9 – Und sie lebten glücklich bis zum Abspann

Triefwasser stand in Flammen, überall lagen Trümmer herum. Die ganzen verkohlten Leichen, die Bepissthoseless teilweise wiederbelebt hatte, damit sie für ihn kämpften, trugen auch nicht eben zur Verschönerung des Stadtbildes bei. So richtig gut sah das wirklich nur als Computergrafik aus. Marie-Juana und ihr Gefolge bahnten sich vorsichtig ihren Weg zu Turban, das heißt, das hätten sie vermutlich getan, wären sie nicht ohnehin direkt neben selbigem erschienen.

"Hallo Turban", wandte sich die Superheldin an ihren Auftraggeber aus dem ersten Kapitel.

Turban, der vor der qualmenden Ruine seiner Kaschemme stand und gerade vergeblich versuchte, den kümmerlichen Rest der Stadtwache so zu verheizen, dass auch ein paar Feinde dabei draufgingen, sah erfreut auf, als er angesprochen wurde. Er war überglücklich, dass es wirklich die Halbdrow war, deren liebreizende Stimme er soeben vernommen hatte.

"He, Marie-Juana, ich dachte schon, Ihr wäret tot. Wie habt Ihr es nur wieder geschafft, ausgerechnet in dem Moment zu erscheinen, in dem wir Euch am meisten brauchen?" Der ehemalige Kaschemmenbesitzer sah sich um. "Und zwar buchstäblich in allerletzter Minute?", fügte er hinzu.

Seltsamerweise schien er die Tatsache völlig zu ignorieren, dass eine Drow und ein Tiefling neben der Superheldin standen.

"Ist das nicht immer so, dass der Retter genau dann auftaucht, wenn es richtig brenzlig wird? Also ich war wirklich tot, und das hier sind übrigens mein Geliebter und meine beste Freundin, somit gehören sie also zu den Guten. Wir haben jetzt aber leider nicht allzu viel Zeit zum Quatschen, deshalb zieht Ihr Euch nur zurück und bringt Euch und Eure Männer in Sicherheit. Ich kümmere mich dann um Bepissthoseless, notfalls ganz alleine, sowas bin ich ja gewohnt."

"Nein, meine Geliebte, ich komme mit." Valentinstag ergriff die Hand seiner Freundin und stellte sich schützend vor sie, obwohl das rein physikalisch und biologisch gesehen eigentlich unwahrscheinlich war und normalerweise hätte wehtun müssen.

"Und ich auch! Als ob ich mir den Endgegner entgehen lassen würde, tsk!" Nasstücha drückte kurz die andere Hand der Heldin und positionierte sich neben dem Tiefling.

"Das ist ja sooo lieb von Euch beiden, ich könnte vor Rührung heulen", schnieft die Halbdrow gerührt, "wenn ich nur die Zeit dazu hätte."

"Sagt mal, wo kommt Ihr denn her?", donnerte der riesig große Erzteufel, als er seiner winzigen Gegnerin gegenüberstand.

"Aus Candisarsch, bitte sehr", konterte die Angesprochene. "War mir auf Dauer dann doch zu kalt und ungemütlich. Außerdem ist da noch diese Sache, dass ich als die große Heldin ja noch die Welt zu retten habe und dergleichen." Marie-Juana sah von dem teuflischen Monster zu ihrem Gefolge und zurück. "Nein, und versucht gar nicht erst, meine Gefährten auf Eure Seite zu ziehen, das funktioniert nämlich sowieso nicht."

"Ihr gönnt einem aber auch gar nichts, und sowas schimpft sich 'gut'", schmollte teuflisch der Bösewicht.

"Eh, Ihr wart ja auch nicht gerade nett zu den Leuten von Ferhurn! Von dem, was Ihr mir angetan habt, ganz zu schweigen." Die Gute hätte jetzt gerne böse gegrinst, hätte sie es nur gedurft. "So, deshalb benutze ich jetzt Euren Wahren Namen dazu, Euch dazu zu verdonnern, dass Ihr Euch nach Candisarsch verpisst. Haut ab, verschwindet, seht zu, dass Ihr Land gewinnt! Aus meinen Augen, A..., äh Öffnung eines Gesäßes! Und kommt nur ja nicht auf die Idee, Eure, äh, Euer mit Exkrementen verschmiertes Werkzeug zur Nahrungsaufnahme jemals wieder hier blicken zu lassen."

