13.Here we go again

Aus dem Rumpf des Schiffes drangen unheimliche Laute. Schrill verzerrte Schreie, fast wie Wehklagen. Mit einem ächzenden Knarren stieß Garrett die Tür zum Lagerraum auf. Die Luft roch faulig und kühl. „Das ist der Klabautermann. Er sucht uns heim. Wir werden untergehen.", schlotterte der Hauptmann. „Still. Hörst du das?" Im inneren des Schiffes war es nachtfinster. Schritt um Schritt kämpfte sich die kleine Gruppe ins innere vor. Aus einer der hintersten Ecken, versteckt hinter Kisten und Fässern, erkannten sie langsam die Ursache dieser unheimlichen Geräuschkullisen. Lady Leyla war als erste wieder bei sich. „Garrett, Handtücher, eine Schüssel warmes Wasser und am besten bringst du den Vater auch gleich mit." Behutsam ließ sie sich zu der am Boden liegenden Deidre hinab. Ihre Stirn glühte, ihr Puls raste und die Schmerzen im Unterleib waren kaum zum aushalten. „Schön ruhig. Ruhig atmen. Zusammen bekommen wir das schon hin. Ihr habt Euch zu sehr aufgeregt. Aber das macht nichts. Jetzt wird alles gut." Behutsam redete Lady Leyla auf Deidre ein und endlich kamen Garrett und Angus angerannt. „Was ist los? Ist etwas passiert.", japste Angus nach Luft ringend. „So könnte man es sagen, es ist etwas passiert. Die Wehen kommen sehr schnell. Es kann nicht mehr lange dauern. Ihr solltet sie beruhigen. Und alle anderen warten bitte draußen." Angus ließ sich neben Deidre nieder sie stöhnte als die Wehe ihren Höhepunkt erreichte und griff nach Angus´Hand. Ächzend krümmte sie sich zusammen und schloss die Augen, während die Krämpfe sich durch ihren Unterleib wühlten. Als sie die Augen wieder öffnete, schrak sie zusammen. Auf der obersten Stufe saß eine Krähe wie ein schattiger Geist und funkelte sie mit Schräggelegtem Kopf wissend an. „Geh weg!" murmelte sie. Zu oft hatte man von Frauen gehört, die im Kindbett gestorben waren oder sich tagelang vergeblich gequält hatten. „Die Krähe", flüsterte Deidre, „es bringt Unglück, wenn sie bei einer Geburt über das Haus fliegt." „Das ist doch nur törichter Aberglaube.", versuchte Angus sie zu beruhigen. „Aber ich habe Angst. Es ist noch zu früh. Und müssten die Wehe nicht viel langsamer kommen?" „Dann werdet Ihr es auch schneller hinter Euch haben. Es wird wie von selbst gehen, Ihr werdet es kaum merken." „Kaum merken…!" Schmerzgepeinigt klammerte sich Deidre an Angus Arm und atmete in kurzen, flachen Stößen. In einem Rundumschlag beschimpfte sie alle Männer und was sie damit den Frauen antaten, bis Angus sie wieder einigermaßen beruhigen konnte. „Es dauert nicht mehr lange. Du hast es bald hinter dir." Dann ging alles recht schnell. Nach zwei weiteren schmerzlichen Wehen, waren bereits Kopf und Rumpf des Kindes zu sehen. Vorsichtig wickelte Leyla das kleine Wesen in einer der Tücher und gab es an den stolzen Papa weiter. „Herzlichen Glückwunsch. Er scheint so weit gesund und munter zu sein." „Wow, er sieht aus, wie sein Vater. Da wird Rohan bestimmt Augen machen." „Bitte? Hab ich was verpasst?" „Das war doch nur … Aah!" „Wir haben es noch nicht geschafft. Noch mal Konzentration." Eben so schnell wie sein Bruder hatte es auch der zweite kleine Wurm eilig, der Welt hallo zu sagen. Für einen Moment vergaß Leyla die Welt um sich herum. „Sie sieht genauso aus, wie du.", flüsterte sie in sich gekehrt. „Sie ist wunderschön. Habt ihr Euch schon passende Namen überlegt?" „Überlegt hatte ich schon. Für den Fall, es wird ein Junge, Artus. Und für ein Mädchen wäre Yseult sehr schön."

„Ich unterbreche diese rührende Familienzusammenführung ja nur zu ungern, aber ihr solltet euch ein anderes Plätzchen suchen. Hier wird es gleich ziemlich ungemütlich." Garrett kam die schmalen Stufen herunter gepolltert und half Angus Deidre in ihre Kabine zu bringen, während sich Lady Leyla den Zwillingen annahm. Über Deck hatte sich das eben noch so herrliche Spätsommerwetter in einen wütenden Orkan gewandelt. Der Himmel verfärbte sich in tiefes schwarz, die Wellen schlugen mannshoch über die Reling und der Wind spielte munter mit dem kleinen Boot. Am nicht all zu fernen Horizont zog einsam ein Rabe seine Kreise. Sein schräges Krächzen klang wie Freudenrufe. Gebannt blieb Leyla stehen. „Oh nein. Sie weiß dass ich hier bin. Sie hat mich entdeckt."

Written by Michelle Hastler