True Blood Twilight Version

1x01 "Strange Love" Pt 1 - Bellas POV

Die dritte Spätschicht in Folge. Ein Glück hatte ich danach einen ganzen Tag frei und musste erst zur Nachtschicht wiederkommen. Ein Glück ging diese Schicht nur noch zwei Stunden.

Ich war Isabella Marie Swan, Kellnerin im Black's, dem zentralen Treff in Forks, Washington. Mein Leben verlief bisher sehr eintönig. Kindergarten, Schule, Kellnerin. Das letzte Mal war ich außerhalb von Forks, als … ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal außerhalb von Forks war. Eine Kleinstadt, mit etwas mehr als dreitausend Einwohnern.

Das war mein Leben. Gemeinsam mit meiner Oma Adele wohnte ich am Rande der Stadt. Renee, meine Mutter, war vor mehreren Jahren gestorben. Charlie, mein Vater, war der hiesige Polizeichef. Er bevorzugte es, allein zu Leben. Ich persönlich dachte, es war für ihn zu schmerzvoll mit der Mutter seiner toten Frau zusammen zu wohnen.

Tyler Crowly, einer der Köche im Black's, versuchte mit mir ein Gespräch anzufangen, während er eine weitere Bestellung fertig machte.

„Oh, Bella! Du siehst aus wie ein Pornostar mit der Schminke und dem Lippenstift! Hast du ´n Date?"

Ich schaute ihn angewidert an, „Nein, mit Make-Up lassen die viel mehr Trinkgeld springen."

Tyler fing an zu lachen, „Ja, das hat Stil! Diese Prolls fallen doch immer auf die Verpackung rein." Das, meine Damen und Herren, war typisch Tyler.

Selbstzynisch fügte ich an, „Und ich kriege noch mehr, wenn ich mich benehme, als hätte ich Luft in meinem Hirn. Aber wenn nicht, dann haben alle Angst vor mir."

Tyler schaute mich aus seinen Augenwinkeln an. Wahrscheinlich sollte es sexy wirken. „Nein, die haben keine Angst vor dir, du scharfes Luder. Die haben Angst vor dem, was zwischen deinen Beinen ist."

Geschockt schaute ich ihn an, „Tyler! Ich will dein versautes Gequatsche nicht hören."

Zur gleichen Zeit kam meine Kollegin an – Jessica.

„Aha, du weißt also, was zwischen den Beinen einer Frau ist, Tyler?", fragte sie kritisch mit Humor in ihrer Stimme.

Er schaute sie belehrend an, „Ich weiß, dass jeder Mann, egal ob er schwul oder hetero ist, panische Angst davor hat."

Ich fasste es nicht. Wo war ich da nur gelandet? „Tyler!", schrie ich erneut.

Doch da kam auch schon Lauren an – die dritte von uns Kellnerinnen.

„Oh, worüber sprecht ihr denn gerade?"

Während Tyler ihr mit „Frauen." antwortete, entgegnete Jessica ihm lachend, „Hey, jetzt hör mal zu. Nicht alle sind schwul oder lesbisch, okay? Nicht jeder ist unbedingt scharf auf Sex mit dir."

„Oh du würdest dich wundern Jessica, ein paar Leute die du kennst!", zeigte er höhnisch mit dem Finger auf sie. Ich schaute sie fragend an, während sie lachte.

Lauren stieg in das Gespräch ein und scherzte, „Ich will jedenfalls keinen Sex mit dir."

Jessica konnte sich einen weiteren Kommentar auch nicht verkneifen, „Nein, ich auch nicht."

Doch Tyler kam nur noch mehr in Schwung, und das im wahrsten Sinne des Wortes. „Ihr wisst ja gar nicht, was ihr verpasst. Diese Hüften sind schon seit sechs Jahren im Geschäft!"

Lauren schaute ihn flirtend an und tat so, als würde sie in seine Bewegungen einsteigen, „Nein Baby. Du weißt nicht, was du verpasst." Und mit diesen Worten drehte sie sich um, „Sieh dir mal diesen Knackarsch an. Willst du nicht mal zupacken?", klopfte sexy auf ihren Hintern und verschwand in dem Getümmel der Gäste.