"Oh nein, mein Wahrer Name, Argh", stöhnte Bepissthoseless und war – Plopp! - auch schon verschwunden, natürlich nicht ohne einen hübsch anzusehenden Grafikeffekt.

"Eigentlich schade um den schönen Kampf, den wir hätten haben können." Bedauernd streichelte Valentinstag seine mächtige Waffe, wobei natürlich die Rede von seinem schweren Streitflegel ist, den er fiesen Gegnern so gerne auf den Schädel donnerte.

"Ja, mit den ganzen tollen Effekten und herbeibeschworenen Monstern und so." Auch Nasstücha schien ein klein wenig enttäuscht zu sein.

"Ja, aber so haben wir jetzt wenigstens nicht ganz so viele Blutflecken auf den Klamotten, die gehen doch beim Waschen immer so schlecht raus." Erleichtert atmete Marie-Juana auf.

"Das war es dann wohl mit Bepissthoseless", stellte der Tiefling unnötigerweise das Offensichtliche fest.

"Na Eierschnee sei Dank", betete die Drow erleichtert, "endlich mal eine Pause."

"Was nun? Ein paar Met oder Elfenwein zischen fällt momentan ja wohl aus wegen ist nicht. Glaube nicht, dass uns in nächster Zeit jemand einen Drink serviert, jetzt wo doch die Stadt in Trümmern liegt und dergleichen." Fragend blickte die Halbdrow in die Runde.

"Tja, eigentlich ist Bepissthoseless nicht wirklich tot. Die Option, ihn zu zwingen, Candisarsch den Pissenden zurück zu geben, wurde nämlich aus dem Spiel gestrichen." Der Waffenmeister schien ein klein wenig beunruhigt zu sein. Um ehrlich zu sein, war er sogar sehr beunruhigt.

"Und das heißt was?", fragten die beiden Frauen wie aus einem Munde.

"Na dass er nur für hundert Jahre gebannt ist und jetzt wieder die Leute in Candisarsch trietzt." Valentinstag schüttelte den gehörnten Kopf und berührte geistesabwesend seinen Streitflegel.

"Au weia ...", entfuhr es da Nasstücha.

"Wenn ich das richtig verstehe, sollten wir aber so um die hundert Jahre vor uns haben, in denen wir machen können was wir wollen, oder?" Marie-Juana warf ihrem Liebhaber einen nicht ganz uneindeutigen Blick zu.

"Ja, denke schon", erwiderte dieser.

"Genug Zeit, um mal auszuspannen, was meint Ihr?", bat die Drow ihre Anführerin um deren Meinung, bevor sie sehnsüchtig fortfuhr: "Ich für mein Teil wollte schon immer mal in die Berge."

Die Halbdrow hatte natürlich sogleich die einzig wahre passende Antwort. "Dann würde ich mal vorschlagen, Nasstücha macht Urlaub in den Bergen, während wir beide endlich heiraten, uns das Gehirn rausvögeln, Kinder bekommen und zwischendurch ab und zu mal die Welt retten."

"Prima Idee." Grinsend ergriff Valentinstag Marie-Juanas Hand.

"Finde ich auch", bestätigte Nasstücha erfreut. "Ich gehe dann schon mal Koffer packen."

So geschah es, dass das Spiel am Ende doch noch ein gutes Ende fand, zumindest für die nächsten hundert Jahre und die meisten Beteiligten.

Turban erzählte jedem, der es hören wollte – oder es auch ganz und gar nicht hören wollte – die Geschichte von der tollen Marie-Juana und wie sie schon wieder ganz Ferhurn vor einem schlimmen Schicksal bewahrt hatte.

Die Sehenichts konnte noch viele böse Dunkelelfen zu guten Dunkelelfen machen, die fleißig zu Eierschnee beteten, weil sie doch das Spiegeldingsbums hatte behalten dürfen.

Deppsing wurde der berühmteste Koboldschriftsteller aller Zeiten, was jedoch nicht viel zu bedeuten hatte, da er gleichzeitig auch der Einzige war.

