Sie hüpfte mit einer Phiole in der Hand auf die Tür zu. Sicher, Squiffy Mary Kelly roch nie gut, aber davon abgesehen, war sie eine sehr nette Lady. Besonders nach dem Trank. Daddy verstand das nicht, aber sie lächelte sie immer an und sagte ihr, sie solle ein braves, kleines Mädchen sein und dass sie nett war und lieb, weil sie ihr den Trank gebracht hatte. Aber Daddy wusste, dass Squiffy Mary Kelly ihr immer einen Sickel extra gab, und sie durfte ihn auch behalten. Er hatte ihr ein Sparschwein mitgebracht (eigentlich, so hatte er ihr erklärt, war das ein Spar-Warzenschwein) und sie warf jeden einzelnen Sickel dort hinein. Das war kurz vor Weihnachten gewesen.

Und an Weihnachten - oh, zu Weihnachten hatte er ihr ein neues Kleid geschenkt, ein paar Buntstifte, damit sie in echt malen und zeichnen konnte, und er war sicher gegangen, dass immer Platz auf dem Tisch war, wenn sie malen wollte. Und manchmal nahm sie einfach eines ihrer Bücher, legte es auf ihre Beine, wenn sie auf ihrem Stuhl in der Apotheke saß (ja, sie konnte es jetzt sagen!) und zeichnete dort.

Sie war traurig gewesen, dass sie ihm zu Weihnachten nichts schenken konnte. Sie hatte kein Geld, sie hatte damals noch keine Buntstifte gehabt, gar nichts. Aber zu seinem Geburtstag hatte sie ihm jede Menge Bilder gemalt. Eines mit ihr und ihm zusammen, wie sie brauten. Eines mit ihr auf dem Stuhl. Eines mit ihm, wie er in der Apotheke mit einem Kunden sprach, und eines mit ihnen zusammen, wie sie frühstückten. Er hatte nicht gelächelt, als sie sie ihm gegeben hatte. Aber sie wusste, dass er beinahe gelächelt hätte. Beinahe.

Weil es gab nun auch ein viertes Gesicht. Wenn die Linien auf seiner Stirn fast verschwunden waren und der linke (oder war es der rechte? Er hatte erst vor kurzem begonnen, ihr das beizubringen, aber sie erinnerte sich nicht immer daran) Mundwinkel ein kleines bisschen zuckte. Wirklich. Nur ein klein wenig. Und seine Augen waren ein wenig, naja, netter als normal. Sie waren eher braun als schwarz. Aber man konnte es nur sehen, wenn man ganz nah bei ihm stand. Oder wenn man auf seinem Schoß saß.

Und ja, Ophelia liebte es, auf dem Schoß ihres Daddys zu sitzen. (Sie benutzte vorerst diesen Namen für ihn. Sie hatte nachgedacht und nachgedacht und nachgedacht, aber nichts hatte richtig geklungen. Dadvater war dumm. Vati war auch dämlich. Daddysir klang bescheuert. Sirdaddy noch schlimmer. Und er hatte ihr das vierte Gesicht zum allerersten Mal gezeigt, als sie sich ganz dicht an ihn gekuschelt hatte, nachdem sie wieder etwas Schreckliches von Madame Sylvie unter ihrem Bett geträumt hatte, und sie hatte ihm gesagt, dass sie sich bei ihm sicher fühlte. Nein, sie hatte etwas anderes gesagt. Sie hatte gesagt: 'Du bist so nett, Daddy.' Aber ja, er hatte das vierte Gesicht gemacht." Es war einfach schön, sich an ihn zu lehnen und mit ihm zu kuscheln (er würde nie sagen, dass er mit ihr kuschelte. Eigentlich war er jemand, der überhaupt nicht viel sagte, aber es war einfach kuscheln) und fest von ihm gehalten zu werden.

Sie legte dann immer ihren Kopf an seine Brust, sodass er direkt sein Kinn darauf legen konnte. Und das tat er sehr häufig.

Und erst letzte Woche hatte er ihre Schwäche entdeckt, als sie nicht schlafen konnte und sie sich wieder in sein Bett geschlichen hatte. Sie war so müde gewesen und am nächsten Morgen konnte er sie nicht wirklich aufwecken. Bis, ja, bis er sie in die Seiten gepiekst hatte. Und da hatte er anscheinend gemerkt, dass sie sehr, sehr, sehr kitzelig war. Und er hatte sie gekitzelt. Bis sie aufgestanden war. Aber das war sehr böse. Und nun machte er das manchmal und kitzelte sie. Und das war wirklich böse.

