Late Night Encounters

Kapitel 20

Entschlüsse - Teil 1


BPOV

Ich seufzte schwer und betrachtete unsere Hände, die ineinander verschlungen neben meiner Hüfte lagen. So viel war in den letzten Tagen passiert, davon schwirrte mein Kopf immer noch. Ich hatte nach dem Abflug von Chicago ehrlich gedacht, es könnte nicht mehr schlimmer kommen, da ich solch eine Unsicherheit und Schmerz empfand, weil ich Edward verloren und mich doch so in ihn verliebt hatte. Langsam begann ich mich zu fragen, ob dieser Mann überhaupt real gewesen war oder ob ich ihn nur in meiner Vorstellung seit unserer ersten Unterhaltung im Internet so gestaltet hatte.

Aber in dem Moment, in dem ich gepackt und in diese dunkle Gasse gezogen wurde, war er alles, an das ich noch denken konnte. Ich schrie mit aller Kraft, die ich hatte, und fühlte mich beinah so wie in einem dieser Alpträume, in denen, egal welche Angst man hatte oder wie sehr man es versuchte, keine Stimme mehr hatte und man nicht laut genug schreien konnte. Erinnerungen, die ich zurückgedrängt hatte, gingen mir in rascher Abfolge wieder durch den Kopf, während ich während des gesamten Angriffs um mich trat, schlug und schrie, bis er endlich davonlief.

Edwards Augen und sein Lächeln. Die Art und Weise, wie er sich über die Lippen leckte, bevor er sie auf meine drückte. Wie sich seine Arme um mich herum anfühlten und die weichen Küsse an meinem Hals, mit denen er mich nur wenige Tage zuvor geweckt hatte. Dann der Ausdruck auf seinem Gesicht, als ich ihm sagte, dass ich abreisen wollte, und die Tatsache, dass ich ihm vor meinem Abflug nie gesagt hatte, dass ich ihn liebte.

Und im schrecklichsten Moment meines Lebens war es diese Tatsache, die mir die Kraft zum Kämpfen gab, damit ich so laut wie möglich schreien konnte, um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erregen. Trotz der Schmerzen und der Angst war nichts stärker als mein Bedürfnis, Edward noch einmal zu sehen, auch wenn ich für ihn nicht genug war.

Als er dann aber neben meinem Bett im Krankenhaus auftauchte, war ich ehrlich überrascht, ihn zu sehen. Trotz dass ich ihn die ganze Zeit über verlangt hatte, ehe ich jemand anderen in meine Nähe ließ, hatte ich es mir selbst nicht gestattet, daran zu glauben, dass er wirklich kommen könnte. Und sobald ich mir erlaubt hatte, in seine Augen zu sehen, und all die Schuld und die Angst dort erkannte, musste ich mich einfach fragen, ob es nicht ein Fehler gewesen war, ihn hier haben zu wollen.

Ich wollte nicht, dass er wegen des Angriffs hier bei mir war, oder weil er Angst hatte oder sich verantwortlich dafür fühlte. Ich wollte die Sicherheit spüren, die ich nur bei ihm hatte, wollte wissen, dass er mich immer noch liebte und warum die Dinge so geschehen sind.

Es war schmerzhaft, ihm zuzuhören, wie er von den Ereignissen mit Tanya erzählte. Ich sah, wie sich die Falte auf seiner Stirn vertiefte, während er mir von dem Tag berichtete, an dem er gemerkt hatte, dass sie weg war, und wie nahe es ihm gegangen war. Ich hatte mir eingeredet, dass da keine Gefühle mehr übrig waren, aber wegen des Ausdrucks in seinen Augen fragte ich mich, wie falsch ich wohl gelegen hatte. Es brach mir das Herz, zu glauben, dass ich mich hoffnungslos in einen Mann verliebt hatte, der noch in der Vergangenheit gefangen war, wo ihm eine andere Frau sein eigenes Herz gebrochen hatte.

