Am nächsten Morgen wurde sie durch lautes Stimmengewirr geweckt. Sie schaute sich um und suchte nach Kaddy. Bald entdeckte sie sie bei dem Kerl, der auch gestern mit ihr geritten war, doch das beruhigte sie keineswegs. Sie sprang auf, was sich mit ihren gefesselten Händen als etwas schwierig erwies, ihr aber dann doch gelang, und ging zu Peppers hinüber, der gerade seine Satteltaschen packte. "Ich muss mit dir reden." Peppers bedeutet ihr mit einem Kopfnicken, dass sie sprechen sollte. "Ihr müsst Kaddy in Ruhe lassen. Sie ist doch noch ein Kind. Lasst mich mit ihr auf unserem Pferd reiten. Ich bin doch gefesselt und kann so nicht fliehen." Peppers drehte sich langsam um. "Glaubst du ehrlich, dass ich das tun würde? Du würdest fliehen, Fesseln hin oder her. Es bleibt so wies es jetzt ist. Basta!" Paula war wütend. Sie konnte einfach nicht gut genug lügen. Etwas, was sie zuhause so gut wie nie gebraucht hatte. Resignierend ging sie zu Kaddy und ihrem Aufpasser. "Guten Morgen, Süße." Begrüßte sie das kleine Mädchen. "Guten Morgen." sagte die Kleine ängstlich und schaute zu dem Kerl hoch, der hinter ihr stand. 'Soweit ist es also schon gekommen, nur von dem kurzen Ritt gestern. Sie hat schon Angst ob sie das richtige sagt. Wir müssen fliehen. Irgendwie' dachte Paula bei sich. Laut sagte sie:" Und Kleine, hast du gut geschlafen?" "Ja hab ich." "Okay dann ist ja gut. Ich denke wir werden jetzt weiterreiten, ich geh dann mal zurück zu Peppers." Sie lächelte Kaddy so optimistisch an, wie sie nur konnte und ging dann hinüber, wo Peppers bereits reisefertig auf seinem Pferd saß und nur noch auf sie wartete "Peppers, ich bin gefesselt, so komm ich nicht auf das Pferd" sagte sie. Er stieg herunter und hob sie grob auf das Pferd, dann stieg er hinter ihr auf. Paula hatte das dringende Bedürfnis, sich so weit wie möglich von ihm zu entfernen, aber auf dem Pferderücken war das leider nicht möglich. Als sie losgeritten waren, versuchte sie noch einmal Peppers davon zu überzeugen, nicht zu hart mit Kaddy zu sein. "Das was du willst ist doch eigentlich mein Körper. Wenn ich dir den also ohne Widerstand anbiete, wirst du Kadlynn dann in Ruhe lassen? Du brauchst sie doch nicht. Bitte." Peppers antwortete nur lachend:" Natürlich brauche ich sie, um etwas gegen dich in der Hand zu haben Süße. Außerdem, wenn du nicht mitmachst, macht das ganze ja nur halb soviel Spaß." Das einzige, was Paula dazu einfiel, war: "Du bist ein ekeliges, perverses Schwein." "Ich denke du solltest dich mit solchen Aussagen lieber zurückhalten, doch willst doch nicht, dass deiner kleinen Freundin was passiert.", sagte Peppers, nun mit einem drohenden Unterton. "Nein, dass will ich nicht." Paula gab äußerlich klein bei aber in ihrem Inneren kochte sie vor Zorn. Was erlaubte sich dieser gemeine Bastard eigentlich? Sie musste eine Lösung finden, von ihm wegzukommen, sonst würde Kaddy nur noch mehr leiden müssen. Der Rest des Vormittags verlief relativ ereignislos. Gegen Mittag machte sie an einem kleine Wasser halt, um die Pferde zu tränken und selbst zu trinken. Sie und Kaddy bekamen auch ein paar Schlucke Wasser und dann ging es weiter. Kurze Zeit danach, sahen sie in der Ferne drei kleine schwarze Punkte, die langsam näher kamen, schon bald die Größe von Hunden annahmen und schließlich als drei Reiter zu erkennen waren. Soweit Paula das beurteilen konnte, waren es zwei Indianer und ein Weißer, was sie