AN: Diese Version versuche ich so nah wie möglich an Stephenie Meyers kurzes Extra (.com/nm_) „Rosalie's News" zu halten. Entsprechend ist der Flashback ein Auszug aus dem englischen Original. Edward denkt also mit keiner Sekunde an Selbstmord.

Zu spät

Dreißig Stunden sind vergangen, seit meinem zerstörerischen Anruf bei Bella und die Bestätigung über ihren tot.

~ Flashback ~

Bei Swan.", antwortete eine Stimme, die ich nicht kannte. Die heißere, tiefe Stimme eines Mannes. Tief, aber jung.

Ich verschenkte keine Sekunde, über die Konsequenzen meines Handelns nachzudenken.

Hier ist Dr. Carlisle Cullen.", sagte ich, die Stimme meines Vaters perfekt nachahmend. „Dürfte ich bitte mit Charlie sprechen?"

Er ist nicht hier.", antwortete die Stimme. Und ich war ein wenig über den Ärger in der Stimme erstaunt. Die Worte waren fast wie ein knurren. Aber das war mir egal.

Na gut, wo ist er dann?", forderte ich ungeduldig.

Es entstand eine kurze Pause, als würde der Fremde mir Informationen vorenthalten wollen.

Er ist auf der Beerdigung.", sagte der Junge schließlich.

Ich legte erneut auf.

~ End Flashback ~

Dreißig Stunden seit den schrecklichen Neuigkeiten über Bellas tot.

~ Flashback ~

Warum würde Rosalie mich anrufen wollen? Die eine Person, die meine Abwesenheit wahrscheinlich am meisten genießen würde.

Es musste wirklich etwas schlimmes passiert sein, wenn sie so dringend mit mir reden wollte. Da ich plötzlich sehr besorgt um meine Familie war, nahm ich das Gespräch an.

Was?", fragte ich gespannt.

Oh, wow. Edward hat das Gespräch angenommen. Ich fühle mich ja so geehrt."

Sowie ich ihren Tonfall hörte, wusste ich, dass es meiner Familie gut ging. Wahrscheinlich war ihr langweilig. Aber ohne ihre Gedanken, war es sehr schwer ihre Intentionen zu erraten. Rosalie hatte für mich noch nie sehr viel Sinn gemacht. Ihren Handlungen lag oft eine sehr verworrene Logik zu Grunde.

Ich lag auf.

Lasst mich in Ruhe.", flüsterte ich zu niemand bestimmten.

Natürlich vibrierte mein Handy erneut.

Würde sie versuchen mich anzurufen, bis sie – was auch immer für eine Nachricht sie mir überbringen wollte – mich erreicht hatte und nerven konnte? Wahrscheinlich. Und es würde Monate dauern, ehe sie dieses Spiel satt hatte. Ich spielte mit der Idee sie für das nächste halbe Jahr mit ihrer Wahlwiederholungstaste zu beschäftigen … und dann seufzte ich und nahm das Gespräch doch an.

Sag, was du zu sagen hast."

Rosalie sprang über ihre eigenen Worte, „Ich dachte du würdest gerne wissen wollen, dass Alice in Forks ist."

Ich schlug meine Augen auf und starrte auf die alten, verrotteten Holzbretter ein paar Zentimeter vor meinem Gesicht.

Was?", fragte ich mit einer eintönigen, emotionslosen Stimme.

Du weißt, wie Alice ist – denkt, sie weiß alles. Wie du.", lachte Rosalie humorlos. Ihre Stimme hatte einen nervösen Unterton, als wäre sie plötzlich sehr unsicher in dem, was sie tat.

Aber mein eigener Ärger machte es mir sehr schwer auf Rosalies Gefühle zu achten.

Alice hatte mir geschworen, dass sie nichts unternahm, was Bella anging, auch wenn sie meine Entscheidung nicht für gut hieß. Sie hatte mir versprochen, dass sie Bella allein lässt... so lange wie ich es tat. Natürlich erwartete sie, dass ich mich irgendwann meinem Schmerz fügen würde. Vielleicht hatte sie recht.

Aber noch hatte ich mich nicht gefügt. Noch nicht. Was suchte sie also in Forks? Ich hätte sie erwürgen können! Nicht, dass Jasper mich so nahe an sie ran lassen würde, wenn er erstmal meine Gefühlslage wusste …

Bist du noch dran, Edward?"

Ich antwortete nicht. Mit meinen Fingerspitzen kniff ich mir an meine Nasenspitze und fragte mich, ob Vampire Kopfschmerzen kriegen können.

