Es gab eine Person, die er regelmäßig sah, mit der er nie viel sprach, aber eine Person, die etwa einmal im Monat kam und hallo sagte. Er versuchte, höflich zu sein, denn er wusste, er würde informiert werden, wenn irgendetwas Wichtigeres in den Kreisen passierte, in denen er verkehrte. Nicht, dass es ihn interessierte. Zumindest nicht sehr.

Und er wusste, dass Hagrid heute kommen würde. Und als er seine Tochter so friedlich neben sich schlafen sah, mit ihren kleinen Füßen, die sie zwischen seine Oberschenkel gesteckt hatte, hatte er absolut keine Absicht, die Apotheke heute zu öffnen. Wodurch er sie sehen würde.

Niemand, absolut niemand hatte Interesse an ihm gezeigt, und das gefiel ihm auch. Er betrieb seinen Laden, er tat, was er tun musste, um etwas zu verdienen, und nun hatte er eben eine Tochter. Er brauchte von niemandem Ratschläge. Nicht von den Damen auf Hogwarts, nein, oh nein. Natürlich würde es die Weasley-Frau schon wissen – auch bekannt als ehemalige Miss Granger oder immer noch Miss Granger oder was auch immer, es war ihm egal. Aber andererseits wäre es Molly Weasley sicher ziemlich egal. Schließlich war er die Person, die ihren Sohn verletzte, wodurch er ein Ohr verlor. Da konnte sie recht ... nachtragend sein.

Außerdem waren die Weasleys von Prinzip her eine respektable Familie. Die Nokturngasse, und damit auch sein Laden, waren das komplette Gegenteil von respektabel.

Dennoch verdiente das Geld sich nicht von allein, also schlüpfte er aus dem Bett und ließ Ophelia schlafen. Warum er das genau tat, wusste er nicht genau. Aber es war spät gewesen, als sie letzte Nacht in sein Schlafzimmer gekommen war und als sie ihm erzählte ... ihm erzählte ... ihm erzählte ... nein, er konnte es nicht wiederholen. Aber sie hatte es gesagt.

In ihrer Stimme, die an seiner Brust gedämpft war, und sie hatte sich an ihn geklammert. Hatte ihre Füße an seinen Oberschenkeln gewärmt.

Er schüttelte sich innerlich und stand auf, zog sich an, beobachtete sie, aber sie schlief weiter – halb auf seinem Kissen, halb auf ihrem Plüschtier. Kuschelte mit seiner Decke.

Severus Snape seufzte und drehte sich um, aber er sah über seine Schulter, hob seinen Zauberstab und ein wunderschönes, silbernes Pferd sprang aus der Spitze heraus. Es stand bereit und wachte über dem Bett.


Hermione dachte nach. Sie hatte die ganze Nacht lang nachgedacht. Und noch mehr nachgedacht. Noch eine dieser fast schlaflosen Nächte und sie würde zu einer wandelnden Gefahr werden, wie immer, wenn sie nicht genug Schlaf abbekam.

Stattdessen war sie ihrer Mutter ausgewichen, hatte ihren Vater gemieden, war früh aufgestanden, hatte ihre Bücher und ihre Notizen gepackt und war in den Garten gegangen. Sie hatte einen Mantel an und einen Wärmezauber über sich gelegt und umgeben vom Rascheln der Blätter, hatte sie ein wenig gearbeitet. In der frischen Luft, um einen klaren Kopf zu bekommen.

Sie hatte zwei Briefe geschrieben ... und bislang noch keine Antwort erhalten. Weder von Hagrid, noch von Harry. Und ehrlich, sie dachte jetzt nicht mehr, dass das eine gute Idee gewesen war.

Sie hatte zwei Briefe geschrieben ... und bislang noch keine Antwort erhalten. Weder von Hagrid, noch von Harry. Und ehrlich, sie dachte jetzt nicht mehr, dass das eine gute Idee gewesen war. Sie hatte vorschnell reagiert. Das tat sie eben manchmal, und wirklich, Severus Snape ging sie eigentlich gar nichts an.

Aber das Kind - es ging sie zwar auch nichts an, aber da gab es ein Kind, eine unschuldige Seele war involviert. Und sie war nicht überzeugt, dass er die richtige Person war, um ein kleines Mädchen großzuziehen, obwohl ihre Mutter Recht gehabt hatte und er sie mit einer gewissen Art von Beschützerinstinkt behandelt hatte.

Und doch bestritt der rationale Teil ihres Gehirns, dass sie es nicht mit Sicherheit wusste.

