High Anxiety

Kapitel 2

Weitermachen


I've dealt with my ghosts

And I've faced all my demons

Finally content with the past I regret

I've found you find strength in your moments of weakness

For once, I'm at peace with myself

I've been burdened with blame

Trapped in the past for too long

I'm moving on

Moving On ~ Rascal Flats


~Bella~

Ich wachte mit aufgeregten Schmetterlingen in meinem Bauch auf, duschte und zog mir das Outfit an, das ich mir vorige Nacht zurechtgelegt hatte. Ich saß vor dem kleinen, beleuchteten Spiegel über dem Waschtisch im Badezimmer und legte ein wenig Bräunungsmilch und Conceiler auf, um den kleinen Bluterguss auf meinem Nasenrücken zu überdecken. Ich schaute böse und wusste genau, dass ich mir neues Puder kaufen musste, wenn meine Bräune in ein paar Wochen verschwand, und ich hasste es, mir selbst eine gefärbte Creme auf meinem Handrücken vorzubereiten ... denn das klappte nie perfekt. Sobald ich etwas Rouge, Kajal und ein wenig Lipgloss aufgetragen hatte, konzentrierte ich mich darauf, etwas Konstruktives mit meinem Haar anzufangen.

Ich hatte mir mein Haar erst schneiden lassen, kurz bevor ich Kalifornien verlassen hatte, und war dazu in diesen überteuerten, snobistischen Friseursalon voller bewährter Stylisten gegangen, die normalerweise nur Berühmtheiten empfingen und keine Teenager-Mädchen, die nur einen simplen Fön und ein billiges Haargel besaßen. Ich hatte diese neuen, langen Stirnfransen, die mir über die Augen hingen, und lange Strähnen, die bis zu meinen Ellenbogen reichten und sich in der feuchten Luft automatisch wellten. Ich wusste nicht, wie ich bei diesem Wetter damit umgehen sollte, also kämmte ich es zurück, klipste es hoch, streifte mir ein Haarband über und gab es dann komplett auf, da ich erkannte, dass der Regen all meine Bemühungen wieder zunichte machen würde.

Sobald ich jedoch aus dem Badezimmer kam, entdeckte ich, dass die Sonne heute Morgen vom Himmel strahlte. Sonnenschein war selten und in Forks sehr willkommen aufgenommen, und ich fasste es als ein Zeichen von oben auf, dass der heutige Tag gut verlaufen würde.

Bevor ich das Haus verließ, holte ich tief Luft, um meine strapazierten Nerven zu beruhigen. Charlie wünschte mir einen schönen Tag und ich drehte mich um, weil ich vor lauter Aufregung, rechtzeitig fertig zu werden, vergessen hatte, meine Tablette zu nehmen. Das wäre ein riesen, riesen Fehler gewesen. Ich will mir gar nicht vorstellen, was das für ein Rückschlag für mich wäre, einen Tag lang meine Tablette nicht zu nehmen. Wahrscheinlich würde ich zusammengekauert in einer Ecke des Speisesaales kauern und zittern und Schaum vor dem Mund haben.

Um Punkt sieben wartete Alice bereits vor den Stufen zu meinem Haus. Sie trug Jeans, schwarze Stiefel und eine süße, schwarze Kapuzenjacke. Ihre Augen weiteten sich, als sie mich sah, und ich bemerkte, wie sie mich von Kopf bis Fuß musterte.

"Was?", fragte ich und blickte verwirrt an mir herunter.

"Nichts ... du siehst so ... trendig aus", sagte sie und sah spitz und mit einem resignierten Seufzer zu meinen Stiefeln. Wir stiegen ins Auto ein und ich mache das Radio an.

"Alice, du bist stets willkommen, dir alles, was du möchtest und wann du möchtest, von mir zu borgen", bemerkte ich. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie ihr Grinsen sich von einem Ohr zum anderen ausbreitete. Alices Eltern hatten schon immer finanzielle Probleme gehabt. Ihre Mom war Krankenschwester und ihr Dad hatte für die Hafendocks in Port Angeles gearbeitet, bis sie sich scheiden ließen und er in einen anderen Bundesstaat zog, als wir sieben waren. Wann auch immer er Geld schickte, sparte Alices Mom es für ihr College, fest entschlossen, dass sie eine tolle Karriere einschlagen würde, damit sie selbst genug Geld haben würde und sich nicht auf einen Mann als finanzielle Unterstützung verlassen müsste.

Zum Beginn des neuen Schuljahres hatte Alice nur wenig neues Gewand für die Schule gehabt, aber in der Grundschule war das für uns alle noch kein großes Thema gewesen. Die High School war aber eine ganz andere Welt und das Leben dort war mies, wenn du nur Sachen hattest, die dem Standard der anderen Mitschüler nicht gerecht waren. Ich machte mir eine mentale Notiz, meine Mom später zu fragen, ob sie mir ein Paket mit den neuesten Kollektionen in Alices Größe schicken könnte.

"Hey, kannst du das Dach runternehmen?", fragte sie mit großen Augen, als ich rückwärts aus der Einfahrt schob. Ich nickte und tat es, indem ich das Verdeck einklappte. Es war noch immer sieben Uhr morgens und es war definitiv noch ein wenig kühl. Ich gab Gas, fuhr die Straße entlang und lächelte, weil ich froh war, dass ich mich nicht zu sehr um meine Frisur gekümmert hatte.

Als mein kleiner Wagen sich auf der Straße zur Schule in die Kurven legte, flog unser Haar wild im Wind umher. Ich beobachtete, wie Alice sich an der Kante ihres Sitzes festhielt. Ihre Finger waren knochenweiß, weil sie sich so verkrampfte. "Scheiße, Bella. Hast du bei Edward Fahrstunden genommen? Fahr langsamer!", schrie sie. Ich war so daran gewöhnt, wie ein Geschwindigkeitsteufel in Phils Ferrari und unter seiner Anweisung zu fahren, dass ich einfach die Schultern zuckte und mich entschuldigte, bevor ich die Geschwindigkeit bis zur Höchstgrenze absenkte. Alte Gewohnheiten legt man nicht so leicht ab, nehme ich an.

"Hey, ich liebe diesen Song!", kreischte sie und drehte im lauten Fahrtwind die Musik lauter. Check Yes Juliet von We the Kings dröhnte aus den Lautsprechern. Wir beide sangen fröhlich mit dem Lied mit und schaukelten gemeinsam mit den Köpfen. Dann begann der Refrain und Alice und ich schrien die Wörter laut mit, tanzten in unseren Sitzen, lachten und blödelten herum.

Run baby run ... don't ever look back ... they'll tear us apart ... if you give them the chance ... don't sell your heart ... don't say we're not meant to be ... run baby ran ... forever will be ... you and me ...

Es fühlte sich so gut an, wieder einmal mit einer Freundin zu kichern. Ich war mir sicher, dass dies ein toller Tag werden würde.

Als ich mich am Schulparkplatz einparkte, bemerkte ich, dass mein Auto eines der wenigen Fahrzeuge waren, die weniger als zehn Jahre alt waren und keine sichtbaren Beulen hatten. Ich konnte nicht anders, als mich ein wenig selbstbewusster zu fühlen, als uns alle mit offenem Mund anstarrten, während ich den Wagen auf einem leeren Parkplatz abstellte. Ich hätte damit rechnen sollen, schließlich fuhr ich ein Aufmerksamkeit erregendes, kirschrotes Cabrio, aber ich wollte Alice einen Gefallen tun und das Verdeck herunterklappen. Das Letzte, das ich brauchte, war, dass alle dachten, ich wäre irgend so ein reiches, versnobtes Mädchen aus L.A., weil im Ernst, ich war weit davon entfernt.

