„… und ich würde es natürlich vollkommen verstehen, wenn Sie nein sagen würden, Hoheit", zwitscherte die melodische, aber unüberhörbar nervöse Mädchenstimme aus dem Lautsprecher des Komlinks.

„Ich weiß ja, wie viel Sie um die Ohren haben. Und ich begreife selber nicht, wie mein kleiner Bruder überhaupt auf die Idee kommen konnte, ausgerechnet Sie in diese alberne Geschichte mit hineinzuziehen. Und das auch noch, nachdem er Ihnen gegenüber so unverschämt war! Na ja, er ist eben mitten im Flegelalter. Und Sie wissen ja, wie Jungen in diesem Alter so sind …"

Bail Organa schloss für einen Moment seine reichlich blutunterlaufenen Augen und kniff die Hautpartie über seiner Nasenwurzel fest zwischen Zeigefinger und Daumen seiner linken Hand ein, was angeblich beinahe genauso gut gegen eine beginnende Migräne wirken sollte wie Akupunktur. Angeblich!

„Und dieser andere Kleine … Entschuldigen Sie, Leia, sein Name ist mir gerade entfallen… Ach ja, natürlich ... Er will also unbedingt Kunst studieren? Ach so, Musik … Und die Familie ist absolut dagegen? Warum?" fragte er zerstreut.

Er lauschte den umständlichen Erklärungen, die aus seinem Kom quollen, und versuchte trotz seiner Müdigkeit angestrengt, sich darauf zu konzentrieren, während er zwischen einem ganzen Stapel von Einladungen auf seinem Schreibtisch nach den Kopfschmerztabletten fahndete, von denen er laut seinem Leibarzt viel zu viele nahm.

Aber sein Leibarzt musste ja auch nicht stundenlang in einem Untersuchungsausschuss des Senats sitzen und sich die haarsträubenden Ausreden dieses arroganten Widerlings von einem Moff anhören, der tatsächlich die Frechheit besaß, die Einrichtung eines weithin berüchtigten Sternenflottenbordells auf Cervix VII mit den „mangelhaften sozialen Kompetenzen der einheimischen weiblichen Bevölkerung gegenüber den natürlichen körperlichen Bedürfnissen unserer tapferen und schwer arbeitenden Männer" zu rechtfertigen.

Doch der Vizekönig von Alderaan, dessen eigene soziale Kompetenzen niemand je bestritten hätte, wurde tagein, tagaus mit derartigen Ungeheuerlichkeiten konfrontiert. Und schon aus diesem Grund verspürte er häufig den ebenso spontanen wie gewalttätigen Wunsch, offen sanktionierten Verbrechern wie diesem cervixanischen Freizeit-Zuhälter mit einer besonders schweren Jubiläumsausgabe der völlig nutzlosen imperialen Verfassung den Schädel einzuschlagen – und das am liebsten direkt vor den diskret gerümpften Nasen seiner rückgratlosen Kollegen!

Da er sich zu solchen drastischen Vergeltungsmaßnahmen leider nicht hinreißen lassen konnte, ohne seine wackelige Tarnung als braver Bürger und handzahmer Senator auffliegen zu lassen, blieb Organa allerdings gar nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, wenn auch nur zähneknirschend. Unter diesen Umständen (und nicht zuletzt wegen einer chronisch verspannten königlichen Nackenmuskulatur!) war er natürlich geradezu prädestiniert für immer wiederkehrende hartnäckige Migräneattacken.

Der Turm aus Einladungen geriet ins Wanken und kippte um. Lagen von steifem kartoniertem Papier, aufwändig mit Blattgoldrändern und ähnlich teurem Schnickschnack verziert, flatterten rauschend und knisternd zu Boden. Bail Organa unterdrückte nur mit äußerster Willenskraft einen besonders vulgären alderaanischen Fluch und ging leicht behindert durch seine bodenlange wallende Amtsrobe in die Hocke, um alles wieder aufzusammeln. Wie es der Zufall so wollte, entpuppte sich gleich die zweite Karte, die ihm in die Hand fiel, als Inspiration …

„Hören Sie mal, Leia: Was halten Sie davon, wenn wir uns morgen alle ganz offiziell treffen, um diese Sache miteinander zu besprechen?"

Aus dem Hörerteil des Koms drang ein ungläubiges Quietschen, dicht gefolgt von einer ziemlich aufgeregten und entsprechend laut gestellten Frage. Organa zuckte ein wenig zusammen – das Stechen in seinen Schläfen schien sich zusammen mit dem Stimmvolumen und den weniger melodischen Tonlagen seiner jungen Gesprächspartnerin kurzfristig zu verdoppeln.

