Hallo ihr Lieben und wow, was für eine Überraschung, ja, es gibt tatsächlich ein zweites Kapitel zu dieser Geschichte. Ich kann euch gar nicht sagen wie schwer ich mich damit getan habe. Das hat man vielleicht lediglich an der langen Wartezeit gemerkt. :P

In der Hoffnung, dass ihr diese Geschichte noch nicht vergessen habt, wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen. Soweit für den Inhalt angebracht.

Ich freue mich wie immer über Kommentare. :3

Liebe Grüße, Tanya


Tag zwei, mein Platz in der Hölle

Hermione? – Hermione? – Hermione? – Sieh mich gefälligst an!"

Plötzlich spürte ich eine harte Ohrfeige und erschrak dabei so sehr, dass ich für einen Moment meine Tränen vollkommen vergaß. Schockiert starrte ich zu Ron empor. Er hatte mich tatsächlich geschlagen – und es tat ihm nicht leid. Mit harter und entschlossener Miene sah er mich an und ich konnte an seinen erhitzten Wangen erkennen, dass er furchtbar aufgewühlt war. Schweißperlen standen ihm auf der Stirn und vermischten sich mit den rußigen Flecken in seinem Gesicht.

Nur, weil wir Harry verloren haben, ist er nicht tot!", rief Ron energisch und packte mich an den Schultern. Unsanft zog er mich wieder auf die Beine, nachdem ich mich einfach auf den Boden hatte fallen lassen und dort zu weinen begonnen hatte. Ich schwankte und wäre erneut fast hingefallen, doch Ron fing mich rechtzeitig um die Taille auf. „Du weiß doch wie zäh er ist! Wir werden ihn finden und dann erledigen wir dieses Arschloch von Voldemort!"

Mit zitterndem Kinn nickte ich, glaubte aber nicht wirklich, was er da sagte. Genauso wenig wie ich glaubte, dass Ron selbst sehr überzeugt davon war. Es jagte mir jedoch Respekt ein, dass er zum ersten Mal nicht derjenige war, der aus der Fassung geriet und die Nerven verlor. Normalerweise behielt ich die Ruhe.

Mit dieser hirnrissigen Aktion, nur zu dritt Voldemorts Festung zu stürmen – ohne den Orden des Phönix und vor allem ohne einen Plan – war ich von Anfang an nicht einverstanden gewesen. Mehrere Todesser waren gleichzeitig im Ausland gesichtet worden und von Voldemort wusste man, dass er ebenfalls auf einen Schutzwall, der das Apparieren und Disapparieren verbot, zurückgriff. Trotz eines konkreten Plans, hatten wir lange im menschenleeren Hogsmeade auf unseren Einsatz gewartet – auf die Nacht, in der wir endlich zuschlagen konnten – nur, um dann festzustellen, dass es eine Falle war. Voldemorts Festung wimmelte nur so von Todessern und Dementoren und sie alle jagten uns jetzt durch die alten Gemäuer der ehemaligen Zauberschule Hogwarts.

Der Krieg hatte uns leichtsinnig gemacht. Das ständige Überleben hat uns das Gespür für die eigentliche Gefahr geraubt und uns glauben lassen, wir könnten alles schaffen. Laut der Prophezeiung brauchte es nur Harry um Voldemort zur Strecke zu bringen, also dachten wir, wir bräuchten die anderen nicht. Mit dem Vertrauen war es in diesen Zeiten sowieso eine schwierige Sache und wir hatten so viele Dinge zu dritt gemeistert. Obwohl uns eigentlich hätte klar sein müssen, dass unser Vorhaben Irrsinn war, waren wir auch viel zu oft glimpflich davon gekommen, so dass wir wirklich heikle Situationen, die uns möglicherweise überfordern würden, nicht mehr einschätzen konnten.

Unser einziger Vorteil war der, dass wir durch Harrys Karte der Rumtreiber Geheimgänge kannten, von denen wir hofften, dass all die anderen sie nicht auch während ihrer Schulzeit entdeckt hatten. Ron und ich hatten es geschafft, uns zurück zur einäugigen Hexe durchzukämpfen, allerdings konnte ich nicht mehr rekonstruieren, wie uns das gelungen war.

Irgendwie hatten wir es einfach geschafft und nun waren wir hier. Nur wir beide – ohne Harry. Ich ohne Zauberstab. Ron mit verstauchtem Fuß. Wir waren in unserer persönlichen Hölle, die vor einigen Jahren noch unser sicheres Zuhause und der schönste Ort auf Erden war.

Wir müssen ihn finden", stieß ich hervor. Was vielleicht todesmutig klang, war in Wahrheit nur der Versuch, nicht meine nackte Angst zu zeigen. Im Grunde wusste ich nicht einmal, ob ich in es überhaupt über mich brachte das sichere Versteck der einäugigen Hexe verlassen zu können.

