Hallöchen,

wie versprochen kommt hier das neue Kapitel - und ihr musstet noch nicht einmal monatelang darauf warten. ;o)

Liebes Danke an meine Beta, Mamodo und an die fleißigen Review-Schreiber Zebathia, kazusaHeartbeat, Tete und Ferowyn!

und jetzt viel Spaß beim Lesen:


Slipper that does not fit yet,
A symbol of the day we met,
Dripping tears make our masks wet,
For our lonely past, we cannot forget.

Orion hatte den Zauberstab erhoben, als er Remus Lupin entgegenblickte, dem Werwolf, der sein Leben ruiniert hatte. Er brauchte nur eine Sekunde, um zu erkennen, dass dies nicht dieselben bösartigen, bernsteinfarbenen Augen waren, die er gewohnt war. Eine Sekunde, um zu verstehen, dass er seinem Feind den Rücken zugekehrt hatte. Eine Sekunde, die ihm theoretisch das Leben und Harry seine Chance auf Freiheit kosten konnte.

„Orion!", rief Remus aus, als er nach vorne sprang und den jungen Mann aus dem Weg stieß. Der Blitz, der aus Peters Stab geschossen kam, traf auf Remus und zerriss seinen Rücken, fügte ihm inneren Schaden zu. Sofort begannen die Wunden heftig zu bluten, färbten den Boden der Eingangshalle rot. Er brach auf Orion zusammen. „Bist du verletzt?", keuchte er?

„Mir geht es gut.", erwiderte Orion und schob Remus zur Seite, als ein weiterer heller Blitz auf sie zukam.

Er sprang auf die Beine und hob den Zauberstab. „Impedimenta!" Der helle Strahl schoss aus seinem Stab hervor und erwischte Wurmschwanz, ließ ihn bewegungsunfähig. „Expelliamus!" Schon flog der Zauberstab aus Peters steifen Fingern. „Incarcerus!" Seile erschienen und umschlangen den älteren Zauberer, pressten seine Arme an seinen Körper. Peter fiel zu Boden.

Dumbledore hetzte die Treppen hinunter; einer der Gegenstände in seinem Büro hatte ihn auf die Benutzung von schwarzer Magie aufmerksam gemacht. Er starrte geschockt auf die Szene vor sich. Remus Lupin lag am Boden, verletzt und blutend. Peter Pettigrew war gefesselt und lag auf der anderen Seite der Eingangshalle.

Minerva und Severus erschienen kurz nach ihm, durch ähnliche Alarmsysteme gewarnt. „Minerva, holen Sie bitte sofort Madam Pomfrey. Lupin muss schnellstmöglich medizinisch versorgt werden.", ordnete Orion an. Die Hexe machte kehrt und betrat ein Nebenzimmer, nutzte dort den Kamin, um die Medihexe zu rufen.

„Severus, ich überlasse die Ratte erst einmal Ihrer zärtlichen Fürsorge.", schnaubte Orion. Er drehte sich um und ging auf Remus zu, kniete sich vor ihn auf den Boden. Er strich mit zitternder Hand über sein Gesicht, beobachtete schweigend, wie dem Werwolf das Atmen scheinbar immer schwerer fiel.

„Bist du... in Ordnung?", flüsterte Remus schwach und hustete etwas Blut.

Orion zuckte bei dem Geräusch leicht zusammen. Das war seine Schuld. Er hatte Pettigrew den Rücken gekehrt, nur weil er den Mann in einer anderen Welt gekannt hatte. Wie oft hatte er gedacht, dass dieser Mann anders war? Dass er kein wildes und bösartiges Tier war? Und dennoch, seine Instinkte hatte ihn getäuscht und Remus bezahlte nun den Preis für seinen Moment der Schwäche.

„Es geht mir gut.", beruhigte Orion ihn.

„Gut.", murmelte Remus. „Ich will Harry nicht mehr traurig sehen."

Orion starrte angestrengt auf den Eingang zu dem Nebenzimmer und fragte sich, warum Madam Pomfrey so lange brauchte. Er vermutete fast, dass eine Lunge punktiert worden war. Er war nicht sicher, wie lange der Werwolf noch hatte, ehe er an seinem eigenen Blut erstickte.

Orion stand mit einem wütenden Geräusch auf und stürmte hinüber zu Severus. „Helfen Sie Lupin!", befahl er.

Schwarze Augen verengten sich, als sie ihn ansahen. „Ich bin wahrlich kein ausgebildeter..."

