Eine Möglichkeit, wie HP und der Feuerkelch auch hätte enden (und danach weitergehen) können:

Was wäre, wenn Harry seine grösste Stärke hätte ausspielen können, als er und Cedric in dem unseligen Friedhof in Little Hangleton gelandet waren? Meiner Meinung nach, und das kommt ja in den Büchern auch immer wieder durch, ist sein grösster Trumpf die Fähigkeit, sich auf jede Situation sofort einstellen zu können und zu reagieren. Hier hat er noch dazu das Element der Überraschung.

Es ist eine Harry/Hermione Geschichte. Hermione wird etwas forscher sein als in den Büchern, aber ansonsten verhalten sich die Figuren zumeist wie in den Büchern.

Kapitel 1 - Nichts wie weg hier!

"Was meinst du? Zauberstab raus?" fragte Cedric mit ängstlichem Blick.

"Zauberstab raus und alles einfrieren, was sich bewegt sogar," empfahl Harry leise. "Ich glaube nicht, dass dieser Portschlüssel etwas mit dem Turnier zu tun hat! Wenn der Pokal überhaupt einer sein sollte, dann hätte er uns zum Eingang des Labyrinths zurückbringen müssen, nicht in eine solch finstere und fremde Umgebung."

"Da hast du wohl recht…"

Harry war durch sein verletztes Bein ziemlich geschwächt, aber dieser völlig unerwartete Transport an einen anderen Ort warnte ihn, dass etwas in der Luft lag. Besonders, als er in der Nähe eine Bewegung wahrnahm, die sich ihnen näherte. Harry atmete heftig, das Adrenalin von der dritten Aufgabe her immer noch hoch in seinem Blut, aber auch schon wieder völlig angespannt auf das wartend, was auf sie zuzukommen schien. Er war sich absolut sicher, dass dieser 'Umweg' nicht vorgesehen war!

"Frierzauber auf diesen Typen da drüben," flüsterte er Cedric zu.

"Stupor! Stupor! Stupor!" erklangen die Stimmen der beiden Jungen.

Solange, bis sie sicher waren, dass sich da auf der gegenüberliegenden Seite nichts mehr rührte. Sie erleuchteten die Umgebung mit ihren Zauberstäben, näherten sich dem Gegner und, kaum hatte er sein Opfer erkannt, erstarrte Harry.

"Verdammt, das ist Peter Pettigrew, Cedric - und dieses hässliche Ding da ist Voldemort! Wir müssen unbedingt zurück nach Hogwarts kommen und Pettigrew muss mit!"

"Pettigrew? Damit meinst du doch nicht etwa jenen Pettigrew, der von Sirius Black umgebracht worden sein soll, oder?"

"Genau den - aber Sirius hat ihn nicht umgebracht. Die Muggel übrigens auch nicht," gab Harry etwas ungeduldig zurück. "Das war alles dieses Stück Scheisse da vor uns, aber als wir es ihm erklärten, wollte uns der idiotische Minister natürlich nicht glauben. Nur, wie kommen wir jetzt zurück?"

"Lass mich nachdenken… was könnten die von uns gewollt haben?" fragte Cedric.

"Es besteht kein Zweifel, dass sie hinter mir her waren. Irgendwer muss den Pokal in einen Portschlüssel verzaubert haben. Erklärt auch das eigenartige Verhalten und Ausscheiden der beiden anderen Kandidaten. Die wurden wohl von der Person, die den Pokal verwandelt hat aus dem Rennen genommen. Denn der wird gewollt haben, dass ich zuerst an den Portschlüssel komme. Die haben bestimmt auch versucht, dich aus dem Wettbewerb zu schmeissen, aber meine Hilfe hat das verhinder. Erklärt auch Krums Verhalten, Cedric, ich glaube nicht, dass der von sich aus einen Unverzeihlichen Fluch verwendet hätte."

"Nein, das glaube ich auch nicht. Du hast recht. Aber was wollten die denn von dir?"

"Voldemort will mich umbringen. Schau ihn dir bloss an! Er war grade mal so ein Geist und jetzt hat er so was wie einen neuen Körper."

"Vielleicht wollten sie dich, um Du-Weisst-Schon-Wem einen ganzen Körper zu verschaffen?"

"Sieht ganz danach aus."

"Wir können ja mal checken, ob der Portschlüssel uns auch wieder zurückbringt. Normalerweise sind sie für die Hin- und Rückreise verzaubert," schlug Cedric vor.

"Ja, das können wir auf alle Fälle probieren. Aber wir müssen ihn wieder beide gleichzeitig berühren und ein bisschen Haut von dem hier muss auch dran, ich brauche ihn, damit mein Pate endlich freigesprochen wird. Lassen wir Voldemort hier?"

Cedric erschauerte. Selbst ein eingefrorener Voldemort schüchterte ihn immer noch ein.

"Wir sollten ihn gleich hier töten…" sagte er zögernd.

"Ich hab von ihm geträumt…" sagte Harry leise, und dann erinnerte er sich an die Schlange. "Wer weiss, ob er seine Schlange nicht hier irgendwo rumkrauchen hat… die sollten wir noch vor ihm töten. Er hat sie benutzt, um von ihrem Gift zu leben. Es scheint niemand sonst hier zu sein, also haben wir etwas Zeit, wir können die ja jederzeit von Neuem einfrieren. Lass mich nachdenken…"

Harry traute sich, die Schlange in Parsel zu rufen:

„Komm her zu mir, Nagini, komm schon… komm!"

Es dauerte gar nicht lange, bis eine eindrücklich grosse Schlange von der Rückseite des nächsten Grabsteins angewuselt kam. Cedric erstarrte, hörte aber Harrys Parsel fasziniert zu. Er erschrak noch mehr, als er die riesige Schlange dann sah.

„Ein Ssssprecher! Ein Ssprecher hat Nagini gerufen und esss issst nicht mein Meissster?"

„Ich BIN jetzt dein Meister, Nagini. Was war die Absicht deines alten Meisters hier?"

„Er wollte Harry Potterssss Blut benutzen, sssowie dasss Fleisch einesss Dienersss, und Asche ssseinesss Vatersss, um sssich endlich wieder Herr einesss eigenen Körpersss zu sssein."

„Danke, Nagini, was wollte er denn tun, wenn er einen neuen Körper hatte?"

„Er wollte ssseine ungetreuen Diener zu sssich rufen, um sssie gebührend zu bestrafen und wieder über sssie zu regieren."

„Na, grossartig! Cedric, Stupor!"

Harry fror die Schlange ein. Cedric half ihm dabei, als er merkte, dass sie nicht gleich weg war. Dann wandte sich Harry an seinen Mitkandidaten, der neben ihm stand und dem die Angst im Gesicht geschrieben stand.

„Nagini hat mir mitgeteilt, dass Voldemort einen rituellen Zaubertrank vorbereitet hat, mit dessen Hilfe er sich einen neuen Körper erschaffen wollte. Dieser Trank sollte von meinem Blut, Fleisch von einem Diener und etwas von der Asche seines Vaters den neuen Körper erstellen. Ich nehme an, dass Pettigrew der Diener ist und wir uns vor dem Grab seines Vaters befinden. Ich bin nicht mal sicher, dass wir ihn jetzt wirklich töten können. Wir müssen aber wohl die Schlange töten, die steht ihm ein bisschen zu nahe!"

„Welch ein Glück, dass du mit Schlangen reden kannst, Harry!"

„Nicht, dass mir in meinem zweiten Schuljahr jemand glauben wollte, dass es nur eine Gabe, nicht ein Zeichen für einen dunklen Zauberer ist! Dumbledore meinte, dass ich es kann, weil der Fluch dieses Arschlochs hier mich berührte," gab Harry mit leicht bitterem Unterton zurück.

„Mach dir nichts draus, Harry, inzwischen hat wohl jeder begriffen, dass du ganz bestimmt kein dunkler Zauberer bist oder wirst. Ich wäre sehr stolz darauf, wenn wir hier rauskommen und Freunde werden!"

„Wir sind doch jetzt schon Freunde, Cedric! Zumindest hoffe ich das," sagte Harry mit warmer Stimme.

„Danke, Harry! Das sind wir. – Die einzige Methode, um dieses Riesenvieh zu töten, die ich mir vorstellen kann, ist ein Reductor-Fluch. Würde ihren Kopf zerdeppern," schlug Cedric vor.

„Ja, das ist ein guter Vorschlag."

„Okay. Beide zusammen?"

„Aber sicher. Macht den Fluch doppelt so stark!"

Beide deuteten mit ihrem Zauberstab auf die Schlange und sprachen den Fluch. Die Schlange wurde sofort zu Fetzen zerrissen. Aber sobald sie starb, erklang ein so entsetzlicher Schrei, wie Cedric ihn noch nie in seinem Leben gehört hatte. Es schien ewig zu dauern, bis er verklungen war, und Cedric sagte:

„Igitt! Das war ja grässlich!"

„Scheusslich! Und weisst du was? Es klang genauso wie damals vor zwei Jahren, als ich Tom Riddles Tagebuch zerstörte!"

„Du hast das schon mal gehört? Und wer ist Tom Riddle?" fragte Cedric mit vor Schreck geweiteten Augen.

„Ja! Erinnerst du dich, als vor zwei Jahren das ganze Drama um die Kammer des Schreckens ablief? Die gibt's tatsächlich, und ich hab sie gefunden, weil ich ein Parselmund bin. Ich konnte sie öffnen und das Monster darin besiegen. Es war ein Basilisk, den dieser Tom Riddle schon vor fünfzig Jahren entdeckt und auf ein Muggelgeborenes Mädchen gehetzt hat, um sie zu töten. Du kennst möglicherweise ihren Geist, die Maulende Myrte. Dieser Tom Riddle hat sich später Lord Voldemort genannt. Ich meine, dass wir die beide so schnell wie möglich nach Hogwarts zurückbringen sollten. Wir könnten jetzt wirklich Fawkes sehr gut gebrauchen!"

„Fawkes?" Cedric war zu sprachlos, um sich auch noch zu erkundigen, wie Harry so viele Dinge über Hogwarts wissen konnte, von denen er selber keine Ahnung hatte.

„Das ist der Phönix von Dumbledore. Er kann sehr grosse Lasten augenblicklich auch über grosse Distanzen transportieren.

Ein Feuerblitz und beruhigendes Gezwitscher kündigte die Ankunft des Feuervogels an! Fawkes landete genau auf Harrys Schulter. Er begann in Harrys Ohren zu singen und brachte ein breites Lächeln auf das Gesicht des Jungen.

„Fawkes! Du hast mich gehört?"

Der Vogel nickte mit dem Kopf. Cedric starrte ihn erstaunt an und war von seiner Schönheit völlig hingerissen. Er sagte:

„Wow, Harry! Glaubst du, dass er dich gehört hat?"

„Wahrscheinlich. Er ist sehr clever, nicht wahr, Fawkes?"

Ein erneutes Kopfnicken des Vogels bestätigte dies.

„Und er versteht jedes Wort, das wir sagen, Cedric, er ist ein grossartiger Freund. Ich fühle mich sehr geehrt, dass er mich mag."

„Freut mich, dich kennenzulernen, Fawkes! Kannst du uns nach Hogwarts zurückbringen?"

Auch das wurde durch ein Nicken bestätigt.

„Wir müssen beide einen von denen halten, dann wird Fawkes uns zurückbringen. Aber lass uns noch einen guten Blick auf diese Umgebung hier werfen, Dumbledore wird gewiss nach unseren Erinnerungen fragen," sagte Harry.

Cedric, obwohl er zwei Jahre älter war als Harry, war völlig fasziniert, wie Harry in dieser seltsamen Lage, in der sie sich befanden, ohne zu Zögern gleich wusste, was zu tun war. Er hatte das Gefühl, dass Harry sehr viel erfahrener war als er selber. Aber er räsonierte für sich selber, wenn Harry tatsächlich einen Basilisken besiegt hatte, dann war er auch erfahrener. Da Dumbledore zwei Jahre zuvor die meisten Details für sich behalten hatte, wusste Cedric nicht so genau, was sich damals abgespielt hatte, aber die Gerüchteküche war kräftig angeheizt geworden, daher wusste er zumindest ein Bisschen was. Cedric hatte jedoch selber genug von Harry gesehen, auf dem Quidditchfeld und jetzt im Turnier um annehmen zu können, dass wohl einige der Gerüchte, die über Harry im Umlauf waren ziemlich akkurat waren.

