Dass Severus Snape in Sachen 'Vater sein' noch lange nicht ausgelernt hat, wird ihm in Lauras zweitem Schuljahr des öfteren bewusst.

Nun nicht mehr ganz so ungezügelt, aber energiegeladen und abenteuerlustig wie immer ,startet Laura mit ihren Freunden ihr nächstes Jahr in Hogwarts.

Nicht nur in der Zaubererschule gilt es Hürden zu überwinden...

Das ist die Fortsetzung von 'Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen?...' . (Muss nicht zwingend vorher gelesen werden, um dem Inhalt folgen zu können.)

Disclaimer: Alle bekannten Figuren dieser Geschichte gehören der unverwechselbaren Joanne K. Rowling. Ich nehme mir die Freiheit, sie ihr auszuborgen und mit ihnen zu spielen ;-)

Warnungen: milde Körperstrafen (Bitte nicht lesen oder kommentieren falls euch das stört, ihr seid gewarnt!), evtl. leicht OOC

Die Geschichte spielt während des zweiten Harry Potter Buches, hält sich nicht (immer) ans Original von Joanne

Ich bin sehr dankbar, dass meine tolle Betaleserin scientific ida weiterhin meine Geschichte betalesen wird, VIELEN DANK IDA!

Viel Spass! Sally

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Severus Snape hatte ein sehr ereignisreiches Jahr hinter sich. Ein Jahr, wie er es sich nie hätte träumen lassen!

Mittelpunkt dieser Ereignisse war ganz klar seine Tochter Laura gewesen. Wild und ungezügelt war sie in sein Leben eingefallen und hatte ihn so manches Mal an den Rand der Verzweiflung und noch häufiger an den Rand seiner Geduld getrieben.

Natürlich war Severus Snape nicht gerade als geduldiger Mensch bekannt, jedenfalls nicht, wenn es um Kinder ging.

Aber Laura hatte wirklich so einige Unarten geboten in ihrem ersten Schuljahr. Es gab nichts, was diesem Kind nicht nicht in den Sinn kam! Und ihre Freunde waren kein bisschen besser!

Doch Laura hatte es gleichzeitig auch geschafft, sein Herz zu erobern. Wie das möglich gewesen war, wusste Severus nicht mehr. Er wusste nur, dass, so unglaublich es für ihn auch war, dieses fröhliche Kind sein Lebensinhalt geworden war. Nicht, dass er das jemals öffentlich zugegeben hätte, aber es war nun mal Tatsache.

In seinem Büro, bei sich zu Hause, sortierte Severus die letzten Papiere, die er für den Unterricht nächste Woche in Hogwarts brauchen würde. Er rieb sich mit der Hand übers Gesicht, als er verzweifelt daran dachte, sich wieder mit neuen Erstklässlern abmühen zu müssen.

Respekt war nicht etwas, was er sich bei den Kindern verschaffen musste. Den hatte er, sobald er den ersten Schritt ins Klassenzimmer tat. Aber die Neuankömmlinge waren trotzdem immer am kompliziertesten, weil sie noch nicht wussten, wie der Hase lief. Sie stellten sich manchmal aber auch zu schwierig und begriffsstutzig an!

Er sah zum Fenster hinaus. Seine Tochter saß mit wütendem Blick und vor der Brust verschränkten Armen auf einem Stein im Garten. Sie war wütend, weil er ihr nicht erlaubt hatte, den letzten Ferientag bei den Weasleys zu verbringen, wo auch ihr Freund Harry seine letzten paar schulfreien Tage verbrachte.

Er hatte ihr klar genug gesagt, sie solle ihre Schulsachen parat machen und ihren Koffer packen. Sie hatte immer etwas anderes zu tun gehabt und nun musste sie eben fühlen, wenn sie nicht hören konnte!

Zumindest die Schultasche hatte sie schlussendlich gepackt, aber Laura kannte den Standard ihres Vaters gut genug, um zu wissen, dass er es nicht dulden würde, dass sie alles kreuz und quer hineingeworfen hatte. Zerknüllte Pergamente hatte sie einfach wieder hinein gestopft und viel anderen Plunder, den sie nicht mehr brauchte. Sie war lediglich zu faul gewesen, die Dinge zu sortieren und den Müll weg zu werfen.

Als er dann, schon etwas gereizt, den Koffer kontrolliert hatte, war ihm sofort klar gewesen, dass sie noch keine Minute mit packen verbracht hatte, obwohl sie eben behauptet hatte, fast fertig zu sein. Laura war zwölf und er war der Meinung, dass sie in diesem Alter mehr Pflichtbewusstsein haben sollte. Deshalb hatte er den Besuch bei den Weasleys gestrichen. Vielleicht hatte auch ihr Benehmen vom Vormittag noch dazu beigetragen, dass sie nun diese Strafe kassiert hatte.

Beleidigt war sie nach draußen gerauscht, nachdem sie dann den Koffer gepackt, und die Schultasche ordentlich eingeräumt hatte. Er würde dann nochmals kontrollieren, ob sie anständig gepackt hatte.

Severus seufzte und schüttelte den Kopf. Laura war ein echter Wildfang. Am liebsten wollte sie immer irgendwelche tollen Abenteuer erleben und war ziemlich neugierig, was meistens die Hauptgründe dafür waren, dass sie öfter Mal in Schwierigkeiten geriet mit ihrem Vater.

Snape hielt sie an ziemlich kurzem Zügel, denn zu lange Zeit hatte das Mädchen tun und lassen können, was ihr gerade gefiel.

Nachdem ihre Mutter gestorben war, war das Mädchen bei den komplett überforderten Verwandten, die selber drei Kinder hatten, aufgewachsen. Die Tante hatte unter schweren Depressionen gelitten und hatte die Kinder absolut nicht unter Kontrolle gehabt.

Laura hatte weder Regeln noch Grenzen gekannt, was zu einigen Zwischenfällen geführt hatte in ihrem ersten Jahr in Hogwarts.

Natürlich hatte Severus ihr dann sofort klare Regeln gegeben, deren Grenzen sie immer wieder erprobt hatte. Sie hatte lernen müssen, dass sie Regeln zu befolgen hatte und ihr Handeln Konsequenzen hatte. Severus Snape war nicht ein Mann, der mit sich spaßen ließ!

Laura war der Ärger scheinbar verraucht, oder vielleicht war sie es einfach leid gewesen eine Schnute zu ziehen, wenn ihr niemand Beachtung schenkte, jedenfalls war sie nicht mehr auf dem Stein, wie Severus feststellte, als er erneut aus dem Fenster sah.