Ron sah mich mit einem zögerlichen Blick an. „Du bleibst dir", entschied er schließlich.

Was?", erwiderte ich und musste mich bemühen nicht hysterisch zu werden. „Das kommt gar nicht in Frage! Du kannst ja nicht mal richtig laufen!"

Und du hast keinen Zauberstab!"

Vergiss es. Das kommt gar nicht in Frage." Die Tatsache, dass Ron diese Rettet-Harry-Aktion alleine durchziehen wollte, lehnte ich so entschieden ab, dass ich dabei meine Angst etwas vergessen konnte. Ich fühlte mich plötzlich mutiger als ich war und warf entschlossen einen Blick aus dem Geheimversteck. Dahinter schien der Korridor leer zu sein.

Hermione!" Ron griff nach meinem Handgelenk und zog mich energisch zurück. Vielleicht etwas grober als eigentlich beabsichtigt. „Lass das. Du hast keinen Zauberstab! Wenn wir getrennt werden, bis du vielleicht verloren!"

Doch ob ich nun mitkam oder nicht spielte plötzlich keine Rolle mehr. Vor dem Geheimgang erklangen zwei laute Stimmen. Vielleicht war der Korridor doch nicht so leer gewesen, wie es auf den ersten Blick schien. Eine schallende, fast irre Lache erklang und gab uns zu verstehen, dass definitiv nicht Harry unser ungebetener Gast war. Ich hatte eine düstere Befürchtung. Ron und ich tauschten einen alarmierenden Blick, als sich die Tür langsam öffnete. Wir entschieden im selben Moment, dass wir einen Kampf so nicht schaffen würden. Sie waren mindestens zu zweit und ich unbewaffnet.

Wir begannen zu rennen. Ein kleiner Vorsprung blieb uns immerhin. Mit seinem verstauchten Fuß stolperte Ron mehr vor sich hin, als das er lief. Ich konnte die Qual in seinem Gesicht erkennen und wie sehr er sich wünschte aufzugeben. Er keuchte und ätzte mit schmerzverzerrter Miene vor sich hin. Ich konnte nicht anders als ihn am Arm zu packen und noch energischer voranzuziehen. Ich kam mir barbarisch vor, aber ich hing an unserem Leben. Vielleicht mehr noch an seinem, als an meinem eigenen.

Hinter uns konnte ich hören, dass die Todesser nun den Geheimgang betreten hatten. Es war definitiv auch Bellatrix Lestrange, die hinter und her war. Ihr verrücktes Gelächter schallte in den Gängen in einer Lautstärke wider, die einem eine Gänsehaut über dem ganzen Körper jagte.

Wir kriegen euch!", zwitscherte sie fröhlich. „Lauft nur, lauft, meine Kinderchen. Wir holen euch!"

Dann rief Bellatrix noch etwas. Mir zog es schmerzvoll den Magen zusammen, als ich begriff, dass es ein Zauber war. Ich warf einen flüchtigen Blick über meine Schulter. Rote Funken schossen auf uns zu. Ich zog Ron noch grober neben mir her. Er japste meinen Namen und ich spürte, wie sehr er bereits am Ende seiner Kräfte war. Selten war ich so panisch gewesen. Der Zauber verfehlte uns und traf die Decke des Tunnels. Ich hörte wie das Gestein bei dem Aufprall leicht bröckelte. Entweder würde sie uns mit ihrem Zauberstab erwischen oder der Tunnel krache über unseren Köpfen zusammen. Beide Vorstellungen empfand ich als nicht sehr angenehm. Ich fühlte mich wie in einem Horrorfilm gefangen. Bellatrix Lestrange war wie aus einer schaurigen Geschichte entsprungen, die Muggelkindern zu hören bekommen.

Ich riss Ron seinen Zauberstab aus der Hand und schoss ebenfalls einen Zauber in ihre Richtung. Es hatte nicht die gewünschte Wirkung, weil es nicht mein eigener Zauberstab war. Der Fluch war lediglich schwach und verpuffte auch, noch ehe er die beiden Todesser erreicht hatte. Ich versuchte es ein weiteres Mal. Energischer und mit all meiner Wut und Angst. Immer wieder schoss ich Flüche in ihre Richtung und Bellatrix und der andere Todesser – mittlerweile hatte ich erkannt, dass sie wirklich nur zu zweit waren, aber das waren bereits zwei Todesser zu viel – schossen Flüche zurück.

