Verlieben für Anfänger 1

Bei Merlin! Wie sehr sich doch die Vorstellungen von Glück und Zufriedenheit verändern konnten. Es war einfach nicht zu fassen, wie entscheidend sich manchmal Auffassungen wandelten.

Professor Severus Snape, finsterer Tränkemeister, rätselhafter Kriegsheld und Ex-Doppelspion eilte mit langen Schritten durch die zugigen Gänge der alterwürdigen Schule für Zauberei und Hexerei in Hogwarts und schüttelte bei dieser nicht ganz so neuen Erkenntnis den Kopf.

Noch vor wenigen Jahren hätte er sich an einem solch lausig kalten Februarabend auf einen ruhigen, beschaulichen Feierabend gefreut, am Besten ohne dabei eine einzige Menschenseele zu hören oder zu sehen. Er hätte vielleicht ein paar Aufsätze und Hausarbeiten mit reichlich roter Tinte verziert, dabei die am Tage zuvor großzügig verteilten Strafarbeiten stichprobenhaft kontrolliert, ein wenig in seiner Bibliothek herum gestöbert und eventuell noch die zwei, drei Tränke fertig gebraut, die Poppy Pomfrey, Hogwarts medizinische Instanz, bei ihm vor geraumer Zeit bestellt hatte.

Allerdings wäre es noch viel verlockender gewesen, weiter über einigen zwielichtigen Trankprojekten zu brüten, die er nicht ohne Grund geheim hielt, da sie nicht wenige schwarzmagische Anteile enthielten. Gegen Mitternacht hätte er noch seine übliche Runde gedreht und es wäre ihm eine tiefe Genugtuung gewesen, wenn er möglichst viele Schülerinnen und Schüler dabei erwischt hätte – vorzugsweise Gryffindors.

Gegen zwei, drei Uhr wäre er dann ins Bett gefallen, wahrscheinlich hätte er sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, sich zu entkleidet, denn immerhin schlief er nur bis gegen fünf, da lohnte sich das Umziehen nicht wirklich.

Seine Schritte hallten auf den nackten Steinfließen hart und laut wider.

Grundgütiger, war das tatsächlich einmal seine Auffassung von Zufriedenheit gewesen? Er schnaubte verächtlich auf, was einen vorbeikommenden Erstklässler aus Hufflepuff erschreckt zur Seite hüpfen ließ. Wie armselig! Erbärmlich jämmerlich und vor allem stinkend langweilig.

Ein feines Grinsen legte sich auf seine dünnen Lippen und seine Schritte beschleunigten sich, denn er wusste, wenn er gleich durch seine Kerkertüre treten würde, würden ihm vier Kinderbeine entgegenstürmen und vier Arme ihn fest umklammern, immerhin hatten sie ihn seit heute morgen nicht mehr gesehen. Seine Töchter würden ihn kaum die Robe ausziehen lassen, denn es galt ihm all die spannenden Geschehnisse des Tages zu berichteten und die von ihm versprochenen Spiele, Vorleserunden oder sonstigen Aktionen einzufordern.

Sein Lächeln wurde breiter, mal sehen wie das neue Buch seiner Ältesten weitergehen würde. Ihr Großvater hatte es ihr zu Weihnachten geschenkt. Oder ob er seiner Jüngsten dabei helfen konnte nicht immer vom Kinderbesen zu fallen. Aber sie machte sich wirklich schon recht gut, wenn man bedachte, dass ihre Mutter Besen im besten Falle zum Kehren benutzte!

Wenn ihre Augen dann schließlich schwer würden und das Gähnen einfach nicht mehr zu unterdrücken wäre, würde er sich breit schlagen lassen und ihnen beim Umziehen helfen und sie dann zu Bett bringen, wo noch eine oder zwei Gute-Nacht-Geschichten fällig waren.

Eigentlich war seine Frau mit diesem Dienst an der Reihe, aber heute war Mittwoch, da hatte sie noch ein Abendseminar an der Uni zu halten. Doch gegen 20:00 Uhr würde sie endlich nach Hause kommen, ihm allerdings nur einen sehr flüchtigen Kuss schenken, denn als Erstes wollte sie nach ihren Töchtern schauen, ob er sie auch richtig zugedeckt hätte oder ob sie nicht doch noch einen mütterlichen Rat brauchten. Aber dann, dann würde sie sich ganz ihm widmen. Sein Herz schlug allein bei dem Gedanken schon schneller. Vielleicht könnten sie zusammen an dem neuen Trank tüfteln, den sie letzte Woche in dem alten Buch gefunden hatte. Oder sie hatte eventuell Lust ein gemeinsames, entspannendes Bad zu nehmen, kalt genug war es jedenfalls dafür!