Harry brauchte Fawkes nicht erst zu sagen, dass er sie zu Dumbledore bringen sollte, in wenigen Minuten erreichten sie Hogwarts. Fawkes setzte sie sicher am Eingang des Labyrinths ab. Sie hörten wie von ferne einen Aufschrei durchs Publikum gehen. Sie waren nicht mehr als fünfzehn Minuten weggewesen.

Dumbledore erreichte sie als Erster. Er half ihnen aufzustehen, und Harry sagte sofort leise:

„Der Pokal war ein Portschlüssel, Professor. Hat uns zu einem Friedhof gebracht. Pettigrew und Voldemort warteten auf uns, aber wir konnten sie beide einfrieren. Haben Voldemorts Schlange Nagini getötet, nachdem sie mir gestanden hatte, dass Voldemort einen rituellen Zaubertrank vorbereitet hatte, mit dessen Hilfe er sich einen neuen Körper beschaffen wollte. Als sie starb, gab's einen unheimlichen Schrei, grade so wie damals, als ich in der Kammer des Schreckens Riddles Tagebuch zerstörte. Ich wusste nicht, ob ich Voldemort dort schon töten konnte, Professor, daher habe ich ihn zusammen mit Pettigrew mitgebracht, hier sind die beiden! Wir können jetzt hoffentlich Sirius' guten Namen wieder reinwaschen!"

Fudge hatte die beiden jetzt auch erreicht und stutzte, als er Harry zuhörte. Er erbleichte. Voldemort war hier? Und in einer Form, in der er ihnen nichts antun konnte?

„Du-Weisst-Schon-Wer ist hier? Lächerlich! Du musst ja den Verstand verloren haben, Junge!" schrie er.

„Habe ich nicht! Hier ist er!"

Harry deutete auf den Klumpen Fleisch vor ihm, immer noch geschockt. Gleich neben ihm lag Pettigrew, den sofort einige Leute erkannten. Ein Kreis füllte sich um die beiden Jungen und man konnte aufgeregtes, lautes Geflüster hören, wobei der Name Peter Pettigrew häufig fiel. Während die Aufmerksamkeit auf Harry gerichtet wurde, erinnerte sich Cedric an ein wichtiges Detail. Er wandte sich leise an Dumbledore:

„Professor, wer hat den Pokal in das Labyrinth gebracht?"

„Professor Moody… aber Alastor würde niemals… oh, vielen Dank, da kommt mir eine Idee. Ich rufe rasch Minerva, damit sie meinen Platz hier einnimmt und sich um euch kümmert."

Minerva McGonagall hatte keine Schwierigkeiten, den Platz ihres Chefs einzunehmen. Dumbledore übersah das Gelände und konnte schliesslich Alastor Moody entdecken. Er schockte den alten Mann ohne Federlesen.

„Ich bin gleich wieder da, Minerva!"

Dumbledore liess den geschockten Mad-Eye hinüber zu den anderen beiden Geschockten schweben. Sofort liess sich lautstarker Protest von Fudge hören:

„Sind Sie verrückt geworden, Dumbledore? Mad-Eye ist bestimmt ziemlich paranoid, aber der ist mit Sicherheit kein Todesser!"

„Ich bin vermutlich ein bisschen verrückt, Cornelius, aber in diesem Fall hier vermute ich Vielsafttrank. Wir werden eine Weile Geduld haben müssen, bis sich die Wirkung verflüchtigt, dann werden wir sehen, wer den Pokal in einen Portschlüssel verwandelt hat. Er hat ihn nämlich in das Labyrinth gebracht, daher ist er der erste Verdächtige, den Portschlüssel hergestellt zu haben."

„Ah ja. Stimmt. Hatte nicht dran gedacht. Und was ist mit dem Kerl, der aussieht wie Pettigrew? Kann das nicht auch Vielsafttrank sein?"

„Vielsafttrank wirkt nur, wenn der- oder diejenige, deren Stelle eingenommen wird noch am Leben ist, Cornelius. Wäre Pettigrew wirklich tot, könnte keiner mehr Vielsafttrank verwenden, um ihn darzustellen. Wäre das nämlich möglich, hätten uns die Todesser viel früher schon noch viel mehr unterwandert – sie konnten jemanden umbringen und dann deren Stelle einnehmen, solange sie es brauchten. Aber ich weiss von keinem solchen Fall. Wir werden ihn unter dem Einfluss von Veritaserum befragen, aber ich fürchte, dass Sie hier den Beweis dafür haben, dass Sirius Black ein unschuldig verurteilter Mann ist. Er hat letztes Jahr steif und fest behauptet, dass Pettigrew noch lebt und der wahre Mörder ist."

„Wollen Sie damit sagen, dass Sie Black etwa geglaubt haben? Haben Sie dabei geholfen, dass er wegkam?"

„Natürlich habe ich das. Ich konnte es doch nicht zulassen, dass Sie ihm den Kuss des Dementors geben lassen, Sie wären dadurch selber zum Mörder geworden, Cornelius! Es hat gereicht, dass er ohne Gerichtsurteil so lange in Azkaban gesessen ist, denn er war nur zur falschen Zeit am falschen Ort."

Fudge plusterte sich auf und setzte an, sich selber zu verteidigen, aber Dumbledore unterbrach ihn und sagte:

„Sie werden schon sehen, Cornelius, warten Sie nur ab. – Zunächst müssen wir hier mal aufräumen und alle ins Schloss zurückbringen. Wir werden sie einzeln in Zellen in den Kerkern unten einsperren. Sollte dieser hier tatsächlich unter Vielsafttrank stehen, dann wird die Wirkung in spätestens einer Stunde verpuffen. Harry und Cedric sollten kurz von Madam Pomfrey untersucht und danach befragt werden, falls sie ihr Einverständnis dazu gibt. Ich möchte bitte eure Erinnerung an euren Umweg einholen, wenn ihr es gestattet, Harry und Cedric."

Die Jungen nickten bloss.

Minerva übernahm es, Pettigrew ins Schloss zu schweben, während Dumbledore sich um Voldemort kümmerte. Flitwick schnappte sich rasch den falschen Mad-Eye. Gemeinsam führten sie alle ins Schloss. Harry und Cedric folgten ohne Spezialaufforderung, wobei Cedric Harry stützte, damit dieser überhaupt richtig gehen konnte. Die Weasleys und Hermione hatten es endlich geschafft, durch die Menschenmenge zu kommen und halfen ebenfalls. Snape folgte natürlich auf dem Fuss, sich dabei andauernd den linken Unterarm reibend.

Niemand beobachtete den riesigen schwarzen Hund, der sich jetzt wieder in den Schatten zurückzog nachdem er sich vergewissert hatte, dass Harry nicht schwer verletzt war. Padfoot wartete geduldig auf jede Art von Neuigkeit, die er würde aufschnappen können.

Als die Gruppe um Dumbledore das Schloss erreichte, teilte sie sich auf. Molly und Bill nahmen Cedric und Harry in den Krankenflügel mit. Dumbledore wies die anderen in einen Korridor, durch einige verborgene Durchgänge und schliesslich über eine verborgene Stiege hinab in einige der ältesten Kerker in Hogwarts. Harry gab Hermione einen leisen Wink, dieser Gruppe zu folgen. Niemand protestierte über ihre Anwesenheit, also machte sich Hermione ziemlich unsichtbar, um dem weiteren Vorgehen zu folgen. Und wie immer entging ihr gar nichts.

„Wir betreten nun einen Teil des Schlosses, welcher das Herz von Hogwarts genannt wird," erklärte Dumbledore. „Nur der Schulleiter oder die Schulleiterin bekommt die Information, wie man hier hineingelangt. Nicht einmal die Hauselfen können hereinkommen, Magie ist dem jeweiligen Schulleiter vorbehalten. Es kann hier niemand apparieren, nicht einmal von einem Zimmer ins nächste. Ohne mich, kann keiner von euch diese Räumlichkeiten verlassen. Es ist ein Teil des magischen Bandes, welches den Schulleiter oder die Schulleiterin mit der Schule verbindet, sobald sie das Amt übernehmen."

Selbst Fudge war klar, dass er diese Information nicht nach draussen tragen konnte. Es war eine Form der Magie, die so tief in Hogwarts eingebettet war, dass er nun auch verstand, warum Voldemort hier nie hatte Fuss fassen können. Die Schule hatte wunderbarerweise seinen Attacken immer standgehalten.

Sobald sie ihre drei Gefangenen in deren Zellen abgeliefert hatten, sperrten sie diese gut zu und gingen, um nachzusehen, ob sich der falsche Moody schon zurückverwandelt hatte. Sie erhielten den zweiten Schock des Abends, als sie feststellen mussten, dass auch dieser Mann ein Mensch war, den man bereits seit langem für tot gehalten hatte. Dumbledore half Snape zurück ins Schloss, damit er seinen Vorrat an Veritaserum holen konnte. Als er zurückkehrte, wurden die Gefangenen befragt.

„Das geht über meinen Kopf," sagte Fudge danach verzweifelt. „Ich weiss kaum, was ich tun soll, was ich denken soll…"

„Es hat keine Eile, Cornelius," beruhigte Dumbledore den Minister. „Zunächst werden wir jetzt auch noch Pettigrew befragen, denn wir müssen alles wissen, was Voldemort unternommen hat, seit er Albanien verlassen hat und wir müssen über diese Form, die er da angenommen hat, Bescheid wissen. Wir müssen wissen, wie stark er schon ist, und danach werden wir entscheiden können, wie weiter vorzugehen ist."

„Können wir ihn nicht jetzt gleich töten?" fragte Fudge etwas naiv. Es war klar, dass er vor Angst fast verrückt wurde.

„Das könnten wir zwar tun, aber es würde nur diesen schwachen Körper zerstören und er würde wieder zurückkehren"

„Wie könnte er zurückkehren, wenn wir ihn töten?"

„Auf die selbe Art wie er es soeben getan hat. Zum jetzigen Zeitpunkt kann er überhaupt nicht ganz getötet werden. Ich habe einen Verdacht, wie er das gemacht hat, aber bevor dieser Verdacht sich nicht ganz erhärtet hat, wage ich es nicht, diesen auch nur anzudeuten, Cornelius, weil sonst die Gefahr besteht, dass wir ihn gar nicht eliminieren können. Es wird einfacher sein, ihn in diesem geschwächten Körper irgendwie am Leben zu erhalten, bis wir ihn töten können. Er wäre weit gefährlicher, wenn er sich wieder in seiner Geisterform auf den Weg machen könnte, sich einen neuen Körper zu beschaffen. Jetzt ist er in unserer Hand, gebunden an uns und das Leben in einer Form, in der er uns nicht schaden kann. Bedenken Sie den Satz: sei deinen Freunden nahe und deinen Feinden noch näher."

„Sie glauben also, dass er für uns keine Gefahr darstellt?"

„Nein, ich glaube nicht, aber wir werden auf alle Fälle hören, was Pettigrew noch zu sagen hat. Vielleicht hat er ja andere Todesser schon alarmiert, dann zwingt er uns zu handeln, aber wenn das noch nicht geschehen ist, dann brauchen wir gar nichts zu tun und können ruhig abwarten. Diese kleine Attacke können wir auf irgendwelche, plötzlich wildgewordenen Todesser schieben, wie die an der Quidditch-Weltmeisterschaft letzten Sommer. Wir müssen Crouch und Voldemort noch nicht mal erwähnen," meinte Dumbledore.

Hermione stimmte mit Dumbledore überein, dass das die vernünftigste Betrachtungsweise war. Ihr war klar, was für eine Panik es auslösen würde, wenn man die Namen Voldemort und Barty Crouch Jr. schon nur flüsterte.

„Gut, damit kann ich leben. Verhören wir Pettigrew," sagte der Minister mit neuem Elan.

Als sie die Zelle erreichten, in der sie Pettigrew deponiert hatten, sprach Dumbledore einen Zauber über die Tür, der nicht einmal die kleinste Nagetierart durchlassen würde. Fudge wollte natürlich sofort wissen, warum er das tat.

„Wie ich schon erklärt habe, kann ausser mir hier keiner zaubern. Aber ich bin nicht sicher, ob der Animaguszauber davon nicht ausgenommen ist. Sollte er in der Zwischenzeit aufgewacht sein und sich in seine Ratte verwandelt haben, könnten wir ihn kaum aufhalten. Mit diesem Zauber kann er nun nicht mehr entkommen. Ich muss schon sagen, dass er eine unwahrscheinlich praktische Animagusform hat. Übrigens, wenn er sich tatsächlich verwandelt haben sollte, dann haben wir den Beweis, dass er tatsächlich Peter Pettigrew ist, denn wenn jemand ihn mit Vielsafttrank darstellen würde, dann könnte dieser Jemand sich nicht einfach in eine Ratte verwandeln, denn das erlaubt der Vielsafttrank nicht."