Auch nachdem er felsenfest bestritten hatte, dass er sie liebte, und er leidenschaftlich darauf bestand, dass er sich nur wegen seiner eigenen Angst, mich zu verlieren, so benommen hatte, konnte ich nicht vergessen, wie sehr seine Taten geschmerzt hatten. Alles, das ich von ihm wollte, war, mich zu halten und mir zu sagen, dass er mich liebte, und stattdessen schob er mich wegen seiner Ängste und grundlosen Annahmen einfach von sich.

"Edward, komm her." Ich zog sanft an seiner Hand, damit er sich neben mich auf das Bett setzte, und er stand auf, um das zu tun, sah mir dabei aber nicht in die Augen. Ich sah auf seine Finger, die immer noch um meine geschlungen waren, und holte tief Luft. "Ich bin immer noch böse auf dich. Ich war mein ganzes Leben lang noch nicht so verletzt, verwirrt und gedemütigt. Aber ..."

Ich hatte nicht gemerkt, dass ich weinte, bis ich seine Hände an meiner Wange spürte. Er fing die Feuchtigkeit mit seinem Daumen auf. Eine einfache, intime Geste, und es fühlte sich an, als hätte ich schon eine Ewigkeit darauf gewartet. Und ich versank ein wenig in diesem Moment. Es war keine Berührung voll Angst oder Schuld, sondern voll Zuneigung. Alles, das ich von meinem Edward wollte. Ich drückte meine Lippen auf seine Handfläche und holte langsam Luft.

"Das bedeutet nicht, dass ich dich nicht noch immer liebe", murmelte ich gegen seine Haut und ich hob meinen Kopf, um ihn wieder anzusehen. Ich verlor mich beinahe in der Überraschung und der Erleichterung seines Blicks, aber ich schaffte es, meine Gedanken zu sammeln, damit ich fortfahren konnte. "Ich kann nicht im Schatten jeder Frau leben, die zuvor schon da gewesen war. Du musst Vertrauen in mich haben, bevor das zwischen uns funktionieren kann. Wenn du das nicht tun kannst, dann ist es besser, wenn du nach Chicago zurückkehrst, damit ich über dich hinwegkomme und mein Leben weiterleben kann. Weil so kann ich nicht leben."

Sein Atem stockte bei meinen Worten und seine Hand fiel von meinem Gesicht. Er sah komplett erschüttert aus und seine Augen wurden schmerzhaft traurig, dutzende Emotionen leuchteten auf einmal darin auf. "Wäre es denn so leicht für dich, über mich hinwegzukommen?"

Mein Herz schmerzte bei seinem Tonfall und bei seinem geänderten Gesichtsausdruck. Seine Stimme brach und die Falte auf seiner Stirn verschwand, als würden meine Worte ihm körperliche Schmerzen zufügen. Sein Daumen strich weiter über meine Hand, die noch immer in seiner lag, und ich sah, wie er ebenfalls auf unsere Hände blickte. Ich kannte diesen Gesichtsausdruck. Ich hatte ihn schon einmal gesehen – als ich ihn am Flughafen in Chicago verlassen hatte. Er wollte so sehr, dass ich blieb, aber ließ mich gehen, weil ich es so wollte. Ich verstand. Wenn ich jetzt ja sagte, würde er ohne eine weitere Frage gehen, egal, was er wollte.

Aber der Gedanke daran, dass das passieren und mein Leben so weitergehen könnte wie zuvor, als ich ihn noch nicht kannte, war noch schmerzhafter zu ertragen. Es fühlte sich an wie ein Dolch, der direkt in mein Herz gestoßen wurde, und ich schloss meine Augen wegen der aufwallenden Tränen wieder. "Natürlich wäre es nicht leicht. Aber genauso wenig einfach waren die letzten Tage. Ich werde nicht mein ganzes Leben damit verbringen, auf das Nächste zu warten, das dir Angst macht. Ich will eine Beziehung, kein Wartespiel, in dem ich wie auf rohen Eiern um dich herumlaufen muss. Das ist für niemanden ein Leben."

"Das ist das Letzte, das ich will, Bella", antwortete Edward. Seine Brauen zogen sich weiter zusammen und er konzentrierte sich auf meine Hände.