Oh Gott, wie war ich nur hier her geraten – und das auch noch freiwillig - na ja, mehr oder minder.

Ich griff schnell meine Bestellung, um sie endlich auszuliefern. Denise und Nic - mussten sie sich ausgerechnet an einen Tisch setzen, den ich bediente? Beide lächelten mir freundlich ins Gesicht, als ich ihnen ihr Essen reichte, doch ich sah es Menschen an, wenn sie was vorspielten. Und ich wusste, wie die beiden wirklich waren.

Zurück an der Bar, setzte ich mich auf einen Stuhl und Jake sah mich mitleidig an, „Lass dich von denen nicht ärgern. Das sind sie nicht Wert."

Ich schaute ihn dankbar an, „Ich weiß, Jake. Aber die letzten Tage waren ziemlich aufreibend für mich und diese Nacht ist einfach ziemlich stressig. Ich hatte wirklich schon bessere Nächte."

Jake lächelte. „Also, kann ich irgendwas tun, damit sie besser werden?"

Uhm, konnte er? Ehrlich gesagt bezweifelte ich das. Ich ließ seinen Kommentar unbeantwortet und schaute ihn nur verwirrt an, ehe ich mich aus Mangel einer Antwort wegdrehte.

In diesem Augenblick allerdings durchfuhr mich ein elektrischer Schlag. So ein kleines Kribbeln, was Menschen manchmal haben, wenn sie wissen, dass etwas Aufregendes passieren wird. Unwillkürlich drehte ich mich um, und da stand er – in seiner vollen Perfektion – ein Vampir. In unserer Bar! Vor meinen Augen!

Mit dem aufgeregtesten Lächeln auf den Lippen, was ich jemals hatte, drehte ich mich wieder zu Jake um, „Jake, ich glaube wir haben unseren ersten Vampir zu Gast!" Oh, war das aufregend.

Doch Jake konnte meine Aufregung nicht teilen, „Ja, möglicherweise."

Was hörte ich da raus? Enttäuschung? Ich weiß es nicht, es war mir auch egal. Euphorisch lachte ich ihn an, „Ich fasse es nicht, hier bei uns in Forks! Jake, darauf warte ich schon seit sie vor zwei Jahren aus ihren Särgen gekrochen sind!"

Und in der Tat hatte ich darauf gewartet, seit die Vampire an die Öffentlichkeit gegangen waren.

Und dieser Vampir setzte sich auch noch in meinen Tischbereich. Dummerweise direkt neben Denise und Nic. Noch immer aufgeregt wie ein kleines Schulmädchen schnappte ich mir das Tablett und eilte zu ihm.

„Hallo, was darf ich Ihnen heute Abend schönes bringen?", fragte ich mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht.

Er schaute zu mir auf und ich starrte in das schönste Gesicht, in welches ich jemals geschaut hatte. Seine goldenen Augen fesselten mich vom ersten Moment an.

Er setzte ein leicht schiefes Lächeln auf, „Haben Sie etwas von dem TruBlood?"

Ich war tierisch aufgeregt. „Nein", begann ich zu stottern. Warum musste ich immer stottern, wenn ich nervös war? „Nein, tut mir sehr leid. Wir hatten mal welches. Aber das hat niemand gekauft, und mittlerweile ist es schlecht geworden.", erzählte ich ihm. „Sie sind unser erster", und hier ertönte meine Stimme plötzlich eine Oktave höher, „Vampir."

Interessiert zog er eine Augenbraue hoch, bevor er seinen Blick leicht nach unten senkte und verschmitzt fragte, „Sieht man das so offensichtlich?"

Gott, dieses Lächeln war hinreißend! Ich weiß zwar nicht mehr wie, aber ich habe es geschafft ihm zu antworten, „Ja, ich habe es gewusst, als Sie hier reinkamen. Ich kann's kaum glauben, dass es sonst niemand hier bemerkt hat."

