Anm.: Der Anfang der FF knüpft an den Roman von Rosemary Sutcliff an. Mir gehören also weder Cub noch Cottia, obwohl sie im Film nicht vorkamen.
Anm.: Ich würde mich sehr über Reviews freuen.^^

Seit der Rückkehr des Adlers der Neunten Legion war ein Jahr vergangen und Vieles hatte sich verändert.
Obwohl die Standarte wieder da war hatte der Senat beschlossen, die Neunte nicht wiederauferstehen zu lassen, da sie schon vor ihrem Verschwinden in Verruf geraten war. Manche hatten sie sogar für verhext gehalten, nachdem sie den Aufstand der Incenerkönigin Boudicca niedergeschlagen hatte. Die Königin hatte sich das Leben genommen, die Neunte jedoch zuvor verflucht. Nach dem Verschwinden der Legion nördlich des Walls war gemunkelt worden, dass sich der Fluch der Keltenkönigin erfüllt hatte.
Nichtsdestotrotz wurden Marcus und Esca belohnt.
Esca hatte das Bürgerrecht erhalten und war nun nicht mehr länger nur ein freigelassener Sklave, sondern ein römischer Vollbürger.
Marcus, dessen rechtes Bein steif geworden war, hatte sich entschieden, sein Leben als römischer Soldat zu beenden und sich in Britannien niederzulassen. Er erhielt vom Senat die gleiche Gratifikation wie ein Kohorten-Centurio nach Beendigung seiner Dienstzeit: ein Stück Land und genug Sesterzen, um fürs erste über die Runden zu kommen.
Marcus hatte seinen Onkel gebeten, seinen Einfluss geltend zu machen, damit er ein Stück Land in den Downs bekam, jenem weichen Hügelland, das ihm so ans Herz gewachsen war. Und wirklich, er bekam Land in der Nähe von Calleva, wo sein Onkel seinen Lebensabend verbrachte, zugesichert.
Aber das war nicht die größte Veränderung in seinem Leben. In der Zeit, die er bei seinem Onkel gewohnt hatte, hatte er Gefühle für die Icenerin Cottia, die Nichte seines Nachbarn entwickelt. Nach Beendigung seines Abenteuers hatte er sie dann auch geheiratet.
Von dem Geld des Senats und Cottias Mitgift (und natürlich einem fähigen Architekten, einem Baumeister und einem Heer von Arbeitern) konnte Marcus auf seinem Grund und Boden ein ansehnliches Steinhaus errichten, in dem es sich aushalten ließ.
Hier lebte er nun mit seinem Haushalt, der aus seiner Frau, ein paar Freigelassenen, seinem zahmen Wolf Cub und Esca bestand.
Als Marcus ihn nach seinen Plänen gefragt hatte, hatte er kurz überlegt und gesagt: "Ich bleibe bei dir. Irgendjemand muss doch dafür sorgen, dass du nicht wieder zum Vollblutrömer wirst, Bruder." Da hatte Marcus lachen müssen. "Ich bin ein Römer und werde immer einer sein. Du bist auch Römer, vergiss das nicht."
Esca hatte verächtlich geaschnaubt: "Ich bin kein Römer, ich bin Brigant!"
Und damit war die Sache erledigt gewesen und Marcus hatte seinen Architekten, einen quirligen Griechen namens Alexandros, angewiesen, in sein neues Haus auch keltische Elemente miteinzubeziehen, damit sich Cottia und Esca wohler fühlten. Zuerst hatte Alexandros sich geweigert und ein Gesicht gemacht, als hätte Marcus ihn hinterrücks erdolcht, doch plötzlich (anscheinend hatte ihn die Muse geküsst) hatte er seinen Auftraggeber stehenlassen und hatte fieberhaft Muster auf Wachstäfelchen gekritzelt. Das Endergebnis konnte sich sehen lassen. Römisch-Keltisch. Nach Cottias und Escas Meinung war das Haus der beste Beweis dafür, dass Marcus doch nicht so ein Vollblutrömer war, wie er gerne behauptete. Aber diese Erkenntnis behielten die beiden für sich.