„Ich habe Malfoy in unserem sechsten Jahr Sectumsempra auf den Hals gehetzt.", gestand Orion. „Sie haben ihn geheilt." Er sah dem Tränkemeister fest in die Augen. „Es ist mir egal, ob der Heilzauber dunkel ist, ich werde es für mich behalten. Ich kann Harry nicht sagen, dass Lupin aufgrund meines Fehler gestorben ist.", presste er heraus.

„Ihr Wort..", forderte Severus.

„Sie haben mein Wort.", bestätigte Orion.

Snape verließ seinen Posten als Pettigrews Wache und durchquerte schnell die Eingangshalle, hielt bei dem verletzten Mann an. Mit ein paar gemurmelten Worten ließ er das Blut aus der punktierten Lunge verschwinden. Seine Stimme hob und senkte sich melodisch; die Worte klangen beinahe wie ein Lied. Licht kam aus seinem Zauberstab, umhüllte den verletzten Werwolf und heilte nach und nach seine Wunden; die Lunge war wieder wie neu, Knochen wieder da, wo sie hingehörten, Schnittwunden ordentlich verheilt. Die größte Fleischwunde auf seinem Rücken hatte sich gerade geschlossen, als Madam Pomfrey endlich auftauchte.

Sie starrte Severus für mehrere Sekunden einfach geschockt an.

„Der Mann braucht mindestens einen Blut-Wiederherstellungs-Trank.", schnarrte Snape und lenkte ihre Aufmerksamkeit somit wieder auf Remus.

„Ja, natürlich." Sie kniete neben ihm und hob sanft seinen Kopf an, flößte ihm den besagten Trank ein. Ein schmerzstillender und ein Traumlos-Trank folgten hinterher. „Mobilcorpus.", sagte sie und schwang ihren Zauberstab. Der mitterweile bewusstlose Mann schwebte in der Luft und folgte ihr zurück zum Kamin. „Ich werde ihn über Nacht im Krankenflügel behalten und ihn komplett durchchecken."

„Danke, Poppy.", erwiderte Albus.

„Albus, würdest du bitte die Auroren rufen?", bat Orion.

„Ich nehme an, bis dahin bist du mit Mr. Pettigrew fertig?", fragte der Schulleiter.

„Da bin ich sicher.", bestätigte Orion.

Dumbledore nickte und machte sich wieder auf den Weg in sein Büro, deutete Minerva an, ihm zu folgen. Severus und Orion blieben mit einem zitternden und wimmernden Peter Pettigrew allein in der Eingangshalle zurück. Orion hockte sich hin und riss ihn an seiner Robe nach oben, sodass sich ihre Gesichter beinahe beührten. „Ich wünschte, ich könnte dich umbringen, aber dann würde man mich nach Azkaban schicken und ich werde nicht zulassen, dass man mich von Harry trennt.", knurrte er.

Pettigrew wimmerte erbärmlich.

„Hast du den gewünschten Gegenstand dabei?", forderte Orion zu wissen. Wut zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.

„J..ja, ha.. hab ich.", stotterte der Mann.

„Exzellent.", schnurrte Orion. „Wo ist es?"

„L...linke Roben...tasche.", murmelte Peter.

Orion schob ein paar der Seile beiseite, die Pettigrew fesselten, achtete allerdings darauf, dass er sich weiterhin nicht rühren konnte. Er hatte die Seile leicht manipuliert, sodass der Mann nicht in der Lage war, sich in seine Animagusform zu flüchten. Mit Pettigrews Gefangennahme wäre Sirius Blacks Unschuld in dieser Welt wieder hergestellt. Dies würde den Schmerz und das Leid in Harrys Herz lindern. Er steckte seine Hand in die Tasche und griff vorsichtig nach dem Gegenstand, zog ihn langsam heraus.

„Ist das...", Snape konnte die Frage nicht beenden.

„Ja.", erwiderte Orion. „Eine Haarlocke zusammengebunden mit ein wenig Magie."

„Stupefy.", zischte Snape, ließ Pettigrew bewusstlos werden. Seine schwarzen Augen richteten sich auf Orion. „Du weißt, was man damit anstellen kann?"

„Ja.", wiederholte Orion. Er legte die Haarlocke auf seine Handfläche und beschwor dann einen Glasball drum herum. Danach sprach er verschiedene Schutzzauber darauf, machte den Glasball bruchsicher und sorgte dafür, dass nur Harry und er selbst diesen berühren konnten.

Orion stand auf und sah Severus fest an. „Du hast das hier nie gesehen."

„Was nie gesehen?", schnarrte Snape.

„Ganz genau.", sagte Orion. Er steckte den kleinen Ball in seine Tasche, gerade als eine Gruppe Auroren mit den Schulleiter auftauchte.