Vielleicht tummelte sie sich schon wieder im Bach oder kroch ihrer Schildkröte hinterher, wie sie es oft tat.

„Dad?" tönte plötzlich eine Stimme hinter ihm. Severus drehte sich um und sah in die rabenschwarzen Augen seiner Tochter, die ihn voller Tatendrang ansahen.

„Darf ich dir heute beim Brauen helfen?" fragte sie und strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht, die ihr in die Augen hing. „Ich hab nun alles schön gepackt," fügte sie schnell hinzu, als sie Snapes strengen Blick sah.

Severus schritt um seinen Schreibtisch herum und räumte einige Papiere in eine Schublade.

„Ja. Du kannst heute mal einen eigenen Trank brauen," sagte er und musterte sie nun, nachdem er die Schublade geschlossen hatte.

„Falls du gut gepackt hast," sagte er etwas streng.

„Ich werde aber dabei sein und auch etwas brauen," räumte er ein, als er das stolze Lächeln auf Lauras Gesicht sah.

Er wollte sie ein bisschen fördern auf diesem Gebiet, denn Laura hatte schon so viele Male mit ihm gebraut, dass sie nun fähig war, einen etwas schwierigeren Trank alleine zu brauen.

Letztes Jahr hatte sie es fertig gebracht, einen sehr schwierigen Liebestrank alleine oder mit Hilfe von Miss Granger oder Miss Thompson zu brauen.

Er war nicht sehr erfreut gewesen über das unerlaubte Brauen, das einem ziemlich frechen und unartigen Streich gedient hatte.

Aber er wusste, dass er Laura ohne Probleme fördern konnte, denn das Brauen interessierte sie. Ob sie wirklich Talent hatte, oder ob sie einfach ihm nacheifern wollte, wusste er nicht. Das war aber auch nicht wirklich relevant, denn so lange es ihr Spaß machte, würde sie auch gut sein in dem Fach. Und es würde sich dann später schon noch heraus kristallisieren, ob seine Tochter sein Talent geerbt hatte. Anfangs des Schuljahrs hatte sie noch die Zutaten geschnetzelt, wie ein blinder Metzger, nun war sie schon sehr geschickt und vorsichtig.

„Danke, Dad!" strahlte Laura glücklich. Das war auch etwas schönes an Laura, dass sie meistens nicht lange nachtragend war. Sie schmollte kurz und dann war wieder gut.

Severus nickte kurz. „Geh und hol deine Sachen, ich kontrolliere deinen Koffer und in einer halben Stunde gehen wir nach Hogwarts."

„Ich dachte, wir wollen jetzt brauen?" fragte sie etwas enttäuscht.

„Auch in Hogwarts haben wir die Gelegenheit dazu, oder nicht?" Er sah sie fragend an.

Laura nickte und rannte freudig davon, bremste dann aber, als Snape sich räusperte, denn er mochte es nicht, wenn sie im Haus herum rannte.

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Wo war denn nur ihre bunt karierte Reisetasche? Fragte sich Laura.

Sie setzte sich auf ihren großen Hogwartskoffer und drehte sich eine Locke um den Finger. Ihre Haare waren nun wieder lang genug dafür.

„In Harrys Koffer!" sagte sie zu sich selber und verdrehte die Augen. Natürlich! Sie hatte ein paar Tage mit Remus und Harry an einem See in Frankreich verbringen dürfen.

Dann war Harry noch zwei Tage hier gewesen, bevor er gestern zu den Weasleys gegangen war. Sie hatte vergessen, die Tasche aus seinem Koffer zu nehmen, wo sie sie einfachheitshalber verstaut hatte.

Laura biss auf ihre Lippen. Natürlich hätte sie die Sachen in der Tasche ausräumen und in die Wäsche tun müssen, dachte sie etwas schuldbewusst.

Remus, der sich nun um ihren Freund kümmerte, war nun zwei Tage außer Gefecht, da Vollmond war und er sich in einen Werwolf verwandelte. Danach brauchte er meistens zwei Tage, um sich vollkommen von den Strapazen zu erholen.

Niemand hätte noch im letzten Schuljahr zu träumen gewagt, dass Severus Snape es erlauben würde, dass ausgerechnet Harry Potter in den Ferien Zeit in seinem Zuhause verbringen würde.

Aber die erst so schlechte Beziehung zwischen dem strengen Zaubertranklehrer und dem 'Jungen, der lebte,' hatte sich in den letzten Wochen sehr entspannt.

Natürlich war Snape immer noch so streng und konsequent wie immer, aber die Bitterkeit und der Hass gegen den Jungen waren nicht mehr vorhanden.

Laura lächelte, als sie zufrieden daran dachte, wie gut es gegangen war in den Ferien.

Sie hatte mit ihrem Vater einige Tage an einem ganz ruhigen Bergsee verbracht, wo er tonnenweise seltene Kräuter gesucht und getrocknet hatte. Häufig hatte er das auch nachts getan, da man gewisse Kräuter bei Nacht pflücken musste. Einmal hatte sie mitgehen dürfen, was sehr spannend gewesen war, da die Kräuter in der Nacht ganz anders ausgesehen hatten, als bei Tageslicht.

Das Zelt hatte nach allen möglichen aromatischen Kräutern gerochen. Sie hatte das gemocht.

Sie hatten in einem Zelt gewohnt, welches aber durch Magie sehr komfortabel gewesen war. Nur gegen die Schnecken, die sich ihren Weg ins Zelt gesucht hatten und die sie immer zertreten hatten, hatten sie sich wehren müssen.

Sie war nun ein einziges Mal in Schwierigkeiten geraten.

Laura kratzte sich an der Nase und verzog etwas das Gesicht, als sie daran dachte.

Sie hatte am See gebadet und hatte ein kleines Schiffchen gebaut, was eigentlich nur ein Holzstück gewesen war, welches sie für ihr Streifenhörnchen Jimmy etwas zugeschnitzt hatte.

Jimmy mochte Wasser eigentlich nicht besonders. Genau genommen gar nicht, was das Mädchen absolut nicht begreifen konnte, denn sie liebte Wasser einfach.

hr Vater hatte gesagt, sie solle das lassen, wenn das Tier wasserscheu sei.

Er sollte sich nicht immer in alles einmischen, hatte sie erbost gedacht.

Er war dann kurz in den Fichtenwald gegangen, um von der Rinde der Bäume etwas abzukratzen und sie hatte am See bleiben wollen um zu baden. Natürlich hatte sie die Gelegenheit genutzt, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. So nach dem Prinzip 'Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß'.

