ROCKSTAR

Liley

Kapitel 03 - Forever

„Hey, Lil. Und, wie geht es meiner besten Freundin so, hm? Hast du mich vermisst?", Miley traute ihren Ohren nicht. Da war Lillys Stimme und die eines anderen Mädchens. Sie versteckte sich weiterhin hinter dem Vorhang. Durch ein winziges Loch im Stoff starrte sie auf die Szene vor ihr. Da waren Lilly, Amber und ein Mädchen, was peinlich genau aussah wie...

„Mikayla, hey.", Mikayla kam auf Lilly zu und grinste schelmisch. „Mir geht's prima, wieso? Und was ging bei dir so, hm?" Lilly machte genau die Anzahl von Schritten von der Dunkelhaarigen weg, die sie auf sie zu machte. Sie schien sie nicht erwartet zu haben oder überhaupt hier haben zu wollen.

Genauso wenig, wie Miley sie hier haben wollte.

„Gott, was ist nur los mit dir? Hast du auf einmal Angst vor mir? Komm schon... Ich wüsste da was, womit ich dir helfen kann.", sie packte Lilly am Kragen ihres Shirts und wollte sie ganz offensichtlich küssen, aber Lilly drückte sie an den Schultern von sich. Miley konnte sich selbst gerade noch davon abhalten, auf zu atmen. Sie durften sie hier nicht finden.

Ihre Atmung ging flach.

„Nein, hör auf. Ich... Ich kann nicht.", Mikayla starrte sie an. Amber checkte ihr Make-Up im Spiegel und beachtete ihre beiden Freunde nicht weiter. Sie schien eher gelangweilt von ihnen zu sein. Aber Amber Addison war ja die meiste Zeit über gelangweilt.

„Was ist los? Du bist doch immer für einen guten Quicky zu haben.", sie schnurrte leicht und steckte ihre Hand in Lillys Hose. Lilly schlitterte zurück und prallte gegen die Wand, sie schien sich arg zusammen reißen zu müssen und Miley fühlte, wie die Eifersucht in ihr hoch kochte. Es war unsinnig, sie hatte nicht einmal das Recht, eifersüchtig zu sein, nur weil Lilly sich mit einer anderen vergnügte.

„Mikayla, bitte. Hör... Hör einfach auf, okay? Ich kann nicht. Es geht nicht.", Mikayla beäugte sie interessiert, dann lehnte sie sich gegen die Vorderseite der Skaterin, zog ihre Hand aber nicht zu sich zurück. Sie schien auf ein Signal zu warten. Ein Zeichen von Lilly, dass das alles nur ein Spaß war.

„Was, hast du auf einmal STD, oder was? HIV positiv? Irgendetwas in der Richtung? Denn wenn nicht, verstehe ich dein Problem nicht wirklich. Ist immerhin ein bisschen spät, um einen auf unschuldig zu machen.", Miley konnte sehen, wie Lilly zusammen zuckte, als Mikayla ihre Hand bewegte. Offenbar hatte sie gegen die Blondine gedrückt. „Du fühlst dich komisch an. Hattest du in letzter Zeit nicht genug Sex? Bist du krank?"

Lilly packte Mikaylas Hand und zog sie aus ihrer Hose. Sie schien endlich wieder auf zu atmen und Miley verfolgte ihre Unterhaltung gebannt hinter dem Vorhang. Inzwischen war ihr völlig egal, dass sie lauschte. Sie musste wissen, was Mikayla genau von Lilly wollte.

„Lass es einfach.", Miley konnte es kaum fassen... Lilly war rot geworden.

„Du kannst mir alles sagen, Lil. Entweder du tust es, oder du lässt mich dich vernaschen. Deine Entscheidung.", Lilly stammelte etwas Unverständliches, was Miley nicht hören konnte und offenbar auch niemand sonst im Zimmer, denn plötzlich sah Amber von ihrer Schminke auf und rollte mit den Augen. Sie klappte ihr Puder zu.

„Lilly hat eine neue Freundin.", Mikayla starrte sie einige Sekunden lang an, dann begann sie zu lachen. Miley fand das gar nicht witzig. Sie wollte sich keine falschen Hoffnungen machen, aber wenn sogar Amber eingesehen hatte, dass Lilly und sie jetzt miteinander gingen...

