Finding the Key

Kapitel 11


Intermezzo - Edward

Sie war so still.

Ich hatte Esmes Verwandlung miterlebt, und die von Rosalie und die von Emmett, und ich konnte mich an diese Tage noch so klar erinnern, als wäre es erst gestern passiert und nicht schon vor Jahrzehnten. Jeder von ihnen hatte herumgeschlagen, geschrien und um den Tod gebettelt, während das Gift sich durch den Körper brannte. Ich hatte ihre Gedanken gehört, als ihre Organismen langsam vergiftet wurden, hatte ihren Überlegungen gelauscht, als sie langsam akzeptierten, was aus ihnen wurde.

Wenn ich Bella ansah, hätte ich allerdings annehmen können, sie würde gerade schlafen. Ihre Gedanken waren still für mich, so wie es immer gewesen war, und ihr Körper erzählte mir ebenfalls keine Geschichte. Sicher, ihr Herz schlug rasend schnell in ihrer Brust und ihr Atem kam keuchend und nach Luft schnappend, aber das war auch nicht anders, wenn sie gelegentlich Alpträume hatte. Mein Unwissen war beinah genauso unerträglich wie die Furcht über das, was wohl passieren würde, wenn sie aufwachte. Ich erwartete ihre Wut und/oder ihr Unbehagen, weil ich ihr Leben und ihre Zukunft gestohlen und sie außerdem schrecklichen Schmerzen ausgesetzt hatte.

"Edward?"

Ich drehte meinen Kopf zur Tür und knurrte. Vor der Tür war es kurz still, dann hörte ich das Geräusch sich entfernender Schritte, als Carlisle wieder zurück nach unten ging. Alle paar Stunden versuchte eines der Mitglieder meiner Familie, hier einzudringen, oder wie Alice es beim ersten Mal formuliert hatte, "mir Vernunft einzureden", aber ich wollte nichts davon hören.

Sie versuchten, mich zu trösten, wo kein Trost garantiert war. Sie erzählten mir, dass es sowieso unvermeidlich war, wo sie doch falsch lagen. In Alices Fall wurde eifrig eine Zukunft geplant, ohne zu erkennen, dass ich ihr ihre wahre Zukunft durch meinen Egoismus verwehrt hatte.

"Bella, es tut mir Leid", murmelte ich leise und hoffte auf eine Reaktion. Ich wollte, dass sie schrie, dass sie mich als das Monster beschimpfte, das ich war. Ich erwartete das. Sogar die sanfte Esme hatte ihr neues Leben nicht still begonnen, und Rosalie war natürlich noch hundert Mal schlimmer gewesen.

Ihre anhaltende Stille gab mir zu viel Zeit zum Nachdenken. Zum Erinnern.

Und mein perfektes Vampir-Gehirn hatte jeden Moment in grauenhaft lebhaftem Detail konserviert. Als ich meine Augen schloss, konnte ich das alles sehen. Konnte mich von den Emotionen und der Lust abschotten, um jeden Fehler, jeden Fehltritt, zu erkennen.

Wollte ich hier Witze machen? Jeden Schritt, den ich unternommen hatte, seit ich vor drei Nächten vor ihrem Fenster ankam, war ein Fehler gewesen, ein Schritt näher zur Tragödie.

Ich hätte nie zu ihr gehen sollen.

Ich hätte sie nie küssen sollen.

Ich hätte aufhören sollen, als ich merkte, dass ich die Kontrolle verlor.

Ich hätte jagen sollen, bevor ich meinen Fuß in die Nähe ihres Hauses setzte.

Ich hätte meinen Mund schließen und der Versuchung ihrer warmen, weichen und duftenden Haut nicht nachgeben sollen.

Ich hätte ihr fernbleiben sollen, ich hätte stärker sein sollen.

"Es tut mir Leid, dass ich nicht stark genug war, um dich zu retten, Bella."

"Zum Teufel nochmal!"

Die Stimme war so erschreckend, so laut, dass ich tatsächlich aufsprang.

Ich machte mich bereit für Emmetts neuesten Versuch, mich zu "trösten". Er hatte es schon einige Male versucht, war nur außerhalb der geschlossenen Tür zu meinem Zimmer stehen geblieben, um mit mir zu reden. Er hatte es versucht, so wie Alice, Esme, Carlisle und sogar Jasper.

Rosalie hatte natürlich nichts gesagt. Ich hatte in einer innerhalb einer Sekunde, in der ich mich auf ihre Gedanken konzentrierte, genug gehört, um zu wissen, dass sie nicht versuchen würde, mich zu trösten. Sie war zu sehr damit beschäftigt, selbstgefällig auf meinen "Nachtisch" zu warten, wie sie es bezeichnete, da sie wusste, wie beraubt Bella sich fühlen würde, wenn sie endlich erwachte.

Seit diesem ersten Blick in Rosalies Gedanken war ich nicht mehr in ihre Nähe gegangen. Ich wusste bereits, dass sie Recht hatte. Die donnernden Schritte ihres Ehemannes brachten mich zurück in die Gegenwart, denn sogar die Wände bebten, als er sich näherte. Ich biss die Zähne zusammen und wappnete mich für den ersten Schlag seiner Faust gegen das Holz meiner Tür.

Der Schlag kam aber nie. Stattdessen folgte ein richtiges Erdbeben, als Emmett stark genug gegen die Tür hämmerte, damit sie sich mit einem Knall öffnete.

"Kommst du jetzt endlich mal darüber hinweg?"

Ich war kurz davor, Bellas Seite zu verlassen, und meine schlechte Laune erreichte binnen Sekunden einen Höhepunkt. Ich fletschte meine Zähne, meiner Kehle entkam ein Knurren. "Bella leidet, du dummes Arschloch", knurrte ich. "Sie leidet, weil ich Recht hatte, weil ich ihr fernbleiben hätte sollen, weil ich so fucking egoistisch war, dass ich nicht ihr Leben vor meine eigenen Wünsche stellen konnte."

Emmetts Mund klappte wie ein Fisch auf dem Trockenen auf und zu und ich konnte seine Gedanken hören, als würde er sie mir ins Gesicht schreien. Ich konnte ebenfalls hören, dass er merkte, dass solche Kommentare ihn nirgendwohin führen würden. Schließlich traf er eine Entscheidung. Er hatte eine Sache, die er sagen musste, egal wie sinnlos es auch war.

"Schau mal, du hast sie also verwandelt. Also was? Jetzt musst du die Ewigkeit, über die du immer wieder philosophiert hast, mit der Frau verbringen, die du liebst? Tut mir Leid, Edward, aber ich sehe hier keinen Nachteil."

