A/N: Wer einigermaßen englisch kann, sollte unbedingt das Original lesen! Ich bitte herzlich um Meinungen, wie sich diese Übersetzung liest.

So schnell wie Lanaea bin ich nicht, hoffe aber, wenigstens zwei Kapitel pro Woche zu schaffen.

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Jim liebte seine Mutter. Wenn es wirklich darauf ankam, war sie ein guter Mensch, und sie hatte sich immer um ihn gekümmert und versucht, ihr Bestes für ihn zu tun. Auf die bedeutungslose Reihe ihrer Freunde hätte er verzichten können. Die Art, wie sie ihn manchmal ansah, als ob sie versuchte den Geist von etwas Ungreifbarem zu sehen, etwas anderes als ihn selbst – darauf hätte er auch verzichten können. Aber er liebte sie, und als die Enterprise nach einem Zusammenstoß mit einer Wolke aus lebendem Staub (welche mit Vorliebe ihren Systemspeicher angefressen hatte) ins Raumdock zurückkehrte, um den Computer reparieren zu lassen, folgte er ihrer Bitte, vorbei zu schauen und sie zu besuchen.

Nicht, dass es ihm lästig gewesen wäre. Die ganze Crew nutzte die Gelegenheit gerne, wieder einmal festen Boden unter den Füßen zu genießen. Aber wenn er ehrlich zu sich war, war er etwas besorgt darüber, was ihn erwartete. Er hatte seine Mutter vor der Zeremonie, bei der er seinen Orden bekam und zum Captain befördert wurde, kurz gesehen und sie war irgendwie…merkwürdig gewesen. Als ob sie sich nicht sicher war, ob sie sich freuen oder fürchten sollte, dass er bei der Sternenflotte war und vorhatte, dort zu bleiben. Sicher, sie wollte ihn sehen, aber das war keine Garantie für die Stimmung, die zwischen ihnen herrschen würde, wenn er erst da war. Er war auch nicht gerade außer sich vor Freude bei der Aussicht auf ein Treffen mit Stan oder Dave oder wie zur Hölle auch immer ihr neuer Typ hieß.

Er hatte versucht, Bones mitzuschleppen, nur um jemanden dabei zu haben, der wenigstens dabei half, die Aufmerksamkeit von ihm abzulenken. Aber der Doktor war ein kluger Mann. Er hatte nicht vor, sich so einfach in ein familiäres Chaos hineinziehen zu lassen. Alle anderen waren mit ihren eigenen Wiedersehen beschäftigt, also fand Jim sich damit ab. Zeit, es anzugehen, was auch immer da zu Hause auf ihn wartete. Es war zu schade, dass Sams Schiff noch im Einsatz war, sonst wäre die Aussicht vielleicht nicht so entmutigend gewesen.

„Geh. Geh einfach."

Jim blieb stehen. Mit der Reisetasche in der Hand drehte er sich beim Klang von Uhuras Stimme leicht zum Landeplatz des Shuttles um. Ihre Worte und ihr Ton hatten seine Aufmerksamkeit erregt. Sie klang aufgebracht.

Seine Augen hatten sie schnell lokalisiert, und seine Neugierde wuchs, als er sah, dass Spock bei ihr war. Sein erster Offizier sah so ruhig und reserviert aus wie immer, aber Uhura schien verärgert, sogar nervös zu sein. Letzteres war definitiv eine neue Seite an ihr.

„…Nun gut.", willigte Spock mit scheinbarem Gleichmut ein. Nur die Anspannung um seine Augen verriet, dass auch er unruhig war. Er wandte sich zum Gehen, aber Uhuras Stimme hinderte ihn wieder.

„Spock…", sagte sie zögernd und schien zwischen zwei verschiedenen Punkten unentschlossen zu schwanken. Eine ihrer Hände ver- und entkrampfte sich an ihrer Seite.

„…es war nicht meine Absicht, dich zu kränken.", sagte Spock nach einer kurzen Pause. Sein Ton wirkte aufrichtig.

Für einen Moment schien sich die Spannung zwischen ihnen zu verstärken. Aber dann seufzte Uhura und lockerte ihre Haltung ein wenig.

Sie streckte eine Hand nach ihm aus und tätschelte seine Schulter, als wolle sie eine imaginäre Falte aus seiner Kleidung streichen. „Ich weiß," sagte sie zu ihm. Für eine Minute dachte Jim, es sei das Ende eines Beziehungskrachs und sie würden sich gleich wieder küssen wie damals im Transporterraum. Aber keiner der beiden kam dem anderen näher. Stattdessen schenkte Uhura Spock ein ziemlich knappes Lächeln, nahm ihre Tasche und wandte sich ab.

Spock sah ihr beim Gehen zu und Jim sah mit wachsender Neugier Spock zu, wie er ihr beim Gehen zusah. Sein Wissen um die ‚Beziehung' der beiden war ziemlich begrenzt. Keiner der beiden wollte mit ihm darüber reden und beim Rest der Crew schienen sie genau so wortkarg zu sein, da die Gerüchteküche nicht gerade brodelte. Gab es Ärger im Paradies?

Nun, es war nicht gerade einfach für ihn, das herauszufinden. Egal wie neugierig er zu sein versuchte, er hörte immer nur ein entschiedenes ‚Das geht Sie nichts an' von beiden, und das war's.

Achselzuckend hatte er sich gerade entschlossen, wieder seiner Wege zu gehen…als er inne hielt. Denn Spock stand immer noch da. Wie ein getretenes Hündchen. Was komisch war, weil er äußerlich nicht traurig wirkte. Er sah genau so vollkommen stoisch und vulkanisch aus wie immer. Auf den normalen Betrachter mochte es möglicherweise so wirken, als ob er einfach beschlossen hatte, dass genau diese Ecke des Landeplatzes ein guter Platz zum Stehen war.

Na ja, er ist dein erster Offizier, entschied Jim, schwang sich die Tasche über die Schulter und ging zu ihm hinüber.

Zuerst schien ihn Spock gar nicht zu bemerken, aber als er näher kam, sprach er. „Ich befürchte, ich bin im Moment nicht besonders zugänglich für Versuche, mein Privatleben auszukundschaften," informierte er Jim ernst.

„…Okay", meinte Jim schulterzuckend. „Möchten Sie meine Mutter kennen lernen?", fragte er.

Oh. Nun, das war ungefähr so feinfühlig wie ein Holzhammer. Jim fragte sich, ob es an Spock oder an ihm lag, dass zwangsläufig komische Sachen aus seinem Mund zu kommen schienen, wenn sie miteinander sprachen. Er hatte noch nicht mal wirklich vor gehabt, die Einladung auszusprechen. Es war ihm nach Spocks Bemerkung einfach in den Sinn gekommen und dann aus ihm herausgeplatzt, weil er sonst nichts zu sagen wusste.