„Ja sicher. Das hat dich vorher auch nie gestoppt, Babe. Wer ist die kleine Schlampe?", Lilly öffnete ihren Mund, dann schloss sie ihn wieder. Sie schien nicht imstande zu sein, Mileys Namen auch nur zu denken, also griff Amber erneut für sie ein.

„Sie geht mit Stinky Stewart.", Amber klappte ihren Spiegel wieder auf und ignorierte offenbar, dass Lilly wütend geworden war und sich von Mikayla los gemacht hatte. Sie baute sich vor Amber auf und nahm ihr den Spiegel aus der Hand.

„Nenn sie nicht so, Amber!", Amber rollte wieder mit den Augen.

„Ist ja schon gut. Nur weil du sie attraktiv findest und Gott weiß, ich habe keine Ahnung wieso... Musst du ja nicht gleich jedes Mal abticken, nur wenn ich ihren Namen sage.", es fühlte sich gut an, zu wissen, dass Lilly für sie eintrat. Trotzdem mochte sie den Ausdruck auf Ambers Gesicht gar nicht.

„Warte, meint ihr das ernst?", jetzt wurde die Dunkelhaarige wütend. „Ich glaub es einfach nicht! Ich weiß ganz genau, was du von Stinky willst!" Jetzt war Lilly an der Reihe, sie böse an zu funkeln, aber bevor sie zu Wort kam, machte Mikayla schon weiter. „Du willst ihre Unschuld, richtig? Du hast meine bekommen, reicht dir das denn nicht?!"

Mikayla verschränkte ihre Arme. Mileys Augen weiteten sich. Mikayla und Lilly? Lilly hatte Mikayla entjungfert? Lilly senkte ihre Stimme, aber Miley hörte sie sehr genau. „Du warst auch mein erstes Mal, das weißt du... und es geht nicht um diese Sache."

„Tut es nicht? Wow, mit welchem Zauber hat sie dich wohl dran gekriegt? Hast du dir einen Schlag auf den Kopf zugezogen, was läuft bei dir nicht mehr ganz rund? Sieh sie dir doch nur mal an! Die Schlampe ist doch potthässlich!", Miley zuckte zusammen. Sie war daran gewöhnt, dass man sie beleidigte, trotzdem schmerzte es sie.

„Wie wär's, wenn du einfach mal die Klappe hältst?! Sie ist viel schöner, als du je sein könntest! Und außerdem ist sie intelligent und liebenswert. Zwei Dinge, die dir sowieso immer gefehlt haben!", Mikaylas Augen brannten, als sie ausholte und Lilly eine Ohrfeige verpasste.

Sie packte Amber am Arm und zog sie zur Tür.

„Das muss ich mir nicht bieten lassen! Schon gar nicht von dir! Du kannst ja zu deiner Stinky gehen, meinetwegen kannst du dich auch einfach verpissen! Wir sind fertig miteinander!", Mikayla schlug die Tür hinter sich zu und hinterließ den Raum in Stille.

Miley traute sich nicht, herauszukommen. Sie wollte nicht, dass Lilly bemerkte, dass sie alles gehört hatte. Sie beobachtete, wie sich die Skaterin gegen die Wand lehnte und die Augen schloss. Sie seufzte, dann lächelte sie leicht und warf einen kleinen Blick zum Vorhang.

„Kommst du jetzt gleich raus oder muss ich zu dir kommen?", Miley wurde rot. Sie schloss für ein paar Sekunden die Augen, dann öffnete sie den Vorhang und trat ins Freie. Lilly lächelte sie an und streckte ihr eine Hand entgegen. Miley zögerte nicht eine Sekunde.

Lilly zog sie in ihre Arme und vergrub ihre Nase in Mileys Haaren, zog wie so oft das Zopfgummi heraus und fuhr fast verliebt durch ihre Haare. Miley schmiegte ihren Kopf unter Lillys Kinn und seufzte zufrieden. Trotzdem kam sie nicht umher zu denken, dass das alles ihre Schuld war. Ohne sie hätte Lilly sich nie mit ihren Freunden gestritten.

