MY MILEY

TELL YOUR FATHER TO STOP

Disclaimer: Mir gehört nichts von Hannah Montana. Das gehört alles anderen Leuten.

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Kapitel 01 -

Ihre Atem gingen schnell und unregelmäßig. Helle Ausstöße in der kalten, harten Nachtluft. Lillys Mund fand seinen Weg von Mileys Ohrläppchen zu ihrem Hals und hinterließ dort überall kleine, zärtliche Schmetterlingsküsse. Ihre Hände wanderten über Mileys Körper und blieben an ihrem Bauch liegen, schoben sich sanft unter Mileys Shirt.

„Miley, ich brauche dich.", ihr Flüstern klang mehr wie ein Brummen, ihre Stimme rau und schwer von Gefühlen. Es jagte Miley einen Schauer über den Rücken, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Kaum zu fassen, dass sie nur ein paar Stunden zuvor einen so großen Streit gehabt hatten.

Miley war mit dem Rücken gegen die Scheune gepresst und Lilly lehnte sich gegen sie.

„Du hast mich. Ich habe so lange... darauf gewartet.", die Brünette nahm Lillys Gesicht in die Hände und brachte ihre Lippen in einem leidenschaftlichen Kuss zusammen. Sie schlang ihre Arme um Lillys Hals und lehnte den Kopf etwas zur Seite, um den Kuss zu vertiefen.

Die starke Blondine ließ ihren Cowboyhut zu Boden fallen und ihre Hände in Mileys hintere Taschen ihrer Jeans gleiten. Inzwischen war sie der Brünetten über den Kopf gewachsen, obwohl es sich nur um einige Zentimeter handelte. Sie war sehr stolz auf ihre erreichte Größe von 1,72.

„Ich liebe dich, Miley. Ich will dir zeigen, wie sehr. Dich verwöhnen wie die Göttin, die du bist.", Lillys Atem schlug heiß auf die Lippen der Brünetten, als sie ihr in die tiefen, türkisen Augen blickte und nichts fand, außer ehrlicher Liebe. Wie hatte sie das nur so lange Zeit nicht sehen können?

Langsam und zögerlich schlichen Mileys Hände von Lillys Hals zu ihrer Brust, zum Zipper ihrer braunen Lederjacke und ließ ihn hinunter gleiten. Die schlanken, weichen Hände auf ihrem Körper machten Lilly wahnsinnig. Sie wollte Miley nie so sehr in ihrem Leben, wie jetzt. Sie brauchte sie wirklich.

Lillys Lippen waren wieder auf Mileys, während sie das Stück unwichtige Kleidung von Lillys Schultern strich. Über die sehnigen Schultern und vom vielen Sport geformten Oberarme. Die Jacke landete mit einem dumpfen, leisen Aufprall auf dem Boden.

Mileys Finger zitterten, als sie versuchte die ersten Knöpfe an Lillys Hemd zu öffnen, was sich als schwieriger erwies, als erwartet. Lillys Lippen auf ihrem Hals und ihre Hände an Mileys Hüfte lenkten sie immer wieder ab und sie konnte sich kaum darauf konzentrieren, was sie da eigentlich tat. Sie machte einen kleinen Satz, als Lilly ihren Oberschenkel zwischen Mileys Beine presste.

Die Blondine gluckste nur und beugte sich ein Stück von ihrer Freundin weg.

„Brauchst ein bisschen Hilfe, Miles?", sie nahm Mileys Hände in ihre und lächelte liebevoll. Miley wurde rot und schaute zu Boden.

„Tut mir Leid. Ich bin nur... ein bisschen nervös. Ich hab noch nie... hast du schon-?", Lillys langer Zeigefinger fuhr sanft über Mileys Mund, als sie amüsiert den Kopf schüttelte. Sie war genauso nervös wie die Brünette, auch wenn sie das nie zugeben würde.

„Du brauchst nicht nervös zu sein. Ich werde dir nicht weh tun, das verspreche ich dir. Ich werde dafür sorgen, dass unser erstes Mal perfekt wird. Mach dir keine Sorgen.", die Skaterin beugte sich wieder nach vorn und führte Mileys Hände zum ersten Knopf ihres hellblauen Hemdes. „Hab keine Angst...", Mileys blaue Augen schienen zu leuchten, als sich die beiden gegenseitig musterten.