„Black.", nickte Kingsley ihm zu, als sie bei ihm ankamen.

Orion beobachtete die erstaunten Auroren, als sie erkannten, wer der bewusstlose Gefangene war. „Er ist es wirklich.", murmelte Tonks, nachdem sie ihm ein Gegenmittel des Vielsafttrankes verabreicht hatte.

„Wie ist er vor all diesen Jahren entkommen?", fragte ein Auror.

„Peter Pettigrew ist ein unregistrierter Animagus. Seine Form ist die der Ratte.", lieferte Orion die Information.

„Sirius Black war unschuldig.", murmelte ein anderer Auror geschockt.

„Ja, mein Vater war unschuldig.", schnappte Orion. „Ich erwarte, dass seine Unschuld die morgigen Schlagzeilen macht."

Kingsley grinste zufrieden. Sie konnten nun endlich beweisen, dass Sirius fälschlicherweise beschuldigt und eingesperrt worden war. „Ich werde mich darum kümmern.", sagte er, als er zwei seiner Begleiter deutete, den Gefangenen zu packen. „Ich danke Ihnen für den Dienst, den Sie der Zaubererwelt heute Nacht erwiesen haben, Mr. Black."

„Es war mir ein Vergnügen.", schnurrte Orion.

Shacklebolt nickte ihm einmal zu und führte seine Gruppe dann in das Nebenzimmer, öffnete das Flohnetzwerk und verschwand ins Ministerium. Die Potter Jungs taten ihr Bestes, diesen Krieg endlich zu beenden und er war mehr als glücklich, ihnen dabei zu helfen. Er konnte die Entschlossenheit in Orions Augen sehen. Er hatte keinen Zweifel, dass Voldemort fallen würde. Alles andere wäre für den jungen Zauberer inaktzeptabel.

Nachdem sie weg waren, drehte sich Orion mit knappen Lächeln zu Dumbledore um. „Danke, dass du Sie geholt hast, Albus. Du hast mir gerade genug Zeit verschafft."

„Da bin ich froh, mein Junge, sehr froh. Du hast das gut gemacht." Seine blauen Augen funkelten wie verrückt. „Gibt es irgendwas, wobei ich helfen kann?"

Orion nickte leicht. „Mr. Malfoy wird Erlaubnis brauchen, Ende der Woche das Schulgelände zu verlassen."

„Oh?", fragte Dumbledore neugierig.

„In der Tat.", erwiderte Orion nur. Er wusste, der Schulleiter würde die richtigen Schlüsse ziehen und erkennen, dass es mit einem der Horcruxe zu tun hatte. „Gute Nacht, Albus. Gute Nacht, Severus."

„Gute Nacht.", kam die Antwort.

Er ließ das Blut auf seiner Kleidung verschwinden, Lupins Blut, ging an den beiden älteren Zauberern vorbei und hechtete die Stufen hinauf, wissend, dass Harry sich mittlerweile Sorgen machen würde. Es war kurz nach ein Uhr nachts und sie hatten nicht damit gerechnet, dass das Meeting so lange dauern würde. Harry war sofort bei ihm, als er das Porträit öffnete und schlang seine Arme fest um ihn. „Bist du okay?", fragte Harry. Seine Hände wanderten an Orions Körper auf und ab, suchten nach Verletzungen.

Orion lachte leise und trat einige Schritte vor, sodass der Eingang zu ihren Räumen schließen konnte. „Es geht mir gut."

„Du warst so lange weg.", sagte Harry. Seine Finger verkrallten sich in Orions Shirt und er presste sein Gesicht in seine Halsbeuge. „Ich hatte Angst, dir wär was passiert."

„Mit mir ist alles in Ordnung.", flüsterte Orion. Er schloss Harry fest in seine Arme und dirigierte ihn zum Schlafzimmer, setzte sich mit ihm aufs Bett. Ein Griff zum Zauberstab und schon hatten sie ihre Pyjamas an, ehe er sich an das Kopfende des Bettes lehnte, Harry auf sich.

„Was ist passiert?", wollte Harry wissen.

„Lupin hat mich gerettet.", gab Orion leicht erstaunt zurück. Der Werwolf, der früher seine Familie zerstört hatte, hatte sie nun gerettet. Eine Lebensschuld galt nur für den, der sie verdient hatte. Er war ein Risiko eingegangen, indem er ohne Harry zu dem Meeting gegangen war, aber er hatte nicht vorgehabt, den Mann den er liebte in Gefahr zu bringen.

„Was? Wie? Ist er okay?", fragte Harry und blickte ihm unsicher in die Augen, die nun seinen wieder identisch waren.

