Kapitel 37

Eulen schwärmten zu den übrigen Mitgliedern des Phönixordens aus, um Freiwillige für Harrys Eskorte zusammenzutrommeln, und viele von ihnen – mehr, als sie erwartet hatten und sogar mehr, als sie brauchten – kehrten noch am gleichen oder am nächsten Tag zurück mit der Zusage, dass die Absender gerne bei Harrys Evakuierung dabei sein wollten.

Aber es dauerte immer noch einige Tage, bis der Plan fertig ausgearbeitet und die Vorhut zum Abflug bereit war. Diese Tage gehörten zu den längsten, die Sirius bisher am Grimmauldplatz Nummer zwölf verlebt hatte. Alle Bewohner des Hauses erwarteten mit angehaltenem Atem Harrys Ankunft. Man sprach nur mit gedämpfter Stimme. Selbst Fred und George verhielten sich völlig uncharakteristisch still. Sogar Tonks hatte bis auf weiteres ihr abendliches Unterhaltungsprogramm eingestellt. Sirius wusste, dass sie all dies aus Rücksicht auf ihn taten, dass sie versuchten, alles zu vermeiden, was ihn stören oder verärgern könnte. Er wünschte nur, dass sie merken würden, dass sie ihm damit überhaupt nicht halfen – er hätte ein bisschen Krach und Chaos in der Bude gut gebrauchen können, um sich abzulenken, jetzt mehr als je zuvor. Die Zeit wäre dann so viel schneller vergangen. Aber so wie die Dinge lagen, schien sie stillzustehen.

Die Mitglieder des Ordens waren jetzt – zweifellos aufgrund des selben Missverständnisses – sehr bemüht, sich jedes Mal nach einer Nachtwache vor Harrys Haus am Grimmauldplatz zurückzumelden. Sie bestätigten Sirius so einstimmig, dass es Harry gut ging und er brav im Haus blieb, dass er drauf und dran war, es zu bezweifeln, und sie versicherten ihm so nachdrücklich, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte, dass er zu glauben begann, dass er genau das tun sollte.

„Ich weiß!" blaffte er Dädalus Diggel entnervt an, noch bevor der ehrwürdige Rechtsanwalt – gerade erst zurück von einer regnerischen Nacht auf der Straße vor dem Ligusterweg Nummer vier – auch nur den Mund öffnen konnte, um den üblichen Bericht zu erstatten. Diggel blickte reichlich beleidigt drein, und Sirius schämte sich plötzlich sehr für seine Undankbarkeit denen gegenüber, die ohne Murren die Pflicht erfüllten, die eigentlich Sirius' eigene war.

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Und schließlich war der vierte Abend nach der Dementorenattacke gekommen. Die Sonne ging draußen unter, während Sirius mit Hermine, Ron und Rons Eltern in der Küche saß und wartete. Äußerlich schien Sirius völlig ruhig. Er saß still am Feuer mit Krummbein auf dem Schoß. Aber in Gedanken war er ganz woanders. Er hing etwa auf halbem Weg zwischen London und Harrys Wohnort mitten in der Luft, und das würde nicht mehr aufhören, bis die Vorhut gelandet und Harry hier war.

Sirius hätte Harrys Eskorte sehr gerne einen guten Flug gewünscht, aber sie würden alle von ihren eigenen Wohnorten aus nach Little Whinging apparieren und sich dort in Arabella Figgs Hinterhof sammeln.

Kurz vor acht Uhr steckte Remus Lupin, den Besen schon in der Hand, den Kopf zur Tür herein.

„Wir starten jetzt und holen Harry", verkündete er. „Wenn alles glatt geht, können wir in einer Stunde wieder hier sein."

„Viel Glück", sagte Sirius.

„Seid vorsichtig", fügte Mrs Weasley hinzu.

„Lasst euch Zeit", sagte Mr Weasley.

„Nein, beeilt euch", korrigierte ihn Sirius, und Lupin lächelte, zwinkerte ihm zu und war verschwunden.

Sirius starrte einen kurzen Moment lang ins Feuer, dann stand er abrupt auf, ließ den wenig amüsierten Krummbein unsanft zu Boden gleiten und folgte Lupin aus der Küche. In der leeren Eingangshalle hatte er ihn eingeholt.

„Warte", sagte er.

„Ja?"