Ich knurrte wieder und wünschte, ich könnte ihn in Stücke reißen, ohne dass Rosalie ihre Wut darüber die nächsten hundert Jahre lang an mir ausließ. "Ich habe ihr Leben gestohlen. Sie ist achtzehn Jahre alt, Emmett. Sie sollte aufs College gehen, heiraten, eine Familie gründen und ein normales Leben führen. Sie sollte mit dieser Familie alt werden", fügte ich hinzu und wählte bewusst den Part, dem auch Rose nachtrauerte, um dies zu unterstreichen. "Gott allein weiß, wie oft du Rose gejammert hat, dass ihr dies verwehrt wurde, also solltest du das verstehen. Ich wollte das nicht für sie."

Ich hätte von meinem Bruder einen Wutausbruch erwartet, oder wenigstens einen Funken seines Temperaments. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass er einfach seufzte, sich mit der Hand durch die Haare fuhr, sich umdrehte und das Zimmer verließ.

"Eine Sache gibt es, die du vergisst, Edward", sagte er von der Tür aus. "Rose hat sich dieses Leben nie ausgesucht. Bella schon. Denk darüber nach, während du dich selbst fertig machst."

Er blieb stehen, holte tief Luft und sah zum Sofa, wo Bella lag, ruhig und still wie der Tod. "Du hast alle Hände voll mit ihm zu tun, Bella. Ich hoffe, du stehst auf die ewige Besorgnis, weil das wird dich erwarten, wenn du aufwachst."

"Geh weg, Emmett."

Überraschenderweise hörte er auf mich,drehte sich um und ging. Ich konnte nicht anders, ich musste ihm einfach hinterherrufen: "Du hilfst überhaupt nicht weiter, wenn du ..." Ich brach ab, als Bellas Kopf sich bewegte. Es war nicht viel, nur ein kleines Kopfschütteln.

"Hört auf zu schreien. Ihr seid Brüder, ihr solltet nett zu einander sein."


Ich wusste nicht, wie lang ich brauchte, um zu merken, dass die Wärme, die ich empfand, nachdem Edward und ich Liebe gemacht hatten, nichts mit meinem Gefühlszustand zu tun hatte. Ich erinnerte mich daran, dass es nicht sofort kam, dass ich spüren konnte, wie seine kalte Haut meine bedeckte, sodass ich eine Gänsehaut bekam, während seine Kälte an die Hitze traf, die in mir aufstieg.

Ich erinnerte mich noch vage an Carlisles Stimme und fühlte mich kurz unbehaglich, weil er uns in so einer Situation ertappte. Nackt vor dem Vater meines Freundes, nachdem ich gerade mit besagtem Freund geschlafen hatte. Aber das war der Moment, in dem die Wärme zu einer Hitze wurde, wo das angenehme Gefühl unangenehm wurde, und die Seufzer versuchten, sich in Schreie zu verwandeln.

Und ich hätte sehr gerne geschrien. Jeder Schmerz, den ich in meinen achtzehn Jahren je aufgrund meiner ständigen Tollpatschigkeit erlitten hatte, kam diesem schrecklichen Schmerz nicht annähernd nah, der mich gerade durchzuckte. Sogar der Schmerz, als James meinen Knochen mit bloßer Hand gebrochen hatte, war nichts dagegen. Ich suchte nach einem Weg darum herum, um an der Qual vorbeizudenken. Und da fand ich ihn, den stillen, kühlen Nebel meines Traums.

Mein Traum-Ich.

Diejenige, die mich vor den Schmerzen abgeschirmt hatte.

Ich fand sie hier vor, als die Schreie kurz davor waren, meiner Kehle zu entkommen. Ich fand sie, hieß sie willkommen und ließ mich wieder einmal von ihr mitnehmen.

Es war Edward, der mich zurückgebracht hatte. So wie es immer war, so wie es immer sein würde. Seine Stimme, seine Präsenz waren die Fesseln, die mich gefangen hielten, so wie ich das Spannseil war, das ihn festhielt. Seine Stimme durchdrang den sensorischen Entzug meiner abgeschirmten Erinnerungen, aber ich konnte die Worte nicht hören, nur den Klang und die Musik seiner Stimme.

Meine anderen Sinne kehrten zurück, waren geschärft, so wie mein Bewusstsein zurückkehrte, und ich ließ den Schutzschild verschwinden. Das Brennen des Giftes wurde weniger, das wurde mir bewusst, genauso wie Edwards Hand auf meiner und das süße Parfum seines Atems, während er zu mir sprach.

Gerade als der Griff des Giftes verschwand, als ich von dem Schild wegtrat, das mich beschützte, merkte ich, dass ich Worte hören konnte. Nicht nur die Vibrationen seiner Stimme, sondern auch die Wörter, die er sprach.

Zuerst konnte ich mich nur auf den Klang konzentrieren. Ich hörte seine Stimme wie noch nie zuvor, deutlich, scharf, die schönste Symphonie, die je gespielt hatte. Aber als seine Worte durch meine Verwunderung drangen, als ich merkte, was seine melodische Stimme sagte, runzelte ich die Stirn.

"Hört auf zu schreien. Ihr seid Brüder, ihr solltet nett zu einander sein."

Was immer ich auch sagen wollte, ich wusste es nicht mehr, als ich meine Augen öffnete und mich konzentrierte, als ich merkte, dass diese klingende, melodische Stimme, die ich hörte, mir gehörte. Und dann war ich komplett sprachlos, jeder Gedanke war verpufft, als mein Blick Edwards Gesicht fand und ich ihn anstarrte.

Ich hatte schon immer gedacht, dass er schön wäre, unerträglich schön, als ich ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Ein Gedanke, der sich nur intensiviert hatte, als die Zeit verging und ich ihn besser kennenlernte. Ich dachte nicht wirklich, dass ich falsch liegen würde, aber als ich ihn mit meinen neuen, schärferen Augen ansah, dachte ich, dass der Begriff "schön" vielleicht die größte Untertreibung meines Lebens gewesen war.

"Bella?" Edwards Stimme riss mich aus meinem Tagtraum, frei von den Teilen meiner Gedanken, die sich wegen Edward und den Veränderungen in meiner eigenen Wahrnehmung wunderten. Ich wusste, ihre Gedanken, unsere Gedanken, funktionierten auf andere Weise, sie funktionieren schneller als die von Menschen. Nun wusste ich, wie anders sie wirklich funktionierten. Es war schwierig, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Jedes Mal, wenn ich ein neues Sinnesorgan ausprobierte, wenn ich etwas berührte oder roch, wanderten meine Gedanken in eine ganz andere Richtung. Es wurde frustrierend. Ich wollte nicht darüber nachdenken, wie die Luft roch, wer unten murmelte, wie die Autos auf dem Highway in meilenweiter Entfernung vorbeirauschten. Ich wollte mich auf Edward konzentrieren.