"Du musst ein wenig spezifischer werden", sagte ich und versuchte, sanft weiterzuatmen und ihn anzusehen.

"Ich will nicht, dass du das durchmachen musst", sagte er mit sanfter Stimme und blickte endlich zu mir hoch. "Ich will nicht der Kerl sein, auf den du wartest und der dir das Herz bricht."

"Tja, die einzige Möglichkeit, das zu erreichen, ist, dass du das nicht bist", antwortete ich. Meine Finger strichen leicht über seine Hand. Er holte tief Luft, nickte und räusperte sich, während seine Hand ihren Griff ein wenig verstärkte. "Ich will dich nicht verlieren, Edward. In meinem ganzen Leben war ich noch nie so glücklich wie mit dir. Aber du musst dich genauso sehr mit einbringen wie ich."

"Ich will dich auch nicht verlieren", sagte er. Er runzelte die Stirn und in seinen Gesichtszügen war wieder der Schmerz zu erkennen, während seine Hand sanft meine Wange umgriff. "Ich liebe dich wirklich."

Meine Augen schlossen sich und mein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus. Es zog schmerzhaft an meiner aufgeplatzten Lippe, aber das machte nichts. Ich zog ihn näher, bis seine Stirn an meiner lehnte, und fuhr mit meinen Fingern über seine Wange. "Das ist alles, das ich schon seit Tagen hören wollte."

"Was?", flüsterte er und ich öffnete die Augen, um ihn wieder anzusehen.

"Dass du mich liebst. Und nicht weil ich sonst gehe oder weil ich verletzt bin. Einfach so", antwortete ich mit einem leisen Glucksen, aber eine Träne lief mir aus dem Augenwinkel.

"Natürlich, ich liebe dich, Bella. Ich liebe dich so sehr", sagte er atemlos. Seine Stimme brach ein wenig, als er sprach.

Ich hob mein Kinn ein wenig und er drückte seine Lippen sanft auf meine. Meine Finger schlangen sich in sein Haar und hielten ihn fest. Der Schmerz in meinem Körper wegen dieser Bewegung war nichts in Vergleich zu dem, den ich seit Vegas spürte. Ich wollte ihn püren und die Anspannung zwischen uns verschwand langsam. Ich hatte meinen Edward wieder. Sein Daumen strich sanft über meine Wange und ließ mich ein wenig zusammenzucken, als er über den Bluterguss strich, und er begann, sich zurückzuziehen.

Ich schüttelte den Kopf und ergriff leicht seine Haare, um ihn bei mir zu behalten. "Nicht."

"Aber das tut dir weh ..."

"Das ist es mir wert", unterbrach ich ihn und zog ihn wieder an meine Lippen. "Du hast keine Ahnung, wie sehr ich das vermisst habe. Wie sehr ich dich vermisst habe."

Sein Kuss blieb sanft, aber an der Emotion dahinter bestand kein Zweifel. Ich erlaubte mir, gänzlich in diesen Moment zu versinken. Seine weichen Lippen, seine Haarsträhnen zwischen meinen Fingern, sein Geruch, der mich umgab. All diese Dinge hatte ich so vermisst. Ich schlang meine Arme um ihn, um ihn näher zu mir zu ziehen, und er war zögerlich darin, sein Körpergewicht auf mich zu verlagern, daher legte er sich neben mich. Er verteilte weitere weiche Küsse auf meinen Lippen, während er eingehend mein Gesicht betrachtete. Ich wusste, ich musste wahnsinnig schrecklich aussehen, mit all den Wunden und Blutergüssen, dass ich mich gar nicht im Spiegel ansehen wollte. Und dennoch sah er mich so liebevoll an und berührte mich sanft ... aber immerhin berührte er mich.

