Der Anrufbeantworter des Telefons leuchtete rot und piepste als Graham Hess das Haus betrat. Er schloss die Tür hinter sich und hängte sein Pfarrergewand an die Garderobe. Merrill schien nicht zu hause zu sein und die Kinder waren noch in der Schule.

Graham drückte den Kopf um die Nachricht anzuhören. Eine weibliche Stimme. Zuerst hörte er nicht genau hin, aber plötzlich stürzte er hastig ans Telefon.

„Hallo Graham. Ich hoffe dir, Merrill, Morgan und Bo geht es gut. Es tut mir Leid, dass ich euch verlassen habe, ich hoffe du verzeihst mir…".

„Colleen! Warte ich…!", rief Hess und schnappte sich den Hörer. Zu spät – aufgelegt. Colleen hatte aufgelegt. Er konnte es nicht fassen! Seine Frau – seine tote Frau – hatte ihn angerufen! Mit weit aufgerissenen Augen stützte er sich auf dem Telefontisch ab. In diesem Moment war er zu verwirrt um etwas tun zu können.

„Graham! Gr… . Ach hier bist du. Ich hätte schwören können, du…", platzte Merrill durch die Tür und stutzte, als er bemerkte, dass sein Bruder ihn nicht realisierte. „Geht's dir nicht gut?", fragte er dann besorgt, „Oder steigt dir der Abendmahlwein zu Kopf?". Der Pfarrer schüttelte den Kopf. Dann rabbelte er sich auf und schwankte in die Küche. Dort goss er sich ein Glas kühles Wasser herunter. Das half minimal. Merrill sah ihm dabei unverständlich zu. „Komm schon, was ist los?", bohrte er dann nach. Graham zögerte einen Augenblick. Vielleicht war es besser, Merrill es zu erzählen, bevor die Kinder wieder daheim waren. Langsam öffnete er den Mund um zu berichten.

„Colleen hat angerufen", krächzte er und kam sich halb verrückt vor. Er wusste selbst nicht, ob er noch ganz dicht war. Sein Bruder zuckte und verschluckte sich beinahe.

„Was hast du gesagt?".

„Meine Frau hat angerufen", wiederholte sich Hess unsicher und sah seinen verdutzen Bruder an. Dieser sah immer noch ungläubig drein. „Aber die ist tot", erwiderte der dann. Ratlos zuckte Graham die Schultern und setzte sich auf einen Stuhl am Küchentisch. Ihm kam im Moment alles vor, als wäre er im falschen Film. Einerseits hoffte er, das hier wäre ein Traum, andererseits wünschte er sich nichts sehnlicher, seine Frau käme zurück.

Merrill Hess blieben die Worte weg. „Da macht sich doch jemand einen Scherz mit uns", murmelte er um es sich einigermaßen zu erklären. Graham wusste keine Antwort. War seine Frau wirklich von den Toten zurückgekehrt? Hatte sein Glauben an Gott, sie wieder zurückgebracht? Aber nach der Bibel war nichts unmöglich. Und doch zweifelte Graham Hess. Eine weile saßen die zwei Brüder schweigend da und starrten ins Leere. Merrill kam genauso alles Spanisch vor.

„Für einen Scherz ist das Ganze doch übertreiben", redete er dann mit sich selbst. Sein Bruder reagierte kaum. Sein Atem kam stockend.

Ein halbes Jahr lag der Besuch der Außerirdischen jetzt zurück. Colleen hatte auf den ihr Kommen hingewiesen, und nun rief sie hier an? Sie hatte geheime Informationen weitergeben, mit denen Merrill den Alien zusammenschlagen konnte. Morgan hatte seinen Asthmaanfall gut überstanden und Bo verarbeitete die Erlebnisse vom Keller gut. Reddy hatte damit Recht gehabt, dass die Außerirdischen kein Wasser vertragen. Woher hatte er das gewusst, oder hatte er es ausprobiert. Nachdem er das fremde Wesen in seinem Haus eingesperrt hatte, war er umgezogen und wohnte nun zwanzig Meilen südlich – am Wasser. Dachte er, die Wesen kämen wieder zurück? Oder war es gar nicht so unwahrscheinlich, wie alle vermuteten. Immunisierten sich die bösen Besucher vom Wasser und könnten wieder zurückkehren?

Grahams Blick fiel unwillkürlich auf das Maisfeld draußen vor dem Haus. Waren die Kreise schon wieder da?