Laura hatte das Tierchen ohne Federlesen auf das 'Floß' gesetzt und war etwas hinausgeschwommen. Sie hatte dem Schiffchen immer wieder einen kleinen Stubser gegeben, und es war schön mit ihr hinaus getrieben, sehr zum Leidwesen von Jimmy. Diese hatte immer versucht ihre Füßchen, die von den Wellen, die auf das Holz schwappten, nass wurden, im Trockenen zu behalten.

Als sie ein Stück geschwommen war, tauchte plötzlich eine Schwanenfamilie auf.

Laura wusste, das Schwäne gefährlich werden konnten, wenn sie Junge hatten.

Sie griff nach dem Streifenhörnchen und spritze es dabei unabsichtlich etwas an, worauf das Tierchen Panik bekam. Es machte einen großen Satz auf Lauras Kopf, da dies der einzige sichere und einigermaßen trockene Ort war, welchen Jimmy erreichen konnte. Ihre spitzigen Krallen stachen Laura dabei ins Gesicht und sie verschluckte sich vor Schreck ziemlich an dem Seewasser.

Sie tauchte kurz ab, als sie nach Jimmy griff und diese schwamm nun verzweifelt in Richtung Holz, welches aber wiederum in der Nähe der Schwäne trieb. Jimmy erkannte die Gefahr nicht.

„Nein!" rief Laura hustend. Sie musste an Land! Hier hatte sie keine Chance, etwas ausrichten zu können. Sie hatte immer noch Wasser in der Lunge.

Als Laura hustend ans Ufer kraxelte, sah sie, wie die Schwanenmutter ärgerlich auf das seltsame, schwimmende Tier einhackte. Laura schrie, sie solle das sofort lassen, sie würde sie sonst in einen Käfer verwandeln.

Das stolze Tier war von Lauras Worten wenig beeindruckt und hatte an ihrem Spiel scheinbar gefallen gefunden, da Jimmy nun auch noch quietschende Laute von sich gab.

Laura war ganz verzweifelt und rannte ins Zelt, um den Zauberstab zu holen.

„Dad!" rief sie unter Tränen, als sie sah, wie der Schwan ihr Haustier nun wieder von seinem Holzstück herunter gepickt hatte, auf das sie sich hatte retten können. Immer noch hackte die weiße Schwanendame lustvoll auf ihr hilfloses Opfer ein, das nun um sein Leben schwamm.

Laura hob den Zauberstab und rief das erste, was ihr einfiel: „Wingardium leviosa!"

Sofort erhob sich das strampelnde Streifenhörnchenweibchen etwa zwei Meter in die Luft, sehr zum Erstaunen des Wasservogels. Der Schwan sah erbost zu dem zappelnden Opfer hinauf und auch den jungen Schwänchen schien das eine seltsame,äusserst interessante Begebenheit.

Was nun, dachte Laura, denn Jimmy zappelte in der Luft. Laura hielt den Zauberstab auf sie gerichtet und es wollte ihr einfach nicht einfallen, wie der Rufzauber ging, in diesem Moment kam das Tierchen schon von alleine auf sie zu geschwebt. Sie hatte doch gar nichts getan und blinzelte verblüfft.

Da entdeckte sie einen sehr unerfreut schauenden Snape hinter sich, der dann ziemlich schnell seine Unzufriedenheit über diesen Ungehorsam kund tat.

Laura seufzte, als sie daran dachte, dass sie einen ziemlich kräftigen Klaps von Snapes flacher Hand kassiert hatte, der ihren Hintern für mehrere Minuten recht unangenehm hatte kribbeln lassen, zumal dieser eher spärlich bekleidet gewesen war. Einen strengen Rüffel samt Lektion, warum sie ihm besser gehorchen sollte, musste sie dann auch noch über sich ergehen lassen.

Eigentlich war sie aber glimpflich davon gekommen, wenn man bedachte, dass sie unerlaubterweise gezaubert hatte.

Snape hatte aber betont, dass er vor allem darüber sauer war, dass sie ihm nicht gehorcht hatte und das ihm bewusst sei, dass sie die 'Nicht zaubern außerhalb der Schule'-Regel nur aus Not gebrochen hatte. Allerdings wäre dies ja auch nicht nötig gewesen, wenn sie gehorcht hätte, wobei sie wieder beim Thema gewesen waren.

Ach ja, sie war ja froh gewesen, dass Jimmy nichts passiert war und sonst waren diese vier Tage nur mit ihrem Dad wirklich fantastisch gewesen.

Laura stand von ihrem Schulkoffer auf und öffnete den Deckel. Sie brauchte die Reisetasche nicht unbedingt. Sie würde sie dann in Hogwarts ausräumen und die Kleider in die Wäsche werfen. Laura hatte ihre Sachen, die sie in der Zaubererschule mitnehmen wollte, sorgfältig zusammengelegt nach dem Rüffel von ihrem Vater.

Nur zur Sicherheit hatte sie ihn nun nochmals kontrolliert, bevor es ihr Vater tun würde. Und sie wusste, dass wenn nicht alles tiptop in Ordung wäre, würde er wohl nicht sehr begeistert sein. Sie hatte ihn genug gereizt, sie durfte es nicht weiter treiben, wenn sie auf der sicheren Seite bleiben wollte.

Sie gähnte. Gestern hatte sie noch lange heimlich gelesen im Bett.

Laura kniete auf dem Boden und schloss den schweren Deckel des Koffers. Sie setzte sich auf ihre Füße und legte die Arme auf den braunen Kofferdeckel.

Ach, das waren die absolut genialsten Ferien gewesen, die sie jemals gehabt hatte!

Laura stütze den Kopf auf ihre Hand, als sie die Ferien nochmals in ihrem inneren Auge abspielen ließ.

Die letzten zwei Tage mit Harry waren auch toll gewesen. Sie hatten nochmals richtig Gas gegeben, hatten gebadet und waren auf ihren Besen geflogen. Und sie hatten dem Drang nur knapp widerstehen können, nochmals in den Geheimgang runter zu klettern und sich die tote Riesenechse anzusehen.

Aber sie hatten ihm doch widerstehen können, was Laura ein klein wenig stolz auf sich machte.

Laura legte ihren Kopf nun auf die Arme, die sie flach auf den Lederdeckel des Schulkoffers gelegt hatte.

Sie gähnte nochmals. Sie würde kurz die Augen schließen und von den Abenteuern dieser Ferien träumen.