Hitze breitete sich in Mileys ganzem Körper aus, als sie dabei zusah, wie Lillys Finger ihre Hemdknöpfe auf schoben. Einen nach dem anderen. Unter dem Hemd kam ein tief ausgeschnittenes Unterhemd zum Vorschein. Immerhin war es immer noch Winter und eigentlich waren die beiden ja auch zum Eislaufen auf dem See verabredet gewesen.

Die obere Grenze von Lillys Brüsten war gut zu sehen und Miley konnte ihren Blick nicht abwenden. Sie schluckte und wurde rot. Lilly grinste verschmitzt.

„Gefällt dir, was du siehst, Stewart?"

„Das kann ich nicht behaupten, nein!", beide Mädchen fuhren zusammen und Lillys Hände froren in ihren Bewegungen ein. Nein, das konnte nicht sein. Sie hatten sich doch immer so vorsichtig angestellt. Sie hatten nie auch nur einen Fehler gemacht. Wieso gerade jetzt? „Ich wünsche eine Erklärung, sofort!"

„Mr. S, es ist nicht so, wie Sie denken!", Lillys Blick galt dem Mann, der wie ein zweiter Vater für sie war. Der sie aufgenommen hatte, in ihrer schwersten Stunde und der immer für sie da gewesen war. Jetzt eine solche Wut in seinen Augen zu sehen... es jagte ihr einen unangenehmen Schauer über den Rücken.

„Oh, wirklich. Und was denke ich, Truscott?", mit einem weiteren Schauer wurde der Blondinen bewusst, dass der hochgewachsene Mann ein Gewehr in der Hand hielt und anscheinend fest umklammerte. Es wirkte auf Lilly sehr geladen. „Verschwinde. Verschwinde und komm mir gefälligst nie wieder unter die Augen."

Die Kälte seiner Worte ließ sie einen Schritt zurück gehen, aber Miley hielt sie fest.

„Geh nicht Lilly. Ich brauche dich.", Robbie Ray machte einen drohenden Schritt nach vorne und packte seine Tochter fest am Arm. „Daddy, lass mich los! Du kannst Lilly nicht einfach raus werfen! Sie kann doch nirgendwo hin!"

„Halt dich da raus, Miley. Dieses Mädchen hat dich verdorben. Aber ich werde diese verdammte Gottlosigkeit nicht unter meinem Dach dulden!", er entsicherte sein Gewehr und zielte auf die Blondine. „Renn, Lilly. Und bete, dass ich dich auf dem Weg nicht treffe." Das ließ sich die Blondine nicht zwei Mal sagen. Sie warf Miley einen flüchtigen Blick zu.

„Es tut mir Leid, Miley. Vergiss nicht, ich liebe dich. Wir finden schon einen Weg.", Mr. Stewart hob das Gewehr etwas höher und setzte an. Lilly drückte Mileys Hand ein letztes Mal, dann rannte sie durch die Dunkelheit. Ein Schuss und die Blondine war in der Nacht verschwunden. Robbie Ray hatte ihr einen Warnschuss gegeben.

„Setz deinen Fuß nie wieder auf dieses Grundstück, hast du mich verstanden, Truscott?! Nie wieder!"

•◘○Liley•◘○

Die Sonne schien unbarmherzig auf ihren Rücken, als sie das Unkraut in ihrem Garten heraus rupfte. In diesem Moment hasste sie ihre Mutter. Sie in dieser sengenden Hitze nach draußen zum Unkraut jäten zu schicken, grenzte schon fast an Unmenschlichkeit. Nicht nur fast.

„Ouch! Das kann doch wohl nicht wahr sein! Scheiße!", Lilly steckte ihren Finger in den Mund und nuckelte daran. Diese riesige Rose im Garten ihrer Mutter hatte ihr den Finger aufgerissen und jetzt blutete sie auch noch. Na toll. Vielleicht hätte sie doch mit ihrem Vater gehen sollen, als er beschloss nach England zu ziehen und sie beide zurück zu lassen.

Lilly war Einzelkind und zu dieser Zeit wäre es für sie gar nicht in Frage gekommen, dass sie Nashville verließ. Immerhin war hier alles, was ihr lieb und teuer war. Und mehr noch, hier war ihre Liebe, auch wenn sie das niemandem erzählt hatte. Noch nicht einmal Miley.