Dellen wurde in seiner Heimat ein gefeierter Held, den man trotz seines Gesichtes endlich ernst nahm. Leider kam er jedoch mit dem Ruhm nicht wirklich klar und verfiel dem Trunke.

Lilo gründete, wie sie es sich immer gewünscht hatte, einen Tempel für ihre Göttin, deren Namen sich leider nie jemand vernünftig merken konnte, wurde lesbisch und heiratete Nasstücha, als diese aus ihrem Urlaub in den Bergen zurückkehrte.

Toni wurde eines Tages beim Klauen erwischt und landete prompt im Knast. Dank seiner nicht ganz so platonischen Beziehung zu einer Aufseherin wurde er jedoch 'wegen guter Führung' bald wieder auf freien Fuß gesetzt. Er eröffnete ein Bordell, grinste frech und scheffelte Kohle ohne Ende.

Schalwind dichtete noch viele traurige Liebeslieder, bis sie endlich von einem Penner erhört wurde, der zwar aussah wie ein Halbork und bettelarm war, dafür aber gut im Bett. So lebten sie glücklich in ihrer Wellblechhütte und soffen und liebten sich, bis der Arzt gekommen wäre, hätten sie sich denn einen leisten können.

Abinsbett verbrachte einige Jahre in einer geschlossenen Anstalt, wurde dann aber als geheilt entlassen und ging eine intime Beziehung mit der Sehenichts ein.

Nasstücha machte wie bereits erwähnt, lange Urlaub in den Bergen, um dann später Lilo zu ehelichen. Nebenbei stand sie mit der Sehenichts in regem Briefkontakt und schusterte dieser so viele Drow und auch Angehörige andere Rassen zu, wie sie nur konnte, damit diese zu Eierschnee bekehrt wurden, ob sie es nun wollten oder auch nicht.

Valentinstag war glücklich mit der Frau, die er so sehr liebte, auch wenn er für jede Erholungspause dankbar war. Er zeugte mehrere Kinder, so ungefähr sieben, die als eine Kreuzung aus Halbdrow und Tiefling natürlich ziemlich lustig aussahen.

Marie-Juana erlebte mit ihrem Ehemann Valentinstag und ihren sieben Kindern noch viele Abenteuer und verbreitete das geradezu ekelhaft zu nennende Gute, welches sie verströmte, überall dort, wo sie auch nur daran dachte, ihren Fuß auf den Boden zu setzen.

Der Schnarchkopf schwebte mit Ritzenbier durch die Himmlischen Sphären, da sie beide ohnehin nicht mehr hätten sitzen können. So bewiesen sie den ganzen asexuellen Deppen von Engeln und engstirnigen Hetero-Devas*, dass auch zwei Männer sich bis in alle Ewigkeit lieben konnten oder zumindest solange, bis ihnen Schmierfett und Heilsalbe ausgingen. [*siehe Kapitel 4]

Bepissthoseless war ziemlich angepisst wegen Marie-Juana und der ganzen Aktion. "Na warte, du, eines Tages zahle ich es dir heim!" Leider wusste er jedoch nicht, wie er das anstellen sollte, so saß er einfach nur frustriert in Candisarsch herum, fluchte und schimpfte vor sich hin und ärgerte sich so sehr, dass sogar die Pissenden Mitleid mit ihm bekamen.

Die Illithiden waren ebenfalls nicht ganz so glücklich. "Mist", sandte einer von ihnen seine telepathischen Schwingungen aus, "ist wohl dumm gelaufen. Was machen wir jetzt? Uns gehen allmählich die Sklaven aus." - "Warum werden wir nicht einfach Sadomasochisten und versklaven uns gegenseitig?", schlug ein anderer vor. Von dieser Idee waren alle begeistert, und wenn sie nicht gestorben sind, dann foltern sie sich noch heute.

ENDE und dergleichen

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Das war es dann. Schluss, aus und vorbei. Doch halt … für alle, die bis hierher durchgehalten haben, gibt es eventuell noch einen Epilog, welchen ich allerdings als separate Geschichte posten werde. Wer sich traut, mag denn irgendwann in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft "Szenen des Wahnsinns" lesen.