Alice hatte ein fröhliches Grinsen im Gesicht und winkte einigen der Kids zu, an denen wir vorbei fuhren. Als sie ihre Autotür öffnete, parkte ein Wagen kreischend neben unserem Parkplatz ein und zwang sie dazu, die Tür abrupt wieder zuzuziehen.

„Pass auf, Xanax!", rief eine männliche Stimme aus dem Fenster des glänzenden, schwarzen Sportwagens.

„Hi, Jasper!", antwortete sie erfreut, als sie aus dem Auto ausstieg. Ich ging um den Wagen herum und schlang mir meine rosa Tasche über die Schulter. „Jasper, das ist Bella Swan. Sie ist Charlies Tochter, aber wahrscheinlich weißt du das schon, oder?"

Ich hob meine Hand in einer schüchternen, kleinen Bewegung und schenkte dem heißen, blonden Kerl, der gerade aus seinem Wagen stieg, ein Grinsen. Alice plapperte nervös weiter. Er steckte sich eine wirre Locke seines kinnlangen Haares hinter sein Ohr, bevor er mir seine Hand entgegenstreckte und sagte: „Hey, ich bin Jasper Cullen. Das ist mein Bruder Edward." Er nickte mit seinem Kopf zurück zum Wagen, wo Edward von der Beifahrerseite ausstieg. Ich riss mich von Jaspers stechenden, blauen Augen los, als ich an Alices Worte von gestern dachte. Ich war mehr als nur ein bisschen neugierig, einen Blick auf den schwulen, stillen, lecker anzusehenden Edward Cullen zu werfen.

Ich machte wieder diese schüchterne, kleine Handbewegung, aber Edward nickte nur knapp, wandte seine Augen schnell wieder von mir ab und ging schlurfend in Richtung der Schule. „Schön dich zu treffen ...", rief ich ihm nach. Er drehte sich ein wenig um, um mich böse anzuschauen, bevor er brüsk vor uns weiter lief. Ich sah nicht viel von seinem Gesicht, bevor er weiter sauste, aber er hatte eine schwarze, lederne Bikerjacke an mit einigen zufälligen Worten, die in weiß über seinen hageren Rücken gedruckt waren. Er trug eine dunkle Jeans und schwarze Sneakers, und bewegte sich mit einer großspurigen Arroganz, die ich nur allzu gut wiedererkannte.

Ahhh ... der typische Bad Boy.

„Kümmere dich nicht um ihn. Er versucht sich gerade darin, brütend und mysteriös zu sein", sagte Jasper mit einem Lächeln. Wir kicherten und ich zuckte vor Gleichgültigkeit mit den Schultern.

Ich hatte sowieso kein Interesse, aber danke für den Hinweis.

In der kurzen Zeit, in der wir vom Parkplatz zur Schule liefen, musste Jasper mir schon ein Dutzend Fragen gestellt haben. Und Alice beantwortete sie alle mit ihrer aufgeregten, vergnügten Stimme für mich. Ich bekam das eindeutige Gefühl, dass sie auf Jasper stand, so wie sie immer über nicht gerade lustige Sachen lachte. Sie starrte auch voller Staunen zu ihm hoch, als wäre er ein verdammter, halb nackter Rockstar, während er mit ihr sprach. Natürlich vorausgesetzt, dass sie ihm erlaubte, ein Wort zu sagen, bevor sie wieder losplapperte.

Er war sehr süß und sah definitiv gut aus, aber er war überhaupt nicht mein Typ. Er sah aus wie ein Surfer oder der typisch amerikanische Junge aus der Nachbarschaft. Das war zwar okay, aber ich fühlte mich mehr zu den sportlichen Typen hingezogen, die eine Baseball Jacke trugen und einen Football unter dem Arm hatten. Mir entging nicht, dass anscheinend jedes Mädchen, an dem wir vorbei liefen, Jasper musterte, aber Jasper schien nichts zu bemerken. Aber erst, nachdem sie mich abgecheckt hatten, da ich ja das Frischfleisch hier am Campus war und das alles. Für sie, nehme ich an, war ich eine Konkurrentin. Aber alles, was ich wollte, war, das Schuljahr über die Bühne zu bringen, ohne alle sieben Sekunden in Tränen auszubrechen, und nicht, ihre Jungs zu klauen.

Ich musste mich immer wieder selbst daran erinnern, tief durchzuatmen und auf den Boden hinunter zu sehen, damit ich nicht in all die starrenden Augen blickte und über keine Hindernisse auf meinem Weg stolperte.

Zeig ihnen die kalte Schulter, Bella, sie starren dich an, weil du hier eine Neuheit bist, nicht, weil sie irgendwas über dich wissen.

Hölle. Sechs Schulen in fünf Jahren ... man könnte glauben, dass ich mich irgendwann an die Aufmerksamkeit gewöhnt hätte.

Ich werde mich aber nie im Leben daran gewöhnen, angestarrt zu werden.

Hier gab es definitiv jede Menge Glotzer, sehr freundliche Gesichter und eifrige Fragen, die alle das Novum des neuen/alten Mädchens betrafen. Ich kam mir wie im Schaufenster vor, oder eher wie ein Goldfisch in einem Wasserglas, von dem große, Angst erregende Gesichter zurück guckten. Da die Schule nicht allzu groß war und jeder schon meinen Namen kannte, bevor ich mich vorgestellt hatte, nahm ich an, dass ich mich in dieser Schule nicht leicht verstecken konnte.

Ich erkannte einige Gesichter wieder, aber konnte mich kaum an die dazugehörigen Namen erinnern. Sechs Schulen in fünf Jahren hatten dafür gesorgt, dass Namen und Gesichter hinter einem großen Schleier verschwammen. Beim letzten Mal, als ich irgendjemanden von diesen Leuten gesehen hatte, war ich zwölf gewesen, aber außer dass sie erwachsener aussahen, sahen meine alten Klassenkameraden im Allgemeinen noch genauso aus wie früher.

Als ich ins Hauptgebäude kam, trennte ich mich von Alice und Jasper und ging in das Sekretariat, um mich anzumelden und meinen Stundenplan abzuholen. Die ersten zwei Stunden waren in Ordnung. Ich überstand sie ohne irgendwelcher Angstattacken, Beinahe-Katastrophen oder Körperverletzungen an mir selbst oder jemandem, der mir im Weg herumstand. Mein Herz kam zu Beginn jeder Stunde ein wenig ins Rasen, und dass ich so offenkundig angestarrt wurde, half meiner Paranoia auch nicht gerade, aber es war in Ordnung. Ich hab überlebt.

Alice und Jasper hatten beide mit mir gemeinsam in der ersten Stunde Geschichte, und ich war dankbar, dass ich endlich jemanden kannte. Ich saß weit von den beiden entfernt, aber das machte keinen Unterschied. Die Lehrerin, Mrs. Goff, war definitiv eine harte Nuss und tolerierte es nicht, wenn ihre Schüler herumscherzten oder nichts wussten. Sie warf mir das Lehrbuch einfach hin und verlangte von mir, dass ich die ersten beiden Kapitel bis Freitag lernte.

In der zweiten Stunde hatte ich Spanisch, was mir sehr leicht fiel. Señorita Carmen war eine nette Dame mit einem rundlichen Gesicht und war offensichtlich lateinamerikanischer Herkunft. Nichts ärgerte mich mehr, als einem echten Amerikaner zuzuhören, wie er oder sie mit seinem nervigen Akzent eine Fremdsprache unterrichtete.

