Hi! Das ist eine autorisierte Übersetzung. Die Originalstory findet ihr unter We learned the sea von luckei1.

Diese Geschichte ist wirklich großartig, sowohl vom Plot her als auch was die Sprache betrifft (die ich versuche auch im Deutschen beizubehalten). Hiermit präsentiere ich euch ohne weitere Umschweife: Wir lernten die See. Der Titel ist eine wortgetreue Übersetzung des Oritinaltitels, der von dem gleichnamigen Song von Dar Williams stammt.

Viel Spaß und bitte sagt mir, was ihr davon haltet!


Kapitel 01 – Der Feind tritt ein

Draco Malfoy war der meistgesuchte Mann in der Zaubererwelt, unter der Maßgabe, dass Voldemort nicht wirklich als Mensch bezeichnet werden konnte. Andernfalls wäre Draco Malfoy der zweite in der Rangliste. Doch Semantik beiseite, es wurde nach ihm gefahndet.

Es war nun vier Jahre her, seit er auf dem Astronomieturm in der Hogwarts- Schule für Zauberei und Hexerei gestanden hatte und darin gescheitert war, den Schulleiter zu töten. In jener Nacht war er mit einem Mittodesser geflohen, Severus Snape, und zum Dunklen Lord gebracht worden. Es erklärte sich von selbst, dass der Meister sehr wütend war. Er sagte Draco, dass es nur zwei Optionen gab: töten oder getötet werden. Draco war ein vernünftiger Mensch mit einer besonderen Zuneigung zu seiner eigenen Haut und so wählte er den vernünftigen Pfad. Dann, nachdem er, zumindest teilweise, die Zögerlichkeit niedergerungen hatte, die zu seinem Versagen bei seiner ersten Mission geführt hatte, stürzte er sich kopfüber hinein und blickte nie zurück. Schließlich hieß es: töten oder getötet werden.

Draco wuchs in Macht und Fähigkeit und arbeitete sich zunächst langsam durch die Ränke. Doch in den letzten anderthalb Jahren war er hinaufgeschossen, um als beinahe Gleichrangiger neben dem Dunklen Lord zu stehen, Voldemorts Person des Vertrauens. Er hatte sogar seinen Vater übertrumpft, was nun interessante Familienessen mit sich gebracht hatte, die seine Mutter so oft wie möglich verlangte. Draco ließ sich nie eine Gelegenheit entgehen, seinem Vater seine Position unter die Nase zu reiben oder seine Fertigkeiten mit dem Zauberstab zur Schau zu stellen. Obwohl sein Vater ihm an Jahren und einigen Bereichen der Magie überlegen war, konnte Draco ihn mit Leichtigkeit in einem Duell besiegen, was er an einem Abend bewiesen hatte, als Lucius so zornig über die Arroganz und Überlegenheit seines Sohnes gewesen war, dass er ihn zu einem Kampf herausgefordert hatte. Narzissa war außer sich vor Sorge und Angst gewesen, größtenteils um ihren Sohn, obwohl sie es nicht wagte, Parteilichkeit zu zeigen.

Doch sie kämpften. Es dauerte kürzer als Draco erwartet hatte und es enttäuschte ihn. Nachdem er so viele Jahre mit seinem Vater verglichen worden war und immer in seinem Schatten gestanden hatte, hätte es nicht so einfach sein sollen, ihn zu besiegen. Vielleicht lag es an den Jahren, die Lucius während der ersten Herrschaft des Dunklen Lords in Knechtschaft und Schmerz verbracht hatte, dann die Furcht und beständigen Sorgen, die während der Abwesenheit seines Meisters an seinen Eingeweiden genagt hatten, und dann noch dazu die letzten sieben Jahre der Knechtschaft und Schmerzen, die seine Reflexe verlangsamt und seinen Geist benebelt hatten. Ober vielleicht lag es am Alkohol. Welche Faktoren auch immer in Lucius' Niederlage reinspielten, Draco würdigte ihnen keines zweiten Gedankens. Er hatte endlich seinen Vater besiegt, all jene besiegt, die seit seiner Kindheit auf ihn herabgeschaut hatten. Als Draco den Zauberstab seines Vaters in der Hand hielt, hatte er seinen eigenen auf seine Kehle gerichtet. Es war ein gutes Gefühl, in einer kranken, verqueren Art und Weise. Er konnte seinem Vater in die Augen sehen und endlich die Gewissheit haben, dass er besser war als er. Und Lucius hatte ihm eine sehr lange Zeit nach diesem Abend nicht mehr in die Augen sehen können.