Sie stolperte fast über den Rasenmäher und kam mehr als mürrisch in ihrem Haus an. Den Finger immer noch im Mund trottete sie missmutig zum Erste-Hilfe-Kasten im Badezimmer des ersten Stocks. Sie wusste nicht, womit sich ihre Mutter dieses Mal die Zeit vertrieb. Sie war eine gute Mutter – zumindest die meiste Zeit über.

Manchmal schien sie zwar zu vergessen, dass Lilly ihre Tochter und nicht ihre Sklavin des Haushalts war, aber damit konnte die Blondine die meiste Zeit über leben. Alles war besser, als mit ihrem Vater in England zu leben und von Miley getrennt zu sein.

Miley Stewart. Lillys beste Freundin und ihre große Liebe schon seit der dritten Klasse. Sie waren jetzt beide 16 und Lilly hatte sich immer noch nicht von ihren Gefühlen trennen können. Sieben endlose Jahre. Aber die Blondine hatte sich etwas vorgenommen. Sie wollte es Miley sagen. Und zwar bald. An ihrem eigenen siebzehnten Geburtstag.

Sie musste nur noch ganze drei Tage auf das warten, worauf sie sich all die Zeit vorbereitet hatte. Sie hoffte nur, dass alles glatt lief, sie wollte Miley nicht verlieren. Nicht, nach all dem, was sie zusammen erlebt hatten. Höhen und Tiefen, schon als Kindergartenkinder. Sie waren schon beste Freundinnen, seit sie sich erinnern konnte. Vielleicht war es Zeit, die ganze Sache auf eine neue Stufe zu heben.

„Mom? Wo bist du? Ich hab keine Lust mehr, den Garten sauber zu machen! Das kannst du meinetwegen gerne selbst erledigen!", die Skaterin steckte ihren Kopf in das Zimmer ihrer Mutter, aber die Frau war nirgends zu sehen. Das war seltsam.

Ihre Mutter hatte das Haus sicher nicht verlassen. Lilly hätte ganz genau gehört und gesehen, wenn sie sich heraus geschlichen hatte. Sie seufzte leise und schloss die Tür hinter sich, ließ sich langsam und traurig dagegen sinken. Miley war nicht Zuhause, ihr Vater hatte sie mitgenommen zur Auktion. Er hatte ihr immer noch ein Pferd versprochen. Aber sie würde sicher bald wieder da sein.

„Mom? Mom!", was trieb diese Frau wieder für Unsinn? Langsam aber sicher fing Lilly an, sich Sorgen zu machen. Sie klebte ein Pflaster mit kleinen Elefanten auf ihren verwundeten Finger und stieg dann wieder die Treppen hinunter. Ihre Mutter war nicht im Wohnzimmer und in der Küche war sie auch nicht. Die Blondine wurde unruhig.

Ihre Mutter schien wie vom Erdboden verschluckt.

Es gab nur noch einen Raum, in dem sie noch nicht gesucht hatte. Das Arbeitszimmer ihrer Mutter. Die Tür war nur angelehnt und sie seufzte leise, bevor sie sie ungehalten auf stieß. Was bildete sich diese Frau ein, sie einfach zu ignorieren? Lillys Miene verfinsterte sich. Sie würde jetzt ein ernstes Wörtchen mit dieser Dame-

Ihr Herz erstarrte.

Das Blut in ihren Adern gefror. Ihre Hände zitterten und ihre Beine fühlten sich schwach an, als sie einen unsicheren Schritt in das Zimmer machte. Sie schluckte, bevor sie unbeholfen in die Knie ging und die Hände zu beiden Seiten eines aschfahlen Gesichts ablegte.

„M-Mom? Mom? Mom?!", Lilly rüttelte verzweifelt an der Schulter ihrer Mutter, aber die Frau rührte sich nicht mehr. Sie lag auf ihrer Seite, ihre Augen geschlossen, das Gesicht in Schmerz verzogen und erstarrt. Die Lesebrille der älteren Frau lag zerbrochen bei ihrer Seite, was Lilly allerdings nicht bemerkte.

Sie rutschte näher an ihre Mutter und achtete nicht darauf, dass ihre Hand in den Scherben ruhte und sich langsam Blut in den Teppich saugte. Lillys unverletzte Hand fand ihren Weg zur Wange ihrer Mutter. Sie war eiskalt und irgendwie klamm.

