Ich bin der Meinung Edwards Hirn ist sehr kompliziert – was Midnight Sun ja teilweise auch beweist. Ich denke deshalb, dass dieser kleine Versuch in Edwards Geist zu dringen, weit entfernt von Perfektion ist. Aber ein Versuch war's Wert.

Bella und Edward sind aus Italien zurückgekehrt und Edward hat nachts genügend Zeit nachzudenken, während er über Bella wacht.

Hier sind ein paar mögliche Gedanken, nachdem Bella ihre Entschlossenheit gezeigt hat, ein Vampir zu werden und wie Edward vielleicht auf die Idee gekommen ist, sie zu heiraten.

Das Gedicht gehört einer sehr guten Freundin von mir, Tini. Sie hat es vor langer, langer Zeit für ihren jetzigen Ehemann geschrieben.


Hast du ein Herz gefunden,

das mit dir fühlt und weint,

und das in bangen Stunden,

mit Trost bei dir erscheint.

Halt dich mit ganzem Herzen,

an dieser Seele fest,

wenn dich in Not und Schmerzen,

die ganze Welt verlässt.

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Meine Entscheidung

Seit meiner Rückkehr aus Italien verbrachte ich viel Zeit mit Nachdenken.

Ob Bella überhaupt eine Ahnung hat, wie knapp ich der sicheren Vernichtung entgangen war? Wie knapp sie war, mich zu retten?

Meine Einschätzung von Menschen sagte mir Nein, aber Bella ist anders. Sie ist aufmerksam. Sie sieht Zusammenhänge, wo andere nicht mal ansatzweise welche vermuten würden. Wahrscheinlich ahnte sie, wie knapp sie war. Vielleicht wusste sie es auch.

In dem Glauben sie vor Schmerz zu bewahren, hatte ich ihr mehr Schmerz zugefügt, als jemals jemand anderes es hätte tun können. Und doch war sie ohne zu zögern mit Alice aufgebrochen – nach Italien, um mich zu retten.

Natürlich konnte Alice es sich nicht verkneifen, mir unter die Nase zu halten, dass sie von Anfang an Recht hatte. Bellas Zuneigung zu mir war stärker, als ich ihr zugestand.

~Flashback~

Ich hab's dir gleich gesagt, Edward. Aber nein, du wolltest ja nicht auf mich hören!", schelterte Alice ihren Bruder.

Ich weiß Alice. Du hast keine Ahnung wie leid es mir tut!", versuchte Edward sich zu verteidigen.

Du weißt, Edward, es wird schwer werden für dich, Bellas Vertrauen wieder zu gewinnen."

Edwards Verteidigung war zerstört. Es gab nichts, was er dem entgegensetzen konnte. Und zu allem übel, erinnerte sich Alice auch noch daran zurück, wie Bella ohne zu zögern mit Alice nach Italien aufbrechen wollte.

Ich hab dir gesagt, Edward, unterschätze Bellas Liebe zu dir nicht!"

~Ende Flashback~

Wie dumm von mir.

Habe ich Bellas Liebe wirklich unterschätzt? Zugegeben, ich hätte nicht erwartet, dass Bella so bereitwillig ihr Leben aufs Spiel setzen würde, um meines zu retten – jedenfalls nicht, nachdem was ich ihr alles angetan habe.

Nein, ich glaube nicht, dass ich Bellas Liebe zu mir wirklich unterschätzt habe, oder? Ich weiß es wirklich nicht. Aber ich weiß, dass wahrscheinlich Bella jetzt meine Liebe zu ihr unterschätzt – logischerweise.

Sie hat gesagt, sie hat mir verziehen. Aber hatte sie das wirklich? Neigen Menschen nicht dazu etwas zu sagen, und etwas anderes zu meinen? Aber nicht Bella. Bella war immer ehrlich zu mir.

Darf ich überhaupt noch von ihr verlangen, ehrlich zu mir zu sein?

In dem Augenblick, nachdem wir aus Italien zurück waren, und ich sie endlich wieder in meinen Armen hielt und sie sich nicht von mir abwandte, wusste ich, dass ein kleiner Schimmer der Hoffnung existierte. Ich könnte wieder gut machen, was ich kaputt gemacht hatte.

Ich würde geduldig sein müssen, ich würde nachsichtig sein müssen. Ich würde auf meine Handlungen und Worte achten müssen und ich würde mit der Schuld leben müssen. Aber ich war gewillt – mehr als gewillt – das alles auf mich zu nehmen, wenn ich doch nur einen kleinen Teil wieder gut machen könnte.

Doch zu allem Übel ließ Bella mir keine Zeit mit meiner eigenen Wiedergutmachung. Sie hatte ihre eigene Idee, ihre eigene Vorstellung davon, wie ich es wieder gut machen könnte.

Aber war ich dazu bereit? War ich bereit, sie zu einem seelenlosen Wesen, eingefroren in der Zeit, verdammt auf ewig auf diesem Planeten zu wandeln zu machen?

Nein, war ich nicht.

Mir gefiel die Vorstellung, eine Ewigkeit mit ihr zu verbringen. Es löste etwas in mir aus, was nur sie auslösen konnte: absolutes, vollkommenes, bedingungsloses Glück.

