Zitternd stand das Mädchen barfuß vor der Tür. Irgendjemand hatte mal wieder ihre Turnschuhe versteckt. Es war nicht das erste Mal, dass ihre Sachen verschwanden. Selbst auf einer Schule voller Menschen die anders waren, passte sie nicht dazu. Sie wurde ausgelacht und verspottet. Doch sie nahm alles einfach so hin. Bis jetzt. Geduld war ihre beste Eigenschaft, doch der Faden war vor wenigen Minuten gerissen. Eine Schere hatte ihn zerschnitten und diese Schere hieß Michael.

Michael war ein aussehender Junge. Sie war schon ewig heimlich in ihn verliebt gewesen. Den Mut ihn anzusprechen, hatte sie nie besessen. Obwohl er in derselben Klasse, ja sogar im selben Haus wie sie war, hatten beide noch nie ein Wort gewechselt. Doch eines Tages kam er auf sie zu, lächelte und sprach mit ihr. Er sei schon länger in sie verliebt und wolle endlich mit ihr darüber sprechen, gab Michael zu. Die Rawenclaw war überglücklich, als er sie fragte, ob sie mit ihm gehen wolle. Entzückt willigte sie ein. Das Mädchen erlebte ihren glücklichsten Monat seit langem, bis sie eine schreckliche Entdeckung machte. Sie saß ganz allein in einem großen Sessel am Kamin und wartete auf den Jungen ihrer Träume. Als er kam, bemerkte er die Wartende nicht, einen Freund, der aus dem Schlafsaal trat bemerkte er jedoch sofort. Dieser hatte ein paar Turnschuhe in der Hand. Beide begannen angeregt zu plaudern und kamen schließlich auf Michaels Beziehung zu sprechen. Böse grinsend meinte der Junge dazu, dass das Mädchen ihm alles glaube. Lachend meinte sein Kumpel, dass es nie eine bessere Idee geben würde, als die die sie hatten, als sie das Tagebuch der Rawenclaw geklaut hatten. Dann verabschiedete er sich, hob die Turnschuhe hoch und meinte, er habe noch etwas zu erledigen. Die Versteckte hatte alles genau mit angehört. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Die Tatsache, dass ihr letztes Paar Turnschuhe weg war, störte sie nicht im Geringsten. So etwas hatte sie nie aus der Fassung gebracht, aber die Tatsache, dass dieser Junge nur mit ihr gespielt hatte, ließ sie einen Entschluss fassen: Schluss mit nett und freundlich! Sie stand auf, zog ihren Zauberstab und ließ jeden Fluch los, denn sie kannte. Ein Schüler bekam das Geschehen mit und lief zum Hauslehrer.

Da stand sie nun, zitternd und ohne Schuhe, vor der Bürotür von Professor Flitwick und klopfte. „Treten Sie ein" Seufzend öffnete sie die Tür und trat ein. Verständnisvoll und dennoch streng sah der Professor sie an. „Von Ihnen hätte ich so etwas am aller wenigsten erwartet, Miss Lovegood!"