S s s s s s

Amélie Delais ließ sich erschöpft in den alten Schaukelstuhl fallen. Ach Gott, wie konnte es nur so komplizierte Leute geben.

Die alte Dame, der sie ein Kleid hatte anpassen müssen, hatte doch immer irgend etwas auszusetzen gehabt! Mal zwickte es da, mal war es dort zu eng mal etwas zu lang und so weiter...

Amélie liebte ihren Job, aber heute war sie etwas müde, denn sie hatte viele Kunden gehabt und hatte noch mehrere Aufträge, die sie erledigen musste.

Amélie atmete tief ein und wieder aus und rappelte sich auf, da eine der Nähmaschinen mit ihrem Auftrag fertig war.

Die junge Frau ging in einen Nebenraum und schritt auf eine sehr altmodisch aussehende Nähmaschine zu, die gerade selbstständig einen Abschluss an einem blumigen Kleid nähte. Zufrieden sah sich Amélie die Arbeit an. Das sah genau so toll aus, wie sie es sich ausgedacht hatte.

Sie hielt das Kleid in ihren Händen. Sie hatte es für sich selbst genäht. Schon lange hatte sie daran gearbeitet und nun endlich fertig gemacht. Sie hielt es vor sich hin und sah in den Spiegel. Würde das Kleid dem dunklen Tränkemeister gefallen? Sie konnte es ihm ansehen, wenn er sie mit seinem Blick bewunderte. Obwohl Severus Snape seine Gefühle und Gedanken selten offen aussprach, gelang es ihr mittlerweile schon häufig, seine Gefühlsregungen an seinem Blick zu erkennen.

Aber wieso dachte sie nun schon wieder an Severus. Immer wieder schlich er sich in den letzten Wochen in ihre Gedanken. Er war doch sonst nicht so aufdringlich, dachte Amélie und lächelte.

Nein, aufdringlich konnte man den Mann nun wirklich nicht bezeichnen, wohl eher das Gegenteil.

Sie fühlte sich wohl in seiner Gegenwart, mehr nicht!, versuchte sich Amélie ihre ewigen Gedankenwanderungen zu dem Zaubertrankmeister zu erklären.

Seine Geradlinigkeit gefiel ihr. Er war aber viel zu ernst und auch recht verschlossen und unergründlich. Trotzdem fühlte sich sich so geborgen bei ihm. Er war bodenständig und wusste was er wollte. Er war ein Mann, den man besser nicht ärgerte, denn er war ein ziemlich starker Zauberer und zweifellos sehr intelligent.

Und obwohl er es nicht offen zeigte, so fühlte sie doch ganz genau, dass er sie mochte. Zwar kannte sie Snape nicht sehr gut, aber sie vermutete stark, dass es nicht scharenweise Leute gab, die das von sich behaupten konnten. Snape war ein unnahbarer Mensch, der sich nur wenigen Menschen auch von einer etwas offeneren Seite zeigte.

Amélie räumte das Kleid weg. Genug geträumt! dachte sie etwas ärgerlich. Sie hatte anderes zu tun, als hier dümmlich vor sich hin zu starren! Sie war doch kein verliebter Teenager! Und überhaupt war sie nicht verliebt!

Eine halbe Stunde später ging Amélie durch die Straßen des Zaubererquartiers Impasse-Penché.

Sie musste noch schnell ein paar Besorgungen machen.

Ein großer Rabe krähte ihr laut in die Ohren, als sie an einem Tierladen vorbei ging. Ein alter, etwas buckliger Mann räumte gerade einen Käfig mit einer wunderschönen, silbergrauen Eule hinein. Amélie blieb kurz stehen, um sich das bezaubernde Tier anzusehen.

„Will Mademoiselle eine günstige, schöne Eule kaufen?" fragte der Mann in krächzendem Ton, der Amélie sofort an das Krähen des Raben, der sie nun mit scharfen Augen musterte, erinnerte. Der große, schwarze Rabe saß auf einer Stange und schien nicht angebunden zu sein.

Der Mann hielt den Käfig mit der silbergrauen Eule auf Augenhöhe und lächelte breit und ziemlich zahnlos.

Amélie lächelte zurück und schüttelte den Kopf. Sie ging weiter die Straße hinunter, die der Winkelgasse nicht ganz unähnlich war.

Nein, sie wollte sicher kein Haustier. Sie liebte Tiere, aber sie wollte nicht an eine solche Verpflichtung gebunden sein. Sie wollte unabhängig und frei sein.

Vielleicht war das ein wenig egoistisch, aber sie wollte sich in keiner Weise einengen lassen. So war sie nun mal.

Sie kam an einem Zaubertrankladen vorbei. Sofort waren ihre Gedanken wieder bei einem gewissen Zaubertranklehrer.

Sie stand vor dem Laden und sah, wie sie sich in dem Schaufenster spiegelte. Sie war so vollkommen anders, als der dunkle, strenge Mann!

Sie senkte den Blick.

Als sie vor ein paar Tagen bei Severus gewesen war, hatte sie in seinen Augen etwas gesehen, was ihr ein gummiges Gefühl in den Beinen beschert hatte. Sie wusste nicht recht was es war, einfach dieser tiefe Blick, den er ihr gegeben hatte.

Laura war bei einem Freund gewesen und Severus hatte ihr im Gewächshaus eine neue Pflanze erklärt. Sie hatte wohl nicht sehr viel davon mitbekommen, was er erzählt hatte, denn sein Blick war oft auf ihr gewesen, was sie etwas irritiert, aber ihr auch geschmeichelt hatte.

Als sie ihn dann auch angesehen hatte, war da ein kurzer Augenblick das gewisse Etwas in seinen Augen gewesen, an das sie die letzten Tage die ganze Zeit hatte denken müssen und ihr jetzt noch etwas mulmig wurde, wenn sie den Moment in Gedanken wiederholte.

Es war das erste Mal gewesen, dass Laura nicht da war. Amélie war nicht entgangen, mit welchem Sperberblick das Mädchen sie immer beobachtete, wenn sie mit Snape durch den Garten ging oder mit ihm alleine ein paar Worte redete.

Laura hatte noch nie etwas deswegen gesagt, oder war noch nie irgendwie abweisend zu ihr gewesen, aber Amélie wusste, dass das Kind Angst hatte, sie könnte ihrem Vater zu nahe kommen oder sich zwischen sie und ihren Dad drängen.

Amélie lächelte vor sich hin und blickte wieder ihr Spiegelbild im Schaufenster an, bevor sie weiter ging.