Dumbledores Verdacht war sehr begründet. Sie öffneten die Tür der Zelle, doch darin war kein Mensch mehr zu sehen. Aber das laute entsetzte Quieken einer Ratte, die den Raum nicht verlassen konnte, zog ihre Aufmerksamkeit direkt auf das Nagetier, das direkt in der Ecke der Tür sass und verzweifelt versuchte, wegzukommen. Dumbledore schob die Ratte mit der Spitze seines Stiefels zurück in die Zelle und liess alle eintreten, bevor er die Tür schloss. Dumbledore zwang die Ratte, sich in seine Menschenform zurück zu verwandeln.

„Hallo Peter… was für eine nette Überraschung, dich zu sehen," sagte der alte Magier mit süsser Stimme.

„D… du…. Dumbledore…" quiekte Pettigrew.

„Vielleicht doch nicht so nett… Ja, Peter, ich bin es. Du hattest vermutlich nicht erwartet, mich jemals wiederzusehen, nicht wahr? Ich fürchte, dass dich deine Flucht letztes Jahr leider nicht sehr viel weiter gebracht. Severus, das Serum, bitte."

„Geben Sie ihm besser einen oder zwei Tropfen mehr," schlug Fudge vor.

Snape machte Pettigrew fest und tröpfelte das Veritaserum in seinen Mund.

„Ich glaube, da sind aus Versehen ein oder zwei Tropfen mehr reingegangen, Herr Direktor," sagte er mit seinem üblichen spöttischen Lächeln. „und ich bin willens, selber unter Veritaserum auszusagen, dass ich nicht einmal einen Anflug von einer Ahnung hatte, dass der Kerl da der Spion und ein Todesser ist."

„Ich glaube dir, Severus."

„Die Köter werden es aber wohl kaum tun…" brummte Snape.

Dumbledore begann, Pettigrew auszufragen. Natürlich erkundigte er sich zunächst zu den Ereignissen am 1. November 1981. Pettigrew bestätigte alles, was Sirius an Behauptungen aufgestellt hatte, nicht eben zur Freude des Ministers. Danach befragte Dumbledore den Gefangenen zu dem Zusammentreffen in der Heulenden Hütte im Juni des vergangenen Jahres. schliesslich kam er zu Voldemort. Nach einigen Fragen zu Pettigrews Flucht und Zusammentreffen mit dem Geist in Albanien, den Ritualen, wie die jetzt existierende Form Voldemorts zustande gekommen war, wollte er wissen:

„Nun, Peter, gewiss hast du dich die ganze Zeit seit seiner Entstehung um diesen Körper Voldemorts gekümmert, nicht wahr?"

"Ja."

"Auf welche Weise hast du das denn getan?"

"Ich musste seine Schlange Nagini täglich mehrere Male melken und ihr Gift dem Dunklen Lord geben. Er brauchte mehrmals täglich frisches Gift, andernfalls wäre sein schwacher Körper wieder eingegangen."

"Musste es gerade diese Schlange sein, oder geht es auch mit einer anderen Giftschlange?"

"Ich glaube, es ginge auch mit anderen, aber diese Schlange ist besonders giftig und gibt ihm mehr Kraft."

"Danke. Hat er dir mitgeteilt, wie er seinen eigenen Todesfluch überlebte?"

"Nein. Er zeigte mir nur das Ritual, welches notwendig war, um ihm zumindest diese schwache physische Form zu geben. Er sagte, dass er immer noch geschwächt wäre."

Nachdem sie Pettigrew nach weiteren Details über das im Friedhof geplante Ritual ausgefragt hatten, verliessen sie die Zelle. Dumbledore verstärkte den Zauber noch, der es einem Nagetier unmöglich machte, aus der Zelle zu gelangen. Er hatte auch die gute Idee, den Zauber im Inneren der Zelle auf die vier Wände und selbst die Decke und den Boden auszudehnen. Nun wurde es Pettigrew wohl sogar unmöglich gemacht, sich selber zu verwandeln. Dumbledore grinste zufrieden:

"Das zeigt, wozu ein guter Mausefallenzauber gut sein kann."

Während sie sich zu der dritten ihrer besetzten Zellen aufmachten, erklärte Dumbledore:

"Cornelius, es braucht gar keinen Prozess für Sirius Black. Es braucht aber sehr wohl einen Prozess gegen Peter Pettigrew. Ich schlage vor, dass Sie gleich anschliessend die Begnadigung von Sirius Black unterschreiben. Vergessen Sie dabei nicht, ihm eine Entschädigung für die elf Jahre im Gefängnis verbrachten Jahre anzubieten. Geld wird sie ihm nicht wieder zurückgeben, aber es wird ihm die Entscheidung erleichtern, Sie nicht selber vor den Richter zu zitieren. Gründe dafür hätte er genug. Er wurde unschuldig elf Jahre lang eingesperrt und zu weiteren zwei Jahren im Untergrund gezwungen, das ist mehr als mancher Mensch ertragen kann, wir können dankbar sein, dass er immer noch bei klarem Verstand ist."

"Wenn er denn endlich gefunden werden kann…"

"Das überlassen Sie nur mir."

"Ich werde wohl nicht darum herumkommen."

"Ich werde sie für Sie verfassen, wenn wir hier fertig sind. Lasst uns nun nach Voldemort sehen. Sie können alle draussenbleiben, wenn Sie wollen."

"Nein, ich komme mit. Er ist ja unbewaffnet."

"Er hat immer noch ein paar Kräfte, die uns gefährlich werden können, aber wenn Sie mitkommen wollen - umso besser. Selber sehen und hören ist ja auch glauben."

Sie betraten die Zelle. Die Form auf der Pritsche bewegte sich nicht.

"Er muss ja schon sehr geschwächt sein, wenn er von einem Schockzauber von zwei Kindern immer noch nicht erwacht ist…" meinte Fudge.

"Vielleicht. Unterschätzen Sie ihn niemals, Cornelius. - Evervate!"

Die Form begann sich zu bewegen und schien wirklich geschwächt zu sein. Aber als Voldemort klarer sah und erkannte, dass er sich in Dumbledores Hand befand, fing er in den höchsten Tönen an zu kreischen. Dumbledore packte ihn in eine Ganzkörperklammer und erklärte sanft:

"Es tut mir wirklich leid, Tom, aber dies ist die einzige Art und Weise, in der ich mit dir sprechen werde. Dein Ritual ist gescheitert. Deine Schlange ist tot. Du wirst diese Zelle nur in Richtung deines nächsten grossen Abenteuers verlassen, das du so fürchtest. Mit deiner Verhaftung wurde die Prophezeiung erfüllt. Wir werden dich noch für eine kurze Zeit am Leben erhalten, aber wirklich nur sehr kurz. Das ist alles, was ich dir im Moment zu sagen habe. Du solltest nur wissen, dass du diesen Raum nicht mit aller Magie der Welt verlassen kannst. Du wirst aber genügend Zeit bekommen um darüber nachzudenken, was für ein Horror du bist."

In seinem Zustand war es Voldemort unmöglich, die Ganzkörperklammer abzustreifen. Hermione erschauerte beim Anblick von Harrys Quälgeist und auch über Dumbledores untypisch gestrenge Äusserung. Dumbledore jedoch verliess ruhig die Zelle und schloss sie besonders gründlich ab. Er wandte sich an Fudge:

"Nehmen Sie Crouch und Pettigrew ins Ministerium, Cornelius, aber lassen Sie diesen Homunkulus hier. Ich werde als Einziger hier unten Zugang zu ihm haben. Daher werde ich Minerva zumindest so lange meine Aufgaben übernehmen lassen, bis sich die Sache hier erledigt hat. Sobald Sirius' Name reingewaschen ist, kann er ihre Stellvertretung als Transfigurationslehrer übernehmen, wenn das hier länger dauern sollte. Ich wäre jedoch dankbar, wenn Sie mir zwei Auroren zur Verfügung stellen könnten, am liebsten Kingsley Shacklebolt und Hestia Jones, die ich beide gut kenne und denen ich vertrauen kann. Sie werden auch komplett vertraulich mit mir zusammenarbeiten müssen. Aus diesem Grund werden Sie sie in dieser Zeit wahrscheinlich überhaupt nie im Ministerium sehen. Können Sie das organisieren?"

"Ich werde Ihnen vertrauen müssen, aber mir ist klar, dass Sie der Letzte wären, der Du-Weisst-Schon-Wen laufenlassen würde, Albus. Sie bekommen Ihre zwei Auroren. Ich werde sogar noch eine extra dazugeben, sie heisst Nymphadora Tonks und ist besonders gut in Tarnung. Sie ist auch vollständig vertrauenswürdig. Wahrscheinlich werden Sie sich an sie als Schülerin noch erinnern."

"Ja, ich erinnere mich. Vielen Dank. So viel ich weiss, ist sie eine Tochter von einer von Sirius Blacks Cousinen?"

"Korrekt. Ich werde Rufus anweisen, die drei zu Ihrer alleinigen Verfügung abzukommandieren."

"Danke. Ich werde jede zusätzliche Hilfe gebrauchen können."

Schon eine Stunde später hatte Fudge ein paar Auroren im Haus, die Pettigrew und Crouch mitnahmen. Ausser ein paar ausgewählten Leuten wusste niemand, dass der Fleischklumpen, den Harry und Cedric mit Pettigrew mitgebracht hatten, Voldemort war und dass der jetzt unten im Herzen von Hogwarts aufbewahrt wurde, und diese wenigen hätten sich wohl eher die Zunge abgebissen, als das in die Öffentlichkeit zu tragen. Zum Glück hatte der Aufruhr um die Rückkehr der beiden Jungen alle Aufmerksamkeit auf sie gezogen.

Fudge unterschrieb ohne weiteres Grummeln die Begnadigung für Sirius. Eine Kopie davon nahm er mit ins Ministerium, wo er mitten in der Nacht eine Pressekonferenz einberief anlässlich derer er die Begnadigung vorlas und begründete. Natürlich erhob es nicht wenig Ansehen, dass der kleine Pettigrew noch lebte und nicht ein Held, sondern ein Verräter war. Zudem benutzte Fudge die Gelegenheit, sich beim russischen und französischen Ministerium für die irregulären Zustände beim Trimagischen Turnier zu entschuldigen. Er erklärte, dass sie ebenso durch ewiggestrige Todesser verursacht wurden, die schon im Sommer zuvor beim Quidditch-Weltmeisterschaftsfinale unangenehm aufgefallen waren. Er präsentierte Bilder von Pettigrew und Crouch und erklärte, dass Crouch Senior seinen vermeintlich toten Sohn während Jahren unter einem Imperius-Fluch gehalten und dass er ihn auf Verlangen seiner sterbenden Frau aus Azkaban befreit hatte. Schliesslich fügte er noch an, dass das Verschwinden von Crouch Senior nun ebenfalls Inhalt einer Untersuchung der Behörden war.

Eine weitere Stunde später wurde ein riesiger schwarzer Hund, der die ganze Zeit völlig aufgelöst um das Schloss gestrichen war, hereingelassen und bekam seine Begnadigung zu sehen. Ein frisch geheilter Harry Potter, seine Freunde, Molly und Bill Weasley waren alle im Büro des Schulleiters, als der Hund hereinkam. Auch einige Lehrer waren anwesend, als Dumbledore das Radio einschaltete, in dem grade die Meldung durchgegeben wurde, dass Sirius Black nun ein freier Mann war, dem sogar adäquate Entschädigung angeboten werden würde.

"Sobald Mr. Black beim Ministerium vorstellig wird, kann er persönlich mit dem Minister die Höhe der Entschädigung aushandeln. Jeder, der Mr. Black unterweg antrifft ist gebeten, sich mit dem Ministerium gleichzeitig und direkt für den Justizirrtum zu entschuldigen."

Sirius sprang aus seiner Animagusform und verschaffte Minerva beinahe einen Herzinfarkt. Sie starrte ihn an, völlig geschockt, mehr über seine Fähigkeit denn über seine Anwesenheit. Aber Harry sprang einfach nur auf und eilte, um Sirius als erste umarmen zu können. Der drückte Harry schier den Atem aus, so fest hielt er sein Patenkind. Sie hüpften in einem fröhlichen Siegestanz herum, bevor Harry ganz leise sagte:

"Oh, Sirius, nun bist du endlich, endlich frei!"