Tränen sammelten sich in Lillys Augen.

„Mom... Mom komm schon, lass mich nicht hängen! Du kannst mich doch nicht... Mom! MOM!!!", die Blondine packte die Frau am Rever ihrer Bluse und schüttelte sie. Sie biss ihre Zähne aufeinander und die ersten Tränen fielen auf das Gesicht ihrer toten Mutter. „Nein... Mom! Nein!"

Sie zitterte am ganzen Körper.

Es schüttelte sie heftig, als sie ihren Kopf auf die Brust ihrer Mutter legte und dem nicht vorhandenen Herzschlag lauschte. Ihre blutige, rechte Hand schlüpfte in ihre Hosentasche. Sie klappte das Telefon auf und rief die erste Nummer an, die ihr in den Sinn kam.

„Hey Lilly! Ich hab schon den ganzen Tag darauf gewartet, dass du anrufst!", die glockenhelle Stimme ihrer besten Freundin schnitt wie ein Messer in ihr Fleisch. Die Blondine wollte antworten, sie wollte sprechen, aber sie konnte es nicht. Sie ließ das Handy zu Boden gleiten und schniefte.

„Lilly? Lilly, bist du noch dran? Ist alles in Ordnung?", die Leitung wurde für einige Sekunden still, dann erschien Mileys besorgte Stimme erneut. „Lilly, sag was! Lilly!" Aber die Blondine hatte schon ihre Augen geschlossen und ihre Hände in die Bluse ihrer Mutter gekrallt. Ihre Körper schienen die gleiche Temperatur zu haben... aber Lilly wusste, dass sie sich nur taub fühlte.

Mileys Stimme war verschwunden und die Blondine trat das Telefon mit ihrem Fuß. Dieses Handy hatte ihre Mutter ihr zum 16. Geburtstag geschenkt. Mehr Tränen fielen aus ihren Augen und sie schluchzte jetzt laut und verzweifelt. Wie konnte das nur passieren? Das durfte nicht passieren!

Nein, das konnte nicht passiert sein.

„Mom...", Lillys Finger verkrampften sich und sie stieß einen Schmerzensschrei aus, der nichts mit körperlichem Schmerz zu tun hatte. Ihre Seele brannte, ihr Herz blutete und ihr Gehirn machte hin und wieder kleine Aussetzer.

Die Skaterin hörte rasche Schritte in ihrem Haus hin und her gehen, dann ertönte eine schrille Stimme. „Lilly?! Lilly! Lilly, wo bist du?!", aber die Surferin schwieg beharrlich. Ihre Mutter konnte nicht mehr sprechen, also würde sie das auch nicht tun.

Die Tür zum Arbeitszimmer wurde mit Wucht aufgestoßen und plötzlich stand eine schwer atmende Brünette mit einem schief sitzenden Cowboyhut auf dem Kopf vor Lilly. Die Blondine blickte auf, bewegte sich aber nicht von ihrer Position über ihrer toten Mutter.

„Oh mein Gott, Lilly! Was ist passiert?!", Miley fiel neben der Blondinen auf die Knie und legte eine Hand auf ihren Rücken. Lilly zitterte unter ihren Fingern und neue Tränen stiegen in ihre Augen. Miley war hier. „Komm schon, rede mit mir..." Mileys Blick wanderte von Lilly zu ihrer Mutter und zurück zur Skaterin und etwas zerbrach in Lillys Brust.

Sie schnellte vorwärts, packte Miley um den Bauch und presste ihr Gesicht gegen ihre beste Freundin. Sie schluchzte und hielt die Brünette so nah an sich, wie menschlich nur möglich. Mileys Finger glitten zittrig durch Lillys Haar. Sie beugte sich leicht vor und hinterließ einen kleinen, unschuldigen Kuss auf Lillys Kopf, den diese trotz ihrer Taubheit mehr als deutlich spürte.

•◘○Liley•◘○

Lillys Finger zappelten in ihrem Schoß, als sie auf einem Stuhl im Leichenschauhaus saß und darauf wartete, dass ihr Vater alles regelte. Er war direkt aus London zurück gekommen, als Robbie Ray ihn angerufen hatte. Inzwischen war der Skaterin alles egal. Sie war allein und ihre Mutter würde nicht einmal ihren siebzehnten Geburtstag miterleben.