Mit einer etwas ernsteren Miene hielt er dagegen, „Er schon", und zeigte auf Jake.

Ich drehte mich um und sah ihn freundlich den Vampir mit einer Kopfneigung grüßen.

„Oh, machen Sie sich um Jake keine Sorgen. Der ist ganz pflegeleicht."

Danach entstand ein Schweigen zwischen uns. Ein Schweigen, in dem ich nicht nur rot wurde, sondern ihn mir noch genauer anschauen konnte. Er hatte bronzenes, zerzaustes Haar, was ihn unheimlich sexy wirken lies. Seine goldenen Augen waren wie ein Spiegel in seine Seele und sein Lächeln war einfach göttlich.

Doch dann besann ich mich plötzlich wieder auf meine Umgebung, und die Tatsache, dass ich ihm als Kellnerin etwas Zutrinken anbieten musste. „Was ist? Trinken Sie denn noch etwas anderes?"

Er schaute mich intensiv und interessiert an. „Ganz offen gesagt, Nein." Mit jedem Wort wurde sein Blick intensiver. „Aber Sie können mir gern ein Glas Rotwein bringen, damit ich einen Grund habe, hier zu sein."

Wie beschämend, ich wusste eigentlich nicht wirklich viel über Vampire. Ich war erstaunt, dass er etwas bestellte, was er nie trinken würde. Aber ich war traurig, dass das Gespräch damit beendet war.

Ein Blick in seine Augen und ich vergaß erneut die ganze Welt. Ob ich ihm nun die Wahrheit sagen wollte, oder nicht. Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß allerdings noch, dass ich es einfach tat. „Also, egal aus welchen Grund. Ich freue mich jedenfalls, dass Sie hier sind."

In seinen Gesichtszügen spiegelte sich Faszination, Bewunderung und Schock wieder. Ich war zu verlegen, um ihn noch länger anzuschauen und schrieb deshalb sinnloserweise seine Bestellung auf ein Blatt Papier auf meinem Tablett.

Aber noch ehe der Vampir antworten konnte, drehten sich Denise und Nic um, „Hören Sie nicht auf Bella, sie erzählt manchmal zu viel. Ist ein bisschen durchgeknallt, wissen Sie?"

Ich hätte schwören können, der Vampir verdrehte seine Augen. Doch ich war viel zu gedemütigt, um weiter in seiner Gegenwart zu sein.

„Ich hol Ihnen mal den Wein.", war alles was ich sagen konnte. Wenn ich auch nur einen Augenblick länger da geblieben wäre, wären mir Tränen in die Augen gestiegen. Nic hatte ihm ein eindeutiges Bild von mir gegeben.

Ich kehrte also wieder zur Bar zurück und lehnte meinen Kopf auf meine Arme. Doch ich konnte es nicht lassen, ich musste mich erneut umdrehen und einen weiteren Blick des Vampirs erhaschen. Und da sah ich es. Denise und Nic hatten sich bereits zu ihm gesellt und umgarnten ihn. Doch Denises Tasche lag noch auf ihrer Bank. Und in dieser Tasche stach ein Blutabnahmeset heraus.

Oh mein Gott, sie wollten dem Vampir Blut abzwicken.

Geschockt machte ich mich auf den Weg zu den Dreien und versuchte sie in ein Gespräch zu verwickeln, „Darf ich Ihnen sonst noch etwas bringen?"

Denise beachtete mich gar nicht. Sie hatte nur Augen für den Vampir. Um genauer zu sein, für seine Blutadern. Als ich ihren gierigen Blick sah, musste ich keuchen. Ein Beweis mehr für ihr Vorhaben. Auch Nic schaute gierig auf eine der Blutadern des Vampirs - wenn er nicht gerade versuchte, mich in Gedanken auszuziehen. Eklig, der Typ.

Mein Herz spielte verrückt. Ich musste das verhindern. Aber wie? Ich zwang mich dazu nachzudenken, Zeit zu gewinnen. „Wissen Sie was?", begann ich stotternd und aufgeregt, „Ich bring Ihnen noch ne Runde Bier aufs Haus."