Nachdem Marcus und sein kleiner Haushalt in ihr neues Heim übersiedelt waren begannen sie, Felder anzulegen. Onkel Aquila schenkte seinem Neffen zur Hauseinweihung eine kleine Schafherde, die dieser nur unter Protest ("Nein, das ist wirklich zu viel, ich..." - "Jetzt sei still und freu dich!") annahm.
Die Wolle brachte gutes Geld ein und Marcus konnte es sich leisten, Feldfrüchte und Getreide anzubauen. Finanziell lief alles gut, ebenso wie privat.
Marcus musste sich erst daran gewöhnen, verheiratet zu sein. Sein bisheriges Leben hatte er unter Soldaten zugebracht, also dauerte die Eingewöhnung ein bisschen. Aber Cottia war geduldig. Sie wusste, Marcus liebte sie über alles, auch wenn er manchmal Schwierigkeiten hatte, es zu zeigen. Die zierliche, rothaarige Icenerin mit den goldenen Augen hingegen fand sich schnell in die Haushaltsführung ein. Es machte ihr Spaß, einem Haushalt vorzustehen und die Zügel in der Hand zu haben.

Langsam wurde es wieder Frühling und der wenige Schnee, der in den Downs gefallen war, schmolz unter den ersten warmen Sonnenstrahlen dahin.
Cottia hatte das Haus eine Weile für sich alleine gehabt, da Marcus für ein paar Tage nach Calleva gereist war um seinen Onkel zu besuchen und Esca vor drei Wochen in den Norden aufgebrochen war. Er wollte versuchen, seinen guten Ruf nördlich des Walls wiederherzustellen.
Cottia hatte sich große Sorgen gemacht und versucht, ihm sein Vorhaben auszureden. Sie glaubte nicht wirklich, dass man ihm den Diebstahl des römischen Adlers verzeihen würde. Marcus hingegen hatte ihm einfach nur eine "gute Jagd" gewünscht. Er hatte sogar angeboten, Esca zu begleiten. Esca hatte jedoch dankend abgelehnt und gemeint, dass man Marcus, Römer der er war, sofort umbringen würde. Ihm würden die Stämme nie verzeihen.

Cottia saß am Fenster ihrer Schlafkammer und seufzte. Sie konnte verstehen, wie sehr es Esca schmerzte, von seinen Leuten nicht mehr respektiert zu werden. Sie selbst verspürte jedoch kein Heimweh nach ihrem Stamm. Gleich nach dem Tod ihres Vaters hatte ihre Mutter einen Jäger geheiratet, in den sie schon lange verliebt gewesen war. Cottia hatte sie zu ihrer Schwester Valeria nach Calleva geschickte. Valeria war eine gute Frau, die von Rom ganz besessen war. Sie hatte Cottia "Camilla" genannt und wollte eine echte Römerin aus ihr machen. Ganz begeistert war sie gewesen, als Cottia und Marcus geheiratet hatten. Sie vergötterte ihren Schwiegersohn.
Cottia hatte sich immer als Icenerin gefühlt, aber erst seit sie Marcus´ Frau geworden war fühlte sie sich wieder richtig zuhause.
Cub, Marcus´ zahmer Wolf, gab ein gurgelndes Geräusch von sich und legte seinen schweren Kopf auf Cottias Knie.
Sie kraulte ihn hinter den Ohren. "Immerhin bist du noch da, Hübscher. Du weißt nicht, wann Marcus wiederkommt, oder?"
Cub bellte. Das hatte er sich angewöhnt, da er mit Onkel Aquilas Hunden aufgewachsen war.
"Du weißt es?"
Der Wolf bellte wieder, wedelte mit dem Schwanz und rannte zur Tür. Cottia folgte ihm in den Vorhof.
Und wirklich, in der Ferne war die Gestalt eines Reiters auszumachen.
Cub sprang begeistert auf und ab. Cottia lachte.
"Du kleiner Teufel. Woher hast du das gewusst?"
