Louis Weasley

1. Er fand seinen Namen nicht besonders toll. Ihre Eltern hatten ihm und seinen Schwestern französische Namen gegeben, damit sie ein bisschen mehr von der Herkunft ihrer Mutter mitbekamen, wo sie doch schon in England lebten. Louis hielt das nicht für sinnvoll. Nur weil man einen Namen irischen, griechischen, französischen oder afrikanischen Ursprungs hatte, hieß das doch noch lange nicht, dass man mit diesem Ursprung auch irgendetwas zu tun hatte. Außerdem war seine ganze Familie und ihre Rolle im Krieg so bedeutend, dass er lieber einen nichtssagenden, unbedeutenden englischen Namen gehabt hätte.

2. Er würde alles für seine Schwestern tun. Obwohl Victoire ein Jahr älter war als er und Dominique ganze achtzehn Minuten (sie ließ ihn das nie vergessen) und er damit der Jüngste der drei, hatte sein Dad ihm schon als kleiner Junge gesagt, dass er auf seine Schwestern aufpassen sollte und dass Familie das wichtigste war. Louis vermutete, dass er das auch Victoire und Dominique gesagt hatte. Und es stimmte ja auch. Die Weasleys waren eine riesige Familie, die sich oft auf die Nerven ging, aber wenn es hart auf hart kam, dann konnte man sich darauf verlassen, dass mindestens ein Weasley einem zu Hilfe eilte.

3. Er hatte nicht geplant, mit Annie, der besten Freundin von Dominique, etwas anzufangen. Er hätte eigentlich nicht gedacht, dass sie sein Typ wäre, außerdem waren sie nicht so gut befreundet und hatten meistens nur Zeit miteinander verbracht, wenn Dominique dabei war. In den Sommerferien nach der fünften Klasse kam sie dann manchmal bei ihnen vorbei, um Dominique zu sehen, die aber nicht immer da war. Und so verbrachte Louis dann einige Zeit mit ihr, lernte sie besser kennen, freundete sich mit ihr an und merkte eines Tages, dass er mehr von ihr wollte als nur ihre Freundschaft. Und dann sagte Annie ihm, dass auch sie mehr wollte und dann waren sie zusammen. Er wusste, dass seine Schwester sauer sein und diese Beziehung auf sich beziehen würde und er wollte keine Probleme, solange er noch nicht wusste, wo das alles mit Annie hinführen würde.

Als Dominique sie schließlich dabei erwischte, wie er und Annie herumknutschten, war sie außer sich und weigerte sich mehrere Tage lang, mit ihm und Annie zu sprechen. Letzten Endes gewöhnte sie sich aber daran. Und das war Louis von vornherein klar gewesen. Schließlich waren sie Weasleys.

4. Er wäre vor Überraschung beinahe von seinem Sitz gefallen, als er von James erfuhr, dass Victoire mit Ted rumgeknutscht hatte. Als sie klein waren, hatten sie zwar gescherzt, dass die beiden irgendwann heiraten würden, Victoire hatte es eine zeitlang sogar jedem aus der Familie erzählt, weil sie es sich als Vierjährige in den Kopf gesetzt hatte, aber eigentlich hatte dann niemand mehr damit gerechnet, dass sie wirklich zusammen kommen würden. Anfangs war es auch ziemlich merkwürdig gewesen, die beiden zusammen zu sehen, aber irgendwann waren alle so daran gewöhnt, dass keiner mehr wusste, wie es war, bevor sie zusammen waren.

5. Nach seinen UTZen wollte Louis eine Abwechslung. Er wollte sich nicht gleich zu etwas ausbilden lassen oder für das Ministerium arbeiten oder bei Gringotts oder im Mungos. Er wollte auch etwas anderes als England, deshalb entschloss er sich dazu, nach Frankreich zu ziehen. Es erschien ihm abwechslungsreich genug, außerdem beherrschte er die Sprache so gut, dass er sich fließend verständigen konnte, wenn auch nicht so gut wie Victoire.

Er hatte Annie gefragt, ob sie mit ihm kommen wolle, aber eigentlich wusste er, dass sie das nicht wollte. Sie war glücklich und zufrieden in England, hatte eine Stelle in der Abteilung für Magisches Transportwesen bekommen und nicht die Absicht, das alles aufzugeben, um in ein Land zu ziehen, in dem sie niemanden kannte und die Sprache nicht verstand. Sie wollten beide keine Fernbeziehung und deshalb trennten sie sich in ziemlichen Einvernehmen. Sie waren zwar noch ineinander verliebt, aber sie hatten sich immer mehr voneinander entfernt und keiner von beiden wollte seine Wünsche und Träume für den Anderen opfern. Überraschenderweise war es Dominique, die die größten Probleme mit der Trennung hatte.

6. Seine Mum war glücklich, als er ihr den Entschluss mitteilte, nach Frankreich ziehen zu wollen, denn schließlich zog er in das Land, aus dem sie kam, das für sie immer eine Art von Zuhause darstellte, und gleichzeitig war sie todunglücklich, weil das bedeutete, dass eines ihrer Kinder so weit von ihr weg leben würde. Sie hatte schon Probleme damit, dass Victoire so oft weg war. Louis hatte gelacht und gemeint, dass ihm nie aufgefallen war, wie ähnlich sie Grandma Molly war, aber sie hatte ihm nur gesagt, dass jede Mutter so reagieren würde, die ihre Kinder liebte.