Denise und Nic waren viel zu sehr abgelenkt, um meine Verfassung mitzubekommen. Der Vampir war es nicht. Er schaute mich fragend an. Oh, er sah meinen alarmierten Blick, hörte meinen ängstlichen Herzschlag. Aber wahrscheinlich hatte er keine Ahnung von dem, was in den Köpfen dieser beiden Menschen vorging. Für einen kurzen Moment schaute ich ihn flehend an, „Bleiben Sie hier, gehen Sie auf keinen Fall weg!"

Ich rannte schnell zurück zur Bar und suchte Jake. Panisch und aufgeregt fragte ich ihn, „Jake, siehst du Denise und Nic, wie sie den Vampir umgarnen?"

Jake schaute kurz rüber und nickte mir dann zu, „Ja, aber dir sollte egal sein, was die beiden machen."

Wie konnte er das sagen? „Jake, der Vampir ist in Gefahr!"

Doch ich kam nicht weiter, als Jake mir das Wort abschnitt, „Bella, der Vampir kann gut auf sich selbst aufpassen. Glaub mir das!"

Nein, nicht wenn ihnen das Blut abgezogen werden soll. Aber ich verstand bereits, dass es sinnlos sein würde, Jake zu überzeugen. Also lies ich das Thema fallen.

Als ich mich umdrehte um nach weiteren Lösungen zu suchen, war der Vampir verschwunden. Aber nicht nur er, Denise, Nic und ihre Tasche auch. Panik ergriff mich.

Ohne nachzudenken rannte ich zu Jake zurück und warf meine Kellnerschürze hinter die Bar. Ich stürmte aus der Bar hinaus in die Nacht hinein und rannte die Straße entlang. Die Tageszeit war nicht auf meiner Seite. Es war Nacht, und damit sehr dunkel. Aber mein Herz raste zu sehr. Angst? Nein, Angst hatte ich nicht. Jedenfalls nicht um mich. Um den Vampir allerdings schon. Von weiten sah ich Mecs Truck. Die Ladefläche war offen. Hatten sie etwa vor den Vampir hinterher von hier fortzuschaffen, so, dass niemand ihre Tat bemerken würde? In dem Truck lag ein Spaten. Ich ergriff den Spaten und beäugte ihn eine Zehntelsekunde, bevor ich entschied, dass er als Waffe genügen müsse. Ich konnte die beiden in der Ferne hören. Sie unterhielten sich darüber, dass sie am besten selbst etwas von dem Blut behalten sollten. Wie ekelerregend. Menschen nahmen Vampirblut, um sich selbst zu stimulieren. Damit waren sie nicht besser als jeder Vampir, dem sie vorwarfen Blut zu trinken.

Ich schlich mich langsam an die beiden heran und versteckte mich hinter einem Heuhaufen. Offensichtlich war das Glück auf meiner Seite. Der Vampir allerdings sah mich. Er sah aus, als wäre er in großen Schmerzen. Ein Zustand, den ich unbedingt ändern musste.

Ich deutete ihm an, ruhig zu sein und meine Position nicht zu verraten. Er sah mich für einen Augenblick verwirrt an, drehte sich dann aber schnell wieder zu Denise, die über ihm stand.

Als Nic mit dem Rücken zu mir stand holte ich mit dem Spaten aus und haute ihm eins über seinen Schädel. Er lies sein Messer, was er in der Hand hielt, nach vorne fallen und ging benommen zu Boden, während mich der Vampir verwundert, aber auch bewundernd anschaute.

Denise bückte sich zu dem Messer, doch ich war schneller. Ehe sie es greifen konnte, hielt ich es in meiner Hand und zeigte damit auf sie, „Das würde ich an Ihrer Stelle nicht tun."

„Was willst du, du Schlampe? Halt dich besser hier raus!", zischte sie.

Doch ich war sauer! „Also, diese Worte beweisen nur, wie billig Sie wirklich sind."

