Am nächsten Morgen trafen sich die vier Freunde um halb sieben zum Frühstück im riesigen Esssaal von Sourish Manor (Tim hatte entschieden, dass sie alle genug geschlafen hatten). Dieser war etwa 400 Quadratmeter groß und beherbergte- abgesehen von einem 14,45 Meter langem Tisch mit 23 Stühlen nichts. Tim rümpfte die Nase, als der hauseigene Butler das Essen servierte: Gebratener Fisch, Rinderkotletts, Fritten, Gänsebraten, diverse Reissorten, Hackbraten, gebutterter Toast mit Bohnen, Würstchen, Sauerkraut, gezuckerter Rotkohl, kandierter Weißkohl, Kohlrabi, Gulasch und Cheeseburger, Cola, Limonade und Zuckerwasser- natürlich alles mit einer dicken Schicht Schokolade überzogen. Während Ball als einizger kräftig zulangte, begnügte Tim sich mit einer Buttersemmel und einer Tasse nährstoffreichem Kräutertee (die er irgendwoher hatte, einfach weil er Tim war!) Gaby und Karl gingen leer aus, aber darum konnte Tim sich jetzt nicht kümmern. Vom illustren Schmatzen Ball's im Hintergrund begleitet, erzählte Tim Gaby, was in der vorigen Nacht geschehen war.

"... und als ich dann Burgin und Burkes's Stimmen hörte, da war mir sofort klar, dass es nur abgrundtief böse Menschen sein können!"

Mit einem langgezogenen "Ooooooooh!" bestätigten seine Freunde, dass Tim wieder mal den richtigen Schluss gezogen hatte, auf den sie alle nie gekommen wären. Das hörte das restliche Personal von Sourish Manor und innerhalb weniger Sekunden erschienen 30 Angestellte in der Türe, die Tim anerkennend Beifall spendeten.

Bewundernd klimperte Gaby mit ihren unendlich langen und dichten Wimpern. "Du bist sooooo mutig Tim, ich glaube nicht, dass es noch jemanden auf der Welt gibt, der so mutig ist wie du!"

"Das hat nichts mit Mut zu tun, denn mutig will jeder sein! Das hat was mit Grips zu tun! Und davon hab ich nun mal am meisten. Ball hingegen besitzt gar keinen!" Sowohl das Personal, als auch Gaby, Karl und Ball brachen in heiteres Gelächter aus, bis Tim sie abwinkte.

"Genug jetzt damit, Freunde! Wir haben heute noch viel zu tun."

"Was denn?" fragte Ball schmatzend, während er eine mit Schokolade überzogene Gänsepastete in ein mit Schokolade überzogenes Steak einwickelte und alles dann aß.

"Oh man, Ball. Hast du eigentlich nur Schokolade im Kopf? Anscheinend hat dein Körper dein Gehirn abgebaut, um mehr Platz für Schokolade und Kakao zu schaffen."

Gaby und Karl nickten ernst, um Tim zu bestätigen, dann fuhr er fort:

"Erwin Evilman hat gesagt, dass ihm etwas gestohlen wurde, das bedeutet hier liegt en Verbrechen vor, dass er bestimmt nicht der Abteilung für magische Strafverfolgung gemeldet hat. Somit müssen wir zunächst aufklären, was gestohlen wurde und von wem, damit ich diesen Ganoven eine kräftige Lektion erteilen kann.

Danach bekommt Evilman auch noch eine Tracht Prügel, denn Straftaten müssen bei der Abteilung für magische Strafverfolgung angezeigt werden. Wo würden wir denn landen, wenn jeder selbst entscheiden könnte ob er einen Diebstahl melden will oder nicht? Ich sags euch: im heillosen Chaos würden wir landen. Als letztes müssen wir schließlich noch Burgin und Burkes besuchen, denn auch sie verdienen ein Tracht Prügel, weil sie Evilman bedroht haben. Ihr wisst, ich verabscheue Gewalt, aber hier dient es ja einem guten Zweck!

Hey Kralle," er wandte sich Gaby zu, "Ist dein Vater nicht auch Vorsitzender im 'Diebstähle die nicht angezeigt wurden'- Dezernat?"

Gaby nickte nur, denn sie wollte Tims beeindruckenden Vortrag nicht unterbechen.

"Sehr gut, dann wird er uns von dieser Seite also auf jeden Fall den Rücken stärken, wenn ich für eine gerechte Bestrafung sorge." Eigentlich verabscheute Tim Gewalt, aber wenn es darum ging, einen Menschen auf den rechten Weg zurückzuführen, dann war ihm jedes Mittel recht.

"Also, worauf warten wir noch? Auf gehts zu den Holzeseln!" bestimmte Tim und erhob sich.