Und das hatte er später auch bei Victoire gesehen, die einige Tränen in den Augen hatte, als sie und Ted die kleine Dora zum ersten Mal nach Hogwarts schickten. Aber sie taten es trotzdem, weil es das Beste für sie war und deshalb ließ seine Mum ihn auch gehen.

7. Ein Jahr lang genoss er einfach das freie Leben ohne Verpflichtungen, Prüfungen, Hausaufgaben, geregelten Tagesablauf und ohne die ständige Frage: "Weasley? Heißt dass, du bist mit Harry Potter verwandt?" (Er hatte sich immer gefragt, wie James, Albus und Lily das aushielten.) Er hatte eine Einzimmerwohnung. Mehr brauchte er nicht. Er hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, feierte viel und brachte auch die eine oder andere Frau mit nach Hause.

Eines Tages kam ihn Victoire besuchen, die Probleme mit den Verhandlungen mit einem französischen Ministeriumsangestellten hatte. Sie war nervös, denn es war das erste Mal, dass man ihr während ihrer Ausbildung so eine Aufgabe alleine anvertraute (was man nur getan hatte, weil sie Französisch mittlerweile so gut wie Englisch beherrschte, während sie viele andere Fremdsprachen noch lernte). Louis half ihr liebend gerne, stellte fest, dass es ihm großen Spaß machte und nahm schließlich das Angebot an, in der Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit des französischen Zaubereiministeriums zu arbeiten. Er spezialisierte sich auf die britisch-französischen Beziehungen und war schließlich oft der Kontaktmann von Victoire, was viele Verhandlungen erheblich vereinfachte.

8. Er sah Annie fünf Jahre nach seinem Umzug nach Frankreich wieder, während er seine Familie in England besuchte. Sie hatte sich erst vor kurzen im Streit von ihrem Freund getrennt und Louis tröstete sie, was dazu führte, dass sie im Bett landeten. Aber trotzdem wollte keiner von ihnen ihre alte Beziehung wieder aufleben lassen und so blieb es bei One Night Stands, wenn Louis nach England kam. Doch irgendwann war ihm das nicht mehr genug, er wollte mehr, er wollte wieder eine Beziehung mit ihr, er wollte sie heiraten und nicht mehr ohne sie leben. Und deshalb war er auch bereit, wieder nach England zu ziehen, denn Annie war zu seinem größten Traum geworden.

Doch bei seinem nächsten Besuch erzählte sie ihm glücklich, dass sie sich wieder mit ihrem Freund vertragen hatte und dass er um ihre Hand angehalten hatte und dass sie ja gesagt hatte. Also verabschiedete er sich unglücklich von diesem Traum und ging wieder zurück nach Frankreich. Am Tag von Annies Hochzeit hatte er vor, sich hoffnungslos zu betrinken, um den Schmerz nicht mehr spüren zu müssen, der ihn bei jedem Gedanken an sie begleitete. Doch bevor er damit beginnen konnte, klingelte es an seiner Tür und Annie stand vor ihm. Annie, die sich von ihrem Freund getrennt hatte, nicht nur, weil er sie betrogen hatte, sondern auch, weil ihr klar geworden war, dass Louis ihr nicht egal war und dass sie lieber mit ihm zusammensein wollte als mit diesem Arschloch, an das sie insgesamt drei Jahre verschwendet hatte. Es war ihr auch egal, dass sie nach Frankreich ziehen musste.

Louis war überglücklich und schließlich einigten sie sich darauf, dass er zurück kommen würde, da er sich sowieso schon an den Gedanken gewöhnt hatte und er wieder näher bei seiner Familie leben wollte. Er hatte diese Entscheidung nie bereut.

9. Als er klein war, hatte er auch solche Narben haben wollen wie sein Dad. Sie ließen ihn gefährlich und verwegen wirken und als Neunjähriger wollte Louis das auch sein, anstatt so hübsch wie seine Mutter (welcher Junge wollte schon als hübsch bezeichnet werden?). Doch dann erfuhr er, wie sein Dad zu all diesen Narben gekommen war und das war Louis dann doch zu gefährlich.

(Und als er erwachsen war, war er wenigstens nicht mehr hübsch, sondern nur gutaussehend, und das war ihm schon viel lieber.)

10. Als er Vater wurde, hatte er eine Todesangst. Er hatte Angst, ungeeignet zu sein, zu versagen. Er hatte Angst, dass Annie etwas passieren könnte während der Geburt, Angst, dass das Baby nicht gesund war. Er hatte einfach generell Angst, dass irgendetwas schief gehen würde.

Sein Dad sagte ihm schließlich ein paar Wochen vor der Geburt, dass das völlig normal war und dass er jeden Vater in der Weasley-Familie fragen konnte und alle würden das bestätigen. Louis verzichtete darauf und zog es vor, ihm einfach zu glauben. Mit der Zeit wurde er zwar entspannter, aber die Angst um sein Kind würde ihn trotzdem nie loslassen.