„Pettigrew kam und ich bin auf ihn zugegangen, um zu fragen, ob er hat, was wir brauchen.", begann Orion. „Dann rief er Lupins Namen und ich bin herumgefahren, habe instinktiv gedacht, er wäre die Bedrohnung. Pettigrew hat mir einen dunklen Fluch auf den Hals gehetzt und Lupin hat mich zur Seite gestoßen. Es hat ihn im Rücken getroffen, einige Rippen wurden zerschmettert, seine Lunge punktiert und er hatte tiefe Fleischwunden."

Tränen traten in Harrys Augen. „Wie geht es ihm?"

„Snape hat ihn geheilt.", erwiderte Orion und festigte seinen Griff um Harry. „Er ist im Krankenflügel; wir können ihn morgen besuchen gehen."

Harry nickte sofort. „Was ist mit Wurmschwanz?"

„Albus hat die Auroren gerufen und sie haben ihn mitgenommen. Sirius Name sollte bis morgen früh reingewaschen sein.", gab Orion zurück.

„Und der Gegenstand?", fragte Harry weiter.

Orion griff in die Tasche seiner Pyjamahose und holte den kleinen Glasball hervor. Er hielt ihn hoch, sodass Harry ihn sehen konnte, ehe er ihn auf dem Nachttisch ablegte.

„Es tut mir leid.", flüsterte Harry.

„Was denn?", wollte Orion wissen.

„Es tut mir leid, dass er nicht dein Peter ist. Dass er nicht liebevoll und beschütztend ist. Es tut mir leid, dass er dich angegriffen hat, selbst wenn Remus dich gerettet hat. Es tut mir leid, dass du noch mehr leiden musst, dass er die schönen Erinnerungen an deinen Peter beschmutzt hat."

Orion schloss die Augen und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. Ebenso die Erinnerungen, die ihn nun heimsuchten. In seiner Welt hatte Peter verzweifelt versucht, die Vormundschaft für ihn zu bekommen, aber er hatte verloren. Er war kein Blutsverwandter und die Gesetze des Blutes waren der Zaubererwelt am wichtigsten. Es war besser von einem Blutsverwandten aufgezogen zu werden, selbst wenn dieser ein Muggel war, als von jemandem, mit dem man nicht verwandt war.

Peter war es dann verboten worden, ihn zu besuchen oder er hätte mit einer Zeitstrafe in Azkaban rechnen müssen. Wäre Peter sein Patenonkel gewesen oder sonst wie magisch mit ihm verwandt, hätte er bei dem Mann aufwachsen können. Sein Leben wäre anders abgelaufen und er wäre in einer liebevollen und sicheren Umgebung groß geworden. Allerdings war Sirius sein Patenonkel und dieser als Mörder gehandelt. Die Longbottoms waren zwar ebenfalls seine Paten, allerdings waren diese, nachdem sie so gefoltert worden waren, nicht in der Lage, sich um ihn zu kümmern.

Er war zu den Dursleys gebracht worden und hatte Peter erst wiedergesehen, als er dreizehn war und der Mann die Position als Professor der Verteidigung gegen die Dunklen Künste erhielt. Zu diesem Zeitpunkt erinnerte er sich schon nicht mehr an den blonden, pummeligen Mann, der sich früher um ihn gekümmert und ihm Geschichten vorgelesen hatte. Alles, was er von ihm hatte, waren Fotos in seinem Fotoalbum.

Das dritte Schuljahr war reinstes Chaos gewesen. Sirius Black war aus Azkaban entkommen und aus unbekannten Gründen angeblich auf dem Weg nach Hogwarts. Es hatte einen Artikel im Prophet gegeben, über Harrys Können als Sucher; ein großes Foto hatte die erste Seite ausgefüllt. Im Hintergrund, am Waldrand, war ein Mann erkennbar, der sich hinter den Bäumen versteckte und das Spiel verfolgte. Dieses Foto hatte alles in Gang gesetzt.

Sirius hatte Azkaban gehasst, aber er war als Strafe für seine Verbrechen geblieben. Er hatte Remus Lupin kaltblütig getötet – zumindest hatte er das geglaubt. Die einzige Erklärung, die der Mann sich hatte denken können, war das Lupin kurz vor der Magieexplosion während ihres Duells disappariert war.

Die Ereignisse hatten ihren Höhepunkt in der Nacht gefunden, in der Sirius auf dem Schulgelände erwischt wurde und, genau wie in dieser Welt, hatten er und Hermine einen Zeitumkehrer genutzt, um Sirius zu retten. Der Unterschied war, dass er Lupin vor Peter und Sirius gerettet hatte, statt Peter vor Lupin und Sirius. Lupin hatte sich dann in einen Werwolf verwandelt und war geflohen. Peter hatte es kaum geschaft, ihn, Ron und Hermine da sicher rauszuholen.