Spock sah ihn an.

Tja, wenn er schon mal hier war, fand er, konnte er es ebenso gut auch versuchen. „Ich war gerade unterwegs nach Hause, um sie zu besuchen, aber ich mache das nie gern allein. Sie wird immer ein bisschen…äh, tja, wie auch immer, wenn Sie nichts vorhaben, können Sie mitkommen.", erklärte er. „Sie ist nicht fremdenfeindlich oder so," fügte er dann in hoffnungsvollem Ton hinzu.

Er zuckte, sah sich um und hoffte, dass er sich nur vor Spock so unglaublich ungeschickt anstellte. Was trotzdem ziemlich schlimm war, aber das beste, worauf er im Moment hoffen konnte. Sie ist nicht fremdenfeindlich?! Was zum Teufel war das denn?

"Ich würde mir nicht anmaßen, ein familiäres Wiedersehen zu stören.", sagte Spock. Es hörte sich wie eine Absage an, aber Jim bemerkte, dass er auch keine Anstalten machte zu gehen.

"Ach, Sie würden eigentlich nicht stören.", sagte er. „Es ist praktisch Tradition, dass ich jemanden mit anschleppe, wenn ich zu Besuch komme. Ich persönlich glaube, sie rät gern, wen ich mitbringe." Normalerweise war es irgendein Mädchen-der-Woche, mit dem er gerade zusammenlebte.

Er war sicher, Spock würde nein sagen und das wär's dann – das Ende eines sehr merkwürdigen und ungeschickten Annäherungsversuchs. Und so war Jim überrascht, als sich sein erster Offizier nach ein paar kurzen Momenten des Abwägens ihm zuwendete und ihn vorsichtig ansah.

"Sind Sie sicher, dass es keine Störung darstellen würde?", fragte er wieder. Über beide Ohren strahlend legte Jim eine Hand auf die Schulter des Wissenschaftsoffiziers.

"Definitiv nicht," versicherte er ihm und entließ ihn dann folgsam aus seinem Griff, als Spocks Blick demonstrativ darauf wanderte. Er gestikulierte zum Ausgang des Landeplatzes und konnte beinahe nicht glauben, dass es wirklich geklappt hatte. Zugegeben, er wusste nicht, wie seine Mutter Spock aufnehmen würde, aber es würde ihn sicher vor allzu rührseligen Situationen bewahren. Nichts am Auftreten dieses Mannes lud zu Rührseligkeit ein.

Außerdem wird es ihn davor bewahren, hier zu stehen und auszusehen, als hätte ihm gerade jemand das Eis weggenommen, fügte er in Gedanken hinzu.

Obwohl sich der Landeplatz inzwischen fast vollständig geleert hatte, wuselte noch immer eine beträchtliche Menschenmenge um die Transporter von und zum Bahnhof. Spock schien sich etwas anzuspannen, während Leute hinter ihnen drängelten und die normalen Grenzen des persönlichen Freiraums Opfer der Notwendigkeiten des Transitverkehrs wurden. Da er wusste, wie wenig sein erster Offizier es mochte, angefasst zu werden (selbst unabsichtlich), sah er sich selbst den Leibwächter spielen, und bevor er überhaupt wirklich darüber nachdachte, stellte er sich zwischen Spock und den größten Teil der drängenden Menge. Er übersah den schnellen, überraschten Blick, den Spock ihm dafür zuwarf..

Ungezwungenes Schweigen herrschte zwischen ihnen, als sie einen der Transporter bestiegen. Jim dachte kurz an seine alte Maschine, die er weggegeben hatte, als er zur Sternenflotte ging. Er bereute die Entscheidung nicht – es war nicht so, als ob er sie noch brauchen würde, nicht im Allergeringsten – aber die Vorstellung, Spock zu überreden, mit ihm darauf zu fahren, war irgendwie unterhaltsam. Der notwendige, nahe Körperkontakt hätte ihn wahrscheinlich in die Flucht geschlagen, bevor sie überhaupt losgefahren wären. Er schien auch nicht gerade begeistert von dem öffentlichen Verkehrsmittel zu sein.

"Alles okay, Spock?" fragte er, als sie losfuhren und der Halb-Vulkanier sich merklich versteifte. "Sie sehen ein bisschen grün aus."

Spock hob eine Augenbraue. "Captain, Sie sind sich darüber im Klaren, dass meine vulkanische Physiologie eine natürliche, grüne Pigmentierung hervor-"

"Ich weiß, ich weiß" versicherte Jim ihm mit erhobener Hand. Mann. Bones färbte anscheinend auf ihn ab – das war ein verdammt dämlicher Witz. "Ich habe nur versucht, die Stimmung aufzuhellen. Und nennen sie mich nicht Captain. Ich heiße Jim," sagte er beharrlich.

"…Jim," stimmte Spock zögernd zu, und er seufzte erleichtert. Gut. Es machte ihn allmählich ein bisschen krank, ständig 'Captain' und 'Sir' genannt zu werden. Dadurch fühlte er sich gleich zehn Jahre älter, als er eigentlich war.

Er lächelte Spock noch einmal an und warf den Blick dann aus dem nächsten Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft. Spock folgte seinem Beispiel. Das Geräusch des Transporters ratterte unter ihren Füßen, als sie den Anblick von blauem Himmel und festem Boden in sich aufnahmen. Dinge, die schnell eine Seltenheit wurden, da ihre Missionen sie immer weiter und weiter von vertrauten Orten entfernten. Jim hätte nicht die Enterprise dafür eingetauscht, aber trotzdem – es war schon schön, zurück auf festem Boden zu sein.

„Ich habe nicht viel Zeit auf der Erde außerhalb der Sternenflottenakademie verbracht.", gestand Spock, nachdem einige Minuten vergangen waren. Der tiefe Klang seiner Stimme holte Jim aus seiner Träumerei.

„Was?", fragte er. "Sie haben nie Tourist gespielt?"

Mit einem Blick, der andeuten sollte, dass Jim es besser hätte wissen müssen, schüttelte Spock leicht den Kopf. „Die Aussicht schien nicht sehr reizvoll zu sein. Die Temperaturen der nördlichen Erd-Hemisphäre sind zu kalt für vulkanische Ansprüche.", erklärte er.

