Kapitel V: Die weiten der Galaxis

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Nyota Uhura_____________________________________________

Der neue Morgen.

„SO HATTEN WIR NICHT GEWETTET!"

„Ach, ne?"

„NEIN!"

„Also, wenn ich dein Zeugnis hätte, dann würde ich denen jetzt die Tür einrennen."

„Was denkst du, was ich jetzt tun werde?"

„Mach sie fertig, Tiger!"

Hinter Nyota hörte Shiva eine imaginäre Tür mit vollen Karacho ins Schloss fallen. Sie korrigierte sich. Die Tür flog aus den Angeln, der Türrahmen zerbarst und alles löste sich in klitzekleine Flöckchen auf.

In Wahrheit glitt die Tür mit ihrem stets mucksmäuschenstillen Zischen hinter Fähnrich Uhura zu.

Mit ihren langen, energischen Schritten brauchte Uhura nicht lange, bis sie ihr Ziel erreichte. Dort angekommen atmete sie dreimal tief ein und aus. Nein, besser doch zehnmal. Dann fühlte sie sich imstande das Türsignal zu betätigen und auf Antwort zu warten. Nach gefühlten drei Stunden wurde ihr endlich Einlass gewährt. Und nach einem so gekonnten Gruß, dass Shiva den schon wieder ekelig gefunden hätte, hielt sie mit ihrem Anliegen auch nicht lange hinter dem Berg – gut, sie ließ sich noch das Wort erteilen, aber dann:

„Sir, ich habe diese Akademie mit Bestnoten abgeschlossen! Sogar mit Auszeichnung! Sie selbst haben mein Talent und meinen Fleiß stets bemerkt und anerkannt! Meine xenolinguistischen Fähigkeiten übertreffen die der meisten Studenten dieses Jahrgangs! Und das sage ich aufgrund von zutreffenden Fakten! Und abgesehen davon, dass ich unermüdlich gelernt und gearbeitet habe, ist meine rasche Auffassungsgabe eine natürlich Begabung, die unabdingbar ist, um exzellente Arbeitsergebnisse zu liefern! Und das werde ich! Aber es ist mir unbegreiflich, wie und wieso ich das auf der U.S.S. Whitehawk tun soll! Sie wissen nur allzu genau, auf welchem Schiff ich diesen will: auf der Enterprise. Und wenn sie mir erklären wollen, dass sie nur gewillt waren den Anschein von Bevorzugung zu vermeiden, so liegt dahinter keine Logik. Es ist logisch, die Absolventen mit den besten Noten auf das beste Schiff zu schicken. Deswegen komme ich auf die Enterprise." Ihre Stimme verriet deutlich, dass es daran nicht das Geringste zu rütteln gab. Nyota Uhura stand bereits auf der Mannschaftsliste der Enterprise. Nur wusste diese verflixte Mannschaftsliste das noch nicht. Noch.

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Leutnant Spock____________________________________________

Dass sie einander so schnell wieder begegnen würden, hätte wohl niemand von ihnen angenommen. Spock hatte gerade die abschließende Besprechung mit seinen Kollegen abgehalten, förmlich wurde er dann verabschiedet, als jemand in den Konferenzsaal platze. Nicht gleich konnte der Vulkanier erkennen wer dort seinen Abschied störte. Im Grunde war es ihm nur recht, dieses förmliche Geplänkel konnte man sich auch gut sparen. Er wusste in vielerlei Hinsicht das er durch seine Abstammung den ein oder andere skeptischen Blick erntete. Vielleicht hing es auch in gewisser weise mit einem Gefühl zusammen das die Menschen als Neid bezeichnen würde. Genau wollte er diese Tatsache aber nicht beleuchten. Die Blicke der gestandenen und erfahrenen Kommandanten, die die Schüler unterrichteten, lagen auf dem offensichtlich empörten Fähnrich. Interessiert lauschte auch Spock der bekannten Person.

Natürlich hatte sie Recht, in vielerlei Hinsicht. Es waren zutreffende Fakten, dass sie eine der besten ihres Jahrgangs war. Genauso das sie eine Begabung für Sprache innehatte. Also wieso hatte man sie nicht auf die Enterprise versetzt? Auch das beantwortete sie, man wollte sie nicht bevorzugen oder besser gesagt Spock hatte das vermeiden wollen, weswegen er sich den anderen Offizieren gebeugt hatte. Nicht, dass es allgemein bekannt war, dass der Vulkanier privat unterrichtete, besonders sie. Er hatte sich darüber ausgeschwiegen und niemand hatte ihn gefragt. Weshalb er annahm, dass auch die ehemalige Kadettin dies nicht an die Öffentlichkeit gebracht hatte. Es war nur so das Spock für sich entschieden hatte, dass er eine mögliche Bevorzugung vermeiden konnte, indem er sie einmal auf ein anderes Schiff versetzte, wo sie alleine für sich arbeiten konnte. Die letzte Nacht kam Spock ins Gedächtnis; was, wenn er wegen solcher Emotionen den Kopf verlor und sich das Dilemma auf dem Schiff fortsetzen würde? Nicht, dass er das gestrige Erlebnis bereute, ganz im Gegenteil... aber irgendwie konnte er sich noch nicht mit der Tatsache abfinden, dass er ziemlich viel für den aufstrebenden Fähnrich übrig hatte.

Die Whitehawk war ein gutes Schiff, nichts konnte man daran aussetzen. Nur war es nicht die Enterprise. Wie sie es schon bemerkte. Irgendwie kam es Spock so vor, als würde sie ihre Worte nur an ihn richten. Obwohl sie doch zu der großen Masse sprach. Langsam setze murmeln ein, als sie geendet hatte. Man musste schon eine große Courage, Tapferkeit und Mut innehaben, um sich von so einem Urteil nicht entmutigen zu lassen, sondern für seine Träume zu kämpfen. Ein Commander erbarmte sich und meldete sich zu Wort. „Wer ist für sie zuständig? Fähnrich..." „Uhura." ergänzte Spock und stand unter den Blicken der anderen auf. „Dann ist dies wohl ihre Sache." Spock nickte und die übrigen erhoben sich langsam. Viele redeten nun munter los, über private Belange oder sonstige Dinge. Manche von ihnen warfen den beiden einen Aufmerksamen Blick zu, andere ignorierten sie scheinbar vollkommen. Minuten vergingen, in denen Spock Zeit hatte sich zu sammeln. Seine übrigen Gefühle ausblendete und die Situation rational analysierte.