Dem Unterricht konnte ich relativ leicht folgen. Ich belegte auch ein paar fortgeschrittene Fächer, weil ich die zugehörigen Anfängerfächer schon letztes Jahr in Kalifornien belegt hatte. Und da es gerade Ende September war, hatte ich zwar schon drei Unterrichtswochen verpasst, aber ich wusste trotzdem, wovon die Lehrer sprachen.

In der dritten Stunde, als ich meine Geometrieklasse betrat, fiel mir sofort die langbeinige, temperamentvolle, wunderschöne Blondine auf, die an ihrem Tisch saß und lebhaft mit ihren Händen gestikulierte. Unsere Blicke trafen sich, sie hörte mitten im Satz zu sprechen auf, und ihr Mund klappte auf, bevor sie breit lächelte.

„Bella Swan, du heiße Schlampe!", schrie sie, als sie sich vom Tisch erhob und auf mich zukam. Wir umarmten uns und erregten jede Menge ungewollter Aufmerksamkeit von der ganzen Klasse, ehe sie zurücktrat und mich musterte. „Du siehst umwerfend aus, Honey. Was ein paar Jahre für einen Unterschied machen!"

Rosalie Hale war noch nie sehr subtil gewesen, aber sie meinte es immer gut mit einem. Ich wusste, dass ich anders aussah als das letzte Mal, seit ich hier gewesen bin. Ich war immer ein ungeschicktes, dürres kleines Mädchen mit einer krausen Bobfrisur und ohne jeglichem Sinn für Styling gewesen. Heute war ich definitiv nichts mehr davon. Die Zeit hatte dafür gesorgt, dass ich mir die Haare wachsen lassen, um einiges selbstbewusster werden, einen besseren Sinn für Mode entwickeln und wirklich geile Möpse bekommen konnte ... wenn ich mich selbst so hoch loben konnte.

Bevor der Lehrer ordentlich mit dem Unterricht beginnen konnte, hatten Rosalie und ich uns auf den neuesten Stand gebracht und danach hatte sie ihren pickeligen Sitznachbarn mit dem fettigen Haar vom Stuhl neben sich vertrieben, damit ich nun neben ihr sitzen konnte. Um ehrlich zu sein, tat es so gut, zu wissen, dass die Freundinnen, die ich schon als Kind gehabt hatte, mich so enthusiastisch wieder willkommen hießen, und zwar nicht nur mit offenen Armen, sondern auch mit offenen Herzen. Ich war dankbarer denn je dafür.

In der vierten Stunde hatte ich Englisch. Ich konnte das Klassenzimmer kaum finden, da es sich im rückwärtigen Teil des Gebäudes befand und die Nummern von allen Türen abgekratzt waren. Ich wurde sofort nervös, bekam ein beengendes Gefühl im Hals und spürte, wie die Benommenheit einsetzte, die mit meiner Panik einher kam. Ich hasste dieses Gefühl extrem und obwohl meine Medikamente halfen, war ich irgendwie in diesem Fegefeuer der Angst gefangen, sobald ich mit einer Situation konfrontiert war, die mich nervös machte.

Ich holte ein paar Mal tief Luft, lehnte mich gegen die Wand und versuchte, so wenig verdächtig wie möglich zu wirken.

Bitte nicht jetzt, bitte.

Atme, atme ...

„Hey, geht's dir nicht gut?" Ich sah hoch und erblickte die wunderschönsten blassgrünen Augen, die ich je gesehen hatte. Seine Stimme erschreckte mich und ich brauchte einen Augenblick, um mich zu sammeln, bevor ich antworten konnte.

„Ähm, yeah, ich hab mich irgendwie verlaufen. Zimmer 317?", pieste ich und deutete auf meinen Stundenplan.

Edward deutete den Gang hinab und nickte mit seinem Kopf in diese Richtung, als ob er sagen würde: „Komm mit." Sein Gesicht blieb ausdruckslos, während er in eine Klasse schritt, die ein paar Meter weiter lag, und ich ihm gehorsam folgte. Er setzte sich an einen Platz neben dem Fenster, während ich der Lehrerin wieder meinen Stundenplan reichte. Die Lehrerin informierte mich, dass die Klasse heute einen Test über „Wer die Nachtigall stört" von Harper Lee schrieb. Da der Test die ganze Stunde lang dauern würde, schlug sie vor, dass ich in der Zwischenzeit die ersten Kapitel lesen solle, damit ich auf dem aktuellen Stand war.

Meine Neugier gewann die Überhand. Ab und an blickte ich zu ihm hinüber und beobachtete Edward aus dem Augenwinkel, da er nur zwei Plätze von mir entfernt saß. Er sah nie von seinem Prüfungsbogen auf und hob nie seinen Blick.

Als die Glocke wieder läutete, traf ich mich mit Alice und Rosalie in der Cafeteria an ihrem halb besetzten Mittagstisch. Nachdem wir uns unser Essen geholt hatten, stellten sie mich Jane und Angela vor, die bei ihnen saßen. Jane war ein winziges Mädchen mit einem engelsgleichen Gesicht und seidigem, schwarzen Haar, und Angela trug eine total bunte Brille und sah sehr zuverlässig aus, als könnte sie all deine Geheimnisse bewahren und von jedem Menschen die beste Freundin sein. Es war nicht ganz klar, ob Rose und Alices Clique auch Jane und Angela umfasst, oder ob sie nur beisammen saßen, weil es nicht ausreichend Esstische gab.

Ich bemerkte, dass Rose und Alice ihre Stühle so platziert hatten, dass sie direkten Blick auf den Tisch hatten, wo Jasper, Edward und fünf weitere Jungs saßen.

Alice senkte ihren Kopf und flüsterte: „Okay, also der große, heiße, leckere Typ ist Emmett ... Jaspers und Edwards Bruder. Normal verlässt er die Schule schon früh, so wie die anderen Seniors, aber heute hängt er hier noch aus irgendwelchen unbekannten Gründen rum." Alice rollte ihre Augen in Rosalies Richtung und machte offensichtlich, wer der Grund dafür war, dass Emmett noch da war.

Rosalie starrte mich von der Seite aus an und murmelte spitz: „Und er gehört mir."

Ich hielt beide Hände zur Verteidigung hoch. „Er ist, glaube ich, in meiner Spanisch-Klasse", sagte ich und erinnerte mich vage an sein hübsches Gesicht, als er hinten in der Klasse gesessen ist.

„Entspann dich, Rose. Der kleinere, süße Typ ist Alec", fuhr Alice fort. „Und der mit den aufgestellten Haaren ist Mike."

Rosalie öffnete ihre Wasserflasche und griff mit ihrer Hand mit den roten Fingernägeln danach, bevor sie einen langen, anmutigen Schluck trank. „Mike ist derzeit unsere männliche Hure. Er schläft mit allem ... ich meine, mit jeder. Von den elf Geschlechtskrankheiten muss er sich mindestens fünf schon eingefangen haben. Du willst ihm nicht näher als zwei Meter kommen, glaub mir, Bella. Lauf lieber weg", spöttelte Rosalie und machte eine wegwerfende Handbewegung. Ich war nebenbei beeindruckt, dass sie wusste, wie viele verschiedene sexuell übertragbare Krankheiten es gab. Solch ein Wissen erforderte sicher jede Menge Nachforschung oder Erfahrung, rätselte ich.

„Das sind Tyler und Ben. Ben und Angela sind in einander verliebt", sagte Alice und rollte mit den Augen, während Angela kicherte. „Und Jasper und Edward hast du ja schon heute Morgen getroffen. Das sind alle, die wichtig sind. Tja, außer Edward, obwohl er schnappig aussieht, ist er eine totale Zeitverschwendung." Alice wedelte angeekelt mit der Hand.