„Oh", antwortete Jim und fragte sich ob das hieß, dass Spock sich unbehaglich fühlte. Aber es gab nicht viel, was er für ihn hätte tun können. Der Mann trug ohnehin schon viel dickere Kleidung, als Jim sich zugemutet hätte. Es war später Frühling, klar und sonnig, und Spock sah aus, als erwarte er einen plötzlichen Wintereinbruch. Komisch – er hatte einfach angenommen, dass sein erster Offizier sich so kleidete, weil er echt verklemmt war.

Aber vielleicht, dachte er, die scharfen und distanzierten Gesichtszüge aus dem Augenwinkel erfassend. Vielleicht ist es beides.

„Ich habe es jedoch in Betracht gezogen, mich mehr mit dieser Welt auseinander zu setzen,", erklärte Spock. Jim war überrascht. Normalerweise war der Versuch, eine Unterhaltung über etwas nicht die Arbeit betreffendes mit seinem ersten Offizier anzufangen, wie Zähne ziehen. Aber hier und jetzt versuchte er sich allem Anschein nach an Small-Talk. Ganz von sich aus noch dazu, ohne dass Jim ihn dazu überredete oder provozierte. Zuerst freute er sich insgeheim über den Wechsel der Gesprächsebene. Doch dann erinnerte er sich an Spocks naheliegendsten Grund für ein gesteigertes Interesse an der Erde, und er versank in tiefem Ernst.

Er fragte sich, wie lange der Geist von Vulkan noch über ihnen allen schweben würde. Es waren erst ein paar Monate vergangen, aber Jim konnte nicht anders, als darüber nachzudenken. Er hatte seinen Vater nie gekannt, und der Mann war seit über zwei Jahrzehnten tot. Trotzdem lag ihm seine Abwesenheit manchmal noch schwer auf dem Herzen und ließ unbeantwortete Fragen offen. Wie weitreichend war dann erst der Tod eines ganzen Planeten? Und das bezog nicht einmal Spocks noch persönlicheren Verlust seiner Mutter mit ein.

Wenn man ihn fragte, hätte er nie gesagt, er sei ein sensibler Mensch. Er? Auf keinen Fall! Er war ein sorgloser Teufelskerl, der genauso schnell wieder ging, wie er sich verliebte, ein Typ, der nichts bereute und immer zielgerichtet vorging. Weil er, wie Spock, irgendwann angefangen hatte, das darzustellen, was andere von ihm erwarteten. Aber in Wahrheit brauchte es nicht viel, damit er starkes Mitgefühl mit anderen spürte.

„Na ja, meine Heimatstadt macht nicht viel her.", sagte er einen Moment später und bewegte sich leicht in seinem Sitz. „Aber wenn Sie wollen, dass jemand Sie herumführt, könnten wir irgendwo hingehen, wo es besser ist, nachdem wir bei meiner Mutter vorbei geschaut haben." Ehrlich gesagt hatte Jim selbst nicht viel von der Welt gesehen, auf der er lebte. Es mochte interessant sein, sie sozusagen mit den Augen von jemandem zu sehen, der nicht auf ihr aufgewachsen war.

Andererseits, die Vorstellung, sich in Spocks Kopf hineinzuversetzen, war ein bisschen komisch. Vor allem, da er mehr oder weniger schon einmal im Kopf eines Spocks gewesen war, und das war nicht unbedingt eine erfreuliche Erfahrung gewesen.

"Ich würde es mir nicht erlauben, Ihre Zeit mit Ihrer Familie zu verkürzen.", antwortete Spock und fixierte ihn wieder mit seinen unergründlichen, dunklen Augen.

Jim zuckte die Schultern. "Machen Sie sich keine Sorgen darüber", versicherte er ihm. „Ich hatte sowieso vor, mich so früh wie möglich wieder davonzumachen. Sie würden mir lediglich eine gute Ausrede verschaffen."

Sein erster Offizier, so schien es, wusste nicht recht, was er sagen sollte. Jim nahm an, er dachte darüber nach, als der Transporter sie in das geschäftige Treiben der Stadt brachte, und ihr Gespräch beschränkte sich auf ein Minimum, während sie ihren notwendigen Tanz mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vollendeten, um nach Riverside zu gelangen. Spock sah aus, als habe er die Wahrheit gesagt, als er meinte, dass er die Akademie während seiner Zeit auf der Erde kaum verlassen hatte – er nahm viel vom Planeten mit derselben stillen, intellektuellen Neugier auf, die Jim bei ihm auf außerirdischen Welten gesehen hatte.

Nur, dass das nicht eine dieser fremden Welten war. Jetzt war es die einzige Heimat, die er hatte.

„Und, gibt es einen Ort, den Sie gerne sehen würden?", fragte Jim. Sie hatten endlich seine Heimatstadt erreicht und hatten die öffentlichen Verkehrsmittel hinter sich gelassen, um jetzt die langen, altmodischen Feldwege entlang zu gehen, die sich noch immer zwischen den Äckern hindurch wanden. Ein kurzer Anflug von Nostalgie kam in ihm auf, als er sah, was sich alles verändert hatte, seit zuletzt hier war, - was nicht viel war-, und was nicht.

„Ich muss mich zu einer gewissen Wissbegierde betreffend eines Besuch von Kanada bekennen", gab Spock einen Moment später zu. Hier, in einer gewohnten Umgebung, kamen seine außerirdischen Eigenschaften etwas mehr zur Geltung, jedoch nicht auf nachteilige Weise. Exotisch, dachte Jim und lachte dann innerlich über sich selbst.

„Kanada?", fragte er. „Ich dachte, Sie sagten, Sie mögen die Kälte nicht. Es wird schlimmer, je weiter man nach Norden geht, Spock." Was sein Wissenschaftsoffizier natürlich wusste, aber es schien, als sei Jim inzwischen unfähig, ihm eine Frage zu stellen, ohne ihn ein wenig zu ärgern. Vielleicht weil, auf einer fundamentalen Ebene, der Mann immer noch aussah, als könne er Aufmunterung brauchen.

„Ich bin mir dieser Tatsache bewusst," antwortete Spock; sein Ton sagte ‚So ist es' und seine Augen sagten ‚Sie sind ein Idiot, wenn Sie wirklich glaubten, ich wäre es nicht'. Jim grinste ihn an, als er ausführte: „Wie dem auch sei, meine Mutter wurde in Toronto geboren."

Sein Grinsen verrutschte etwas. Richtig. Spocks Mutter.

Plötzlich fragte sich Jim, ob er unabsichtlich ein Idiot war. Immerhin, Spocks Mutter war erst vor ein paar Monaten gestorben und jetzt schleppte er den armen Kerl mit, um seine eigene -noch sehr lebendige- Mutter zu treffen. Auf der Erde, wo beide Frauen herkamen. Also, dachte er, seinen Begleiter im Auge behaltend. Er hätte ‚nein' sagen können.