Lange betrachtete er sie aus seinen braunen Augen. „Soeben haben sie mein Entscheidungsverhalten vor dem gesamten Lehrstuhl in Frage gestellt." Seine Stimme hatte einen leicht kühlen Unterton, auch wenn sie soeben großen Mut bewiesen hatte, war er dennoch ihr Vorgesetzter, vielleicht hatte sie nach dem gestrigen Abend irgendetwas missverstanden? „Ihr persönliche Meinung und besonders ihre Wünsche können dahingehend nicht beachtet werden." Das Leben war nun mal kein Wunschkonzert und Spock würde sich nach der dargebotenen vollkommen logisch stellen. „Zügeln sie ihre Emotionen." war ein gut gemeinter Rat. Obwohl er davon ausging, dass ihre menschliche Veranlagung dies nicht zulassen würde. Dennoch nahm er die kleine Schalttafel zur Hand und tippte einige Befehle hinein. „Willkommen auf der Enterprise, Fähnrich. Finden sie sich in einer halben Stunde am Hangar 11 ein." Knapp nickte er ihr zu, somit war ihr Gespräch beendet. Ohne weiteres verließ er nun auch den Konferenzsaal. Um sich nun auch auf den Weg zur Enterprise zu machen.

Stunden später...

Sie hatten den Orbit der Erde bereits seit einigen Minuten hinter sich gelassen. Der Auftrag hieß einen Kontrollflug zu einer planetaren Außenstation zu tätigen. Demnach war es ein routinemäßiger Flug. Die ehemaligen Kadetten, die neu an Board gekommen waren, sollten sich auf der einwöchigen Reise an das Schiff gewöhnen. Es war anders auf einem Raumschiff in den weiten des Weltalls unterwegs zu sein. Der Tag und Nacht-Rhythmus, die veränderte Umgebung, dann noch der Schichtdienst und damit die erhöhte körperliche Belastung. Zwar waren die angehenden Offiziere gerade für solche Belastungen geschult und trainiert aber trotzdem hielt es nicht jeder auf einem Schiff aus. Nach ihrer Rückreise würden sie einen Stopp an einer Raumbasis nahe der Erde machen. Dort konnten sich wankelmütige Anwärter noch umentscheiden, doch lieber das Schiff zu verlassen. Es war demnach eher eine Generalprobe vor einem richtigen Auftrag. In diesem Sinne war die Stimmung ausgelassen, besonders unter den unerfahrenen jüngeren Offizieren.

Nach dem unverhofften Treffen mit Uhura hatte er sie nicht wieder gesehen. Er wusste nicht einmal ob sie an Bord war, obwohl er maßgeblich davon ausging. Wieso sonst hatte sie solch ein Verhalten an den Tag gelegt. Nun hatte sie ihren Willen, obwohl der erste Offizier sich für ihre impulsive Art gerecht hatte, indem er sie einfach auf ein kleines abgelegenes Deck verfrachtet hatte, welches sich nicht einmal in der Nähe befand. So kam es das sich die beiden schon seit einigen Tagen nicht über den Weg gelaufen waren. Spock sah einer Begegnung mit ihr skeptisch gegenüber. Er hatte sich ihr geöffnet, ihr soviel von sich preisgegeben und nun waren sie gemeinsam auf einem Schiff. Ob das gut gehen konnte? Spock hatte nicht viel Zeit sich über solche emotionalen Nichtigkeiten Gedanken zu machen. Seine Schichten waren meiste lang und auszehrend. Er arbeitete wie kein andere und behielt dabei immer den Kopf. Er schaffte es sogar Neulinge einzuweisen und sie in die Vielschichtigkeit ihrer Arbeit zu unterweisen.

Als Vulkanier konnte er gewisse Bedürfnisse und besonders Emotionen unterdrücken. So fiel es ihm vorerst nicht schwer sie ignorieren und vollkommen auszublenden. In seinem Innern musste er gestehen, dass er durchaus sauer auf sie war, ein Gefühl, was er selten erlebte. Es war eine Mischung aus Enttäuschung über ihre Respektlosigkeit und einem Schmerz, als hätte ihm jemand eine Wunde zugefügt. Bislang überwog aber die Enttäuschung und er schloss es nicht aus, den Fähnrich noch einmal wieder zu sehen, wenn sich sein innerer Frieden wieder ergeben hatte. Nur leider schien das Schicksal etwas anderes bestimmt zu haben. Der Nachtdienst hatte begonnen, Spock hatte schon oft festgestellt, dass Menschen anfällig für ihren Erdenrhythmus waren. Die wenigsten konnten eine ganze Nacht konzentriert durcharbeiten, ohne einen Adrenalin Rausch zu haben.

Der Vulkanier sah dem gelassen entgegen, in den Nachtstunden konnte er jedenfalls ungestört an seinen Forschungsarbeiten weitermachen, ohne durch etwaige Störungen unterbrochen zu werden. Es war die zweite Hälfte der Nacht angebrochen. Der Kapitän lag nun schlafend in seiner Kabine, Spock hatte das Kommando als erster Offizier, war dies hier nicht seine erste Erfahrung als kommandierender auf der Brücke. Gerade schritt er über den hinteren Teil der Brücke er wollte nachdenken und sich etwas die Beine vertreten, da öffnete sich die Tür zum Turbolift und ihm entschied eine Person, die er definitiv nicht auf der Brücke haben wollte, geschweige denn sie überhaupt zu sehen. Für einen sehr kurzen Augenblick verfinsterte sich sein Blick. „Fähnrich, was haben sie auf der Brücke zu suchen?" Sprach er neutral, in seinem innern brodelte jedoch etwas was man mit einer Art Angriffslust bezeichnen konnte. Sie hatte ihn vor aller Augen gekränkt und seinen Stolz verletzt.

Sie überreichte ihm als Antwort eine kleine Tafel. „Die Ergebnisse." Spocks Blick hellte sich, fast wie ein aufgeregtes Kind, was seiner Überraschung entgegen sah, aber eben nur ein vulkanisches Kind und kein menschliches. Schweigend sah er auf die Tafel nieder, sodass Uhura genügend Zeit bekam sich auf der Brücke umzusehen, dies gefiel dem Leutnant weniger. Sie sollte ihre Buße tun und über ihr Verhalten nachdenken, aber nicht hier. „Gibt es noch etwas?" fragte er interessiert und seine Augen wandten sich zum ersten Mal von der Tafel ab. In jenem Moment musste er feststellen, dass sie ihre Schönheit nicht eingebüßt hatte. Waren wirklich nur Tage vergangen? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, doch erst jetzt, wo er sie sah, konnte er sich der Tatsache nicht entziehen, dass er sie vermisst hatte. Sie hätte auf ein anderes Schiff gemusst. Sie war eine sinnliche Verführung, nicht nur für einen Erdenmann, auch der Vulkanier musste sich sein reges Interesse eingestehen, auch, wenn das seine doch eher unterschwellig zu registrieren war. Und nur die wenigsten konnten es überhaupt bemerken.