Statt einer Antwort rannte Cub seinem Herrn entgegen und riss ihn fast vom Pferd. Cottia ging etwas langsamer hinterher.
Marcus freute sich offensichtlich über die enthusiasische Begrüßung. Er stieg vom Pferd, strich Cub liebevoll übers Fell und blieb dann verlegen vor Cottia stehen. Er wusste immer noch nicht genau, wie man seine Ehefrau nach einwöchiger Trennung begrüßte.
Cottia grinste und fiel Marcus um den Hals. "Willkommen daheim."
Marcus erwiederte die Umarmung. "Danke. Du... hast mir...äh...gefehlt."
"Du mir auch. Wie geht´s deinem Onkel?"
"Ganz gut. Er arbeitet noch immer an seiner Geschichte über die Belagerungskriege. Er lässt dich grüßen und hat mir aufgetragen, dich nächstes mal mitzunehmen."
"Sehr schön. Tu das."
"Woher hast du eigentlich gewusst, dass ich heute komme?" erkundigte sich Marcus, während er seinen Wolf unterm Kinn kraulte.
"Hab ich nicht. Cub hat´s gewusst." antwortete Cottia. Marcus lachte leise. "Guter Junge...Wie sieht´s hier aus? Probleme?"
"Nein, alles bestens."
"Hast du was von Esca gehört?" erkundigte sich Marcus.
Seine Frau schüttelte den Kopf. "Nicht, nichts. Es geht ihm sicher gut, mach dir keine Sorgen. Wer weiß, vielleicht kommt er heute noch. Schau dir an, wie unruhig Cub ist."
Und wirklich, der Wolf rannte auf und ab, unterbrach sich manchmal und starrte auf die gepflasterte Straße, die nach Norden führte.
Langsam kamen auch die Freigelassenen, die Marcus beschäftigte, um ihn zu begrüßen und sich um sein Pferd zu kümmern.
Marcus und Cottia gingen ins Haus und Marcus berichtete über seinen Aufenthalt in Calleva, gab seiner Frau einen Brief von ihrer Tante und hörte sich an, was sich während seiner Abwesenheit ereignet hatte.

Als es keine familiären Neuigkeiten mehr zu berichten gab und die Sonne langsam im Westen versank, machte sich Cottia daran, gemeinsam mit Brighid, ihrer irischen Köchin, das Abendessen zuzubereiten.
Da begann Cub, der im Garten umhergetollt war, wieder zu bellen.
"Hallo, Bruder Wolf!" sagte eine wohlbekannte Stimme gut gelaunt.
Cottia lief zur Schreibstube ihres Mannes, der gerade ihre Finanzen prüfte. "Marcus, Esca ist wieder da."
Marcus sprang auf, beherrschte sich aber sofort wieder. "Sehr schön." sagte er lächelnd und ging nach draußen, um seinen Freund zu begrüßen.
Cottia folgte ihm kopfschüttelnd. Männer. War es wirklich so schlimm, Gefühle zu zeigen? Lugh bewahre, dass man ihnen die Freude über die Rückkehr eines Waffenbruders ansah. Oder irgendeine andere Regung.
"Esca, du lebst noch." sagte Marcus zum Gruß.
"Wie du siehst." gab Esca zurück.
Die beiden starrten sich einen Augenblick stumm an, dann grinsten sie und packten einander an den Unterarmen.
Händeschütteln unter echten Männern, dachte Cottia amüsiert.
"Schön, dich wiederzusehen!" begrüßte sie den Briganten und schenkte ihm ein breites Lächeln. Irgendwie musste sie ja die Zurückhaltung ihres Mannes wettmachen. "Du kommst genau zur rechten Zeit. Es gibt gleich Essen."
"So? Das ist gut. Ah, ich riech´s schon. Wild in Weinsoße, wenn mich meine Nase nicht täuscht?"
"Sie täuscht dich nicht. Marcus ist auch erst heute zurückgekommen, da wollte ich etwas ganz Besonderes machen."