"Bella, es tut mir Leid."

Mein Schock bei seinen Worten half mir mehr als alles andere, mich zu konzentrieren. Meine Augen weiteten sich und ich sah ihn an. Die Verwirrung stand mir klar ins Gesicht geschrieben.

"Weshalb?", fragte ich.

"Wegen allem, das passiert ist, dass ich dir das aufgezwungen haben, dass ich dich gezwungen habe, alles aufzugeben, wegen der Schmerzen, die du gerade erleiden musstest ..."

Ich hielt eine Hand hoch, um seine Tirade zu unterbrechen. Als die Entschuldigungen beinah sofort begannen, wusste ich, dass sie sich schon eine Zeit lang bei ihm aufgestaut hatten – seit seine Zähne über meinen Hals geschrammt waren? Wahrscheinlich.

Ich sah in seine dunklen Augen und seufzte. Es war nicht nur wahrscheinlich. Aber etwas in der Tirade seiner Entschuldigungen stach in meinen klaren Gedanken hervor. Es stach hervor, weil es unerwartet war.

"Es tut dir Leid, dass du mich verwandelt hast?"

"Ja", sagte er leise.

Ich konnte sehen, dass sein Mund sich öffnete, um fortzufahren, aber ich war bereits auf meinen Beinen. Ich hatte mehr gehört als nur diese einsilbige Antwort. Ich hatte etwas anderes gehört, eine Erinnerung von der Zeit meiner Verwandlung. So wie es gewesen war, als meine verlorenen Erinnerungen langsam zurückkehrten, hörte ich seine Stimme deutlich in meinem Kopf.

Ich wollte das nicht.

Ich stand da, starrte ihn an. Mein Mund arbeitete und in meinen Augenwinkeln prickelte es seltsam. Er wollte das nicht?

Es war beinah so schwierig wie damals, als meine Erinnerungen blockiert waren, wie ich jetzt zurückblickte auf mein menschliches Leben. Die Erinnerungen waren da, aber trübe, als wäre die Kamera unscharf gewesen. Die Stimmen waren hörbar, aber klangen eher wie ein verstelltes Radio. Trotz allem war die Quintessenz deutlich genug.

Edward hatte mir gesagt, er würde mich nicht verwandeln.

Mein neues, vampirisches Gehirn hatte kein Problem damit, diese Erinnerung mit seinem Kommentar zu kombinieren, als ich vorhin unter Flammen stand.

Hatte ich am Ende doch Recht gehabt? Wollte er mich, nur nicht für immer? War das der wirkliche Grund hinter seinem Zögern, mich zu verwandeln, hinter seinem Bedauern, dass es passiert war? Meine Gedanken drehten sich in einige verschiedene Richtungen, jede Richtung beherbergte seine eigenen Gründe, weshalb er nicht glücklich wäre, wenn ich ein Vampir wurde, und jeder Grund endete mit der selben Schlussfolgerung.

Ich war jetzt ein Vampir. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Edward wollte das nicht. Wollte mich nicht. Es tat ihm Leid, dass ich verwandelt worden war.

Ich konnte nicht um die letzte Wahrheit herum. Und ich konnte jetzt nicht hier bleiben, wo ich dies erkannt hatte. Ich würde nicht an einem Ort bleiben, an dem ich nicht erwünscht war.

Mein Körper schluckte die Emotionen hinunter, die sich in meiner Kehle zu einem Knoten gesammelt hatten.

Und dann, weil ich nicht genug Druck in diesem Moment in mir hatte, erweckte das Schlucken einen Teil von mir, der mir bislang noch nicht bewusst geworden war.

Durst.

Nun, da ich das erkannt hatte, konnte ich diesen Schmerz nicht länger abstreiten. Es fühlte sich an wie das Brennen des Giftes, aber gleichzeitig auch anders. Verwirrt schnappte ich nach Luft, griff mir an die Kehle und mein Blick flog automatisch zu Edward.

Ich war überrascht, als ich sah, dass er immer noch an der selben Stelle stand wie zuvor, als ich von dem Tisch aufgestanden war. Er stand noch da und trug immer noch den selben Ausdruck im Gesicht. Wie viel Zeit war vergangen, seit ich gesprochen hatte? Eine Minute? Eine Sekunde? Eine Stunde? Ich wusste es nicht, aber als die Flammen in meiner Kehle brannten, wusste ich, dass meine Fragen warten mussten.

Momentan hatte ich nur zwei Bedürfnisse, und diese wurden rasch zum Zentrum meiner Welt: Ich musste weg von Edward, und ich musste das Feuer in meiner Kehle löschen.

Mein Kopf wirbelte rasant herum und versuchte, einen Weg zu finden, um diese beiden Bedürfnisse so rasch wie möglich zu stillen. Ich fand innerhalb dieses Zimmers keine einfache Fluchtmöglichkeit, also wählte ich die einzige Option, die mir zur Verfügung stand.

Ich registrierte es kaum, als Edward rief: "Bella, nein!", bevor ich durch sein Zimmer rannte und direkt durch das Fenster sprang, durch das man den hinteren Teil des Gartens und dahinter die Bäume sehen konnte. Ich dachte nicht daran, dass ich das Glas zerbrach, ich dachte nicht daran, dass es nun zwei Geschoße hinab ging, bis ich alles hinter mir gelassen hatte. Ich landete auf dem weichen Gras und blickte hinab auf meine Arme und Beine. Meine Kleider waren zerrissen, das T-Shirt, das man mir angezogen hatte, wies große Risse auf, aber abgesehen davon merkte man mir nicht an, dass ich gerade über sechs Meter durch eine Fensterscheibe in die Tiefe gesprungen war.

In diesem Moment konnte ich Edward zur Gänze vergessen. Frei von der Einengung seines Zimmers und ohne jegliche Grenzen vor mir außer meinem eigenen Durchhaltevermögen, hielt ich nicht an, als meine Füße auf den Grasteppich im Garten der Cullens auftrafen.

Ich lief. Und es war herrlich.

Ich hatte Sport noch nie gemocht. Aber das war ... Das war unbeschreiblich. Die Bäume zogen an mir vorbei, deutlicher als sie es bei dieser Geschwindigkeit überhaupt sollten, aber meine Füße waren flink, während ich lief. Ich spürte den unebenen Waldboden unter ihnen, spürte Steine und Zweige genauso wie Moos und Blätter, aber nichts davon ließ mich langsamer werden. Keine Wurzeln sprangen hoch, um mich festzuhalten und mich auf den Boden fallen zu lassen. Wenn die Wurzeln auftauchen, sah ich sie früh genug, um eine andere Richtung einzuschlagen.