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Nyota Uhura_____________________________________________

Zügeln sie ihre Emotionen, zügeln sie ihre Emotionen – sollte er doch selbst seine scheiß Emotionen zügeln! Nur, weil Monsieur sich an die Karre gepisst fühlte, musste er sie nicht gleich behandeln wie ein kleines Kind! Ruhig... Einatmen, ausatmen... Ihre Artikulationsweise war im Moment ein wenig zu sehr mit blumigen Kraftausdrücken geschmückt. Vielleicht lag daran auch eine Spur von Verzweiflung in ihrem Gefühlschaos, gerade von einer so harten Schale abgeprallt zu sein, wo der Kern doch so weich war. Oder hatte sie sich etwas vorgemacht? Nein, so eine empathische Null konnte sie einfach nicht sein! Trotzdem schmerzte es. Es schmerzte, dass Spock sie so wahrnahm, wie er es ihr gerade vorgeworfen hatte. Vielleicht dachte er nun sogar, sie wäre der Meinung nach dem gestrigen Abend irgendwelche Privilegien erobert zu haben. So ein ausgemachter Schwachsinn! Persönliche Meinung... Besondere wünsche... Pah! Es kränkte Nyota schon fast, dass er sie nicht besser kannte. Aber vielleicht war sie ja diejenige, die einem fatalen Irrtum zum Opfer gefallen war, indem sie glaubte, er hätte ein tieferes Interesse an ihr gehabt. Aber, nein-..., das w-..., und we-... AH...! Ihr war, als habe sie den klaren Blick verloren. Oder bemerkt, dass sie noch nie einen solchen besessen hatte.

Glücklicherweise drang nichts von ihrer angeschlagenen Gemütsstimmung an die Oberfläche. Fähnrich Uhura gab sich ganz gefasst, ließ die Bemerkungen und ach so weisen Ratschläge des Leutnants über sich ergehen und antwortete nur mit einem schlichten: „Danke, Sir."

Dann drehte sie sich praktisch auf dem Absatz um, und verließ den Besprechungsraum ebenso schnell, wie sie ihn betreten hatte. Insgesamt hatte diese doch sehr spontane Aktion keine fünf Minuten gedauert, Nyota aber fühlte sich, als sei sie gerade mindestens drei Mal um das Akademiegelände gesprintet. Sie spürten ihren Puls an ihren Schläfen pochen und in ihrer Brust stritten sich Wut und Erleichterung um die Vorherrschaft.

Nyota kannte sich und ihre Art, die manchmal zu impulsiv und direkt sein konnte – aber sie war sich sicher, dass sie in der Gegenwart der ranghöheren Offiziere nicht über die Strenge geschlagen hatte. Ihr erster Eindruck war sogar gewesen, dass eigentlich niemand der anderen Anwesenden sonderlich erbost über ihr Auftreten gewesen war. Solange man sie keiner Unhöflichkeit oder rangwidrigem Verhalten beschuldigen konnte, konnten sie die Absolventin ruhig belächeln, wie sie wollten, es kümmerte Nyota wenig. Was sie anging, war das Ergebnis. Und das war eigentlich zu ihrer Zufriedenheit ausgefallen. Trotzdem saß der Erdenfrau ein dicker, zäher Kloß im Hals. Anscheinend war sie dem Leutnant gehörig auf den Schlips getreten. Sie hatte seine Autorität gewiss nicht untergraben wollen und verdammt, das hatte sie auch nicht getan! Und wenn er sie ihrer Gefühle wegen tadelte, dann sollte er erstmal vor seiner eigenen Haustür kehren! Aber dieser halsstarrige Vulkanier-... ach, vergebene Müh'.

„Und?" Shiva blickte von ihrem Reisekoffer auf, der aus allen Nähten zu platzen schien, während sie verzweifelt versuchte durch konsequentes Draufherumsitzen die störrische Masse gebändigt zu bekommen.

„Ja – alles toll – alles wunderbar!" Nyotas Antwort klang gereizt, ihre Stirn war in Falten gezogen. „Ich komme auf die Enterprise!" Der Rest ihrer Worte verebbte in unverständlichem, zischelndem Genuschel.

Shiva ließ ihre Ex-Zimmergenossin lieber weiter vor sich hinbrüten und hob nur kommentarlos die Augenbrauen.

Später, im Angesicht der Sterne...

Innerhalb von einer Woche würde sich entscheiden, ob all die Mühen sich gelohnt hatten. Natürlich ging es dabei nicht um die fachlichen Kompetenzen. Diese besaßen gewiss alle, die das Glück hatten auf der Enterprise dienen zu dürfen – aber es würde wie in jedem Absolventenjahrgang den einen oder anderen geben, der abspringen würde, weil er sich das Leben auf einem solchen Schiff anders vorgestellt hatte. Oder die körperlichen und mentalen Anforderungen nicht erfüllen konnte, oder wollte. Vielleicht reichte ihnen ihre Zukunft auf einer Raumstation aus, vielleicht sogar in der Nähe der Erde. Es kam oft vor, dass Kadetten die räumlichen und zeitlichen Dimensionen, denen sie sich stellen mussten, am Ende doch nicht verpacken konnten. Wahrscheinlich konnte man sagen, dass ein ‚Sternfahrer' nicht auf einem Schiff lebte, sondern mit. Es war kein Zustand, den man als Zwischenspiel ertragen konnte. Es war die Quintessenz von allem. Lange, manchmal verflucht lange fort von zuhaus und das Schiff als Microuniversum, auf dem sich alles Leben abspielte. Wer Furcht vor Begriffen wie ‚Unendlichkeit' und ‚Gefahr' empfand, war falsch ab Board. Aber war eben dies nicht das höchste der Gefühle?

Für Nyota war es das immer gewesen und auch, wenn die radikale Umgewöhnung an einen völlig neuen Lebensrhythmus nicht gerade leicht fiel – sie wusste, dass sie genau dort war, wo sie hingehörte. Auch, wenn sie die Brücke nur vor ihrem inneren Auge sah. Dieser Umstand mochte ihr nicht recht gefallen, nun, vielmehr war sie damit so gar nicht zufrieden – aber der Fähnrich beschwerte sich nicht. Bescheidenheit war eine Tugend und letztlich konnte sie doch froh sein, überhaupt auf der Enterprise gelandet zu sein. Und letztlich war die Arbeit auf den unteren Decks des eindrucksvollen Schiffes auch kein Kaffeekränzchen, sondern eine ernstzunehmende Beschäftigung. Nyota tröstete sich mit dem Gedanken, dass auch kleine Zahnräder dazu beitrugen, dass eine Maschinerie perfekt funktionierte und würde sich ebenso viel Mühe geben, ihre Arbeit richtig zu machen, als arbeite sie auf der Brücke höchstpersönlich.

