Der Mann mit dem Messer

„How does it feel

To treat me like you do

When you've laid your hands upon me

And told me who you are"

(Blue Monday von New Order)

Es ist nicht so, dass ich herzlos bin. Ich hatte nun einmal einen Befehl, und wenn der lautete, ein Messer in den Arm des Feindes zu treiben, tja, dann wusste ich, was zu tun war.

Natürlich empfand ich Mitgefühl, ja fast schon Mitleid mit dem Mann, der dort völlig verängstigt neben meinem Kommandanten Kolya stand, erst recht, als er voller Entsetzen mich – oder, um genau zu sein – mein Messer anstarrte.

Aber diese Leute waren unsere Feinde. Sie würden nicht einen Moment zögern, uns den Wraith auszuliefern, wenn sie sich einen Vorteil davon versprachen. Das versicherte uns Cowen. Ob unser Volk leben würde oder untergehen würde, war ihnen egal. Sie hatten vorgetäuscht, sich mit uns zu verbünden und uns dann auf hinterhältigste Art und Weise bestohlen. Und dieser Mann, der jetzt mit Schweißtropfen auf der Stirn vor mir stand, war einer von ihnen.

Ich muss gestehen, dass ich mir die Atlanteaner anders vorgestellt hatte. Abgebrühter. Härter. Wilder. Doch dieser Mann vor mir wirkte, als würde er jeden Moment anfangen zu weinen und auf die Knie zu fallen, um um Gnade zu betteln. Ich setzte meinen bösartigsten Blick auf, in der Hoffnung, ihn derart zu verängstigen, dass er reden würde, ohne dass ich ihn verletzen müsste.

Zwei meiner Kameraden packten ihn und hielten ihn fest im Griff. Kolya trat ein, zwei Schritte zurück und sah dem Mann direkt ins Gesicht: „Und, McKay, ich höre?"

Er schaute abwechselnd zu Kolya, zu mir und zu meinem Messer, dann schüttelte er den Kopf und brüllte mit der Kraft der Verzweiflung: „Ich habe Ihnen bereits alles gesagt. Es gibt keine Pläne, die Stadt zu retten. Wir... wir sind gerade im Aufbruch begriffen. Bitte, bitte, bitte glauben Sie mir."

Ich sah zu meinem Kommandanten herüber, der fast unmerklich in meine Richtung nickte. Zeit, meine Arbeit zu beginnen. Ich nahm das rechte Handgelenk des Atlanteaners mit meiner linken Hand und spürte, wie nervös der Mann war. Das konnte ich ihm nicht verübeln.

Ich bin kein Sadist. Es macht mir keine Freude, anderen Schmerzen zuzufügen. Ich kenne Männer in meiner Position, die sich am Unglück anderer weiden, es genießen, es in die Länge ziehen. Ich nicht. Ich bin schnell und effizient. Darum stieß ich das Messer mit aller Kraft in seinen Unterarm. Entgeistert fixierte der Mann vor mir das Messer, das in seinem Arm steckte. Ich drehte es einmal in der Wunde, er schrie laut auf und ich zog das Messer schnell wieder heraus. Er sollte keine Möglichkeit haben, sich an den Schmerz zu gewöhnen, er sollte nicht begreifen, dass der Schmerz auszuhalten war.

Der Mann aus Atlantis winselte und wimmerte, was ich kaum ertragen konnte. Es liegt nicht in meiner Natur, jemandem Qualen zu bereiten. Generell begriff ich die Notwendigkeit dafür – er war schließlich ein Feind meines Volkes und rechtfertigt das nicht alles? – aber in Momenten wie diesen, in denen Angst und Pein und Verzweiflung offen hervortraten, begann ich, mich zu fragen, ob nicht ein unbefangener Beobachter denken müsste, dass ich – und nicht dieser Mann – Unrecht getan hatte.

Meine Kameraden ließen ihn los und instinktiv griff er mit seiner linken Hand nach seiner Wunde, obwohl sein ganzer rechter Arm bei der kleinsten Berührung schmerzen musste. Er hob den Kopf und sein Blick sprach Bände.

Ich nahm ein Tuch und wischte mein Messer sauber. Ich würde es heute nicht mehr benötigen.