Der Abstand zwischen uns wurde immer kleiner. Manchmal traf ich dadurch auch, aber im Grunde war das ein schlechtes Zeichen, denn meine Zauber wurden nicht stärker und lösten keine große Wirkung aus. Ron konnte kaum mehr, mir tat auch bereits alles weh und ich war am Rande meiner Kräfte. Wenn wir nicht endlich am Ausgang ankommen würden, dann, wusste ich, würden wir es nicht schaffen.

Es schien noch eine weitere Unendlichkeit zu dauern, bis wir wirklich den Ausgang erreichten und wir in den Honigtopf schlüpfen konnten. Mittlerweile war es ein Leichtes in den Süßigkeitenladen zu gelangen, denn durch die Nähe zu Hogwarts war Hogsmeade nun fast wie ausgestorben. Der Honigtopf war inzwischen nur noch verwüstet und verstaubt und man lief hier höchstens Ratten und Spinnen über den Weg.

Als wir aus dem Tunnel kamen, wäre Ron fast vor Schmerz zusammengebrochen. Ich fehlte darum, er möge noch etwas durchhalten und zog ihn weiter unerbittlich mit mir. Gerne wäre ich appariert, aber ich war selbst so erschöpft, dass das sicherlich nicht gut ausgegangen wäre. Uns blieb in diesem Moment nur die Möglichkeit uns zu verstecken. Ich versuchte die Hintertür mit einem Zauber zu verbarrikadieren, jedoch war ich mir sicher, dass wir dadurch nur wenige Minuten gewinnen würden. Dasselbe machte ich auch mit dem Haupteingang des Süßigkeitenladens.

W-o willst du hin?", keuchte Ron und erzitterte durch die ungewohnte Kälte draußen.

Ich fühlte mit ihm. Es war November und die ersten kalten Tage kündigten den Winter an. Vielleicht war es aber auch unser Glück, dass es heute sehr neblig war und Bellatrix und dem anderen Todesser fiel es dann schwerer, unserer Fährte zu folgen.

Zur Heulenden Hütte!" Ich hatte nicht lange über unser Ziel nachgedacht. Mir fiel kein sichereres Versteck als die Heulende Hütte ein, allerdings wusste ich auch nicht, ob es überhaupt ein sicheres Versteck war. Ich dachte mit schmerzlichem Gefühl an Harry, als Ron und ich uns unbeirrt auf den Weg zur Hütte machten. Ich hatte das Gefühl ihn im Stich zu lassen und hoffte, nein, flehte sogar schon zu Merlin, dass es im gerade gut ging, wo auch immer er sich in Hogwarts befand, und er sicher aus dem Schloss rauskam.

Wir waren nicht weit gekommen, als hinter uns ein lauter Knall ertönte. Ich traute mich nicht, einen Blick über meine Schulter zu werfen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Höchstwahrscheinlich hatten die beiden Todesser meinen Zauber am Honigtopf gebrochen. Meine Vermutung bestätigte sich, als ich ihre Stimmen wieder hörte. Bis zur Heulenden Hütte war es noch ein gutes Stück, meine Hoffnung sank von Sekunde zu Sekunde, dass wir das schaffen würden und Bellatrix' Lockgesänge wurden immer lauter und frohlockender. Mittlerweile hatte ich das Gefühl, dass es ihr nicht nur einen Heidenspaß bereitete, sondern sich die beiden absichtlich so viel Zeit ließen.

Her-mione?", stöhnte Ron und versuchte meine Hände abzuschütteln, um meinem Griff zu entkommen. „Bitte, ich kann nicht mehr."

Ron, bitte tu mir den Gefallen, mach jetzt nicht schlapp. Halt noch durch!", sagte ich verzweifelt und konnte dabei nicht verhindern, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Ich weigerte mich ihn loszulassen und zerrte ihn weiter.

Bitte", zischte Ron flehend.

Ich wollte erneut wiedersprechen, als mich plötzlich etwas brutal in den Rücken traf, von Ron losriss und durch die Luft schleuderte. Hart landete ich der Länge nach auf dem schlammigen Boden. Für ein paar Minuten lag ich wie gelähmt da und konnte nicht mal meine Finger bewegen. Mir dröhnte lediglich noch immer Rons Schrei in den Ohren, als ich durch die Luft geschleudert wurde. Ich wusste, dass ich so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen musste, aber es gelang mir erst nach einer gefühlten Ewigkeit mich wieder aufzuraffen. Als ich mit wackligen Beinen aufstand, hatte ich das Gefühl mich übergeben zu müssen. Meine Finger versuchten den Zauberstab zu umfassen, denn ich vor kurzem noch in meiner Hand gehabt hatte, doch als ich sie schloss blieb sie leer. Er war mir wohl aus der Hand gefallen.