„Ich war noch nie in Toronto," gestand Jim und versuchte, die Stimmung etwas zu heben. „Ich bin mal mit Sam nach Vancouver gefahren, als ich ein Kind war. Oder – na ja, ich glaube es war eher so, dass ich in einem Transporter gelandet bin, der mich dahin brachte, und Sam musste mich suchen."

Spock sah ihn interessiert an. Jim ergriff die Gelegenheit, zu einem Thema zu wechseln, das etwas weiter weg von toten Müttern lag und beschloss, Spock mit einigen Geschichten seiner jugendlichen Eskapaden zu unterhalten. Dabei ließ er bewusst einen gewissen Vorfall aus, als er etwa elf gewesen war und sich beinahe selbst von einer Klippe gestürzt hatte. Diese Jahre waren nicht unbedingt seine besten gewesen.

Die Zeit schien tatsächlich wie im Flug zu vergehen, während er sorgfältig lustige oder interessante Ereignisse aus seiner Kindheit herauspickte und sie vor seinem ersten Offizier ausbreitete. Ihre Füße wirbelten schwache Staubwolken auf, während sie gingen, gleichmäßig und konstant, Seite an Seite. Er war dankbar dafür, dass das Wetter anscheinend über die letzten Wochen warm und trocken gewesen war. Also nicht beißend kalt oder unangenehm kühl. Er gestikulierte, als er sprach; manchmal wurde er durch seine Gedanken und Erinnerungen angeregt oder beschäftigt und kicherte sogar in sich hinein. Es hätte unangenehm sein können, so mit jemandem zu sprechen, der so reserviert und scheinbar unbewegt war, aber das war es nicht. Spocks gemessene Reaktionen und Nachfragen halfen ihm stattdessen, seine Gedanken und Ideen etwas besser zu organisieren und er wusste, dass er die Aufmerksamkeit des anderen hatte.

Als sie sich schließlich ihren Weg zu einem ihm sehr bekannten Gebäude gebahnt hatten, hatte Jim von verschiedenen halb-illegalen, rücksichtslosen oder einfach nur dummen Abenteuern erzählt, die meisten davon aus seinen Jugendjahren und ein paar aus seiner früheren Kindheit. Er bekam Gewissensbisse. als er sich fragte, ob er das Gespräch an sich gerissen hatte, indem er nur über sich redete. Aber da sie so gut wie beim Haus waren, konnte er nichts mehr daran ändern. Und er glaubte nicht, dass Spock in der Stimmung war, seine eigene Vergangenheit zu diskutieren.

Unbehagen legte sich wie ein Kragen um seine Schultern, als sie die hölzernen Stufen zur Veranda hinauf gingen. Das war das Haus seiner Kindheit, das einzige Zuhause, das er als Kind gekannt hatte. Egal mit wem seine Mutter sich einließ, sie hatte Überlegungen, hier wegzuziehen, immer rigoros abgelehnt. Auch wenn es dumm schien, eine Farm zu besitzen, an der niemand von ihnen interessiert war, oder so weit ab von der Zivilisation zu leben. Er bemerkte ein neues Glockenspiel an der weiß gestrichenen Tür und die Reparaturen, die jemand an der Veranda vorgenommen hatte, seit er das letzte mal auf ihr stand. Da waren auch neue Vorhänge in den Fenstern und ein paar vornehm aussehende Batistverzierungen, die er nicht kannte.

Er hob eine Hand und klopfte an die Tür, während er versuchte, seine Befangenheit zu ignorieren und, ohne es zu merken, ein paar Schritte näher zu Spock rutschte. Es ist nur Mom, sagte er sich selbst. Aber das war es, das war das Problem – ‚nur Mom' konnte zu allen möglichen Varianten von unangenehmen Ergebnissen führen.

Ein Moment verging, ohne dass eine Antwort kam. Stirnrunzelnd spähte Jim durchs Fenster neben der Tür und klopfte dann wieder. Nichts.

Mit einem Blick auf Spock hob er die Türmatte und nahm den schmutzigen goldenen Schlüssel. Keine schicken computerisierten Schlösser für sie. Seine Mutter hatte so etwas wie eine leichte Allergie gegen fortgeschrittene Technologie entwickelt, nachdem sein Vater tot war. Mit einer gewohnten Bewegung drehte er den Schlüssel im Schloss und sperrte die Tür auf, bedeutete Spock, ihm zu folgen und warf seine Tasche in eine Ecke nahe der Tür. Das Haus was dunkel und still.

"Ich vermute, sie ist ausgegangen," bemerkte er. „Stellen Sie ihre Tasche einfach irgendwo ab. Vielleicht hat sie eine Nachricht hinterlassen…", sagte er, den letzten Teil eher zu sich selbst murmelnd, als Spock behutsam sein eigenes, viel kleineres Gepäck neben Jims abstellte. Seine neugierigen Augen schweiften über das alte Farmhaus.

„Ich ging davon aus, dass die meisten irdischen Wohnsitze fortschrittlicher sind als dieser," bemerkte er.

Jim zuckte die Schultern und ging in die Küche. „Ja, meine Mutter ist ziemlich altmodisch.", erklärte er.

„Faszinierend", antwortete Spock fast abwesend, als er die Architektur des Hauses begutachtete. Jim sah sich auch um, aber aus anderen Gründen. Es standen ein paar neue Möbel im Esszimmer und ein neuer Tisch in der Küche. Jemand schien auch eine Art Werkbank im Arbeitszimmer aufgestellt zu haben. Klasse – noch ein ‚Heimwerker'. Immerhin, ein mit einem Orden ausgezeichneter Captain der Sternenflotte zu sein mochte ihm die Demütigung ersparen, ‚Sportsfreund' genannt zu werden. Er stöberte umher, suchte nach irgendwelchen Zeichen auf einem Zettel oder einer Nachricht und checkte den einsamen, hinten in einer alten Speisekammer versteckten Computer, aber nichts.

„Ach verdammt, Mom, du hast es schon wieder vergessen.", murrte er leise und kratze sich am Hinterkopf. Sie war wahrhaftig nicht begabt, wenn es darum ging, sich Dinge zu merken, vor allem nicht Zeiten oder Daten. Mit einem Seufzen fiel er in einen der Stühle am Küchentisch, lehnte sich zurück und sah Spock zu, wie dieser das Zuhause seiner Kindheit auskundschaftete. Der Halb-Vulkanier zeigte eine Zurückhaltung. die mit seiner natürlichen Neugier in Konflikt zu stehen schien.