Zumindest im Moment konnte sie sich ja immerhin vorstellen, wie es war, seinen Dienst auf der Brücke anzutreten. Dorthin war sie schließlich unterwegs, auch, wenn sie sich nicht an eines der Kontrollpulte setzen und ins All horchen würde. Warum sich ärgern – irgendwann wäre dieses Szenario sowieso viel mehr als nur Phantasie, und bis dahin würde sie sich gedulden.

Mit einem leisen Zischen glitt die Tür des Turbolifts beiseite und eröffnete dem Fähnrich den Blick auf die Brücke. Ein winziger Teil von ihr reckte die Faust gen Himmel und rief ‚Zukunft, ich komme!', der andere Teil ließ den Blick nur beiläufig durch den Raum schweifen und suchte dann nach-... ah, ja. Stand da, als wäre er der Stock in seinem Hinterm mit dem Boden verwachsen. Hm. Anscheinend zürnte sie ihm noch immer, dass er – ehm – ihr gezürnt hatte. Oder so ähnlich. Abgesehen davon empfand die Menschenfrau einen gewissen Wehmut bei seinem Anblick, seiner aufrechten Haltung, seinen ruhigen, aber strengen Gesichtszügen, seinen braunen Augen, seinen gefalteten Händen, seinem wohlgeformten Hi-... Moment. Zurückspulen. Anscheinend zürnte sie ihm noch immer, dass er – ehm – ihr gezürnt hatte. Ja, da war sie stehen geblieben. Genau.

Fähnrich, was haben sie auf der Brücke zu suchen?" Nyotas Kiefer malten einen Moment, dann antwortete sie förmlich: „Die Ergebnisse." Ja, was hatte sie hier wohl zu suchen? Sich 'nen Kaffee trinken vielleicht? Ein wenig ratlos, frustriert und im Ansatz verzweifelt stellte der Fähnrich fest, dass Leutnant Spock entweder noch immer nicht gut auf sie zu sprechen war oder gern ‚Frischlinge' anpfiff. Zweiteres war natürlich Schwachsinn, aber ersteres war ebenso unangenehm. Eigentlich war das letzte, was Nyota wollte, dass Spock schlecht von ihr dachte. Während er aufmerksam die Informationen auf dem Touchscreen durchging ignorierte er sie vollkommen. Und sie war sich sicher, danach würde er dasselbe tun. Aber... das war doch nicht richtig! Aber wie sollte sie etwas daran ändern? Hier konnte sie nichts sagen und wie sähe es denn aus, wenn sie ihn ohne triftigen Grund aus dem Raum bitten würde? Alles schien so unangebracht, alles so... ach... Sie müsste ihn persönlich, außerhalb seiner Dienstzeit sprechen. Aber sie hatte keine Ahnung von seinem Dienstplan. Sie sah sich schon wie ein Häufchen elend vor seiner Tür hocken und warten. Na, als ob. Seit dem gestrigen Tag war ihre Selbstsicherheit ihm gegenüber irgendwie ein wenig eingeschrumpft. Nyota wünschte, es wäre nicht so.

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Leutnant Spock____________________________________________

„Gibt es noch etwas?" fragte er interessiert und seine Augen wandten sich zum ersten Mal von der Tafel ab. In jenem Moment musste er feststellen, dass sie ihre Schönheit nicht eingebüßt hatte. Waren wirklich nur Tage vergangen? Es kam ihm wie eine Ewigkeit vor, doch erst jetzt, wo er sie sah, konnte er sich der Tatsache nicht entziehen, dass er sie vermisst hatte. Sie hätte auf ein anderes Schiff gemusst. Sie war eine sinnliche Verführung, nicht nur für einen Erdenmann, auch der Vulkanier musste sich sein reges Interesse eingestehen, auch, wenn das seine doch eher unterschwellig zu registrieren war. Und nur die wenigsten konnten es überhaupt bemerken. Der Vulkanier musste sich in Erinnerung rufen, wieso er sie so behandelte. Noch nie zuvor war er mit jemanden so hart ins Gericht gegangen. Noch nie zuvor hatte der Vulkanier etwas für ein Crewmitglied empfunden. Er hätte gelassen reagiert, so wie immer, hätte das ungezügelte Temperament gewähren lassen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass sie meinen könnte, sie hätte gesonderte Privilegien. Nein, so schätze er sie auch gar nicht ein. Eher musste er sein eigenes Verhalten hinterfragen, ob er objektiv und richtig gehandelt hatte. Sie war eine herausragende Schülerin gewesen, fleißig, pflichtbewusst und loyal. Wieso hätte er ihr das Recht versagen sollen auf die Enterprise zu kommen? Spock war im Zwiespalt mit seinen eigenen Gedanken, es drängte sich der Verdacht auf, dass er sie nicht in seiner Nähe haben wollte. Nicht, weil sie ihm nicht gefiel, sondern eher, weil sie ihn von seinem rechten Weg abbringen konnte?

Aber würde sie das tun? Hatte er sich einmal gefragt ob sie überhaupt dasselbe empfand wie er? Schließlich hatte sie bereits einen ‚engen Freund' gewählt. Spock war über die soziale Struktur der Menschen nicht ganz im Bilde. Vulkanier wurden meist bereits in frühen Jahren versprochen, um dann irgendwann einmal zueinander zu finden. Meistens beim Einsetzen des Pon Farrs in einem reifen Alter. Noch hatte Spock sich nicht dafür entscheiden müssen, noch hatte er Zeit. Aber die kulturellen Unterschiede stellten schon wieder eine Barriere da. In einem schwachen Moment hatte Spock sich seinen Emotionen hingegeben. Ein Augenblick, in dem er Fähnrich Uhura soviel von sich gezeigt hatte. Er hatte sie mit hinein gerissen und wollte diese ausweglose Situation nur wieder kitten. Wenn er sich doch nur selbst verstehen könnte, damit er wüsste, wie er die Situation lösen konnte. Er hatte so viele Fragen und keine einzige Antwort.