Laura war ein tolles, fröhliches Mädchen. Sie liebte das Kind. Wieso sie so fühlte, wusste sie nicht. Sie mochte Kinder im Allgemeinen recht gerne, wenn sie gut erzogen waren, aber bei Laura war das irgendwie tiefer.

Vielleicht, weil Laura so offen und anhänglich war. Vielleicht auch, weil Amélie genau merkte, dass Laura sie auch sehr lieb hatte. Laura war nicht oberflächlich und auch nicht affig, wie das Mädchen in ihrem Alter manchmal waren. Sie war noch sehr kindlich und einfach so natürlich.

Laura erinnerte sie sogar ein bisschen an sich selbst, als sie noch ein Kind gewesen war. Auch sie war ein bisschen frech und wild gewesen und auch sie war ziemlich häufig in Schwierigkeiten geraten, da sie alles hatte ausprobieren und erkunden müssen.

Severus Tochter war auch total anders als ihr ernster Vater. Aber es beeindruckte sie schon, was für eine innige Beziehung die beiden zu haben schienen. Ob Laura noch Kontakt hatte zu ihrer Mutter? Und warum sie wohl nicht bei ihr aufwuchs?

Amélie war ein wenig traurig, dass nun das Schuljahr wieder anfing. Sie könnte nicht mehr so spontane Besuche machen bei den beiden.

Severus würde ziemlich beschäftigt sein und sie konnte ja auch nicht einfach so in dieser Schule auftauchen.

Amélies Herz wurde ihr schwer, bei diesen Gedanken.

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Der Regen suchte sich den Weg in Lauras Umhang. Unangenehm kalt rann er ihr den Rücken hinunter. Nein, es war nicht ihr Umhang, es war dieser fremde Umhang. Sie war in diesem Kreis aus den großen Steinen, oder waren es Riesen? Oder Halbriesen?

Nein, wahrscheinlich waren es Steine, denn sie standen reglos da. Wieder stand diese kalt blickende Frau mit den schwarzen Haaren neben ihr. Laura sah zu ihr auf.

Die Frau griff in einen Keramiktopf mit Erde drin. Sie nahm eine handvoll davon heraus und streute die Erde in das dunkle Loch vor ihren Füßen. Andere Menschen standen auch um das Loch herum.

Die seltsame Flötenmusik war verklungen.

Laura hätte auch von der Erde in das Loch, welches ganz bestimmt ein Grab war, streuen wollen. Denn schließlich lag jemand darin, den sie liebte. Jemand, der ihr sehr nahe stand. Aber der Topf wurde von der kühlen Frau einfach über ihren Kopf hinweg weiter gegeben, an einen Mann, der auf Lauras anderer Seite stand.

Laura sah nun noch einen Mann mit einer sonderbaren Kutte an das Grab treten. Er hatte etwas in der Hand, das tropfte.

Es regnete stark und der Vollmond schimmerte durch die Wolkendecke. Laura sah zu dem Kleid, welches die Frau trug. Wo hatte sie dieses schon mal gesehen? Dieser weinrote Saum...

„Laura!" Hörte sie nun etwas rufen. Sie wurde geschüttelt. „Laura!" kam nochmals die Stimme. Sie wollte zu dieser Stimme gehen, denn sie war ihr so vertraut.

Wieder wurde sie geschüttelt. Sie schlug die Augen auf und sah ihren Vater vor sich stehen.

Sie musste auf dem Koffer eingeschlafen sein. Sie war noch ganz benommen von dem Traum, von dem sie schon einmal geträumt hatte. Sie blinzelte ihren Vater an.

„Du solltest heute Abend wohl etwas früher ins Bett," bemerkte Snape mit erhobener Augenbraue und vielsagendem Blick.

Er hatte sie mehrere Male gerufen und keine Antwort erhalten. Er wollte rechtzeitig in der Schule sein, um alles ordentlich vorzubereiten und dann noch zu brauen.

Als Laura so lange nicht erschienen war, war er in ihr Zimmer gegangen, um sie schlafend halb über ihrem Koffer liegend zu finden.

Er war vor dem schlafenden Kind gestanden und hatte sie sich angesehen.

Noch vor einem Jahr hatte er sie nicht einmal gekannt. Er war sehr neugierig gewesen, sie zu sehen, nachdem er den Brief von Ellen erhalten hatte. Er hatte es sich aber nicht zugestanden.

Er hatte sich beim besten Willen nicht vorstellen können, dass er Vater war. Natürlich hatte er gewusst, dass es möglich war, aber dass es wirklich ein Kind gab, das seine Tochter war, hatte er für etwas so Unmögliches gehalten, dass er es erst geglaubt hatte, als er Laura das erste Mal gesehen hatte.

Obwohl sie nicht seine Gesichtszüge hatte, hatte er sofort gewusst, dass das unbestreitbar sein Kind war. Diese schwarzen Augen und der Blick, mit dem sie damals Malfoy angefunkelt hatte, der sie gefoppt hatte, waren seinen sehr ähnlich.

Sie war ihm etwas zu klein und zu mickrig erschienen, aber er hatte bald gemerkt, dass sie sich ihrer Haut gut wehren konnte und das sich das Kleine und Mickerige ausschließlich auf ihr Äußeres beschränkte.

Er war manchmal fast verzweifelt, dass ausgerechnet er, der sich immer so über die ungezogenen, frechen Gören in Hogwarts geärgert hatte, nun eines der schlimmsten und wildesten Kinder hatte, welches in der Hexen und Zaubererschule herum lief.

Trotz seines Vorsatzes, dass er die Tatsache, Lauras Vater zu sein, vollkommen ignorieren würde und genau so weiterleben würde, als hätte er kein Kind, hatte er bald etwas für dieses Kind empfunden.

Erst hatte er ihr nur Anstand beibringen wollen, aber das war Laura nicht genug gewesen. Mit ihrer anhänglichen und charmanten Art hatte sie sogar nach und nach seine harte Schale knacken können.

Severus hatte sich zu der schlafenden Laura hinunter gebeugt, die anscheinend einen spannenden Traum hatte, wie ihre unruhige Gesichtsmimik verriet.

Er war ihr über die wilden, schwarzen Wellen gestrichen. „Laura!" hatte er gesagt und sie leicht an der Schulter geschüttelt.

Laura hatte geschlafen wie ein Stein. Sie war über seine Bemerkung, dass sie am Abend früher ins Bett musste, nicht begeistert gewesen. Ihr Gesicht hatte sich sofort verfinstert.

