Drei Engel

Sie mussten diesen Klub gründen. Anders konnten sie nicht an dem Wettbewerb um den Posten des Präsidenten teilnehmen. Aber es gab dennoch ein Problem. Sie hatten nur drei Mitglieder und keiner von ihnen wusste jemanden, der mit ihnen kämpfen wollte. Shin hatte zwar Falena gebeten, doch sie hatte abgelehnt, da sie daran nicht interessiert sei. Sie schien irgendetwas anderes im Kopf zu haben, wovon sie allerdings nicht sprach. Und selbst Bunshichi hatte sich zunächst geweigert dem Klub beizutreten.

„Es sind nur noch wenige Tage bis zu den Ausscheidungskämpfen und wir sind noch immer zwei Leute zu wenig. Mitsuomi, du hast gesagt du wüsstest noch jemanden.", sagte Shin mit Nachdruck. „Ja, aber sie hat wohl doch kein Interesse.", erwiderte der Zehntklässler. „Also ich habe gar nicht erst nach jemandem gesucht.", sagte Bunshichi. „Jetzt hör mal her! Du begibst dich sofort auf die Suche!", fauchte Shin. Er war aufgesprungen. „Dann denk dran, dass du für jeden Idioten dankbar sein sollst, du Plusterbacke!", erwiderte Bunshichi, er war ebenfalls aufgesprungen. „Blusterbacke?", kam eine Stimme vom Eingang, gefolgt von einem Lachen. Die beiden Streithähne wandten sich um. „Falena…Maya.", sagte Shin erstaunt. „Bist du überrascht so hübsche Mädchen in diesem Männerverein zu sehen?", sagte Maya grinsend. „Wir haben den Vollidioten und uns Beide mitgebracht. Somit wären wir sechs Leute. Seid ihr uns jetzt dankbar?", sagte Falena grinsend.

Sie plagen ihn diese Halluzination, jahrelang schon. Der Alte. „Während wir zu dieser Gestalt verblichen sind, denkst du nur darüber nach wie du deine eigene Haut retten kannst." „Du sprachloser Feigling. Hey Shin", die Alte, „weißt du wie mir deine Seele vorkommt? So hässlich wie ein verrostetes Schwert." Diese kalten widerlichen Hände. So abstoßend. Doch plötzlich Wärme. Seine Halluzinationen verschwanden. Wärme. Hände auf seinen Wangen, Lippen auf seinen Lippen. Falena. „Du vertreibst nicht nur die Dunkelheit, sondern auch meine Halluzinationen.", sagte er als sie sich vor ihn setzte. „Jeder hat seinen persönlichen Dämon, Shin. So auch ich, du bist mein Dämon. Aber so wie es eine Macht größer als meine eigene gewollt hat, bezwingen wir den Dämon des jeweils anderen. Ich bezwinge deine Halluzination und du mein Verlangen nach dem Finsteren.", sagte sie und nahm seine Augenklappe ab, „Solange du in meiner Nähe bist, bist du sicher vor der Dunkelheit." Das hatte er nicht gewusst. Er lächelte sie an. „Du bist meine persönliche Prinzessin.", sagte er und küsste sie. Sie zog ihn näher an sich und ließ sich nach hinten auf den Boden gleiten zog ihn mit sich. Gerade glitt seine Hand unter ihren ohnehin kurzen Schulrock als die Tür aufging. Er sah auf. „Aya?", sagte er erstaunt. „Mit wem hast du da eben gesprochen? Bevor Falena die Stimmen unterbrach?", fragte sie. „Du hast sie also gehört?", fragte er kühl. „Ja Bruder.", erwiderte sie. „So.", sagte er. Er war über Falena erstarrt und sie durchbohrte ihn nun geradezu mit ihren Blicken. Unverheißungsvolle Blicke. Sie schien alarmiert zu sein. „Wo ist Maya?", fragte er schließlich und richtete sich auf, half Falena auf. „So ein Typ auf einem Motorrad hat sich mitgenommen.", sagte Aya. „Oh…ich werde mich dann auch auf den Weg machen.", sagte er schließlich und ließ sich von Falena die Augenklappe wieder anziehen.

Sie machten sich gemeinsam auf den Weg in die Schule und gingen dann zu ihrem Trainingsplatz. Maya und Mitsuomi schienen dort gerade angekommen zu sein. „Maya, wenn du es wagst mich noch einmal so zu veräppeln werfe ich dich aus dem Klub.", sagte er, doch bevor Maya etwas erwidern konnte erhob Falena die Stimme. Mit samtiger Stimme und mit einem unwiderstehlichen Lächeln wandte sie sich an Shin. „Shin, mein Liebster, lass den Beiden doch ihre Lieben, schließlich hast du mich.", sagte sie und küsste ihn sanft. Er seufzte. „Na gut, Prinzessin.", sagte er und legte einen Arm um sie. Gemeinsam gingen sie zur Eröffnung des Wettkampfes.