„Gehen Sie und schauen Sie sich alles an," ermutigte er ihn, und Spock schien zum ersten Mal zu bemerken, dass er beobachtete wurde. „Niemand wird etwas dagegen haben."

Na ja, eigentlich konnte er nicht für Mr. Boyfriend sprechen, aber wenn der Kerl plötzlich auftauchte und daran Anstoß nahm, dass sein erster Offizier irgendwelche altmodischen Dinge inspizierte, dann konnte Jim einfach ebenfalls daran Anstoß nehmen. Er hatte sich in seinem Leben mit einer Menge Mist von einer Menge Leute angelegt, und wenn es eins gab, was er daraus gelernt hatte, dann wie man ihnen den ins Gesicht drückte. Manchmal mochte er den Gedanken, dass er eine natürliche Begabung dafür hatte, Leute auf die Palme zu bringen.

Obwohl ich das nie wieder bei Spock versuchen würde, dachte er als er sich an die schmerzhaften Prügel erinnerte, die er sich das letzte Mal eingehandelt hatte.

Während Spock sich seine Erlaubnis zu Herzen nahm und begann, einige der farbenfrohen Bilder im Country-Stil an den Wänden zu untersuchen, sah Jim auf die alte Küchenuhr. Sie waren ziemlich früh am Morgen gelandet und jetzt war es gerade mal kurz vor Mittag. Er hatte geplant, nur für ein paar Stunden vorbei zu kommen und dann abzuhauen, aber wenn seine Mutter es wirklich vergessen hatte und nicht nur zufällig zur falschen Zeit aus dem Haus gegangen war, konnte die durchaus bis zum Einbruch der Dunkelheit unterwegs sein. Er geriet in Versuchung, einfach eine Nachricht in der Art von ‚Tja, ich war hier, wie du wolltest!" zu schreiben und zu gehen, aber er wusste, er konnte das nicht machen. Er konnte ihr nicht bewusst so weh tun. Es wäre wieder wie an seinem dreizehnten Geburtstag, als sie das Datum vergessen hatte und er sie letztendlich angeblafft und –geschrieen hatte und allen Ernstes, ehrlich gedroht hatte wegzulaufen. Dann hatte sie geweint und geweint und war so sauer auf sich selbst , dass er sich wie der schlechteste Sohn überhaupt fühlte. Weil er wusste, dass es nicht leicht für sie war, sich an seinen Geburtstag zu erinnern – und am Grund dafür hatte keiner von ihnen Schuld.

„Ihre Mutter scheint eine Vorliebe für mit Hähnen verzierte Objekte zu haben," ließ Spock vernehmen, als er ein paar der Haushaltsgeräte und den Schnickschnack in der Küche untersuchte. Jim gluckste, rutschte etwas tiefer in seinen Stuhl und ließ den Blick schweifen.

„Eigentlich gehörte das meiste von dem Zeug meiner Großmutter," erklärte er. „Aber sie hat es auch irgendwie übernommen, glaube ich. So ziemlich alles hier ist antik."

Es war wirklich ein wenig komisch zu sehen, wie Spock seine scharfe Beobachtungsgabe auf eine kleines hölzernes Huhn mit Strohhut richtete. Wenigstens sind alle draußen, dachte Jim. Anscheinend ist der Freund, der zur Zeit hier lebt, kein kompletter Idiot. Die Idioten verstauten die Hühner normalerweise auf dem Speicher.

„Haben sie irgendeine kulturelle Bedeutsamkeit?", fragte Spock. Sein Blick streifte über die altmodische Küchenuhr und die mit pickenden Hennen verzierte Eieruhr. Jim dachte darüber nach.

„Äh, in gewisser Weise," entschied er nach einem Augenblick. Dann sah er zum Replikator hinüber, der sicher das modernste Stück Technologie im Raum war. Wahrscheinlich im ganzen Haus. Trotzdem war es immer noch ein ziemlich altes Modell, das mit denen im Raumschiff nicht mithalten konnte. „Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe Hunger und keine Ahnung, wann sie zurückkommt. Möchten Sie etwas?", fragte er und prüfte die Bedienfelder, um zu sehen, was die bejahrte Maschine anbot. „Es wird keine große Auswahl geben," warnte er.

Spock sah ihn flüchtig an. „Ich bedarf derzeit keiner Nahrung," antwortete er. Dann schien er zu zögern; es war ein fast unmerklicher, subtiler Ausdruck, und Jim verpasste ihn fast. Aber nur fast, und daher sah er den Wissenschaftsoffizier erwartungsvoll an. „… Ein Glas Wasser wäre jedoch nicht zu verschmähen," fuhr er kurz darauf fort.

„Sicher, kein Problem," stimmte Jim fröhlich zu und beschloss, auch bei Wasser zu bleiben, als er ihre Bestellungen zusammen mit einem Hähnchensandwich replizierte. Spock nahm das Glas höflich an und glitt dann in einen der nicht zusammenpassenden Stühle, während sein Blick immer noch neugierig über alles streifte.

„Waren Sie schon jemals in einem gewöhnlichen menschlichen Haus?", fragte Jim, dem der Gedanke zwischen zwei Bissen gekommen war. Spock schüttelte kurz verneinend den Kopf.

„Mir wurde zuvor die Gelegenheit nicht geboten," erklärte er. „Die verbleibende Verwandtschaft meiner Mutter ist entfernt, und ich habe sie nie getroffen."

„Sie waren nie bei Uhura zuhause?", fragte Jim und bereute es augenblicklich, als Spocks ohnehin schon subtiler Ausdruck sich zu verschließen und zu straffen schien und einen Teil der Offenheit, die zwischen ihnen entstanden war, wegsperrte. Jim machte sofort einen Schritt zurück, er wollte nicht mit einem Eisberg als Gesellschaft klarkommen müssen. „Sorry, ich weiß, das geht mich nichts an," gab er zu und hob die Hände in einer sehr menschlichen beschwichtigenden Geste. Spock schien über seinen unmittelbaren Rückzug leicht verblüfft zu sein.

„Wie uncharakteristisch für Sie, Jim," bemerkte er. „Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich Zeuge wurde, wie Sie einräumen, es gäbe Angelegenheiten, die Sie nichts angehen."

Jim fiel die Kinnlade herunter, als er Spock ansah. Er hatte keine Miene verzogen, aber Jim glaubte nicht, dass er sich den Ausdruck, der direkt hinter seinen Augen lauerte, nur einbildete. Er wurde eindeutig geneckt. „Heiliger Strohsack," sagte er mit breitem Grinsen. „Spock, ich glaube, Sie machen sich über mich lustig!"