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Zähneknirrschend musste sich Laura selber eingestehen, dass sie sich wohl etwas überschätzt hatte, mit diesem schwierigen Trank, den sie sich ausgesucht hatte. Und sie war ziemlich aufgeregt, wegen des Schulbeginns, wenn sie all ihre Freunde wieder sehen würde und konnte sich deshalb auch nicht optimal konzentrieren.

Aber als ihr Vater ihr mit ein paar Handgriffen half, als alles gleichzeitig hätte geschehen müssen und ja auch noch gerührt werden sollte, ging es dann wieder.

Laura hatte einen sich schlängelnden Regenwurm in der Hand. Er tat ihr Leid. Zum Glück wusste er nichts davon, dass er in Kürze Teil dieses Trankes sein würde, der einige Zentimeter unter ihm gemütlich vor sich hin blubberte.

"Regenwürmer haben es gut," sagte Laura mehr zu sich selbst. Snape sah sie kurz an und fragte sich, was so gut daran war, wenn man als Zaubertrankzutat endete. Dann rührte er wieder in seinem Trank und gab eine Messerspitze von einem goldenen Pulver dazu.

"Die sind nämlich gleichzeitig Weibchen und Männchen. Wenn die sich verlieben wollen, haben sie ganz viel Auswahl. Und die müssen auch nicht heiraten. Die können sich selbst in den Schwanz beißen, wenn das Weibliche und das Männliche in ihnen sich nicht einig sind."

"Was?" fragte Snape etwas verwirrt. Was redete Laura da bloß?

"Bye bye," sagte sie zu dem Wurm und ließ ihn in den Trank plumpsen. Es zischte und der Wurm war Geschichte.

Laura rührte und sah zu, wie die Farbe sich ein klein wenig verdunkelte. "Und die müssen auch nicht Sex machen," redete sie weiter vor sich hin. "Nicht so richtig, jedenfalls. Die müssen nur übereinander drüber schleichen und fertig. Die müssen sich auch nicht um die Babys kümmern."

Snape sah sie nun vielsagend an, mit vor der Brust verschränkten Armen. So einfach, wie Laura das dargestellt hatte, war die Vermehrung von Regenwürmern auch wieder nicht. Und wieso kam sie auf solche Gedanken, während des Brauens?

"Deine Aufmerksamkeit sollte dem Trank gelten, junge Dame. Nicht dem Sexualleben von Regenwürmern."

Laura lächelte entschuldigend und widmete sich eifrig ihrem Zaubertrank. Sie verzichtete darauf, ihren Vater nach der Vermehrung der Käfer zu fragen, die neben ihnen in einem Glas rumkrabbelten und miteinander kämpften. Wäre jedenfalls auch eine interessante Frage gewesen. Und sie liebte es, ihren Vater in Verlegenheit zu bringen mit solchen Fragen.

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Severus nippte an seinem Glas und beobachtete gedankenverloren seine Tochter, die in seinen Privaträumen in Hogwarts auf dem Sofa saß, angelehnt an der Rückenlehne und ein Bein über der Armlehne. Sie war ganz vertieft in ihr Buch. Es war das Buch, das er ihr zum Geburtstag geschenkt hatte. Er musste lächeln, als er daran dachte, wie sehr sie sich gefreut hatte.

Die Party war für ihn schrecklich gewesen. So viele aufgeregte Kinder und Teenies auf einem Haufen, war der reine Horror. Zum Glück war Remus da gewesen und wie er zugeben musste, sein Vater.

Remus und Severus Vater hatten sich ziemlich gut um die laute Schar gekümmert, sodass er sich zwischendurch etwas hatte zurückziehen können und sein finsteres Gesicht nicht hatte verstecken müssen.

Während er das wilde Treiben beobachtet hatte, hatte er sich ernsthaft gefragt, wieso er sich das antat.

Aber er hatte seine Antwort gekriegt, als er in das überglückliche Gesicht von Laura gesehen hatte. Ihm war bewusst, dass das Lauras erstes Geburtstagsfest war.

Sie hatte es wirklich genossen, wie sie ihrem Vater dann auch viele Male versichert hatte, als die ganze Bande am Abend wieder gegangen war.

Und er, Severus hatte so viele Küsse auf einmal erhalten, dass er sich hatte wehren müssen, um dem Erstickungstod zu entgehen.

Severus zog seine Augenbrauen zusammen, als er auf das Buch in Lauras Hand sah. Sie hatte jeden Tag darin gelesen, seit dem 23. August. Wieso war sie dann noch nicht mal in der Hälfte des Buches? Laura hatte doch sonst keine Probleme mit Lesen, oder?

„Ist das Buch spannend?" fragte er. Er erhielt keine Antwort. Schien spannend zu sein!

Laura rieb mit dem Finger unter der Nase durch, die sie zu kitzeln schien.

„Laura, bist du noch nicht weiter mit dem Buch?" fragte er. Sie grummelte nur etwas.

„Laura!" fragte er etwas lauter und strenger, denn es nervte ihn, wenn man nicht anständig antwortete.

Sie sah zu ihm auf. „Ehm...was? Ich meine, wie bitte?" korrigierte sie sich schnell. „Ich lese es zum zweiten Mal," sagte sie, denn eigentlich hatte sie seine Worte gehört, nur nicht registriert.

Snape hob eine Augenbraue. Zum zweiten Mal? dachte er.

„Dad, waren Steinkreise früher sowas wie Friedhöfe?" fragte Laura plötzlich. Snape zog die Augenbrauen zusammen. Das war eine seltsame Frage, dachte er. Wusste Laura von der in den Schacht eingeritzten Schrift, welche 'Steinkreis' bedeutete?

„Wieso möchtest du das wissen?" fragte er etwas skeptisch.

Laura zuckte die Schultern. „Einfach so," sagte sie etwas zu gleichgültig. „Ehm, kommt in meiner Geschichte vor," log sie.

Eigentlich hätte sie es wissen müssen, dass ihr Vater das immer merkte und sie konnte auch so furchtbar schlecht lügen. Es war ihr rausgerutscht und sie hielt die Luft an und versuchte unschuldig zu schauen. Eigentlich ging es ihr um ihren Traum, in dem dieser große Kreis aus Steinen sie beeindruckt hatte.

„Lüg mich nicht an, junge Dame," sagte er streng und sie biss sich sofort auf die Lippen. Sie konnte ihm schlecht sagen , dass sie gelauscht hatte, als er sich mit Amélie darüber unterhalten hatte. Sie hatte mehrmals gelauscht im letzten Jahr und er hatte sie ganz klar gewarnt, dass er das nicht duldete.