aus der Haarfarbe der Reiter geschlossen hatte. Sie konnte den Keim der Hoffnung nicht ersticken, der in ihr wuchs. Zwei der Pferde waren schwarz, und zwar das des Weißen und das eines Indianers. Winnetou und Old Shatterhand, schoss es ihr durch den Kopf doch sie verbot sich den Gedanken sofort wieder. Es wäre zu schön um wahr zu sein. Außerdem war es völlig unmöglich. Die beiden Blutsbrüder waren fiktive Charaktere aus einem Buch, sie konnten nicht plötzlich irgendwo aufzutauchen., kaum dass sie in Gefahr geraten war. Die Reiter kamen näher und jetzt nahmen die Männer ihre Büchsen zu Hand. Auch unsere Aufpasser griffen nach den Waffen. Peppers rief, als die Reiter bis auf Rufweite herangekommen waren, zu:" Kommt ihr in Frieden?" "Ja, Gentelmen, steckt eure Büchsen ruhig weg." rief der Weiße. Paula konnte nun ihre Gesichter erkennen und ihr Herz machte einen kleine Sprung. Diese beiden Männer, die gerade auf sie zugeritten kamen, sahen genauso aus, wie Karl May sie immer in seinen Bücher beschrieben hatte. War das vielleicht ein Dreh für einen Film oder etwas in der Art und sie waren da hinein geraten? Die Leichen, die sie gefunden hatte, hatten echt ausgesehen und auch Peppers und seinen Leute benahmen sich nicht grade wie Schauspieler. Aber sie schob ihren Fragen und Zweifel beiseite und wandte sich der Betrachtung des dritten der Gefährten zu. Dieser war ein junger Indianer, vielleicht 16 oder 17 Jahre alt, aber er hatte die Ausstrahlung eines erfahrenen Kriegers. Sein Gesicht war schön, in einem glänzenden Bronze. Seine Gesichtszüge waren weicher, als es bei Indianer normalerweise der Fall war und er schaute ihnen mit intelligenten grünen Augen, bei den Indianern eine ungewöhnliche Farbe, entgegen, die ärgerlich aufblitzen, als er Peppers und mich sah, und dann auch Kaddy. Als die Reiter bei ihnen angekommen waren, ergriff der Weiße wieder das Wort:" Goodday Gents, Ich bin Parker und das sind meine Begleiter Yakonpi-Topa und Tschia-Nitsas." Dürfen wir nun erfahren, wer ihr seid und was eure seltsame Begleitung zu bedeuten hat?" Peppers antwortete nicht sogleich, sondern unterzog alle drei einer genauen Musterung. Dann breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. "Ich bin Peppers und das sind meine Freunde. Zu unsere Begleitung, wir haben diese beiden jungen Damen unterwegs aufgelesen und wollten sie in die nächste Stadt bringen." "Und wieso ist die Ältere gefesselt?" fragte der Weiße zweifelnd. "Ihr Geisteszustand ist nicht grad der beste, sie ist ein wenig verwirrt. Wir mussten sie fesseln, um zu vermeiden, dass sie sich selber wehtut." Er stieß Paula von hinten unauffällig an, doch diese war sicher, Old Shatterhand, sie ging einfach mal davon aus, dass er/sein Schauspieler es war, hatte es trotzdem gesehen. Sie wusste, Peppers wollte ihr bedeuten, still zu sein, da sie sonst in Schwierigkeiten kommen könnte, aber genau das war es, was sie nicht tun wollte. Peppers zog wahrscheinlich gar nicht in Betracht, sie könnte sich gegen in auflehnen und wenn glaubte er, diese drei Männer könnten gegen seine Zehn sowieso nichts ausrichten. Aber jetzt sagte Paula laut und deutlich:" Was er sagt, stimmt nicht. Er hat uns gefangen genommen, um mich zu vergewaltigen und Kadlynn", sie deutete mit den gefesselten Händen auf sie, "als Druckmittel zu benutzen, damit ich mich nicht wehre." Peppers presste mir eine Hand auf den Mund und Paula biss hinein, woraufhin