Titel: Per Aspera Ad Astra

Autor: Yu Silabar

Status: Idee: 05-2008; geschrieben: 02-2009 [Jan-31 bis Feb-11]

Basierend auf: Harry Potter [von J.K. Rowling]

Genre: Romance/Drama

Warnungen: keine

Charaktere: Severus Snape, Hermione Granger, Minerva McGonagall, Harry Potter, Ginny Weasley, Albus Dumbledore, und andere (auch eigens kreierte Charaktere)

Pairing: SSHG

Altersfreigabe: ab 14 Jahren

Disclaimer: Alle mit 'Harry Potter' verbundenen Urheberrechte zur Veröffentlichung liegen bei J.K. Rowling; Namen und Schutzmarken dazu gehören Warner Bros.

Claimer: Alles eigens Kreierte, was noch übrig bleibt und nicht in den 'Harry Potter' Büchern und Filmen auftaucht oder mal von J.K. Rowling oder Warner Bros. irgendwo erwähnt wurde, gehört mir. Es dient einem nichtkommerziellen Zweck - nur zum Spaß an der Freude.

Inhalt: Severus Snape wurde trotz seiner Taten für den Orden als Todesser verurteilt. Ein Gesetz zwingt ihn, seinen guten Willen zu zeigen und Hermione Granger sollte dabei helfen. Doch leider verläuft nicht alles so wie einst geplant. Die Odyssee beginnt…

Spoiler/Timeline: Alles in Allem, schließt es an 'Deathly Hallows' an; mit kleinen, feinen Abwandlungen.

A/N: Hochladen eines neuen Kapitels, jeden Sonntag (falls nichts dazwischen kommt). Die Story ist fertig und hat 23 Kapitel. Keine Beta.


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Nur die Gegensätze lehren einen die Welt kennen:

Wer nicht ums Dunkel weiß, kann das Licht nicht erkennen.

(aus Japan)

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Per Aspera Ad Astra

--- Prolog ---

im Juli 1998

Er wachte auf, schweißgebadet und innerlich zerfressen von all den Erinnerungen die jener Mensch in ihn hineingepfercht hatte. Er wollte und konnte ihm diese Qualen, die er jetzt jede Nacht durchlebte, nicht verzeihen. Er stand jeden Tag mit dem beseelten Wunsch auf, eines Tages auf dessen Grab zu spucken.

Am Frühstückstisch prangerte ihn, in großen Lettern auf dem Deckblatt des Tagespropheten, der Beschluss des neuen Gesetzes an: 'Lex dura et durabilis'. Schweigend setzte er sich hin und ließ sich von der süßlichen Stimme aus dem Tagespropheten berieseln, so wie er versuchte, seine stete Müdigkeit, durch den unruhigen Schlaf den er hatte, mit Kaffee zu verscheuchen:

Jeder ehemalige Todesser, der den finalen Kampf gegen Du-Weißt-Schon-Wen überlebt hat, bekommt mit sofortigem Inkrafttreten des neuen Gesetzes, zur Erhaltung und Fortführung unserer magischen Nation aufgrund schwerwiegender Verluste im zweiten Krieg gegen Du-Weißt-Schon-Wen, das Recht, sich rechtschaffend in die neuwertige Gesellschaftsordnung wieder einzugliedern.

Somit wird allen geächteten und verurteilten Todessern durch das Zauberei-Ministerium garantiert, strafmildernde Umstände bis hin zur Rehabilitation zu erhalten. Gemäß des Erlasses, der sich nicht nur allein auf Verbrecher bezieht, sondern auch andere Magier dazu anhält, muggelstämmige geborene Magier zu heiraten, erwartet das Zauberei-Ministerium in Kürze viele Anträge beider Seiten. Hierzu wurde ein Sonderbüro gebildet, welches die Flut der Anträge - die man durchaus erwarten kann - entgegennehmen wird.

Ein Ministeriumssprecher bestätigte, dass aufgrund der vielen Verluste im Krieg, die Wiedereinführung eines derartigen Gesetzes gerechtfertigt ist: 'Wir waren uns darüber durchaus im Klaren, dass es eine einschneidende Maßnahme in das Privatleben vieler Magier in unserem Lande sein würde. Doch viele sind wir nicht mehr. Allein im Ministerium sind gerade einmal noch ein knappes Fünftel der Angestellten zugegen. Das sind keine normalen Zustände und daher greifen wir auf das alte Recht aus dem Jahre 793 zurück, dem bereits damals eine ähnliche Situation vorangegangen war und unsere Nation vor dem Untergang bewahrte. Wir haben verständlicherweise um freiwillige Beteiligung gebeten, dennoch möchten wir als Land für die kommende Unterstützung unserer Bürger danken. Jeder, der sich am Programm zum Erhalt unserer magischen Gemeinschaft beteiligt - egal ob ein Muggel-Verwandter einer muggelstämmigen Hexe oder Zauberers sich dazu bereit erklären möchte, oder ein Magier sich dazu entschließt einen Muggel zu heiraten - erhält vom Ministerium mit Vorzeigung der Heiratsurkunde eintausendeinhundertelf Galleonen, sowie mit der Geburt jeden Kindes weitere dreiunddreißig Galleonen monatlich bis zur Vollendung der Volljährigkeit des Nachwuchses.'