Begeistert wie nie zuvor konnte ich das Lachen nicht unterdrücken, das sich in meiner Kehle bildete. Ich hörte, wie es von der Pflanzenwelt um mich herum widerhallte, und in dem Moment war nicht einmal das Laufen genug, um meiner Erheiterung Ausdruck zu verleihen. Ich machte noch einen Schritt, stieß mich mit meinen Beinen ab und sprang. Meine Augen weiteten sich, als ich beinah durch die Luft flog und in den oberen Ästen eines Tannenbaums landete. Ich lachte immer noch, als ich mich an den Zweigen festhielt und hinab auf den Waldboden blickte.

Ich lachte, denn ich hatte Muskeln, die trotz der plötzlichen Beanspruchung nicht protestierten. Ich lachte, denn ich hatte Lungen, die mich trotz der unvertrauten sportlichen Tätigkeiten nicht keuchen ließen. Ich lachte und lachte, bis ich merkte, dass es in meinen Augen brannte und meine Schultern bebten. Mein Gelächter hatte sich in Tränen verwandelt, oder was auch immer das vampirische Äquivalent dazu war. Ich zitterte wegen tränenloser Seufzer, meine Pein echote in den selben Bäumen, die erst vor wenigen Sekunden mein Gelächter zurückgeworfen hatte.

Wie konnte ich in einem Atemzug Begeisterung und Trostlosigkeit gleichzeitig spüren? Wie konnten meine Gedanken, die jetzt so viel konzentrierter waren als je zuvor, so völlig durcheinander sein, dass ich nicht mehr wusste, was ich von einer Minute auf die andere empfand?

Ich ließ meinen Kopf in meine Hände fallen und versuchte, die Seufzer zu unterdrücken, die sich so falsch anfühlten ohne Tränen, die sie wegwaschen konnten. Ich versuchte, das Glück zu finden, das mich erst vor wenigen Momenten komplett erfüllt hatte.

Ich versuchte ...

Klopf!

Mein Körper wurde steif, mein ganzes Wesen war in Alarmbereitschaft. Dann hörte ich es, das leise, nasse Schlagen unter meinem Ast. Das Geräusch war anziehend, der regelmäßige Schlag eines Herzens in meiner Nähe. Die Flammen in meiner Kehle, verstummt durch den emotionalen Umbruch, brannten heißer denn je zuvor und wischten jeden anderen Gedanken, jedes andere Bedürfnis zur Seite, bis es das Einzige war, das ich zu tun hatte. Ich schloss meine Augen und hörte in meinen Körper hinein. Ich ließ mich von ihm führen, genau so wie vor ein paar Minuten, als ich im Wald gelandet war.

Ich kauerte mich auf meinem Ast zusammen, suchte mit meinen Augen den Boden ab, lauschte nach einem Hinweis, wo meine Erleichterung wohl auf mich wartete. Ein knackender Zweig war alles, das ich brauchte. Mein Kopf wirbelte zur Seite und ich sprang in der selben Sekunde von dem Baum. Mein Körper raste auf meine Beute zu und landete direkt auf ihr. Der Rehbock hatte kaum genug Zeit, um meine Anwesenheit zu bemerken, bevor meine Hände und mein Mund seinen Hals umfassten. Meine Zähne bewegten sich instinktiv dorthin, wo der Blutfluss am stärksten war. Und ich biss zu.

Ich war nicht auf die plötzliche Flüssigkeit in meinem Mund vorbereitet gewesen, daher musste ich erst einmal würgen. Aber dadurch gingen ein paar wertvolle Schlucke des warmen, nassen Blutes verloren. Ich konnte nicht sagen, dass es gut schmeckte, aber es war auch nicht unangenehm. Es war nass und es kühlte die Flammen in meiner Kehle. In diesem Moment zählte sonst nichts.

Bevor mein Durst auch nur annähernd gelöscht war, war das Tier unter mir ausgetrunken. Ein frustriertes Knurren entkam meiner Kehle und ich sprang in einer geschmeidigen, fließenden Bewegung auf die Beine, während ich den Kadaver von mir stieß. Eleganz war eine weitere Sache, an die ich mich offenbar erst gewöhnen musste. Ich fragte mich kurz, wie es wohl wäre, nie wieder zu stolpern, und lächelte, als sich in meiner Kehle wieder ein Lacher bildete.

Dann hörte ich es, einen weiteren knackenden Zweig, diesmal zu meiner Linken, und ich war auf, bevor eine halbe Sekunde vergangen war. Ich sprang, ohne nachzudenken, ließ mich von meinen Sinnen leiten. Wenn das Geräusch weiter entfernt gewesen wäre, hätte ich meine Beute sicher verloren, weil es nichts gab, um mich zu führen, außer diesen einzelnen, zerbrechenden Zweig. Kein Herzklopfen, kein Geruch von dunklem, reichhaltigem Blut.

Wenn ich stehen geblieben wäre, um nachzudenken, wäre ich wahrscheinlich nicht gesprungen.

Aber ich dachte nicht nach, und ich sprang.

Das Nächste, das ich wusste, war, dass Edward neben mir lag und mich mit großen Augen auf den Waldboden drückte, während ich vor Frust knurrte, weil mir die Erleichterung für meine brennende Kehle verwehrt wurde.

"Bella?"

Ich würde niemals erfahren, was mich aus der Ekstase des Jagens geholt hatte. Seine Stimme, sein Gesicht, sein Geruch oder die Myriade an Erinnerungen, die in mir aufblitzten, als er meinen Namen aussprach. Was auch immer es war, der Bann war gebrochen. Ich lehnte mich zurück und sah ihm in die Augen. In meinen Augenwinkeln prickelte es wieder.

Ich spürte seine warme Hand auf meinem Arm, glatte Finger an der Innenseite meines Handgelenks, sanfter Druck, als wir unsere Finger ineinander verwoben.

"Bella."

So wie zuvor kamen die Erinnerungen alle in einem Fluss zurück. Diesmal wurden sie nicht von Schmerzen begleitet, nicht von Verwirrung. Meine Gedanken waren besser imstande, mit diesen Erinnerungen umzugehen, obwohl die Bilder verschwommen und trübe waren.

Die Bilder waren undeutlich, die Stimmen gedämpft, aber der begleitende Tenor war immer derselbe. Dies war der Mann, den ich mehr als alles liebte, dies war der Mann, der mir versprochen hatte, er würde mich genauso lieben. Ich wollte ihn für immer, für die Ewigkeit, aber er wollte mich nur für die Dauer meines menschlichen Lebens.

"Warum?", fragte ich. Meine Stimme war klar wie ein Windspiel in einer sanften Brise.