Ihre Mum hatte Recht gehabt, und Hermione hasste es, das zuzugeben. Sie kannte ihn nicht. Sie erinnerte sich bloß an den Lehrer und tja, ihr Mann hatte sie beeinflusst.

Ihre Augen weiteten sich und sie klappte ihre Bücher zu, legte sie auf ihre Notizen und lief ins Haus.

"Mum, hast du ein ..."

"Guten Morgen, Hermione", sagte Judith Granger. Sie hatte eine Tasse Kaffee vor sich stehen, die Kinder saßen ihr gegenüber und aßen ihre Frühstücksflocken.

"Morgen, Mum", antwortete sie rasch und gab ihren Kindern einen Kuss auf den Kopf. "Hast du ein ..."

"Pergament gesehen, das vor einer halben Stunde hier ankam? Ja. Mit einer großen, braunen Eule, die im Wohnzimmer Dreck gemacht hat? Ja. Auf dem Kaffeetisch", antwortete sie, ohne wirklich aufzublicken.

"Das sind die Dokumente", sagte Hermione düster und ging davon. Sie hoffte, dass ihre Mutter sie trotz des Streits dabei unterstützen würde.


"Ich bin gleich wieder zurück, Kinder", sagte Judith Granger und stand auf. Die Kaffeetasse ließ sie auf dem Tisch stehen. "John!", rief sie dann und lächelte Rose und Hugo an.

"Ja?" Ihr Mann kam die Stufen herunter. Sie ging auf ihm zu, am Wohnzimmer vorbei, wo ihre Tochter auf der Couch saß und über einigen Dokumenten brütete.

"Pass auf sie auf, bitte", flüsterte sie und deutete in die Küche. Als er nickte, lief sie ins Wohnzimmer und setzte sich still neben Hermione. "Und?"

Hermione sah hoch. "Das sind die offiziellen Scheidungspapiere", sagte sie leise. "Ich unterschreibe diese, Ronald unterschreibt die anderen, dann warten wir zwei Monate, unterschreiben noch mehr Dokumente und dann ist es vorbei."

Judith seufzte und legte ihre Arme um Hermiones Schultern. "Ist schon gut, Liebes."

"Nein, ist es nicht. Eine Ehe ging in die Brüche", sagte Hermione leise. Offenbar blieb ihr der Atem in der Kehle stecken und sie legte ihr Gesicht in ihre Hände. "Ich wüsste, dieser Zeitpunkt würde kommen, aber es fühlt sich dennoch alles sehr ... komisch an."

"Natürlich", antwortete sie genauso leise und zog sie zu sich. "Aber du bist stark, Liebling, du bist sehr stark und du wirst das überstehen. Du könntest dich sogar wieder verlieben und die wahre Liebe, die echte Liebe finden."

"Was meinst du mit der echten Liebe?" Hermione sprang auf und sah ihre Mutter böse an.

Sie seufzte und klopfte neben sich auf die Couch. "Setz dich hin, Mädchen. Ich mag Ron. Das weißt du auch." Sie wartete, bis Hermione sie nicht mehr böse ansah und sich wieder gesetzt hatte. "Und ich weiß, dass du emotional bist und in einer Situation, bei der du nicht weißt, wie du wieder herauskommen sollst. Wahrscheinlich sitzt du jede Nacht hier und denkst darüber nach, was du falsch gemacht hast. Aber du hast nichts falsch gemacht. Ronald und du, ich bin mir nicht sicher, ob ihr wirklich für einander geschaffen wart. Ihr wart so lange befreundet, und ja, es kann zwar funktionieren, aber ..."

"Ich habe ihn nicht genug geliebt", antwortete Hermione traurig. "Und wahrscheinlich hat auch er mich nicht genug geliebt."

Sie fiel in Judiths Arme und weite wieder einmal.


Sie rieb sich die Augen. Das Bett ihres Sirvaters war so bequem. Sogar noch bequemer als ihr eigenes Bett. Und wärmer. Und es roch nach ihm. Aber er war nicht da.

Er war nicht da und eine kalte Panik lief Ophelias Rücken hinauf und hinunter.

Er hatte sie im Stich gelassen. Er hatte sie verlassen. Er war nicht mehr da.

Sie setzte sich voll Angst auf und sah sich um. Es sah noch alles gleich aus, nur dass da ein riesiges, silbernes Pferd stand. Mitten in Sirvaters Schlafzimmer.

"Was bist du?", fragte sie. Ihre Augen hatte sie weit aufgerissen.