Trotzdem blieb sein eigener Tonfall unverändert ruhig und freundlich, als er erwiderte: „Ja, ja, Sie haben richtig gehört, Leia. Ganz offiziell. Um genau zu sein: Vor einem Riesenpublikum mitten in der sangolesischen Botschaft. Dort findet morgen um sechzehnhundert nämlich ein Kammerkonzert statt. Yerudi Menurin und ein Alteqqi-Streichquartett. Und das könnte schon die Lösung unseres kleinen Problems sein – wenn wir nur ein bisschen Glück haben.

Ja, genau, Leia. Die sangolesische Botschaft ist in der Imperial Lane. Und keine Sorge, Sie kommen dort hinein. Gehen Sie einfach nur zur Hintertür. Anatol wird dort auf Sie warten und Ihnen geben, was Sie brauchen. Wir treffen uns dann drinnen, Sie und ich und die beiden Jungen natürlich. Und der Kleine soll unbedingt seine Geige mitbringen, ja?"

Das Kom sprudelte fast über vor Dankbarkeit. Organa lächelte, obwohl sein Kopf hämmerte und seine Anruferin es ohnehin nicht sehen konnte.

„Ich freue mich schon darauf, Sie und Ihren Bruder wieder zu sehen, Leia", sagte er und er meinte es vollkommen ernst. So ernst, dass er immer noch lächelte, obwohl er schon längst aufgelegt hatte und sein Kopf eindeutig kurz vor der Explosion stand.

Denn auch wenn Organa sich gerade fühlte, als ob ein ausgewachsener Suryxbulle irgendwo in der Region seiner Frontallappen Samba tanzte, sah er sofort die weit reichenden und höchst erfreulichen Folgen seiner unmittelbar bevorstehenden Verwicklung in das Schicksal eines an sich völlig bedeutungslosen Teenagers.

Denn was konnte ihm gerade jetzt Besseres geschehen, als dem besten Freund von Luke Vader aus der Klemme zu helfen? Nach seiner etwas unglückseligen ersten Begegnung mit diesem aggressiven halsstarrigen Bengel hatte Bail sofort jede Hoffnung in diese Richtung aufgegeben. Aber falls es ihm gelingen sollte, mit Vader junior Frieden zu schließen und seinen temperamentvollen Querkopf mit Dankbarkeit oder zumindest mit einem vagen Gefühl der Verpflichtung gegenüber der Familie Organa zu impfen, dann ergaben sich vielleicht doch noch Möglichkeiten. Hochinteressante Möglichkeiten …

Bail schüttelte wehmütig und äußerst vorsichtig sein geplagtes Haupt. Wie berechnend er doch geworden war, seit er in diesem imperialen Haifischbecken herumplanschte. An manchen Tagen erkannte er sich selbst kaum wieder …

Aber hatte er denn eine andere Wahl? Man musste in diesen dunklen Zeiten einfach so sein, man musste kalkulieren, taktieren, Intrigen spinnen, Ränke schmieden und sich vor allem auf jede nur denkbare Weise Verbündete verschaffen und sie nach dem uralten Prinzip „eine Hand wäscht die andere" bei der Stange halten – auch wenn man damit gegen seine eigenen ethischen Grundsätze verstieß.

Man konnte sich nicht ewig hinter dem Schutzschild hundertprozentiger Tugendhaftigkeit verstecken und den perfekten Säulenheiligen spielen, wenn man in diesem Morast der Verkommenheit überleben wollte. Und man musste wenigstens ab und zu dazu bereit sein, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen, wenn man sich das Überleben anderer auf die Fahne geschrieben hatte. Es stand einfach zu viel auf dem Spiel. Man konnte auf niemanden Rücksicht nehmen – nicht einmal auf sich selbst.

Organa presste die Fingerspitzen gegen seine pulsierende Stirn und begutachtete voller Abneigung die wieder eingesammelten Einladungen. So viele Termine und einer lästiger und überflüssiger als der andere: Empfänge, Partys, Hofbälle, Soireen, Konzerte, Benefizveranstaltungen aller Art …

Es war wirklich erstaunlich, dass er bei so vielen gesellschaftlichen Anlässen, bei denen die Anwesenheit des Botschafter-Senators von Alderaan scheinbar zwingend erforderlich war, überhaupt je zum Arbeiten kam.