Dann war Sirius auf der Flucht und Peter für den Orden unterwegs gewesen, nach Informationen über die Gerüchte suchend, die von Voldemorts Rückkehr sprachen. Und er war zurückgekehrt. Am Ende war Peter durch Lupins Hand gestorben. Aus Rache hatte er den Werwolf getötet. Sein Peter war sanft und liebevoll, er ähnelte in nichts dem Peter aus dieser Welt. Obwohl er wusste, dass es zwei komplett unterschiedliche Personen waren, tat es dennoch weh, dass Peter Pettigrew, egal in welcher Welt, ihn angriff.

„Es tut mir leid.", wiederholte Harry leiste.

Orion lächelte leicht und ließ die Tränen fallen. „Es ist nicht deine Schuld."

„Ich weiß. Ich wünschte dennoch, ich könnte irgendetwas tun, um zu helfen.", grummelte er.

Orion drückte ihm einen Kuss auf die Stirnnarbe und sagte: „Deine Anwesenheit allein macht mein Leben schon schöner, Harry. Es wird mir gut gehen, solang du hier an meiner Seite bist." Er verstärkte seinen Griff um ihn und drückte den Jüngeren näher an seine Brust.

Harry blickte ihm in die Augen und legte seine Stirn an Orions. „Ich werde immer bei dir sein."

„Das weiß ich.", erwiderte Orion. Harry würde ihn nie freiwillig verlassen, genauso wenig wie er Harry je verlassen würde. Das Einzige, was sie auseinander reißen konnte, war der Tod. Das würde er nicht zulassen. „Schlaf jetzt, Harry.", gähnte er.

Harry grinste, senkte den Kopf und kuschelte sich an Orions Oberkörper. Die zwei Zauberer ließen sich in die Wärme des Anderen fallen und schliefen entspannt ein.

-

Ein lautes Pochen riss Orion aus dem Schlaf. Er blinzelte verwirrt, fragte sich, wie spät es war und wer zum Teufel ihre Ruhe störte. Es war eine lange Nacht gewesen und er war völlig fertig „Tempus.", murmelte er. 09:17 Uhr.

Wieder klopte es. „Wehe das ist nicht wichtig.", grummelte er leise und kämpfte sich vorsichtig unter Harry hervor. Sie waren erst kurz vor drei im Bett gewesen, er war erschöpft, sowohl emotional als auch magisch. Er griff nach seinem Zauberstab und stampfte durch das Wohnzimmer, riss das Porträt heftig auf.

„Was ist... Theo?"

„Bei Merlins Eiern!", fluchte Neville. Er griff nach dem Arm des erstaunten Slytherin und schob ihn in die Räume, folgte ihm schnell.

„Neville? Was...?"

Neville beschwor einen Spiegel und überreichte ihm diesen, schockte ihn somit. „Fällt dir was auf?", fragte er hitzig.

Orion blinzelte. „Mist." Ihm blickte eine ältere Version vom Harry Potter dieser Welt entgegen. Er hatte das Porträt geöffnet, ohne den Zauber auf sich zu legen.

„Wie konntest du so etwas vergessen?", wollte Neville wissen. Er hatte noch nie erlebt, dass Orion etwas vermasselte und ganz sicher nicht etwas so wichtiges. Allerdings musste er zugeben, dass Orion ganz schön erschöpft aussah. Er war blasser als sonst und er hatte große, schwarze Ringe unter den Augen.

„Es ist nicht seine Schuld.", murmelte Harry leise, als er ins Zimmer gestolpert kam. „Er ist gestern Abend erst sehr spät zurück gekommen oder sollte ich besser sagen, heute Morgen?" Harry rieb sich über die Augen und blickte dann auf Theo. „Morgen, Nott."

Der Slytherin nickte, während sein Verstand rasend schnell die neuen Informationen analysierte. „Potter."

„Wollt ihr mit uns frühstücken?", fragte Harry, ganz der Gastgeber.

„Ich hab schon gegessen, aber ich hätte nichts gegen eine Tasse heiße Schokolade.", sagte Theo.

„Sehr gut." Harry schnippte zweimal mit den Fingern und wandte sich dann an den kleinen Hauselen, der erschien. „Vier mal heiße Schokolade und zwei mal volles Frühstück, bitte.", ordnete er an.

„Kommt sofort, Master Harry.", ploppte der Elf auch schon wieder davon.