„Das war's?", sagte ich desillusioniert und mit saurem Gesicht. „Sieben Jungs in der ganzen Schule, die es wert sind? Und zwei sind offensichtlich vergeben. Einer ist ein sexuelles Risiko und einer ist sozialer Abschaum? Wow, so viel zum Thema begrenzte Möglichkeiten."

Nicht etwa, dass ich die Absicht hatte, mir bald einen festen Freund anzulachen, aber eine anständige Auswahl wäre für die Zukunft trotzdem ganz nett gewesen.

Das alles war ganz schön enttäuschend.

„Oh, es gibt noch ein paar ziemlich gut fickbare ältere Schüler hier, aber offensichtlich haben die Älteren keine Beziehung mit uns Jüngeren. Sie wollen nur ficken ...", sagte Rose in einem Tonfall, der ziemlich giftig war, wenn nicht sogar verächtlich. Alice warf mir einen Blick zu, der eine Mischung aus einer Grimasse und einem finsteren Gesichtsausdruck war, und der bedeutete, dass ein flotter Themenwechsel angesagt war. Ich fasste es als Zeichen auf, dass Rose hier anscheinend ebenfalls Erfahrung hatte.

„Äh ... was zur Hölle ist schnappig?", fragte ich und biss in meinen Bagel.

„Schnappig. So wie ‚verträumt', nur halt ein Verb. So wie wenn er so heiß ist, dass du nach Luft schnappen musst, wenn du ihn siehst", erklärte Alice.

„Das ist kein richtiges Wort, Alice", ermahnte Rose sie, als sie zu einem Tisch nach dem anderen deutete und die Schüler identifizierte. „Computerfreaks und Streber ... Sportler ... Schlägertypen ... Emos und Gruftis ... Musiker ... Tussis ... die Cullen Jungs und wir. Das war's. In dieser Schule gibt's hauptsächlich Luftverschmutzer", sagte sie gleichgültig und biss in einen Apfel.

Als sie die Schlägertypen erwähnt hatte, tat Alice so, als würde sie sich einen Finger den Hals hinab stecken und machte würgende Geräusche, und als Rose von den Emos und Gruftis sprach, murmelte Jane: „Verfluchte Möchtegern-Vampire", von der anderen Seite des Tisches.

Ich blickte hinüber zu dem Tisch, an dem laut Rosalie die Tussis saßen, und bemerkte, dass ich dort Lauren Mallory und Jessica Stanley wiedererkannte. Bei ihnen saßen noch zwei weitere Mädchen, eine Blondine und eine Rothaarige mit großen Möpsen.

Dies war eindeutig der idiotische Teil der High School, den ich verabscheute. Die Vorurteile ... die Gruppenbildung ... die Tatsache, dass, wenn die Gruftis und Emos am selben Mittagstisch sitzen würden wie die Freaks, das Universum implodieren würde. Es war so nervig und setzte einem soziale Grenzen.

Jasper erwischte mich dabei, wie ich an seinen Tisch hinüberblickte, und zwinkerte spielerisch. Ich rollte mit den Augen wegen seiner offenen, sexuellen Geste und er lachte ein wenig. Edward schaute ihn an und schüttelte eindeutig genervt den Kopf. Alice rutschte unbequem auf ihrem Stuhl herum, weil sie diese Interaktion beobachtet hatte, und ich war froh, dass die Glocke läutete und mir weitere Peinlichkeiten erspart blieben.

Sie und Rosalie verglichen ihre Stundenpläne mit meinem eigenen und wir fanden heraus, dass ich in der letzten Stunde gemeinsam mit Alice, Rose und Angela Sport hatte. Dafür hätte ich sogar eine Rolle rückwärts hingelegt. Als wir die Cafeteria verließen, kam Emmett zu Rosalie und hielt sie hinter der Gruppe zurück, damit er sich mit ihr unterhalten konnte. Sie gaben wirklich ein zauberhaftes Paar ab, wenn sie nun wirklich zusammen gewesen wären.

Ich schaute am Stundenplan nach, was ich als nächstes hatte, und fand heraus, dass ich quer durch das ganze Gebäude in den Wissenschaftstrakt musste, wo ich Biologie hatte. Und ich war bereits ziemlich spät dran.

Nachdem ich Mr. Banner meine Unterlagen gegeben hatte, deutete er mir, ich solle mich an den leeren Tisch setzen, der an der rechten Seite der Klasse stand. Ich saß allein an diesem Tisch und war komplett verwirrt. Irgendwie nervte es mich, dass ich allein sitzen musste, da ich ja wusste, dass wir Laborarbeit machen mussten, und ohne einem Partner war das echt beschissen. Ich war sicherlich ziemlich zimperlich. Ich würde sicher nicht ohne Hilfe einen Frosch sezieren, und wirklich, wer würde mich auffangen, wenn ich in Ohnmacht fiel, während wir Blutgruppen bestimmten?

Mr. Banner begann, Sachen an die Tafel zu schreiben, also holte ich pflichtbewusst meinen brandneuen Notizblock hervor und begann, dies mit dem einzigen Stift, den ich in meiner Tasche finden konnte, abzuschreiben. Er hatte eine knallpinke Federquaste am Ende und er sah zwar dämlich aus, schrieb aber ziemlich gut.

Die Tür öffnete sich, und ein triefend nasser Edward Cullen kam herein. „Sie sind spät dran, Mr. Cullen", schimpfte Mr. Banner. Edward murmelte ihm etwas zu, gab Mr. Banner ein nasses Stück Papier, bevor er zu seinem Platz ging ... welcher sich direkt neben mir befand.

Und der Bad Boy ist mein Laborpartner ... fantastisch.

Als er sich auf den Stuhl neben mir setzte, schaute er nicht mal zu mir herüber. Also sagte ich: „Hey", und er drehte sich etwas und murmelte ein genervtes: „Hey", als Antwort. Ich nickte und dachte heimlich, freundlicher kleiner Arsch.

Ich konnte den starken Geruch von Zigaretten und neuem Leder riechen, gemeinsam mit dem Duft seines Kölnischwassers und der Feuchtigkeit des Regens, die sich in seiner Kleidung gefangen hatte. Es war nicht unangenehm, und irgendwie gefiel mir dieser heruntergekommene Geruch.

Ich arbeitete an meiner Mitschrift, meine Hand war vom vielen Schreiben schon ganz verkrampft.

Danke für den Sehnenscheidenentzündung, Mr. Banner.

Kaum sprechen wir von Handwurzelknochen, kriegen wir so was. Super.

Sobald die Glocke läutete, sprang Edward von seinem Stuhl hoch und verschwand aus der Türe. Ich stand bei meinem Tisch, sammelte meine Sachen ein und schüttelte wegen seinem seltsamen Benehmen den Kopf. Ich machte mich auf dem Weg in das Studierzimmer, das sich im Gebäudeteil oberhalb der Bibliothek befand und wo jeder leise sein musste. Man musste sich bei einem Lehrer, der wie ein jamaikanischer Rastafari aussah, einschreiben. Er hatte schokoladenbraune Haut und Dreadlocks. Er war in eine Zeitung vertieft und machte sich nicht mal die Mühe, aufzusehen. Ich schrieb mich ein, fragte, ob ich auf die Toilette gehen durfte, und versteckte mich bei einem der hinteren Treppen, wo ich die Nummer von der Visitenkarte wählte, die Charlie mir gegeben hatte.

Ich schwänzte nie den Unterricht, aber wirklich, es war mein erster Tag, also was sollte ich jetzt schon großartig lernen?