Er zog die Robe enger um seinen Hals. Es wäre auch recht erquicklich, einfach vor dem Kamin ein gutes Buch zu lesen und wenn Sie in Stimmung wäre, könnte er ihr bei einem exquisiten Glas Wein auch sonst noch einige spezielle Dienste erweisen. Das breite Grinsen auf seinem Gesicht wurde noch viel breiter.

Alles in allem wusste er, dass sie spätestens gegen 23:00 Uhr zu Bett gehen würden, um früher oder später eng aneinandergeschmiegt einzuschlafen. Sie für mindestens 7 Stunden und er für immerhin 5 Stunden.

Er erreichte endlich die Abzweigung in die Kerker und nahm beschwingt zwei Stufen auf einmal.

Ja, bei Merlin! Wie sehr sich doch ein Leben verändern konnte und das durch eine Kleinigkeit, völlig unspektakulär. Es war höchst erstaunlich, es war doch nur ein Klopfen gewesen.

Dieses Klopfen ereignete sich am 21. November 2001, drei Jahre nach der großen Schlacht um Hogwarts, in dem der dunkle Lord endgültig besiegt wurde.

Gewohnt unfreundlich war sein gebelltes „Herein" gewesen. Als sich die Türe geöffnet hatte und er sah, wer es gewagt hatte ihn zu stören, war er doch einigermaßen erstaunt gewesen.

„Miss Granger?"

Vor ihm stand eine junge Frau Anfang Zwanzig, in einem dunkelblauen Winterumhang, der etwas durchnässt aussah, ihre Handschuhe hatte sie in die Taschen gestopft und die Mütze, die sie wohl bis eben getragen hatte, hielt sie in der linken Hand. Langes braunes Haar, das in wilden Locken über ihren Rücken floss und ebenfalls Spuren der dicken Schneeflocken zeigte, die draußen schon seit Tagen niederfielen, umrahmte ein fein geschnittenes Gesicht mit großen, sanften, haselnussbraunen Augen unter dunklen Wimpern, einem energischen Kinn und – war ihm dass wirklich damals schon aufgefallen? – einem sehr sinnlichen Mund.

Hermine Jane Granger war wohl die beste Hogwartsabsolventin aller Zeiten, weibliche Lichtgestalt des Widerstandes gegen den dunklen Lord, weil beste Freundin von Harry Potter und Ron Weasley diesen unterbelichteten Superhelden, die ohne sie wohl nicht mal zwei Wochen überlebt hätten, Liebling aller Lehrer ob ihres Fleißes und ihres großen Verantwortungsbewusstseins und sie war immer die beste Möglichkeit gewesen, ihn bis zur Weißglut zu nerven mit diesem ewigen, ärgerlichen Rumgefuchtel ihrer Hände, wenn sie was wusste und dies auch gerne mitgeteilt hätte, was eigentlich dauernd der Fall gewesen war.

Seit mehr als zwei Jahren hatte sie nun Hogwarts verlassen. Wenn er sich recht erinnerte, studierte sie in Oxford Zauberkunst und noch tausend andere Fächer, die sie garantiert in kürzester Zeit mit den höchsten Auszeichnungen abschließen würde.

Verdammt was tat sie hier, bei Merlin?

„Guten Tag, Professor Snape. Entschuldigen Sie die Störung, aber ich hätte ein Anliegen, das ich gerne mit Ihnen besprochen hätte, es dauert auch nicht sehr lange."

Bittend war ihr Blick gewesen und gerne hätte er ihr die Türe direkt vor der Nase zugeknallt, mit dem pädagogisch wertvollen Hinweis, dass sieben lange Jahre genug an Heimsuchung gewesen wären.

Doch etwas hatte ihn zurückgehalten, hatte ihr sogar mit düsterstem Todesserblick und mit zusammengepressten Lippen den Weg in sein Büro freigegeben. Es musste wohl sein Gewissen gewesen sein, das ihn zu solch ungewöhnlich höflichen Taten trieb.

Damals, als er wegen einer fehlerhaften Theorie des dunklen Lord nähere Bekanntschaft mit Nangini machen musste und eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen hatte, war sie zu diesem sterbenden Ekel aus des Kerkern zurückgekehrt, hatte trotz des vielen Blutes bemerkt, dass noch ein winziger Funke Leben in ihm gewesen war und hatte mit bekannter Vehemenz dafür gesorgt, dass er versorgt und ins St. Mungos gebracht wurde. Dort hatten die Heiler lange um sein Leben kämpfen müssen. Sein Wille war es jedenfalls nicht gewesen, dass er dies überlebte.