Und es grenzte praktisch an ein Wunder, dass er es bei all dem Stress überhaupt noch schaffte, seiner heimlichen Agenda zu folgen, wozu zum Beispiel die sporadischen, aber dafür immer gefährlicheren Treffen mit Mon Mothma oder ähnlich verdächtigen Mitgliedern des Allianz-Oberkommandos gehörten. Ganz zu schweigen von all den anderen wichtigen Dingen, um die er sich zu kümmern hatte. So viel zu tun und so wenig Zeit …

Bail Organa beendete seine Reflektionen (Auch das war reine Zeitverschwendung!) mit einem widerwilligen Stoßseufzer und drückte lustlos auf eine Taste der Gegensprechanlage, die ihn mit seinem Vorzimmer und einem ganzen Schwarm von diensteifrigen Sekretärinnen verband.

„Ach Elora, finden Sie doch bitte für mich heraus, in welchem Hotel ein Mr. Menurin abgestiegen ist. Ja, genau, DER Mr. Menurin … Aber er benutzt wahrscheinlich nicht seinen richtigen Namen, sondern irgendein komisches Pseudonym, er hat so seine Marotten. Fragen Sie an der Rezeption einfach nach dem schwierigsten Kunden im Penthouse-Sektor, das wird er dann schon sein.

Und fangen Sie am besten mit dem Astorya an. Die Chancen, dass er dort eingecheckt hat, stehen gut – er war schon immer anspruchsvoll. Und wenn Sie ihn aufgestöbert haben, Elora, dann rufen Sie ihn sofort an und stellen Sie ihn zu mir durch. Lassen Sie sich nicht abwimmeln, auch wenn er Sie anschreit. Ich kläre das dann schon mit ihm …

Und noch etwas, Elora: Ich brauche unbedingt Sapirin. Schnell. Und eine Menge davon."

Miss Elora Bakunin, langjährige Chefsekretärin des Vizekönigs und damit automatisch die ungekrönte Herrscherin über die ganze ehrfürchtige Vorzimmerbevölkerung der alderaanischen Botschaft, war nicht nur diensteifrig hoch drei, sondern auch äußerst kompetent.

Und so kam es, dass keine fünf Minuten später eine nagelneue Packung Sapirin auf der Schreibtischplatte ihres gequälten Herrn lag und das direkt neben dem gestochen scharfen Hologramm eines extrem zerbrechlich wirkenden silberhaarigen Greises. (Was übrigens der automatische Beweis für Bails Vermutung war, denn nur das Astorya verwöhnte seine zahlungskräftigen Gäste mit dem unerhörten Luxus eines gänzlich störungsfreien zivilen Holonet-Zugangs.)

„Was ist jetzt schon wieder? Hat man denn an diesem grauenhaften Ort niemals seine Ruhe? Ein für allemal: Ich stecke mitten in einer Generalprobe und ich gebe heute keine Interviews! Und auch keine Autogramme – nicht einmal dem Imperator persönlich und wenn er auf den Knien angerutscht kommt.

Und ich will mit niemandem sprechen! Mit NIEMANDEM, hören Sie? Was ist das hier? Ein Hotel oder ein Irrenhaus? Nun, falls es noch kein Irrenhaus ist, wird es jedenfalls bald eines sein, denn diese alteqqische Idiotentruppe, die man mir auf den Hals gehetzt hat, tut wirklich alles, um mich in den Wahnsinn zu treiben!

Wenn Sie also keinen Wert darauf legen, Ihre flohverseuchte Hundehütte morgen in den Topnews zu sehen, weil der größte Geigen-Virtuose aller Zeiten hier einen vierfachen Mord begangen hat, dann lassen Sie mich jetzt besser weiter mit diesen tauben Nüssen üben. Möglicherweise erkennt ja wenigstens einer von diesen mit Ohrenschmalz verstopften Versagern noch den Unterschied zwischen einem C und einem Cis, bevor ich ihn mit seinem eigenen Notenständer erschlage …"

Und dieser ganze Vortrag wurde mit einer kraftvollen Empörung herausgezirpt, die man dem fragilen alten Mann niemals zugetraut hätte.

Bail Organa fand diese unerwartete Showeinlage einfach faszinierend, zumal er die Pause genutzt hatte, um dem dröhnenden Trommelwirbel unter seiner Schädeldecke mit einer doppelten Ladung Schmerzmittel Einhalt zu gebieten. Außerdem erkannte er sofort, dass die sensible Künstlerseele in Aufruhr war und besänftigt werden musste, bevor er Flagge zeigte.

„Ich bin es nur, mein guter alter Freund. Verzeihen Sie mir die Störung, aber ich musste Sie unbedingt sprechen. Ich werde Sie auch gar nicht lange aufhalten", sagte er beschwichtigend.

