Disclaimer und Ü/N: Die Charaktere und Handlungsorte gehören SM. Die Story gehört Feisty Y. Beden und ist hier auf ff net zu finden (über meine favorisierten Autoren verlinkt). Dies ist die offizielle deutsche Übersetzung.

Goodnight, Noises Everywhere

Kapitel 1

Dark

Wenn ich meine Augen schloss, konnte ich es fast vergessen. Ich konnte mir vorstellen, dass jeder, den ich liebte, noch am Leben war, dass das Haus still war, nur weil es Nacht war und alle schliefen. Ich konnte so tun als ob. Ich wusste nicht, was schlimmer war: das Geschenk einfach anzunehmen oder mich selbst so viel wie möglich zu täuschen, nur um dann wieder und wieder mit der Tatsache konfrontiert zu werden, dass ich das Offensichtliche vor mir nicht ignorieren konnte. Es war klar und deutlich.

Ich war immer noch in meinem Bett. Es war immer noch mein zu Hause, aber niemand sonst war hier. Niemand würde jemals wieder hier sein. Ich zitterte unter meiner Decke. Charlie hatte mir diesen Bettbezug gekauft, als ich in die High School gekommen war. Ich hatte ihm gesagt, dass ich jetzt zu alt für mein rosa-kariertes Muster war. Ich war auch ziemlich patzig gewesen – heute schämte ich mich sogar dafür, ich bedauerte es sehr – aber er ist ein paar Tage später mit diesem wunderschönen, erwachsenen, femininen und doch nicht zu aufgeblasenen Bettbezug nach Hause gekommen. Es war perfekt. Charlie. Ich erstickte ein Schluchzen. Ich wusste, ich würde heute hier nicht mehr einschlafen können.

Als ich meine Augen öffnete, war es noch genauso dunkel wie zuvor, als ich meine Augen zusammen kniff und versuchte mir vorzumachen, dass wir zurück in der Vergangenheit waren. Vor zehn, fünf, oder auch nur einem Jahr, vor der Epidemie. Ich wusste nicht, wie spät es war. Die Batterie in meiner Uhr war seit Monaten leer. Ich wünschte, ich hätte eine alte Uhr zum Aufziehen – ich glaube, Grandpa Swan musste eine gehabt haben. Aber auch wenn ich sie fand, auch wenn sie nicht zerstört oder geplündert worden war, woher sollte ich wissen, welche Zeit ich einstellen sollte? Spielte Zeit überhaupt noch eine Rolle?

Ich öffnete die Tür. Ich brauchte kein Licht, um von meinem Zimmer in Charlies Schlafzimmer zu gelangen. Ich versuchte, meine letzten Erinnerungen an ihn zur Seite zu schieben. Er war blass, zitterte und war mit Schweiß bedeckt. „Bleib weg", hatte er mit kratziger Stimme gesagt. „Für mich ist es nun zu spät."

„Aber Daddy, ich ... es ist mir egal. Verlass mich nicht. Daddy, Daddy", hatte ich gesagt. Meine Wangen waren nass, und mir wurde klar, dass ich Daddy, Daddy, Daddy laut ausgepsrochen hatte. Wütend wischte ich die Tränen weg. Ich versuchte, mir Charlie gesund vorzustellen. Charlie, wie er mich hoch nahm und mich herumwirbelte, während er mich fest umarmte. Charlie, wie er heim kam und nach Fisch und der Natur roch. Das besondere Lächeln, das er nur mir schenkte. „Du musst am Leben bleiben, mein kleines Mädchen", hatte er gesagt und mich ungeschickt mit einem bleischweren Arm weggescheucht. „Du musst für mich leben."

Charlie hatte mich von der Schule abgeholt. Charlie war mit mir in der Mall neue Schuhe einkaufen gegangen. Charlie hatte unser Abendessen abrennen lassen und wie ein verwirrter Muppet mit den Händen geflattert, während er versucht hatte, nicht vor mir zu fluchen. Ich zwang die guten Erinnerungen in den Vordergrund, atmete tief durch und ballte meine Hände zu Fäusten.

Aber die schlimmen Erinnerungen kamen immer wieder zurück. Der Tag, an dem er mit geweiteten und glasigen Augen heim gekommen und gestolpert war, als er versuchte, seine Schuhbänder zu öffnen. Er war im Vorzimmer zusammengebrochen. Ich war stärker gewesen, als ich gedacht hätte, und ließ ihn sich an meiner Schulter anlehnen, um ihn die Stufen hinauf und ins Schlafzimmer zu führen. „Es ist nichts", hatte er gesagt. „Das ... ist es nicht." Aber wir wussten beide, dass er log. Er war einer der letzten gewesen, die krank wurden, und dummerweise hatte ich gedacht – oder mich selbst dazu gezwungen, zu glauben – dass wir Swans vielleicht so guter Gesundheit waren, wass wir dies überleben konnten. Dass wir davon verschont blieben.