Meine Sinne erholten sich allmählich wieder und ich begriff, dass ich immer noch Rons Schreie hörte, die dieses Mal jedoch nicht in meinem Kopf wiederhallten. Ich wandte mich um, bereit, mich jeden Moment mit bloßen Händen auf die Todesser zu stürzen, doch mir gefror das Blut in den Adern. Ich war wie schockgefroren, allerdings blieben mir auch nicht einmal ein paar Sekunden um überhaupt zu reagieren.

Ich sah gerade noch wie sich Ron vor Schmerz auf dem Boden krümmte und die Hände vors Gesicht presste. Blut rann über seine Finger und tropfte auf den Boden. Bellatrix lachte vor Vergnügen kalt auf und machte einen schnellen Schlenker mit dem Zauberstab. Ich hörte nur meinen eigenen Schrei, wurde geblendet von dem grellen Grün das die neblige Nacht erhellte und spürte, wie meine Beine nachgaben, als Rons lebloser Körper ebenfalls zu Boden sackte.

Rons Gesicht war über und über voll Schlamm und Blut. Sein linkes Auge war weitaufgerissen, als wäre er von diesem Moment überrascht worden und seine rechte Gesichtshälfte war blutverschmiert. Wie betäubt glitt mein Blick zu Bellatrix' Zauberstab hinüber. Ich konnte sogar aus der Entfernung von drei Metern sehen, dass auch Blut daran heruntertropfte. Definitiv Rons Blut. Sie hatte ihm tatsächlich das Auge ausgestochen … mit ihrem Zauberstab.

Und sie hatte ihn tatsächlich umgebracht. Mir meine Liebe und den wertvollsten Menschen auf Erden genommen.

Mir wurde übel. Ich schmeckte ein bitteres und ekelhaftes Gefühl meine Kehle hinaufkriechen und konnte mich nicht dagegen wehren mich zu übergeben. Ron. Ron. Ron. In meinem Kopf dröhnte nur sein Namen, ich begriff überhaupt nicht in welcher Gefahr ich mich eigentlich noch befand. Viel zu weit entfernt um es richtig wahrzunehmen, hörte ich, wie eine vertraute Stimme meinen Namen rief. Genauso weit entfernt spürte ich eine Berührung an meinem Arm. Mich hüllte aber bereits Schwärze ein, als sich mein Magen erneut umdrehte.


Ich schreckte keuchend und am ganzen Körper zitternd auf. Es kratzte an meinen Armen und ich war vollkommen verschwitzt, fühlte jedoch lediglich eisige Kälte in mir. Erst nach ein paar stillen Minuten, in denen ich merkwürdigerweise durch ein Gitterfenster ins Mondlicht blickte, begriff ich, wo ich mich eigentlich befand und warum Gitter an diesem Fenster angebracht waren.

Azkaban. Immer noch. Und gerade hatte ich wohl im wahrsten Sinne des Wortes einen Dementoren-Albtraum hinter mich gebracht und Rons Tod, den schlimmsten Albtraum meines Lebens noch einmal durchlebt. Es musste jetzt wohl gut zwei Jahre her sein, doch ich hatte es so erlebt, als wäre es erst gestern passiert und genauso fühlte es sich auch an. In meinem Herzen und in meiner Seele. Der Schmerz seines Verlustes überwältigte mich plötzlich wieder so sehr, dass ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.

Harry hatte mich damals aus dieser Hölle geholt. Irgendwie war es auch ihm gelungen zur einäugigen Hexe zurück zu gelangen. Er hatte gehofft dort auf uns zu treffen. Bellatrix und der andere Todesser, von dem ich heute wusste, dass es Amycus Carrow war, hatten in ihrem Irrsinn nicht bemerkt, wie Harry ihnen gefolgt war. Damals war er zu spät gewesen, um Ron zu retten, doch mit mir hatte er noch rechtzeitig apparieren können.

Bellatrix und Amycus hatten Ron einfach so im Schlamm liegen lassen. Einen Tag später hatten einige Mitglieder vom Orden des Phönix seinen toten Körper aus Hogsmeade geholt. Die Beerdigung war der zweitschlimmste Tag meines Lebens. Rons Tod war der schlimmste.

Nach Rons Verlust lebte ich lange in einer Art Resignation. Ich machte unfairerweise Harry Vorwürfe, idiotischerweise Ron, aber vor allem mir selbst, weil ich ganz genau gewusst hatte, welche Dummheit wir eigentlich begingen. Dieser naive Leichtsinn hatte ihn das Leben gekostet. Lange hatte es gedauert, bis ich wieder zu mir gefunden und begriffen hatte, dass es seit seinem Tod nicht nur Leere in meinem Leben gab. Doch jetzt, in genau diesem Moment, fühlte ich wieder diese Leere in mir und wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann gab es hier in Azkaban nichts mehr, was es lebenswert machte.


Fortsetzung folgt …