Zu seinem Glück war die Künstlerseele am anderen Ende der Holo-Leitung nicht nur sensibel, sondern auch ausgesprochen eitel. Ein prominenter Adeliger mit einem noch prominenteren Vermögen zu sein, hatte unleugbar seine Vorteile, wenn man es mit Snobs zu tun hatte …

Auf jeden Fall hellte sich das finstere Gesicht des größten Virtuosen aller Zeiten sofort wieder auf, als seine kurzsichtigen Augen den leicht verschwommenen Umriss des vermeintlichen Störenfrieds endlich identifiziert hatten.

„Königliche Hoheit! Ich habe Sie zuerst gar nicht erkannt … Welche Ehre!" säuselte er. „Darf ich etwa darauf hoffen, Sie morgen bei dieser armseligen kleinen Veranstaltung zu sehen? Sie würden damit wirklich meinen Tag retten, denn tatsächlich nehme ich nur deshalb an dieser Karikatur von einem Konzert teil, weil mein habgieriger Blutsauger von einem Manager mich dazu gezwungen hat.

Schließlich weiß doch jeder, dass diese Sangoleser nur im Ultraschallbereich hören können. Was wollen diese Leute also von mir? Ebenso gut könnte ich mich ins Meer werfen und für eine Herde Grindwale spielen. Aber mein Manager hat mir mit einer Konventionalstrafe gedroht, wenn ich mich weigere aufzutreten, können Sie sich das vorstellen? Ich sage Ihnen, diese schamlose Kreatur würde sogar meine Gallensteine verschachern, wenn sich dafür ein Käufer finden würde."

„Aber ich bitte Sie! Was für eine Frage! Würde ich mir denn jemals einen Auftritt des unvergleichlichen Meisters der acht Saiten entgehen lassen? Natürlich komme ich zu Ihrem Konzert, Saavikam, und ich bin sicher, es wird wie immer ein Triumph", erwiderte Organa, dessen Glattzüngigkeit ebenfalls unvergleichlich war, denn obwohl er ungefähr ebenso unmusikalisch war wie ein Grindwal, war er doch ein wahrer Meister in der großen Kunst der Lobhudelei.

Der berühmte Musiker war auch sichtlich geschmeichelt, was nicht zuletzt an dem alderaanischen Ehrentitel lag, mit dem er gerade geschickt eingeseift worden war. Saavikam bedeutete grob übersetzt so etwas Ähnliches wie „Gipfel der Vollkommenheit" und es konnte kein Zweifel daran bestehen, dass Mr. Menurin sich genau dafür hielt.

Was Bail Organa anging, so wusste er nur zu genau, dass man bei einem derart aufgeblasenen Ego mit honigsüßen Komplimenten mühelos erreichen konnte, was man anderenfalls nicht einmal mit einer tödlichen Blastermündung direkt an seiner Schläfe bewirkt hätte.

„Aber um zum eigentlichen Grund meines Anrufs zu kommen, Saavikam…"

Der Gipfel der Vollkommenheit begann sofort ein klein wenig abzubröckeln, als er erfasste, dass es noch einen anderen Grund für diesen Anruf gab als die ausgiebige Beweihräucherung seines Genies.

„… Sie könnten mir morgen einen klitzekleinen Gefallen tun. Sehen Sie, ich kenne da einen unglaublich begabten jungen Mann, der darauf brennt, Ihnen vorspielen zu dürfen."

„Oh, ich weiß nicht …", klang es gedehnt zurück. „Ich werde morgen trotz dieser hoffnungslosen Sangoleser sehr beschäftigt sein, denn ich muss wie immer mein Herzblut geben und mir buchstäblich die Seele aus dem Leib spielen, obwohl ich damit nun wirklich Perlen vor die Säue werfe.

Und überhaupt … immer diese Wunderkinder! Kriegen mit ihren plumpen kleinen Wurstfingern noch nicht einen sauberen Bogenstrich hin und bilden sich trotzdem schon ein, sie könnten MICH mit ihrem jämmerlichen Gefiedel beeindrucken.

Nehmen Sie es mir nicht übel, Hoheit, aber ich habe im Laufe meines langen, langen Lebens schon zu viele unglaublich begabte Talente gesehen, die am Ende doch nur ein Fantasieprodukt von übertrieben ehrgeizigen Eltern waren.

Und dann immer dieses Geheule und Geschniefe, wenn ich ihnen die traurige Wahrheit in ihre rotznäsigen kleinen Gesichter sage: Viele fühlen sich berufen, aber nur wenige sind auserwählt! So ist es nun mal. Was kann ich dafür?

Also bitte verschonen Sie mich damit, Hoheit, denn ich bin ein müder alter Mann. Und wenn ich ganz ehrlich bin: Ich HASSE Kinder!"