"Ja, scheint so, Kleiner. Willst du immer noch zu mir kommen?"

"Natürlich. Wo gehen wir hin?"

"Ich muss erst ein Haus finden, Hündchen. Zuerst muss ich Remus finden, dann finden wir ein neues Zuhause für uns alle, okay?"

"Danke. Vielen Dank!"

Das erste Mal seit dem Tod seiner Eltern badete Harry in physischer Zuneigung eines Erwachsenen. Er erwiderte diese sogar, indem er sich an Sirius presste, der ihn auch gerne festhielt, während Tränen der Erleichterung über sein Gesicht liefen. Just in diesem Moment kam ein Floo-Anruf, den Dumbledore beantwortete.

"Ja, Remus, er ist hier mitten unter uns. Komm ruhig durch."

Keine zehn Sekunden später stand Remus im Raum und schnippte ein bisschen Asche von seinen Ärmeln. Er stand schon vor Sirius und sagte:

"Ich dachte, dass ich dich hier finden würde."

Sirius liess Harry los und drehte sich vollends zu Remus. Ihre Umarmung war deutlich intimer und zutiefst zärtlich.

"Wir können unseren Kleinen mit nach Hause nehmen, Moony," sagte Sirius nur.

"Du bist frei… es ist einfach wunderbar, Padfoot," antwortete Remus.

"Ja, ich bin frei. - Aber jetzt schuldest du uns noch einiges an Erklärungen, Albus, Remus und ich wissen nicht, was alles vorgegangen ist. Ich habe nur mitbekommen, dass Harry mit Pettigrew zurückgekommen ist, von da, wo immer der die beiden Jungen hingeschleppt hat. Und danach?"

"Eins nach dem anderen, Sirius. Erst wollen wir mal an dem Punkt ansetzen, an dem wir das Labyrinth verlassen haben. Minerva, hat jemand daran gedacht, nach dem richtigen Alastor zu suchen?"

"Ja. Ich habe. Er liegt jetzt bereits bei Poppy im Krankenflügel und ist fürs Erste versorgt. Was diese Erfahrung seiner bereits bestehenden Paranoia hinzugefügt hat, daran wollten wir beide noch gar nicht denken."

"Sehr gut. Was ist mit der Menschenmenge draussen?"

"Wurde über den gemeinsamen Sieg der beiden Hogwarts-Kandidaten informiert und hat sich bereits auf den Heimweg gemacht. Amos und Barbara Diggory sind noch hier, wegen Cedric. Da Fudge sich bereits ins Ministerium verkrümelt hat, haben wir den Preis auf Cedric und Harry verteilt. Cedric hat seinen schon erhalten, Harry bekommt ihn gleich anschliessend."

"Ausgezeichnet, Minerva. Dann wollen wir uns doch erst mal von den Diggorys und den Weasleys verabschieden."

Albus verschwand kurz und sah zu, dass auch Cedric in seinen Gemeinschaftsraum zurückkehrte. Danach entliess er die Weasleys, bat aber Bill ganz leise, sich ihnen in seinem Büro wieder anzuschliessen. Als dieser dann wieder erschien, waren ausser ihm nur noch Dumbledore, Minerva, Remus, Sirius, Harry und Hermione im Raum.

"Nun denn. Was ich euch zu sagen habe, ist strengstens vertraulich. Es ist absolut unerlässlich, dass nichts vom heute Abend gesagten diesen Raum nicht verlässt. Dass ihr alle noch im Raum seid, bedeutet, dass ich euch unbedingt vertraue. Harry und Cedric kamen nicht nur mit Peter Pettigrew zurück. Neben Peter haben sie auch eine zwar schwache, aber lebende, physische Form von Voldemort mitgebracht. Er befindet sich jetzt in einer anhaltenden Ganzkörperklammer unten in einer Zelle in einem Teil von Hogwarts, der nur durch mich oder in meiner Gegenwart betreten werden kann. Nicht einmal Hauselfen können ohne meine Hilfe dorthin. Ich kann euch soviel sagen, dass ich jetzt gründlicher ausforschen werde, wie er es geschafft hat, dem eigenen Todesfluch ein Schnippchen zu schlagen. Ich habe schon einige Ideen, aber einiges von dem, was Harry mir berichtet hat, gibt einem meiner Verdachte neue Nahrung. Es gibt nun einige wichtige Dinge zu tun.

Harry, die erste Sache betrifft dich ganz direkt. Es wird dich ziemlich hart ankommen, aber sie ist auch, zumindest teilweise, bereits vollständig abgetan, da du es warst, der diesen geschwächten Voldemort zurückgebracht hat. Übrigens gratuliere ich dir zu deiner Nervenstärke, dieses ziemlich eklige Ding mitzunehmen. Vor Jahren hast du mich gefragt, warum Lord Voldemort dich umbringen wollte, ich glaube, du bist jetzt alt genug, die Wahrheit darüber zu erfahren.

Lord Voldemort wusste um eine Prophezeiung, die ich gehört hatte. Sie betraf damals entweder dich oder Neville Longbottom. Diese Prophezeiung besagte im Wesentlichen, dass zum ungefähren Zeitpunkt deiner Geburt ein Kind geboren würde, welches den Dunklen Lord besiegen würde. Nicht *könnte*, sondern *würde*. Voldemort erhielt leider nicht den vollen Wortlaut der Vorhersage und wusste nur, dass jemand geboren werden würde, der ihn eines Tages besiegen würde. Er wusste also, gemäss den anderen Bedingungen in der Prophezeiung, nach deiner und Nevilles Geburt genau, wer ihm eines Tages gefährlich werden konnte und wollte sich eurer entledigen, bevor es überhaupt dazu kommen konnte. Nun hat er aber den zweiten Teil der Prophezeiung nicht gehört, der ihm verraten hätte, dass es für ihn gefährlich wäre, euch schon frühzeitig aus dem Weg zu räumen. Dieser zweite Teil ist aber nun bereits durch deine Tat von heute Abend obsolet geworden, Harry, denn du hast Voldemort besiegt. Ich habe Voldemort bereits darauf hingewiesen, denn er glaubte fest an den simplen Wortlaut der Vorhersage, weil er nicht über Möglichkeiten, Wortlaute und Fallen nachdenkt. Er hörte den Wortlaut, dass ein Kind geboren würde, das ihn eines Tages besiegen würde. Er hat die Prophezeiung wörtlich genommen. Das ist der Grund, warum er nach deinem Leben trachtet, Harry."

"Aber er ist noch am Leben. Wir können ihn doch nicht am Leben lassen, Herr Professor, oder?"

"Nein. Für einmal bin ich derselben Meinung, nämlich dass dieses Leben beendet werden muss. Leider kann es erst beendet werden, wenn wir genau wissen, wie er es sich bewahrt hat."

"Glauben Sie, dass es etwas mit dem Kreischen zu tun hat, das ich jetzt schon zweimal gehört habe?"

"Ja, aber ich bin noch nicht sicher, wie. Es gibt ausserdem noch etwas Wichtiges, was du dazu wissen musst. Mit dem fehlgeschlagenen Todesfluch ist Voldemort unwissentlich eine Verbindung mit dir eingegangen. Deine häufigen Kopfschmerzen von deiner Fluchnarbe sind ein Beweis dafür. Ich denke, im Augenblick ist er zu schwach, um dich mental zu attackieren, aber er sendet dir Bilder, wie die Visionen, die du im Laufe des letzten Jahres mehrmals hattest. Bis jetzt hat er es vermutlich noch nicht realisiert, aber so wie ich Tom kenne, wird er diese Verbindung sofort auszunutzen versuchen, sobald er ihrer gewahr wird. Daher solltest du so rasch als möglich in Okklumentik unterrichtet werden, die Kunst, deine Gedanken und Gefühle vor solchen mentalen Attacken zu schützen. Ich glaube, dass Remus eine gute Kenntnis dieser Kunst hat. Er kann dir gewiss das Grundwissen dazu während deiner Ferien vermitteln. Sobald du danach wieder nach Hogwarts zurückkehrst, kann ich dich weiter unterrichten. Verstehst du die Notwendigkeit?"

"Ja, Sir. Könnten Hermione und Ron dieses Training ebenfalls mitmachen? Ich werde jemanden benötigen, dem ich alles anvertrauen kann und die beiden sind bestimmt mit mir zusammen vorne dran, sie könnten es auch nötig haben…" bat Harry.

"Wenn Remus bereit ist, sie in deinen Unterricht einzuschliessen, dann natürlich!"

"Ja, das tue ich gerne, Albus."

"Sehr gut. - Das war nur der Anfang. Für den nächsten Schritt brauche ich dich, Minerva. Du musst mich als Schulleiterin vertreten, bis wir diese leidige Sache endgültig aus der Welt geschafft haben. Das heisst, dass du in dieser Zeit nicht auch noch unterrichten kannst. Tust du mir den Gefallen? Ich werde im Schloss und für Fragen erreichbar sein, aber diese Nachforschungen werden mir kaum genügend Zeit lassen. Für den Rest der Welt habe ich einen Urlaub genommen, um etwas zu erforschen, das ich noch benennen werde, damit ihr eine Antwort geben könnt. Ich werde den Schulbeirat auch entsprechend informieren."

"Natürlich mache ich das, Albus, aber in diesem Fall brauchen wir nicht nur eine neue Lehrperson für Verteidigung, sondern auch für Transfiguration!"

"Ich glaube, wir haben hier das perfekte Team bereits stehen," antwortete der alte Schulleiter und deutete auf die beiden Rumtreiber.

"Das kann nicht dein Ernst sein, Albus! Ich nehme Remus mit grosser Bereitwilligkeit wieder zurück, aber Remus UND Sirius im Haus? Da können wir gleich dem Chaos Tür und Tor öffnen!" protestierte Minerva. "Tut mir leid, Sirius, ich weiss, dass ich dir meine Transfigurationsklassen getrost anvertrauen könnte, und ich mag dich ja auch wirklich, aber du bist eine Katastrophe auf zwei, und offenbar auch auf vier Beinen!"

Bill, Albus und Remus lachten. Albus wandte ein:

"Das wird höchst unterhaltsam für alle und die perfekte Ablenkung von meinem heimlichen Tun! Ich werde ausserdem alle eure Denkkreativität benötigen und so habe ich euch alle gleich verfügbar, wenn ich euch brauche."

"Ausserdem werde ich dir keinen wirklichen Kummer machen, wenn wir uns grade in einer so angespannten Lage befinden, Minerva. Was immer ich veranstalten werde, wird höchstens etwas peinlich für die Betroffenen," versprach Sirius. "Und ich verspreche hiermit feierlich, dass ich diese Peinlichkeiten gerecht auf alle in Hogwarts verteilen werde."

Hermione und Harry schauten sich an und grinsten beide breit. Sie klatschten die Hände zusammen und Harry freute sich:

"Das ist grossartig! Wir bekommen unseren liebsten Lehrer wieder und Sirius obendrein!"

"Das wird auf alle Fälle spassig," meinte Hermione, sehr zum Erstaunen von all jenen, die sehr genau wussten, wie streng sie es mit ihrer Bildung nahm.

"Wie eine wahre Gryffindor gesprochen, Miss Granger," antwortete Minerva mit einem Zwinkern.

"Finde ich auch! Du bist ein Mädel so richtig nach meinem Herzen, Hermione!" sagte Sirius und zog sie in eine feste Umarmung.

"Nun, das wäre dann so das Wichtigste für den Moment, ihr Kinder könnt in euer Haus zurückkehren, vielleicht könnten Remus oder Bill euch sicher dahin geleiten?" sagte Dumbledore.

"Ich gehe gerne," bot Remus an. "Gleich anschliessend. Kommst du mit, Sirius? Oder brauchst du ihn noch, Albus?"

"Nein, nicht mehr für den Moment. Wir bleiben in Kontakt, ja? Du gehst am besten gleich ins Ministerium und bringst deine Papiere in Ordnung, Sirius. Du hast noch eine Woche Zeit, bevor die Sommerferien beginnen."

"Das reicht mir auch, Albus. Dann verabschieden wir uns jetzt," antwortete Sirius.

Remus, Sirius und die beiden Schüler verliessen das Büro, auch Bill machte sich auf den Heimweg. Minerva blieb mit Albus alleine zurück.

