Gekaufte Dienste

Sie hatten einen langen, arbeitsamen Tag in McKays alter Wirkungsstätte, der Area 51 hinter sich. Artefakte aus Pegasus wurden katalogisiert, Waffen der Wraith analysiert und Wissenschaftler befragten sie über alles Mögliche. Am Abend lud McKay sein Team in eine Bar unweit des Militärgeländes ein. Die Bar war zwar schäbig und heruntergekommen, aber die einzige weit und breit, die ohne die obligatorischen Roswell-Utensilien auskam.

Sie saßen an einem Tisch, als jemand ihnen zurief: „Hallo, Rod!"

Das Team starrte auf eine Frau Mitte Fünfzig, dessen auffälliges schwarzrotes Kleid mehr offenbarte als verhüllte. Ihre Highheels waren feuerrot und mit Absätzen versehen, die den Vergleich mit einem Stilett nicht zu fürchten brauchten. Abgerundet wurde das Bild durch den übermäßigen Gebrauch von Schminke und Lippenstift. Ungebeten und umgeben von einer Wolke schweren Parfüms trat die Frau an den Tisch heran und setzte sich. „Mein Gott, wie lange ist es her?"

McKay setzte gerade zu einer Antwort an, wurde aber unterbrochen. „Nicht einmal verabschiedet hast du dich, dabei haben wir so viel Zeit miteinander verbracht." Dann blickte die Frau das Team an. „Sind das Freunde von dir? Ich bin Amber." Sie streckte ihre Hand, dessen auffälligstes Merkmal knallrote Fingernägel waren, aus und Sheppard, Teyla und Ronon schüttelten sie.

„Rod, Liebling, hol mir doch bitte ein Glas Sekt, ganz wie in alten Zeiten." McKay stand ohne Widerrede auf, um zum Tresen zu gehen. Dann drehte sich der Colonel zu Amber: „Rod? Er erwähnte mal, dass er nie jemanden dazu gebracht hat, ihn so zu nennen."

Die Frau lachte herzlich: „Oh, Schätzchen, wer zahlt, den nenne ich, wie er will."

Betreten starrte Sheppard zur Tischplatte, während Ronon leise in sich hineinlächelte. Teyla dagegen fragte unbefangen: „Sie haben einen außergewöhnlichen Namen, ist Amber nicht auch Bernstein, uraltes Harz?"

„Bernstein ist Feuer, meine Liebe. Und natürlich nur ein Künstlername. Oh, danke, Rod, das ist sehr nett von dir." McKay stellte das Glas auf dem Tisch ab und nahm wieder Platz.

Amber nippte am Sekt. „Ein köstliches Getränk, nicht wahr? Rod hat immer etwas Sekt mitgebracht, weil er so nervös war. Viel gebracht hat es aber nicht. Seine Bewegungen blieben steif. Man sollte meinen, dass jemand, der so musikalisch ist, sich auch rhythmisch bewegen könnte."

Ronon lachte nun laut auf, während Sheppard versuchte, in irgendeine Richtung zu gucken, nur nicht in Ambers oder McKays Richtung. Teyla war irritiert vom Verhalten Sheppards. Dann zuckte sie mit den Schultern. Die Erdlinge waren hinsichtlich zwischenmenschlicher Interaktionen seltsam, das musste sie so hinnehmen.

Die Frau guckte kurz auf ihre Uhr, dann trank sie schnell den Sekt aus. „Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben, aber leider habe ich gleich einen Termin mit einem Kunden. Rod, ruf doch einfach an, wenn du mal wieder in der Nähe bist."

McKay nickte Amber zu, als sie die Bar verließ.

„Wie haben Sie beide sich kennen gelernt?" fragte Teyla.

„Ein Kollege hat sie mir empfohlen. Er meinte, sie würde mir gut tun." McKay seufzte, als er das sagte. Sheppard verschluckte sich fast an seinem Bier.

„Sie hat auf jeden Fall Temperament, ich mag sie," entgegnete Ronon.

„Ja, Temperament hat sie. Wenn ich bei ihr war, hieß es immer: ‚Tu dies, tu das, zeig mir mehr Leidenschaft, vergiss mal deine Formeln, konzentrier dich auf das, was du tust.' Es war anstrengend."

„Und dann?" hakte Teyla interessiert nach.

„Dann habe ich erkannt, dass Tango einfach nicht mein Tanz ist." McKay grinste.

Es war nicht das erste Mal gewesen, dass seine ehemalige Tangolehrerin für Verwirrung sorgte.