Noch bevor der Fähnrich auf seine Frage reagieren konnte, meldete sich die Stimme eines anderen Crewmitgliedes. „Sir, ein Funkspruch; ich kann ihm nur keinen richtigen Sinn entnehmen." Viele hätten wohl in dieser Situation die Augen verdreht, doch Spock blieb ruhig. Der Fähnrich war aus dem Jahrgang von Uhura, Spock hatte ihn in einigen Lesungen gehabt. Er war klug und konnte vieles schnell begreifen, bedauerlicherweise hatte er ein schlechtes Gehör. Kurz sah er zu ihm, bald würde Schichtende sein. „Fähnrich Uhura wird ihnen bei der Übersetzung assistieren." sagte er kurz angebunden, womit sich seine vorangegangene Frage erledigt hatte. „Willkommen auf der Brücke." waren seine Worte an Uhura. Er selbst entfernte sich wieder mit der Tafel, setzte sich in den Kapitänssessel. Er war erstaunt über seine Wankelmütigkeit, vorerst hatte er Fähnrich Uhura absichtlich in einen vollkommen nichtigen Teil des Schiffes versetzen lassen. Was man wohl auch als Fehlverhalten deuten konnte, schließlich setze er seine persönlichen Belange nicht über die des Schiffes und eine so gut ausgebildete Kadettin sollte nicht simplen Kommunikationsfunk übernehmen, sondern war für höhere Aufgaben geschaffen. Wieso sonst hatte er so viel Zeit in ihre Ausbildung investiert? Das konnte nicht einfach aus einem persönlichen Aspekt passiert sein, nur, weil er auf einer emotionalen Ebene sich zu ihr hingezogen fühlte.

Die Schicht war seit einigen Minuten vorüber. Geduldig wartete Spock bis seine Ablösung folgen würde. Viele waren schon ausgewechselt worden. Der Leutnant, der ihn ablöste, folgte alsbald. Mit der vulkanischen Gelassenheit stand er auf und überblickte nochmals die Brücke. Etwas irritiert legte er den Kopf schief als er Fähnrich Uhura noch an dem angewiesenen Platz sitzen sah, jedoch war der Fähnrich, den sie unterstützen sollte, nicht mehr anwesend. Langsam näherte er sich ihr, um sich dann neben sie zu setzen. „Kommen sie voran?" fragte er freundlich und betrachtete sie einige Augenblicke. Wie alle Crewmitglieder sah auch sie müde aus, die ersten Tage im Weltraum waren nie einfach. Die ewige Stille, das tiefe Schwarz des Alls, durchzogen von etlichen funkelten Punkten, die nur schemenhaft als weit entfernte Sterne zu identifizieren waren. Zumal man auch nicht davon reden konnte wirklich seine Ruhe zu haben. Die frisch gebackenen Offiziere schliefen in Sammelkabinen. Dort herrscht wenig Privatsphäre, dafür umso mehr Trubel. Die unterschiedlichen Schichten, zu denen die Anwärter gingen, glichen sich keineswegs. So stand jemand auf und ein anderer kam, um sich wieder schlafen zu legen. Spock hatte dies nie ertragen müssen, da er gleich seine eigene Kabine zu gewiesen bekommen hatte. Jetzt, als erster Offizier, hatte er auf dem Offiziers Deck eine eigene, sehr ansprechende Kabine.

Der andere Fähnrich hatte wahrscheinlich seine Schicht bereits beendet, ohne die geforderte sinnige Übersetzung abzuliefern, eine Annahme, die Spock nicht gerade ansprechend fand. In einem gemäßigten Abstand lehnte er sich zu ihr hinüber, um ihre Arbeit einzusehen und ihr möglicherweise etwas abzunehmen. Ihr einnehmender Geruch war tückisch, Spock versuchte sich zu konzentrieren, ohne dabei abgelenkt oder gar abwesend zu wirken. Wieso hatte sie nur eine Wirkung auf ihn? Oder hatte sie möglicherweise auch so eine Wirkung auf andere Männer? Er sollte den gestrigen Abend einfach vergessen, ungeschehen machen konnte er es nicht. Aber er sollte auch nicht weiter darüber nachdenken, das würde ihn nur weiter verwirren und seine Handlungsweise nachhaltig einschränken. Dennoch musste er zugeben, dass er das Wiedersehen mit dem Fähnrich genoss, auch wenn es nicht so wirkte. Geschweige denn, dass er dies erwähnen würde. Schlussendlich hatte er aber feststellen müssen... Freundschaftlich klopfte ihm jemand auf die Schulter, sofort wandte Spock sich um und sah in das strahlende Gesicht des Kommandanten des Schiffes, eine Kaffeetasse in der Hand.

„Spock, wie oft muss ich es ihnen noch sagen, ihre Schicht ist vorüber, es gibt auch andere fähige Offiziere an Board, die ihren Job machen wollen, also lassen sie denen auch eine Chance." Freundlich blickte der Kapitän von seiner Kaffee Tasse auf und musterte den Rücken von Uhura. „Ich bin nur noch bei einer Übersetzung behilflich." antwortete er, um dann auf den fragenden Blick des Kapitäns einzugehen „Fähnrich Uhura." stellte er sie vor. „Ich habe sie extra auf die Brücke beordert, damit sie Fähnrich Jenkins unterstützt." „Und nun unterstützen sie Uhura?" gluckste Kapitän Pike. Genau in diesem Augenblick schob Uhura, die die offensichtlich nichtige Nachricht übersetzt hatte, die Tafel mit der Übersetzung zu Spock. „Ich wollte die Übersetzung kontrollieren." berichtigte Spock sich und übergab die Tafel dem Kapitän, der konzentriert den Text las. „Sehr schöne Übersetzung, aber vollkommen bedeutungslos. Und jetzt verschwinden sie beide von meiner Brücke, das ist ein Befehl." „Jawohl, Sir." antworte Spock pflichtbewusste, konnte es sich aber nicht verkneifen eine Braue in die Höhe zu befördern, als der Kapitän Pike mit scherzhaftem Nachdruck sagte, dass es sich um einen Befehl handelte. Schweigend standen sie auf und fanden sich Sekunden im Turbolift wieder, wo Spock dem Computer befahl, dass Offiziersdeck anzusteuern, auf denen auch die Quartiere zu finden waren.