Doch sollte Lucius nicht stolz sein?, fragte Draco sich einige Wochen nach dem Kampf verbittert. Er hatte gewollt, dass ich zu dem werde, was ich bin, dass ich seinen Fußstapfen folge. Doch er hätte nicht im Traum daran gedacht, dass ich ihn übertrumpfen würde. Er hat nie ehrlich gewollt, dass ich in allem Erfolg habe. Er wollte jemanden, den er erniedrigen und zerstören konnte, weil er selbst so erbärmlich war. Und alles wegen eines Abends, als Lucius in einer schäbigen Bar in Hogsmeade auf einen alten Freund gestoßen war, der gesagt hatte: „Sag mal, Malfoy, alter Freund. Ich habe die Antwort auf all deine Probleme mit den Muggle gefunden. Er verspricht Großartiges, Malfoy, das tut er. Ein echter Denker. Er wird groß werden, du wirst schon sehen. Was sagst du, wenn ich dich ihm vorstelle?" Jene Nacht war der Anfang von Lucius' Zerstörung gewesen. Ein Pfad der Dunkelheit, der einen langen Schatten über seine Familie bringen würde.

Nach dem Kampf wusste Narzissa, wer der Sieger war. Sie bemerkte, dass Lucius mehr trank, und sie sah Furcht in seinen Augen, wenn er ihren Sohn anschaute. Draco war ihr noch fremder geworden, sprach kaum bei den Mahlzeiten und schien immer wütender und verbitterter zu werden. Als Narzissa herausfand, dass Draco die Position des Lieblings des Dunklen Lords erlangt hatte, weinte sie um ihren Sohn. Als er zur Spitze aufstieg, sah sie ihn jeden Tag ein wenig sterben, bis endlich nichts mehr übrig war von dem Jungen in ihren Erinnerungen, der unschuldig und frei von Dunkelheit war. Narzissa bewahrte keine Bilder von Draco in ihrem Zimmer auf außer jenen vor seinem vierten Geburtstag. Danach war sein Lächeln und Lachen zunehmend seltener geworden, bis sie vollkommen verschwunden waren, bevor er nach Hogwarts ging.

Narzissa hatte nie gewollt, dass Lucius dem Pfad folgte, den er sich erwählt hatte, hatte nie die Ehefrau eines Todessers sein wollen, verachtet und aufgegeben von dem Mann, den sie einst geliebt hatte. Und das absolut Letzte, das sie jemals gewollt hatte, war, dass ihr Sohn ihm in die Dunkelheit folgte. Doch in jenem Sommer, direkt vor seinem sechsten Schuljahr, war Draco eines Nachts spät nach Hause gekommen, sehr viel blasser als üblich. Als er seine Mutter erblickte, gab es einen kurzen Moment, einen Sekundenbruchteil, als sie in seinen Augen den Tod sah. Doch es war im nächsten Augenblick verschwunden, ersetzt durch sein typisches Feixen. Sie wusste natürlich bescheid. Sie hatte diesen Blick in so vielen Augen gesehen. Bei ihrem Mann, ihrer Schwester, ihren Freundinnen, bei den Männern ihrer Freundinnen. Und nun würde auch ihr einziger Sohn sein ganzes Leben lang in Schrecken leben.