Als wir fragten, woher man das viele Geld nehmen wolle, sagte man uns: 'Wir haben einen Fonds dafür eingerichtet, der durch die Hilfe von einigen namhaften alten Zaubereifamilien unterstützt wird. Unser Ministerium möchte sich daher für diese Großzügigkeit bei den Familien Malfoy und Nott herzlichst bedanken.'

Angesichts dieses verlockenden Angebots, werden die wenigen Mitarbeiter im neuen Büro für 'Magische Kommunikation zwischen Muggeln und Magiern zur Erhaltung der magischen Nation Großbritanniens' alle Hände voll zu tun haben. Näheres zu den Bedingungen und Bestimmungen auf Seite 7.

Arthur legte die Zeitung auf den Tisch. Harry, der immer noch tiefe Augenringe hatte, umfasste seine Tasse mit Kaffee fester.

Der alte Weasley erahnte Harrys Zorn. "Es war doch abzusehen, dass die Malfoys wieder ihren Kopf aus der Schlinge ziehen werden, Harry."

Harry lehnte sich zurück. "Und wie immer kommen sie damit durch." knurrte er.

"Nun, Lucius ist tot. Narzissa muss also selbst einen Partner suchen, der entweder zumindest halbblütig ist oder ganz und gar Muggel. Und selbst für Draco wird es nicht einfach werden, wenn er dazu beitragen möchte, dass sein Familienname wieder etwas mehr Glanz in der Öffentlichkeit bekommen soll." gab Arthur zu verstehen.

"Und ich?" fragte er.

"Du hast Sonderrechte." meinte Molly streng und stellte ihm frische heiße Würstchen und Rührei auf den Tisch. "Du solltest dir nicht so viele Sorgen machen, mein Junge." schwatzte sie mütterlich auf ihn ein, als sie sein müdes Gesicht innigst betrachtete.

"Das heißt, ich und Ginny… also wir dürften…" er lief knallrot an und die beiden Weasley schauten sich mit funkelten Augen kurz an. "Ja, das dürftet ihr." grinste Arthur breit und Molly jauchzte leise.

"Aber was ist mit Hermione?" fragte er geschwind.

"Nun, sie ist auch als 'Mit-Heldin' gefeiert worden, also dürfte sie im Grunde genommen das gleiche Recht haben." blickte Arthur zuversichtlich über den Tisch zu Harry.

Harry nickte und trank seine Müdigkeit behände in Vergessenheit.

"Außer sie hat wieder ihren obligatorischen Sinn für Gerechtigkeit entdeckt und möchte sich freiwillig dem Programm melden." kam Percy zur Tür hinein. "Guten Morgen, die Nachtschicht war grausam. Bereits kurz nach Mitternacht haben sie dem neuen Büro geradezu die Tür eingerannt. Die Briefeulen treten sich gegenseitig halb tot, so viele sind es." plapperte er kopfschüttelnd.

"Was, die haben alle schon Anträge?" fragte Arthur perplex.

"Ja, die sind wie die Irren, sag' ich euch, als ging es um die besten Plätze bei der Quidditch-Weltmeisterschaft." und roch bereits den leckeren Speck, den seine Mutter gerade für ihn in der Pfanne besonders knusprig brutzelte, so wie er es gern mochte.

Percy schlug die Zeitung auf Seite sieben auf und wieder begann die Stimme mit ihrem Gefasel:

Das neue Gesetz, sieht aber auch andere Möglichkeiten vor und lehnt an das alte 'lex talionis' an, welches speziell bindend für alle verurteilten Todesser und Sympathisanten von Du-Weißt-Schon-Wem gilt: Das Gesetz für die Wiedervergeltung eines körperlichen Schadens.