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Nyota Uhura_____________________________________________

Wie töricht der, der nicht an das Schicksal glaubt! Und an glückliche Fügung! Nein, nein, nein... Nicht ‚Willkommen auf der Brücke.", sondern ganz entschieden: „Willkommen zuhause, Baby!" Und genau das trompetete ihre innere, jubilierende Stimme und führte ihrem Magen einen kleinen Freudentanz auf. Was kümmerte es Nyota schon, dass ihre Schicht eigentlich seit genau viereinhalb Minute beendet war, ihr Kopf sich anfühlte wie in Watte gepackt und sie Mühe hatte nicht alle zwei Sekunden zu gähnen!? Die Umstellung auf die Boardzeit war alles andere als leicht, noch immer war sie einer Art tückischem Weltraumjetlag erlegen, der sich wahrscheinlich darin bemerkbar machen würde, dass sie, berührte sie auch nur im Ansatz ihre wohligwollige – wie bitte? – Matratze, sofort wie komatös entschlummern würde. Und anfangen würde zu quengeln, wenn man sie wieder aus dem Schlaf riss. Nun ja. Dieses Szenario war gewiss etwas zu theatralisch, aber Nyota stellte es sich genau so vor – Ironie als Lebensretter. Selbstverständlich würde sie sich disziplinieren, wie alle es taten. Oder tun sollten. Fest stand, dass ihr Bett im Moment auch noch so verlockend sein konnte – keinem Befehl kam sie lieber nach, als dem des Leutnants und seine Worte klangen wie Musik in ihren Ohren.

Dem Fähnrich schien sein Eingeständnis sichtlich peinlich zu sein. Mit zusammengepressten Lippen schenkte er Uhura ein angespanntes, aber dennoch freundliches Lächeln, als sie sich neben ihm niederließ. Nyota schenkte dem jungen Mann ein aufmunterndes Lächeln und verlor nicht viele Worte, damit der arme Kerl nicht auch noch das Gefühl bekam sich vor seiner Kollegin rechfertigen zu müssen. Im Grunde war es ja auch nun wirklich nicht schlimm, etwas nicht zu wissen – es war sogar mutig die Wahrheit zu sagen und seine Fehler zuzugeben. Jenkins hatte sich also nichts vorzuwerfen, und doch konnte Uhura gut verstehen, dass er jetzt recht geknickt war. Ihr würde es nicht anders ergehen.

Fähnrich Jenkins hatte schon gute Vorarbeit geleistet, aber trotzdem machte seine Übersetzung absolut keinen Sinn. Uhura richtete ihren Blick ins Innere, wie sie es immer tat, und fokussierte allein die Geräusche, die Laute, die chaotischen Wortfetzen, die an ihre Ohren drangen. Ganz einfach mochte die Aufgabe des Fähnrichs nicht sein, aber bei weitem nicht unmöglich. Die Xenolinguistin durchschaute die ungewöhnliche Akzentuierung und die gewöhnungsbedürftigen Tonhöhenverlagerungen, für die man erst ein Gefühl entwickeln musste, um sie zu verstehen. Mittels der feinen Instrumente regulierte sie sich ein wenig die Schallamplitude zu Recht und korrigierte die Frequenz, die noch zusätzliche Verzerrungen erzeugt hatte. Jenkins saß daneben und musste zusehen, mit geknickter Miene. Ein paar Mal holte sie sich seinen Rat ein – auch, wenn sie ihn nicht gebraucht hätte, aber der Junge sah so verdattert aus, dass es Uhura Leid tat. Irgendwann jedoch schien der Fähnrich nicht mehr ruhig auf seinem Stuhl sitzen zu können und Uhura fragte so förmlich wie möglich, warum er-... Ah ja. Seine Schicht war vorbei. Wie... interessant. Nyota kümmerte es recht wenig, als er sich aus dem Staub machte. Damit hinterließ er nur einen schlechten Eindruck und vielleicht war das gut so, denn sie hielt ihn nicht für fähig genug, auf der Brücke zu dienen. Das hier war schließlich kein Kaffeekränzchen und wäre diese Nachricht nun von großer Bedeutung gewesen oder das Schiff in einer Notsituation – tja, dann hätte Fähnrich Jenkins vielleicht niemanden in der Nähe gehabt, der ihm unter die Arme griff.

Kommen sie voran?" Fähnrich Uhura antwortete nicht. Just in diesem Moment gab sie die letzten Zeilen dieser wahrscheinlich absolut bedeutungslosen, aber einwandfrei übersetzten Nachricht in den neben ihr ruhenden Datenträger ein. Mitten im Satz zögerte sie. Nicht, weil sie sich ihrer Worte unsicher war, sondern, weil sie den Atem des Leutnants für einen kurzen Moment an ihrem bloßen Hals spürte. Etwas völlig Unschuldiges, natürlich, schließlich beuget er sich nur ganz förmlich über ihre Schulter, um ihre Arbeit zu begutachten, aber... sie musste dem Drang widerstehen den Kopf zu drehen, nur wenige Zentimeter, nur in einem ganz geringen Winkel... um seinen Duft von seinem Hals zu atmen. Nur ein kleiner, winziger, elektrisierender Atemzug, dann... StoppStoppStopp!

Kon-zen-tra-tion!

Die Stimme des Kapitäns half ihr, sich von dieser verführerischen Imagination zu lösen und die letzten Worte einzugeben. Dann war sie fertig und schob dem Leutnant die Tafel, auf der die Nachricht prangte, kommentarlos zu. Schließlich drehte sie sich zu dem Leutnant und Kapitän Pike um, erhob sich und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. Mit sich vollkommen zufrieden, ausgeglichen, aber völlig übermüdet folgte sie nur allzu gern dem Befehl des Kapitäns. Ein sympathischer Kommandant, wie Nyota schon bemerkt hatte – eine freundliche, lockere Art, die ebenso in harte, konsequente Befehlsgewalt umschlagen konnte, wenn es vonnöten war. Sie konnte sich gut vorstellen, dass Spock diese Art befremdlich finden konnte; sie aber nahm seine Gutmütigkeit gern entgegen, quittierte seinen Befehl, wie es sich gehörte und steuerte auf den Turbolift zu – angeführt von Leutnant Spock...

Hinter ihrer beider Rücken schloss sich die Tür des Turbolifts mit einem leisen Zischen. Sofort verdichtete sich die Luft und Nyota fühlte eine neue Anspannung in sich aufkommen. Hatte sie nicht genau das gewollt? Ein wenig Privatsphäre, in dem sie ihm... nun, in der sie mit ihm reden konnte? Aber nicht zu privat? Genau richtig? Nyotas Herz begann zu pochen – es schien alles andere als müde zu sein und ein Schwall Adrenalin schoss in ihre Venen. Der Leutnant brachte sie aus dem Konzept. Das hatte er ganz besonders getan, als er ihr die Unterstützung von Fähnrich Jenkins aufgetragen hatte. Eigentlich hatte sie doch wütend auf ihn sein wollen, nun aber hatte der Vulkanier ihr den Wind aus den Segeln genommen.