Auf der anderen Seite, wenn Alice inzwischen zurück war …

Nein. Nein. Nein. Nein.

Ich hatte ein Versprechen abgegeben. Bella verdiente ein normales Leben. Ich hatte ein Versprechen abgegeben. Bella verdiente ein normales Leben.

Ich wiederholte diese Worte wie ein Mantra, um die verführerischen Bilder von Bellas Fensterbrett aus meinem Kopf zu kriegen. Die Türschwelle zu meinem einzigen Zufluchtsort – meinem Asyl.

Natürlich müsste ich auf Knien angekrochen kommen, wenn ich zurückkehren würde. Das machte mir nichts aus. Ich würde das nächste Jahrzehnt glücklich auf Knien verbringen, wenn ich es mit ihr verbringen dürfte.

Nein, nein, nein.

Edward? Fragst du dich denn nicht, warum Alice dort ist?"

Nicht wirklich."

Rosalies Stimme wurde etwas selbstzufrieden. Sicherlich war sie zufrieden mit sich selbst, dass sie eine Reaktion aus mir heraus pressen konnte. „Natürlich bricht sie genau genommen nicht die Regeln. Ich meine, du wolltest nur, dass wir von Bella fern bleiben, richtig? Der Rest von Forks ist dir egal."

Ich blinzelte langsam. Bella war weggegangen? Meine Gedanken kreisten um diese unerwartete Wendung. Sie war mit der Schule noch nicht fertig, also muss sie zu ihrer Mutter zurück gekehrt sein. Das war gut. Sie würde im Sonnenschein leben. Es war gut, dass sie die dunklen Schatten hinter sich gelassen hatte.

Ich versuchte zu schlucken – und konnte nicht.

Rosalie lachte nervös, „Du siehst, du musst nicht sauer auf Alice sein."

Dann warum, Rosalie, hast du mich angerufen, wenn nicht, um Alice in Schwierigkeiten zu bringen? Warum nervst du mich? Argh!"

Warte!", sagte sie, ahnend, dass ich dabei war, wieder aufzulegen. „Das ist nicht der Grund, warum ich angerufen habe."

Dann, warum? Verrate es mir schnell, und lasse mich dann in Ruhe!"

Na ja.", begann sie zögerlich.

Brings hinter dir, Rosalie. Du hast zehn Sekunden."

Ich denke du solltest nach Hause kommen.", sagte sie in Eile. „Ich bin es Leid Esme leiden zu sehen und Carlisle nicht mehr lachen zu sehen. Du solltest dich schämen für das, was du ihnen angetan hast. Emmett vermisst dich die ganze Zeit und geht mir damit auf die Nerven. Du hast eine Familie. Werde erwachsen und denke mal an diese, statt nur an dich selbst."

Interessanter Ratschlag, Rosalie. Lass mich dir eine kurze Geschichte über einen Esel und ein Langohr erzählen..."

„Ich denke an sie, im Gegensatz zu dir. Interessiert es dich denn gar nicht, wie sehr du Esme verletzt hast, wenn schon kein anderer dich interessiert? Sie liebt dich mehr, als der Rest von uns und das weißt du. Komm nach Hause."

Ich antwortete nicht.

Ich dachte, wenn diese ganze Geschichte mit Forks vorbei ist, würdest du darüber hinweg kommen."

Forks war nie das Problem, Rosalie.", sagte ich in einem Versuch geduldig zu sein. Was sie über Esme und Carlisle gesagt hatte, hatte direkt ins Schwarze getroffen. „Nur weil Bella" - es war schwer ihren Namen laut auszusprechen - „nach Florida gegangen ist, heißt das nicht, dass ich in der Lage bin... Pass auf, Rosalie. Es tut mir wirklich sehr leid, aber vertrau mir, es würde niemanden glücklicher machen, wenn ich zu Hause wäre."

Ähm."

Da war es wieder. Dieses nervöse Zögern.

Was ist es, was du mir nicht sagst, Rosalie? Ist Esme in Ordnung? Ist Carlisle...?"

Ihnen geht es gut. Es ist nur... na ja, ich sagte nicht, das Bella weggegangen ist."

Ich konnte nicht sprechen. Sie sagte: „...du wolltest nur, dass wir von Bella fern bleiben, richtig? Der Rest von Forks ist dir egal." Und dann: „Ich dachte, wenn diese ganze Geschichte mit Forks vorbei ist..." Also war Bella nicht in Forks. Was meinte sie damit, dass Bella nicht weggegangen ist?