Somit kann im Allgemeinen davon ausgegangen werden, dass neben einer Heirat auch gemeinnützige Aufgaben erfüllt werden können oder gar müssen. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind aber, dass es keine Verurteilung aufgrund eines Verbrechen in Form eines Mordes darstellt. Da viele ehemalige Todesser jedoch gemordet haben, dürfte die Zweckmäßigkeit nicht gegeben sein, allein durch Spenden und gemeinnütziges Arbeiten für die magische Gemeinschaft, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Jenes Gesetz sieht vor, dass:

'Jeder, der im Wissen seiner geistigen Kräfte, für den Dunklen Lord gearbeitet hat – unberührt davon, ob nur Informationen zugetraten oder nicht - somit der restlichen magischen Bevölkerung und der Gemeinschaft Schaden zugeführt hat -, dazu verpflichtet ist, dies durch eine Wiedergutmachung zu tilgen.'

Es ist eine Art Entschädigungsgesetz, nachdem man es abschaffte, alle einfach nur nach Azkaban zu bringen und die Dementoren nicht länger Wächter dieses Gefängnisses sind. Das Gesetz ist dauerhaft für die Zeitspanne des irdischen Lebens des Betroffenen.

Und weiter heißt es in Abschnitt 1a:

'Alle dem Dunklen Lord Tom Marvolo Riddle angetanen Personen, die an dem Tode Dritter oder Dritter Parteien physischen Schaden zugefügt haben, beteiligt waren, haben sich dem 'Lex dura et durabilis' zu beugen.'

Was wiederum bedeutet, dass nur sehr, sehr wenige wirklich einer Heirat entfliehen können. Für alle anderen Magier gilt das 'Lex dura et durabilis' insofern - in einem eigenständigen Gesetz -, dass diese zur Heirat mit einem nichtmagischen nicht verpflichtet sind, wenn sie gewillt sind auszuwandern. Also ist doch jeder magische Bürger Großbritanniens dazu verpflichtet.

Jedoch gibt es eine Liste von Ausnahmen, die das Ministerium im Einzelfall genau überprüfen wird.

Percy seufzte. "Ist eine komplexe Sache und deine Freundin Mione will bestimmt nicht auswandern. Sie hat erst ihre Eltern wieder zurück geholt." murmelte er.

"Und Tonks und Andromeda?" fragte Molly.

"Ministeriumsangestellte stehen mit auf der Ausnahmeliste. Da sonst noch weniger ihren Dienst verrichten könnten und dann würde auch noch das politische Gebilde zusammenbrechen. Andromeda ist als zweite Erziehungsberechtigte für Teddy eingetragen und daher mit ein Familienmitglied eines Ministeriumsangestellten. Auch sie ist somit nicht davon betroffen." meinte Arthur und schnappte sich ein Stück knusprigen Speck von Percys Teller.

Molly atmete erleichtert auf und schenkte jedem Tee nach, außer Harry. Er bekam seinen Kaffee schwarz, ein Getränk das Molly eigentlich verabscheute, aber ihr Herz viel zu weich war, als dass sie es ihm verwehren könnte. Für sie war Harry nicht ein zukünftiger akzeptabler Schwiegersohn, sondern ein inniges Mitglied der Familie Weasley und nach Rons Tod ihr noch mehr ans Herz gewachsen.

Harry hingegen hatte die Bemerkung von Percy in Angst und Schrecken versetzt. Hermione war durchaus der Typ Mensch, sich für so ein irrsinniges Gesetz zu melden. Als er dann noch daran dachte, wie sie einst in Hogwarts versucht hatte, sich für die Elfen einzusetzen…

Er stand auf. "Ich habe einen Termin bei Kingsley im Ministerium. Es geht um den Beginn meiner Aurorenausbildung." gab er an und huschte auf sein Zimmer, um seinen Reiseumhang zu holen.

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Per Aspera Ad Astra

--- 1. Der letzte Wunsch ---

im Juli 1998

Das britische Zauberei-Ministerium wirkte wie ausgestorben. Am Empfang stand ein Wächter, las Zeitung und gähnte. Jede seiner Bewegungen waren wie in Zeitlupe, als hätte ihn jemand mit einem Akinesia-Zauber belegt, der seine Motorik stark verlangsamt. Harry nickte ihm zu als dieser gelangweilt aufsah, wer hier ganz allein durch die Halle schritt.

"Guten Morgen, Mr Potter." erhob sich der Mann rasch und zupfte an seinen Roben herum, als er registrierte, dass es der Bezwinger des mächtigsten aller bis dato gesehenen schwarzen Magier auf Erden war: Harry James Potter.

"Guten Morgen, Mr Mungle." Er ging auf ihn zu und gab seinen Zauberstab ab.

"Sie wissen, dass das nur Routine ist. Doch wenn sie ihre Ausbildung anfangen, hat sich das für Sie dann erübrigt." murmelte der junge Mann verlegen.

"Ja, natürlich." nickte Harry etwas schmunzelnd und ging danach weiter zu den Fahrstühlen.