Aber er machte normalerweise das vierte Gesicht, wenn er das tat.

Und das war böse. Sie hatte nicht vorgehabt, dass er herausfand, dass sie kitzelig war.

Aber nun wusste er es und sie wusste, dass er sie zumindest tagsüber nicht kitzelte. Aber das war nur deswegen so, weil er nur selten die Gelegenheit dazu hatte, wenn sie bei ihm in der Apotheke war. Sie saß auf ihrem Stuhl und versuchte zu lesen, und manchmal, wenn nicht zu viele Kunden da waren, fragte sie ihn nach einem Wort, das sie nicht kannte, oder sie brauten zusammen. Er hatte versprochen, sie würden mehr Ausnüchterungstrank für Squiffy Mary Kelly brauen.

Und sie hatte noch nie zuvor geholfen, den zu brauen. Und das war immer aufregend.

Er hatte den Schemel, auf dem sie stand, nun immer unter dem Tresen stehen und sie konnte jederzeit darauf steigen, obwohl es ihr nicht gefiel, wenn viele Leute kamen.

Und manchmal, aber wirklich nur ganz manchmal, fragte sie sich, ob es hier nicht auch andere Kinder gab. Sie sah nie welche.

Aber oh - Squiffy Mary Kelly gab ihr das Geld und da waren zwei Sickel extra!

"Danke, Squiffy!" Sie strahlte und die nette Lady tätschelte ihr den Kopf und Ophelia hüpfte davon. Und natürlich war Daddy jetzt ein wenig, ein ganz klein wenig genervt. Genervt war okay. Bei böse musste sie aufpassen. Ein böser Daddy war schlimm und er brachte sie dann nicht ins Bett, wenn er böse auf sie war. Sicher, es war erst ein oder zwei Mal vorgekommen, und seit Weihnachten überhaupt nicht mehr, aber dann würde sie keinen Kuss auf die Stirn bekommen, von dem er immer so tat, als würde er ihn ihr nicht geben, wenn er sie ins Bett brachte.

Ophelia, und da war sie sich sicher, wollte niemals mehr wo anders ohne ihren Daddy leben, weil sie liebte ihn und er liebte sie. Auch wenn er das nicht sagte. Aber sie wusste es.

Sie merkte es jeden Tag, ob sie nun in seinem Bett schlief oder in ihrem eigenen. Er ignorierte sie nie am Morgen, er ging immer sicher, dass sie genug aß, dass sie sauber genug war, dass sie das richtige Buch ausgewählt hatte, um es mit nach unten in die Apotheke zu nehmen, falls er einen der Tränke braute, bei dem sie ihm nicht helfen durfte - und er erklärte ihr sogar jedes Mal warum, meistens weil sie sehr gefährlich waren und er einen Schutzzauber über sie legen musste, was angenehm kitzelte - und weil einige Bücher nach einer Weile langweilig wurden. Er ging sicher, dass sie lesen lernte, und dass sie ein wenig das Tränkebrauen lernte. Und ja, er kuschelte immer mit ihr. Er brachte sie ins Bett.

Sie liebte ihren Daddy einfach.

"Können wir jetzt brauen, bitte?", fragte sie. Sie sah zu ihm hoch und er tat das, was er immer tat, er knurrte ein wenig, aber beinah sofort zog er ihren Stuhl unter dem Tresen hervor und half ihr, sich darauf zu stellen, und er stellte sich sofort hinter sie, damit sie sich für einen kurzen Moment an ihn lehnen konnte.

"Ich hab dich lieb, Daddy", flüsterte sie, nur weil ihr danach war. Und weil sie wusste, dass er deswegen das vierte Gesicht machte. Das glückliche Gesicht. Auch wenn sie es nicht sehen konnte, sie wusste, dass es da war.