Als sie sah, wie ihr Sohn ihren Mann besiegte, gab Narzissa sich selbst auf. Sie wurde eine leere Schale, die ziellos durchs Haus streifte und die Rolle der treuen Frau eines Todessers spielte. Eine Rolle, die sie für ihre Ignoranz und Arroganz verabscheute. Als kleines Mädchen hatte sie miterlebt, was Vorurteile mit ihrer eigenen Familie anrichteten. Sie hatte ihre Schwester über zwanzig Jahre lang nicht mehr gesehen. Die Entfremdung hinterließ ein Loch in Narzissas Herzen, obwohl sie nie darüber sprechen oder es zugeben würde. Manchmal fand Draco sie in ihrem Zimmer, wo sie ohne Scham in ein altes Taschentuch weinte, das mit dem Black- Familienwappen bestickt war. Sie sprach nie, wenn er sie fand, sondern lächelte ihn nur warm an und winkte ab, als wäre alles in bester Ordnung. So sehr er es auch hasste, seine Mutter weinen zu sehen, waren dies die einzigen Augenblicke, in denen sie ihn so anlächelte.

Es gab keine Möglichkeit, wie Narzissa sich mit ihrem unglückseligen Leben abfinden konnte, ein Leben, das sie nicht wirklich gewählt hatte. Lucius war schon immer der Mann gewesen, der er jetzt war, doch sie konnte nicht einfach eines Tages zu Lucius sagen, dass dem Dunklen Lord zu folgen vielleicht nicht die Richtung war, die diese Familie einschlagen sollte, und dass sie in Betracht ziehen sollten, dem Licht eine Chance zu geben. Nein, sie hatte schon vor langer Zeit die Fähigkeit zu sprechen verloren.

Draco dachte oft über seine Eltern nach, wenn auch nicht mit aufrichtiger Zuneigung oder Achtung. Er wusste, dass seine Mutter etwas vor ihm geheim hielt, doch er hätte es nie erraten. Also hörte er auf, es zu versuchen. In der Nacht, in der er spät nach Hause gekommen war, mit dem Blick des Todes in seinen Augen, hatte er ebenfalls etwas erhascht, als er seiner Mutter in ihre hellblauen Augen sah – Scham. Es erschütterte ihn zutiefst. Er feixte, um zu verbergen, was er empfand, doch er verstand den Blick nie, mit dem sie ihn bedacht hatte. Er versuchte, sich davon zu überzeugen, dass er nicht für ihn bestimmt gewesen war. Was für eine Schande war es schließlich, ihrer Sache beizutreten? Doch jene Augen, blassblau und voll rohen Lebens, suchten ihn oft in seinen Träumen heim.

Nun, auf den Tag vier Jahre später, saß Draco in seinem Zimmer und blickte sich ein letztes Mal um. Es würde eine Weile dauern, bevor er zurückkehrte, wenn alles nach Plan verlief, und er stellte sicher, dass alles an seinem rechten Platz war. Zufrieden ging er in die anderen Räume des Hauses zu sehen, ob sie bereit waren. Das waren sie. Natürlich waren sie das. Er war peinlich genau und er hatte an alles gedacht. Er hatte seine Adlereule Bubo mit viel Essen und Richtungen für ihre Pakete losgeschickt. Er hatte angewiesen, dass er nach ihr schicken würde, wenn er zurückkehrte, und dass man sie bitte mit den Schrotkörnern füttern und die Leckerlis aufheben solle für Tage, an denen sie besonders brav war.

Dann musste er seine Gäste bedenken: Gegenwart und Zukunft. Er versorgte sie in jeder möglichen Hinsicht. Wenn alles nach Plan verlief, würde er in einem Monat zurückkehren. Wenn nicht, tja... besser nicht daran denken. Entweder derselbe Tag oder niemals. Draco holte tief Luft, schoss die Augen und murmelte: „Es kann nicht niemals sein." Er überprüfte alles noch ein Mal. Es war nicht so, als wäre er eine neurotische Person, aber alles musste perfekt sitzen. Nichts durfte vergessen oder verlegt werden. Draco seufzte und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. Es ist nur ein Haus, sagte er sich, es muss nicht perfekt sein. Es wird ausreichen.

Draco ging zum Esszimmer, wo seine Pläne lagen, und setzte sich, um sie abermals durchzugehen. Alles war hergerichtet. All seine Planungen und Mühen waren im Begriff ausgeführt zu werden. Es war möglich, dass es nicht klappte, doch er weigerte sich, seine Gedanken diesen Pfad entlang wandern zu lassen. Denn es hatte zu klappen. Andernfalls hatte er keinen Ersatzplan. Sein ganzes restliches Leben hing von heute ab. Trotz seiner übergenauen Natur gab es keine Möglichkeit für einen Ersatzplan, keinen Plan B. Es hieß: Alles oder nichts.