Sie schaute mich böse an und begann langsam mit einer herablassenden Stimme, „Hast du überhaupt eine Ahnung, mit dem du dich hier anlegst? Du willst bestimmt nicht meine üble Seite kennen lernen."

Doch ich war unbeeindruckt. „Ich bin mir nicht sicher, ob Sie überhaupt eine andere Seite haben."

Etwas in meiner Stimme, meiner Position, meiner Mimik oder meinen Worten musste sie dazu veranlasst haben, zu verschwinden. Denn sie sah mich noch ein Mal kurz argwöhnisch an, bevor sie wieder zu dem Vampir rannte.

Sie bückte sich um sein Blut mitzunehmen. Doch das konnte ich nicht zulassen. „Stop!"

Ungläubig drehte sie sich zu mir.

„Denken Sie nicht einmal daran, dieses Blut anzurühren.", ging ich sie scharf an.

Sie warf mir noch einen wütenden Blick zu, wusste aber, wann sie verloren hatte. Und dies war einer der Momente, in denen sie ihr eigenes Spiel verloren hatte.

„Dafür bring ich dich um, du Miststück.", schnaubte sie mich an.

Mit Nachdruck machte ich ihr erneut klar, dass sie verloren hatte. „Los, verschwinden Sie, auf der Stelle!"

Die Tochter vom Polizeisherif zu sein hatte einen entscheidenden Vorteil: Bereits in frühester Kindheit lernte ich, mich nicht von dem Abschaum dieser Welt einschüchtern zu lassen.

Genervt hob sie Nic vom Boden auf und brachte ihn rabiat einigermaßen zu Bewusstsein. „Komm schon Nic, lass uns von hier verschwinden." Mit einem leichten Blick zu mir, fauchte sie mich an, „Das ist noch nicht vorbei!"

Denise hievte Nic etwas an und schleifte ihn über den Boden bis zum Truck.

Ich rannte schnell zu dem Vampir, um den Schaden zu begutachten. Der sah mich noch immer ungläubig an.

„Ist alles okay mit Ihnen?", fragte ich. Doch an seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass nicht alles okay war. Er war schwach – und in Schmerzen.

Als ich das Silberband sah, mit dem er zu Boden gefesselt wurde, wusste ich, warum nicht alles okay war. Das Silberband reichte von dem einen Arm über seinen Hals zu seinem anderen Arm.
Vorsichtig hob ich die Silberkette an seinem rechten Arm an und zog sie von seiner Haut weg. Der Vampir starrte nach oben und versuchte keine Miene zu verziehen. Aber er konnte mich nicht täuschen. Ich sah, dass ihm die Entfernung der Kette Schmerzen bereitete. Und als ich die Kette von seinem Arm entfernt hatte konnte ich auch sehen, warum. Überall, wo die Kette seinen Körper berührt hatte, brannte sie sich in seine Haut, die sich beim Entfernen der Kette mit ablöste. Bei dem Gedanken daran, wie schmerzhaft das sein musste, zuckten meine Augen zusammen und mir entwich ein kleiner geschockter Atemstoß. Aber es half nichts. Um den Vampir befreien zu können, musste ich die Kette auch von seinem Hals und dem anderen Arm lösen.

Kurz nachdem ich die Kette vollständig von ihm entfernt hatte, geschah allerdings etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: die Wunden schlossen sich innerhalb weniger Sekunden und er war wieder vollständig geheilt. Auch seine Mimik veränderte sich und von Schmerz war nichts mehr zu sehen. Ich starrte auf seinen Hals, „Das ist ja krass."

Doch weiter kam ich nicht, als ich in meinem Augenwinkel näherkommende Scheinwerfer wahrnahm. Ich packte den Vampir schnell von hinten und zog ihn in das Gebüsch, „Ziehen Sie Ihre Beine an!"

Gott sei Dank zog er sie an – keine Sekunde zu früh. Denise und Nic fuhren mit dem Truck an uns vorbei und hätten dem Vampir seine Beine überfahren, wenn wir nicht ins Gebüsch geflüchtet wären.