Sirius zögerte. Er wusste, dass es keinen Sinn hatte, jetzt noch zu fragen. Aber er musste es tun. Er war seine letzte Chance. Harrys Evakuierung würde kein Spaziergang werden, und Sirius würde Harry nicht ins Gesicht sehen können, wenn er seine Mithilfe nie auch nur angeboten hatte. „Ich kann nicht mit, oder?" fragte er lahm.

„Das musst du auch nicht", beruhigt ihn Lupin. „Wir sind zu neunt, Sirius, Harry ist in guten Händen."

„Ich weiß, das ist es nicht. Aber du hast gesagt, Harry braucht mich. Das hast du selbst gesagt. Und ich habe bisher herzlich wenig dafür geleistet."

Lupin blickte ihn sehr nachdenklich an. „Ich werde dir jetzt nicht den Gefallen tun und Ja sagen."

„Doch, sag's schon, los." Es fiel schwer, es auszusprechen, aber jetzt brach es aus Sirius geradezu heraus. „Ich habe nichts getan, überhaupt nichts. Ich bin völlig nutzlos. Und ich hasse es. Gott, wie ich es hasse."

„Das weiß ich", sagte Lupin ohne eine Spur Sarkasmus in seiner Stimme.

„Aber?"

„Aber ‚nichts' stimmt nicht. Du hast Harry all diese Briefe geschrieben, richtig? Dass er sich keinen Ärger einhandeln und im Haus bleiben soll."

„Briefe!" schnaubte Sirius. „Jeder kann so ein paar Briefe hinkritzeln."

„Aber Harry hätte auf niemanden gehört als auf dich, Sirius. Glaub mir, wenn du es nicht gewesen wärest, der ihn bei der Stange gehalten hätte, dann hätte er nie so lange durchgehalten." Lupin legte seine Hand auf Sirius' Schulter. „Harry hat sich am Leben und in Sicherheit gehalten, weil er auf deinen Rat gehört hat. Jetzt bist du an der Reihe. Jetzt hör du auf deinen eigenen Rat, und beweise, dass er richtig war."

Mehr gab es nicht zu sagen, und Sirius wusste es. „Pass auf dich auf, Moony", sagte er leise.

„Du auch, Tatze", antwortete Lupin, und die beiden Freunde umarmten sich.

Und dann war Lupin endgültig fort, und Sirius kehrte etwas leichteren Herzens in die Küche zurück.

Sie warteten schweigend. Mrs Weasley strickte. Die Nadeln klapperten leise, wie das Ticken einer Uhr, Minute um Minute, Reihe und Reihe. Ron baute ein Haus aus Schokofrosch-Sammelkarten auf dem Tisch, das Gesicht verkniffen vor konzentrierter Anspannung. Er begann geduldig wieder und wieder von vorne, sobald sein Werk einstürzte, was jedes Mal spätestens beim dritten Stockwerk geschah. Die Zeit schlich voran, kroch wie eine Schnecke.

Hermine schaute plötzlich von dem Buch auf, das aufgeschlagen vor ihr auf dem Tisch lag. Sie hatte nie zugegeben, dass sie keine Möglichkeit gefunden hatte, den Dauerklebefluch auszuhebeln, aber ihre neuesten Recherchen hatten andere Ergebnisse geliefert, die sie nur zu gerne mitteilte.

„Sie können Harry nicht rauswerfen", erklärte sie Sirius zum hundertsten Mal innerhalb der letzten paar Tage. „Ich habe alles nachgeschlagen, es steht im Erlass zur Vernunftgemäßen Beschränkung der Zauberei Minderjähriger, man darf als Minderjähriger in lebensbedrohlichen Situationen sehr wohl Magie gebrauchen, sogar vor den Augen von Muggeln, und jetzt könnte man natürlich die Auffassung vertreten, dass Dementoren rein technisch betrachtet nicht lebensbedrohlich sind, weil man ja biologisch gesehen weiter existiert, wenn, du weißt schon, aber Harry kann definitiv im Analogieschluss geltend machen, dass – "

„Du und Dädalus Diggel, ihr wärt ein großartiges Team."

Hermine sah verletzt aus. „Ich versuche doch nur zu helfen."

„Ich weiß", sagte Sirius versöhnlich.