"Aber ich hab noch nicht aufgegessen!" sagte Ball (sein Mund war gefüllt mit einer Gänseleberpastete in Schokolade, die er mit einem halben Liter Cola im Schokomantel hinunterspülen wollte)

"Ball, willst du, dass ich dich in ein Schwein verwandel? Naja, eigentlich müsste ich ja gar nichts dafür tun, denn du bist ja schon eins, aber ich könnte dir noch einen Ringelschwanz und eine Schweinsnase anhexen!"

Das brachte die vier Freunde zum lachen und so brachen sie bald auf. Ball war nochmal zurück in sein Zimmer gelaufen und hatte sich acht Tafeln Schokolade in seine Hosentaschen gestopft, aber die hatte er schon wieder aufgegessen, als er einige Minuten später zu seinen Freunden stieß.

"Wohin solls denn jetzt gehen Häuptling?" fragte Gaby.

"Das ist doch klar: Zu Evilman. Aber zuerst müssen wir seine Adresse rausfinden."

So flogen sie zu einer Telefonzelle. Tim sprang mit einem leichtfüßig Doppelflikflak von seinem Besen und betrat die Zelle. Dort hing ein dickes Telefonbuch, in dem die Telefonnummern aller Einwohner des Millionendorfes eingetragen waren. Tim blätterte innerhalb von 1,32 Sekunden das ganze Buch durch und stellte somit einen neuen Weltrerkord auf. Seine Freunde klatschten begeistert, doch das interessierte ihn jetzt nicht- denn er hatte eine beunruhigende Entdeckung gemacht: Evilman stand nicht im Telefonbuch. Vor Wut riss Tim das 285 Seiten lange Buch in zwei Teile.

"Was machen wir denn jetzt?" fragte Ball, als Tim ihnen das Problem erläuterte.

"Na ist doch ganz einfach: Gaby wird ihren Papi anrufen und ihn bitten, uns die Adresse zu sagen. Wenn er das nicht kann- z.B. weil ein weniger toleranter Kollege neben ihm steht und ihn mit dem Avada Kedavra Fluch bedroht- dann wird Gaby einfach einen Azubi bezirzen und schon ist die Sache gebongt." Eigentlich verabscheute Tim Hinterhältigkeit, aber hier diente es ja dem Wohle aller Bürger.

Während Gaby telefonierte stand Tim neben ihr und sie hielt den Hörer so, dass er mithören konnte- immerhin war es besser, wenn er sich die Adresse auch merkte, denn Gaby war ein Mädchen und die konnten bekanntlich besser auf Holzesel aufpassen, als Adressen in ihren Köpfen zu speichern.

Während im Telefon das Freizeichen erklang erzählte Karl Ball etwas über das geheime Geheihaltungsabkommen von 1983, an das sich eigentlich jeder Beamte halten musste, aber ein Blick aus Tims Adleraugen (er hatte dank seiner guten Ohren natürlich alles gehört) ließ Karl verstummen.

"Hallo Papi, ich bins." flötete Gaby, als ihr Vater ans Telefon ging.

"Hallo Komissar Ringer!" begrüßte ihn auch Tim mit seiner extrem reifen, männlichen Stimme.

"Hallo Gaby mein Goldschatz, hallo Tim, wie geht es euch?" fragte Komissar RInger fröhlich.

"Duuuu, Papi? Wir brauchen ganz dringend eine Adressauskunft. Am besten auch einen kurzen Überblick über die Strafakte des Betroffenen.

"Aber Kinder, " lachte Komissar Ringer. "Worum geht es denn?"

"Das können wir leider nicht verraten, Komissar. Aber wir haben eine heiße Spur, die vermutlich ein ganzes Netzwerk an Lügen und Intrigen aufdecken wird. Es geht um Erwin Evilman!" Sagte Tim und ihm war sofort klar, dass er den Komissar damit auf seine Seite gezogen hatte.

"Na dann will ich mal nicht so sein. Ich weiß doch, dass du vernünftg bist, Tim." sagte der Komissar. Tim fand es echt stark, Komissar Ringer als väterlichen Freund zu haben.

"Also, Erwin Evilman, geboren am 29.02 1960- er hat einen Sohn: Edgar Evilman, ein junge ohne Zukunftsperspektive, er konsumiert trotz seines jungen Alters schon Cola. Und zwar nicht die light-Version!- wohnt in der Tunichtgutgasse 666. Aber im Moment ist er nicht zuhaus. Ich sehe ihn gerade durch mein Fenster, er steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite und kauf sich eine Packung Gumminbärchen an einem Kiosk"

"Gummibärchen!" knurrte TIm. Er hasste diese gelantinehaltige Süßigkeit, denn in Gelantine waren bekanntermaßen schonmal BSE-Erreger gefunden worden.