"Warum was?", fragte er leise. Sein Körper war steif unter mir.

"Warum tut es dir Leid, dass du mich verwandelt hast?"

"Bella ..."

"Nein", sagte ich scharf und unterbrach ihn mit einem bösen Blick. "Du hast es gesagt, ich habe dich gehört. Während ich ... ich hörte dich, wie du Emmett erzählt hast, dass du das nicht für mich wolltest. Dann fragte ich dich und du sagtest ja, es täte dir Leid. Warum? Ist es, weil du mich nicht für immer haben willst?"

Seine Augen weiteten sich, sein ganzer Körper wurde eine Zehntelsekunde lang steif, bevor ich merkte, dass er sich entspannte. Ich sah, dass sich langsam ein Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete. "Ist es das, was du denkst, Bella?"

Ich war geschockt, als er lachte – ein wirkliches Lachen, das ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr von ihm gehört hatte, und dann sah er mir in die Augen. Sein vertrautes, schiefes Lächeln zierte seine Lippen. Bella, du bist so absurd."

Meine Wut flackerte wieder auf, plötzlich und tödlich, und meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Ich konnte das Knurren spüren, das von meiner Brust ausging und sich in meiner Kehle sammelte wie giftiges Gas. Dann hob Edward seine Hand und legte sie mir an die Wange. Berührte sie, hielt sie, er hielt einfach mein Gesicht in seiner Hand, während er mir mit dem Daumen über die Wange streichelte. So schnell meine Wut aufgelodert war, so schnell erstarb sie auch wieder mit der Wärme seiner Berührung und seiner seidigen Stimme. "Meine wunderschöne Bella, wie könnte ich nicht mehr als erfreut sein, dich nie verlieren zu müssen? Aber gleichzeitig habe ich dir deine Zukunft gestohlen, das Leben, das du hättest führen sollen. Wie kann ich glücklich sein, wenn mein Egoismus dir doch alles gekostet hat?"

"Edward", sagte ich leise und hob meine eigene Hand, um sie auf seine zu legen. Ich hatte Erinnerungen an solch eine Szene, ich wusste es. Vage Erinnerungen, die sich hinter dem Schleier meiner menschlichen Augen befanden. "Von dem Moment an, in dem ich dich sah", ich hielt hier inne, denn das stimmte nicht ganz und ich wollte, dass in diesem Moment nur die absolute Wahrheit existierte. "Nein. Von dem Moment an, in dem du mich zum ersten Mal auf diese Lichtung gebracht hast. Als wir uns unterhielten, als du mich berührtest, und ich dich berührte, als du mir alles erklärtest, wusste ich eines mit absoluter Sicherheit. Ich wusste, es würde mir physisch weh tun, wenn ich getrennt von dir wäre. Eine Tatsache, die immer und immer und immer wieder bestätigt wurde. Es gab nichts", ich nahm seine beiden Hände in meine und drückte sie, "nichts, das ich sehnlicher haben will, als das hier. Ich habe dich schon einmal verloren. Ich glaube nicht, dass ich es überleben kann, dich noch einmal zu verlieren."

Das Lächeln auf meinem Gesicht erfror, als ich merkte, dass Edwards Gesicht sich zu einer Grimasse verzogen hatte, zu einem Gesicht, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Es sah beinahe so aus, als hätte er ... Schmerzen?

"Edward?"

Er entzog mir seine Hände und schüttelte sie. "Vorsichtig, Bella."

Ich spürte, wie meine Augenbrauen sich wieder zusammenzogen. "Was meinst du mich vorsichtig? Du bist ein Vampir, es wäre ja nicht so, als könnte ich dir wehtun."

Der Schmerz verließ sofort wieder sein Gesicht und wurde von einem hellen Lächeln ersetzt, das die ganze Halbinsel Olympic hätte erleuchten können. "Eigentlich schon. Du bist ein Jungvampir, Bella. Du bist viel, viel stärker als der Rest von uns, und das wird noch mindestens ein Jahr lang so bleiben."

Es dauerte fast eine ganze Minute lang, bis ich das verarbeitet hatte. "Stärker als ... du? Als Emmett?" Ein weiteres breites Grinsen schlich sich auf mein Gesicht, der Schalk blitzte in meinen Augen auf. "Denk an den ganzen Spaß, den ich haben kann."

Edward zwinkerte zu mir hoch und sah überraschter aus, als wenn mir plötzlich ein Geweih gewachsen wären.

"Was?"

"Du. Ich ... ich verstehe deine Reaktionen nicht. Du bist nicht wütend, du bist nicht böse. Ich dachte, du wärst das ... zumindest ein bisschen. Ein wenig traurig. Deine Freunde? Deine Familie? Ich ... Bella, ich habe dir das auch alles weggenommen."

Ich seufzte und streckte meine Hand nach seiner Wange aus, streichelte ihm über die Haut, schwelgte eine Sekunde lang ein wenig in seiner Wärme, ehe ich mich dazu zwang, mich wieder zu konzentrieren. "Ich werde sie vermissen, Edward. Ich werde meine Eltern vermissen und ja, ich habe vor, eine Zeitlang zu trauern. Aber Charlie ... Charlie wird es verstehen, und Renée? Tja, Renée hatte noch nie ein Problem damit gehabt, die Entscheidungen zu treffen, die am besten für sie sind. Also wie kann sie ..."

Ich brach ab und legte meine Finger an Edwards Lippen, als er etwas sagen wollte. Meine Augen fanden seine und der Durst erwachte in meiner Kehle aufs Neue. Der Geruch von Tieren in unserer Nähe war nicht unbedingt appetitanregend, aber ihre Herzschläge versprachen Wärme, Nässe, etwas, das das Feuer in meiner Kehle linderte.

"Warum bin ich immer noch so durstig?", fragte ich ihn. Meine Stimme war ein Flüstern, das meine menschlichen Ohren nie gehört hätten.

"Weil du neu bist, Bella. Brauchst ... brauchst du Hilfe?"

Ich schüttelte den Kopf und erinnerte mich an das Reh, das ich vorhin überwältigt hatte. "Nein." Ich sprang in solch einer leichten Bewegung auf die Beine, die ein Mensch nie hätte bemerken können. Ich streckte meine Hand aus und lächelte. "Aber ich hätte gern Gesellschaft."


Wir verbrachten den Nachmittag im Wald. Wir jagten, wenn Wildtiere unseren Weg kreuzten, und lachten, als ich die Dinge entdeckte, die mein neuer Körper tun konnte. Laufen, springen, klettern. Ich war erstaunt, wie schnell ich mich an meinen neuen Vampir-Körper gewöhnte, wie an ein altes paar Schuhe, das lange Zeit unter dem Bett gestanden war. Wo ich mich immer unelegant und tollpatschig gefühlt hatte, fühlte ich mich jetzt einfach ganz und richtig.