Ich sprach mit Billy, der mir kurz erzählte, dass er es noch nicht glauben konnte, dass ich jetzt schon ein Teenager war, bevor er mich über die Erfordernisse und Details dieses Jobs informierte. Es war so, wie Charlie gesagt hatte. Ich musste mich verkleiden, zu einer Geburtstagsparty gehen, Lollipops verteilen, winken und wie eine Idiotin herumhüpfen und dann konnte ich nach Hause gehen. Es klang recht einfach, und der beste Teil war, dass diese Partys irgendwann mitten am Nachmittag an einem Samstag oder Sonntag stattfanden, ich nur zwei Stunden lang dort sein musste und er mich in bar bezahlte.

Das machte hundert Dollar für zwei Stunden Arbeit, was mehr war als der Rest seiner Mitarbeiter verdiente. Aber da ich die Tochter seines engsten Freundes war und alles, war er bereit, mir mehr zu bezahlen. Wir vereinbarten, dass ich am Samstag Nachmittag vorbeischauen würde, um eines der anderen Mädchen zu einer Party zu begleiten, damit ich sehen konnte, was zu tun war, und dann konnte ich mich entscheiden, ob ich diesen Job wollte.

In der letzten Stunde hatte ich Sport und ich machte mich langsam auf den Weg zu den Umkleidekabinen, um mich mit den Mädchen zu treffen. Ich betete ein stilles Dankgebet an wen auch immer, der beschlossen hatte, dass man im Sportunterricht an der Forks High School nicht diese gefürchteten, abgetragenen Polyesteruniformen tragen musste.

Ich arbeitete mich mühsam durch die Volleyball-Spiele, die Schüler hatten sich bereits in Teams aufgeteilt. Ich war zwar einmal eine Cheerleaderin gewesen, aber deshalb war ich noch keine Athletin. Ich stand einfach nur da, wich einem Ball aus, der versehentlich auf mich zu kam, bis die Lehrerin mich ermahnte, ich solle mich ein wenig anstrengen. Ich schenkte ihr ein wenig falschen Enthusiasmus, indem ich mit meinen Armen durch die Luft wedelte und mit den Augen rollte. Alice duckte sich, als ein scharfer Ball auf uns zukam, und unglücklicherweise traf er mich genau am Kopf.

Rosalie war im Mädchenteam unserer Volleyball-Schulmannschaft, also spielte sie mit den Hardcore-Typen auf der anderen Seite der Sporthalle, während Alice, Angela und ich hier mit den Idioten spielten, die das Spiel nicht interessierte.

Und dann bemerkte ich, dass Edward und Jasper in dem Team auf der anderen Seite der Sporthalle gegenüber von Rosalie spielten. Jasper winkte und Alice und ich winkten zurück. Ich lächelte und wusste, dass obwohl ich total im Sportunterricht versagte, ich zumindest etwas Hübsches angucken konnte, während ich mich unter den fliegenden Bällen hinwegduckte.

Verschwitzte, süße Jungs.

Bis zum Ende des Tages fühlte ich mich überhaupt nicht mehr panisch, nur noch kribbelig. Ich hatte den Tag zum größten Teil unbeschadet überstanden, aber ich musste nun wirklich bald meinen Nerven eine Pause gönnen. Alice musste zu ihrem Spind im dritten Stock laufen, aber sie sagte, sie würde mich gleich draußen beim Wagen einholen.

Als ich hinaus auf den Parkplatz kam, lehnte Jasper bereits an seinem Wagen, der direkt neben meinem parkte. Ich warf meine Tasche auf den Rücksitz und ging etwas ängstlich auf ihn zu. Ich schluckte einen Teil meiner Nervosität hinunter, lächelte und holte tief Luft.

„Hey Bella, du hast den ersten Tag überlebt, nicht?", sagte er mit einem Lächeln. Es überraschte mich, wie sehr ich diesen Typen mochte. Nicht auf eine romantische Weise, doch er war definitiv süß.

„Ja, ich lebe noch, ich bin nur ein bisschen angespannt. Ich frage mich ...", sagte ich und senkte meine Stimme zu einem Flüstern, als ich mich zu ihm beugte, „ob du jemanden kennst, der ... Gras hat?" Ich sagte das Wort „Gras" so leise, dass er mich kaum hören konnte.

Ein kleines Grinsen kam in sein Gesicht. „Du rauchst?", fragte er mit einer erhobenen Augenbraue.

„Ab und an mal ... meistens wenn ich gestresst bin. Heute war irgendwie ... einer dieser Tage", erklärte ich, als ich im Augenwinkel sah, wie Edward näher kam.

Jasper sagte zu ihm: „Es ist offen." Edward schob sich an mir vorbei, ohne ein Zeichen zu geben, dass er mich wiedererkannte, nahm an der Beifahrerseite Platz und schloss die Tür hinter sich.

„Ich hab eigentlich sogar welches mit. Wie viel brauchst du?", fragte er.

Es begann nun, leicht zu nieseln, also schloss ich den Reißverschluss meiner süßen, kleinen schwarzen Jacke und zog die Kapuze über. „Nur einen Joint, schätze ich", sagte ich mit einem Schulterzucken. Ich kam mir wie ein kleiner Drogenabhängiger vor, war aber trotzdem erleichtert angesichts des Komforts eines Joints.

„Möchtest du gern Gesellschaft oder rauchst du lieber alleine?", fragte er und drückte sich mit einem Bein von seinem Wagen hoch.

„Oh, ähm ... Gesellschaft wäre wunderbar", antwortete ich erfreut. Ich war überrascht, wie schnell und enthusiastisch ich geantwortet hatte.

Jasper lächelte und sagte: „Wir treffen uns in zwanzig Minuten bei dir. Und sieh zu, dass du Xanax los wirst." Er deutete mit dem Kopf in Richtung der Schule, wo Alice sich durch die Menge kämpfte. Ich nickte und stieg in mein Auto ein, gerade als Alice sich in den Beifahrersitz warf.

„Hast du gerade eben mit Jasper gesprochen? Was hat er gesagt? Ist er nicht toll?" Sie war außer Atem und machte große Augen, als sie es sich im Sitz bequem machte. Ich war mir ziemlich sicher, dass sie nicht rauchte, angesichts der Tatsache, dass ihre Mom Krankenschwester war und dass Jasper wollte, dass ich sie „loswurde".

Ich weigerte mich, meine Unterhaltung mit Jasper zu erwähnen, und sagte einfach, dass wir uns über meinen ersten Tag unterhalten haben. Ich fühlte mich wirklich Scheiße dabei, weil ich wusste, dass Alice Jasper total egal war, und anhand des Kosenamens, den er ihr gegeben hatte, bekam ich das vage Gefühl, dass sie ihn verdammt nervte. Ich kam mir auch wie eine Verbrecherin vor, und das gefiel mir eigentlich gar nicht. Obwohl es eine tolle Erfahrung war high zu werden, war der Hauptgrund, warum ich rauchte, dass das Gras mir half, mir ein wenig meiner Angst zu nehmen. Es war Scheiße, so zu leben, immer angespannt zu sein und Angst vor einer aufkommenden Panikattacke zu haben.

Bree, die dumme Nutte, hat zu Hause damit begonnen, mir Gras anzudrehen, und das war das Einzige, was sie für mich tat, das mich am Ende nicht um Gnade winseln ließ. Nicht, dass es gut für mich war, ab und zu etwas Hasch zu rauchen, aber wie schon gesagt, es half mir mit meinen Problemen.

Ich setzte Alice vor dem Imbissladen in der Stadt ab, da nun ihre Schicht begann, und beeilte mich, nach Hause zu kommen. Ich war zwar dankbar, aber fühlte mich auch wahnsinnig schuldig, dass ich mir keine Sorgen machen musste, etwas vor ihr zu verstecken.