Harry strahlte, als er neben seinem Paten herging. Auch dieser sah ziemlich glücklich aus.

"Muss ich dich jetzt mit Professor ansprechen, Sirius?" fragte Harry.

"Bloss nicht! Ich wäre entsetzt, wenn ihr das tätet, Harry. - Wirst du mir erzählen, was heute Abend wirklich vorgefallen ist?"

"Ja, natürlich werde ich das. Macht es dir was aus, wenn ich aber erst mal drüber schlafen möchte?"

"Nein, überhaupt nichts. Es muss ziemlich schwierig für dich gewesen sein."

"Es war gewiss nicht das Einfachste, was ich je gemacht habe, Sirius, nicht während wir in der Situation drin waren, aber das Resultat war auf alle Fälle das Beste, was man erhalten konnte!"

"Dem kann ich nur beistimmen," sagte Hermione.

"Da das Resultat mir die Freiheit wiedergeschenkt hat, kann ich mich eurer Meinung nur anschliessen, Pup."

(Anmerkung der Autorin/Übersetzerin: ich finde keinen passenden Ausdruck auf Deutsch, um die englischen Kosenamen 'Pup' und 'Cub' schön zu ersetzen, da sie aber auf einige kurze Passagen im Text relevant sind, habe ich die englischen Bezeichnungen belassen: pup = Welpe; cub = Wolfsjunges.)

Natürlich mussten sie unterwegs zum Gryffindor-Turm über Filch stolpern. Remus informierte ihn lässig, dass sie vom Büro des Schulleiters kamen und die Kinder in ihren Gemeinschaftsraum begleiteten. Filch konnte die Kinder daher zu seinem grossen Leidwesen nicht zur Strafe vor ihre Hauslehrerin zerren.

"Wartet nur ab, wie er reagieren wird, wenn er hört, dass Sirius wieder im Schloss sein wird. In der offiziellen Form eines Lehrers noch dazu! Er wird ausrasten!" sagte Remus sehr amüsiert.

Sirius sah ebenfalls zufrieden aus und grinste schon mal ziemlich gemein. Hermione gab ein gekünsteltes Stöhnen von sich und warnte:

"Lass bloss die Weasley-Zwillinge nicht wissen, wer du bist, Sirius… du wirst sie sonst nicht mehr los. Wir haben dir doch gesagt, wie sehr sie die Rumtreiber bewundern."

"Au contraire, meine Liebe! Ein paar so vortreffliche Verbündete zu haben wird von grossem Vorteil sein. Wir müssen doch Snape ein bisschen leiden lassen…"

"Und wir leiden anschliessend im Unterreicht…" stöhnte Hermione, diesmal echt.

"Keine Bange, Hermione, es wird nicht Snape sein, der deine OWLS korrigiert und benotet, und die's machen, kümmern sich wenig um ihn," beruhigte Remus sie.

"Wenigstens das! Gut zu wissen."

"Es gibt noch andere Dinge zu bedenken: niemand ausser ein paar von uns wissen von dem hässlichen Dingsda im Keller unten. Snape weiss es wohl auch, aber er wird nicht mehr zu seinem Meister laufen können. Und Minerva lässt ihm nur noch einen Bruchteil von dem durch, was Dumbledore ihm gestattet hat, wenn sie die Vollmacht der Schulleiterin hat. Beschwerden über sein Verhalten im Unterricht wird sie ohne weitere Umstände nach Abklärung an die Schulbehörde und den Schulbeirat weiterleiten. Ihr seid also in einer wesentlich besseren Position als bis anhin."

"Stimmt, du hast recht, Sirius. Ich hatte nicht mal an Professor McGonagalls Beförderung gedacht. Also, spiel ihm alle nur möglichen Streiche!"

Es war ein deutliches Zeichen, wie sehr Hermione sich seit ihrer Ankunft in Hogwarts verändert hatte. Aus einem kleinen Mädchen, das nie auch nur die kleinste Regel gebrochen hätte war eine junge Frau von Format geworden, der jedes Mittel recht war, um Dinge ins Lot zu bringen und die sich nicht scheute, deshalb auch schon mal grosszügig über bestehende Regeln hinwegzusehen.

Als sie das Porträt der Fetten Dame erreichten, ging Hermione voraus, um Harry Raum zu geben, sich von Sirius und Remus zu verabschieden.

"Also, Harry, da ich noch keine Ahnung vom Wo und Wann habe, wirst du ein bisschen Geduld haben müssen. Nur etwas ist ganz sicher, nämlich, dass ich bei deiner Rückkehr nach London in King's Cross am Bahnsteig stehen werde, um dich abzuholen. Bis ich weiss, wo wir wohnen werden, halse ich mich Remus auf. Ich versuche, dich während der Woche auf dem Laufenden zu halten, aber auch wenn du nichts von mir hörst oder liest, bin ich am Bahnsteig, wenn der Hogwarts Express einfährt. Du hast dann nichts weiter zu tun als deinen Verwandten die Zunge rauszustrecken und sie in die Wüste zu schicken."

"Ich werde dir also Hedwig auf den Pelz jagen, damit sie dich für Nachrichten löchert. Und die letzte Woche hier in der Schule werde ich überleben," sagte Harry grinsend.

"Sehr gut. Jetzt geh zu Hermione und schlaf gut! Bis nächste Woche!"

"Du auch, Sirius! Ihnen auch gute Nacht, Professor! Ich bin sehr glücklich, dass Sie wieder unterrichten werden!"

"Niemand hat mich auch nur gefragt, ob ich das auch will… ihr nehmt alle einfach an, dass ich es tue," bemerkte Remus.

"Sirius braucht Sie, damit Sie auf ihn aufpassen!" betonte Harry.

"Mehr als du denkst, Cub, mehr als du denkst…" murmelte Remus.

"Nun sagt mir aber mal, was es eigentlich mit den 'Pups' und 'Cubs' für eine Bewandtnis hat!" verlangte Harry.

Die beiden Männer sahen sich an und lachten.

"Das erzählen wir dir auch in einer Woche, wenn wir endlich Zeit zum ausgedehnten Reden haben, in Ordnung?" versprach Sirius.

"In Ordnung! Ich kann es kaum erwarten! Auf Wiedersehen!" rief Harry, gab der Fetten Dame das Passwort und ging hinein.

Sirius versuchte, sich bei der Fetten Dame für sein Verhalten im Jahr zuvor zu entschuldigen. Sie erlag schliesslich seiner Charme-Attacke und verzieh ihm. Worauf er ihr entzückt erzählte, dass er nach den Ferien für eine Weile wieder zurückkehren und als Lehrer unterrichten werde.

"Merlin sei uns gnädig," murmelte sie entsetzt, als sich die jungen Männer entfernten.

Remus lachte. Er verspürte eine Leichtigkeit im Innern wie seit vielen Jahren nicht mehr. Sein Herz jubilierte und er war bereit, es alle wissen zu lassen. Er hakte sich bei Sirius ein und schaute seinen Freund an. Auch Sirius' graue Augen enthielten viel mehr Wärme und Licht. Und Hoffnung!

"Nichts so gut wie das Biest in unserer Gewalt und unter unserer Kontrolle zu wissen, nicht wahr, Moony?"

"Sehr richtig. In dieser Form ist es auf alle Fälle gut, ihn zu haben. Ich möchte allerdings lieber nicht an Dumbledores Stelle sein, um das Ding auch noch zu unterhalten. Ich hoffe, er geht da nicht jedes Mal alleine hin."

"Wir werden in dieser Sache mit ihm in Kontakt bleiben müssen. Wenn er Kenntnis von wichtigen Dingen hat, und der einzige ist, der das weiss, dann können wir ihn nicht verlieren," erklärte Sirius.

"Das wäre eine wirklich gefährliche Situation. Es gibt offensichtlich etwas, das ihn davon abhält, das Monster schon jetzt zu eliminieren. Wir wissen aber, dass wir nicht darum herumkommen werden, es muss einfach sein."

"Das hat er ja sogar selber gesagt, Remus!"

Sirius sah in Remus' Augen und hörte plötzlich auf zu sprechen.

"Ich liebe deine Augen immer noch, Moony," sagte er leise.

Remus lächelte.

"Deine sehen auch wieder wirklich lebendig aus, Padfoot!"

"Nun, ich habe mein Leben ja auch wieder zurückerhalten," gab Sirius zurück.

"Stimmt, das hast du."

Remus fiel es kaum auf, dass er Sirius' Hand in die seine nahm und festhielt, wie sie es früher immer getan hatten. Er wusste nur, dass seine Gefühle für Sirius dieselben waren wie vierzehn Jahre zuvor. Die Art, wie Sirius seine Hand festhielt liess vermuten, dass es ihm ebenso ging.

"Immer noch am selben Ort, Moony?" fragte Sirius.

"Natürlich, Padfoot."

"Lass uns nach Hause gehen…"

Und nach Hause gingen sie. Kaum waren sie unter dem Torbogen durchgegangen, apparierte Sirius direkt ins Schlafzimmer, wie er es so oft getan hatte und Remus landete dicht neben ihm. Sirius zog ihn in seine Arme. Er schaute wieder in Remus' Augen und sagte:

"Ich liebe dich noch immer, weisst du."

Er war sich nicht sicher, ob seine Liebeserklärung willkommen war, aber Remus umarmte ihn fest und antwortete:

"Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben, Sirius. Ich hasste mich selber dafür, aber ich konnte es ja nicht einfach abstellen wie einen Lichtschalter. Was mich betrifft, so hat sich nichts geändert…"

"Na, das ist ja wunderbar. Gehen wir schlafen?"

"Gehen wir schlafen."

Zuerst deckten sie mal ihr wichtigstes Bedürfnis, Schlaf. Am Morgen stillten sie dann ihren anderen Hunger zuerst und machten Liebe. Und gleich danach begann Remus, sich um Sirius' schlimmste physischen Probleme zu kümmern, in erster Linie seine schrecklichen Zähne. Remus schaffte es, sie mit einigen Zaubern wieder in einen guten Zustand zu bringen. Daraufhin lächelte Sirius mit offenem Mund und Remus reagierte, indem er seine Hände über der Brust faltete und mit halb geschlossenen Augen seufzte. Das brachte Sirius prompt zum Lachen, aber ein deutliches Knurren aus der Gegend seines Magens führte direkt zum nächsten Bedürfnis.

"Frühstück? Hast du was Essbares da?"

"Natürlich. Aber wir müssen demnächst zum Einkaufen gehen, denn ich kenne deinen Appetit. Der ist sicher nicht kleiner geworden seit du beinahe verhungert bist…"

"Ich muss auch wieder was auf meine Knochen kriegen, Liebster…" bemerkte Sirius.

"Da stimme ich dir vollkommen zu. Ich mag keinen so knochigen Hintern, wie du ihn jetzt hast. Heisst das - streich das Gesagte, ich mag es nicht, DICH so knochig zu sehen."

"Es reicht schon, wenn einer von uns knochig ist…" bestätigte Sirius.

Nach einem reichhaltigen Frühstück zogen sie sich an. Sirius fand eine seiner alten Roben, die ihm zwar noch ziemlich lose um sein Klappergestell hing, aber er sah darin schon eine Menge besser aus als in den Kleidern, mit denen er vorher dahergekommen war.

"Ah! Wieder meine eigenen Kleider anziehen zu können…" seufzte er glücklich.

"Siehst gleich wieder wie ein völlig anderer Mensch aus, Liebster," gab Remus zufrieden zurück.

"Wirklich? Ausgezeichnet! Alles, nur nicht mehr diese Vogelscheuche aus der Zeit in Azkaban, denn ich habe mich wirklich selber verabscheut!"

"Das glaube ich dir sofort. Was jetzt? Ministerium?"

"Oh ja. Und dann die Diagon Alley."

"Okay. Während wir da sind, können wir auch gleich den Essenseinkauf erledigen."

Sie erreichten das Ministerium einige Minuten später. Remus liess seinen Zauberstab registrieren. Sirius stand daneben und hielt die leeren Hände hoch zum Zeigen, dass er keinen hatte. Während der Empfangszauberer fast erbleichte und sichtbar zitterte, gingen die beiden Männer kopfschüttelnd weiter und überfielen den Minister. Sie fanden ihn erstaunlich zugänglich und schon fast übermässig grosszügig mit der 'angemessenen' Entschädigung. Sie fanden jedenfalls rasch zu einer einvernehmlichen Lösung.