Sie hatte ihm später einmal erzählt, dass sie ihn in seiner Bewusstlosigkeit jeden Tag besucht hatte und sehr viel Zeit an seinem Bett verbracht hatte, mit ihm gesprochen und ihm sogar vorgelesen hatte. Er konnte sich daran nicht erinnern, auch an sie nicht, aber es schien gewirkt zu haben, denn irgendwann war es ihm wieder besser gegangen.

Wohl hatte seine Genesung fast ein ganzes Jahr gedauert, daher hatte er auch nicht miterlebt, wie die drei Superhelden ihr letztes Schuljahr wiederholten und die Schule abschlossen. Er bedauerte dies in keinster Weise, es reichte völlig, dass er erst nach dem Sommer wieder all diese Dummköpfe unterrichten durfte und diese in der Zwischenzeit wohl rein gar nichts dazugelernt hatten.

Er stand also in ihrer Schuld und daher stand sie ihm dann wenig später auch abwartend an seinem großen Schreibtisch gegenüber.

„Also, sagen Sie mir freiwillig, was Sie hierher führt, Miss Granger? Ich habe nicht ewig Zeit um sie mit Ihnen zu verschwenden!" presste er nach einer längeren Weile des Schweigens in der Hoffnung, sie durch seine Grobheit zu vertreiben, heraus.

„Nun", sie räusperte sich und zog ihren Umhang etwas vom Hals ab. „Darf ich bitte meinen Mantel ablegen und mich setzen, Professor?" fragte sie höflich, es schien ihr warm zu sein.

„Ich denke es dauert nicht lange?" Er hatte wirklich keine Lust freundlich zu sein.

Eindringlich und mit einem kleinen Funkeln in den Augen schaute sie ihn an. „Es ist doch beruhigend, dass sich manche Sachen nicht ändern."

Höhnisch war seine Antwort auf diese unerwartet selbstsichere Äußerung von ihr gewesen. „Einen Tee habe ich auch nicht, wenn das ein weiteres Bedürfnis Ihrerseits sein sollte."

Dann hatte sie ihn das erste Mal überrascht. Sie hatte gelacht. Ihn einfach angelacht. Glockenhell und so offen, dass er ganz vergaß, sie in Grund und Boden zu starren ob der Ungeheuerlichkeit nicht vor Angst vor ihm zu vergehen.

Als sie sich nochmals geräuspert hatte, legte sie zuerst in aller Ruhe ihren Umhang ab und setzte sich sehr aufrecht in den harten Besucherstuhl vor seinem Schreibtisch.

Sie trug ein mittelblaues Trägerkleid aus Wolle, darunter ein eng anliegendes hellbraunes Shirt, das nicht viel Spielraum für Spekulationen über die wohlgeformten Rundungen die darunter lagen, offen ließ.

Er stellte überrascht fest, dass ihm gefiel, was er sah. Aus dem unscheinbaren Mädchen mit den entsetzlich buschigen Haaren und den Hasenzähnen war eine sehr attraktive und anscheinend auch sehr selbstsichere junge Frau geworden.

Freundlich fuhr sie fort: „Wie sie vielleicht wissen, Professor, studiere ich zurzeit in Oxford und schließe meine Studien dort im nächsten Sommer ab."

„Ach", spottete er, „erst?" wohl wissend, dass die Regelstudienzeit mindestens 4 Jahre betrug.

„Ja", auch ihr Ton war ironisch geworden „ich habe mir etwas Zeit gelassen. Sie wissen schon, Partys, Orgien, Studentenleben eben."

„Wirklich?" Na, wer das glaubte, war ja noch dümmer als Longbottom in Zaubertränke.

„Ja, leider hat der ganze Spaß im Sommer ein Ende", sie lächelte ihn schon wieder an! Unglaublich! „Und ich bin gerade auf der Suche nach geeigneten Meistern für die noch ausstehenden Praktika."

„Ich kann Ihnen leider nicht mit Rat und Tat zur Seite stehen, Miss Granger", er lehnte sich gelangweilt zurück, „ich kenne mich nicht sehr gut unter den führenden Meistern der Zauberkunst aus, da sollten sie sich besser mit Professor Flitwick unterhalten."