Mileys Arm lag auf ihrem Rücken und ihre Wärme schickte hin und wieder kleinere Schauer durch Lillys Körper, die sie kaum als solche erkannte. Miley war die ganze Zeit über bei ihr geblieben. Sie hatte ihren Vater angerufen, den Krankenwagen, die Polizei. Und sie hatte Lillys Hand gehalten.

Sie mitgekommen ins Leichenschauhaus und hier saßen sie, warteten auf das Ergebnis. Lilly wusste immer noch nicht, woran ihre Mutter genau gestorben war. Nur, dass sie nie wieder zurück kommen würde. Und in drei Tagen würde sie erneut schmerzlich daran erinnert.

„Miley...", es war das erste Mal seit Stunden, dass sie ein Wort heraus brachte. Es war Mileys Name. Sie sah langsam auf und traf Mileys besorgte Augen mit ihren eigenen Leeren. Die Brünette hob ihre freie Hand, strich einige Strähnen aus dem Gesicht der Skaterin und legte sie dann auf Lillys Unterarm.

Man hatte Lillys verletzte Hand von den Scherben und dem überschüssigen Blut befreit und sie in eine Bandage gewickelt.

„Ja, Lil?", ihre Finger strichen unbewusst über Lillys weiße Haut und ihr Blick enthielt so viel Liebe, dass Lilly für einen Moment vergaß, was sie überhaupt hatte sagen wollen. Ihr war nie aufgefallen, wie viel Zuneigung in diesen blauen Ozeanen schlummerte.

„Ich will dich nicht verlassen müssen. Ich will bei dir bleiben, ich will nicht gehen.", ihre Stimme war gesenkt und schwach und ihr Hals fühlte sich kratzig an, weil sie so lange nicht gesprochen hatte. Mileys Gesicht war verwirrt.

„Was meinst du damit, Lils? Du musst nicht gehen, wenn du nicht willst.", Lilly verkreuzte ihre und Mileys Finger in ihrem Schoß und sah die Brünette durchdringend an. Fast, als wollte sie Miley ohne Worte mitteilen, was sie beide im Grunde genommen wussten. Heather Truscott war tot. Tobias Truscott würde seine Tochter mit sich nach London nehmen.

Ihre Freundschaft stand so gut wie am Ende.

„Ich muss gehen. Er wird mich mitnehmen und dann... dann werden wir uns nicht mehr wiedersehen.", ganz neue, andere Tränen schossen in ihre Augen und sie wischte sich geistesabwesend über das Gesicht. Sie hatte in ihren ganzen 16 Jahren nicht so viel geweint, wie an diesem einen Nachmittag. „Ich will dich nicht verlassen, Miles."

Mileys Gesicht war undefinierbar, als sie Lillys Handrücken mit ihrem Daumen streichelte und die Blondine in eine feste Umarmung zog. Lilly vergrub ihre Nase in Mileys Nacken und zog den unvergleichlichen Duft ihrer besten Freundin in ihre Nase. Miley roch immer so gut. Nach frischem Gras, Lavendel und... Vanille.

„Wir finden schon eine Lösung. Ich lasse nicht zu, dass sie dich mir wegnehmen. Mach dir keine Sorgen. Ich bin immer für dich da.", ihre Hand glitt zurück zu Lillys Rücken und strich sanft auf und ab und Lilly erzitterte unwillkürlich. Sie hatte ihre Mutter nicht einmal nach ihrer Meinung zu ihrer Liebe gefragt. Sie würde nie wieder mit ihr sprechen können.

Ihr Vater erreichte die beiden zusammen mit Robbie Ray, der etwas zerknirscht aussah. Tobias Landon Truscott ging in die Knie und lächelte seine Tochter traurig an, die ihm nur einen flüchtigen Blick schenkte. Miley hatte sie losgelassen und saß jetzt ganz still neben ihr. Aber Lilly hätte lieber immer noch ihre Hand gehalten.