Jaspers Wagen wartete bereits vor meinem Haus. Ich stellte meinen Audi in der Auffahrt ab und ging hinüber zu der Fahrerseite. Ich wartete darauf, dass Jasper mir mitteilte, wie der Plan lautete.

„Wohin gehen wir?", fragte ich, als Jasper den Motor abschaltete und aus dem Wagen stieg. Edward stieg von der Beifahrerseite aus und warf die Tür zu.

„Im Wald hinter deinem Haus gibt es ein altes Fort", sagte er und deutete in die entsprechende Richtung. Ich kicherte, da ich genau wusste, wovon er sprach. Charlie hatte mir ein Baumhaus mit einer integrierten Doppelschaukel gebaut, als ich fünf gewesen bin. Ich veranstaltete dort Teekränzchen und spielte mit meinen Puppen, während er im Fluss angelte, der nun zum Grundstück der Cullens gehörte. Damals, als ich fünf gewesen war, gehörte das Land noch dem Staat.

„Das ist kein Fort. Das ist mein Traumhaus", sagte ich kichernd, als wir zu dritt durch das Tor zu meinem Garten gingen.

„Das erklärt die Puppen", sagte Edward schließlich. Seine Stimme erschreckte mich wieder.

„Ich hoffe, du wirst nicht sentimental deswegen", fügte Jasper entschuldigend hinzu. Ich lachte wieder und schüttelte meinen Kopf, da ich nicht ganz verstand, was er meinte. Ich konnte hören, wie Edward leise kicherte, als wir den langen, verwucherten Pfad entlanggingen, der sich durch den Wald hinter unseren Häusern schlängelte. Die nassen Blätter quietschten etwas unter unseren Füßen und durchnässten meine schönen Stiefel.

Ich war schon seit Ewigkeiten nicht mehr hier draußen gewesen. Das Baumhaus sah noch ziemlich genauso aus wie früher, nur die hübschen, kleinen Blumenkisten mit den Plastiktulpen waren rausgerissen und angesengte, nackte Barbiepuppen lagen am Boden herum. Die zwei gelben Schaukeln und der schwarze Schaukelreifen waren aber immer noch intakt. Das war mir der liebste Teil gewesen. Als Kind hatte ich unzählige Stunden mit Schaukeln verbracht, die beruhigende Bewegung erweckte meine größten Tagträume wieder zum Leben und ich dachte mir heimlich Geschichten aus. Ich dachte daran, wie ich schon mit sieben Jahren irgendwie vor dem realen Leben flüchten wollte.

„Was zur Hölle habt ihr mit meiner hübschen Barbieprinzessin gemacht?", fragte ich und hob ihren königlichen und verkohlten Plastikleichnam vom schmutzigen Boden hoch. Ihr blondes Haar war bis zum Schädel angesengt und ließ sie kahl aussehen. Edward lachte wieder, aber diesmal war es ein ehrliches Lachen aus dem Bauch heraus und ich konnte nicht anders, ich lachte mit ihm mit, als ich dies hörte.

Jasper meinte: „Edward spielt gern mit dem Feuer. Wir kommen hier raus, um zu rauchen, weil es hier ungestört ist und Emmett einmal mit seinem Feuerzeug durchgedreht ist. Wir wussten nicht, dass die Puppen noch jemandem gehörten, also äh ... tut uns Leid deswegen."

Ich schüttelte meinen Kopf und warf die arme Feuerbarbie in die Büsche und kletterte hinter Jasper die Leiter zum Baumhaus hinauf. Zu dritt saßen wir auf dem kalten Holzboden, als Edward eine wiederverschließbare Tüte mit Marihuana und ein Päckchen Zigarettenpapier hervorholte.

Ich sah mich in meinem alten Baumhaus um, in dem Alice, Rosalie und ich uns unzählige Stunden lang versteckt hatten und über Jungs und die Schule und Alices Dad, der weggegangen war, unterhielten. Manchmal kamen auch Jess und Lauren, als wir noch in der Grundschule waren, aber sie waren mir nie so nah gestanden oder wichtig gewesen wie Rose und Alice.

Charlie hatte mir das alles zu meinem fünften Geburtstag gebaut. Er hat alles selbst gebaut, hat gegrummelt und gegrunzt, als er die großen Holzbalken hochgehoben und zusammengenagelt hatte. Er fügte noch einige Holzlatten hinzu, sodass der Haus-Teil komplett verschließbar wurde. Es hätte pink gestrichen werden sollen, aber da es so häufig regnete, fand mein Dad nie die Gelegenheit dazu. Um das Baumhaus heimeliger zu machen, hatte meine Mom einen kleinen Tisch mit Stühlen besorgt und süße Bilder von kleinen Kätzchen an die Wände gehängt. All das war nun weg.

Jasper reichte Edward eine Zeitschrift, die in einer Ecke herumlag, und Edward begann, einen Joint zu rollen. Ich beobachtete, wie er mit seinen langen Fingern das Papier schnell und geübt zusammenrollte, als ob er das schon seit Jahren machte. Der Joint war perfekt. Er war symmetrisch und rund, fast als wäre er eine Zigarette aus einer Schachtel Marlboro. Als er fertig war, streckte er die Zunge raus und leckte einmal über die Länge der Zigarette.

Mein Atem stockte, als ich zusah, wie seine Zunge über die Länge des Joints strich, und das sorgte dafür, dass ich zugleich verwirrt war und es mir peinlich war. Es war das erste Mal heute, dass ich Edwards Gesicht näher betrachtete. Ich bemerkte, dass er auf jegliche maskuline Art und Weise extrem schön war.

Seine Augen schienen so viel Wut zu verbergen. Sie waren in einem erschreckenden Grünton, fast schon unecht, als würde er gefärbte Kontaktlinsen tragen. Ich hatte noch nie so hellgrüne Augen gesehen, die der Farbe von dem Strandglas ähnelten, das meine Mutter und ich oft an der Küste fanden. Und sein Gesicht war absolut perfekt. Sein starker Kiefer war rasiert und glatt. Er hatte perfekte, volle Lippen und lange, dunkle Wimpern. Sein Haar war eine wilde, dunkelbraune Masse, die in der Mitte irgendwie zusammentraf, so ähnlich wie bei einem Irokesen. Für einen Jungen war er ziemlich hübsch. Aber es lag auch diese sexy Reife auf seinem Gesicht, wo ich bei Jasper momentan nur jungenhafte Rundungen erkennen konnte.

Er nahm den Joint in den Mund und hielt inne, als er mich durch seine langen, dunklen Wimpern anstarrte. Mit einer Stimme, die fast schon süß war, fragte er: „Kannst du mir einen Gefallen tun?" Ich erwiderte seinen Blick und lächelte. Einen kurzen Moment lang dachte ich, dass wir einen besonderen Augenblick teilten oder so. „Wisch dir bitte diesen Scheiß von den Lippen."

Er zündete den Joint an, nahm einen tiefen Zug und behielt den Rauch in seinem Mund. Ich presste meinen Handrücken fest an meinen Mund und wischte den klebrigen, rosafarbenen Lipgloss ab, als er den Joint Jasper reichte. Ich schaute ihn böse an, war ein wenig wegen seines listigen Benehmens und mir selbst enttäuscht, weil ich gedacht hatte, er würde etwas Nettes zu mir sagen.

Der berauschende Duft von Marihuana mischte sich mit dem Rasierwasser der Jungs und deren nassen Lederjacken. Es roch mitreißend, beruhigend und zugleich vertraut. Jasper inhalierte den Joint in drei langen, aufeinander folgenden Zügen. „Der Scheiß hier ist stark, nimm nicht zu viel", sagte er mit einer angespannten, heiseren und rauchigen Stimme. Er reichte mir den Joint und drückte mir die Zigarette mit dem Marihuana ehrfürchtig in die Hand, bevor ich sie an meine Lippen hob.