Sanft lies ich ihn gegen einen Baum rasten und er schaute mich geschwächt an.

Adrenalin war noch immer in meinem Blut vorhanden, „Oh Gott sei Dank. Es tut mir so leid, dass ich nicht früher da war. Es geht Ihnen doch gleich wieder besser, oder?"

Er schaute konzentriert zur Seite. Was machte er da? Oder wollte er … „Wollen Sie, dass ich weggehe?"

Ohne zu zögern antwortete er, „Nein."

Auf meinen Lippen spielte erneut ein Lächeln und ich schaute ihm in seine Augen. Das hätte ich nicht tun sollen, denn aufs Neue war ich verloren. Sie waren nicht mehr golden, sondern schwarz, hatten aber nichts von ihrer Intensität verloren. Um mich selbst nicht in ihnen zu verlieren, und ein bisschen auch aus Sorge um den Vampir, griff ich zu seinem Arm, um die Nadel herauszuziehen. Doch statt mich ihm helfen zu lassen, zuckte er zurück und schaute mich an, als würde ich ihm etwas Böses wollen.

Geschockt und leicht irritiert entfernte ich mich von ihm und sprang auf. „Offenbar sind Sie nicht sehr erfreut, dass sie von einer Frau gerettet wurden!?", schnappte ich. „Sie könnten wenigstens Danke sagen!"

„Vielen Dank", brachte der Vampir sofort heraus, während er sich von der Nadel befreite. Er schaute mir tief in die Augen, während ich wieder langsam zu Boden sank und ihm näher kam.

Verwirrt und fasziniert zugleich begann er, „Ich kann Sie nicht hören."

Ich wusste nicht, ob er mit sich selbst gesprochen hatte, oder mit mir, aber ich antwortete trotzdem, „Ich habe ja auch nichts gesagt."

„Nein, das meinte ich nicht.", begann er zu erklären, aber brach ohne weitere Ausführungen ab. Stattdessen musterte er mich vorsichtig und zurückhaltend, „Haben Sie keine Angst, hier allein mit einem hungrigen Vampir zu sein?"

Verständnislos schaute ich ihn an, „Nein, warum sollte ich? Ich vertraue Ihnen."

Ich schaute auf den Vampir herab und konnte seine Maske ganz klar erkennen. Er versuchte mich auf Abstand zu halten. Wenn er niemanden an sich heran lassen würde, könnte ihn niemand verletzten.

„Vampire wenden sich manchmal auch gegen die, die ihnen trauen. Wir haben keine menschlichen Werte, wie Sie.", beäugte er mich mit einem Ton in seiner Stimme, der fast schon wehleidig war.

Doch ich konnte mit meinen Erfahrungen gut dagegen halten. „Auch viele Menschen wenden sich gegen die, die ihnen vertrauen."

Ich sprang auf und ging zu einem Baumstamm ein paar Meter weiter. Ich nahm die silberne Kette aus meiner Hosentasche und schlang sie um meinen Hals, damit sie bis zu meinen Hüften frei hängen konnte. „Ich bin nicht total blöd."

Der Vampir schaute mich verschmitzt an und lächelte ein schiefes Lächeln. Ich schwöre, ich hätte alle Zeit und jeden Ort vergessen und wäre in diesem schiefen Lächeln versunken, wenn mich der sanfte Klang seiner Stimme nicht noch mehr gefesselt hätte und der Inhalt seiner Frage mich in die Realität zurückgeholt hätte.

„Wollen Sie was von dem Blut trinken? Wie ich hörte fühlen sich die Menschen danach gesünder.", fragte her herausfordernd.

Ich schaute ihn entgeistert und angewidert an. „Nein."

Herausfordernd führte er weiter an, „Es verbessert Ihr Sexleben."

Ah, er versuchte es mir nun schmackhaft zu machen. „Nun, ich bin vielleicht etwas tollpatschig, aber sonst bin ich fit wie ein Turnschuh. Und was den Sex angeht … habe ich derzeit kein Sexleben was ich verbessern müsste, also…" Ups. So genau wollte ich ihn eigentlich nicht über mich aufklären. Auf der Stelle wurde ich rot, „… können Sie es gern behalten."

