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Drabble 01

Sie sollte sich wie ein Gewinner fühlen.

Gabi eben noch vollkommen hysterisch die zwei Polizeibeamten tretend, saß jetzt ganz still und leise neben ihr auf dem Beifahrersitz. Warum fühlte sie sich also nicht besser? Sie hatte schließlich innerhalb der letzten Stunde nicht nur herausgefunden, womit die Frau neben ihr ihren Oberarzt Slash... was auch immer er gerade war, erpresste, sondern auch gleich diesen Versuch vereiteln können.

„Wo wollen Sie hin?", fragte die Blonde kläglich, nachdem sie das Automatikgetriebe des Wagens endlich in den Gang bekommen hatte.

„Was denken Sie denn? Zu Marc natürlich", fauchte die Krankenschwester böse.

Gretchen nickte verständnisvoll. Gabi würde ihre Sachen packen müssen, denn nun gab es ja keinen Grund mehr, dass der Oberarzt sie zur Frau nahm.

Sollte sie darüber nicht erleichtert sein oder Genugtuung empfinden?

Natürlich war sie schwanger von Marc, aber störte sie diese Tatsache herzlich wenig im Gesamtkonzept. Damit hätte sie leben können.

Sie hätte mit vielem Leben können, vielleicht nicht so seriös und ruhig, wie andere in ihrem Alter, weil sie dafür einfach viel zu sehr Teenager geblieben war, doch war sie sich sicher gewesen, dass sie auch ein Kind von Marc ertragen hätte, das er mit einer anderen Frau zusammen hätte.

Doch es war weder das Kind über das er sich sorgen gemacht hatte, noch um ihr Wohlergehen.

Sein Job.

Sein verdammter Beruf, in dem er aufging war ihm so wichtig gewesen, dass er nicht gemerkt hatte, wie er alles um sich herum kaputt drosch. Angefangen bei einem, seinem, ungeborenen Kind, über Gabi, die ihn auf ihre ganz und gar eigene besitzergreifende, anhimmelnde, Art und Weise liebte bis hin zu ihr selbst: Gretchen Haase, 29 3/5, über die Hälfte ihres Lebens mal mehr - mal weniger in Marc Meier verliebt.

Nachdem Gabi die Beifahrertür zugeknallt hatte und schnurstracks auf das Apartmentgebäude zustrebte schnappte die Blonde hinterm Steuer nach Luft.

Verräterisches Kribbeln in der Nase und das brennende Stechen in ihren Augen konnte sie nun endlich gewähren lassen.

Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so dreckig und hintergangen gefühlt.

Für sein Gott-Spiel ging er im wahrsten Sinne des Wortes über (emotionale) Leichen. Und das aller Schlimmste daran war, dass sie es für sein Befinden sogar nachvollziehen konnte.

lg

manney