Als wäre das, wie ich die ganze Zeit über hätte sein sollen, ich musste nur erst den richtigen Weg finden, um hierher zu gelangen.

Wir mussten wohl stundenlang durch den Wald gelaufen sein (der Himmel über uns war voll Sterne, die Wolken von vorhin waren verschwunden), als ich abrupt stehen blieb. Edward stand mitten auf einem Feld. Er beobachtete mich, als ich lief und sprang und testete, was ich mit meinem Körper machen konnte.

Er beobachtete mich. Und lachte.

Ich versuchte, mich zu erinnern, grub mich durch den Dreck und Schlamm meiner menschlichen Erinnerungen, um zu sehen, ob mir dieser Klang vertraut war. War er nicht. In all der Zeit, in der ich Edward kannte, und ich dachte, ich würde ihn besser kennen als mich selbst, hatte ich nie solch eine Freude auf seinem wunderschönen Gesicht gesehen. Ich hatte seine Stimme noch nie so sorglos und leicht gehört. Ich lächelte ihn an.

"Weißt du, wo wir sind, Bella?", fragte er leise, obwohl er locker fünfzig Meter entfernt war.

"Sollte ich das?", antwortete ich mit normaler Stimme. Ich drehte mich um, um ihn anzusehen.

"Sieh dich um. Es war am Tag, dass du das letzte Mal hier gewesen warst. Die Sonne hat geschienen."

Ich sah mich dann um, meine scharfen Augen erkannten das Gras, die umgebenden Bäume. Sah es vertraut aus? Ich dachte schon. Die Dunkelheit ließ nichts von diesen Augen verborgen, bloß die Farben waren verschwunden, sodass alles in verschiedenen Grauschattierungen sichtbar war. Ich schloss meine Augen und versuchte, mir das Gebiet im Licht eines sonnigen Tages vorzustellen.

Ich schnappte nach Luft, als es mir klar wurde, wo ich war. "Das ist unsere Lichtung."

"Ja, das stimmt", sagte Edward. Seine Stimme war nun ein Flüstern, als er direkt vor mir stand. Ich hatte gesehen, wie er näher kam, hatte jeden seiner Schritte gesehen, wo ich früher nur eine verschwommene Bewegung ausgemacht hätte.

Meine Arme hoben sich, um ihn zu grüßen, in die Arme zu schließen, an mich zu ziehen. "Als wir das letzte Mal hier waren", sagte ich leise und ein wenig atemlos, "hast du mir deine Schnelligkeit und deine Kraft gezeigt. Du hast mir gezeigt, warum du", ich hielt an und korrigierte mich, "warum wir verborgen bleiben müssen. Dann hast du mich nach Hause gebracht und mir in dieser Nacht gesagt, dass eine körperliche Beziehung für uns nicht möglich wäre."

Seine Augen verdunkelten sich für einen Moment. "Und ich hatte R-"

Ich unterbrach ihn, indem ich ihm einen Finger auf die Lippen legte. "Du hattest auf gewisse Weise Recht. Du hast eine Sekunde lang die Kontrolle verloren und jetzt", ich lächelte ihm ins Gesicht, "jetzt muss ich eine sehr wichtige Sache wissen."

"Was denn?", fragte er mit tiefer und düsterer Stimme.

Weil ich mich in dieser Nacht in meinem Bett in Charlies Haus so konzentriert hatte, wusste ich die Worte, ohne danach suchen zu müssen. "Spreche ich dich ... auf diese Weise an?"

Edward zögerte eine Sekunde. Eine lange, volle Sekunde, und dann war seine Hand in meinem Haar und seine Arme zogen mich näher. Warme Lippen drückten sich auf meine und ich war verloren.

Ich dachte, ich wäre ziemlich gut auf Edwards Küsse eingestellt, dass ich alle Arten kannte, wie seine Lippen meine berühren und liebkosen konnten. Ich lag sehr, sehr falsch. Als sein Mund auf meinen krachte, folgte die Explosion sofort und riss mich beinah von den Beinen.

Wo meine Lippen sich früher der Stärke seines Mundes ergaben, kämpfte ich nun zurück und gab ihm genauso viel, wie er nahm. Unsere Hände bewegten sich mit der Geschwindigkeit von Blitzen, denn menschliche Geschwindigkeit war uns beiden nicht genug. Zwei frustrierte, grollende Töne kamen aus unseren Kehlen, als wir unsere Haut wegen der Kleidung nicht berühren konnten. Ein zerreißendes Geräusch überlagerte unser Grollen, als unsere Finger sich daran machten, unsere Körper zu befreien.

"Jaaah", keuchte ich, als meine Finger endlich die weiche, warme Haut seines Bauches fanden. "Edward."

"Beantwortet das deine Frage?", fragte er in einem rauen Knurren in mein Ohr.

"Nicht ganz", schnaufte ich und bewegte meine Hand von seinem Bauch abwärts, um seine Erektion zu umgreifen. "Aber da gibt es einen Weg, wie du mich überzeugen könntest."

"Oh Gott, Bella", stöhnte er. Eine Sekunde später rollte er uns herum, bis er über mir war. Sein Blick bohrte sich in meinen. Ich wölbte mich unter seinen Händen und seinem Mund auf, mein Rücken verließ den Boden, als seine Lippen und seine Zunge meine Brust bearbeiteten, als seine Zähne meinen Nippel tief in seinen Mund zogen. Die zögerlichen und vorsichtigen Berührungen von meinem alten Zimmer waren fort. Dies war ein Edward, der sich nehmen konnte, was er wollte, und ich konnte ihm genau das geben.

Mein leises Stöhnen vermischte sich mit seinem, als unsere Hände wanderten und streichelten, uns berührten und uns anstachelten mit unserem gemeinsamen Bedürfnis und unserer anwachsenden Lust, bis es schließlich zu viel wurde. Ich hob meine Beine, schlang sie um seine Hüften und krümmte meinen Körper.

"Edward, bitte", keuchte ich gegen seinen Hals.