„Tut mir Leid, dass du wegen mir so viel Ärger hast.", ihre Stimme klang etwas gedämpft, weil sie gegen Lillys Hals sprach und sich immer noch unmittelbar an ihr befand. Lilly gluckste und Miley fühlte es, bevor sie es hörte. Lilly schüttelte sanft mit dem Kopf.

„Das geht schon klar. Ist doch ihr Problem, wenn sie nicht damit klarkommen, dass ich mit dir zusammen sein will. Mach dir keine Gedanken, okay?", Miley nickte etwas unsicher, dann drückte sie sich sanft von Lilly weg und schaute ihr direkt in die Augen. Dieses Türkis...

„Woher wusstest du, dass ich mich hinter dem Vorhang verstecke?", Lilly grinste, dann küsste sie Miley. Es war ein langer, tiefer und leidenschaftlicher Kuss und Miley genoss jede Sekunde. Sie genoss jeden Kuss, den sie mit Lilly teilte. Viel mehr, als sie sollte.

„Dein Haar... Es riecht nach Vanille und Kokosnuss. Ich hab es wiedererkannt und dann hab ich dein Auge durch den Vorhang blitzen sehen. Ich kenne niemanden, der so blaue Augen hat wie du. Ich liebe deine Augen.", wie, um es zu verdeutlichen, beugte sie sich vor und küsste Mileys Augenlider. Mileys Brille rutschte ein Stück nach unten und Lilly nahm sie ihr ab.

„Vielleicht sollte ich mir Kontaktlinsen machen lassen, hm? Wo du meine Brille doch ohnehin immer abnimmst.", sie strich sanft und umsichtig über die Wange, die eben unter Mikaylas Attacke gelitten hatte. Sie war wütend, wie konnte jemand überhaupt Lilly schlagen?

„Tu's besser nicht. Ich mag es, wenn nur ich diejenige bin, die sieht, wie wunderschön du wirklich bist. Dann muss ich mir nicht so viele Sorgen darum machen, dass dich mir vielleicht jemand ausspannt. Ich bin äußerst besitzergreifend.", Lilly nickte leicht, wie um ihren Standpunkt zu verdeutlichen, dann lächelte sie entschuldigend. „Tut mit Leid, wegen Mikayla... Sie ist eine Zicke und sie hätte das nicht sagen sollen. Ich wollte nicht, dass du das hörst."

Lillys Griff verfestigte sich kaum merklich und sie sah zur Seite. Beschämt. Miley schmunzelte. „Ist schon okay. Ich bin das gewohnt. Keine große Sache.", Lillys Gesicht war zerknirscht. Sie runzelte ihre Stirn und schnaubte leise vor sich hin. „Was?"

„Ich kann es nicht leiden, dass die anderen dich so behandeln, nur weil sie dich nicht kennen. Es macht mich rasend, wenn sie dich so nennen.", Miley zog eine Augenbraue hoch. Lilly lehnte ihren Kopf zurück gegen die Wand und schloss die Augen.

„Du meinst Stinky Stewart? Das ist wirklich keine Sache, wegen der du dir Sorgen zu machen brauchst. Ich bin wirklich nicht so toll, die anderen haben gar nicht so Unrecht mit dem, was sie sagen.", Lilly packte die Brünette bei den Schultern und sah sie eindringlich an.

„Sag so was nicht! Du darfst dich ihnen nicht so unterordnen! Du bist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als jeder einzelne von ihnen, okay?! Und nenn dich nicht selbst so! Nur weil die anderen zu dumm oder zu engstirnig sind, um zu sehen, wie du wirklich bist?! Das ist doch ihr Problem, nicht deines.", die Pop-Prinzessin starrte Lilly an.

Sie wich dem Blick der Skaterin aus.

„Sieh mich an, Miley.", und die Brünette gehorchte. „Ich weiß, du hast keine Ahnung, wieso ich mich so für dich einsetze, oder wieso ich dich auf einmal wahrnehme und nicht durch dich hindurchsehe, wie diese ganzen anderen Idioten." Miley zuckte mit den Schultern, dann nickte sie. „Aber ich mag dich. Ich mag dich sehr und ich möchte... Du musst mir das glauben, okay?"