Pinkus Mungle war ein immer recht nervöser junger Mann. Er war gerade einmal vier oder fünf Jahre älter als Harry, aber hatte bereits Angewohnheiten wie ein schon viele Jahre gedienter Wachmann: er trank unentwegt schwarzen Tee, vergrub seine Nase in Boulevard-Magazinen und hatte heimlich immer einen magischen Ohrwurm in seiner Hosentasche versteckt, wo er die Live-Reportagen des Quidditch-Sports mit verfolgte, sicherlich auch, ob er mit seinen Wetten gut im Rennen lag. Ganz zu schweigen von den fetttriefenden Krapfen, die mit dicken Zuckerguss übergossen waren und er kiloweise jeden Tag in sich hineinstopfte.

Kingsley war recht überrascht, Harry schon so früh zu sehen. "Harry! Wie schön, komm rein." und bot ihm einen Platz an.

"Hallo Kingsley, nett eingerichtet." meinte er und schaute sich kurz um.

"Nun ja, ein bisschen hier und da Farbe, mehr auch nicht. Was führt dich hierher, mein Junge?" fragte er gelassen.

"Nun, es geht in erster Linie um meine Aurorenausbildung. Doch auch… aus ganz anderem Grund."

"Hm." stand Kingsley auf, holte eine Kanne Tee und zwei Tassen. Er ahnte, dass dies ein besonderes Gespräch werden würde und setzte sich daher nicht hinter seinen Schreibtisch, sondern neben Harry. "Schieß los." goss er Harry und sich Tee ein und Harry griff zuerst nach der Tasse, um sich etwas Zeit zu verschaffen.

"Es geht um das neue Gesetz. Ich weiß, dass die Todesser ein Recht darauf haben, sich zu rehabilitieren." kam Harry mit seinem Anliegen langsam in Fahrt.

"Ja, das Recht haben sie. Ich halte nicht viel von Dementoren und ich bin froh, dass wenigstens diese Geschöpfe nicht länger Azkaban bewachen."

"Aber musste das Gesetz denn sein?" fragte er.

"Ja, leider. Wir haben", und Kingsley wirkte dabei recht betrübt, "fast dreißigtausend Hexen und Zauberer verloren. Unsere Bevölkerung in Irland und Großbritannien bestand aus achtunddreißigtausend Magiern. Jetzt…"

Harry schluckte. Er zitterte die Tasse auf den Tisch. "So viele?" fragte er mehr sich als den Minister.

"Du siehst doch, wie leer die Winkelgasse ist. Du siehst doch, wie viele Alte noch übrig sind und die Jungen fehlen. Mungle ist der einzige Wachmann im Ministerium, der unter achtzig Jahren ist."

Kingsley rieb sich mit seiner großen Hand übers Gesicht, hielt am Kinn fest, stützte sich verloren darauf. "Das Land ist kaputt. Voldemort hat mit den Dementoren und Riesen einen Schaden angerichtet, der in mehreren hundert Jahren nicht wieder gut zu machen ist. Allein über die letzten fünf Monate seiner Herrschaft haben die Dementoren über fünfundzwanzigtausend Magier geküsst, die die Riesen dann töteten. Es war eine Vernichtungsmaschinerie die Voldemort ins Rollen gebracht hatte und nun stehen wir auf den Trümmern unserer Existenz, versuchen zu retten, was zu retten ist." gestand er leise ein.

Harry nickte wie betäubt. Er hatte in der gesamten Zeit seines Widerstandes nie einen Blick oder Sinn für den Rest der magischen Welt aufbringen können. Er hatte keine Zeit dafür gehabt. Sein Leben und das von Ron und Hermione stand auf dem Spiel - ganz zu schweigen, wie viel ihm Ginny bedeutete und er stets an sie denken musste, als er draußen wie ein Straßenräuber umhergestreift war. Die Angst und Furcht zu versagen, klebte ihm damals im Nacken, es war eine zermürbende Situation gewesen. Für ihn galt es nur Horkruxe zu finden, am Leben zu bleiben und letztendlich Voldemort zu besiegen, wenn er seine Freunde retten wollte. Doch so viele?

Harry seufzte laut. "Kann ich die Liste der Todesser sehen?" fragte er, um sich selbst wieder mit den Gedanken in andere Bahnen zu lenken.

"Natürlich, nur warum interessiert es dich?" fragte der neue Zaubereiminister aufs gerade Wohl heraus.

"Nun, ich möchte es einfach wissen." antwortete er schlicht.

Kingsley nickte und gab dem Jungen ein Pergament. Sechsundsechzig Namen standen darauf und ganz unten der von Severus Snape.