Eine halbe Stunde verging. Wenn alles gut gegangen war, dann waren sie jetzt schon in der Luft und flogen in Richtung London, Harry auf seinem Feuerblitz, den Sirius ihm vor zwei Jahren zur Weihnachten geschenkt hatte. Sie würden es schon schaffen. Harry flog nicht weniger hervorragend, als James es gekonnt hatte, und er hatte eine neunköpfige Leibwache. Aber es war ein langer Weg, und da oben in der Luft waren sie so verletzlich. Auf dem Quidditch-Feld Klatschern auszuweichen war eine Sache, aber dies war kein Quidditch-Spiel, und Klatscher waren vollkommen harmlos gegen das, was ihnen auf ihrer Reise begegnen konnte, falls feindliche Augen Harry und seine Eskorte hatten abheben sehen. Wer auch immer Harry die Dementoren auf den Hals geschickt hatte, musste wissen, dass sie gescheitert waren, und würde es früher oder später noch einmal versuchen. Sirius zwang sich dazu, nicht daran zu denken, wie Moody davon gesprochen hatte, Leute vom Boden aufzuwischen.

Eine weitere halbe Stunde verstrich ebenso unerträglich langsam, aber die Vorhut war noch immer nicht zurück. Um Viertel nach neun begann selbst Mrs Weasley, nervös zu werden. „Er müsste bald hier sein", flüsterte sie ihrem Mann zu.

Mr Weasley sah auf die Uhr und nickte.

„Dann mal los", sagte Mrs Weasley zu Ron und Hermine. „Ihr könnt oben auf Harry warten."

Ron protestierte, aber seine Mutter war nicht in nachgiebiger Laune. Mit einem Seufzer packte er seine Karten zusammen, und Hermine klappte ihr Buch zu.

Sie waren kaum fünf Minuten fort, als die Stille in der Küche endlich vom Geräusch der sich öffnenden Haustür unterbrochen wurde.

„Das muss er sein", sagte Mrs Weasley erleichtert.

Sirius sprang von seinem Platz am Feuer auf und lauschte angestrengt. Aber es konnte nicht Harry mit seiner Eskorte sein. Es war ein einzelnes Paar Schritte, das die Halle über ihren Köpfen durchquerte und die Küchentreppe heruntergestiegen kam. Die Tür öffnete sich, und Sirius stand der letzten Person gegenüber, die er an Stelle von Harry dort hätte sehen wollen.

„Professor Snape!" rief Mrs Weasley.

„Wie gut, dass Sie wieder da sind", begrüßte Mr Weasley den Neuankömmling.

Nichts hätte Sirius' Gefühle weniger treffend zusammenfassen können. Der Angriff auf Harry hatte Snape und sein mysteriöses Verschwinden und Schweigen der letzten Woche völlig aus Sirius' Gedächtnis verdrängt. Niemand hatte ihm erzählt, dass auch Snape heute Abend am Grimmauldplatz erwartet wurde. Oder wenn es doch jemand getan hatte, dann war es ihm direkt zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinausgegangen. Er hatte komplett vergessen, dass Snape überhaupt existierte, und es wäre eine dreiste Lüge zu behaupten, dass er jetzt erfreut war, an diese Tatsache erinnert zu werden.

Das Missfallen beruhte offensichtlich auf Gegenseitigkeit. Snape erwiderte die Begrüßung durch die Weasleys mit nicht mehr als einem knappen Nicken. Sie blickten ihn beide erwartungsvoll an, aber er machte keine Anstalten, irgend etwas zu erklären. Sein bleiches Gesicht sah hager aus, aber es trug den üblichen wohlvertrauten Ausdruck von latentem Ärger über alles und jeden, der ihm in die Quere kam.

Sirius wollte ihm gerade den Rücken zukehren, als Snape ihn ansprach. „Und, wie geht's mit dem Putzen voran?" fragte er mit schlecht gespielter Munterkeit, während er seinen schwarzen Reisemantel auszog und über eine Stuhllehne warf.

„Oh, ganz prima", entgegnete Sirius gelassen. „Bis auf so ein Stück Ungeziefer, das einfach immer wieder in die Küche gekrochen kommt."

Snapes Nasenflügel zuckten. „Aber sicher nichts, womit du nicht fertig würdest?"

„Wie du sehen kannst."

„Die anderen werden sicher bald hier sein", wagte sich Mrs Weasley von ihrem Ende des Tisches zu Wort zu melden. „Möchten Sie vielleicht ein Glas Wein trinken, Professor, während wir warten?"

Snape sah sie an, als wollte sie ihn vergiften, und schüttelte den Kopf. Gleichzeitig rieb er sich irritiert den linken Unterarm.