Das war etwas, an das er sich nicht leicht gewöhnte. Im Gegenteil sogar. Meistens, wenn sie es sagte, und sie sagte es immer in den seltsamsten Momenten, dann überraschte es ihn, erwischte es ihn am falschen Fuß. Wie jetzt gerade. An Weihnachten war es anders gewesen, als er ihr ein paar Buntstifte geschenkt hatte, da sie immer mit der Seifenlauge in der Badewanne malte, und sie fuhr immer die Zeichnungen in seinen Büchern nach – ihren Büchern. Er hatte ihr Platz zum Malen auf dem Tisch gegeben, naja, nicht wirklich, er hatte nur einmal seine eigenen Dokumente sortiert, hatte ein wenig aufgeräumt und sie hatte ihren Platz dort ja sowieso. Wenn sie zeichnen wollte, konnte sie das jetzt tun. Und er hatte ihr ein paar dringend benötigte Kleidungsstücke geschenkt. Ein Kleid. Er hatte damals fast das "Ich hab dich lieb, Daddy", erwartet. Nicht jetzt.

Dies war eine der Gelegenheiten, wo er komplett überrascht war.

Er würde sich wahrscheinlich irgendwann daran gewöhnen. So war es ja auch gewesen, als er zum ersten Mal das Wort "Daddy" aus ihrem Mund hörte und er merkte, dass sie ihn damit gemeint hatte. Er und ein Daddy. Komplett seltsam. Aber er hatte sich daran gewöhnt. Vielleicht würde er sich wirklich auch daran gewöhnen, wenn sie sagte, dass sie ihn liebte. Auch wenn das warme Gefühl in seinem Bauch nicht mehr so unangenehm war. Im Gegenteil sogar.

Nun wusste er, dass er ein paar Dinge richtig gemacht hatte. Sie vertraute ihm völlig und sie lernte bereitwillig, was er ihr beibrachte. Sie war vollkommen fasziniert von all dem, das mit Tränken und Büchern zu tun hatte, und sie trug immer nur schwarz.

Er war dagegen gewesen, aber er hatte herausgefunden, dass er keine Chance hatte, wenn sie dieses besondere Gesicht machte. Er war sich nicht sicher warum. Das war einfach so in ihrem Leben. In ihrem gemeinsamen Leben.

Er hatte sich nicht sehr verändert. Seine tägliche Routine, naja, nein, nicht sehr. Wahrlich, er aß nicht mehr allein, und er ernährte sich gesünder, um ihretwillen, er ging sicher, dass er sie abends ins Bett brachte (das war etwas, das er in all den Erinnerungen vermisst hatte, die er in seinem lächerlich teuren Denkarium angesehen hatte – es war immer nur er gewesen, der allein ins Bett kletterte und deswegen traurig gewesen war), er unterhielt sich mit ihr beim Abendessen, fragte sie, was sie tagsüber in der Apotheke gesehen hatte (wobei er hier eher herausfinden wollte, was sie heute von ihm gelernt hatte), er half ihr beim Baden, er war für sie da. Auch wenn das bedeutete, dass er von ihr geknuddelt wurde, und auch wenn das bedeutete, dass er von ihr geküsst wurde.

Und sie hatte erst vorige Woche eine wertvolle Lektion gelernt. Zeige niemandem deine Schwächen. Sie war sehr kitzelig (so wie er – schließlich war sie seine Tochter) und das nutzte er zu seinem Vorteil. Und sie wusste es. Er hatte es jeden Tag deutlich gemacht. War sicher gegangen, dass er sie jeden Tag kitzelte.

Auch wenn es ihm ziemlich Spaß machte. Er hoffte bloß, sie würde nie herausfinden, dass er die selbe Schwäche hatte.

"Siehst du das? Wir geben die Tomatensamen hinein. Als ganzes."

"Warum?", fragte sie wie üblich. Sie wandte den Blick nicht von der blubbernden Flüssigkeit im Kessel ab.

"Sie würden ihre Potenz verlieren, wenn wir sie schneiden oder würfeln oder in den Mörser geben", erklärte er ruhig. Dienstag. Ein ruhiger Tag. Ein Tag, an dem er mit ihr brauen konnte. Sie war so willig, zu lernen. So interessiert. Sie stellte immer die richtigen Fragen. Und lehnte sich immer an ihn, wenn beim Brauen eine Pause entstand. Sie suchte immer den Kontakt.

"Wie andere Samen?"

"Genau. Zum Beispiel?"

"Erbsensamen und Mohnsamen und Mandelsamen und ... sonst kenne ich keine."