Er hielt inne. In seiner Halsschlagader schoss ein Geysir heißen Adrenalin geladenen Blutes in den Kopf und verursachte ein heftiges Rauschen in seinen Ohren. "Severus Snape?" atmete Harry hitzig aus.

"Ja, hat man es dir nicht erzählt?" Kingsley hob verdutzt seine Augenbrauen.

"Nein." brummte er mit belegter Stimme. Harry konnte also dem Menschen, der ihm diese Erinnerungen an seine Mutter gegeben hatte zur Rechenschaft ziehen und nicht wie er glaubte, dass er nur dessen Grab anspucken konnte, allein gelassen mit seiner Wut.

"Ich habe gesehen, dass Nagini ihn getötet hat." sagte Harry kalt und ließ die Liste matt in seinen Schoß sinken.

"In dem Moment wo Ron und du den Worten Voldemorts lauschten, hatte Hermione einen Bezoar in Severus Mund gesteckt und ihr Verbandpäckchen geplündert. Mehr konnte sie in dem Moment nicht tun, aber es rettete ihm das Leben."

"Aber warum?"

Kingsley hob abermals beide Brauen. Harry schien Severus Snapes Überleben ganz und gar aus der Fassung zu bringen.

"Ich meine", gab Harry mit mehr Zurückhaltung zu verstehen, "warum hat sie mir nichts davon gesagt?" und war stimmlich dennoch regelrecht fassungslos.

"Nun, angesichts der Hektik und all der anderen Sorgen und Ängste, war dafür wohl keine Zeit. Habt ihr darüber noch nicht gesprochen?" fragte der Shaklebolt beinahe verwerflich.

"Nein, haben wir nicht. Da war Rons und Freds Beerdigung. Alle waren gelähmt und geschockt… Es war so… schwer für uns alle… und dann wollte sie zu ihren Eltern und…" Harry raufte sich die Haare.

"Du solltest Hermione besuchen. Sie hat ihre Eltern aus Australien zurück geholt", Kingsley nahm einen kräftigen Schluck heißen Tee zu sich, "Du solltest es von ihr selbst erfahren."

"Mache ich." murmelte Harry und stand auf. Als er an der Tür war, drehte er sich um.

"Das mit der Ausbildung besprechen wir ein andermal, Harry."

"Danke, wo ist Snape jetzt?"

"Soweit ich weiß, liegt er noch im St Mungos. Er hatte genau - wie Arthur damals - großes Glück. Hättet ihr ihn mehr bewegt, wäre er vielleicht sogar gelähmt gewesen. Doch Hermione hatte nach Verabreichung der Tränke eine Art Stasis über ihn gelegt, ihn ins künstliche Heil-Koma versetzt. Und… Doch triff sie erst einmal. Sie wird sich sicherlich freuen, wenn du sie einmal besuchst."

"Ja." Harry nickte etwas beklemmt und ging.

Sein Wunsch Snape all seinen Zorn ins Gesicht zu schmettern konnte sich also erfüllen. Doch zuerst wollte er zu Mione. Er musste sie unbedingt sehen. Irgendetwas hatte Kingsley ihm verschwiegen, etwas dass mit Mione zu tun hatte und das nagte an Harry.

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Harry ging die rissige und Teer schwitzende Muggelstraße entlang. Der Sommer war sehr heiß und das Grün in den Vorgärten schien unter der unerbittlich strahlenden Sonne nach und nach zu verdorren. Er kam an ein kleines Einfamilienhaus. Es schien idyllisch, also begab er sich auf das Tor zu, wollte es öffnen, doch erschienen Buchstaben darauf, gewiss nur von Magiern wahrnehmbar. 'Dieses Haus unterliegt den Untersuchung des Zauberei-Ministeriums für die Strafverfolgung magischer Verbrechen. Betreten verboten! Zuwiderhandlungen werden geahndet!' Er seufzte und blickte sich um. Muggel würden zwar diese Warnzeichen nicht sehen, aber genauso wenig auch nur einen Fuß auf das Gelände setzen können. Er streckte die Hand aus und ein kurzes blaugraues Flimmern tat sich auf. Ein Schutzschild.

Er sah nicht, wie jemand auf ihn aufmerksam geworden war und sich ihm näherte.

"Harry?" fragte dieser Jemand und kam auch schon auf ihn zugerannt.

"Mione!" freute er sich riesig und beide fielen sich in die Arme. "Was ist mit eurem Haus passiert?" deutete er auf die Tür.

Miones Lächeln erstarb auf ihrem Gesicht. "Nun, Todesser müssen es wohl ordentlich verflucht haben. Als ich hierher kam und das Grundstück betrat war noch alles Ok. Aber als ich die Tür öffnen wollte, nun da…" und sie hob ihre rechte Hand.