Lilly mochte sie... Lilly mochte sie? Lilly mochte sie! Sie, Stinky Stewart, wurde von Lilly Truscott gemocht. Und das sehr. Sie konnte nicht einmal gegen das Lächeln ankämpfen, was sich auf ihr Gesicht zog und schon gar nicht gegen das Gefühl, was sich in ihrem Bauch breit machte.

Und sie konnte nicht glauben, dass sie das wirklich sagte, aber...

„Ich glaube dir."

•◘○

Miley und Oliver waren gerade dabei, einen Wurm zu sezieren. Miley war eigentlich dagegen gewesen, der Wurm war grau und sah unglaublich widerlich aus. Er war natürlich tot, aber das half ihr auch nicht wirklich dabei weiter, sich daran zu gewöhnen, dass sie ihn gleich auf zu schneiden hatte.

„Komm schon, Miles. So schlimm ist es wirklich nicht. Die Teile sind doch schon tot. Sei doch froh, dass sie sich nicht mehr bewegen.", er hielt ihr den Wurm vor die Nase, der kläglich hin und her schwang und grinste sie fies an. Miley verzog das Gesicht.

„Lass das! Ich bin Pazifistin, ich will nichts mit einem Messer aufschlitzen müssen.", er kicherte, warf das arme Tier zurück auf die Unterlage ihres Tisches und streckte seine Zunge raus. Miley wusste gar nicht was ihr geschah, als ihr plötzlich jemand gegen die Schulter klopfte und Olivers Grinsen sich in Wohlgefallen auflöste.

„Was willst du von Lilly?", Miley drehte sich um – in Zeitlupe, wie es ihr vor kam – und wurde mit den beiden Mädchen konfrontiert, die sie noch nie leiden konnte. Ihre Abneigung war immer beiderseitig gewesen. Sie mochte Amber und Ashley nicht und Amber und Ashley mochten sie nicht. Es war fast wie ein Naturgesetz, was Miley nie hinterfragt hatte.

Es war ganz natürlich.

Mileys Blick wanderte über die Hexen zur letzten Reihe. Lillys Reihe. Aber die Blondine war abgelenkt, sie schien nicht einmal gemerkt zu haben, dass die beiden A's sich von ihrem Tisch gleich vor Lillys entfernt hatten und jetzt offenbar darauf aus waren, Miley das Leben schwer zu machen.

Die Skaterin hatte ihre Arme vor dem Körper verschränkt und rollte mit den Augen. Sie schien sich hitzig mit Mikayla zu streiten, die ihre Hände in die Hüften gestemmt hatte und Lilly böse anfunkelte. Die Pop-Prinzessin konnte sich nur vorstellen, um was ihr Streit sich genau drehte. Sie hatte das Gefühl, dass sie wieder einmal das Problem darstellte.

Auf jeden Fall bemerkte Lilly es nicht, als Amber und Ashley sich drohend Miley näherten und sie in die Enge – gegen ihren Tisch – drängten. Amber war die stärkere der Beiden. Sie hatte Miley mehr als nur einmal weg geschubst. Zur Seite, zurück in einen Kreis. Ashley war mehr der Typ zum Dastehen und leise in sich hinein kichern.

Amber trat vor, stieß Oliver an der Seite zurück und schnaubte leise. Er rieb sich die Schulter.

„Aus dem Weg, Abschaum!", er hatte tatsächlich Angst vor ihnen und Miley konnte es ihm nicht verdenken. Für einige Sekunden stand er nur da und fragte sich ganz offensichtlich, was er tun sollte, dann schickte er Miley einen kleinen Blick und verschwand langsamen Schrittes nach hinten.

Er ließ sie allein. Er ließ sie wieder einmal allein mit diesen beiden und Miley konnte nicht anders, als sich mies zu fühlen. Verraten vielleicht. Sie würde später mit ihm darüber sprechen müssen, wenn sie noch Gelegenheit dazu hatte.