War es wirklich so bedingungslos? Sollte es mir dann nichts ausmachen, ob Bella nun atmen musste oder nicht, um zu existieren? Knüpfte ich meine Liebe also doch an eine Bedingung?

Bin ich wirklich so ein Monster geworden?

Zu wissen, dass ich ein lebloses Monster bin, was sich von dem Leben Anderer – wenn auch nur Tiere – nährt, ist schmerzlich. Aber ertragbar. Und Bella hat es so viel ertragbarer gemacht.

Aber bin ich so sehr ein Monster geworden, dass ich schon nicht mehr in der Lage bin, bedingungslos zu lieben?

Nein.

Ich liebe Bella. - Mehr als mich.

Über alles.

Und deshalb treffe ich eine Entscheidung. Jetzt.

Ich werde ihr ihren größten Wunsch erfüllen – auch wenn es genau das Gegenteil von meinem größten Wunsch ist.

Es hat mich natürlich von Anfang an mit Stolz und Freude erfüllt, dass sie ein Vampir werden möchte, um mit mir die Ewigkeit zu verbringen. Und zugegeben – manchmal hatte ich Angst, dass sie diese Entscheidung bereuen würde, und das nicht nur, weil sie ihre Seele aufgeben würde. Sondern auch, weil sie sich dazu verdammen würde, mich eine Ewigkeit ertragen zu müssen. Ich habe Angst, sie würde mich eines Tages verlassen.

Aber sie ist so überzeugend, dass selbst ich nicht anders kann, als ihr zu glauben, dass sie wirklich die Ewigkeit mit mir zusammen sein möchte.

Und deshalb erfülle ich ihr diesen Wunsch. Ich werde ihrer Verwandlung zustimmen.

Ich gehe sogar weiter. Ich werde ihr anbieten, die Verwandlung selbst durchzuführen. Sie hat es nie ausgesprochen. Aber zwischen den Zeilen hat sie mehr als einmal anklingen lassen, wie gern sie es hätte, dass ich derjenige bin, der ihr Leben ändert. Und wenn ich einmal anfange ihren Wunsch zu erfüllen, dann erfülle ich ihn ganz. Ich mache keine halben Sachen.

Wenn Menschen den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen, dann heiraten sie. Wenn Bella den Rest ihrer Existenz mit mir verbringen möchte, dann muss sie eine von uns werden.

Eine Heirat für Unsterbliche.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der zwei Menschen, die ihren Lebensweg gemeinsam gehen wollen, auch geheiratet haben. Ich bin erzogen worden, mich wie ein Gentleman zu verhalten, Anstand zu wahren und vor allem Moral.

Menschen, wie Mike Newton, oder Tyler sind ein Beispiel dafür, wie ein Mann nicht sein sollte. Doch sind sie auch ein Beispiel dafür, wie sich die Zeit geändert hat, da sie heute nur eine Abbildung eines normalen Durchschnittsjungen sind. Es ist ziemlich offensichtlich, dass Bella mit dieser Art von Jungen nichts anfangen kann. Ich bin froh darüber.

Ich bin froh, dass ich mich in Bellas Gegenwart so verhalten kann, wie ich es zu meinen Lebzeiten einer Frau gegenüber auch getan hätte.

Ja, ich glaube manchmal sogar, Bella bewundert mich etwas dafür. Bei diesen Gedanken durchströmt mich erneut das Gefühl von purem Glück und langsam formen sich in meinem Kopf klare Gedanken.

Bella und ich würden auf ewig ein Liebespaar sein.

Ist sie wirklich bereit dazu, mit mir die Ewigkeit zu verbringen – nicht nur den Rest ihres Lebens?

Würde sie mich heiraten? - Um mehr als nur ein Paar zu sein ... um ein Ehepaar zu sein?

Unsicherheit durchflutet mich – und mit ihr der Drang Alice nach Bellas kommender Reaktion zu fragen. Doch diesem Drang widerstehe ich. Es wäre nicht nur unfair Bellas Reaktion vorher zu kennen, es würde auch mir die Freude nehmen – egal welch Nervosität damit abfallen würde.

Ich bin froh, dass Bella eine solch große Abneigung gegen das Heiraten hat. So weiß ich wenigstens, dass sie mir nicht leichtsinnig zustimmen wird.

Auf der anderen Seite beginnen in mir auch Selbstzweifel aufzusteigen.

Ist sie nach all dem Leid, was ich ihr angefügt habe, noch immer in der Lage mich so bedingungslos zu lieben? Habe ich überhaupt das Recht um ihre Hand anzuhalten?

Wird sie meinen Wunsch verstehen - ihn teilen?

Wird sie mich beweisen lassen, das ich nicht vorhabe sie jemals wieder allein zu lassen?

Wird sie mich gewähren lassen, sie ewig an mich zu binden?
Wird sie mich gewähren lassen, mich ewig an sie zu binden?


Wow, fertig. Irgendwie hat es Spaß gemacht, mich in Edward hinein zu versetzen – auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich alle Aspekte aus dem Buch berücksichtigt habe? … mal sehen. Vielleicht mach ich das noch mal :o) Edwards Rettung in Italien könnte interessant werden, oder seine Gedanken auf Isle Esme?

Nichts desto trotz, reviewt! Wie hat euch das Stück gefallen?