„Ich... habs gehört. Zufällig!" fügte Laura schnell hinzu. Snape sah sie lange an, und Laura wand sich unter dem strengen Blick seiner unendlich schwarzen Augen.

„Zufällig," sagte er langsam und nickte. Laura bejahte eifrig. „Dir ist schon bekannt, dass man nicht lauscht?" sagte Snape. Laura war sich sicher, dass das keine Frage gewesen war, und sie nickte.

„Dann ist gut," sagte Snape und sah sie so intensiv an, dass ihr ziemlich heiß wurde.

„Man hat Gräber gefunden, in Steinkreisen," sagte er. Laura wirkte nun plötzlich nachdenklich.

Was war das nur für ein Traum? dachte sie. Es war beinahe, als habe sie das erlebt. Aber sie war sich doch ganz sicher, dass sie noch nie einen Steinkreis gesehen hatte. Vielleicht war das sowas wie eine Vorahnung?

Und diese seltsame, unangenehme Frau, die da immer neben ihr stand. Zu der sie eine Zusammengehörigkeit spürte, obwohl sie diese Person noch nie zuvor gesehen hatte und sie überhaupt nicht leiden konnte. Sie hoffte sehr, dass sie diese Person nicht in Zukunft kennen lernen würde.

Und wessen Grab war das bloß? Wieso war diese Beerdigung mitten in der Nacht, bei strömendem Regen?

Das war schon sonderbar, dachte sie, wurde aber in diesem Moment aus ihren Gedanken gerissen, denn der Kamin flackerte grün auf.

Remus Kopf erschien in den grünen Flammen und er fragte, ob er kurz kommen könnte.

Laura erinnerte das an den Abend, an dem sie Remus das erste Mal gesehen hatte. Sie hatte auch hier auf diesem Sofa gesessen, mit einem Buch in der Hand. Sie war damals in Schwierigkeiten gewesen, wegen der Sache mit dem Troll. Laura verzog etwas das Gesicht, als sie daran zurück dachte.

Remus trat aus dem Kamin und, anders als vor einigen Monaten, als Remus das erste Mal aus dem Flohnetzwerk getreten war, stürzte sie sofort in seine Arme.

„Hallo!" sagte Remus freudig überrascht. Man hätte beinahe denken können, Laura habe ihn schon Monate nicht mehr gesehen. Es waren aber nur einige Tage gewesen.

Laura sah Remus prüfend an. Er hatte den Vollmond gut überstanden und hatte auch keine neuen Verletzungen.

Remus sah in letzter Zeit gepflegter und gesünder aus, fand das Mädchen. Aber sie wusste, dass die Verwandlung immer eine anstrengende und schmerzhafte Prozedur war und Remus schien schon ein wenig müde.

Er setzte sich aufs Sofa. Die beiden Männer waren seit einem Jahr und speziell nach diesen Ferien noch vertrauter geworden.

„Ich war noch schnell bei Harry," sagte er und seine Augen leuchteten. „Arthur und Molly nehmen ihn morgen gleich nach London mit."

Laura setzte sich auf seine Beine und Remus Arm legte sich um Laura. Er war ihre Anhänglichkeit nun schon gewohnt und genoss ihre Nähe.

„Bist du erschöpft?" fragte sie, den Freund skeptisch musternd.

Remus sah sie an und lächelte. „Ein wenig, Laura, aber es geht schon."

Laura wusste, dass Remus traurig war, dass die Schule wieder anfing. Aber er konnte ja Harry besuchen und er konnte ja in einem Monat mit seinem Job im St Mungos beginnen, worauf er sich freute.

S s s s

Eine halbe Stunde später schickte Severus Laura ins Bett und sie gehorchte ohne Widerrede, nur mit einem bittenden Blick, dem Snape unbeirrt standhielt, bis Laura aufstand. Remus hatte es auch schon anders erlebt, dass sie gebettelt hatte noch aufbleiben zu dürfen, aber das Kind hatte scheinbar gelernt, dass man ihrem Vater besser nicht widersprach. Er lächelte.

Zehn Minuten später kam Laura geduscht und in Pyjama zurück ins Wohnzimmer um gute Nacht zu wünschen.

„Komm uns bitte bald wieder besuchen, Remus," sagte das Mädchen und gab ihm einen Kuss auf die Wange und umarmte ihn.

Dann ging sie zu ihrem Dad und umarmte und küsste auch ihn. Als sie in ihrem Zimmer verschwunden war, wandte sich Remus an seinen Freund.

„Mr. Ludwig hat eine hübsche Enkelin," sagte Remus in versucht nebensächlichem Ton. Severus sah den Freund an und ein kaum erkennbares zusammenziehen seiner Augenbrauen verrieten sein Erstaunen über diese Feststellung.

Severus' Augen wandten sich zum Gang Richtung Schlafzimmer. Er schwenkte kurz seinen Zauberstab und ein Quicken war zu hören, gefolgt von leisen , ins Zimmer huschenden Schritten.

Snape lächelte leicht und schüttelte den Kopf. Dieses Mädchen lernte es wohl nie!

„Bist du an Amélie interessiert?" fragte er etwas kühl und ein seltsames Glimmen war in seinen Augen.

Remus lächelte und schüttelte leicht den Kopf. „Nein," sagte er, 'ich nicht' fügte er in Gedanken hinzu. „Sie ist einfach sehr nett und attraktiv."

Remus erinnerte sich genau, wie forsch Snape reagiert hatte, als sich Smeltens so obszöhn über die junge Frau geäußert hatte. Er musste sich ein Lächeln verkneifen.

Und es war ihm bei der nachgeholten Geburtstagsfeier, die Laura für ihren Vater organisiert hatte, aufgefallen, dass der sonst so zurückhaltende Severus gar nicht so zurückhaltend war, zu der jungen Frau. Und auch Miss Delais hatte ihn immer wieder heimlich gemustert.

"Ich hatte den Eindruck, dass sie sich in deiner Nähe sehr wohl fühlt," sagte er, obwohl er wusste, dass Severus solche Unterhaltungen nicht wirklich schätzte. Er wollte seinen Freund aber etwas 'kitzeln' mit diesem Thema und sehen, wie er reagierte. Sie konnten sich mittlerweile über viele Dinge gut unterhalten, aber er vermutete, dass Severus in Sachen Liebe und Frauen immer noch zurückhaltend war. Und er hatte Recht.

"So," sagte Snape und damit war das Thema für ihn beendet. Insgeheim freute er sich aber über Remus' Feststellung. Die junge Frau war wirklich eine spezielle Person.