"Oh bei Merlins Barte!" entkam es ihm und blickte auf die große Narbe. "Du…" er konnte nicht glauben, dass nach dem Sieg immer noch solche Schandtaten begangen werden konnten, schon gar nicht zu einem Zeitpunkt an dem man glaubte, es sei alles vorbei - für immer.

"Nun, es braucht noch ein paar Monate bis es wirklich verheilt ist. Die Narbe bleibt als einzige Erinnerung zurück. Die Tentakeln konnte ich schnell entfernen. Sie sind wie Holzwürmer, die darauf warten, dass etwas Lebendiges sich ihnen nähert. Es bleibt eben nur eine Narbe zurück, aber mehr auch nicht." erklärte sie, als störe sie das alles gar nicht. Doch innerlich wusste sie genau, dass das gelogen war.

"Und der Rest des Hauses?" blickte Harry mit geschlitzten Augen darauf, als könne er die Flüche mit bloßem Auge erkennen.

"Ist noch unbewohnbar. Meine Eltern und ich haben eine kleine Wohnung gemietet, ganz in der Nähe. Ein paar versprengte Todesser hatten sie angegriffen. Es war schrecklich, Harry. Aber das St Mungos hat geholfen, Kingsley hatte sich persönlich darum gekümmert." und beide machten sich auf dem Weg dorthin.

"Wie geht es deinen Eltern?" fragte er vorsichtig.

Hermione schien jetzt zwar wie eh und je, aber irgend etwas lastete auf ihren schmalen Schultern. Harry spürte dies genau, denn schließlich kannten sich beide schon viele Jahren und hatten in Hogwarts fast jeden Tag gemeinsam herumgehangen oder sie ihn zum Lernen animiert, was nicht immer erfolgversprechend gewesen war.

"Gut, es geht ihnen wieder gut." murmelte sie leise.

Harry beobachtete sie genau. Hermione versuchte wie immer aufgeweckt, voller Tatendrang - ihre Gedanken kreisten wahrscheinlich gerade um das Wissen dieser Welt - auf ihn zu wirken. Dennoch beschlich ihn das Gefühl, dass auch sie mit inneren Dämonen kämpfe - Überbleibsel von den zehrenden Monaten des Krieges -; sie nachts heimsuchten, so wie ihn.

Harry konnte das Thema Ron genauso wenig ansprechen wie Hermione es vermochte. Selbst auf der Beerdigung von ihm und Fred, war die Stimmung für alle zum Erbrechen erdrückend gewesen. Beide Freunde trauerten um ihn, aber beide hatten auch noch nicht den Mut gefasst, offen darüber zu reden.

Also lenkte Harry ab. "Ich habe heute zufällig von Kingsley erfahren, dass Snape überlebt hat." gab er an.

Mione nickte. "Ja, er liegt im St Mungos." schielte sie kurz zu ihm rüber und blickte dann schnell akribisch auf den Weg vor sich.

"Warum hast du nichts gesagt?" war seine Stimme daraufhin vorwurfsvoller, als er es gemeint hatte.

"Es war so viel um uns herum geschehen. Da habe ich es wohl vergessen." sagte sie geschwind.

Harry wollte nachhaken, doch da waren bereits das neue Zuhause von Hermiones Eltern in Sicht und in dessen Vorgarten ihr Vater sich ein paar zerbröselte Wegplatten ansah und zu überlegen schien, wie er dieses Problem am besten angehen sollte.

Mr Granger seufzte, rieb sich den Nacken und schaute auf. Als er Harry entdeckte, wich sein sorgenvolles Gesicht und ein müdes Lächeln erschien.

"Harry, wie schön!" kam ihr Vater auf ihn zu und umarmte ihn. "Wir sind ja alle so stolz auf dich." und der junge Mann ließ sich von ihm in das recht kleine Haus mitziehen.

Mrs Granger, bewaffnet mit Topflappen, öffnete gerade die Haustür, um alle zum Mittagessen zu rufen, als sie ihren Mann mit Harry auf sich kommen sah.

Sie schmunzelte kurz, nickte. "Harry, wie schön. Nett, dass du vorbeischaust."

Mione beobachtete ihre Eltern, wie sie so fröhlich schienen und sich mit Harry unterhielten, ihn sogar zum Essen einluden. Leise seufzte sie und trottete hinterher.

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Am nächsten Tag, hatte sich Harry vorgenommen Snape aufzusuchen. Als er im St Mungos ankam, konnte man ihm jedoch nur mitteilen, dass der ehemalige Professor und Schulleiter, immer noch im Koma läge. Sein Zustand schien stabil, aber mehr auch nicht und allein darüber waren die Heiler bereits sehr froh.