"Das reicht schon", sagte er und legte ihr die Hand auf die Schulter. "Nun rühre fünfzehn Mal um."

"Welche Richtung?", fragte sie und er fühlte sich irgendwie stolz. Sie war noch nicht einmal fünf, aber wusste, worauf es ankam.

"Im Uhrzeigersinn", antwortete er leise und wagte es einen Moment lang, ihr Gesicht zu betrachten. Sehr, sehr, sehr konzentriert hatte sie ihre Augenbrauen zusammengezogen. Ihre Zähne bissen ein wenig auf ihre Unterlippe.

"Du meine Güte, wenn das nicht Severus Snape und seine berühmte Tochter ist", ertönte eine schnarrende Stimme von der Tür.

"Du meine Güte, wenn das nicht Lucius Malfoy ist, der allmonatlich den Trank abholt, von dem niemand wissen darf", schnarrte er höhnisch zurück und legte ungesehen seine Hand an Ophelias Rücken. Sie hatte Malfoy noch nie gesehen, da er sie immer rechtzeitig vorher nach oben geschickt hatte, und er konnte ein wenig einschüchternd sein. Und jetzt sogar noch mehr.

"Das ist deine?"

"Sieht sie aus wie meine?"

"Eigentlich schon. Aber ich sehe keine Spur von Schlammblut Granger in ihr."

"Warum sollte es auch? Ophelia ist mein", antwortete er neutral - er versteckte seine Überraschung bei der Erwähnung von Granger vollkommen.

"Der Tagesprophet und einige andere Zeitungen und Informanten denken anscheinend, dass dieses Kind," sagte er höhnisch und trat näher, "von dir und dem Schlammblut stammt."

"Ist das so?"

"Das ist so."

"Und soweit ich mich erinnere, denken der Tagesprophet und einige andere Zeitungen und Informanten anscheinend, dass du dieser Tage recht unschuldig und aufrecht bist."

"Ist das so?"

"Das ist so", sagte Severus wieder höhnisch und er spürte, dass Ophelia ein wenig zitterte und ihre Hand die seine suchte. Er gab sie ihr und sie nahm sie sofort und hielt sie fest. "Nun, wenn es sonst nichts gibt? Hättest du gern den Trank? Ah, und nur, damit du Bescheid weißt, der Preis ist ein wenig gestiegen. Aber man kann schließlich nicht erwarten, oder, dass so ein Trank günstig wäre. Schließlich ist er wichtig für dich und da niemand außer mir ihn zu deiner Zufriedenheit brauen kann, damit du eine Lösung für dein kleines Problem hast, und da ich der Einzige bin, der nicht sofort zum Tagespropheten oder einigen anderen Zeitungen und Informanten laufen würde, hast du keine andere Wahl, als ihn zu bezahlen, oder?"

Malfoys Fassade geriet kurz ins Wanken. "Wie viel?"

"Tja, da du geglaubt hast, ich wäre willig, mein Bett mit Granger zu teilen, würde ich sagen, dieses Monat 120 Galleonen."

Die Fassade blieb aufrecht. Das arrogante Gesicht war nach wie vor da. Leider wusste Severus, dass die Malfoys einen relativ großen Teil ihres Vermögens verloren hatten, und daher waren 120 Galleonen eine Menge Geld für Lucius. So wie für die meisten Menschen. Und dennoch würde er diesen Preis bezahlen. Er hatte perverse Fantasien und Bedürfnisse, die er erfüllen musste, und das konnte er nur mit diesem Trank.

"Du meine Güte, Snape, du bist wahrhaft ein Geschäftsmann dieser Tage."

"Das bin ich sicherlich", schnarrte er und drückte die Hand seiner Tochter zwei Mal kurz hintereinander. Sie würde es verstehen. Schließlich war sie sein Mädchen. "Entweder du bezahlst, oder du gehst."

"Sie ist ein hübsches, kleines Mädchen." Er hob in stiller Drohung seine Augenbrauen und sah Ophelia an.

"Dein Problem ist wohl doch nicht so klein, oder? Und du wirst diese Phiole wohl dieser Tage eher brauchen als sonst."

"120 Galleonen", sagte Lucius und legte das Geld auf den Tresen. Er hatte verstanden. Drohung gegen Drohung. Und es kümmerte ihn nicht genug, als dass er sonst jemanden sein Geheimnis anvertraute. Nein - Ophelia war seine Verpflichtung, sein Fleisch und Blut, und er musste sie beschützen. Egal was es kostete.

