ahnung, woher soll ich das wissen, Dean." Der Angesprochene biss die Zähne zusammen. Normalerweise weißt du das, Sammy.

„Weiß auch nicht, hätte ja sein können. Ich denke, ich hab wohl was verpasst wie es aussieht."

„Scheint so."

Dean sank das Herz in die Knie. Es stimmt etwas nicht. Sein aufgewühlter Bauch streikte, wollte ihm sagen dass etwas ganz und gar nicht stimmte, sein Herz pochte und schrie ihm entgegen dass das alles nicht richtig war. Und sein Kopf brüllte auf ihn ein, dass er die wattige Wolke vertreiben, sich zusammenreißen und Sam und sich selbst hier rausbringen sollte. Er fuhr sich zum wiederholten Male über die nasse Stirn, atmete zittrig ein und aus – und drehte seinen Kopf wieder von Sam weg.

Er war keine zwei Schritte an der Mauer entlanggegangen, als er plötzlich heißen Atem in seinem Nacken spürte. Seine Haare stellten sich auf, es lief ihm kalt den Rücken hinunter und das Zittern seiner Gliedmaßen verstärkte sich.

„Sam? Hör auf damit."

Der heiße Atem streifte abermals seinen Hals.

„Mit was?" kam die leise Gegenfrage.

„Damit, mir deinen Mundgeruch an den Hinterkopf zu pusten. Du hast mich erschreckt."

Die Antwort kam erst drei Sekunden später.

„Du wirst es überleben."

Deans Magen zog sich zusammen. Sam. Er versteifte sich und atmete tief ein und aus. Dann drehte er langsam den Kopf in Richtung seines Bruders. Sofort spürte er dessen Atem direkt auf seinem Gesicht. Und sein Herz rutschte ihm nun endgültig in die Knie, eine kalte Hand legte sich um seine Brust und schnürte ihm die Luft ab. Das kann nicht sein. Ein ekelerregender Geruch aus Wachs, Schweiß und Moder schlug ihm entgegen und obwohl er nicht wusste warum, hinterließ allein dieser Gestank eine unerklärliche Angst in ihm. Ertragbar und trotzdem erdrückend. Er schnappte leise nach Luft und versuchte das Gefühl zu verdrängen, dass er schon zuvor gespürt hatte, als ihm...Sam...den Namen des Ortes genannt hatte an dem sie sich befanden. Dean presste kurz die Augen zusammen, nur um sie dann sofort wieder zu Öffnen und vor sich in die Dunkelheit zu starren, den heißen unangenehmen Atem im Gesicht zu spüren. Sein Flüstern erklang wie ein Ruf durch die tiefe Stille der schwarzen Dunkelheit, als er das Wort Gottes aussprach.

„Christo."

Und dann geschah alles ganz schnell. Mit einem Mal war die unheimliche Schwärze um ihn herum in ergreifendes helles Licht getaucht, er kniff keuchend die Augen zusammen. Das Licht durchbrach seine Augenlider, das Brennen seiner Augäpfel erreicht die Innenseite seines Hinterkopfs. Er schlug die Hände vor die Augen und spürte seine Knie nachgeben, spürte sich anschließend mit der Stirn an der Mauer entlang zu Boden gleiten. Und gleichzeitig hörte er eine tiefe und kratzige Stimme durch die jetzige Helligkeit hallen, das 'r' seltsam gerollt und jede Faser seines Körpers erfassend, wenn auch nicht laut – aber Dean hörte sie in seinem Kopf...

„Christo? Was glaubst du wer wir sind, Blutsgebundener?... Höre, Dean Winchester, dein Bruder hat entschieden und wird es tun. Er wird es tun und einer von uns werden."

Dean keuchte auf, versuchte die Hände von den Augen zu nehmen und sich in Richtung der Stimme zu drehen, doch das Licht war zu hell und stach ihm in die Augen wie mehrere Dolche in einen Leib. Es war ihm schwer zu atmen, seine Brust fühlte sich an wie zugeschnürt, seine Kehle brannte und sein Kopf dröhnte. Er kniff die Augen zusammen und vergrub nun den Kopf unter seinen Armen, die Stirn berührte nun das erleuchtete Material unter ihm und seine Hände trafen sich an seinem Hinterkopf. Schwer atmend lauschte er auf das blecherne Rauschen das nun auf die Stimme folgte, tausend Gedanken rasten ihm durch den Kopf und er wusste, dass er nahe daran war zusammenzubrechen, die Fähigkeit, klar zu werden und nachzudenken, gleich zu verlieren. Gerade als er merkte wie sein Kopf zu einer letzten Schmerzattacke ansetzte und sein Herz einen erneuten Sprung machte, riss er die Augen auf – und im Bruchteil einer Sekunde erkannte er das Material unter seinem Körper, im Bruchteil einer Sekunde schmeckte er Galle seine Speiseröhre hochsteigen – und im Bruchteil einer Sekunde hörte er die spöttische Lache der tiefen Stimme durch das Licht schweben, ein höhnendes „Christo, sagt der Blutsgebundene" flog über ihn hinweg und er spürte sich seines Körpers entzogen, sah sich selbst zur Seite kippen und bewusstlos werden. Kein Schmerz. Kein dumpfes Pochen. Nur Schock und das schwitzige Gefühl der eindämmenden düsteren Wolke um sein Denken hatten ihn der Kontrolle über seinen Körper beraubt.

A/N: DANKE, Ann Morgan!