Noch einmal wanderte ihr Blick zurück zu Lilly. Lilly. Perfekte, wunderbare Lilly. Sie würde Miley nicht helfen können, sie wusste nicht, was vor sich ging. Und der Lehrer? Miley fragte sich immer, wenn ihr so etwas passierte, warum kein Lehrer anwesend war, um ihr zu helfen.

Dafür waren Lehrer doch da. Neben dem Unterrichten hatten sie doch auch die Aufgabe, zu verhindern, dass sich die Schüler gegenseitig auseinander nahmen. Oder etwa nicht? Studierten sie dafür nicht auch etwas, was sich Pädagogik nannte? Und trotzdem hatte ihr Biologielehrer die Klasse verlassen. Wieso? Vermutlich, um zu rauchen, einen Kaffee zu trinken oder etwas Ähnliches.

Mileys Blick wurde von Lilly losgerissen, als Amber ihre Handfläche wieder mit Mileys Schulter kollidieren ließ. „Sie kann dir da jetzt nicht raus helfen. Und jetzt sagst du uns gefälligst, was du von ihr willst, klar?! Lass sie einfach in Ruhe!"

Miley stieß mit dem Rücken gegen ihren Tresen und schluckte. Das sah gar nicht gut für sie aus. Sie wich Ambers Blick aus, die sie böse ansah. Kein Anzeichen eines Lächelns war auf ihrem Gesicht zu sehen, so wie sonst, wenn sie sich über die Brünette lustig machte.

„Lasst mich einfach in Ruhe, okay? Ich will keinen Ärger.", ihre Stimme klang leise und eingeschüchtert. Und so fühlte sie sich auch. Vollkommen verstört und zurückgezogen in sich selbst. Sie wollte sich keinen Ärger mit den beiden angesagtesten Mädchen der Schule holen.

„Vielleicht hättest du dir das eher überlegen sollen, bevor du dich an unsere Lilly rangemacht hast! So jemand wie du hat sie doch gar nicht verdient!", Amber machte einen neuerlichen Schritt nach vorne und knallte ihre Hand auf Mileys Tisch. Laut, aber nicht laut genug, als dass Lilly sie hätte hören können. Sie war gut, das musste Miley ihr lassen.

„Bitte, lasst mich in Frieden.", sie wusste nicht, was sie sonst sagen sollte. Sie konnte schlecht so tun, als wäre da nichts zwischen ihr und der Footballerin. Aber es zerfleischte sie innerlich, dass sie vor ihnen nicht zu ihren Gefühlen stehen konnte. Sie hasste sich selbst dafür, so schwach zu sein.

„Wir wollen nur, dass du dich in Zukunft von ihr fern hältst, klar?! Das ist alles. Meinetwegen mach mit ihr Schluss, wenn man das zwischen euch überhaupt Beziehung nennen kann.", Miley schluckte. Mit Lilly Schluss machen? Wieso sollte sie das bitte anstellen? Nach allem, was Lilly zu ihr gesagt hatte? Nein, das konnte sie nicht.

Mileys Augen flogen durch den Raum und blieben einmal mehr an Lilly heften, die jetzt ganz ruhig dastand. Lilly, die sie zu ihrer Party eingeladen hatte. Die Miley zum ersten Mal in ihrem Leben richtig geküsst hatte. Die ihre Zeit mit Miley verbrachte, weil sie es wollte und nicht, weil ihr jemand gesagt hatte, sie solle sich doch mal mit den Losern anfreunden.

Lilly.

Und da wusste Miley es. Sie musste sich wehren. Wenn sie das behalten wollte, was sie hatte und noch mehr, dann musste sie sich gegen die Hexen wehren. Ein für allemal. Sie konnte Lilly nicht aufgeben, sie war in sie verliebt. Seit sie sie das erste Mal gesehen hatte.

Lilly ist das Beste, was mir je passiert ist.

„Nein.", sie flüsterte nur. Mehr sagte sie nicht. Mehr konnte sie nicht sagen.

„Was? Wie bitte?", die beiden A's starrten sie an, geschockt und Miley wappnete sich. Wappnete sich gegen alles, was vielleicht gleich passieren würde. Sie hatte keine Angst, was konnten sie ihr hier schon antun. „Was hast du da eben gesagt?"

Miley holte einmal tief Luft.