S s s s s s s s

Am nächsten Tag war es so weit. Laura würde wieder mit all ihren Freunden vereint sein und ein neues Schuljahr würde beginnen. Sie freute sich, wieder mit allen in der großen Halle zu essen. Vor allem, weil es immer so gutes Essen gab. Sie freute sich auf das Fliegen und auf das Klönen über zu viele Hausaufgaben. Auch auf die schönen Abende im Gryffindorturm und auf diese mit ihrem Vater freute sie sich. Nur auf den aufgeblasenen Malfoy freute sie sich nicht.

Und ihr Vater hatte sie ausdrücklich davor gewarnt, sich mit ihm zu streiten. Sie solle ihm aus dem Weg gehen und wenn sie größere Probleme mit dem Jungen habe, solle sie zu ihm kommen.

Er wolle keine Rauffereien und Streitereien mehr sehen. Punkt, aus!

Wie konnte man es schaffen, sich mit Malfoy nicht zu streiten? Wenn ihr Vater nur wüsste, wie sehr dieser Lackaffe es darauf anlegte!

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Severus saß neben dem Schulleiter am Lehreresstisch und wartete auf die Ankunft der Schüler. Er genoss die Ruhe vor dem Sturm.

„Ich habe gehört, dass Ihre Tochter eine Überraschungsparty für Sie organisiert hat, Severus. Wie überaus aufmerksam von dem Mädchen. Sie können stolz sein, mein Junge! Ich hoffe, Sie haben die Feier genossen?" Die Funken in den Augen des Schulleiters funkelten so freudig, dass Severus beinahe den Blick abwenden musste.

Woher wusste nun dieser sentimentale alte Schulleiter wieder von dem Fest? Gab es irgendetwas, was dem Mann entging? Snape biss sich auf die Zähne.

Er zählte in Gedanken von Zehn rückwärts und seufzte im Stillen, bevor er höflich aber knapp antwortete: "Es war ein recht angenehmer Abend, danke der Nachfrage."

Dumbledore nickte erfreut und sah gespannt zur Tür, die sich eben geöffnet hatte. „Ach, hier kommen ja schon meine ersten Schäfchen," trällerte er.

„Wohl eher Hyänen," sagte Snape leise.

„Ist es nicht jedes Jahr wieder von neuem spannend, Severus?" fragte Dumbledore, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Er lächelte zu den Schülern, die nun in die Halle strömten.

„Äußerst spannend," pflichtete Snape ironisch bei.

Albus lächelte freundlich, als habe er den Kommentar gar nicht gehört. Immer mehr Kinder kamen in den Saal und da sah er auch Laura, die sich suchend umsah.

Dann kam sie schnell zum Lehrertisch. Sie ging hinter den anderen Lehrern durch, bis zu ihrem Vater. Er sah ihr besorgtes Gesicht und fragte sich, was passiert sein konnte. Laura kam sonst nie zu ihm an den Tisch, worüber er eigentlich auch froh war.

„Dad," sagte sie leise und kam nahe zu ihm, damit er sie in dem ganzen Rummel verstand.

„Harry und Ron sind nirgends und Hermine hat gesagt, dass sie auch nicht im Zug waren." Sie sah ihren Vater erwartungsvoll an, als könne er die beiden Freunde aus dem Ärmel schütteln.

Snape sah sie erstaunt an. Er hatte doch die Weasley-Zwillinge gesehen, also konnten Arthur und Molly nicht vergessen haben, die Kinder auf den Bahnhof zu bringen.

Hatten die beiden Jungen den Zug verpasst?

Er sagte Laura, sie solle sich hinsetzten und essen, er würde schauen.

Severus wandte sich an Dumbledore, der sich angeregt mit Minerva unterhielt.

„Sie werden sich bestimmt darum kümmern, Severus, ich werde die neuen Schüler begrüßen müssen und Minerva übernimmt das Einteilungsritual. Vielen Dank, Severus," sagte er, ohne eine Antwort abzuwarten.

Snape erhob sich und ging raschen Schrittes in sein Büro, wo er sofort den Kopf in den Floh steckte und 'Fuchsbau' sagte.

In Wohnzimmer der Weasleys saßen Molly, Arthur und Remus, die ziemlich besorgt wirkten. Sie hatten scheinbar das Verschwinden der Kinder bemerkt.

„Ach, Severus, sind sie in Hogwarts aufgetaucht?" fragte Molly besorgt. Natürlich hatte sie festgestellt, dass die Jungen nicht durch die Abschrankung gekommen waren und somit den Zug verpasst hatten. Als sie nachsehen gingen, wo die beiden blieben, hatten sie feststellen müssen, dass der Ford verschwunden war.

All das Fluchen und Zetern von Molly hatte nichts gebracht. Sie hatten sofort Remus benachrichtigt. Sie hatten sich eben mit der Schule in Verbindung setzen wollen, als Snapes Kopf erschienen war.

„Nein, Molly. Ich werde nach den beiden sehen und euch sofort benachrichtigen, wenn wir sie haben. Bewahrt Ruhe," sagte er ruhiger, als er sich selbst fühlte.

Er hatte nun tatsächlich eine andere Beziehung zu Harry aufgebaut in den Ferien und auch wenn er es niemals bestätigt hätte, so sorgte er sich nun speziell um ihn.

Als er den Kopf aus dem Kamin zog, traf ihn etwas unsanft an der Schläfe. Er hob das Etwas auf, was sich als Sonderausgabe des Tagespropheten entpuppte, die express durch den Floh geliefert wurden.

Er hob die Zeitung ärgerlich auf, und das Titelbild erregte sofort seine Aufmerksamkeit. Seine Lippen wurden dünn und seine Augen blitzen gefährlich. Er knallte die Zeitung auf seinen Bürotisch und schritt zackig Richtung Schlosseingang.

Filch stand bei den Koffern und sah missmutig über das Gepäck der Schüler. Es war offensichtlich, wie sehr er es bedauerte, dass nun das Schloss wieder mit Nervensägen gefüllt war.

Snape schritt energisch an ihm vorbei und Filch war sehr froh, dass Snapes Ärger scheinbar nicht ihm galt.

TBC...

So, ihr Lieben, nun kann ja das zweite Schuljahr von Laura beginnen. Ich hoffe, der Einstieg hat euch gefallen. Leider müsst ihr euch etwas gedulden, bis ich das nächste Kapi poste, da ich nun ein wenig in die Ferien gehe :-) Danke fürs Lesen, liebe Grüsse Sally