Schnell, rasch, schnell... Der Turbolift setzte sich in Bewegung und er brauchte nie lange bis zu seinem Ziel! Ein tiefer Atemzug, dann begann Nyota, zu ihrem Ärger mit leicht geröteten Wangen, einfach drauf los zu sprechen.

„Ich wollte ihre Kompetenz nicht infrage stellen!" kam es ihr wie von selbst über die Lippen, „Aber ich habe vergessen, wer vor mir steht." Mit dem wer meinte Uhura natürlich nicht Spock als Person, sondern... nun ja, er war ein Vulkanier. „Ich meine... ich meine, gerade sie wollte ich nicht in Verlegenheit bringen. Es tut mir Leid, dass sie es so empfunden haben, aber ich denke nicht, dass ich mich entschuldigen müsste. Mein Ton und meine Wortwahl war angemessen, ich habe meine Grenzen nicht überschritten." Ihr Blick war auf ihren ehemaligen Lehrer gerichtet. Wieder ein tiefer Atemzug, ein geräuschvolles Ausatmen, dann blickte sie nach vorn. „Ich bin mir sicher, sie nicht bloßgestellt zu haben. Ebenso wie ich mir sicher bin, dass mir niemand der anderen Anwesenden ein solches Anliegen nachgesagt hat oder es gekonnt hätte." Sie sprach gefasst, aber recht schnell. Jeden Moment konnte der Turbolift stoppen und dann wäre alle flüchtige Intimität dahin. Ihr Blick wanderte wieder zu ihm zurück. „Und natürlich war es eine Kritik an ihrer Entscheidung, aber sie war angemessen vorgebracht und berechtigt." Wieder sah sie zur Tür. „Gerade, wenn man perfekt sein möchte, muss man kritikfähig bleiben." Dies bezog sie klar auf den Vulkanier. Sie sagte ihm zwar keinen Hochmut nach, aber trotzdem schien sein Kopf manchmal ein wenig zu sehr in den Wolken zu stecken.

Der Turbolift hielt. Keine ganze Sekunde, bevor die Tür sich öffnen würde, machte Nyota beinahe einen kleinen Satz und schlug die Handfläche auf den Notstopp. Der Lift stand zwar schon still, aber so blieb die Tür geschlossen. Dem Leutnant den Rücken zugewandt verharrte sie einen Moment, sammelte sich. Dann fügte sie gedämpft hinzu: „Und wenn sie mir eine solche Niederträchtigkeit trotz allem zutrauen sollten..., dann glauben sie vielleicht auch ich hätte das gestern nur inszeniert, um meine Chancen zu verbessern... Das ist nicht so. Denken sie das nicht..."

Der Fähnrich senkte kurz mit geschlossenen Augen den Kopf, um einen viel zu unruhigen Atemzug zu nehmen. Jetzt war alles gesagt, was ihr im Kopf seit ihrer Abreise stets herum gegeistert war.

„Ich bitte darum wegtreten zu dürfen." In der nächsten Sekunde trat sie zurück und sofort glitt die Tür des Turbolifts beiseite und gab den Blick auf den dahinter liegenden Gang frei.

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Leutnant Spock____________________________________________

Das rauschen des in Bewegunggesetzen Turbolifts schien wie eine strafende Stile auf ihnen zu liegen. Plötzlich wie ein Wolkenbruch sich anbahnend flossen die Worte aus dem Mund des Fähnrichs, die scheinbar aus ihrer Müdigkeit erwacht war. Ich wollte ihre Kompetenz nicht infrage stellen! Natürlich wollte sie das nicht zu diesem Standpunkt war er auch gekommen, nachdem er die Situation objektiv betrachtet hatte. Schweigend bedachte sie der Leutnant mit einem langen Blick, er nickte, unfähig irgendetwas darauf zu erwidern. Wie sollte er sich erklären? Das er in diesem Moment einfach vollkommen über reagiert hatte Das es genauso gewesen war indem Moment ihres Wiedersehens. Wo er ihren Partner mit Verachtung gestraft hatte die er in keiner weise verdient hatte? Aber ich habe vergessen, wer vor mir steht. Eine Augenbraue schob sich in die Höhe, wie sollte er das nun verstehen, hatte er recht mit seiner Annahme gehabt, dass sie ihren intimen Austausch so ausgelegt hatte, dass sie nun gesonderte Privilegien besaß. Seine Körperhaltung spannte sich merklich an, dennoch sagte er nicht. Schon oft hatte er feststellen müssen, dass Fähnrich Uhura ihr Herz auf der Zunge trug. Und diese Eigenschaft benutzte sie mit Hingabe, sodass sie gewisse einfache Umstände einfach nicht präzise genug wiedergeben konnte. Dies wirkte dann oft verwirrend und häufig auch sehr missverständlich, weshalb sie Spock vorerst einmal reden ließ ohne ihren Fluss zu unterbrechen.

Im Grunde hoffte er nur das es sich um keinen allzu komplizierten Kontext hielt, denn obwohl er sich konzentriert gab musste er gestehen das ihm seine Nachtruhe gerade sehr angenehm vorkam. Zwar war er ein Vulkanier aber eine 12 Stunden Schicht zerrte schon an seinen Energien. Ich bin mir sicher, sie nicht bloßgestellt zu haben. Ebenso wie ich mir sicher bin, dass mir niemand der anderen Anwesenden ein solches Anliegen nachgesagt hat oder es gekonnt hätte. Worauf genau sie hinaus wollte war Spock noch immer Schleierhaft. Sie wollte sich nicht Entschuldigen, aber es tat ihr im Grunde Leid den Leutnant in Verlegenheit gebracht zu haben? Nahm sie etwas an, dass sie seine Gefühle verletzt hatte? Dem war mit Sicherheit nicht so, Spock war es nur nicht gewöhnt berichtigt zu werden. Geschweige denn sich eine Empfehlung von einer Schülerin vor einem ganzen Kollegium nachsagen zu lassen. Schon immer hatte sich Spock in der Situation gesehen für seine Träume und Ziele kämpfen zu müssen. Das war auf Vulkan so gewesen und auf der Erde war es ihm nicht anders ergangen. Gerade, wenn man perfekt sein möchte, muss man kritikfähig bleiben. Ihre Worte verfehlten ihre Wirkung nicht lange sah sie Spock an, überlegte was er nun darauf erwidern konnte. Falls er überhaupt etwas darauf erwidern sollte. Es hörte sich nicht so an, dass sie ihre Worte so bedacht hatte, um den Leutnant antworten zu lassen. Eher war es doch so, dass sie sich hier gerade etwas von der Seele redete. Wahrscheinlich weil sie an nahm den Leutnant ernsthaft gekränkt zu haben.

