Warnung: Slash ohne Happy End

Disclaimer: Die Transformers gehören nicht mir und ich verdiene kein Geld hiermit.


Cold Flame

"Wenn ich dich nur betrachte, erscheint mir deine Schönheit wie die eines Nachtschmetterlings. Meine Geliebte, du bist das Licht, und ich der Falter deiner Liebe."

Sultan Süleyman I. (1494 - 1566) an seine Frau Roxelana

--*--

Dieser Planet faszinierte ihn.

Das hatte er schon getan, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte, damals, vor so vielen Jahrmillionen. Alles war so... wandelbar, so in ständiger Veränderung begriffen. Wie war es möglich, daß eine Landschaft, die sich bei Tag auf über 45° C aufheizen konnte, bei Nacht, nur ein paar Stunden später, im Griff beißenden Frostes zitterte? Es faszinierte ihn.

Behutsam setzte Skyfire auf dem Boden auf und wechselte in seine natürliche Form. Ein abnehmender Halbmond stand am Himmel, so daß man nur wenig sehen konnte. Noch vor einigen Sekunden hatten seine Scanner ihm gesagt, daß er nicht allein war, aber auf die konnte er sich nun nicht länger verlassen. Keine Scanner, kein Radar, kein Funk. Keine Fragen. So war die Regel.

Er schaltete auf Infrarot-Sicht und wartet.

„Du bist zu spät", sagte eine kalte Stimme hinter ihm.

Skyfire hatte mit einer derartigen Begrüßung gerechnet. Ohne Eile wandte er sich um.

„Ich kann nicht immer stundenlang warten", sagte Starscream ärgerlich. Seine blutroten Augen glommen fast drohend in der Dunkelheit. „Im Gegensatz zu dir wird man mich irgendwann vermissen."

„Es ging nicht früher", erwiderte Skyfire ruhig. „Ich mußte..."

„Ja, ja, ja", schnaufte Starscream. „Spar's dir."

Eine Weile standen sie reglos und starrten einander an, zwei glühende Augenpaare in der Dunkelheit. Schließlich verschränkte Starscream herausfordernd die Arme vor der Brust.

"Also, was ist jetzt? Fliegen wir, oder bleiben wir den Rest der Nacht so stehen?"

"Ich warte nur auf dich", sagte Skyfire gelassen.

Er bekam etwas zur Antwort, das einem wütenden Zischen ähnelte, und mußte unwillkürlich an jene einheimischen Reptilien denken, die solche Laute als Warnsignal benutzten.

Ein sanftes Vibrieren ging durch den Untergrund, als Starscream seine Turbinen zündete. Skyfire wußte um die Kraft, die in diesem grazilen Körper schlummerte; eine Kraft, die die Gravitation der Erde mühelos überwinden würde.

Zwei schnelle Schritte, ein kraftvoller Sprung, und im nächsten Augenblick war Starscream schon gute hundert Meter über dem Boden, ohne sich auch nur einmal umzusehen. Ein winziges Lächeln war auf Skyfires Lippen, als er in seine Schuttle-Form zurückkehrte und dem Seeker etwas langsamer folgte.

Starscream schlug Haken und zog Schleifen, dann wechselte er in seine Jet-Form und schraubte sich in engen Spiralen in den Nachthimmel empor. Skyfire brachte seine Flugbahn in Harmonie mit der seines Begleiters, immer ein wenig hinter ihm und doch immer in perfektem Gleichklang.

Es war ein vertrautes Ritual; ein uraltes und doch unberechenbares Spiel. Ohne Scanner und Radar hatte Skyfire keine Möglichkeit, vorherzusehen, welches Manöver Starscream als nächstes vollführen würde. Alles, worauf er sich verlassen konnte, waren Erfahrung und Instinkt, und es erstaunte ihn immer aufs Neue, wie gut das funktionierte.

Vielleicht war es aber auch die schlichte Schönheit des Anblicks, von der er sich leiten ließ. Starscream flog mit einer instinktiven Anmut, mit einer selbstvergessenen Leichtigkeit, die Skyfire noch bei keinem anderen Flieger gesehen hatte. Mondlicht umspielte die Silhouette des Jets vor ihm, so daß es mit jeder Bewegung aussah, als blitze eine silberne Flamme aus der Dunkelheit empor. Der Anblick stimmte Skyfire seltsam melancholisch, und mit einem Mal überkam ihn eine tiefe Sehnsucht, er konnte nicht sagen, wonach.

Plötzlich machte Starscream mitten im Flug abrupt kehrt, warf seine Nachbrenner an und schoß mit kreischenden Turbinen senkrecht in den Himmel empor.

Das Geräusch riß Skyfire aus seinen schwermütigen Gedanken. Was sollte denn dieser Unsinn nun wieder bedeuten? So schnell er konnte wechselte er die Richtung und nahm die Verfolgung auf.

Starscream hatte offenbar beschlossen, seinen Höhenrekord zu brechen. Die Neugier wurde zu groß, Skyfire beschloß, die Regel zu ignorieren und öffnete einen Funkkanal.

'Starscream, was tust du da? Was soll das?'

Statt einer Antwort bekam er einen neckischen Schubs mit einer Flügelspitze, als sein Begleiter leicht zu ihm herüberschwenkte, als wolle er sagen: Fang mich, wenn du kannst! Im nächsten Moment schnellte er über ihn hinweg in die Dunkelheit hinein.