Und das tat er wirklich, der hinterhältige Bastard! Er hatte gerade Jim auf seine verschlüsselte, sehr vulkanische Weise naseweis genannt. Aber der Wissenschaftsoffizier gönnte ihm nur einen gelassenen Ausdruck höflicher Unschuld.

„Ich fürchte, Sie befinden sich im Irrtum," sagte er gleichmütig. „Vulkanier machen sich nicht 'lustig', wie Sie es ausdrücken."

„Quatsch!"

„Ich versichere Ihnen, dem ist nicht so."

Aber du bist halb menschlich – der Gedanke lag ruhig zwischen ihnen wie ein privater Insiderwitz. Jim hätte es laut aussprechen können, um die Lücke in Spocks Argument aufzuzeigen. Aber es schien reizvoller zu sein, es dabei zu belassen, wie ein leises Flüstern: ‚Wir wissen es beide besser.' Also warf er dem anderen Mann nur einen wissenden Blick zu und wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Aufgabe zu, das Loch in seinem Magen zu füllen.

Als von seinem Sandwich nur noch ein paar Krümel übrig waren, fand Jim, sie könnten die Zeit ebenso gut damit verbringen, etwas zu tun. Also beschloss er, Spock den Rest des Hauses und des Anwesens zu zeigen. Seiner Mutter gehörte zwar offiziell ein Teil des Ackerlands, aber sie hatte immer andere dafür bezahlt, es zu bewirtschaften, so weit er zurückdenken konnte; ‚zuhause' erstreckte sich nur auf den Bereich unmittelbar ums Haus. Sein und Sams alte Zimmer wurden kaum verändert, als sie auszogen, nur saubergemacht, damit sie für Gäste geeignet waren. Der Hühnerhof hatte wieder Bewohner, und Spock beobachtete die zahmen Vögel interessiert.

Während Jim seinen ersten Offizier herumführte, unterhielt er ihn mit weiteren Geschichten und Erklärungen und beantwortete Fragen über sein altes Leben und seine Familie. Es war seltsam – wenn er früher jemanden mitgebracht hatte, nahm er sofort eine Verteidigungshaltung an, wenn er ausgefragt wurde, weil er fand, sie seien neugierig oder urteilten über ihn. Aber Spocks Interesse war zu offen wissbegierig und frei von Doppelzüngigkeit, als dass es ihn gestört hätte.

Dennoch gab es auch Grenzen für Jims Fähigkeit zu reden, und als die Stunden in Zeitlupe zu vergehen schienen, ging ihm die Luft aus. Daher war er freudig überrascht, als Spock den Faden anscheinend aufnehmen wollte.

Das Wetter war immer noch gut, daher setzten sie sich auf die Veranda und sahen zu, wie die ersten schwachen Spuren des Abendrots über den Himmel krochen. Jim sann über die Tatsache nach, dass Spock sich als überraschend angenehme Gesellschaft herausstellte.

„Meine Mutter pflegte Bilder von Schnee aufzubewahren," sagte sein erster Offizier plötzlich und riss ihn mit der unerwarteten Bemerkung aus seinen Gedanken. „Sie wurde … nicht ermutigt, in meiner Gegenwart zu viel Sentimentalität auszudrücken, aber das hielt sie nicht immer davon ab. Ich fand ihre Bilder faszinierend."

Jim sah ihn an und fragte sich, wie es gewesen sein musste, mit einer Mutter aufzuwachsen, die „nicht ermutigt" wurde, sich so zu benehmen, wie es die meisten menschlichen Mütter instinktiv taten. Sicher, er und seine eigene Mutter hatten ihre Schwierigkeiten, aber zumindest hatte sie sich mit Zuneigung nie zurückgehalten. „Sie hatte Schnee gern?", fragte er und hoffte, dass Spock mit ihm darüber reden würde.

„Ich habe sie einmal gefragt," antwortete Spock, und seine Augen waren eine Million Meilen weit weg. „Sie sagte, dass sie Schnee nicht mochte, sondern ihn eher als Behinderung ihrer normalen Aktivitäten auf der Erde betrachtete. Als ich Verwirrung zum Ausdruck brachte, sagte sie, obwohl sie Schnee nicht schätzte, wenn er da war, fand sie seine Abwesenheit auf Vulkan dennoch unbefriedigend. Es war ein äußerst menschliches Konzept."

Jim wartete mit dem nagenden Gefühl zu wissen, worauf das hinauslief. Er musste nicht allzu lange waren, bis Spock fortfuhr. „Aber ich denke, ich habe inzwischen bessere Einsicht in ihre Gemütslage erworben. Es gab vieles, was ich an meiner Heimatwelt nicht zufriedenstellend fand. Ich hatte nicht beabsichtigt zurückzukehren, sofern die Notwendigkeit es nicht erforderte. Aber nun ist diese Rückkehr nicht länger eine Möglichkeit. Ich empfinde das als … unbefriedigend."

Du hast eine Begabung für Understatement, antwortete Jim im Geiste. Er fragte sich, was genau dieses steinerne Bekenntnis verursacht hatte und war gleichzeitig seltsam erfreut, dass es ihm anvertraut wurde. Er glaubte kaum, dass ‚unbefriedigend' auch nur annähernd das Gefühl beschrieb, das Spock gleichzeitig ausdrückte und unterdrückte, aber er hatte nicht vor, ihn darauf anzusprechen.

„Ja," stimmte er zu, als sein Freund schwieg. Er wollte wenigstens etwas sagen, war aber nicht sicher, wie er Spocks Kummer erleichtern konnte. „Ich glaube, das gehört zu den beschissenen Seiten des Mensch-Seins," sagte er schließlich. Als sein Freund ihn erstaunt und fragend ansah, beschloss er, es zu erläutern. „Man kann etwas lieben und gleichzeitig hassen."

Eine Pause trat ein, als der Halbvulkanier die Worte im Geiste erwog. Dann nickte er langsam. „Es ist äußerst unlogisch," sagte er, aber in einem Ton, der eher akzeptierend als ablehnend klang.

„Ja," stimmte Jim zu.

Er nahm an, das sei das Ende der Diskussion. Daher war er angenehm überrascht, als Spock erneut zu sprechen begann und in ruhigen, neutralem Tonfall weitere Begebenheiten oder Facetten seiner Kindheit erzählte. Es war nicht der chaotische Mahlstrom von Rebellion, Aufschwung und Abwärtsspirale wie bei Jim, und er gab nicht annähernd so viel preis, aber Jim war dennoch überrascht von einigen Dingen, die er erfuhr. Der Halbvulkanier sprach vor allem über seine Mutter. Es gab keine großen Einsichten oder Bekenntnisse mehr, es waren nur … kleine Dinge. Unterschiede zwischen irdischer und vulkanischer Kultur, die einige der Verhaltensweisen erklärten, die ihn als Kind verwirrt hatten. Ihre Vorliebe für Duftkerzen und vulkanische Stoffe. Die Art, wie sie sogar seinen logischen, beeindruckenden, stets einschüchternden Vater zusammenstauchen konnte, wenn sie den Eindruck hatte, er hätte eine Grenze überschritten.