Die zwei Männer nickten einander an und Ophelia hielt seine Hand wieder ein wenig fester, als Lucius sie erneut ansah. "Schade, dass jeder glaubt, sie wäre von Granger und dir."

"Ja, schade. Besonders da ich mich noch sehr deutlich daran erinnerte, was du über Granger dachtest und was du mit ihr anstellen könntest, Lucius."

Und damit war der große, beinah gebrochene Mann verschwunden und Severus konnte sein Grinsen nicht mehr verbergen. Lucius tat, was er sagte. Und er würde Ophelia ziemlich sicher keinen Schaden zufügen. Eine Sorge weniger.

Aber was war das mit Granger gewesen? Die Zeitungen - nein, er las sie nicht - dachten, seine brilliante Tochter wäre von ihm und ihr? Was für ein vollkommener Schwachsinn.

"Daddy, wer war der Mann? Er hat mir Angst gemacht."

"Ich weiß, Ophelia. Aber er kann dir nichts tun."

"Versprochen?" Sie drehte sich auf ihrem Stuhl um und sah ihn an. Ihr Kinn war an seinen Bauch gedrückt.

"Versprochen."

Sie nickte, umarmte ihn um die Mitte (noch etwas, an das er sich fast gewöhnt hatte. Fast.) und offenbar lächelte sie in seinen Umhang und er, naja, er tat das, was seine Mutter getan hatte, was er im Denkarium gesehen hatte, als er noch klein war, und er streichelte sanft über ihr Haar.


"Rosie? Hugo? Was haltet ihr von einem kleinen Ausflug nach London?"

Ihre Kinder hüpften auf und ab und riefen laut ja, ja, ja und obwohl sie bevorzugt allein gegangen wäre, hatte sie keine andere Wahl. Ihre Eltern mussten beide arbeiten, Miss Breaze hatte auch keine Zeit, momentan sprach sie nichts mit Molly Weasley, und sowohl Ron, als auch Harry und Ginny waren alle auf der Arbeit. Nur sie hatte sich den Tag freigenommen. Sie musste sich in London eine Wohnung suchen, und sie musste sicher gehen, dass er die Gerüchte nicht verbreitet hatte.

Natürlich hatte er das nicht, so dumm war er auch wieder nicht, aber sie musste das einfach klar stellen.

Sie und Snape, die ein gemeinsames Kind hatten - wer hatte je so etwas idiotisches gehört?

Nein, sie würde einfach netter und höflicher sein als beim letzten Mal. Sie würde ihn fragen, ob er dachte, es wäre besser, das zu ignorieren, oder ob sie eine Aussage geben sollten. Er würde ihr wahrscheinlich nicht antworten, aber hoffentlich konnte sie aufgrund seiner Reaktion eine Entscheidung treffen.

Zumindest glaubte Ron diesem Blödsinn nicht. Und genauso wenig Harry und Ginny. Aber es gab viele Leute, die es offenbar glaubten. Aber eigentlich gefiel ihr diese Art der Diffamierung ihrer Persönlichkeit nicht. Ihrer Persönlichkeit. Und Rons Persönlichkeit, und ihrer Kinder. Dass indiziert wurde, sie hätte während all der Zeit, in der sie verheiratet gewesen war, eine Beziehung mit Snape geführt.

Sie wusste aber, dass es die Gerüchteküche bloß anheizen würde, wenn sie dorthin ging. Aber den Versuch war es ihr wert. Und sie konnte immerhin ein paar Zutaten kaufen, wenn sie schon da war.

"Okay, dann macht euch bereit, wir apparieren in zwei Minuten. Wir sehen uns ein paar Wohnungen an und anschließend gibt's vielleicht ein Eis bei Fortescue?" Sie grinste und sah ihren Kindern nach, die nach oben liefen und wahrscheinlich herausfinden wollten, wer schneller war.

Alles würde gut gehen. Sie würde ihre Kinder beschützen. Auch in der Nokturngasse. Und es war wahrscheinlich gut für die Kinder, einmal zu sehen, dass es nicht nur freundliche Leute auf der Welt gab.

Sie würde zu Snape gehen. Mit ihren Kindern.