Der Himmel war wolkenverhangen, die Bäume verloren ihre Blätter und alles wirkte trist. Harriet Makepeace schaute betrübt aus dem Fenster ihres Büros. Regentropfen klopften an das Fenster und der Chief Superintendent war in Gedanken vertieft. In den letzten Jahren hatte sich so viel geändert aber das schlechte Wetter in London blieb immer gleich. Das Klopfen an der Tür schreckte Harry auf. Bevor sie etwas sagen konnte, steckte Fry seinen Kopf durch den Spalt.

„Boss?"

„Komm rein, Fry. Was gibt es Neues? Konntest du etwas erreichen?", fragte sie angespannt.

„Sie schicken uns einen Experten. Aufgrund der Sicherheitslage wollten sie mir am Telefon nichts sagen. Der Experte wird Morgen mit den Unterlagen eintreffen", erklärte Fry.

„Okay, du kannst für Heute Feierabend machen. Die letzten Monate nach dem Terroranschlag auf die U-Bahn waren hart. Hoffentlich kommen wir endlich einen Schritt weiter", seufzte sie müde.

Fry schloß die Tür hinter sich und ließ Harry alleine. Die Sicherheitslage war Ernst, sehr Ernst. Der Anschlag auf die Londoner U-Bahn hatte England und die Welt erschüttert. Als Terroreinheit von Scottland Yard war es ihre Aufgabe die Bürger zu schützen und sie hatte versagt. Zu viele Menschen waren gestorben oder zu Schaden gekommen. Nun hoffte sie auf Hilfe aus den USA. Die Sicherheitsvorkehrungen dort waren vorbildlich und dieses Konzept könnte auch für das Vereinigte Königreich nützlich sein. Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und schaute auf die Bilder an der Wand. Dort hingen Urkunden und Belobigungen, aber ganz wichtig war das Foto, das ihren früheren Partner James Dempsey zeigte. Dieses Foto wurde während eines Falls aufgenommen und sie sahen beide so glücklich aus. Damals, vor 23 Jahren, war alles so einfach. Trotz der Sorgen und Probleme, diese drei Jahre mit Dempsey waren die schönsten in ihrem Leben. Es war so viel geschehen. Vor vielen Jahren starb ihr geliebter Vater Frederick Winfield und wenig später starb auch Gordon Spikings. Zwei der wichtigsten Männer in ihrem Leben. Das war der Gang des Lebens, doch eines konnte sie nie verstehen, wieso war James Dempsey so plötzlich aus ihrem Leben verschwunden? Bis Heute wusste sie nicht, was aus ihm geworden war. Damals hatte sie lediglich einen Zettel vorgefunden und mit diesem Zettel zerbrach ihre Welt. Die Worte hallten seid Jahren immer wieder durch ihren Kopf:"Liebste Harry, ich melde mich, sobald ich die Möglichkeit habe. Vergiß mich nicht. Ich denke immer an dich und werde dich finden. Dein James."

Über Nacht war er verschwunden und selbst Spikings konnte oder wollte ihr nicht sagen, was geschehen war. Die Jahre zogen ins Land und sie hatte nichts von ihm gehört. Nachdem ihr Vater gestorben war, zog sie in seine Stadtwohnung, doch sie hatte die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er sie finden würde. Doch das war bis Heute nicht geschehen.

Spikings hatte ihr ein schweres Erbe hinterlassen. Seit nun mehr 10 Jahren leitete sie die Spezialeinheit SI10 und es war nicht immer leicht gewesen. Chas hatte diesen Posten abgelehnt und daraufhin wurde er Harry angeboten. Sie hatte lange überlegt aber da sie keine Verpflichtungen hatte, nahm sie den Posten an. Sie schloß ihren Laptop und entschloss sich ebenfall nach Hause zu fahren. Hier konnte sie jetzt nichts mehr tun. Sie musste auf den Kollegen aus den Staaten warten.

Harry fuhr in ihr Stadthaus und entschloß sich an diesem Abend früh zu Bett zu gehen. Morgen würde ein schwerer Tag werden und sie wusste nicht, was sie erwartete.

Es war eine kurze Nacht. Immer wieder war sie aufgewacht und hatte nachgedacht. Kurz nachdem sie eingeschlafen war, wurde sie von einem Albtraum wieder geweckt. Seid Jahren quälte sie immer wieder der gleiche Albtraum. Harry sah ihren Partner in einem dunklen Raum und dann fiel ein Schuß. Letztendlich wachte Harry immer dann auf, wenn sie seinen leblosen Körper erblickte. Die Träume kamen und gingen. Mal waren sie da und mal schlief die zierliche Blondine monatelang tief und fest. In den frühen Morgenstunden entschloss sie sich aufzustehen und fuhr nach einem mageren Frühstück ins Büro.

„Guten Morgen, Boss", wurde Harry freundlich durch Fry begrüßt.

„Dir auch, Fry. Wann kommt der Kollege aus den Staaten an? Haben sie dir eine Uhrzeit genannt?", fragte Harry und nahm sich einen Kaffee.

„Er müsste schon gelandet sein. Laut der Kollegen in Washington, hat man ihn gleich eingewiesen und losgeschickt. Sie hatten bereits auf eine Anweisung von dir gewartet und alles war vorbereitet. Ich nehme an, dass der Sicherheitsexperte bereits im Hotel ist", erklärte Fry hastig.

„Das ist gut. Schicke ihn direkt zu mir, wenn er hier eintrifft", ordnete Harry an und ging in ihr Büro.

Sie schaltete ihren Laptop ein und checkte die emails. Anschließend studierte sie die neusten Tagesnachrichten. Nachdem sie die übliche Arbeit verrichtet hatte, schaute sie nervös auf die Uhr. Es wurde langsam Zeit, dass der Sicherheitsexperte eintraf. Es konnte ja nicht so lange dauern. Kaum hatte sie sich darüber Gedanken gemacht, klopfte es an der Tür. Sie sah die Silhouette eines Mannes durch die Glastür.

„Herein", rief sie freundlich.