"Wie es scheint, geniessen Sie Dumbledores Vertrauen, Black?" fragte Fudge.

"Ich denke ja."

"Wissen Sie, was ihn dazu zwingt, dieses schwächliche Ding am Leben zu erhalten?"

"Nein, leider nicht. Jedenfalls noch nicht. Vermutlich bedeutet es, dass wir das Ding noch nicht töten *können*, aus irgendwelchen technischen Gründen. Ich gehe davon aus, dass er dann wieder zurückkehren würde, nur haben wir ihn jetzt in dieser Form unter unserer Kontrolle. Besser als wenn er sich irgendwo erneut einen neuen Körper anschafft, und wir nicht wissen, wo und wann. Dumbledore hat ein paar Ideen, die er verfolgen will. Sie sollten wissen, dass er ein ausgezeichneter Forscher ist, ich nehme an, dass er nicht sehr lange brauchen wird, um etwas zu finden. Ganz bestimmt brauchen Sie der Öffentlichkeit nicht mitzuteilen, dass Harry und Cedric noch etwas anderes als Pettigrew mitgebracht haben. Keiner hat's bemerkt und die's wissen, sind ein kleiner Kreis. Ich würde es schlicht verschweigen. Wir finden einen Weg, um es aus dem Weg zu räumen. Bis dahin müssen wir es leider am Leben erhalten," riet Sirius.

"Ich stimme Sirius bei. Es wird schwer sein, aber wir müssen jetzt Dumbledore vertrauen, dass er das Richtige findet. Wenn man es bekannt machte, gäbe es nur Panik!" meinte auch Remus.

Fudge seufzte.

"Ich weiss ja, dass Sie recht haben. Ich glaube auch wirklich nicht, dass Dumbledore uns in den Rücken fallen wird. Ich gebe zu, dass ich einen Moment lang… aber als ich dieses Ding sah, war mir klar, dass er es ist…"

"Er will erst rausfinden, was es braucht, damit wir das Ding beseitigen können. Wir tun, was immer es dafür benötigt. Und dann wird er still und leise getötet," sagte Remus.

"Nicht, ohne dass ich das sehe!" warf Fudge ein.

"Wir werden Albus mitteilen, dass Sie bei der Hinrichtung dabei sein wollen. Ich glaube nicht, dass er da etwas dagegen haben wird," räumte Remus sofort ein.

"Ich gebe zu, dass es mich entsetzlich ängstlich macht, dass eine wie auch immer geartete lebende Form von Du-Weisst-Schon-Wem in dieser Welt ist. Wenn Dumbledore aber etwas hat, was ihm erlaubt, ihn aus der Welt zu schaffen, dann will ich es mit eigenen Augen sehen. Das schulde ich den Menschen, die ich als Minister vertrete."

"Es ängstigt uns genauso, Minister! Wir wissen aber, wenn es etwas gibt, das Voldemort fürchtet, dann ist das Dumbledore. Ich traue es dem alten Mann zu, dass er das fehlende Wissen findet, so wie er sprach, hat er auch schon einige gut fundierte Vorstellungen darüber, und zu wissen, wo man anfangen muss, führt meistens zu den richtigen Lösungen," sagte Remus beruhigend.

"Mr. Fudge, ich empfehle Ihnen dringend, nichts über den Klumpen auch nur zu flüstern. Zu niemandem, nicht mal zu Ihrer Frau. Niemand muss ihn jetzt wirklich fürchten, er hat keinen Zauberstab, ist konstant eingefroren in einem Raum, aus dem er nicht flüchten und in dem er seine Magie nicht benutzen kann. Wenn es schon Sie dermassen ängstigt, was glauben Sie, was dann erst im Volk da draussen los sein wird? Die allermeisten Leute glauben eh, dass er tot ist, es hat wirklich keinen Sinn, dass man ihnen diesen Glauben nimmt," mahnte Sirius.

"Oh, glauben Sie mir, dass mir jede Ausrede recht ist, die mir erlaubt, das zu verschweigen. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, was dieses Skeeter Weib daraus alles konstruieren könnte! Davon abgesehen, würde ich schneller aus diesem Amt fliegen als ich du weisst schon was sagen könnte!"

"Sehr richtig. Und noch viel wichtiger als es der Öffentlichkeit zu verschweigen ist Stillschweigen gegenüber Lucius Malfoy und all denjenigen, die es damals geschafft haben, Azkaban zu entgehen. Glauben Sie mir, ich war lange genug da drinnen um zu wissen, dass von denen nicht ein einziger war, den man wirklich durch einen Imperius zum Beitritt in den Verein gezwungen hat. Da waren genügend Todesser da drin, die dem alten Lucy gerne an die Gurgel gegangen wären, weil er es geschafft hatte."

"Aber… aber er hat doch immer so viel gespendet und unser System voll unterstützt… und er wurde vom Gericht ja auch freigesprochen…"

"Bestechung… er hat Sie benutzt!"

Fudge erbleichte und sank wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl zusammen.

"Gut. Ich werde schweigen. Wahrscheinlich haben Sie recht, dass es nicht sehr schlau wäre, wenn er wirklich…"

"Minister, schnappen Sie sich einfach mal seinen linken Arm und schieben Sie den Ärmel hoch. Sie werden dort ein Dunkles Mal eintätowiert sehen. Wer ein solches Dunkles Mal hat, der hat sich freiwillig diesem schrecklichen Verein angeschlossen. Lassen sie alle im Ministerium ihre linken Ärmel hochkrempeln, aber schauen sie unter Verschleierungszauber, die sie allenfalls drüber gelegt haben und Sie werden staunen, wie viele davon noch frei herumlaufen. Sie sollten wissen, dass dieses Mal ausschliesslich von Voldemort persönlich eingebrannt werden konnte, und diejenigen, die es tragen, haben es sich freiwillig anbringen lassen. Malfoy hat viele Leute ermordet, und beileibe nicht nur Muggel. Was immer er auch bei einem richtigen Verfahren von sich geben würde, könnte niemals so schlimm sein wie ihn ungeschoren davonkommen zu lassen. Es würde Sie ausserdem immer noch besser aussehen lassen, wenn die Leute einen Eindruck bekämen, dass Sie ein proaktiver Minister sind, der sich nicht ewig an der Nase herumführen lässt. Ich wäre gern dabei, wenn Sie Lucy am Ende mitteilen, dass wir dieses Ungeziefer endgültig ausgelöscht haben. Ich garantiere ihnen, er wird ein sehr, sehr saures Gesicht machen."

Danach erhielt Sirius alle seine Sachen wieder zurück, die er bei seiner Verhaftung auf sich getragen hatte, darunter aus seinen vollkommen intakten Zauberstab. Er nahm ihn entzückt wieder in Empfang. Ein ganzer Schauer voller roter und goldener Funken begrüsste die Wiederbegegnung des Zauberstabs mit seinem Zauberer nach so vielen Jahren des Nichtgebrauchs. Ausserdem war seine Geldbörse in den Sachen, die auch seinen Gringotts-Schlüssel enthielt. Die beiden jungen Männer verliessen das Ministeriumsgebäude, nachdem sich Sirius als Animagus registriert hatte.

Als sie vorsichtig die Diagon Alley betraten, wurden sie von einer Unmenge von Menschen angesprochen. Ein kleiner Teil von ihnen hatte die Nachricht seiner Freilassung noch nicht gehört und versuchte, Sirius zu schocken, aber da ging gerade ein Ausrufer seiner Tätigkeit nach und verbreitete die Neuigkeit noch einmal. Nicht wenige Menschen folgten Fudges Aufforderung, sich für alle zu entschuldigen und bei vielen von ihnen hatte Sirius das Gefühl, dass die Bitte um Verzeihung aus dem Herzen kam, vor allen bei denen, die ihn von früher her persönlich kannten. Je weiter sie kamen, desto offener wurde Sirius' Gesicht und desto glücklicher erschien er. Schliesslich erreichten sie die Bank und machten einen Besuch in Sirius' Verlies. Sie sprachen mit dem Kobold, der für die Verwaltung des Familienvermögens der Blacks war, welches Sirius jetzt erbte. Ein Besuch in dem Verlies später überzeugte Sirius davon, dass er bei jedem Makler vorbeigehen und sich irgendein Haus aussuchen konnte, egal wie gross es auch war.

"Wir könnten doch das Haus deiner Familie hier in London benutzen?" wagte Remus zu fragen.

"Auf gar keinen Fall! Nicht, bevor es nicht von oben bis unten renoviert ist! Glaub mir, du willst mit Sicherheit keinen Fuss da hinein setzen, bevor das gemacht ist. Und du im Speziellen schon gar nicht, denn jeder zweite Gegenstand da drin ist aus purem Silber. Nein, mir ist eher nach etwas hübschem weit draussen auf dem Land, mit einem schönen Garten rund herum. So eine kleine Villa oder ein Landhaus, die genügend Platz bietet, dass wir auch Freunde über ein Wochenende oder so einladen können."

"Na ja, da du dafür zu zahlen gedenkst, wer bin ich, dass ich mich dagegen sperre?" fragte Remus grinsend.

"Sehr guter Junge, Moony! Dann können wir Grimmauld Place immer noch renovieren lassen, vielleicht bekommen wir's ja soweit zurechtgemacht, dass es eine coole Stadtresidenz für uns werden kann. Aber wir können auch nochmal zu Gringotts gehen, da müssen die Details zu mehreren anderen Häusern in den Verliesen zu finden sein. Zuerst möchte ich aber neue Klamotten!"

Einige Zeit und einige neue Kleider für beide später kamen sie aus dem kleinen Laden der guten Madam Malkins, schon elegant in neue Roben gekleidet. Sirius fand, dass sein Remus gleich zehn Jahre jünger aussah und verliebte sich aufs Neue in ihn.

Ein weiterer Besuch bei Gringotts förderte unter anderem die Angaben zu einem Haus zutage, das Sirius Jahre zuvor zusammen mit einer guten Stange Gold von seinem Onkel Alphard geerbt hatte. Damals war er viel zu jung, um mit einem solchen Haus etwas anfangen zu können. Doch jetzt erschien es ihm einfach perfekt. Er strahlte Remus an.

"Schau hier, Remus, ich hab eins gefunden! Erinnerst du dich an das Haus, das mein Onkel Alphard auf Jersey hatte bauen lassen? Hier sind die Unterlagen dazu. Ich will nachsehen, ob es bewohnbar ist. Ansonsten werden wir's aufmöbeln lassen!"

Sie mussten das ganze Dossier durchstöbern, bis sie auf einen kleinen Zettel stiessen, dessen Text in der Handschrift seines Onkels lautete:

"Seaside Manor befindet sich an der La Grande Route des Sablons Nummer 149 in St. Helier, auf der Insel Jersey."

Da das Haus verborgen war, apparierten sie zunächst an den angegebenen Punkt auf der Insel. Die nächsten Häuser standen alle mehrere hundert Meter weit entfernt, aber in der Nähe war eine Busstation. Sobald sie genauer hinsahen, begann die Luft zu schimmern und vor sich fanden sie das Haus, das strahlend weiss und ziemlich gross vor ihnen stand. Der Vorgarten wurde durch eine niedrige Mauer mit Zaun darauf und einem grossen metallenen Torbogen begrenzt und hatte einen hübschen Kiesweg, über den sie nach einem fünfminütigen Kurzmarsch die Treppe zum Eingang erreichten.

"Es sieht super aus, Siri," hauchte Remus.

"Du kannst dich sicher noch erinnern, dass Onkel Alphard immer einen guten Geschmack hatte. Ich war hier noch nie zuvor. Es gefällt mir auch gut."

Das Haus selber war 1933 gebaut worden. Es war eine lichte Sommervilla, direkt an der Klippe über der Küste. Es hatte etliche Terrassen auf der Seeseite. Remus und Sirius warfen vorsichtige Blicke um sich und schlüpften durch das Tor. Während sie über den Kiesweg gingen, bemerkten sie rasch, dass der gesamte Vorgarten gepflegt war.

"Denkst du, dass es hier noch einen Hauselfen gibt?" fragte Remus.

"Keine Ahnung, Remus. Ich weiss, dass er in London einen hatte, aber er hat ihn Andy zusammen mit dem Stadthaus vermacht, was mir richtig erschien, sie hatte ja damals ihre junge Familie."

"Ich dachte nur - weil hier alles so gepflegt aussieht."

"Stimmt. Vielleicht hat Andy ihn zum Saubermachen hergeschickt?"