„Bitte setzt euch.", sagte Harry und deutete auf die Couch ihm gegenüber. Er selbst setzte sich auf die Couch hinter ihm, wo Orion ihm sofort Gesellschaft leistete. Neville und Theo setzten sich ebenfalls wie angedeutet.

Theo legte den Kopf schief, ehe er die erste Frage stellte. „Wer bist du?"

„Ich bin Harry Potter.", erwiderte Orion. Er deutete auf Harry. „Er ist auch Harry Potter."

„Wie ist das möglich?", fragte Theo.

„Was weißt du von parallelen Universen?", stellte Orion seine eigene Frage.

Theos Maske zitterte nicht einmal bei dieser seltsamen Frage. „Es gibt Spekulationen, dass es unendlich viele alternative Universen gibt, die alle neben unserer existieren, allerdings mit wichtigen Unterschieden: Welten, in denen wir nicht geboren wurden, in denen wir keine Magie besitzen und so weiter."

„Ganz genau; ich komme aus einer dieser alternativen Welten.", informierte Orion ihn.

Der Hauself tauchte in diesem Moment auf und verteilte die Getränke, platzierte die Frühstückstablette vor Harry und Orion. Er verschwand wieder, als die Zauberer sich bei ihm bedankten. Harry nahm sich ein Stück Toast und knabberte daran, als die Unterhaltung fortgesetzt wurde.

„Es gab einen Dunklen Lord in dieser alternativen Welt.", stellte Theo fest, statt zu fragen.

„Das stimmt.", bestätigte Orion.

„Und du hast ihn besiegt.", fuhr Theo fort. „Das ist der Grund, warum du so sicher bist, dass du den Dunklen Lord dieser Welt vernichten kannst."

„Richtig.", stimmte Orion zu.

Er nippte an seiner heißen Schokolade und blickte den Slytherin über den Tassenrand hinweg an. Notts Maske war perfekt wie immer, nicht, dass er etwas anderes erwartet hätte. Orion sah zu, wie Orion leicht nachdenklich den Kopf neigte, dunkle Locken fielen ihm ins Gesicht und verdeckten es.

„Woher wusstest du, wo du uns finden kannst?", fragte Harry neugierig.

„Ich hab ihn mitgebracht.", gab Neville zur Antwort.

Harry wurde rot. Das hätte ihm klar sein sollen, aber er war einfach noch zu müde. Er war so besorgt gewesen, als Orion letzte Nacht unterwegs war und so hatte es noch etwas gedauert, bis er schließlich einschlief. „Wieso wolltest du zu uns?", fragte er stattdessen.

Theo zog eine zusammengerollte Zeitung aus seiner Tasche und warf sie Harry zu. Seine Reflexe kamen zutage und er fing den Tagespropheten auf, entrollte ihn, um zu sehen, was den Slytherin dazu bewegt hatte, zu ihnen zu kommen. Die erste Seite zierte ein großes Foto von Peter Pettigrew in Ketten. Während das Foto allein schon ein Eye-Catcher war, war es die Schlagzeile, die ein zufriedenes aber auch trauriges Lächeln auf Harrys Gesicht zauberte. Black zu Unrecht eingesperrt! Pettigrew schuldig!

Harry rollte die Zeitung wieder ein.

„Willst du es nicht lesen?", fragte Theo.

Harry schüttelte den Kopf. „Der Artikel kann mir nichts erzählen, was ich nicht schon weiß. Ich bin nur froh, dass Sirius Name endlich reingewaschen ist. Selbst wenn er es nicht mehr erleben kann.", flüsterte er.

„Er hat den Kuss bekommen.", sagte Theo.

Orion verspannte sich und legte sein Besteck nieder. Harry seufzte und schlang einen Arm um seinen Freund, spendete ihm schweigend Trost. Der Peter, der gestorben war, war nicht sein Peter gewesen, aber er hatte den Mann dennoch ein zweites Mal verloren.

„Die Gefangennahme von Peter Pettigrew war das Ereignis, welches das Schicksal des Dunklen Lords entscheiden würde.", stellte Theo fest.

„Das war sie.", bestätigte Orion.

„Und?"

„Jetzt habe ich, was ich brauche. Ich habe ihn in meiner Welt getötet, jetzt kann ich ihn auch in eurer Welt töten.", sagte Orion überzeugt und rückte näher an Harry heran.

„Was soll ich tun?", wollte Theo wissen.

„Du musst ein Treffen zwischen Voldemort und mir arrangieren.", erwiderte Orion entschlossen.

„Wann?" Seine Stimme gab keine Gefühle preis, aber Orion atmete erleichtert aus. Theo würde helfen; er würde dafür sorgen, dass er auf Voldemort traf und ihn besiegen konnte.