Das war die Ermutigung, die er gebraucht hatte. Mit einer Bewegung seiner Hüften stieß er tief vor und hielt erst an, als sein Schwanz bis zum Anschlag in mir vergraben war. Mein Kopf drückte sich zurück in das weiche Gras, als er mich vollkommen ausfüllte. Wir lagen eine ganze Minute lang so da, unsere Blicke waren ineinander verschmolzen. Dann bewegte Edward sich und ich war ihm ausgeliefert, hatte mich in ihm verloren. Es gab nichts mehr außer das Bedürfnis, sich zu bewegen, die Reibung zu erhöhen, die Lust weiter anzuheizen. Seine Hüften stießen hart an meine und ich erwiderte jede seiner Bewegungen mit meiner eigenen. Meine Beine waren fest um seine Hüften gewickelt, um ihn tiefer in mich zu ziehen. Immer und immer wieder stieß er vor, unsere Körper knallten zusammen mit der Kraft eines Frontalzusammenstoßes. Wir gaben beide, und genauso nahmen wir, als wir uns beinah besinnungslos machten mit unserer Lust. Mit gemeinsamen Schreien der Ekstase fielen wir über die sprichwörtliche Klippe. Wir klammerten uns aneinander, als unser Höhepunkt uns beinah in Stücke riss.

Obwohl keiner von uns den Sauerstoff brauchte, keuchten wir beide heftig, während wir uns aneinander klammerten. Wie zwei einsame Überlebende nach einem Tornado, die sich an den letzten Balken eines zerstörten Hauses klammerten, so waren unsere Arme um einander geschlungen.

"Ähm", sagte ich und sah in seine warmen, goldenen Augen. Ich wartete darauf, dass meine Wangen heiß wurden, dass die plötzliche Verlegenheit wegen meiner eigenen Kühnheit vor nur wenigen Augenblicken. Aber es kam nichts. Dann merkte ich, dass ich wohl nie wieder erröten würde.

"Ähm ...?", sagte Edward und wiederholte mein Stottern. Er erwiderte meinen Blick und sah mir in die Augen.

"Es war nicht ... ich meine, ich war nicht zu ... hab ich dir weh getan?"

Edwards Lachen widerhallte in den Bäumen um uns herum, dann lehnte er sich genug vor, um auf jedem Zentimeter meines Körpers, den er erreichen konnte, einen Kuss nach dem anderen zu verteilen. "Mir weh getan? Nein, Love. Du hast mir nicht weh getan."

"Ich ... bist du dir sicher? Ich war ein wenig ..." Ich musste aufhören, weil es mir schwer fiel, mich zu konzentrieren. Ich erwartete nach wie vor, dass mein Körper gleich die Reaktionen zeigen würde, die ich jetzt nicht mehr haben konnte. Ich wartete immer noch auf das Erröten, den beschleunigten Herzschlag, klamme Hände, die normalen Anzeichen meiner Verlegenheit, die es jetzt einfach nicht mehr geben konnte.

"Bella, ich versichere dir, es geht mir gut. Mehr als gut", grinste er und rollte uns herum, bis ich quer auf seiner Brust lag und hinab in seine topasfarbenen Augen blickte.

Ich hob meine Hand, legte sie an seine Wange und zeichnete dann mit meinen Fingern Muster auf seinem Gesicht. "Also kein Bedauern mehr?", fragte ich. Ich konzentrierte meinen Blick auf seine Finger, ich konnte ihm nicht in die Augen sehen.

"Ich werde es immer bedauern, dir dein menschliches Leben genommen zu haben, Bella", sagte er leise, dann nahm er meine Finger in seine Hand. Er zog an meiner Hand, bis ich ihm wieder in die Augen sah. Ich schluckte die Angst hinunter, die meine Kehle fest im Griff hielt, öffnete die Augen und schnappte ein wenig nach Luft, als ich das Lachen in seinen Augen erkannte.

"Ich werde das bedauern, Bella", sein Lächeln wurde noch breiter, als er sprach, "aber ich glaube, ich kann lernen, mit meinem Bedauern zu leben, irgendwann. Schließlich", seine Finger strichen von meinem Hals an mein Rückgrat hinab, wodurch er ein neuerliches Erzittern der Lust in mir hervorrief, "gibt es Kompensationen, mit denen ich nie gerechnet hätte."

Seine Augen hielten meine wieder gefangen, die Hitze war in unserem Blick spürbar, und ich spürte, wie er sich wieder in mir bewegte, da sein Körper sich erholt hatte.

"Ich mag diese Kompensationen", sagte ich. Meine Stimme war tief und belegt vor Lust, die mich durchzuckte, sobald mein Körper Edwards wieder erwachtes Begehren merkte.

Dann stützte er sich auf, um mich zu küssen. Seine Augen waren dunkel und hungrig, aber er hielt nur wenige Zentimeter vor meinen Lippen an. Sein Gesichtsausdruck war so schmerzverzogen, dass es fast schon komisch wirkte. "Edward?"

Edward schüttelte den Kopf. "Alice."

Ich keuchte und bewegte mich dummerweise, um zu versuchen, mich und uns zu bedecken, bevor sie hierher kam. Das brachte Edwards komische Grimasse bloß dazu, sich in ein Glucksen zu verwandeln.

"Ist schon gut, Love. Sie ist weit genug von uns entfernt geblieben, damit ich sie nur hören konnte. Sie sagte, es gibt da ein paar Bilder, die sie nicht in ihrem Kopf haben will, und mein nackter Arsch ist eins davon." Dann hielt er inne, um sich aufzustützen und zu küssen, bevor er weitermachte.

"Warum kam sie dann hierher?"

"Um uns wissen zu lassen, dass unsere Anwesenheit im Haus erforderlich ist, sobald wir ein paar Minuten entbehren können. Alle wollen dich offiziell in unserer Familie begrüßen. Alice hat mir ein paar Schimpfnamen verpasst, weil ich dich ganz egoistisch für mich behalten habe."

"Es hat mich noch nie gestört, wenn du egoistisch warst", sagte ich mit einem Lächeln. Ich küsste ihn, bevor er sich zurückzog. Seine Arme waren sofort wieder um mich gelegt und hielten mich fest.

"Was glaubst du, wohin du gehst?"

"Aber Alice sagte doch ...", protestierte ich.

"Alice sagt vieles, Bella. Sie will auch vieles. Aber sie hat mich jetzt schon wochenlang wegen meiner mangelnden Geduld aufgezogen, da ist es an der Zeit, glaube ich, dass sie selbst lernt, sich in Geduld zu üben." Seine Hände rutschten hinab zu meinem Hintern, seine Finger drückten sich an die unbedeckte Haut, als würde er dies noch betonen wollen.

Dann verbrachte er die nächste Stunde damit, mir diese Betonung auf die sinnlichste aller Arten klarzumachen.

Später, viel, viel später schaffte ich es, mich aus Edwards Armen zu lösen. Ich hätte zittrig oder benebelt oder gar wund sein sollen, weil wir aufgrund unserer körperlichen Aktivitäten so lang auf dem Waldboden gewesen waren. Ich hätte mindestens ein paar Schritte taumeln sollen. Aber ich tat nichts davon.