Jim wurde klar, dass Spock über diese Dinge reden musste, auch wenn er es vielleicht selbst nicht wusste. Er hätte nie behauptet, in einer ähnlichen Situation zu sein, aber er wusste einiges über Menschen und Kummer. Mit Vulkaniern und Kummer kannte er sich nicht aus, vermutete aber, das diese Hälfte angesichts von Spocks Erziehung bereits abgedeckt war. Also hörte er einfach zu, machte hier und da ein paar Bemerkungen und fand, dass er den rhythmischen Klang der Stimme seines ersten Offiziers angenehm fand, während dieser in seinen Erinnerungen gefangen war.

Als er sich schließlich aus der sanften Welle von Worten und fast unmerklichen Emotionen löste, stand die Sonne am Horizont, und Spock sah sie nachdenklich an. „Es scheint, als sei es uns heute nicht möglich, Ihre Mutter zu treffen," sagte er endlich, und Jim blinzelte ihn an.

„Warum nicht?", fragte er in ehrlicher Verwunderung. „Ich meine, sie muss zum schlafen heimkommen. Hoffe ich wenigstens," fügte er mit leichter Besorgnis hinzu. Oh, verdammt, was, wenn sie bei irgendeinem Typen übernachtete? Sie hätten den ganzen Tag mit Warten auf nichts zugebracht. Nicht dass er das bedauerte.

„Wenn ich es zu den Starfleet-Quartieren schaffen soll, bevor das Transitsystem den Betrieb einstellt, muss ich jetzt gehen," erklärte Spock.

Jim zuckte die Achseln. „Warum bleiben Sie nicht?", bot er an. „Sie können in Sams altem Zimmer schlafen. Dann können wir morgen ein wenig den Planeten erkunden."

Spock schien einen Moment zu zögern. Bevor er antworten konnte, lenkten gedämpftes Scheinwerferlicht und das leise Surren eines modernen Motors ihre Aufmerksamkeit Richtung Straße. Es wird auch Zeit, dachte Jim, während er den vertrauten ‚Schrotthaufen' seiner Mutter näherkommen sah. Er war nicht so alt wie der Wagen, den Jim als Kind zu Schrott gefahren hatte, aber weit von modernen Standards entfernt. Er und Spock standen auf, als der Motor stoppte, und Jim lächelte zur Begrüßung, als seine Mutter auf der Fahrerseite ausstieg. Sie schien allein zu sein.

Als sie die beiden sah, weiteten sich ihre Augen und ihr Gesichtsausdruck spiegelte eine Reihe unterschiedlicher Gefühle – erst Überraschung, dann leichte Verwirrung und schließlich .Schuldbewusstsein. „Oh, Jimmy!", rief sie aus, schloss die Wagentür und schlug beide Hände vor das Gesicht. „Verdammt, ich habe mir die ganze Woche gesagt, dass du am Samstag kommst, und dann vergesse ich es!"

Irgendwie konnte er ihr das nicht vorwerfen. Stattdessen kicherte er, ging die Verandatreppe hinunter und ließ sich umarmen.

„Keine Sorge," versicherte er. „Ich habe eben die Gelegenheit genutzt, Spock alles zu zeigen."

Sie nahm die Veränderungen in seinem Aussehen auf, ebenso wie er die ihren – ziemlich wenige, ehrlich gesagt -, und wandte dann ihre Aufmerksamkeit Spock zu. Sie strahlte ihn an, mit dem selben breiten Lächeln und offenen Gesichtsausdruck, der gelegentlich die weichere Seite ihres Sohnes verriet.

„Ich habe viel von Ihnen gehört, Mr. Spock," sagte sie und löste sich von Jim, um seinen ersten Offizier gründlich zu mustern. Spocks Augenbraue hob sich leicht in etwas, das Jim als Ausdruck der Überraschung erkannte. „Sie haben versucht, meinen Jimmy zu erwürgen."

Spock nahm eine angespannte Haltung an, und Jim warf seiner Mutter einen ungläubigen Blick zu - wo zum Teufel hatte sie denn das gehört? Denn er hatte ihr das ganz bestimmt nicht geschrieben. Aber bevor einer von ihnen etwas sagen konnte, ergänzte sie: „Gott weiß, dass ich Ihnen das nicht vorwerfen kann. Wenn ich gegen jeden einen Groll hegte, der ihn irgendwann umbringen wollte, käme ich nicht einmal mit mir selbst zurecht. Warum sitzt ihr beide auf der Veranda? Kommt rein, drinnen ist es viel besser," erklärte sie bestimmt, und Jim sah überrascht und fassungslos zu, wie sie seinen ersten Offizier ins Haus drängte.

Nach einem Augenblick folgte er ihnen.

"Ich entschuldige mich, falls mein Eindringen unwillkommen sein sollte," sagte Spock, als Jim die Tür hinter ihnen schloss, und seine Mutter winkte ab.

"Oh, seien Sie nicht albern. Jim bringt immer Leute mit. Offen gesagt bin ich froh, dass Sie kein aufgedonnertes Mädchen im Bikinioberteil sind," versicherte sie ihm. Spocks Augenbraue hob sich, aber als er Jim ansah, zuckte der Captain nur unverfroren die Schultern.

„Ich habe gerade versucht, ihn zu überreden, in Sams Zimmer zu übernachten," sagte er, während seine Mutter sich von Mantel und Handtasche befreite und sie beide ins Wohnzimmer zog.

"Wirklich? Oh, gut, ich habe gerade neue Bettlaken aufgezogen," sagte sie fröhlich. Dann schob sie beide auf das nächste Sofa. „So, jetzt erzählt mir alles, was ihr beide auf dem Schiff da draußen gemacht habt. Oh! Oder sollten wir zuerst essen? Es wird langsam spät, nicht?"

Seine Mutter beschloss, Essen für alle zu machen, das sie im Wohnzimmer verzehren konnten, während sie plauderten. „Spock ist Vegetarier, Mom!", rief er ihr nach. Sie winkte bestätigend, dass sie ihn gehört hatte, und er lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Anscheinend hatte sie beschlossen, glücklich zu sein, dass er bei Starfleet war, jedenfalls für den Augenblick. Er war auch erleichtert, dass derzeit offenbar kein Freund bei ihr lebte, vermutete allerdings, dass es irgendwo einen gab, angesichts der rätselhaften Werkbank und der Tatsache, dass seine Mutter nie lange Single geblieben war.