„Ich will Lilly nicht aufgeben.", sie presste ihre Zähne aufeinander und wartete auf den großen Knall. Darauf, dass der Vulkan Amber ausbrach. Ambers Gesicht lief rot an, aber dann brach ihr Gesicht in ein breites Grinsen aus. Ein diabolisches Lachen.

„Du musst! Sie kann nicht mit dir gesehen werden, sie ist viel zu beliebt für dich! Das bringt das ganze System durcheinander!", das populäre Mädchen ballte ihre Hände zu Fäusten, sie schien zu rauchen, ihre Augen schossen rote Funken. Oder zumindest hätte es perfekt in das Bild gepasst, was Miley und sicher auch viele andere von ihr hatten.

„Das System ist bescheuert.", ihre Augen weiteten sich leicht. Hatte sie das gerade eben wirklich über die Lippen gebracht? Sie, Stinky Stewart, war gerade im Begriff, sich gegen die beiden Königinnen der Seaview High aufzulehnen? Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.

„Ich glaube, ich habe mich da eben verhört!", Ambers Augen leuchteten rot – in Mileys Phantasie zumindest – und die Brünette presste sich so stark gegen den Tresen, dass es beinahe weh tat. Sie konnte nicht entkommen. Amber hob ihre Hand.

Miley war sich sicher, was gleich passieren würde. Amber würde sie ohrfeigen, ihr Schmerzen bereiten, weil sie sich nicht an die Regeln halten wollte. Miley sah es kommen, aber sie würde nichts sagen. Ihr Vater würde sie fragen, woher sie eine geschwollene Wange hatte, aber sie würde es ihm gegenüber nie zugeben. Sie wollte nicht, dass er sich Sorgen machte.

Miley sah die Hand auf sich zufliegen und machte sich schon auf den kommenden Schmerz gefasst, der sie zweifelsohne erwarten würde. Sie hörte das pfeifende Geräusch, als sie durch die Luft flog und sie schloss die Augen, wartete. Wartete.

Aber nichts kam.

Langsam ihre Augen öffnend sah sie, wie Ambers Hand in der Luft eingefroren war. Eine Hand hatte sich um das Gelenk geschlossen, hielt sie ganz fest. Die Finger waren weiß und zitterten leicht. Miley traf Lillys Blick. Sie war sicher.

„Willst du nicht lieber aufhören, meine Freundin zu schlagen? Hm?", Lilly zog hart an Amber und beförderte sie fast gewaltsam weg von Miley, baute sich selbst drohend vor ihr auf. Versteckte Miley schützend hinter ihrem eigenen Körper.

„Was ist nur los mit dir?! Du kannst nicht mit ihr zusammen sein! Sie ist es doch gar nicht wert! Sieh sie dir doch nur an!", es schüttelte Amber am ganzen Körper und Ashley sah ähnlich angewidert aus. Sie hatte einen hochnäsigen Blick aufgesetzt.

„Woher willst du das wissen? Du hast ihr doch gar keine Chance gegeben! Ich bin lieber mit ihr zusammen, als mit euch beiden! Fasst sie nie wieder an, habt ihr mich gehört?! Nie wieder!", Lillys Hand fand ihren Weg zu Mileys und hielt sie ganz fest in ihrer eigenen.

Oliver schlüpfte hinter Miley zum Ende des Tresens und die Pop-Prinzessin blickte ihn an. Sicher hatte er Lilly geholt. Hatte sie gerettet. Sie lächelte ihm sanft zu und er zwinkerte. Also hat er mich doch nicht alleine gelassen. Mein Oliver.

„Wie kannst du uns das nur antun?! Ich dachte, wir wären Freunde!", jetzt wirkte das gemeine Mädchen tatsächlich verletzt, aber Miley konnte kein Mitleid für sie finden. All die Jahre hatte sie sie fertig gemacht. Und selbst jetzt noch wollte sie ihr ihr Glück nehmen.

„Ja, ich habe auch mal gedacht, dass wir Freunde wären. Aber wie könnten wir Freunde sein, wenn ihr meine Freundin schlagt?", Lillys Griff verstärkte sich kaum merklich und sie zog die Brünette noch ein bisschen näher an sich heran.