„Heute in zwei Wochen.", entschied Orion. „Bis dahin werde ich alles andere erledigt haben."

„Ich werde mich darum kümmern.", versprach Theo, als er aufstand und Richtung Porträt ging.

„Warte ne Sekunde.", rief Neville. „Du kannst nicht einfach so gehen. Du kennst die Wahrheit, du könntest ihn verra..."

„Das wird er nicht.", unterbrach Orion ihn. Er beobachtete, wie sich die Anspannung in Theos Rücken bei seinen Worten langsam löste.

„Wie kannst du sicher sein?", forderte Neville zu wissen. Er fühlte sich schuldig, so mit Orion zu sprechen; es kam ihm so vor, als würde er Harry anschreien. Er wollte Orion nicht beschuldigen, Harrys Sicherheit zu riskieren, aber der Junge war sein bester Freund und er kam vor allen anderen in Nevilles Welt, selbst vor Lavender.

Orion lehnte sich zurück und legte einen Arm um Harrys Taille. „Slytherins werden oft als die unloyalsten aller Menschen gesehen.", begann er. „Andere beschreiben sie als selbstverliebte, egoistische, gefühllose Idioten." Er sah, wie Theo kurz bei seinen Worten zusammenzuckte, gab allerdings sonst nicht zu erkennen, wie sie ihn beeinflussten.

„Die Menschen verurteilen sie wegen ihrer Selbsterhaltung und dennoch finde ich diese Eigenschaft lobenswert. Sie kümmern sich um sich selbst und ihre Familien. Slytherin sind ihrer Familie gegenüber loyaler, als es das gesamte Hufflepuff Haus zusammen ist. Sie werden tun, was immer nötig ist, um ihre Familie zu schützen.", erklärte er.

„Theos Vater ist ein Todesser. Er wird wahrscheinlich regelmäßig für seine Fehler gefoltert oder auch einfach nur so. Theo kennt nun einen Weg, um seinen Vater von Voldemort zu befreien und im gleichen Schritt auch seine gesamte Familie. In manchen Fällen, Neville, ist Selbsterhaltung und Loyalität genau dasselbe." Seine Finger strichen liebevoll über Harrys Hüftknochen.

„Ich werde ihn gehen lassen, ohne einen Eid von ihm zu fordern, weil ich darauf vertraue, dass seine Selbsterhaltung seine Zunge im Zaum halten wird. Nott ist kein Schwätzer, aber selbst wenn, würde ich ihn so gehen lassen. Sein Drang, seinen Vater zu schützen und sich selbst vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, wird ihn den Mund halten lassen. Er wird sein Wort halten, er wird helfen und niemand wird es wissen, vorerst.", schloss Orion.

„Was meinst du mit 'vorerst'?", fragte Neville.

„Er hilft uns.", flüsterte Harry, als ob dieser eine Satz alles erklären würde. „Seine Hilfe ist unbezahlbar und spielt einen wichtigen Part bei Voldemorts Vernichtung. Wir zeigen uns für solche Sachen erkenntlich."

„Nachdem das alles vorbei ist, werden wir aussagen, dass Theo und sein Vater geholfen haben, Voldemort zu besiegen. Ich bin sicher, Nott Senior hat seine Lektion gelernt. Ich wette sogar, dass er vergangene Entscheidungen bereits bereut und wünscht, sein Sohn würde nicht dasselbe, trostlose Schicksal erwarten.", fuhr Orion fort.

„Das tut er.", flüsterte Theo, öffnete das Porträt und ging. Der Eingang schloss sich leise hinter ihm.

Neville seufzte. „Es tut mir leid, dass ich dein Wort angezweifelt habe. Ich... ich mach mir nur Sorgen um Harry.", sagte er.

„Genau wie ich.", erwiderte Orion. „Ich bin nicht verrückt, Neville. Hätte ich eine Situation nicht verstanden, hätte ich genauso reagiert wie du gerade."

Neville grinste dem Paar zu, als sie ihr Frühstück beendeten. „Legt ihr zwei euch jetzt wieder hin?"

„Nein, wir müssen erst jemanden besuchen.", murmelte Orion.

„Oh?"

„Remus wurde letzte Nacht verletzt, als Pettigrew gefangen genommen wurde.", führte Harry aus, als sie von der Couch aufstanden.

„Remus?", fragte Neville.

„Professor Lupin.", klärte Harry ihn auf.

„Das stand nicht in dem Artkel.", murmelte er.