„Das fand ich auch", entgegnete sie ihm ungerührt, „daher habe ich ihn bereits kontaktiert und er ist gerne bereit, mir geeignete Meister zu benennen, genau wie Professor McGonagall."

„Schön für Sie" ließ sich Severus betont desinteressiert vernehmen.

„Ja, nicht war. Die beiden können mir sicher weiterhelfen. Professor McGonagall stellte sogar in Aussicht selbst als Meister zur Verfügung zu stehen. Daher bleibt nur noch der letzte, beziehungsweise erste Meister offen", sie machte eine kleine Pause und ihre Zunge fuhr über ihre Lippen, „und da kommen Sie ins Spiel, Sir."

Seine Augenbrauen zogen sich abweisend zusammen. Egal was sie jetzt wollte, seine Reaktion würde definitiv negativ sein. Es fragte sich nur, wie negativ.

„Ich brauche noch einen Meister für mein Hauptfach. Es ist mir wichtig, dass es nicht irgendeiner ist, der gerade Zeit hat, oder wo es bequem wäre, sondern ich will beim absolut Besten seines Faches meine Lehrzeit absolvieren." Ihr Blick war sehr entschlossen und er erkannte das Feuer darin.

„Miss Granger, wollen Sie die Güte haben und auf den Punkt kommen?" zischte er möglichste beherrscht.

„Nun, Sir, mein Hauptfach ist Tränkekunde und es ist allgemein bekannt, dass Sie der Beste Ihres Faches in England, wenn nicht in ganz Europa sind, Professor Snape", sie setzte sich sehr aufrecht hin, „daher möchte ich sie bitten, mich meine Lehrjahre bei Ihnen als Meister ableisten zu lassen."

Sie atmete durch. Scheinbar war ihr das doch nicht so leicht gefallen, wie es den Anschein hatte.

„Auf keinen Fall!" Severus hatte sich ebenfalls aufgesetzt. „Ich nehme keine Meisterschüler! Niemals!"

„Ich weiß", antwortete sie sehr ruhig, „daher erhoffe oder erwarte ich auch, dass sie bei mir eine Ausnahme machen, Professor."

Seine Augen waren sehr schmal geworden und seine Hände hatten sich zu Fäusten zusammengeballt.

„Verstehe ich sie richtig, Miss Granger", schneidend und gefährlich leise war seine Stimme geworden „dass sie es wagen, hier in meinen Räumen unverschämte und unerhörte Forderungen zu stellen?"

Er sah auf ihrer Oberlippe kleine Schweißperlen glitzern, dennoch stellte sie mit fester Stimme klar: „Ich hoffe nicht, dass meine Bitte unerhört bleibt, Professor, aber ja, sie verstehen Recht, ich werde im Zweifelsfall nicht davor zurückschrecken von Ihnen einen … Gefallen … einzufordern."

Er war schneller aufgestanden und sehr dicht vor sie getreten, als sie gucken konnte. Drohend baute er sich vor sie auf: „Raus!" zischte er „Verlassen sie auf der Stelle meine Räume!"

„Ich verstehe ihre Emotionen, Professor", sie saß tatsächlich immer noch auf diesem Stuhl „aber ich glaube, wir sollten erst noch einige Einzelheiten besprechen, bevor ich mich von Ihnen verabschiede."

„Wie können Sie es wagen…" sie musste sich wirklich anstrengen, damit sie ihn noch verstehen konnte.

„Es ist ganz einfach, Sir", erklärte sie ihm sachlich ihre Beweggründe, „sie sind der Beste und mir ist ganz klar, dass sie keinen und schon gar nicht mich", hier umspielte ein wissendes Lächeln ihre Lippen „als Tränkemeister ausbilden würden, wenn ich nicht einen guten Einsatz für ihre Mühen in der Tasche hätte." Sie machte eine kleine Pause und faltete ihre Hände unschuldig in ihrem Schoß, bevor sie ihn von unter herauf anschaute. „Also, ich an ihrer Stelle wäre froh, so bald und so einfach meine Lebensschuld abzugleichen." Ihr Lächeln bekam etwas Selbstzufriedenes. „Es haben sich immerhin 20 erstklassige Lehrmeister darum bemüht, dass ich bei ihnen meine Lehrzeit absolviere."

„Und warum haben sie keinen von denen genommen?" er kochte vor Wut.

„Wie gesagt, Sir, sie sind der Beste von allen!"

Jetzt stand auch sie auf. „Und bedenken Sie, Sir", bedächtig ging sie an ihm vorbei zur Türe „ich hätte auch verlangen können, dass sie mich heiraten, oder noch viel Schlimmeres!" Jetzt war aus dem Lächeln ein freches Grinsen geworden.