Er ging nochmals alles durch. Das war etwas, das er in der Schule gelernt hatte, bevor er seine Prüfungen abgab. Es verblüffte ihn stets, dass er selbst bei dem dritten Durchsehen Fehler entdecken konnte, die er die ersten beiden Male übersehen hatte. Doch er war alles Dutzende Male durchgegangen und er hatte es über ein Jahr lang geplant. Es musste funktionieren. Er war noch nie gezwungen gewesen, mit dem Versagen Bekanntschaft zu machen, und hatte nicht vor, gerade jetzt damit anzufangen.

Draco stand auf und verließ das Esszimmer. Er ging durch den Salon. Die Möbel standen am richtigen Fleck und die Bücher waren in der Ecke aufgestapelt. Er betrat alle Räume im unteren Stockwerk und überprüfte alles doppelt und dreifach. Es gab tatsächlich nicht viel nachzusehen, da er das Haus vor drei Tagen vorbereitet hatte und seitdem jeden Tag alles durchgegangen war. Deshalb dauerte es nicht lange. Als er zur Haustür kam, wandte er sich zu dem Haus um. Dann kam ihm in den Sinn, dass er zauderte. Mit einem schweren Seufzen disapparierte Draco Malfoy.

Er gelangte an einen sehr unerwarteten Ort, zumindest für alle, die ihn sahen. Er wusste natürlich genau, was sein Ziel war, und war deshalb nicht überrascht, dass er sich einem Springbrunnen gegenübersah, der einen Zauberer, eine Hexe, einen Zentauren, einen Hauself und einen Goblin darstellte. Zuerst bemerkte ihn niemand, während er lässig zu der Rezeption schlenderte. Schließlich apparierten Hunderte, vielleicht Tausende, jeden Tag in das Ministerium. Doch dann hörte er es – das Geräusch von Keramik, das auf dem Marmorboden zerschellte. Dort einiges Luftschnappen, doch alles war so unglaublich erschüttert, dass keiner von ihnen daran dachte, seinen Zauberstab zu ziehen. Draco schloss daraus, dass keine Auroren anwesend waren, sonst wäre dieser Fehler nicht geschehen.

Draco ging weiter auf den Rezeptionstresen zu, sein Feixen immerfort auf dem Gesicht, während er den Blick auf die kleine Hexe hinter dem Tresen gerichtet hielt. Seine Ankunft hatte nicht genug Aufruhr verursacht, um die Hexe darauf aufmerksam zu machen, dass jemand sich näherte. Hätte sie gesehen, wie er vom Apparierpunkt aus zu ihr schritt, hätte sie vielleicht geschrien oder ihren Zauberstab gezückt. Doch stattdessen musste er sich tatsächlich räuspern, um ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Hexe sprach gerade angespannt in etwas, das aussah wie ein Kopfband mit einem Stäbchen, das um ihr Gesicht herumreichte und vor ihrem Mund endete. Draco beobachtete, wie sie immer nervöser wurde. Als er sich räusperte, blickte die Frau endlich zu ihm auf und als sich Wiedererkennung auf ihrem Gesicht zeigte, nahm es einen geisterhaft bleichen Farbton an, der seinem eigenen Teint alle Ehre machte. Draco feixte immer noch. Selbstvertrauen strahlte aus jeder Zelle seines Körpers. Die Hexe war erstarrt und konnte ihn nur mit offenem Mund anstarren. Draco konnte ihre Furcht spüren und es machte ihm Mut.

Lässig legte er einen Arm auf den Tresen. „Guten Tag, Miss", begann er und lächelte beinahe, als wollte er sich erkundigen, wo die Toilette zu finden war. Als er sprach, zuckte die Hexe zusammen, als hätte er sie geschlagen. Ihre Augen weiteten sich, als sie endlich realisierte, dass sie Draco Malfoy vor sich hatte, den Draco Malfoy, der vor ihr stand, feixte und mit ihr redete. Mit ihr. Was er sagte, war: „Würden Sie bitte Mr. Potter informieren, dass ich ihm ein Angebot zu machen habe?"