Ich sah wie er sich ein Lachen verkneifen musste und stattdessen seine Augenbraue hochzog und mit Elan in seiner Stimme vorschlug, „Sie könnten es verkaufen."

Langsam aber sicher war ich etwas genervt. Standhaft erklärte ich ihm erneut, „Ich rühre es nicht an."

Ehe ich mich versehen konnte, war er aus seiner sitzenden Position gegen den Baum aufgesprungen und kniete vor mir. Er schaute mich mit seinen goldenen Augen an. Seine perfekten Augen passten zu seinem perfekten Gesicht und ich schwöre, mein Herz entschied sich dazu schneller zu schlagen, als Michael Schuhmacher jemals fahren würde.

Versuchte er mich mit seinem Blick zu fesseln? Gott, war ihm denn nicht klar, dass er das gar nicht mehr musste? Ich war bereit alles für ihn zu tun, was er von mir verlangen würde … aber ihm viel nichts Besseres ein als, „Was sind Sie?"

Urgh, wie, was bin ich? Was war ich eigentlich? „Was ich bin? Ich bin," begann ich stotternd, „Bella Swan.", beendete ich schließlich mit einem Schlucken. „Ich bin Kellnerin.", erklärte ich schließlich noch sinnloserweise. Aber bitte, sprich wieder. Diese Stimme, göttlich. Aber wie würde ich ihn wieder zum sprechen bekommen? „Wie ist Ihr Name?", fragte ich also etwas heißer.

Der Vampir schaute mich verdutzt an und runzelte kurz die Stirn. Ich sah, wie sich seine Augenbrauen zusammenfalteten und er mich eindringlich musterte, „Edward."

Ich starrte ihn an. Da saß er nun vor mir. Ein wahrscheinlich jahrhundertealtes Wesen. Und sein Name war … Edward? Ich fing an zu lachen. „Edward? Ich hätte mit Bill oder Eric oder James gerechnet, aber … Edward? Welcher Vampir nennt sich denn Edward?"

Ups, ich hoffte, dass ich ihn nicht verärgert hatte. Aber Edward? Das war wirklich zu komisch!

Er nahm es zum Glück recht gelassen und schaute mich mit einem verschmitzten, schiefen Lächeln an, bevor er spielerisch die Augen verdrehte und eine frustrierte Mimik aufsetzte. Sein Gesichtsausdruck allerdings, sprach eine andere Sprache. Er sagte: "Frauen!"

Ich war zu belustigt, um mich in seinem Anblick zu verlieren. Also fragte ich, „Silber, hu? Ich dachte das betrifft nur Werwölfe."

Oh man, was für einen Unsinn redete ich da eigentlich? „Nicht, dass es Werwölfe gibt.", versuchte ich ihn noch einigermaßen davon zu überzeugen, dass ich nicht ganz verrückt war. Er schaute mich interessiert an, bevor auf seinen Lippen das schönste schiefe Lächeln ausbrach, was ich jemals gesehen hatte. Doch dieses Lächeln verschwand viel zu schnell von seinem Gesicht und wurde durch Ernsthaftigkeit ersetzt, „Ich würde es sehr schätzen, wenn Sie diese Information für sich behalten würden. Wir mögen es nicht, wenn unsere Schwächen allgemein bekannt werden."

Wie bitte, was? Uhm, war er sich darüber im Klaren, dass diese Worte alles zerstörten, was sich eben aufgebaut hatte? Na gut, wahrscheinlich hatte sich gar nichts aufgebaut. Dennoch. Irgendwie nervten mich diese Worte. Ich entschied mich, wieder zurück zur Arbeit zu gehen. Wahrscheinlich war Jake schon krank vor Sorge.

Edward stand zeitgleich mit mir auf. Ich verabschiedete mich höflich von ihm und lies ihn dann am Waldrand zurück.