"Danke, Papi. Bussi!" sagte Gaby und legte dann auf.

"Soso er ist also in einem Schaltjahr am 29.02. geboren worden. Das beweist einwandfrei, dass er Dreck am stecken hat, denn immerhin feiert er seinen Geburtstag nur jedes vierte Jahr an seinem wirklichen Geburtstag, dieser kriminelle Abschaum... die Tunichtgutgasse 666! Dann auf zu den Holzeseln!" sagte Tim und spurtete schon zu seinem Feuerblitz 5000.

Während Karl äußerst wackelig auf seinem Streberwisch 7 platznahm und Ball sich auf seinen Dickmannbesen Nr 80 quälte, saß Gaby galant auf ihrem Klappbesen auf (der war besonders praktisch, wenn TCBG wiedermal einen Fall gelöst hatten und Komissar Ringer Gaby direkt nach hause fuhr).

Und so flogen sie los- Tim natürlich allen voran, dahinter Gaby, dann Karl und ein Stück dahinter Ball.

"Oh man, nicht so schnell!" schnaufte Ball nach 3,9223 Minuten (Tim hatte mitgezählt!)

"Wenn du nicht andauernd so viel essen würdest, könntest du auch mithalten!" fuhr Tim ihn an, aber das hörte Ball nicht, weil er gerade den Kopf in einen Eimer voller flüssiger Schokolade steckte, den er im Vorratsbehälter seines Besens gefunden hatte. Als er wieder daraus auftauchte, war sein ganzer Kopf mit Schokolade voll.

"Das ist ja ekelhaft!" sagte Gaby und reinigte Balls Kopf mit einem Schwung ihres Zauberstabs. Sie konnte es nicht ertragen, Ball so dreckig zu sehen, denn Tim hätte sich niemals so gehen lassen- und Tim war nunmal genau der richtige Maßstab.

Als Ball endlich fertig war, flogen sie weiter und bald schon kamen sie in die Nähe der Tunichtgutgasse.

"Hört mal zu Freunde!" sagte Tim und hielt an, damit auch alle gut seiner Stimme lauschen konnten. "Wenn wir die Tunichtgutgasse erreicht haben stellen wir die Holzesel irgendwo ab wo es ungefährlich ist, immerhin müssen wir Gaby ja mit ihnen alleine lassen. Dann schleichen wir uns näher ran, mit ein wenig Glück ist ja eins der Fenster offen. Denn ich werde hineingehen!"

"Nein!" hauchte Gaby, aber das war natürlich kein wirklicher Widerspruch, sondern mehr ein Ausruf der Bewunderung.

"Und was, wenn kein Fenster offen ist?" fragte Ball.

Tim sah ihn überrascht an. "Du isst ja gar nichts?"

"Ich hab grade einen Hühnerschenkel verschluckt und der rutscht nur sehr langsam meine Speiseröhre runter, darum..." sagte Ball, aber Tim fuhr schon fort.

"Sollte kein Fenster offen sein, werde ich halt eins einschlagen. Ihr wisst, dass ich Gewalt verabscheue, aber hier dient es ja der Aufklärung eines wichtigen Falls."

Zustimmend nickten seine Freunde und einige vorbeigehende Passanten warfen Tim bewundernde Blicke zu- immerhin konnte man ihm ansehen, dass er gerade etwas unglaublich kluges gesagt hatte, abgesehen davon kannte und liebte ihn hier sowieso jeder.

"Also los!" sagte Tim, aber nur einen Moment nachdem sie sich in Bewegung gesetzt hatte, fuhr der fahrende Ritter mit Höchstgeschwindigkeit an ihnen vorbei.

"Oh nein, Evilamn saß darin! Er wird vor uns am Haus sein! Wenn ihr angekommen seid, haltet euch im Hintergrund!" rief Tim noch und zischte dann mit Rekordgeschwindigkeit auf seinem Holzesel davon.

Gerade als er in die Tunichtgutgasse einbog, sah er Evilman zu seiner Haustüre gehen. Langsam rollte Tim näher und beäugte den Mann unauffällig. Er stieg mit hängenden Schultern die drei Treppen bis zur Haustüre hinauf und schloss diese dann auf. Tim verabscheute eine schlechte Körperhaltung, aber im Moment waren andere Dinge wichtiger. Ein wenig weiter sprang er mit einer Dreifachdrehung von seinem Holzesel und sicherte diesen mit mehreren Flüchen (u.a. Crucio und Sectumsempra). Dann schlich er unauffällig zu dem heruntergekommenen Haus Nr 666 und drückte sich im Schatten eines großen Busches an die Hauswand.