"Ja, das wäre natürlich möglich."

Sie gingen zum Eingang, der sich mit einem simplen Alohomora-Zauber öffnen liess. Drinnen waren alle Fensterläden geschlossen, aber ein Schwung mit Sirius' Zauberstab öffnete sie alle auf einmal. Licht flutete in das grosse Wohnzimmer. Sie sahen sich um und wanderten durch das Haus. Sie fanden es in perfektem Zustand, aber eines war sicher: hier war kein Hauself! Alle Möbel waren sauber mit Staubüberzügen aus weissem Leinen bedeckt.

"Muss ein Hauself dagewesen sein, zumindest von Zeit zu Zeit. Onkel Alphard starb vor beinahe zwanzig Jahren! - Warte mal, mir kommt da eine Idee, Remus. Harry hat mir doch von einem Hauselfen geschrieben, dem er zur Freiheit verholfen hat. Vom guten alten Lucius noch dazu…"

"Das hab ich nicht mitgekriegt. Klingt aber sehr nach Harry. Und worauf willst du hinaus?"

"Ich versuche grade krampfhaft, mich an seinen Namen zu erinnern."

Sirius zerbrach sich den Kopf und stöhnte:

"Verflixt, wie war der schon wieder? Ein ganz einfacher Name, soviel erinnere ich mich noch… Topply? Dorry? Nein, das war's nicht. Wenn ich jetzt bloss den Brief… ach doch, jetzt kommt's mir wieder: Dobby!"

Es gab einen kleinen Knall und ein kleiner Hauself stand hinter ihnen.

"Wer hat Dobby gerufen?"

Remus und Sirius fuhren herum und staunten.

"Du bist Dobby? Ich bin Sirius Black, Harry Potters Taufpate. Du kennst doch Harry Potter, nicht wahr?"

"Natürlich, Harry Potters Taufpate! Ich habe von Ihnen gehört. Was kann Dobby für die Herren tun?"

"Dobby, ist es wahr, dass du nirgends hingehörst?"

"Oh nein, Sir, Dobby tut es aufrichtig leid, aber ich arbeite seit einiger Zeit in Hogwarts. Professor Dumbledore war so freundlich, Dobby und Winky einzustellen."

"Oh, dann spreche ich doch einfach mit Professor Dumbledore. Ich dachte, ich könnte dich anstellen, um das Haus zu pflegen, in dem Harry Potter wohnen wird," sagte Sirius schlau.

"Oh, oh, oh, Sir! Für Harry Potter arbeiten? Dobby würde sich sogar wieder versklaven, nur um Harry Potter zu dienen!"

"Nein, Dobby, dafür brauchst du nicht mehr zum Sklaven zu werden. Ich werde mit dem Professor sprechen, er stellt dich bestimmt frei, damit du in Zukunft für Harry sorgen kannst. Dies hier wäre das Haus, das du ab sofort zu versorgen hättest. Da Remus und ich nach den Ferien selber nach Hogwarts gehen werden, wirst du auch wieder da bei deinen Freunden sein können."

Dobby schaute sich um und begann zu strahlen.

"Hier ist es sehr hübsch. Dobby würde liebend gerne für die Herren und Harry Potter arbeiten. Dies hier ist so viel besser als dieses erbarmungswürdige Haus, in dem Harry Potter vorher lebte."

"Fein! Dann kannst du jetzt nach Hogwarts zurückkehren. Wir werden dich rufen."

"Kann Dobby dies hier zuerst aufräumen und reinigen? Es sieht ordentlich aus, benötigt aber ein bisschen Pflege."

"Mach, was immer du möchtest, Dobby," antwortete Sirius amüsiert.

Dobby sauste los wie eine Rakete. Sirius und Remus gingen lachend die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo sie vier sehr grosse Schlafzimmer fanden, alle mit Zugang auf einen langen Balkon. Es gab zwei Badezimmer. In der zweiten Etage fanden sie noch weitere zwei Schlafzimmer und ein Badezimmer.

Auch die Küche war in Ordnung. Sie notierten sich nur, dass sie einige zusätzliche moderne Geräte hineinstellen wollten.

"Es gibt sogar einen Keller, aber mit dem Wolfsbanntrank bist du nicht mal mehr darauf angewiesen. Ein angemessen abgeschlossenes Zimmer wird für deine Transformation vollkommen ausreichen, Liebster."

Remus wollte gewohnheitsmässig protestieren, resignierte aber gleich wieder, weil er schon ahnte, dass er von seinem Liebsten überredet werden würde. Er seufzte und schaute sich noch einmal um. Gemeinsam begannen sie, die Schutzdecken von den Möbeln zu ziehen, nur um dann gleich von Dobby gescholten zu werden, als er vorbeikam. Unter den weissen Stoffen kam ein Interieur zutage, das Remus entzückte. Eine Einrichtung aus den Dreissigern, komplett erhalten und in bestem Zustand! An den fenstern strahlend weise Vorhänge, Art Déco-Möbel, und das Haus selber hatte den Zauber der Fin de Siècle Architektur. Remus war im Interieur-Paradies.

"Ich hoffe, Harry wird dies hier genauso gefallen wie uns, Siri! Dieses Haus ist pures Art Nouveau und die ganzen Art Déco-Möbel… einfach traumhaft!"

"Ich bin ziemlich sicher, dass Harry egal ist, aus welcher Epoche die Möbel stammen und wann das Haus gebaut wurde, solange keine Dursleys drin sind," gab Sirius trocken und brutal zurück.

Remus gab grinsend zu, dass das wahrscheinlich der Fall war.

"Leider ist das wohl nur allzu wahr."

In der Zwischenzeit bekamen Harry und Cedric viel Publicity zu spüren. Harry schob Cedric immer vor und war froh, wenn der die Aufmerksamkeit auf sich zog, aber Cedric zog ihn genauso oft wieder hervor und erklärte, dass er den Abend ohne Harry nie überlebt hätte.

"Mag sein, aber du warst grosse Klasse in dem Friedhof, Cedric. Und du hast wirklich mitgeholfen, Pettigrew zu schocken."

Das Ministerium hatte die Statements so abgefasst, dass Pettigrews Attacke auf Harry ein Versuch war, sich bei den anderen, noch 'freilebenden' Todessern wieder vorzustellen und einzuschleimen. Dabei wurde natürlich auch verschwiegen, dass Amelia Bones gerade den Auftrag erhalten hatte, die ganzen Todesserprozessakten neu zu studieren. Es gab sogar einen Aufhänger dafür: Pettigrews Aussagen konnten als neues Belastungsmaterial dienen. Niemand ging, um den Ort, an den Cedric und Harry verschleppt wurde, genauer zu untersuchen, er wurde auch nicht genau erwähnt. Sonst hätte die Möglichkeit bestanden, dass jemand doch noch zwei und zwei zusammengezählt hätte und eine Relation zwischen den Gräbern der Riddle-Familie und Voldemort hergestellt hätte. Auf Dumbledores Rat hin hatten Auroren sämtliche Gräber dieser Familie inzwischen von ihren menschlichen Überresten vollständig befreit. Dieser Rückweg wäre Riddle nun also verwehrt, da er keine väterlichen Gebeine mehr finden konnte.

Harry konnte das Ende des Schuljahres kaum erwarten. Der einzige wirkliche Vorteil, den er aus der Teilnahme am Trimagischen Turnier gezogen hatte, war, dass er nicht an die Examen musste. Er platzte fast vor Neugier darüber, was sein Taufpate und sein vormaliger Lehrer wohl gerade alles unternahmen. Hedwig hatte ihm eine kurze Notiz von Remus überbracht, in der stand, dass sie ein schönes Heim gefunden hatten und er sich auf alle Fälle nicht vor der Obdachlosigkeit fürchten musste. Sirius und er würden auf dem Bahnsteig auf ihn warten. Der Fünfzehnjährige war noch jung genug, dass ihm das Herz bei dem Gedanken aufging, dass er nun zum ersten Mal ein richtiges Zuhause haben würde, seit seine Eltern ermordet worden waren.

Hermione freute sich natürlich aufrichtig für ihn. Wie immer führte sie auch dieses Mal wieder die Rangliste ihres Jahrgangs an. Hedwig war nur allzu gern bereit, ihren aufgeregten Brief mit dieser Mitteilung zu ihren Eltern zu tragen. Es erschien Hermione, als ob Hedwig sie genauso wie Harry als ihre Mitbesitzerin betrachtete, denn sie erschien normalerweise immer dann, wenn Hermione daran dachte, dass sie einen Brief in die Eulerei tragen sollte. Hermione zeigte sich immer sehr dankbar für Hedwigs Mitarbeit und behandelte sie mit grosser Sorgfalt und Liebe. Als sie Harry gegenüber eine Bemerkung machte, lachte er nur und meinte:

"Ja, für mich hat sie ja nicht sehr viel zu tun, daher ist sie bestimmt glücklich, dass du sie wenigstens ab und zu beanspruchst. Sie ist ja schliesslich eine ausgezeichnete Posteule."

"Aber du pflegst sie auch sehr gut, Harry."

"Danke. Das hat sie auch verdient. Wenn ich in der Hölle namens Ligusterweg 4 stecke, dann ist sie die Einzige, die mich dort unterstützt."

Als Harry nach dem Abendessen gedankenverloren das Porträt der Fetten Dame erreichte, stolperte er beinahe über Hermione. Wie es schien, war sie genauso gedankenverloren und stiess fast auf ihn.

"Oh, entschuldige, Harry…" sagte sie und wurde ein bisschen rot.

"Macht doch nichts…" gab er zurück und nahm ihr Erröten kurz zur Kenntnis.

Beim Betreten des Gemeinschaftsraumes kamen beide über ihren kurzen Moment der Betretenheit und plauderten wie immer.

"Hast du nochmal was von Sirius gehört?" fragte Hermione.

"Nein, aber ich erwarte es auch nicht. Ich weiss, dass er in King's Cross sein wird, wenn wir ankommen, das reicht mir!"

"Meinst du, dass er Professor McGonagall unterrichtet hat? Sonst schickt sie nämlich ihren üblichen Brief an die Adresse deiner Tante."

"Keine Ahnung. Aber ich kann sie morgen nach der letzten Transfigurationsstunde ja mal fragen."

Das tat er auch am nächsten Morgen. Zu seiner Überraschung grinste sie aber ziemlich verdächtig und erklärte:

"Das hat er getan, aber da hatte ich den Brief natürlich schon abgeschickt. Ich habe mir nicht die Mühe genommen, sie von der Änderung zu unterrichten… eine ziemlich vergnügte kleine Tigerkatze wird mit Genuss zusehen, wie Ihr Taufpate Ihre üblen Verwandten auseinandernimmt, Harry! Das wollte ich selber nämlich schon seit einiger Zeit gerne tun!"

Harry war geschockt. Seine perfekte, korrekte Hauslehrerin, die Frau, von der er sich sicher war, dass er ihr nie in die Quere kommen wollte, die distanzierteste aller Lehrer in Hogwarts, die Frau, der kaum ein Schüler je näher kam als distanzierte Höflichkeit, diese Frau sagte ihm nun durch die Blume, dass sie sehr wohl wusste, wie er behandelt worden war und dass sie selber gerne mehr unternommen hätte, um seine Verwandten in die Schranken zu weisen. Das war so gut wie eine Erklärung, dass sie ihn sehr gern hatte.

"Professor…" stotterte er.

"Unerwartet, nicht wahr? Sie müssen aber wissen, Potter, dass Ihre Mutter eine sehr enge Freundin von mir geworden war und ich den grössten Respekt vor Ihrem Vater hatte. Er war einer meiner besten Transfigurationsschüler. Ich war komplett dagegen, dass Sie zu diesen Ihren Verwandten in Pflege gegeben wurden, aber Dumbledore hat mich umgestimmt. Ich hatte auch keine rechtlichen Ansprüche, die ich geltend machen konnte, aber ich hätte Sie gleich zu mir nehmen sollen. Jetzt werden Sie aber doch endlich zu Menschen kommen, die sehr sorgsam mit Ihnen umgehen und Sie über alles gernhaben werden."

"Danke, Professor McGonagall…" brachte Harry nur noch heraus.

Als er sich entfernte, hätte er schwören können, dass sie zu sich selber sagte:

"Ich kann es kaum erwarten, sie zu Kleinholz zerhackt zu sehen…"

Dabei zwinkerte sie ihm zu.