er sie schnell wieder zurückzog. Dann sagte er, an Old Shatterhand gewandt:" Sie redet Unsinn, beachtet sie nicht weiter. Wir werden jetzt weiterreiten." Doch Old Shatterhand erwiderte:" Einen Moment noch, Peppers. Mir erscheint die Version des Mädchens sehr viel glaubwürdiger als eure. Ich denke, wir werden die beiden Mädchen in die nächste Stadt bringen." Peppers meinte daraufhin schnell:" Nein, nein, mir liegt das Wohl der beiden sehr am Herzen und ich werde sie jetzt nicht einfach Wildfremden übergeben. " Old Shatterhand überlegte eine Weile und sagte dann:" Nun gut Gents, wenn ihr darauf besteht, die beiden weiterhin zu begleiten, wollen wir euch nicht im Wege stehen. Goodbye." Er lenkte sein Pferd an ihnen vorbei und der Ältere der beiden Indianer, wahrscheinlich Winnetou, folgte ihm schweigend. Jüngere zögerte kurz, folgte dann aber seinen Gefährten. Die Hoffnung in Paula erlosch, als hätte man eine Kerze ausgeblasen. Sie konnten doch nicht einfach weg reiten und sie in der Gewalt dieser Leute lassen. Bald waren sie in der Ferne verschwunden und sie setzten ihren Weg fort. Paula wusste, Peppers würde es nicht unbeachtet lassen, dass sie ihn verraten hatte. Sie hoffte er würde Kaddy diesmal da raus lassen aber sie glaubte nicht wirklich daran. Er war ohne Skrupel. Abends machten sie Halt an einem kleinen Bach, der von Grün umgeben war. Peppers stieß sie grob vom Pferd und sie schlug heftig mit dem Kopf auf, das sie ihren Sturz ja nicht mit den Händen abfangen konnten. Einen kurzen Moment sah sie Sterne, da wurde sie wieder hochgerissen und Peppers befahl:" Bindet sie dort an den Baum. Mit dem Rücken zu mir." Ihr schwante übles; er würde sie doch nicht schlagen, nicht hier vor Kaddys Augen. Doch es war anscheinend genau das, was er vorhatte. Er holte seine Reitpeitsche und kam auf den Baum zu, an dem sie mittlerweile festgebunden war. Paula sagte in bittendem Tonfall:" Peppers, wenn ihr mich schlagen wollt, bin ich davon auch nicht grade begeistert aber bitte bringt Kaddy vorher weg." "Oh nein, das wird sowohl dich als auch sie lehren, dass man mich nicht verrät." Sie flehte nun beinahe:" Schafft sie weg, bitte, ich bitte euch." "Nein." Paula rief Kaddy zu:" Mach die Augen zu. Und lass sie zu bis ich dir sage du darfst sie aufmachen." Ein böses Grinsen erschien auf Peppers Gesicht. "Wenn du die Augen zu machst, wird Paula nur noch mehr leiden müssen, und das willst du doch nicht, oder?" Kadlynn schüttelte den Kopf, die Augen starr auf Paula gerichtet. Diese sah zurück und legte ihre Zuversicht in diesen einen Blick. Was das Mädchen jetzt sehen würde, würde sie zutiefst verstören und sie musste versuchen, den Schaden einzudämmen. Dann stand Peppers direkt hinter ihr und schwang die Peitsche. 5 mal schlug er zu und schmerzende Streifen zogen sich über Paulas Rücken. Sie versuchte, ruhig zu bleiben und Kaddy und die Männer nicht sehen zu lassen, was für Schmerzen sie litt. Bei jedem Schlag zuckte sie zusammen und wimmerte leise. Als Peppers aufhörte, sie zu schlagen, sackte sie zusammen und verlor das Bewusstsein. Als sie erwachte, war es dunkel um sie her und sie spürte Kaddy an sich geschmiegt, sie weinte leise im Schlaf. Ihr Rücken schmerzte höllisch und ihr T-Shirt klebte an ihren offenen Wunden. Sie bewegte sich vorsichtig und Kaddy wachte auf. "Paula, du lebst." "Na klar leb ich, wieso sollte ich tot sein?" fragte sie etwas erstaunt. Kaddy