Sie hatte bereits den Knauf der Türe in der Hand, als sie sich nochmals umdrehte. „Ach ja, die Lehrzeit beginnt bereits am 2. Januar und dauert zwei Jahre. Ich habe Anspruch auf vier Wochen Urlaub im Jahr und einen freien Tag in der Woche. Außerdem müssen Sie mich für die Abschlussprüfungen freistellen. Über die zu behandelnden Tränke und die verpflichtenden Inhalte kann ich Sie ja noch in zwei Monaten informieren."

Er starrte sie an.

Das durfte doch gar nicht wahr sein, diese kleine freche Göre hatte ihn Schach-Matt gesetzt bevor er überhaupt seinen ersten Zug gemacht hatte. Das war ihm nur sehr selten in seinem Leben passiert, und ausnahmslos allen die es probiert hatten, war dieser Versuch nicht sehr gut bekommen. Er würde sich was ausdenken müssen! Am Besten etwas sehr Schmerzhaftes!

Aber erst einmal galt es vielleicht doch noch in eine bessere Position zu kommen. Er überlegte. Sie war ein Kopfmensch, also müssten Argumente doch eine gewisse Wirkung haben. Er trat näher an sie heran und musterte sie herablassend.

„Vielleicht bin ich der beste Tränkemeister", es klang bewusst arrogant, „aber ich kann auch Ihr schlimmster Alptraum sein, Miss Granger! Sie können doch nicht so intelligent sein, wie alle finden, wenn sie bei mir lernen wollen. Haben Ihnen die sieben Jahre nicht gereicht? Und die könnten nur ein blasser Abklatsch eines noch weit aus größeren Schreckens gewesen sein."

Sie hatte den Türknauf losgelassen und sich zu ihm gedreht. Ernst war ihr Blick „Wahrlich, Sir, die Zeit mit Ihnen war selten angenehm, schon gar nicht entspannend und nie leicht", Triumph leuchtete in seinen Augen auf. „Aber, Professor Snape", sie ging einen weiteren Schritt auf ihn zu, „ich habe nie in meinem ganzen Leben mehr gelernt als in ihrem Unterricht."

Eindringlich starrten sie sich eine ganze Weile an, bis ihm bewusst wurde, wie dicht sie beieinander standen und er sogar ihren sehr ansprechenden Duft wahrnehmen konnte. Schnell trat er einen Schritt zurück.

„Ich kann Sie nicht nehmen, Miss Granger, ich habe hier Verpflichtungen, denen ich nachgehen muss."

„Keine Sorge, Professor", das offene Lächeln trat wieder auf ihr Gesicht, „ich habe bereits mit Professor McGonagall gesprochen, sie freut sich und bittet sie eindringlich meinem Anliegen zu entsprechen, außerdem hat sie eingewilligt, dass ich Ihnen die ersten beiden Klassenstufen in Zaubertränke abnehme, als Entlastung sozusagen."

„Wenn Sie glauben, dass ich Ihnen ein Gehalt zahle, haben Sie sich getäuscht!" Na, das Argument war mehr als schwach, selbst in seinen Augen. Allerdings brachte es wieder Miss Grangers glockenhelles Lachen zu Tage. Er bemerkte, dass es bis zu ihren Augen reichte und dort kleine Glitzerpunkte ins helle Braun setzte.

„Keine Sorge, Professor, ich bin im Besitz eines sehr gut ausgestatteten Stipendiums", und frech grinsend setzte sie noch einen drauf, „ich werde Ihnen also nicht auf der Tasche liegen, nur auf den Geist gehen."

Sie hatte nicht mehr auf eine Entgegnung seinerseits gewartet, sondern ihm sehr freundlich einen guten Tag gewünscht und war verschwunden. Noch minutenlang hatte er wie angewurzelt da gestanden, mitten in seinem Büro und hatte die Türe angestarrt.

Dann hatte er mit einer einzigen zornigen Handbewegung seinen gesamten Schreibtisch leergefegt und war zu seiner Direktorin geeilt, der er sehr deutlich gemacht hatte, wie er diesen Loyalitätsbruch ihm gegenüber einschätzte. Leider hatte diese das vollkommen kalt gelassen und sie hatte auch noch behauptet, dass sie für ihn darin mehr Vorteile, als Nachteile sähe.

Welche das auch immer waren, ihn diesem Augenblick konnte er sie nirgends sehen!