„Heilt jetzt langsam, oder?" fragte Sirius beiläufig und beobachtete mit grimmigem Vergnügen die wechselnden Gefühle, die als Antwort auf diese Bemerkung über Snapes Gesicht glitten. Zuerst war es reiner Ärger, dann verengten sich Snapes Augen, und zu seinem Erstaunen las Sirius in ihnen so etwas wie Scham. Für einen Moment verzog Snape das Gesicht, wie bei einer schmerzlichen Erinnerung, aber dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. Er bedachte Sirius mit einem kalten, herablassenden Lächeln und kam zu ihm herüber geschlendert. Neben Sirius' Stuhl lehnte er sich an den Tisch, verschränkte die Arme und blickte ins Feuer.

„Sag mal, Black", begann er in lässigem Ton. „Hast du in letzter Zeit mal dein Leben riskiert?"

„Nein", gab Sirius genauso umgänglich zurück. „Ich bekomme auch so genug Aufmerksamkeit."

Snape lehnte sich ein wenig vor, so dass sein Gesicht dem von Sirius sehr nahe kam. Seine Stimme war jetzt kaum mehr als ein Flüstern. „Dann bist du dir vielleicht nicht darüber im Klaren, dass du genau das tust, wenn du darauf bestehst, ausgerechnet dieses Gesprächsthema weiterzuverfolgen?"

Sirius drehte den Kopf und begegnete dem Blick aus Snapes unergründlichen schwarzen Augen. „Jetzt machst du mir aber Angst", heuchelte er. „Sollte ich es denn weiterverfolgen? Heilt es denn so viel schneller, als wir wissen dürfen?"

Das kalte Lächeln ließ nicht nach. „Das ist es, wovor ihr alle Angst habt, oder?" sagte Snape mit einem merkwürdigen Anflug von Genugtuung in seiner Stimme.

Sirius zuckte mit den Schultern. „Glaub, was du willst, wenn du dich dadurch wichtig fühlst."

„Oh, wenn wir davon sprechen, sich wichtig zu fühlen", entgegnete Snape bissig, „was hast du heute Abend hier verloren? Ich sehe dich nicht zur Errettung deines geliebten kleinen Patensohns eilen. Er wird enttäuscht sein. Wollten die anderen dich nicht dabei haben, oder fürchtest du dich zu sehr vor den bösen Dementoren, um dich aus deinem trauten Heim herauszuwagen?"

„Ich garantiere dir, dass du aus meinem trauten Heim schneller herausfliegst, als du brauchst, um das Wort Dementor zu buchstabieren, wenn du darauf bestehst, ausgerechnet dieses Gesprächsthema weiter zu verfolgen", sagte Sirius mit gefährlicher Ruhe.

„Ach, ich vergaß, natürlich brauchen sie dich nicht", höhnte Snape. „Was ist schon dran an ein paar lausigen Dementoren? Er hat schließlich Übung darin, es mit ihnen aufzunehmen, oder? Ein Kinderspiel für jemanden wie Harry Potter. War ihnen diesmal nicht einmal eine Zeitungsmeldung wert, ist dir das aufgefallen?"

Sirius spürte, wie die Maske der Gleichgültigkeit von seinem Gesicht zu gleiten begann. Was auch immer Snape sonst daherreden mochte – Harry würde er nicht beleidigen. „Allerdings, Harry hat es schon einmal mit ihnen aufgenommen", sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. „Daran solltest gerade du dich erinnern."

„Oh, keine Sorge, an diesen denkwürdigen Tag erinnere ich mich nur zu gut. Hat er mich doch gelehrt, dass Harry Potter vollkommen dazu in der Lage ist, auch ohne mein Einschreiten mit ein paar Dementoren fertig zu werden." Snape schenkte Sirius ein widerwärtig bescheidenes Lächeln, und plötzlich keimte in Sirius ein schrecklicher Verdacht auf. Er hatte das vage Gefühl, dass es einfach zu ungeheuerlich wäre, um wahr zu sein, aber er musste sichergehen.

„Du wusstest davon?" Er musste darum kämpfen, die Fassung zu bewahren.

Snape schnaubte verächtlich. „Natürlich wusste ich es nicht. Du ziehst voreilige Schlüsse, wie immer. Du bist so durchschaubar, Black, das amüsiert mich ohne Ende."

Mit einem Ruck stand Sirius von seinem Stuhl auf. „Ich amüsiere dich, ja?" Seine Augen blitzten. Das Blut in seinen Adern, das noch vor wenigen Augenblicken vor Schreck fast gefroren war, begann jetzt zu kochen.