Harry selber hätte es lieber gehabt, wenn es nicht zu einer üblen Szene mitten im grossen Bahnhofsgebäude käme. Die Muggel konnten natürlich nicht direkt auf den Bahnsteig 9 3/4, ausser wenn ein Zauberer ihnen geholfen hätte, daher würden Sirius und Remus sie mitten unter den anderen Muggeln bedrohen müssen und das schloss zumindest den Gebrauch von Magie aus.

Er wartete daher mit einem wenig guten Gefühl auf das Kommende. Aber er fand heraus, dass Hermione und Ron ebenso ungeduldig auf den Moment warteten wie eine gewisse Tigerkatze. Sie konnten sich schon vorstellen, was passieren würde, wenn Sirius auf Harrys ekelhafte Familie traf.

"Wenn selbst Professor McGonagall sie am liebsten in den Boden stampfte, dann muss es schon wirklich schlimm sein," sagte Hermione, und fügte hinzu: "Ich hoffe, sie kriegen ihr Fett so richtig deutlich weg!"

Ron lachte und klopfte sie auf die Schulter.

"Das ist die Hermione, die wir kennen und lieben… erinnert mich an den Tag, an dem du Malfoy eine runtergehauen hast!"

"Sie sind einfach schreckliche Leute, oder etwa nicht?"

Doch als sie ankamen, mussten sie erst einmal aus dem Zug kommen und sich um ihr Gepäck kümmern. Dann erst konnten sie sich nach ihren Lieben Ausschau halten. Hermione verwandelte ihr Gepäck so, dass es aussah wie gewöhnliche Koffer und Taschen der Muggel. Sie blieb bei Harry, während er Remus und Sirius in der Menschenmenge am Bahnsteig erspähte. Das Strahlen in Harrys Gesicht, als er sich den beiden näherte, erfreute Hermione zutiefst und rührte sie. Nur zu gut erinnerte sie sich daran, wie in den drei vorangegangenen Jahren jegliches Licht und jegliche Freude aus seinem Gesicht verschwand, sobald sie den Zug in London verlassen hatten.

Sirius hiess Harry mit einer herzlichen und festen Umarmung willkommen. Während Sirius danach auch Hermione mit einer Umarmung begrüsste, wandte sich Harry an Remus.

"Hallo, Professor Lupin," grüsste er höflich.

"Hallo, Harry! Bitte, ich bin nicht mehr dein Lehrer, ich möchte lieber, dass du mich mit Remus, oder auch Moony, ansprichst. Und sag um Merlins Willen du zu mir, okay?"

"Okay, das mache ich!"

"Das gilt auch für dich, Hermione, ja?" sagte er, als er ihre Hand kurz danach schüttelte.

"Danke, Remus. Kann ich also mit Harry per Eule Kontakt halten, während er bei euch ist?" fragte sie sicherheitshalber.

"Natürlich! Du kannst auch gerne zu uns nach Jersey zu Besuch kommen, Hermione, und auch mal deine Eltern mitbringen, wenn du möchtest."

"Oh, ihr habt etwas in Jersey gefunden? Das ist sicher sehr hübsch. Wenn es Harry recht ist, komme ich sehr gerne."

"Natürlich musst du kommen, Hermione! Ich vermisse dich in den Ferien immer schrecklich!" insistierte Harry.

Die Weasleys kamen näher. Harry drehte sich zu Mrs Weasley, die ihn mit ihrer Umarmung fast erdrückte.

"Harry! Ich habe soeben vernommen, dass du nicht mehr zu diesen entsetzlichen Muggeln zurückkehren musst! Ich bin ja so erleichtert!"

"Nein, das muss ich nicht mehr. Ich bin sicher, dass Sirius mir erlauben wird, auch in den Fuchsbau zu Besuch zu kommen."

"Natürlich kannst du das, Pup. Wir sind im Floo-Netzwerk, Mrs Weasley, die Floo-Adresse ist Seaside Manor. Das Passwort zum Durchreisen geben wir Ihnen, wenn Sie zum ersten Mal anrufen."

"Das klingt sehr hübsch, Mr. Black. Sie schauen doch gut zu ihm, nicht wahr? Er wurde in der Vergangenheit so schlecht behandelt! Mir wäre es lieber, er käme gleich für die ganzen Ferien in den Fuchsbau…"

Alle beide, Harry und Sirius, und sogar Remus hinter ihnen, schüttelten heftig die Köpfe.

"Tut mir leid, Mrs Weasley, aber ich will jetzt wirklich bei meinem Taufpaten sein. Er wurde ohne eigene Schuld von mir ferngehalten, und ich möchte ihn jetzt endlich richtig kennenlernen," sagte Harry bestimmt. "Ich freue mich auch darauf, endlich ein wirkliches Zuhause zu bekommen. So gern ich bei Ihnen im Fuchsbau auch bin, ich bin dort letztendlich immer ein Gast, ich möchte jetzt endlich einmal sagen können, dass ich nach Hause gehe."

Das erstickte jeglichen Protest der Weasley-Matriarchin, die darauf für einmal nichts zu antworten wusste.

Während sie durch die Barriere tröpfelten, sah Mrs Weasley, wie Minerva McGonagall durch die Absperrung schlüpfte und sich dabei fliessend in ihre Katze verwandelte, die alsbald durch die Menschen wuselte. Die Gruppe traf sich auf der anderen Seite erneut, um sich zu verabschieden, aber Molly fragte in die Runde:

"Hat jemand von euch auch gesehen, wie Minerva McGonagall soeben durch die Abschrankung geschlüpft ist? Ich habe sie grade noch sich verwandeln gesehen."

Während das niemand bestätigen konnte, unterdrückten Harry, Hermione und Ron ein Grinsen, das nicht unbeobachtet blieb. Sirius sah sie an und fragte:

"Wisst ihr was darüber?"

"Lass uns nur weitergehen, Sirius," wich Harry aus.

Einige Meter weiter trafen sie auf Hermiones Eltern George und Helen Granger, die ja, weil sie Muggel waren, nicht ohne magische Helfer durch die Absperrung gelangen konnten.

"Mum! Dad!" rief Hermione und rannte los.

Sobald sie beide herzlich umarmt hatte, wandte sie sich um und zog sie mit sich, um sie Sirius und Remus vorzustellen.

"Mum, Dad, ich möchte euch meinen früheren und zukünftigen Lehrer Remus Lupin vorstellen und Sirius Black, der nächstes Jahr auch in Hogwarts unterrichten wird. Sirius ist Harrys Taufpate, ihr wisst schon, ich hab euch ja alles geschrieben. Harry muss jetzt nicht mehr zu seinen grässlichen Verwandten zurückkehren, weil Sirius vor kurzem endlich freigesprochen worden ist."

"Ich freue mich, Sie kennenzulernen, meine Herren," sagte George Granger. "Unsere Kleine hat uns tatsächlich schon viel von Ihnen beiden erzählt."

"Wir haben auch schon viel von Ihnen gehört. Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mrs Granger, Mr. Granger."

Sirius, Remus und Harry schüttelten die Hände der Grangers.

"Da bist du ja, du undankbare Göre! Verschwende nicht unsere Zeit und komm schon!" sagte plötzlich eine barsche Stimme hinter ihnen und riss Harry gewaltsam am Arm.

Sirius fuhr herum und bekam gerade noch zu sehen, wie Vernon Dursley Harry von der Gruppe wegzuzerren begann.

"EINEN MOMENT, VERNON DURSLEY!" brüllte Sirius.

Dursley fuhr herum und liess Harry für einen Moment überrascht los. Harry nahm die Gelegenheit wahr und sprang sofort weg von seinem Onkel. Sirius näherte sich dem dicken kleinen Mann und schaute ihn von sehr weit oben her an. Dann zog ihn an seiner Krawatte heran, drehte diese um und zog sie etwas empor, und sagte in sehr bedrohlichem Ton und in seiner tiefsten Stimme leise:

"Sie sind nicht länger für meinen Patensohn verantwortlich, Dursley. Mein Name ist endlich reingewaschen worden und ich kann mich endlich selber um ihn kümmern. Er hat sie schon viel zu lange ertragen müssen."

"Was fällt Ihnen ein? Sie können nicht einfach daherkommen und meinen widerlichen Neffen abholen. Der alte Knacker, der ihn bei uns abgeladen hat…"

"…ist nun nicht länger zuständig, was die Unterbringung des Jungen angeht, und war es auch nie. Er hatte nie das legale Recht, ihn zu Ihnen zu bringen. ICH bin nämlich sein rechtmässiger Vormund, und ich werde ihm strikte verbieten, jemals wieder irgendwas mit Ihnen zu tun zu haben, Sie Missgeburt."

Harry lief es eiskalt über den Rücken. Er starrte Sirius an, den er so beinahe nicht mehr wiedererkannte. Erst jetzt fiel ihm auf, wie Sirius aussah, wenn er in erstklassige Kleider gehüllt war. Ein bisschen Gewicht hatte er nun auch schon wieder angesetzt, aber auch so war seine zwei Meter grosse Gestalt, die sich über dem kleinen dicken Mann auftürmte, eine imposante Ansicht. Der kleine Mann musste aufschauen, um in Sirius' blitzende Augen zu sehen.

"Sie… Sie… Sie wagen es…" begann er zu stottern.

"Ich wage es, Sie darüber zu informieren, dass ich bereits eine Untersuchung Ihrer Behandlung meines Patenkindes in Auftrag gegeben habe. Ich mag ja ein Zauberer sein, aber ich kenne Ihre Welt gut genug, um zu wissen, dass es eigenartig ist, dass es nie jemandem aufgefallen sein soll, wie Sie dieses Kind behandelt haben. Sollte es nur den geringsten Hinweis darauf geben, dass jemand in Ihrer Familie dieses Kind geschlagen hat, dann gehen Sie in den Knast, Dursley. Es wird eine Anzeige geben und Sie werden vor Gericht erscheinen. Das Beste, was Sie dann erwarten können, wird eine Busse sein, eine richtig schon saftige, fette Busse. Ihresgleichen muss man treffen, wo es Ihnen am meisten weh tut und ich gehe jede Wette ein, dass das bei Ihnen die Geldbörse ist. Ich warne Sie jetzt schon: kommen Sie meiner Familie nie mehr nahe, ist das klar?"

Sirius liess den Mann los, der sein Gleichgewicht verlor und auf den Hintern klatschte. Dann drehte sich der junge Lord Black um und würdigte den am Boden Liegenden mit keinem Blick mehr. Er legte seine Hand sanft auf Harrys Schultern und sagte:

"Komm, mein Sohn, lass uns nach Hause gehen, wir haben noch einen kurzen Weg dahin."

Sie begannen, sich von den Weasleys und den Grangers zu verabschieden. Hermione drehte sich zu Harry und gab ihm einen Kuss auf die Wangen, was beide zum Erröten brachte, doch sie sagte:

"Wir bleiben in Kontakt, Harry, nicht wahr? Schickst du Hedwig ab und zu herüber? Wenn ein Briefchen an ihrem Bein hängt, wäre das auch nicht unwillkommen. Sie ist in unserem Haus und Garten immer willkommen."

"Ich schreibe dir schon, Hermione, keine Bange! Ich sehe dich bestimmt auch - und Ron auch!"

"Ich freu mich darauf, Harry!"

Während die Weasleys mit einigem Gedöns den Bahnhof verliessen, tröpfelten auch die übrigen anderen Zaubererfamilien durch die Absperrung und machten sich auf den Heimweg. Sirius sah den Dursleys nach, die mit hochroten Köpfen und schnaubend vor Wut aus dem Bahnhof verschwanden.

„Also, wir drei müssen hinunter zum Underground. Leider müssen wir erst zu meinem Familienstammhaus, um dann mit Floo an unseren endgültigen neuen Wohnort reisen zu können."

„Du stammst aus London?" fragte Harry neugierig.

„Meine ganze Familie. Obwohl die Blacks recht prominente Landbesitzer an mehreren Stellen in England sind. Lasst uns gehen und es hinter uns bringen."

Sie schoben das Wägelchen mit Harrys Truhe und Hedwigs Käfig soweit sie konnten, bevor es in den Underground ging. Die Fahrt zur Station, die dem Grimmauld Place am nächsten lag, war gar nicht mal so lang, daher konnte Harry sie nicht lange geniessen. Er war ja vorher erst ein einziges Mal in der U-Bahn gefahren, als er mit Hagrid zum allerersten Mal nach London gekommen war. Remus machte Harrys Truhe kurzerhand klein, bevor sie sich zu Fuss auf den Weg machten.