Also saß Harry am Bett dieses Mannes, der mit seinem Weißkäsegesicht immer noch jene kalte Ausstrahlung auf ihn hatte, wie seit eh und je. Und dabei hatte er sich so sehr gewünscht, diesem Ekel endlich die Meinung zu geigen. "Stirb mir bloß nicht weg, bevor ich nicht mit dir fertig bin." zischte Harry und sein Wunsch, diesem Mann einfach einmal alles an den Kopf zu werfen, was sich all die Jahre über angesammelt hatte und durch die angeblich letzten Erinnerungen von ihm in Harry wiederfanden, machten diesen Wunsch nur noch hartnäckiger.

Unverrichteter Dinge ging er wieder und grübelte vor sich hin. Als er gestern bei Hermione war, hatte er bemerkt, wie die Familie Granger versuchte wieder ein normales Leben aufzubauen. Doch irgendwie schien ein großer Schatten stets allgegenwärtig zu sein. Daher hatte er Mione nicht auf das neue Gesetz angesprochen und ob sie dabei freiwillig mitmachen wollte. Er hatte gemerkt, dass durch seine Anwesenheit, sie seit Ewigkeiten wieder einmal zu lächeln angefangen hatte und da konnte er ihr dieses kleine Glück des Frohsinns von wenigen Augenblicken nicht nehmen und war auch zum Tee geblieben.

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Mione hatte sich von der Wohnung ihrer Eltern fortgeschlichen und war im Büro eingetroffen, das sich um die Heiratsvermittlung kümmerte. Sie saß vor dem Schreibtisch und starrte kurz auf das Namensschild, dahinter jene Person, die im Endeffekt über alles entschied: Wystania Eldowney.

"Ms Granger, aufgrund der letzten Vorfälle mit Ihnen und Ihren Eltern, müssen wir leider davon absehen, Ihnen Sonderrechte zukommen zu lassen. Wir legen einen großen Wert auf die Rehabilitation der Todesser. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, doch…" Die ältere Frau, die allein die Flut aller Anträge bearbeiten musste, sah müde und abgekämpft aus. "…doch das Gesetz ist für alle bindend. Bei Ihnen jedoch kommt 'lex talionis' hinzu, da Ihre Eltern und Sie selbst einen schweren persönlichen Schaden durch Gefolgsleute von Tom Riddle erlitten haben. Sie könnten einerseits nur Vergütungen entgegen nehmen, jedoch…" Wystania seufzte. "Es sind bereits all diese Optionen vergeben, an andere. Es gibt keinen Todesser, der die Höhe Ihres entstandenen Schaden für Sie und Ihre Familie in Gold und Grundbesitz aufwiegen könnte."

Hermione nickte. "Die angeblich besten Plätze sind also schon vergeben." murmelte sie.

Wystania runzelte die Stirn. Das Wort 'angeblich' passte nicht so ganz in ihre erwartete Antwort der jungen Frau hinein. "Ja, leider." seufzte die Frau mitfühlend und Hermione versuchte dennoch etwas zu lächeln.

Wenn Hermione schon hier in Großbritannien bleiben durfte, dann nur unter einer Bedingung - ihr Kandidat konnte nur einer sein, dem sie einigermaßen vertrauen konnte und dieser Jemand, schien einen brillanten Kopf und die Hingabe zu Büchern mit ihr zuteilen. Also ein paar kleine Gemeinsamkeiten gab es da schon. 'Das müsste reichen.' redete sie sich fleißig ein.

"Da Sie eben berühmt sind, könnte man sich fragen, warum Sie nach dem Tod Ihres Freundes jetzt nicht offen sind für dieses Arrangement. Es sind also mehrere Dinge die Ihnen gewiss gut tun würden, wenn Sie die Eheschließung wählen." bekräftige Eldowney die Entscheidung des Ministeriums und somit ihre eigene.

Hermione nickte abermals. Sie wollte alles so schnell wie möglich hinter sich bringen. "Wer sind die Kandidaten?" fragte sie monoton.

Die Frau lächelte gütig und gab ihr die Liste. "Lassen Sie sich Zeit…"

Hermione flog geschwind mit ihren haselnussbraunen Augen darüber, als lese sie die Liste erst gar nicht richtig. Gerade als Mrs Eldowney eine ihrer Schreibarbeiten aufnehmen wollte, stand die Entscheidung bereits fest.

"Severus Tobias Snape." sagte Hermione prompt.