„Ihre Mutter ist sehr … ausdrucksvoll," bemerkte Spock.

„Ja, sie ist verrückt," stimmte Jim zu.

„Ich glaube, sie hat mir zu neuer Einsicht in Ihre Freundschaft mit Dr. McCoy verholfen. Sie hat eine ähnliche, wenn auch etwas weniger streitsüchtige, Charakteranlage."

Es dauerte einen Moment, bis der Inhalt von Spocks Bemerkung bei ihm ankam. Dann schoss er ihm einen ungläubigen Blick zu. „Sie denken, Bones ist wie meine Mutter?", fragte er, nachdem er mehrfach den Mund auf- und zugeklappt hatte, ohne ein Ergebnis zu produzieren. Spock streifte ihn mit einem Blick, der eindeutig besagte, dass die Antwort offensichtlich war.

„Dr. McCoy hat oft besondere Sorge über Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden zum Ausdruck gebracht, einschließlich Ihrer emotionalen Stabilität, Schlaf und gesunder Ernährung, die über die normalen Standards eines professionellen Mediziners hinausgeht. Sie erinnert an Verhaltensweisen, die nach meiner Kenntnis als üblicher menschlicher Erziehungsstil gelten. Er spricht außerdem recht laut und hat keine Hemmungen, seine Gedanken oder Gefühle auszudrücken. Ihre Mutter scheint ähnlich ausdrucksstark zu sein."

Jim sah Spock einen Moment lang an. Dann blinzelte er. Dann begann er zu lachen, und bevor er die instinktive Geste unterdrücken konnte, packte er seinen ersten Offizier bei der Schulter und schüttelte sie, um seine Belustigung auszudrücken, bevor er losließ. „Oh Mann, Bones ist wie meine Mutter. Daran habe ich noch nie gedacht! Ha, ich würde gerne sein Gesicht sehen, wenn Sie ihm das sagen," erklärte er kopfschüttelnd.

"Meine Erfahrungen mit ihm haben mich zu dem Schluss kommen lassen, dass Dr. McCoy für meine Beobachtungen nicht besonders empfänglich ist, wie logisch sie auch immer sein mögen," bemerkte Spock, und Jim glaubte erneut den winzigen, still belustigten Ausdruck in seinen Augen zu sehen.

"Darüber würde ich mir keine Sorgen machen," versicherte er ihm trotzdem. „Bones liebt Streitgespräche."

„Das wäre ein höchst unlogischer Zug. Ihre Einschätzung ist daher höchstwahrscheinlich richtig."

Jim begann wieder zu kichern. Er hatte bemerkt, dass Spock und Bones oft aneinander gerieten - der Großteil der Besatzung ebenfalls, es war etwas schwierig zu übersehen -, aber, wie er bereits vermutet hatte, steckte anscheinend keine echte Abneigung dahinter.

„Habt ihr beiden den ganzen Spaß ohne mich?", fragte seine Mutter, die mit ihrem Essen zurückkam und die Teller auf den Kaffeetisch stellte. Sie hatte anscheinend beschlossen, hinsichtlich Spocks Ernährungsvorlieben auf der sicheren Seite zu bleiben und für alle Salat zu gemacht. Jim zuckte innerlich die Achseln. Nun ja, es war ja nicht so, als sei er jemals ausgerechnet wegen des Essens nach Hause gekommen.

„Spock hat dich gerade mit unserem Chefarzt verglichen," erklärte Jim gut gelaunt, und damit blieb das Gespräch im Fluss. Sie redeten über das Leben auf der Enterprise. Auf ihre Bitte erzählten er und Spock von einigen ihrer Missionen (wobei sie in schweigendem Einverständnis einige der haarigeren Momente ausließen) und Abenteuer, und sie sprachen über ihre Schiffskameraden. Sie schien höchst amüsiert darüber, dass er beschlossen hatte, Chekov mit den schiffsweiten Durchsagen zu beauftragen, trotz seines schweren russischen Akzents.

„Es sorgt dafür, dass jeder anhält und aufmerksam zuhört," erklärte er. „Denn das muss man, sonst hat man keine Ahnung, wovon er redet." Sein persönlicher Favorit war immer noch die Ansage eines Treffens mit der U.S.S. Vivaldi in der Nähe der Venus, kurz nachdem er offiziell zum Captain ernannt worden war.

Obwohl Jim am meisten redete, fand er erneut, dass Spocks ruhige Beiträge und Zwischenbemerkungen eine sehr gute Ergänzung darstellten. Es wurde spät, seine Stimme war sehr ermüdet, aber er fühlte sich glücklicher und entspannter als er gedacht hätte. Seine Mutter hatte ihre Geschichten mit gutgelaunter Begeisterung aufgenommen und sie hatte ihn kaum einmal mit diesem Blick angesehen, der ausdrückte, dass sie Geister sah.

Schließlich begann das Gewicht des Tages aber doch auf ihm zu lasten. Er hatte die Enterprise erst am Morgen verlassen, und ungewöhnliche Müdigkeit war ein zu erwartender Nebeneffekt nach einem Tag auf der Erde, wenn man so lange im Weltraum gewesen war.

Seine Mutter sah ihn an und bemerkte es sofort. Sie scheuchte ihn in sein altes Zimmer und zeigte Spock das andere.

Als er ins Bett kletterte, sann er darüber nach, dass dies sein bester Besuch zuhause seit langem gewesen war – und er hatte die meiste Zeit damit verbracht, einfach mit Spock überall herumzuwandern. Sein müder Geist konnte nicht leugnen, dass er die Gesellschaft seines ersten Offiziers wirklich, wirklich genoss. Spock war … nun, um eines seiner eigenen Lieblingswörter zu benutzen, er war faszinierend. Jim war blitzgescheit, aber im Vergleich mit dem Intellekt des Halbvulkaniers war seiner nur Spucke im Ozean. Und doch war es nicht seine Intelligenz, die Spock zu einer so unwiderstehlichen Person machte. Oder zumindest nicht der einzige Grund. Er war nicht sicher, was der ausschlaggebende Faktor war, aber er nahm an, es hatte mit Stärke zu tun, und Schwäche, und Gegensätzlichkeit, und wie gut sie sich schlugen, wenn sie Seite an Seite waren.

Seine Gedanken verwirrten sich, als er in den Schlaf glitt, aber seine Lippen bogen sich in einem sanften Lächeln.