„Okay, Lil. Die Ärzte sagen, deine Mutter hatte einen Herzinfarkt. Sie war sofort tot. Du hättest nichts tun können und... mach dir keine Sorgen. Sie hatte keine Schmerzen.", er legte eine Hand auf Lillys Knie und beugte sich vor, küsste ihre Stirn. „Der Flug geht nach ihrer Beerdigung. Ich weiß, du würdest lieber hier bleiben, aber ich kann dich nicht alleine hier zurück lassen."

Lillys Hände verkrampften sich in ihrem Schoß und sie schluckte stark, bevor sie ihrem Vater direkt in die Augen sah. „Ich will nicht gehen, Daddy. Ich will nicht mit dir gehen." Es war nicht so, dass sie ihren Vater nicht liebte, denn das tat sie. Aber sie konnte nicht einfach verschwinden. Sie würde niemals glücklich in England werden.

„Aber Lilly. Du kannst nicht alleine hier bleiben. Du kannst nicht alleine in eurem Haus wohnen. Du bist viel zu jung für eine eigene Wohnung, du gehst doch noch zur Schule.", Tobias' Gesicht war fragend verzogen und er schenkte der Brünetten neben Lilly einen kleinen Blick. Er hatte immer schon etwas geahnt, Lilly wusste das. Aber er hatte es nie angesprochen.

„Ich gehe nicht nach England.", sie würde nicht kleinbei geben. Sie würde nicht nach London ziehen und den Kontakt zu ihren sämtlichen Freunden verlieren. Er konnte machen, was er wollte, sie würde nicht auf ihn hören. Instinktiv griff sie nach Mileys Hand und hielt sie ganz fest. Tobias Landon wurde wütend. Sie konnte es in seinen Augen sehen. Er hatte es nie leiden können, wenn sie sich ihm widersetzte.

Er öffnete gerade seinen Mund und erhob sich, als Robbie Ray eine beruhigende Hand auf seine Schulter legte und ihm zulächelte.

„Ich habe eine Idee.", der große Cowboy schob sich an Lillys Vater vorbei und legte seine Hand jetzt auf Lillys Schulter. Sie schickte ihm einen verwirrten Blick. „Wie wäre es, wenn Lilly bei uns wohnen würde? Unsere Ranch ist groß genug und Miley hat bestimmt nichts dagegen, ihr Zimmer mit Lilly zu teilen." Lilly starrte den Vater ihrer besten Freundin für einige Sekunden lang an, dann stand sie auf und breitete ihre Arme aus.

Sie umarmte ihn fest und vergrub ihr Gesicht in seiner Brust. Robbie Ray gluckste und klopfte ihr besänftigend auf den Rücken. „Danke, Mr. S." Ihre Stimme war etwas gedämpft, weil sie immer noch in seine Brust redete, aber sie war sich sicher, dass ihr Vater sie genau verstand.

Sie hörte ihn seufzen. „Ich kann dieses Angebot unmöglich annehmen. Ich kann nicht verantworten, dass Sie sich auch noch um Lilly kümmern müssen.", Miley erhob sich und stellte sich neben ihren Vater. Lilly machte sich sanft von ihm los und verkreuzte ihre und Mileys Finger. „Ich nehme sie mit nach England. Lilly, du wirst dich dort wohl fühlen."

„Nein, Dad, das werde ich nicht!", sie wischte sich ein letztes Mal über die Augen und ballte dann ihre Hand zur Faust. „Ich will nicht mit dir mitgehen! Du kannst ja meinetwegen zurück nach London fliegen, aber ich bleibe hier!" Mileys Finger schlossen sich beruhigend um ihren Oberarm und sie schenkte der Brünetten ein kleines, echtes Lächeln. Das erste seit Stunden. Es fühlte sich immer noch falsch an, aber es war für Miley bestimmt. Das war alles, was zählte.

Ihr Vater schnaubte einmal leise, dann drehte er sich auf dem Absatz um. „Schön. Ich lasse dich hier, aber komm nicht auf die Idee, wieder bei mit auf zu kreuzen, wenn du genug von deinem Leben hier hast.", er schlug die Tür des Leichenschauhauses hinter sich zu und ließ die drei anderen zurück. Lilly atmete auf. Sie würde mit Miley zusammen leben. Mit ihr in einem Zimmer schlafen. Jede Nacht.

Trotzdem konnte sie sich nicht wirklich darüber freuen. Sie hatte einen hohen Preis bezahlt.