Snape lehnte sich zurück und zog die Augenbrauen hoch. „Nicht schon wieder die Nerven verlieren, Black. Beim letzten Mal sollst du dabei keine sonderlich gute Figur abgegeben haben." Er studierte ausführlich Sirius' Gesicht, als ob er darauf noch immer den Abdruck von Alastor Moodys Hand sehen konnte.

Sirius wusste genau, dass er inzwischen verblasst war, aber die Erinnerung daran war nicht so leicht zu tilgen, genauso wenig wie der Schmerz, den sie verursachte. Er ballte seine Hände zu Fäusten. Das Blut schoss ihm glühend ins Gesicht. Er hasste diese kalten schwarzen Augen, er hasste dieses kalte Lächeln, er hasste es mit jeder Faser seines Daseins, hasste es so sehr, dass es ihn zerreißen würde, wenn Snape auch nur ein weiteres Wort zu sagen wagte.

„Das muss eine anrührende Szene gewesen sein", sagte Snape sanft, und in Sirius Hirn brannte etwas durch. Seine Hand fuhr in seinen Umhang und zog den Zauberstab heraus. Am anderen Ende des Raumes gab Mrs Weasley ein erschrockenes Japsen von sich. Arthur Weasley hastete auf die beiden Streithähne zu, wie um sie zu trennen, aber dann hörte sie es plötzlich alle und hielten inne. Es waren Schritte auf den Steinstufen vor der Haustür, die die Ankunft einer großen Zahl Besucher verkündeten. Die Haustür öffnete sich, und die Neuankömmlinge betraten die Eingangshalle. Dann waren sie alle im Innern, und die Tür fiel wieder ins Schloss.

Nein, dachte Sirius. Nicht jetzt, nicht ausgerechnet jetzt. Jetzt bist du an der Reihe, hörte er Remus Lupins klare Stimme im Geiste sagen. Jetzt hör du auf deinen eigenen Rat, und beweise, dass er richtig war. Worte erschienen vor seinem inneren Auge, geschrieben in seiner eigenen Handschrift. Sei vorsichtig und tu nichts Unbesonnenes. Ich weiß, das muss frustrierend für Dich sein, aber halt die Ohren steif, dann wird schon alles gut gehen.

Sirius blickte Snape an, als sähe er ihn zum ersten Mal, dann den Zauberstab in seiner eigenen Hand, als könne er sich nicht erinnern, wie er dorthin gekommen war. Tu ihm nicht den Gefallen, dich von ihm ärgern zu lassen, das ist er nicht wert. Seine Hand fiel schlaff herab, als ob jemand eine Schnur durchgeschnitten hätte, an der sie gehangen hatte. Harry hatte Sirius nicht in einer Ecke sitzen und heulen sehen, als er ihn am dringendsten gebraucht hätte, und er würde ihn auch jetzt nicht die Beherrschung verlieren sehen, nur weil ein lausiger kleiner Todesser sich an ein paar kläglichen Sticheleien versuchte. Harry würde Sirius als den Paten wiedererkennen, den er kannte, den er brauchte und den er verdient hatte. Sei vorsichtig und tu nichts Unbesonnenes. Oh doch, Sirius wusste sich zusammenzureißen. Und das würde er ihnen allen beweisen, so dass sie nie wieder wagen würden, es zu bezweifeln. Halt die Ohren steif, dann wird schon alles gut gehen. Und das würde es. Alles andere war bedeutungslos. Nichts sonst brauchte ihn zu kümmern. Nichts zählte mehr als dies eine:

Die Vorhut war gelandet. Harry war hier.

THE END

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A/N: Da wären wir. Hier endet der „Sommer des Phönix". An dieser Stelle verabschiede ich mich und reiche die Geschichte zurück an J. K. Rowling, von der ich sie für eine Weile leihen durfte – für meinen eigenen Sommer des Phönix, Juli – Oktober 2003, in dem diese Geschichte entstanden ist. Es war einer der intensivsten und kreativsten Sommer meines Lebens. Ein Echo davon jetzt, sieben Jahre später, noch einmal durchleben zu können, war einfach schön.

Wer Fragen hat oder Anmerkungen, oder wer noch ein paar Hintergründe lesen will, ist herzlich willkommen zur Abschlussparty auf meinem Livejournal (Link in meinem Profil)! Und über Reviews freue ich mich natürlich jederzeit.