Die alte Frau hob die Augenbrauen. "Sind Sie sich… da ganz sicher?" fragte sie schrill und ihre Schreibfeder, die sie in ihrer linken Hand hielt, frisch mit Tinte bestückt, hinterließ riesige Tropfen auf der Akte. Einige Sekunden starrte die alte Ministeriumsangestellte und sehr aristokratisch zugeknöpft wirkende Frau das junge Ding einfach nur an, als könne sie die Gedanken der Kleinen ausmachen.

"Ja, das bin ich…" 'und ich möchte endlich all diese Träume nicht mehr haben, nie wieder!' sprach sie im Kopf weiter.

"Sie können auch noch andere vielversprechende Kandidaten in Betracht ziehen." formulierte die alte Dame verkrampft nett und mit einem Schlenker ihres Zauberstabes, ohne dabei auf die blaue Tinten-Fleckenpracht zu schauen, wischte sie das Gekleckse weg.

"Mr Severus Snape! Das ist mein letzter Wunsch!" sagte die junge Frau mit felsenfester Stimme.

"Gut, dann werde ich Sie mit auf seine Liste nehmen. Ihre Formulare dazu können Sie in ein paar Tagen abholen. Persönliche und eigenmächtige Zustellungen an Mr Snape sind nicht möglich, aufgrund der strikten Sicherheit. Nur versiegelte und geprüfte Ministeriumsbriefe sind zugelassen." betonte die alte Eldowney und Hermione ging, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

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Wystania lehnte sich zurück. Sie selbst war einst eine Slytherin und selbstverständlich reinblütig. Ihr ausgesprochen versiertes Wissen im Bereich standesamtlicher Tätigkeiten und Hochzeitsplanungen der gehobenen Stände der magischen Bevölkerung Europas, hatte ihr diesen leidigen Job eingebracht. Doch war sie sehr überrascht, dass eine Muggelstämmige so fest an einen Namen gebunden schien. An einen, der in Voldemorts Kreisen fast schon als zweite Hand an dessen Seite gehandelt wurde. Das erzählte man sich jedenfalls bei ihr Zuhause.

Sie öffnete die Akte der jungen Frau und blickte mit riesigen Augen auf ein Wort: Gryffindor. 'Du meine Güte, sie ist eine Gryffindor.' Sie legte Snapes Akte daneben. 'Hm, sie kennen sich aus Schulzeiten… Er Lehrer, sie Schülerin… Doch soweit ich von meinem Großneffen weiß… Er hat nur die Slytherins gut behandelt… Seltsam, sehr seltsam.'

Die alte Frau bestellte sich einen heißen frischen Tee und nippte daran. Irgendetwas sagte ihr, dass diese junge Frau aus einem ganz bestimmten nur an Snape interessiert war und sogar, wenn sie die Möglichkeit noch dazu gehabt hätte, es mit einer Vergütung abzutun, ihn lieber heiraten würde. 'Wenn das mal gut geht. Dummes Ding.' schüttelte sie entrüstet den Kopf.

Später, als sie zu nächtlicher Stunde ihr Büro verschloss, hatte sie zuvor noch einmal kurz auf die vielen Stapel geschaut. Hinter jedem eine Geschichte eines zerstörten Lebens. 'Oder die Zwangsehe zerstört es.' Zum ersten Mal, auch wenn sie Wystania nicht guthieß, dass Reinblüter dazu verdammt wurden, Muggelstämmige oder deren Muggelangehörige zu heiraten, empfand sie dies als seelische Grausamkeit. Vor Antritt dieses Jobs hatte sie es nur als Pflicht angesehen, ihre Aufgabe gewissenhaft und zufriedenstellend zu erfüllen. Jetzt, jedes Mal, wenn ein Muggel durch ihre Tür kam, sie von den Lebensumständen der zur Heirat verpflichteten Personen erfuhr, heimelten persönliche Ansichten und Einstellungen mit hinein; heute besonders aufgeweckt durch eine muggelstämmige Gryffindor. Sie schüttelte seufzend ihren Kopf.

Wystania Eldowney selbst hatte einen anderen Reinblüter geheiratet und dennoch stand es ihr damals frei zu entscheiden, ob sie ihn auch wirklich wollte. Wäre sie damals nicht in ihn verliebt gewesen, hätte sie niemals Levitus heiraten können. Sie war damals schon sehr selbstbestimmend gewesen und heute käme - trotz dieses Gesetzes - auch keine andere Heirat für sie in den Sinn. 'Was ist der Grund der Kleinen?' grübelte sie, ihr Büro mittlerweile verschlossen, den Gang entlanggehend. 'Ich sollte mal wieder alte Freundinnen treffen. Lange habe ich sie schon nicht mehr gesehen. Wie es Ihnen wohl geht?'