"Ophelia, bitte zieh dich an und komm hinunter in den Laden. Sei vorsichtig auf den Stufen", sprach das Pferd plötzlich mit Sirvaters Stimme und sie starrte und starrte es an.

"Sirvater?", fragte sie mit schüchterner Stimme.

"Bitte zieh dich an und komm hinunter in den Laden. Sei vorsichtig auf den Stufen", sagte es wieder.

Ophelia war sich nicht ganz sicher, was sie da vor sich hatte. Es war ein Pferd. Silbrig weiß, ein wenig durchsichtig und groß. Breit. Riesig. Wunderschön. Es beugte seinen Kopf ein wenig, wieherte sie an, und sprach zu ihr mit Sirvaters Stimme. Noch einmal, dann verschwand es einfach.

Sie schüttelte den Kopf und rieb sich wieder die Augen.

Vielleicht ... naja, Sirvater konnte vieles mit seinem Stab aus Holz machen. Er konnte machen, dass Dinge erschienen und wieder verschwanden. Er hatte ihr Gewand passend gemacht und hatte einmal sogar eine Schale voll Haferbrei fliegen lassen. Vielleicht ... vielleicht hatte er gemacht, dass das Pferd hier blieb und sie bewachte, während sie schlief, und hatte dafür gesorgt, dass sie (wieder!) sicher war und keine Angst hatte. Er war unten in der Athopeke und wartete auf sie. Vielleicht ließ er sie wieder etwas brauen. Oder sie konnte ihm zuschauen, wenn er mit anderen Leuten so böse war.

Sie kletterte aus dem Bett und lief in ihr Zimmer. Sie war sehr froh, dass sie einen weiteren Tag in ihren neuen, wunderschönen Sachen, ihren wollenen Strumpfhosen und mit ihrem Sirvater vor sich hatte.


Er öffnete die Apotheke, so wie immer, für Squiffy Mary Kelly, nahm den Rest des Geldes entgegen, das sie ihm schuldete (was ein neuer Rekord war), und dann setzte er den Kessel auf, um mehr vom Aufpäppeltrank zu brauen. Die Leute würden kommen. Sie würden ihn brauchen und er würde die Phiolen für etwa 3 Galleonen verkaufen. Das würde ihm genug Geld einbringen. Nicht, dass er es brauchte. Die Apotheke lief sehr gut und brachte ihm eine Menge Geld ein. Er hatte eigentlich keinen Grund, um sich Sorgen zu machen. Und Ophelia auch nicht.

Und trotzdem würde er die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen, um noch mehr Geld zu verdienen. Und er würde sehen, wie sich die respektablen Hexen und Zauberer von ganz England und vielleicht auch Schottland vor ihm verbeugten. Mehr oder weniger.

Er grinste. Das wäre sicher gut.

Rache war schließlich etwas, das man am besten kalt servierte.

Und er hatte seine Rache. Er würde sie bekommen. Bis ans Ende seiner Tage, in Situationen wie diesen. Wenn alle anderen an das Beste für die Menschheit dachten. In einem Teil der Welt. Und dachten nicht an die anderen Teile dieser Welt.

Er wurde von einem kleinen Geräusch auf der Treppe aus seinen düsteren Gedanken gerissen und wusste, dass seine Tochter wach war. Und sie den Patronus gehört hatte. Und dass sie klug war.

Er zog eine Augenbraue hoch. Sie war schließlich seine Tochter.

Und ja - sie war seine Tochter und es ging ihr gut, als sie die Stufen herunterkam. Sie war von Kopf bis Fuß in schwarz gekleidet. An den Schnallen ihrer Schuhe waren die Schlangen, ihr schwarzer Umhang lag schön über ihren Schultern und sie hatte sich sogar ihre Haare gekämmt.

Sie war viel zu selbständig für ihr Alter.

Aber dann lächelte sie. Ihr Gesicht war erleuchtet und sie lief die letzten zwei Stufen herab und direkt zu seinen Beinen, die sie umarmte. Er würde sich wahrscheinlich nie daran gewöhnen, dass sie seine Beine oder sonst etwas an ihm umarmte.

"Hallo", murmelte sie und lächelte zu ihm hoch. Ihr Kinn drückte sich schmerzhaft in sein Bein.

"Guten Morgen, Ophelia", antwortete er ein wenig steif, aber dann fanden seine Hände langsam den Weg zu ihren Schultern und er hielt sie fest. Ein wenig.

"Brauen, Sirvater?", fragte sie und sah zu ihm hoch. Hoffnungsvoll? Irgendwie ja.

"Ja, wir brauen den selben Trank wie gestern."