Noch bevor Spock einen Satz heraus pressen konnte schnellte ihre Hand zum Notknopf der den Turbolift halten ließ. Irritiert legte Spock den Kopf schief noch immer schweigend, angespannt in Erwartung von dem was nun folgen würde. Dann glauben sie vielleicht auch ich hätte das gestern nur inszeniert, um meine Chancen zu verbessern... Das ist nicht so. Denken sie das nicht...Seine versteinerte Miene löste sich dezent als ihre Worte seine Ohren erreichten und er sich Fragen musste, ob sie dazu fähig war in seinen Gedanken zu stöbern. In jenem Moment schien es ihm vollkommen abwegig diese Vermutung zu hegen, ihre Intentionen schienen aufrecht zu sein. Sie hatte den Leutnant weder bloßstellen wollen, noch undurchsichtige Absichten gehegt als sie miteinander spazieren waren. Sie war einfach nur sie und für diesen Wesenszug beneidete sie der Vulkanier... nein er liebte sie dafür. Konnte er das so einfach denken? Noch immer fühlte es sich nicht falsch an, obwohl er kaum mehr wusste was er wirklich denken sollte. Ihm war nicht aufgefallen das sie den Halteknopf wieder gelöst hatte und die Tür auf geschnellt war. Spock behielt sein Schweigen bei, hörte ihre Worte und durchschritt abwesend die Tür, verharrte jedoch im Rahmen um sich dann mit der Eleganz eines Vulkaniers um zu wenden. „Möchten Sie mir noch etwas Gesellschaft leisten? Natürlich nur wenn Ihnen es nicht zu viel." Fast hätte er ihr Ja übergangen, doch es durch schnitt seine Unsicherheit wie eine Peitsche und im Innern war er ihr Dankbar das sie ihn nicht abgewiesen hatte. Der Vulkanier hatte das erste Mal in seinem Leben einfach Intuitiv gehandelt, nicht weiter über Konsequenzen nachgedacht, sondern einfach das getan was er in diesem Moment für richtig hielt.

Es dauerte nicht sehr lange da standen die zwei vor seinem Quartier, niemand war ihnen begegnet was wohl auch das Beste gewesen war. Spock musste sich ohnehin erst an diese Situation gewöhnen, nicht mehr einfach als Vorgesetzer Offizier zu dem Fähnrich zu stehen, sondern eine intimere Bindung vorzog. Doch gerade hatte er sich für diesen Weg entschieden und er spürte das es richtig war. Er ließ sie voran gehen, das gedämmte Licht in seiner Kabine glich dem Licht der Kerzen in seinem alten Zimmer auf der Akademie, er hatte es extra für diese Zwecke einprogrammiert. Wer wollte schon in ein Licht überflutetes Heim kommen, besonders wenn es so künstlich war. Eine angenehme Wärme herrschte hier. Schummrig wie in einem warmen Haus was gerade von einem Kamin beheizt wurde. Vulkanier waren nun einmal auf einem Wüstenplaneten aufgewachsen, damit erübrigte sich die Frage, wieso sie Wärme so schätzen. „Setzen sie sich ruhig." Gab Spock von sich und Verschwand kurz im Bad. Als er zurück kam musste er sich über das sich ihm bietende Schauspiel schon Wundern. Der Fähnrich lag in einer... flachen Position auf seinem Bett, es sah so aus als hätte sie sich nur hinsetzen wollen und war danach augenblicklich zur Seite gekippt um dann in einer wenig bequemen Position die Augen zu schließen. Leise näherte sich Spock ihr, setze sich mit einem höflichen Abstand zu ihr. Lange betrachtete er sie. Uhura war scheinbar so Müde gewesen, dass sie einfach eingeschlafen war. Da musste sich Spock die Frage stellen wieso sie nicht gleich in ihr Quartier gegangen war. Menschen verstanden scheinbar noch etwas anderes unter Gesellschaft leisten.

Eine weile saß Spock in seiner observieren Position, beobachtet wie sie schlief. Wie ihre Züge sich langsam entspannten und ihr langes dunkles Haar über ihre Schulter floss und einen Teil ihres Gesichtes verbarg. Vorsichtig strich er es hinweg, rang mit sich ob es nicht besser war sie zu wecken. Doch was würde es bringen? Sie einfach so wegschicken wo er sie doch erst zu sich gebeten hatte? Es kam ihm dumm vor, zumal er sich auch außerstande fühlte eine Diskussion oder ähnliches zu führen. Da er eine Einzelkabine belegt hatte, gab es nur ein Bett, keine Couch nur zwei Sessel. Er grübelte bis ihm beinahe selbst die Augen zugefallen waren. War es richtig sich nun einfach daneben zu legen? Der Schlaf machte ihm die Entscheidung leicht, natürlich konnte er. In einem sorgsamen Abstand legte er sich zu ihr, irgenwo hatte er noch eine Decke erübrigen können, die er vorsichtshalber über sie gelegt hatte. Er selbst benötigte keine, er schlief auch in seiner Uniform. Zu müde um sich noch etwas anderes anzuziehen und in Sorge darüber ihren Blick am nächsten Morgen zu ertragen, wenn sie sah neben wem sie erwachte und was er dazu noch trug. Zumal ihm auch so heiß war das er keine Decke benötigte. Eher hatte er das Gefühl sich entkleiden zu müssen. Doch er ertrug die Hitze, die sich mitten in der Nacht nur noch steigerte, als er spürte das Uhura – ob nun absichtlich oder unabsichtlich – den sorgsamen Abstand zwischen ihnen minimiert hatte.

Ob sie es wissentlich getan hatte? Ihren Kopf auf seiner Brust gebettet, den Arm um seinen Körper geschlungen, gab sich der Vulkanier ihren Berührungen hin und legte selbst den Arm in einer fast selbstverständlichen Geste um sie. Sacht schmiegte sie sich an ihn, dass Gefühl hatte sich wieder irgendwo in seiner Magengegend manifestiert. Es war berauschend, doch Spock war zu Müde um es in vollen Zügen nur für sich auskosten zu können. Er wusste nicht mehr wann ihn schlussendlich der Schlaf vollkommen übermannt hatte. Das Gefühl Uhura im Arm zu halten, verfolgte ihn bis in seine Träume und ließ ihm einen angenehmen Schlaf zuteil werden.