•◘○Liley•◘○

Lillys Blick war auf die Decke von Mileys Zimmer geheftet. Sie hatten alle Sachen aus dem Haus der Truscotts geholt, die Lilly für ein paar Tage brauchte. Lilly konnte noch nicht in das Haus zurückkehren. Sie hatte es nicht über sich gebracht, hinein zu gehen. Miley und Mr. Stewart hatten die Dinge heraus geholt, die sie benötigte.

Und jetzt lag sie hier. In dem Zimmer, das sie schon unzählige Male betreten hatte und wartete darauf, dass ihre beste Freundin aus dem Badezimmer zu ihr zurück kam. Ob die Stewarts wohl wirklich nichts dagegen hatten, wenn sie hier dauerhaft wohnte? Ständig da zu sein, weil sie es wollte war etwas völlig anderes, als wenn sie es musste.

Das hier war jetzt ihr neues Zuhause.

„Hey, Lil. Alles okay?", Miley ließ sich neben die Blondine sinken und legte eine schlanke Hand auf Lillys Oberschenkel und strich sanft und beruhigend auf und ab. Lilly erzitterte. Mileys Finger waren warm und weich und hatten genau den richtigen Druck. Die Skaterin setzte sich auf.

„Ja, mir.. mir geht's gut. Denke ich.", sie zuckte leicht mit den Schultern und schenkte Miley einen kleinen Blick, bevor sie ihre Stirn gegen die Schulter der Brünetten legte und leise seufzte. „Danke, dass ihr mich hier wohnen lasst. Ich werd mich auch bemühen, euch nicht zur Last zu fallen." Miley kicherte leise.

„Mach dir darum mal keine Sorgen. Daddy wird sogar mit Jackson fertig, da kann er dich ganz leicht hoch nehmen. Das ist nicht das Problem.", Lilly fühlte ein paar weiche Lippen an ihrer Schläfe und sah auf in das lächelnde Gesicht von Miley Stewart. 16 Jahre alt, genau wie sie, und das schönste Wesen, was Lilly je gesehen hatte.

Ihre Mutter hätte sicher gewollt, dass sie glücklich war.

„Miles...?", sie hauchte nur. Ihre Augen huschten von Mileys Lippen zurück zu ihren großen Blauen, dann setzte sich etwas gerader hin. Ihre Gesichter waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt. Lilly fühlte den heißen Atem ihrer besten Freundin auf ihren Lippen.

Miley war die erste, die sich bewegte. Sie schloss die Lücke zwischen ihnen und Lilly blieb zum zweiten mal an diesem Tag die Luft weg. Ihre Mutter hätte gewollt, dass sie glücklich war, oder? Lillys zitternde Finger fanden ihren Weg zu Mileys Wange und sie drehte ihren Kopf leicht zur Seite.

Sie presste ihre Augen fest zusammen, als sie ihre Münder schnell gegeneinander bewegten. Lilly hatte noch nie ein solches Gefühl gehabt. Sie hatte schon Jungs geküsst, aber niemals hatte es sich so unglaublich angefühlt. Verzweifelte Versuche ihre Freundin aus ihrem System zu küssen. Aber nichts hatte je geholfen.

Sie lösten sich nach fünf Minuten voneinander, beide nach Luft schnappend. Lilly hielt die Brünette immer noch nah an sich und wagte es nicht, ihre Augen zu öffnen. Was würde sie finden? Würde Miley es ihrem Vater erzählen und ihn bitten, sie raus zu werfen? Nein, das konnte nicht sein.

„Lil...", Lilly biss sich auf ihre Unterlippe und hielt ihre Augen fest geschlossen. Ein kleiner Kuss auf ihrer Nase ließ sie sie vorsichtig einen Spalt breit öffnen. „Ich liebe dich... Ich- ich wollte es dir schon so lange sagen..." Das Herz der Skaterin schlug immer schneller, als sie in Mileys verwirrte und hoffnungsvolle Augen blickte, dann küsste sie sie erneut.

„Ich liebe dich auch. Ich habe dich immer geliebt.", sie fasste die Brünette in einer festen Umarmung und vergrub ihr Gesicht wieder in diesem weichen Nacken. Miley drückte sie fest an sich und strich durch Lillys blondes Haar. Lilly schloss ihre Augen.

Ihre Mutter würde wollen, dass sie glücklich war... richtig?