Sie beobachtete nun die Ausscheidungskämpfe und griff selbst ein, sobald es Zeit wurde. Doch nun bahnte sich eine weitaus bedrohlichere Situation an. Der alte Mann und das Reiki. Der alte Mann wollte, dass Shin das Reiki zurücknahm. Er erlaubte ihm ein Massaker anzurichten. Sie hielt sich schon bereit die Zeit einfrieren zu lassen, dass Reiki für immer verschwinden zu lassen. Es war natürlich ein grober Verstoß gegen die Regeln, doch wenn es nicht anders ging um ihren geliebten Nachtfalter zu retten, musste sie es tun. Es gab aus Regeln immer einen Ausweg. Aber was geschah da drin? Shin berührte es…und er widerstand. Wie außerordentlich erstaunlich. Wie es aussah hatte er einiges an Selbstbeherrschung gewonnen. Er drehte sich um. Sie wusste, dass er dachte sie würde vor der Tür warten. Blitzschnell machte sie sich auf den Weg dorthin und kam gerade rechtzeitig als er den Raum verließ an.

„Ist alles gut verlaufen?", fragte sie lächelnd und nahm seine Hand. „Du hast es selbst gesehen.", erwiderte er und blickte sie mild an, obwohl er zornig sein sollte. Er konnte ihr nicht böse sein, er liebte sie einfach viel zu sehr. „Ich bin sehr stolz auf dich.", sagte sie schließlich und ging mit ihm schweigend den Gang entlang nach unten zum Dojo. Doch dort klebte ein Brief an der Tür. Shin nahm ihn herunter und las ihn nachdenklich. „Der Kampf hat schon begonnen? Was soll das heißen?", sagte er an Falena gewandt. „Das bedeutete, dass ich mich nun nicht mehr einmische. Zunächst.", sagte sie und folgte ihm dann, als er Richtung Schulgebäude ging.

Es war fürchterlich die Kämpfe mit anzusehen. Mit anzusehen wie Shin über sich selbst die Kontrolle verlor, als er sah was sie Maya angetan hatten. Zu sehen wie er Mitsuomi verletzte. Er hatte sich nicht unter Kontrolle gehabt. Doch Mitsuomi hatte Glück gehabt und war nicht schwer verletzt worden. Shin kam sogar um sich zu entschuldigen, obgleich die Entschuldigung etwas fragwürdig klang.

Shin war heute mit Maya ans Meer gefahren, er hatte gesagt, er wolle noch einmal mit Maya das Meer sehen. Es ließ sie misstrauisch werden und daher nahm bereitet sie sich darauf vor in nächster Zeit die wohl größte Veränderung die sie bisher an der Zeit vorgenommen hatte, in die Tat umzusetzen. Und nun, kaum war Shin zurück hatte er eine neue Idee, er wollte Klubfotos machen. Er plante tatsächlich etwas. Und er hielt sie dabei raus, also konnte es einfach nichts gutes sein. Nun wenigstens mit dem Klubfoto würde sie ihm eine Freude machen und sich mit Ablichten lassen. Mit ihm zusammen bei seinem Motorrad. Wenigstens an diesem Tag konnte er aus vollem Herzen lachen.

Doch es würde nicht lange weilen.

Er kämpfte also tatsächlich gegen Mitsuomi. Er kämpfte diesen Kampf. Er würde niemals gegen ihn gewinnen, wenn er das Drachenauge nicht einsetzten würde. Und immer wieder Mayas Schreie, die den Kampf unbedingt unterbrechen wollte. Er schien zu verlieren, er schien sterben zu wollen. Nein, das durfte nicht sein! Doch plötzlich wendete sich das Blatt, er schien die Oberhand zu gewinnen. Doch wieder wurde er zu Boden geschlagen. Doch dann endete es, das Drachenauge erwachte.

Jetzt würde er siegen. Er würde Mitsuomi mit sich in die Hölle reißen. Er holte zum Schlag aus, doch plötzlich wurde seine Hand aufgefangen. Dann die andere. Die Energie, die der vernichtende Schlag mit sich trug, floss nun in einen anderen Körper. Die Energie zirkulierte nun zwischen diesen beiden verbundenen Körpern. Sein Blick wurde klar, das Drachenauge es war plötzlich verschwunden und er blickte in Augen die smaragdfarben leuchteten. Ein kurzer Blick zur Seite bestätigte was er erwartete hatte, sie hatte die Zeit angehalten. „Spürst du die Energie, die zwischen uns fließt? Deine Dunkelheit strömt in meinen Körper und wird zu Licht. Spürst du wie du aus der Finsternis ausbrichst und zum Schmetterling wirst? Ich kontrolliere nun voll und ganz das Drachenauge. Denn du hast dich deinen Dämonen nun lange genug gestellt. Es ist Zeit für dich Vergebung zum Empfangen und Vergessen zu genießen.", sagte sie und löste die Verbindung die durch ihre Hände entstanden war. Er spürte in sich eine tiefe Erleichterung als wäre eine schwere Last von ihm genommen worden. Er wollte gar nicht mehr kämpfen. Er wollte, dass seine Sünden vergeben werden. Er wollte, dass seine Schandtaten ungeschehen wären. Sie legte ihm zwei Finger über die Augen und schloss sanft seine Augenlider. Etwas ging von ihnen aus, eine Art sanfte Welle, dann nahm sie ihre Hand von ihm.

Sünden waren nun vergeben und das Vergessen legte sich über die Geschehnisse. Licht und der vom Licht gesegnete Nachtfalter wurden eins. Wurden zum Schöpfer eines Geschöpfs, das dem Licht widerstand und der Dunkelheit entgegen flog.