„Woah, das ist stark", krächzte ich. Ich hustete den dicken, aromatischen Rauch wieder hoch, der meinen Mund und meine Lungen füllte. Es war schon eine Weile her gewesen und mein Hals brannte ein wenig. „Wow, das ist beeindruckend", sagte ich wahrheitsgemäß, als ich den Joint vor mir ausgestreckt hielt und seine Perfektion bewunderte.

Jasper lachte und sagte: „Edward hat sehr talentierte Finger." Ich sah hoch zu Jasper und grinste. Es war mir ein wenig peinlich, dass meine Gedanken in seiner Aussage sofort einen sexuellen Hintergrund erkannten.

Das hat er nicht einfach so gesagt, oder?

Ich reichte Jasper den Joint und spähte zu Edward, der in seinen Schoß blickte und seinen Kopf genervt schüttelte.

„Sack", murmelte Edward und stieß Jasper mit dem Ellenbogen in die Rippen.

„Gut zu wissen", fügte ich grinsend hinzu. Jasper lachte wieder und schob den Joint zurück in Edwards wartende Hand.

„Ich habe gemeint", sagte Jasper und starrte Edward böse an, „dass er generell sehr begabte Hände hat. Edward spielt Klavier, und er ..."

Bevor Jasper seinen Satz beenden konnte, starrte Edward ihn böse und verärgert an und sagte scharf: „Bro ..." Sein Tonfall bedeutete eindeutig, dass er die Klappe halten sollte.

Jasper schüttelte den Kopf und ließ es bleiben.

Das überraschte mich ehrlich. Ich hätte nicht erwartet, dass Edward Klavier spielen würde. Das schien so ein elegantes, klassisches Musikinstrument zu sein, und Edward schien mir weder das eine, noch das andere zu mögen. Und wenn ich nicht gerade die Auswirkungen von diesem lachhaft starken Hasch spüren würde, hätte ich nachgefragt, worin Edward sonst noch gut war, bevor er Jasper so abrupt unterbrochen hatte.

Die letzte Runde kam zurück zu mir. Ich nahm einen weiteren tiefen Zug, behielt ihn in mir, solange die Luft in meinen Lungen es zulassen konnte, und atmete den Rauch in die feuchte Luft aus. Wir saßen eine Weile in Stille da, genossen unser High und unseren momentanen Zustand. Ich blickte die beiden an, halb geschlossene Lider über blutunterlaufenen Augen. Sie waren beide so schnappig, dass ich am liebsten weinen und Liebeslieder zu meinem Schlafzimmerfenster hinaus singen würde. Ich konnte definitiv sehen, was Alice in Jasper sah. Aber ich kämpfte immer noch mit dem, was ich in Edward sah.

Er wirkte schön, war aber zugleich schmerzhaft traurig und nicht sehr nett.

Ich lehnte mich zurück an die Holzplanken und hob die Zeitschrift hoch, auf der Edward den Joint gedreht hatte. „Glamour? Gehört die dir?", fragte ich spaßhalber, als ich sie durchblätterte. Edward kicherte und sein ganzer, nach vorne gebeugter Oberkörper schüttelte sich leise vor stillem Gelächter.

Zur selben Zeit platzte er hervor: „Die gehört Emmett." Jasper hatte sich zurück auf seine Ellenbogen gestützt und seine langen Beine vor ihm ausgestreckt. Er ließ ein kleines Kichern ertönen, woraufhin Edward nur noch mehr lachte.

Ich verstand die Pointe dieses Witzes nicht ganz, also sagte ich: „Er scheint mir eher ein Typ zu sein, der die Teen Vogue liest." Daraufhin zerkugelten sich die beiden. Ihr Lachen war so ansteckend, dass ich mitlachen musste. Sie waren wirklich süß, wie sie ihre Seiten hielten und hysterisch lachend am Boden herumrollten.

„Teen Vogue", murmelte Edward durch einen unterdrückten Lacher, dann brachen die beiden von vorne in Gelächter aus.

Jasper sagte zwischen seinem Kichern: „Emmett hat sich die Zeitschrift gekauft, weil darin Tipps für die perfekten oralen Sextechniken stehen."

Hmmm ... interessant.

Ich musste mir merken, das gegenüber Rose zu erwähnen.

Ich lachte mit ihnen, als ich bemerkte, dass das Leder meiner Stiefel schon eine Menge Wasser angesogen hatten und ich langsam nasse Socken bekam. Ich öffnete den Reißverschluss eines Stiefels und zog ihn aus, während Jasper und Edward mich skeptisch betrachteten.

„Was?", fragte ich und stellte den Stiefel in eine Ecke des Hauses. „Meine Stiefel sind nass, und nein, meine Füße stinken nicht. Außerdem ist das mein Haus, schon vergessen? Eigentlich sollte ich von euch Miete und eine Entschädigung für Sachschäden verrechnen, für all die Zeit, die ihr hier verbracht und Sachen zerstört habt. Und ihr habt all meine Plastiktulpen und die süßen kleinen Blumenkisten zerstört. Und ... außerdem habt ihr Feuerteufel meine hübsche Prinzessinnenbarbie zu Tode verbrannt und sie glatzköpfig gemacht und ... ich bin jetzt ziemlich high, also sagt mir, ich soll die Klappe halten, damit ich meine Klappe halte." Ich streckte ihnen meine Zunge raus und sie beobachteten mich dabei, wie ich meine Stiefel wegstellte, als wäre das das Interessanteste, das sie je gesehen hätten. Sie brachen wieder in hysterisches Gelächter aus, als meine äußerst bunten und zugegebenermaßen ziemlich seltsamen Socken zum Vorschein kamen.

„Sind das Schweine?", fragte Edward und deutete auf meine Füße.

„Oh, halt die Klappe. Ich mag meine Socken. Spotte nicht über meine Schweinchen", lachte ich und wackelte mit den Zehen. Jede Socke war mit rosa Schweinchen bedruckt. Ich rollte mit den Augen und die beiden lachten weiter über meine Socken.

Als sie sich schließlich beruhigt hatten, sah ich die beiden an und legte meinen Kopf zur Seite, um die beiden ein wenig zu bewundern. Ich war wirklich high – so stoned, dass alles verwirrend und verschwommen und lustig war und mein Kopf sich so anfühlte, als wäre er voll Luft und Wasser und Glitter wie eine riesen Schneekugel.

„Wisst ihr, ihr seht euch überhaupt nicht ähnlich. Als ob ihr drei jeweils auf einem anderen Kontinent aufgewachsen wärt."

Edwards Blick traf meinen, als er leise das Etikett seines Plastik-Feuerzeuges abzog. Jasper sagte: „Tja, ich sehe wie meine Mom aus, und Emmett sieht wie unser Dad aus, und Edwards Mom ist mit unserem Dad verheiratet, und Edward sieht auch irgendwie wie sie aus, alsooo yeah, wir sehen uns alle nicht ähnlich. Wow, ich bin auch verdammt high", fügte er kichernd hinzu.

„Ich sehe wie mein Vater aus", sagte Edward leise und ohne hochzublicken. Ich zog meine Brauen bei seinen Worten zusammen. Er hatte so sanft und doch so definitiv gesprochen, und ich fühlte eine tiefe Traurigkeit dabei.

„Oh. Wie lang sind eure Eltern schon zusammen?", fragte ich und realisierte in meinem bekifften Zustand zu spät, dass ich die Situation lieber nutzen hätte sollen, um das Thema zu wechseln.