Sie zog sich ein wenig zurück und sah immer noch hoch zu ihm und ihre Augenbraue war genauso ein Stück hochgezogen wie seine. "Was war das für ein Pferd?", fragte sie plötzlich und er wusste, er würde sich mit ihr hinsetzen müssen ... um ihr die Magie zu erklären.


Viele Menschen dachten, die Nokturngasse an sich wäre schlecht, aber das stimmte nicht. Es gab ein paar Läden, die wirklich hilfreich waren. Snapes Apotheke zum Beispiel. Snape hatte immer das beste Zeug für diese schrecklichen Schnecken, die auf seine Kürbisse losgingen.

Er hatte es sich angewöhnt, mindestens einmal im Monat dorthin zu gehen. Nicht dass die Direktorin etwa davon wusste. Sie würde ihn mit Fragen über Snape bombardieren, was er denn tat, wie er aussah, wovon er erzählte. Sie unterhielten sich nie über wirklich viel. Sagten bloß hallo, sprachen über einen Trank und verabschiedeten sich wieder. Das war's.

Aber Hagrid wusste instinktiv, dass Snape es ihm erzählen würde, sollte etwas vorfallen. Oder er würde es ihn wissen lassen. Weil wirklich, Snape sprach nicht viel. Und Snape wusste wahrscheinlich, dass er auch etwas sagen würde, wenn auf seiner Seite der Zaubererwelt etwas passieren sollte.

Er stapfte schwer durch die Straße und die Leute mieden ihn. Er war daran gewöhnt. Und es störte ihn nicht.

Das Fenster zu Snapes Apotheke war ausnahmsweise rein und er sah mit zusammengezogenen Brauen hinein. Ein kleines Mädchen stand vor Snape, welcher auf einem Stuhl saß. Sie trug einen schwarzen Umhang und hörte ihm offenbar aufmerksam zu.

Und plötzlich machte der Brief in seiner Tasche, der von Hermione, langsam einen Sinn.


"Danke fürs Herkommen, Arthur", lächelte Judith Granger. "Ich war mir nicht sicher, was du sagen würdest, nun, da Hermione und Ronald ..."

"Hermione wird immer ein Teil unserer Familie sein", antwortete er ernst, "aber ich verstehe nicht, was du in der Winkelgasse willst."

Sie grinste. "Ich muss mich mit jemandem treffen und kann mich um mich selbst kümmern, aber ohne eine Hexe oder einen Zauberer hineinzukommen, ist wirklich schwierig."

"Kein Problem, Judith." Er lächelte und nahm ihren Arm. Einen Moment später stand sie mitten in der Winkelgasse - nur wenige Meter von Gringotts entfernt.

"Kommst du klar? Ich sollte nun langsam auf die Arbeit."

"Ja, alles bestens, Arthur. Vielen herzlichen Dank", grinste sie und beugte sich vor, um seine Wange zu küssen. "Wir hören uns?"

"Definitiv." Er drückte ihre Hand und eine Sekunde später verschwand er in der Menge und ließ sie allein zurück.

Aber Judith Granger zog bloß ihre Jacke fester um sich und ging stetig auf die Nokturngasse zu. Sie würde bloß mit ihm sprechen.

Und mit seiner Tochter.


"Ich kann all das machen?", fragte sie. Ihr Erstaunen war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben.

"Wenn die Zeit reif ist, ja", antwortete er rasch. "Du wirst auf eine Schule gehen, wo du das alles lernst."

"Schule?"

"Ja, Hogwarts", erklärte er und sah, dass sie sofort den Kopf schüttelte. "Warum schüttelst du den Kopf?"

"Will nicht fort und auf eine Schule", sagte sie. Ihre Unterlippe bebte.

"Wenn du elf bist, Mädchen. Jetzt noch nicht."

Sie schüttelte immer noch den Kopf und warf sich plötzlich auf ihn ... und klammerte sich wieder an ihm fest. Das wurde langsam zur Gewohnheit und er seufzte und legte seine Arme wieder um sie. "Will nicht weg", flüsterte sie in seine Brust und er merkte, wie sich sein Herz zusammenzog. Ein sehr seltsames Gefühl.

"Noch nicht, Ophelia", flüsterte er in ihr Haar. Irgendwie hatte sein Mund den Weg dorthin gefunden. "Noch nicht."

Sie nickte, vergrub ihr Gesicht aber tiefer in seinem Umhang. Er sah plötzlich über ihren Kopf hinweg und sah genau das, das er überhaupt nicht sehen wollten.

Nasen, die sich an das Schaufenster seiner Apotheke drückten.