Skyfire vergaß alle Vorsicht und alle Bedenken. Ohne Zögern griff er das Spiel auf und jagte Starscream nach, der silbernen Flamme hinterher.

Die Erde war längst unter ihnen verschwunden, als der Seeker unvermittelt nach links abdrehte und sich wieder in die Horizontale brachte. Skyfire folgte dem Richtungswechsel etwas weniger abrupt, während Starscream die Geschwindigkeit drosselte und dann wieder in seine natürliche Form zurückkehrte. Skyfire tat es ihm gleich.

Erst jetzt fiel ihm auf, wie kalt es geworden war. Sein Temperaturregler zeigte mehrere Grad unter Null. Wie hoch mochten sie sein? Die Sterne waren so nahe...

"Einhundert Kilometer über dem Meeresspiegel", sagte Starscream, als hätte er seine Gedanken gelesen. "Kármán-Linie. Die Grenze zum Weltraum."

Skyfire grinste. Starscream mochte sich noch solche Mühe geben, den Wissenschaftler in sich konnte er nicht verleugnen. Der Seeker hatte sie in eine Erdumlaufbahn gebracht, in der die von ihren Turbinen erzeugten Fliehkräfte sie in der Schwerelosigkeit hielten. Sie schwebten buchstäblich zwischen den Welten.

Starscream rollte sich herum und streckte sich so bequem aus, als liege er in seiner Koje auf der Nemesis, und nicht in 100 km Höhe im Nichts. Das Mondlicht, das hier so viel heller war, funkelte und glitzerte auf seinem Körper bei der Bewegung, und Skyfire konnte nicht anders, als ihn fasziniert anzustarren. Starscream hatte es immer schon verstanden, sich in Szene zu setzen.

Bis auf das gleichmäßige Brummen ihrer Turbinen herrschte vollkommene Stille hier oben. Über dem nördlichen Pol des Planeten hatte sich ein Sonnensturm in der Ionosphäre verfangen und erzeugte das flimmernde, vielfarbige Lichtspiel, das die Menschen Nordlicht nannten. Skyfire betrachtete das Geschehen versunken und bemerkte, daß auch Starscream den Kopf in die entsprechende Richtung gewandt hatte. So war es früher oft gewesen, wenn sie gemeinsam die atmosphärischen Vorgänge irgendeines noch unerforschten Planeten beobachtet hatten, und für einen Augenblick spürte Skyfire die Kälte nicht mehr. Für einen Augenblick war es warm und weich und vertraut zwischen ihnen.

„Warum tust du das?" fragte er leise. Starscream wandte sich ihm zu.

„Was?"

„Dich mit mir treffen", sagte Skyfire. „Immer wieder. Warum tust du es?"

Der Seeker stieß ein kleines, spöttisches Lachen aus.

„Bilde dir bloß nichts ein. Ich vertreibe mir nur die Zeit. Es gibt nichts Langweiligeres, als am Grund eines Ozeans festzusitzen und sich Megatrons Kriegshetzerreden anzuhören."

„Du lügst", sagte Skyfire sanft.

Starscream bewegte sich so schnell, daß er nicht die geringste Möglichkeit hatte, zu reagieren. Im nächsten Moment war der Seeker unmittelbar vor ihm, und die Mündung eines Nullstrahlengewehrs preßte sich gegen seinen Hals.

„Sei vorsichtig, 'Freund'", zischte Starscream gefährlich. „Du weißt, daß ich keinerlei Hemmungen habe, auf dich zu schießen."

Oh ja, das wußte Skyfire sehr gut. Er hatte es erlebt. Er hatte aber auch erlebt, daß Starscream sich nicht mit langen Reden aufhielt, wenn er tatsächlich schießen wollte. Vielleicht war es das, was ihn zu seiner nächsten Handlung veranlaßte.

Langsam und bedächtig griff er nach Starscreams Hand, die nun so nahe vor seinem Gesicht war. Sie war so klein in seiner, und das ließ ihn noch behutsamer vorgehen, als er die zur Faust geballten Finger sanft aufbog und dann einen zarten Kuß auf die Handinnenfläche hauchte.

Vollkommene Stille. Vollkommener Stillstand. Keiner von beiden rührte sich. Starscream wandte den Blick nicht vom Gesicht seines Begleiters. Skyfire spürte, wie sein Spark einen kleinen Sprung tat.

Dann verzog sich Starscreams Mund zum höhnischsten, verächtlichsten Lächeln, das Skyfire sich vorstellen konnte.

„Du bist ein Narr", sagte er kalt. „Ein noch größerer, als ich dachte."

Und damit riß er sich los, und bevor Skyfire etwas sagen konnte, hatte er den Orbit verlassen und sich mit dröhnenden Nachbrennern in die Tiefe gestürzt.

Skyfire sah ihm nach, wie die gleißende, silberne Flamme rasch kleiner wurde und schließlich in der Dunkelheit verschwand.

Ihm wurde wieder kalt.

Man würde ihn bald vermissen. Er würde zurückkehren auf diesen Planeten der ständigen Veränderung, auf dem alles anders und unbekannt war, und wie jedesmal würde er so tun, als sei nichts geschehen.

Aber noch war es früh in der Nacht, und so erlaubte er es sich, noch eine Weile hier oben im kalten Nichts zu schweben und wehmütig an das Licht der silbernen Flamme zu denken.