„Aber es ist Stinky Stewart! Gott, hast du denn gar keinen Respekt mehr vor dir selbst?!", Amber gab ein genervtes Stöhnen von sich. Anscheinend verzweifelte sie langsam daran, dass jemand aus ihrer Clique jemanden gut fand, der ganz unten in der Nahrungskette stand.

„Na und?! Das ist doch völlig egal! Ich liebe sie!", Mileys ganzer Körper fühlte sich auf einmal taub an. Ihre Hände klamm, ihre Atmung völlig zum Erliegen gekommen. Sie blinzelte ein paar mal sehr schnell. Ihr Mund war trocken, sie schluckte.

„D-Du liebst mich?", Lillys Kopf drehte sich langsam zu ihr um, dann ihr ganzer Körper. Miley konnte die Unsicherheit in ihren Augen lesen. Lilly ließ ihre Hand los, legte ihre Hände auf Mileys Wangen und machte einen weiteren Schritt auf sie zu, sah ihr tief in die Augen.

„Natürlich tue ich das. Du bist die wunderbarste Person, die ich je getroffen habe. Du musst es nicht zurück sagen, dass ist einfach, wie ich empf-", Miley schnitt ihren Satz mit einem Kuss ab. Sie schloss ihre Augen und machte es extra lang. Sie konnte es kaum fassen.

„Ich liebe dich auch.", Lillys Strahlen war hell und ehrlich und sie zog Miley in eine feste Umarmung, als wollte sie sie nie wieder loslassen. Dagegen hätte Miley freilich nichts gehabt. Je näher sie bei Lilly war, desto besser fühlte sie sich.

„Ich bin so froh.", Amber und Ashley fletschten angewidert ihre Zähne und die Größere von beiden setzte dazu an, etwas zu sagen, aber Oliver schob sie mehr als unsanft zur Seite. Er schickte ihnen einen Blick und die beiden Hexen verzogen sich zum Ende der Reihe. Zurück zu Mikayla.

Olivers Grinsen war weit und er breitete seine Arme aus.

„Kommt her. Ihr seid meine Mädchen.", Lilly lachte kurz auf, wuschelte durch das brünette Haar des Jungen und zog ihn in ihre Umarmung dazu. Die beste Gruppenumarmung, die Miley seit Langem gehabt hatte und sie kuschelte sich an Lilly.

„Jetzt hast du wegen mir deine Freunde verloren. Sollte ich anfangen, mir Sorgen zu machen?", Lilly lehnte sanft ihre Wange gegen Mileys Kopf und seufzte zufrieden, aber die Brünette konnte nicht anders, als sich trotzdem Sorgen zu machen.

„Ich hab dir doch gesagt, ich verbringe meine Zeit lieber mit dir. Außerdem waren sie wohl keine so guten Freunde, wie ich immer dachte. Und ich hab ja jetzt dich und Mr. Smokin' Oken hier.", Lilly gluckste und Miley rollte mit den Augen.

„Du bist sowieso besser ohne die dran, denke ich...", Lilly küsste ihre Schläfe und ließ Oliver wieder los, zog Miley ganz zu sich und vergrub ihre Nase in den haselnussbraunen Locken. Doch dieses Mal, Miley bemerkte es genau, zog die Blondine ihr nicht das Zopfgummi heraus. Anscheinend hatte sie es ernst gemeint, als sie gesagt hatte, dass sie Miley mit niemandem teilen wollte.

„Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich.", Mileys ganzer Körper erfüllte sich mit einer Wärme, die sie bis dahin nicht gekannt hatte. Lilly Truscott liebte sie. Lilly Truscott liebte Miley Stewart. Das war irreal. Es war komisch, es schien nicht zu passen. Und trotzdem...

„Und ich liebe dich. Seit, keine Ahnung, seit schon immer.", Lilly lehnte sich leicht von ihr weg, lächelte ihr zu und küsste ihre Wange. Miley starrte in diese türkisen Augen. So viel Wärme, so viel Liebe, so viel Leidenschaft. Es schickte Schauer durch Mileys Rücken.

„Oh ja? Gut zu wissen. Denn ich bleibe hier bei dir. Für immer."