„Nein, das hatte ich auch nicht erwartet.", schnaubte Orion. „Einge Dinge sollten nicht an die Öffentlichkeit gehen. Ein Werwolf in einer Schule voller Kinder ist eine dieser Dinge, besonders wenn er keinen offiziellen Grund hatte, hier zu sein. Soweit die Welt weiß hat Pettigrew mich angegriffen, wurde gefangen genommen und dann dem Ministerium übergeben."

„Richtig." Neville war etwas schwummrig von den Erkenntnissen und neuen Informationen, die er erhalten hatte, aber er war stolz darauf, dass sie ihm die Wahrheit anvertrauten.

Orion wedelte mit seinem Zauberstab und murmelte etwas, transfigurierte ihre Pyjamas in angemessene Kleidung. Reinigungs- und Pflegezauber sprach er über sie beide, sowie den Verschleierungszauber über sich selbst. Schließlich rief Orion Harrys Stab zu sich und reichte ihn weiter.

Orion öffnete dann das Porträt, wartete höflich bis Neville nach draußen trat, ehe er nach Harrys Hand griff und sie ebenfalls durch das Porträt stiegen. „Danke, dass du ihm den Weg gezeigt hast."

„Gern geschehen. Wir sehen uns später?", fragte Neville.

„Ja, bis später.", stimme Harry zu.

Neville lächelte ihnen zu und machte sich dann auf, Lavender zu suchen, dankbar, dass es Samstag war und sie Gelegenheit hatten, zu relaxen und Zeit miteinander zu verbringen, ohne sich über Unterricht und Hausaufgaben Gedanken zu machen.

Harry und Orion gingen in die andere Richtung, auf zum Krankenflügel. Sie betraten diese, gerade als Remus sein Glas Orangensaft austrank.

„Moony!", rief Harry. Seine Hand löste sich aus der von Orion und er rannte quer durch den Raum, kam neben dem Bett des Mannes zum Stehen. Er verlagerte sein Gewicht von einem Bein aufs Andere und fragte sich, ob es in Ordnung wäre, ihn zu umarmen.

„Mr. Potter, ich habe Patienten hier und ich muss Sie daran erinnern, Ihre Stimme zu senken.", mahnte Madam Pomfrey.

„Ja, Madam.", murmelte er verlegen.

Sie nickte zufrieden, ehe sie an Remus' Seite trat und Diagnosezauber sprache. Ein Trank war wenige Momente später in ihrer Hand und sie hielt ihn an Remus Lippen. Er schluckte ohne Kommentar. „Das sollte vorerst genügen.", murmelte sie. „Der Trank wird den Druck Ihrer Rückenmuskeln lindern. Ich werde Sie allerdings noch die nächsten Tage zur Beobachtung hier behalten." Damit griff sie sich das Frühstückstablett und ging wieder in ihr Büro.

„Wie geht es dir, Moony?", fragte Harry.

„Es geht mir gut. Anscheinend hat Severus mich letzte Nacht geheilt.", antwortete Remus.

„Es tut mir Leid, dass du wegen mir zu Schaden gekommen bist.", sagte Orion ernst, als er weiter in den Raum trat.

„Du bist Harry wichtig und Harry ist mir wichtig, ich konnte nicht zulassen, dass dir etwas passiert.", wischte er seine Worte beiseite.

„Nichtsdestotrotz, danke.", erwiderte Orion nur.

Harry blickte ihn hoffnungsvoll an und Orion konnte ihm den Wunsch nicht abschlagen. Er nickte kurz und Harry sprang vor, schlagn seine Arme um den Werwolf. Remus starrte Orion über den schwarzen Wuschelkopf hinüber an, wartete darauf, dass der junge Mann dazwischenging.

Obwohl Orions Instinkte ihm immer noch sagten, dass dieser Mann der Feind war, kannten sein Verstand und sein Herz nun die Wahrheit. Dieser Mann liebte Harry und er würde ihm nie schaden.

Als Orion Harry nicht von ihm wegzog oder ihm anwies, loszulassen, schlang er seine Arme um den Jungen und vergrub sein Gesicht in seinem Nacken, atmete tief ein. Welpe. Rudel. Zuhause. Seine Arme zitterten, als er Harry umarmte, den Jungen, den er wie einen Sohn liebte. Er hatte sich endlich das Recht verdient, ihn wieder zu halten.

Orion behielt sie fest im Auge, wissend, dass er seine rebellierenden Instinkte weiterhin ignorieren würde. Das rießige, freudige Grinsen auf Harrys Gesicht war genug, um zu wissen, dass er das richtige tat. Harry war glücklich und sicher dort, wo er war.

Slipper of glass, easy to break,
With every foot, a chance we take,
A happy future we cannot yet make,
For the slipper we hold is secretly fake.


Review? :)

glg, wölfin