„Seit zwölf Jahren. Wir waren beide fünf, als sie geheiratet haben", antwortete Jasper. Ich war fasziniert. Ich wollte alles über Jaspers und Emmetts Mutter und Edwars biologischen Vater erfahren und wo sie waren, aber als ich daran dachte, dass ich sie erst seit wenigen Stunden kannte, dachte ich, dass es vielleicht aufdringlich wäre, sie das zu fragen.

Einige Zeit verging und wir plauderten über die Schule und die Tatsache, dass ich in fast jedem Fach jemanden hatte, den ich kannte. Sie begannen, über ein dummes Training zu sprechen, und in meinem vernebelten Gehirn habe ich das Interesse daran verloren. Also hob ich die Zeitschrift, die vor Edward lag, hoch.

Als ich sie durchblätterte, bemerkte ich einen Artikel mit dem Titel: „Welche Art von Hund sind Sie?" Das war eigentlich einer dieser unsinnigen Tests, mit dem man seine Persönlichkeit mit irgendwelchen Objekten vergleichen konnte. Wie wenn man eine stille Person ist, gleicht man einem Stuhl, oder etwas anderes ähnlich doofes.

„Hey, welche Art von Hund seid ihr?" Ich richtete die Frage an niemand bestimmten.

Jasper sah zu mir hoch und sagte undeutlich: „Wie b'tte?"

„Welche Art von Hund ... wie wenn ich ein Hund wäre, glaube ich, wäre ich ein Zwergspitz. Oder ein Bichon Frisé."

„Oh", sagte Jasper und verstand. „Ähm, vielleicht eine Dogge", sagte er neutral und schloss das Thema mit einem bestimmenden Nicken.

Edward wandte sich ihm zu und sagte knapp: „Du bist auf keinen Fall eine Dogge. Eher ein Terrier oder so ein Scheiß."

„Fick dich, du Sack. Welche Art von Hund glaubst du, wärst du?", fauchte Jasper.

„Ich bin überhaupt kein Hund. Ich bin ... ein Berglöwe." Edward hielt seine Hände hoch und bildete mit seinen Fingern Klauen. Gleichzeitig fletschte er mit einem Grummeln seine Zähne. Er machte das mit solch grenzenlosem Enthusiasmus, dass Jasper und ich unsere Köpfe vor Gelächter zurückwarfen.

„Ratet mal, welche Art von Hund Xanax ist", sagte Jasper leise und mit einem schiefen Lächeln im Gesicht.

Edward und ich murmelten gleichzeitig: „Chihuahua." Damit begann das Gelächter wieder von vorne. Das beweist wieder mal, dass alles um einiges lustiger ist, wenn man high ist.

Ich schimpfte die beiden, weil sie sich über Alice lustig machen, aber die beiden ignorierten mich komplett. Danach machten wir noch ein bisschen Smalltalk, lernten uns kennen und stellten einander harmlose, nicht aufdringliche Fragen. Die Konversation lief hauptsächlich zwischen Jasper und mir ab, ab und an kicherte, schnaubte oder guckte Edward böse. Aber er nahm nicht wirklich an der Unterhaltung teil.

Während Jasper und ich sprachen, lehnte sich Edward zurück gegen die Holzplanken und spielte mit seinem Feuerzeug. Er drehte es herum, während er zusah, wie die Flüssigkeit in die verschiedenen Kammern lief.

„Also, warum bist du eigentlich wieder hierher gezogen?", fragte Jasper. Das war die einzige Frage, die er mich heute Morgen noch nicht gefragt hatte. Das war die einzige Frage, von der ich gehofft hatte, sie komplett vermeiden zu können.

„Ähm, jemand hat mir ziemlich weh getan und mir das Leben ziemlich zur Hölle gemacht, also bin ich wieder hierher gekommen ... um irgendwie nochmal neu zu beginnen ... um von den vielen schlechten Erinnerungen wegzukommen." Ich stieß einen langen Atem aus und seufzte wegen dieser Erinnerung.

Braves Mädchen, Bella. Du hast es geschafft.

Das war die ausweichendste Antwort, die mir eingefallen war, und die noch komplett die Wahrheit war. Edward sah von seinem unterhaltsamen Feuerzeug zu mir hoch und brachte einen Finger an seine Lippen. Es sah so aus, als wollte er etwas sagen, überlegte es sich dann aber anders. Ich wusste, Jasper wollte unbedingt, dass ich das näher ausführte, aber ich war nicht bereit, sie einzuweihen, warum ich Kalifornien verlassen hatte. Noch nicht, aber vielleicht konnte ich eines Tages darüber sprechen.

Als der Himmel dunkel geworden war und wir bemerkt hatten, dass wir alle durstig und hungrig waren, trennten sich unsere Wege und wir gingen zu unserem jeweiligen Zuhause. Bevor wir aufbrachen, fragte ich Jasper, ob ich ihm Geld für das Gras geben sollte, und er spöttelte über mein Angebot und sagte, dass die Cullen Jungs niemals ein Mädchen für etwas bezahlen ließen.

Ich eilte zurück zu einem leeren Haus und war dankbar, dass Charlie noch wegen eines Falls Überstunden machen musste. Es machte mir nichts aus, allein zu sein, und um ehrlich zu sein, war das ideal für einen Teenager, der nicht wollte, dass sich seine Eltern in sein Leben einmischten. Nicht, dass Charlie sich je einmischte, aber ich war bekifft, also war es das Beste für mich, wenn er nicht in der Nähe war, um das mitzubekommen.

Als ich ein Stück meiner übrig gebliebenen Pizza gegessen hatte, ließ mein High langsam nach und ich dachte darüber nach, wie viel Spaß ich heute gehabt hatte. Es war buchstäblich sieben Monate her gewesen, seit ich mit Leuten in meinem Alter sozial interagiert hatte, und es war mir gar nicht aufgefallen, wie sehr ich das vermisst hatte. Und zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich tatsächlich mit Jungs Freundschaft geschlossen. Das fiel mir nicht gerade leicht, das war wahr. Mit Mädchen Freundschaft zu schließen, war normal ein Kinderspiel für mich, aber Kerle wollten normalerweise nur das Eine von mir, und das war nicht gerade, einfach nur befreundet zu sein.

Ich lief nach oben, um meine Mails zu checken und mir das Outfit für den nächsten Tag zurecht zu legen.

Lieber Gott, ich danke dir, dass ich heute ohne größere Probleme den Tag überstanden habe. Ich wäre dir sehr verbunden, wenn es morgen und am Freitag genauso gut laufen würde. Bitte hilf allen hungrigen Kindern in Afrika und dass alle Kriege bald enden, und beschütze Mom und Phil, Dad, Alice, Rose, Jasper, Emmett und Edward. Oh, und bitte mach, dass der Regen meine neuen Stiefel nicht zu sehr beschädigt hat, weil ich liebe sie.

Ich blickte in den Spiegel und lächelte ein wenig breiter, da ich wusste, dass es vielleicht die beste Entscheidung meines Lebens gewesen war, zurück nach Forks zu ziehen.

Amen.

Später, als meine Angst schon eine ferne Erinnerung war, dachte ich an Edwards Gesicht, als ich langsam einschlief. Seine traurigen grünen Augen verfolgten mich in meinen Schlaf und tauchten überraschenderweise in meinem Unterbewusstsein auf.

Das war die erste Nacht, in der ich von Edward Cullen träumte.


Ü/N: Nochmals als kurze Erklärung: Jasper und Emmett stammen aus Carlisles erster Ehe. Edward stammt aus Esmes erster Ehe. Daher geht es sich auch locker aus, dass Edward und Jasper gleich alt sind ;-)

Wie hat euch dieses Kapitel gefallen? Was sagt ihr dazu? Lust auf mehr?