Als ich aufstand, war ich ruhig und im Gleichgewicht, als würde ich schon seit Stunden hier stehen. Ich würde mich erst daran gewöhnen müssen, an diese plötzliche Eleganz. Ich fragte mich einen Moment lang, wie lang ich wirklich brauchen würde, bis ich nicht mehr ständig damit rechnete, alle paar Minuten hinzufallen.

Dann merkte ich, dass wir ein ziemlich großes Problem hatten, wenn wir zurück zum Haus wollten.

"Ähm, Edward?"

"Ja?"

"Wir können nicht zurück zum Haus."

"Warum nicht?"

Ich schnaubte, dann atmete ich tief ein. "Tja, du hast vielleicht kein Problem, ohne Kleidung vor deiner Familie aufzutauchen, aber ich würde das an deiner Stelle eher nicht machen." Ich deutete auf die Überreste unserer Kleider, die uns auf dem Waldboden umgaben. Nichts war mehr größer als ein Taschentuch.

Ich blickte hoch zu Edward und war überrascht, sein schiefes Lächeln zu sehen, welches seine Mundwinkel nach oben zog. Seine Augen leuchteten. "Upps?"

Dann musste ich auch lachen und ich erinnerte mich an diesen ersten Kuss. Als sein einfacher, experimenteller Kuss zu nichts weniger als einer vollen Attacke meinerseits wurde. "Ich schätze, wir hatten noch nie viel Kontrolle, was uns betrifft, oder?"

Ich war froh, keine Schatten in seinen Augen zu sehen, als er die Kontrolle erwähnte. Ich sah nichts als das Lächeln, das er großteils heute Nachmittag und Abend am Gesicht getragen hatte.

Edward ging einfach herüber zu mir und nahm meine Hand. Er hob sie hoch, damit er mir mit seinen Lippen einen Kuss auf den Handrücken drücken konnte. "Alice hat uns vorhin Kleidung hier gelassen, damit wir uns anziehen können", sagte er leise. "Sie dachte, dass wir die wohl brauchen würden."

"Sie dachte, dass wir die wohl brauchen würden?", fragte ich und zog meine Augenbrauen hoch.

Edward sah verlegen drein. "Ich dachte, das wäre besser als zu sagen, dass sie uns hier heraußen erwischt hat, wie wir uns die Kleider in Stücke rissen und wusste, dass wir neue brauchten, bevor wir nach Hause kommen." Er hielt inne und sah mir mit einem Lächeln in die Augen. "Lag ich falsch?"

Meine freie Hand flog zu meiner Wange. Ich erwartete noch immer ein Erröten, welches nie mehr kommen würde. Stattdessen lachte ich. "Nein, du hast nicht falsch gelegen. Ich nehme an, das ist noch etwas, an das ich mich erst gewöhnen muss? Dass Alice alles sieht, nicht nur das Wetter und was ich am Dienstag nächste Woche anziehen werde?"

Er hielt weiterhin meine Hand in seiner, als wir in die Richtung gingen, in der Alice uns die Kleider zurückgelassen hatte. "Sie versucht sehr, nicht in diese Richtung zu blicken. Genauso wie ich versuche, bestimmte Gedanken die meiste Zeit über in meinem Kopf still zu halten", grinste er und stieß mit seiner Hüfte gegen meine. "Zur Selbsterhaltung, weißt du."

Wir gingen eine Zeit lang in Stille und zufrieden mit menschlicher Geschwindigkeit. Wir waren zufrieden, weil wir einfach zusammen waren. Wir waren in der Nähe eines Pfades, als wir einen kleinen Rucksack fanden, in dem sich Jeans und Pullover befanden, die wir uns anziehen konnten. Ich runzelte die Stirn.

"Bella? Was ist denn?"

"Ich ... es ist wirklich nicht, aber ich habe mich nur etwas gefragt. Eine Frage, auf die ich nie eine Antwort bekommen hatte."

Edward war eine halbe Sekunde später vor mir. Seine Hände umfassten mein Gesicht, sein Blick suchte meinen. "Was, Bella?"

Ich blickte hoch und in seine Augen. Mein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. "Was wurde je aus meinem Truck?"

Es war einen Moment lang still, bevor Edward seinen Kopf in den Nacken warf und lachte. "Sie hat die Ewigkeit als Vampir vor sich und fragt nach ihrem Truck?", fragte er sich selbst. Er schüttelte den Kopf, aber er merkte anscheinend endlich, dass es mir gut ging, mehr als nur gut, mit meinem neuen Leben.

Das war ein neuer Edward, der neben mir durch den Wald lief und mit dem ich über alles und nichts sprechen konnte. Er hatte keine Schmerzen, er schalt sich nicht selbst, er musste sich wegen nichts Sorgen machen. Ich dachte, dass ich wohl eine Weile brauchen würde, bis ich diesen neuen Edward kennen gelernt hatte, einen, der frei war von ständiger Sorge und Schuldzuweisungen.

"Was hat das Lächeln zu bedeuten?", fragte Edward, als wir uns dem Haus näherten.

Ich lachte. "Nichts, wirklich. Ich habe mich nur gefragt, was ihr jetzt alle mit eurer vielen Freizeit machen werdet, jetzt, da ihr euch nicht mehr um mich sorgen müsst?"

Er lachte wieder, lang und ausgiebig, und schwang mich in seine Arme. Er grinste auf mich hinab, ein Grinsen, das mir ziemlich anzüglich vorkam. "Ich bin mir sicher, mir fällt da schon etwas ein, um die Zeit sinnvoll einzusetzen", sagte er in einem tiefen Flüstern.

"Kann ich dir dabei helfen?"

"Oh, das hoffe ich doch sehr", knurrte er zurück. Sekunden später trafen seine Lippen in einem langen, ausgiebigen Kuss auf meine.

"Ich liebe dich", sagte ich atemlos, als sein Mund meinen wieder freigab. "Für immer."

"So wie ich dich liebe, Bella. Für die Ewigkeit."

So schwer es auch war, unserer anwachsenden Lust nicht wieder nachzugeben, schafften wir es doch, uns von einander zu trennen und zum Haus zurückzugehen. Wir würden meiner neuen Familie Zeit geben, mich willkommen zu heißen, Carlisle Zeit geben, mich zu befragen, Esme Zeit geben, mich zu verhätscheln, Emmett Zeit geben, mich zu necken und meinem Erröten nachzutrauern, Alice Zeit geben, zu kreischen und zu tanzen und Pläne zu schmieden, wie wir unser Zimmer in dem großen Haus neu einrichten könnten.

Wir würden ihnen all das geben, weil wir hatten noch die Ewigkeit vor uns. Als ich die Wärme von Edwards Hand in meiner spürte, dachte ich, dass die Ewigkeit für uns gerade lang genug war.


The End