Ich stand nun vor seiner Türe und öffnete sie ein wenig. Es roch noch nach ihm, großteils wie wenn Charlie noch am Leben wäre, aber der Geruch des Todes hatte sich in den Wänden festgefressen wie ein öliger Rückstand. Ich kroch zu dem Bett, in dem er gestorben war, wo er verschwunden ist wie Sand, der durch meine Finger rieselte.

„Bleib weg, Bella", hatte er gesagt. „Bitte." Aber ich hörte nicht auf ihn. Ich wusste, wenn Charlie fort war, würde ich allein sein. Ich wollte nicht alleine leben. Ich wollte mir das auch holen, was er hatte, um mit ihm zu sterben. So viele waren bereits gestorben, so viele Freunde. Gott, ich wünschte, irgendjemand sonst, der mit mir zur Schule gegangen war, hätte überlebt, und wenn es die zickige Lauren Mallory gewesen wäre. Was hätte ich dafür gegeben, sie zu hören, wie sie ein Kommentar über meine unmögliche Kleidung oder mein Gesicht von sich gab. Warum war ich auserwählt? Warum war ich anscheinend immun gegen dieses mysteriöse Virus? War dies meine Hölle? Ich war zu ihm ins Bett gekrochen, während er versuchte hatte, mich schwach von sich zu schieben. Ich hatte meine Arme um ihn geschlungen und ihn zum letzten Mal in den Schlaf gewiegt. „May the road rise up to meet you; may the wind be always at your back", sang ich ihm vor, als sein Geist mit seinem letzten Atemzug entwich.

Ich krabbelte ins Bett zu den Kissen, die ich mit Charlies alter Kleidung überzogen hatte. Wenn ich meinen Kopf in dem Flanell vergrub und tief einatmete, konnte ich mir fast vorstellen, dass wirklich er es wäre, obwohl das Kissen keine Wärme, keinen Herzschlag in sich trug. Ich kuschelte mich an das alte Hemd, die harten Plastikknöpfe ließen einen Abdruck auf meiner Wange zurück, aber ich wurde genügend beruhigt, sodass ich mich wieder ein wenig schläfrig fühlte. Ich erinnerte mich schleierhaft an meinen Naturkundeunterricht, als wir Harlows Experiment (1) an Baby-Rhesusaffen durchgenommen hatten. Mit meinem Kopf an Charlies altem Hemd konnte ich verstehen, warum die Äffchen die Mutter aus Frottee angenommen hatten.

Ich vergrub meine Nase in Charlies verbliebenen Geruch und versuchte auszublenden, dass ich an der Stelle lag, wo er gestorben war.

Er war nur einmal gestorben. Der Tod nahm in diesem Bett nur einen kleinen Part ein. Ich versuchte, mich an all die Nächte zu erinnern, in denen er am Leben war und hier geschlafen hatte. Ich konnte das Blut in meinen Ohren rauschen hören von dieser Stille, die rund um mich herum herrschte.

In ein paar Stunden würde es Morgen sein, ein neuer Tag, was auch immer dies nun bedeutete. Es war bedeutungslos. Die Sonne würde nutzlos am Himmel stehen, eine hübsche Kugel, mehr nicht. Die Sonne mit ihrer unpassenden, sogar respektlosen Heiterkeit. Was gab es noch, wofür es sich zu scheinen lohnte? Wer würde die Wärme lieben? Wer war zurückgeblieben, um sich von ihr zu nähren? Ich wünschte beinah, es würde die ganze Zeit über dunkel bleiben. Es wäre einfacher für mich.

Ich schloss meine Augen, klammerte mich fester an mein Kissen und betete dafür, dass der Schlaf bald die Vergessenheit mit sich bringen würde.

Draußen war die Luft leise und schwer, und ich wusste, dass ich die einzige war, die atmete, das einzige Herz hatte, das noch schlug.

Ich wünschte, ich könnte die Grillen zirpen hören, aber es gab nur mich. Meine Brust hob und senkte sich, das Rauschen des Blutes erklang in meinen Ohren. Es gab nur mich.

Und es würde auch nur noch mich geben, für jetzt und für immer. Amen.

(1) Ihr könnt etwas über das berühmte Experiment nachlesen, wenn ihr Harry Harlow in Wikipedia eingebt.

Ü/N: Ich hoffe, der Einstieg hat euch gefallen. Sagt mir eure Meinung in einem Review!