sagte:" Du hast dich die ganze Zeit nicht bewegt und dein Rücken hat gar nicht aufgehört zu bluten." "Ach Kleine, das ist nichts, mach dir keine Sorgen, es tut schon fast nicht mehr weh. " Paula versuchte sie abzulenken, auch wenn das wohl nicht der geschickteste Weg war:" Warum hast du geweint, im Schlaf, hast du schlecht geträumt?" "Ich hab von den bösen Männern geträumt und das sie gekommen wären und dich getötet hätten und mich auch töten wollten" sagte Kaddy. "Das wird nicht passieren, kleine Maus, du wirst sehen, Old Shatterhand und Winnetou kommen noch, sie werden uns retten." versuchte Paula der Kleinen und auch sich selbst Mut zuzusprechen. "Aber sie sollten sich lieber mal beeilen." murmelte sie noch leise, dann sagte sie zu Kaddy:" Ich denke du solltest jetzt schlafen. Alles wird gut." Kaddy kuschelte sich wieder an Paula uns schlief bald wieder. Paula dachte noch eine Weile über das Geschehene nach, das wollte auch sie versuchen zu schlafen, als sie plötzlich im Gebüsch hinter sich ein leises Rascheln hörte. Sie spähte hinter sich und sah im Gebüsch zwei schwach leuchtende Punkte. Es waren Augen. Eine leise, wohlklingende Stimme sagte in fließendem Englisch:" Bewegt euch nicht und seht nicht zu mir hin. Ich bin Taschunko und komme um euch zu retten." Paula starrte ihn an und sagte dann ebenso leise:" Uns sind die Hände auf den Rücken gefesselt und alle unsere Sachen sind bei unserem Pferd." Er flüsterte:" Ich schneide euch die Fesseln durch. Haltet mir die Hände hin. Euer Pferd habe ich bereits geholt." Tiefe Bewunderung stieg in Paula auf. Er war erst so jung und vollbrachte schon solche Glanzstücke. Dann rüttelte sie Kaddy sacht an der Schulter und flüsterte dem Mädchen zu:" Aufwachen Kaddy. Jemand ist gekommen um uns zu retten. Aber du musst leise sein, damit die bösen Männer uns nicht hören." Kaddy war sofort wach, sie hatte ja kaum eine halbe Stunde geschlafen. Sie erkante Taschunko und verstand, das es wichtig war, dass sie keinen Laut von sich gab. Taschunko kroch ihnen voraus in die Büsche, dann kam Kaddy und dann Paula. Sie versuchte so leise und unfällig zu sein wie möglich, war sich aber sicher, dass es ihr nicht wirklich gut gelang. Irgendwann stand Tash auf und Paula nahm an, sie könnten jetzt vom Lager nicht mehr gesehen werden. Ihr Retter nahm Kaddy auf den Arm, half ihr hoch und lief dann mit großen Schritten in die Nacht hinaus. Sie folgte ihm so gut es ging. Bald hörten sie Rufe hinter sich. Peppers hatte gemerkt, dass sie entkommen waren. Taschunko schritt noch schneller aus. In dem Versuch ihm zu folgen stolperte sie immer öfter, konnte sich aber immer wieder fangen. Plötzlich knickte sie mit einem leisen Schmerzenslaut ein. Sie hatte sich den Knöchel verstaucht. Sie konnte nicht mehr auftreten und es tat höllisch weh. Sie sagte zu Taschunko:" Bring Kaddy in Sicherheit. Ich komme langsam nach." Doch er schüttelte den Kopf:" Nein, das kann ich nicht machen. Du kommst mit, es ist nicht mehr weit." "Bitte bringt sie weg, ich halte euch nur auf. Sie werden uns einholen. Wenn ihr schnell das Pferd erreicht, könnt ihr mich damit abholen. Geht jetzt." Widerstrebend drehte Taschunko sich um und rannte weiter in das Dunkel. Sie blieb erschöpft stehen. Ihr Knöchel schmerzte furchtbar. Sie sah helle Punkte die näher kamen. Fackeln. Gleich würden sie sie gefunden haben. Sie konnte nur hoffen, dass Tash Kaddy in Sicherheit gebracht hatte.