Dann begann Rosalie wieder ihre eigenen Worte zu überschlagen, und klang fast schon verärgert.

Sie wollten es dir nicht erzählen, aber ich denke, das ist dumm. Je schneller du darüber weg kommst, desto schneller werden die Dinge wieder so, wie sie früher waren. Warum sollten wir dich in den dunklen Ecken der Welt Trübsal blasen lassen, wenn es keinen Grund mehr gibt? Du kannst wieder nach Hause kommen. Wir können wieder eine Familie sein. Es ist vorbei."

Meine Gedanken schienen zu einem Halt zu kommen. Ich konnte aus ihren Worten keinen Sinn entnehmen. Es schien, als wäre da etwas sehr, sehr offensichtliches, was sie mir sagte, und ich hatte keine Ahnung was es war.

Mein Hirn spielte mit den Informationen, zog seltsame Querverbindungen. Unsinn.

Edward?"

Ich verstehe nicht, was du mir sagen willst, Rosalie."

Eine lange Pause. Die Länge ein paar menschlicher Herzschläge.

Sie ist tot, Edward."

Eine noch längere Pause.

~ End flashback ~

Was habe ich getan? Ich wollte sie schützen, ihr ein normales Leben ermöglichen.

Stattdessen habe ich sie umgebracht. Ich bin ihr Mörder!

Wie konnte ich auch nur eine Sekunde daran verschwenden, zu denken, Bella würde ohne mich überleben? Sie wäre schon viel früher von Crowley's Auto getötet worden. Damals hatte ich sie gerettet. Nur um sie dann in noch viel größere Gefahr zu bringen. Eine Gefahr, die von Wesen ausging, die wie ich waren: Vampire. James.

James hatte mich gelehrt, dass es mir unmöglich sein würde, Bella allein zu lassen. Sie hätte ihn auch ohne mich treffen können. Und wenn ich nicht gewesen wäre, dann hätte sie keine Chance gehabt. Und dennoch war ich es, der sie überhaupt erst in die Situation gebracht hatte.

James konnte ich bekämpfen. Aber Jasper? Meinen eigenen Bruder? Ich erkannte, wie egoistisch ich war. Ich hätte mich sofort für Bella entschieden. Aber den Schmerz und das Leid, was ich damit Alice zugefügt hätte, hätte ich mir nie verzeihen können.

Alice. Alice hatte recht behalten – wieder einmal. Sie hatte mir prophezeit, dass es nichts bringen würde, wenn ich mich von Bella fern halte. Dennoch musste ich es probieren.

Jetzt habe ich meine Lektion gelernt.

Zu spät.

Bella war tot.

Und es war meine Schuld.

War es nicht eine Ironie des Schicksals, dass ich bereits in Spanien war? Dass es mich weniger als ein paar Stunden kostete, um nach Volterra zu gelangen?

Als Rosalie mir die schrecklichen Neuigkeiten mitteilte, dachte ich erst, es wäre ein Scherz gewesen. Oder ein weiterer verzweifelter Versuch von ihr, mich dazu zu bewegen, wieder zurück zu kehren. Nie hätte ich geglaubt, dass meine Bella tatsächlich vom Tod geholt worden wäre.

Warum?

Warum war sie gestorben?

Weil ich sie nicht beschützt hatte.

Ich wusste nicht mal wie sie gestorben war.

Wer war ich, allein zu entscheiden, wie wir mit den Geschehnissen zu ihrem Geburtstag umgehen? Ich war ein Narr.

Und jetzt würde ich für meinen Fehler bezahlen.

Ohne Bella gab es für mich keinen Grund mehr weiter zu existieren. Ihre Abwesenheit in den letzten Monaten hing wie ein dunkler Schatten über meine Seele. Nur die Aussicht darauf, sie wiederzusehen, brachte mich durch den Tag – durch die Stunden.

Und die Abwesenheit dieser Aussicht brachte mich schließlich nach Volterra zu den Volturi.

Natürlich wollten sie mich nicht vernichten. Ich war ein weiteres mal ein Narr zu denken, dass sie mich einfach so gehen lassen würden. Ich hatte ein Talent und war der Sohn eines guten Freundes der Volturi.

Und hier stand ich nun – am Rande meiner Vernichtung. In wenigen Sekunden würde ich in die Sonne treten. Und wenn die Volturi nicht wollten, dass ich unsere Existenz den Menschen zeige, dann müssten sie mich vernichten.

Ich hatte versagt.