Doch Bail Organa, gestärkt durch eine massive Ladung Sapirin und gestählt durch den ungleich schwereren Ballast des jahrelang erduldeten imperialen Jochs, war kein Mann, der so schnell aufgab.

„Es würde Sie doch höchstens ein paar Minuten Ihrer wertvollen Zeit kosten, Saavikam… Und ich würde mir Ihre Zeit etwas kosten lassen."

Jetzt spitzte Menurin eindeutig die Ohren unter seiner Halo aus silbrigem Haar, Bail konnte es förmlich sehen.

„Was genau verstehen Sie unter ‚etwas', Hoheit?"

„Nun ... sagen wir … eine ziemlich großzügige Spende für das Gulliard-College."

Jetzt spitzte Menurin die Lippen, denn er saß im Vorstand des Gulliard-Colleges, und was immer dort an Spenden einging, lief unmittelbar durch seine verwöhnten Hände.

„Wie großzügig?" forschte er.

Bail Organa seufzte innerlich, aber dies war nicht der Augenblick, knauserig zu sein. Er gab sich einen Ruck und nannte eine Summe, die mehr als nur großzügig war. Es war immerhin für einen guten Zweck – und der Zweck heiligte die Mittel, oder nicht?

„Also gut. Ich werde mir Ihren Wunderknaben mal anhören", sagte Menurin huldvoll. „Aber ich verspreche nichts!"

Dieser alte Fuchs versucht doch tatsächlich, mich über den Tisch zu ziehen,dachte Organa.

„Nein, so nicht. Für diesen Preis verlange ich schon ein bisschen mehr von Ihnen, Saavikam", sagte er mit einer Schärfe, die die Höflichkeitsfloskel wie eine Beleidigung klingen ließ.

„Was erwarten Sie denn noch von mir, Hoheit?" klagte Menurin.

"Ein Empfehlungsschreiben für den Jungen."

Menurins Augen weiteten sich ein wenig.

„Sie wollen ein Gulliard-Stipendium für Ihren Wunderknaben?"

„Wenn er gut genug dafür ist, ja."

„Ich allein entscheide, ob er dafür gut genug ist", blaffte Menurin. „Ich werde keine Null an meiner Schule dulden, egal, für wie viel Geld. Das verbietet mir meine künstlerische Integrität!"

Organa fragte sich unwillkürlich, wie viele Credits diese künstlerische Integrität im Ernstfall wohl wert war. Er warf seinen Köder aus.

„Wenn er nicht gut genug dafür sein sollte, werde ich selbstverständlich alle seine Studiengebühren übernehmen."

Menurin kniff misstrauisch die Augen zusammen. „Zusätzlich zu Ihrer einmaligen großzügigen Spende?"

„Zusätzlich zu meiner jährlichen großzügigen Spende", betonte Organa.

Und der Fisch biss prompt an.

„Irgendwie habe ich das Gefühl, ich könnte morgen tatsächlich ganz unerwartet auf ein Wunderkind stoßen", sagte Menurin nachdenklich.

„Dieses Gefühl habe ich irgendwie auch, Saavikam", erwiderte Bail Organa trocken.

„Aber jetzt muss ich mich wirklich von Ihnen verabschieden, Hoheit, so angenehm unsere kleine Plauderei auch war. Sie wissen ja: Übung macht den Meister. Außerdem muss ich dieses grässliche Quartett noch ein bisschen durch die Mangel drehen, damit sie mich nicht ganz und gar blamieren. Ich sage Ihnen, diese Leute haben Hände wie Entenfüße!"

„Sie werden trotzdem morgen so brillant sein wie immer", tröstete Bail.

„Ich weiß", sagte das Hologramm auf seiner Schreibtischplatte bescheiden und erlosch.

Organa lehnte sich zurück und verschränkte die Arme in seinem verkrampften Nacken. Er würde eine Massage brauchen, bevor er zu Bett ging, aber ansonsten war er sehr zufrieden mit sich und seinem Tagwerk.

Ab morgen würden sich für Luke Vaders kleinen Freund all die Türen und Tore öffnen, die ihm bisher verschlossen gewesen waren, eine nach der anderen, dafür würde Bail Organa sorgen …

Und irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft würde Organa Luke Vader dafür die Rechnung präsentieren oder es zumindest versuchen. Denn man konnte nicht immer nur nehmen im Leben, man musste auch geben. Eine Hand wusch die andere…

Und diese Lektion würde auch Vader junior irgendwann lernen müssen, ob er wollte oder nicht …

Fortsetzung folgt ...

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