Esca gluckste. "Ein Glück. Dein Wild in Weinsoße hätt´ ich um nichts auf der Welt verpassen wollen." sagte er. Es machte ihm zwar nichts aus, von rohen Feldmäusen zu leben, wenn die Situation es erforderte, aber trotzdem wusste er gutes Essen zu schätzen.
Bevor noch jemand etwas sagen konnte kam Brighid, die irische Köchin, heraus und bat die Herrschaften zu Tisch.

Als sie alle am Tisch saßen und einen Teller mit dampfendem Fleisch vor sich stehen hatten, fragte Marcus: "Wie ist es in Caledonia, entschuldige, Albu gelaufen?"
Esca ließ sich Zeit mit seiner Antwort.
"Ganz gut, denk ich." sagte er langsam. "Ich war zuerst bei Guerns Witwe. Zuerst wollte sie mich gar nicht sehen, aber dann... Wir haben lange geredet, darüber, was es bedeutet, Römer oder Britannier zu sein. Über die Loyalität, die ein Mann seiner Heimat und seiner Familie schuldet. Sie hat mir erzählt, dass Guern nie ganz aufgehört hat, ein Römer zu sein. Hin und wieder hat er Streifzüge unternommen... zu verfallenen Römerlagern... sie hat immer geahnt, dass er sich der Vergangenheit einmal stellen würde, hat sie gesagt. Letztenendes haben wir uns als Freunde getrenn. Sie ist bei den Selgovern für mich eingetreten... Ich habe viele andere Stämme besucht. Trotz der Sache mit dem Adler gilt mein Name im Süden noch etwas, ich weiß nicht warum. Je weiter ich in den Norden ging, desto feindseliger wurden die Stämme jedoch. Kann ich ihnen nicht verdenken." Esca wirkte traurig. "Der Seehundclan hat seinen Nachbarn beigebracht, mich zu verachten... Aber ich hoffe, dass mir die Stämme im Süden freundlich gesinnt bleiben. Und irgendwann, irgendwie werde ich meinen guten Namen wiederherstellen." sagte er.
Marcus musterte seinen Freund. "Was verschweigst du mir?"
Esca seufzte tief. "Ich verschweige nichts. Ich überlege nur, wie ich... weitermachen soll."
"Einfach raus damit."
"Römer treiben sich in Albu herum. Sie verschleppen Burschen, die noch nicht zu Kriegern geworden sind. Angeblich im Auftrag eines Gladiatorenmeisers." berichtete er mit belegter Stimme.
"Marcus, ich muss nach Rom. Wenn ich die Jungen befreien kann, dann..."
"...ist dein guter Name wiederhergestellt. " beendete Marcus den Satz.
Dann fiel ihm etwas ein.
"Warte! Gladiatoren, sagst du? Als ich bei meinem Onkel war, hat er mir einen seiner Freunde vorgestellt. Einen Veteran der Sechsten, der jetzt in Rom wohnt. Er war bei meinem Onkel um ihn um Rat zu bitten. Er hat durch einen Informanten, von dessen Glaubwürdigkeit er nicht überzeugt ist, erfahren, dass ein gewisser Titus Albanius Corvus, ein entfernter Verwandter des Kaisers, ein bisschen Unruhe stifte will, den Kaiser womöglich sogar zwingen will, ihn zu seinem Nachfolger zu ernennen, und zwar mit Hilfe eines Herren, der nur unter dem passenden Namen Pugnus, die Faust, bekannt ist und eine Gladiatorenschule leitet. Angeblich hat er einen Haufen neuer, KELTISCHER, Schüler. Aber, wie gesagt, es gibt keinen einzigen Beweis, vielleicht ist das nur leeres Gerede und Corvus hat einfach nur eine Vorliebe für Gladiatoren..."
Esca knurrte.
"Dieser römische Hurensohn! Wir Britannier lassen uns nicht wie Ochsen vor einen Karren spannen, zur Belustigung dieses - dieses - Argh!" Er schlug mit der Faust auf den Tisch.
"Begleitest du mich nach Rom, Bruder?"
"Du hast mir damals geholfen, die Ehre meiner Familie wiederherzustellen. Natürlich komm ich mit!"