Nach all dem, was passiert war, war ich mir nicht sicher, wie er reagieren würde, wenn wir je an diesen Punkt zurückkehrten. Würde er mich noch genauso sehen wie zuvor? Oder würde die Tatsache, dass ein anderer Mann Hand an mich angelegt hatte, wenn auch nicht auf intime Weise, seinen Blickwinkel auf mich ändern? Würde er mich immer noch wollen oder würde er mich nur als Verpflichtung betrachten?

Ich sah nichts davon in seinen Augen. Trotz all der Schmerzen, die darin aufleuchteten, wenn ich zusammenzuckte oder aufkeuchte, wenn ich versuchte, mich zu bewegen, sah ich dennoch meinen Edward mit seiner ganzen Liebe, die er mir entgegenbrachte. Ich drückte meine Lippen wieder an seine, bis ein abruptes sich Räuspern am Gang uns unterbrach, und ich drehte meinen Kopf in die entsprechende Richtung.

Ich fand meinen Vater vor, der Edward streng und böse anfunkelte, bevor er weiter den Gang entlang zu seinem Schlafzimmer ging und die Tür heftiger schloss, als nötig gewesen wäre.

Edward gluckste nervös und drückte seine Stirn kurz an meine, bevor er sich aufsetzte. "Ich schätze, das ist mein Stichwort, damit ich meinen Hintern wieder hinunter verfrachte."

Meine Augen weiteten sich. Ich griff nach seiner Hand und hielt sie fest. "Nein. Ich will nicht, dass du gehst. Bitte lass mich hier nicht allein."

Die Angst vor den Bildern, die mich jedes Mal verfolgten, wenn ich meine Augen schloss, erschütterte mich innerlich zutiefst. Dunkles Haar und eine Jeansjacke, seine Faust kam auf mich zu. Ich konnte in meinem Kopf noch immer alles von diesem Morgen spüren und hören, immer noch diesen beißenden Geruch nach Zigaretten und Alkohol riechen, und ich konnte es nicht abschütteln. Noch nicht.

Ich spürte Edwards Lippen an meiner Stirn und dann an meinem Haar. "Schh. Entspann dich, Baby. Ich werde nicht gehen, wenn du das nicht willst. Aber ich glaube nicht, dass dein Vater allzu glücklich darüber wäre."

"Ich werde mich morgen früh um meinen Vater kümmern. Es ist ja nicht so, als könnten wir wirklich etwas tun, das er beanstanden könnte", sagte ich mit einem schwachen Lächeln. Ich wollte ein wenig auf dem Bett zur Seite rutschen, um ihm Platz zu machen, und als ich damit einhergehend heftig aufkeuchte, betonte dies meine Worte nur noch zusätzlich.

"Ich glaube, meine bloße Anwesenheit hier wäre schon ein Grund zur Beanstandung", antwortete er mit einem nervösen Glucksen. Er streifte sich die Schuhe ab und legte sich dann vorsichtig neben mich.

Langsam hob ich meinen Kopf an, damit er seinen Arm darunter legen konnte, dann ließ ich ihn auf seine Schulter sinken. Ich spürte seine Wange, die sich an meinen Kopf schmiegte, und seine Finger, die leicht durch meine Haare strichen, und jeder Muskel in meinem Körper begann, sich zu lockern und zu entspannen. Meine Augen wurden schwer, während mich die Anstrengung der letzten Tage einholte, und schließlich schloss ich sie. "Mir egal."

Ich atmete seinen Duft ein und fuhr mit den Oberseiten meiner Finger über seine Brust. Ich wollte nicht, dass dieser Moment endete, wollte nicht einschlafen und riskieren, dass ich aufwachte und alles wieder war wie heute früh. Dass er sich wieder vor mir zurückzog.

"Schlaf ein wenig, Bella."

"Nein", antwortete ich mit einem kleinen Grinsen, woraufhin er leicht gluckste. "Wie kann ich nur schlafen, wenn wir noch über so vieles reden müssen?"

"Wir haben noch so viel Zeit, um uns über die Zukunft zu unterhalten", hörte ich ihn in mein Haar flüstern und ich hob meinen Kopf, um ihn anzusehen.

"Wirklich?", fragte ich zögerlich.

"Definitiv", antwortete er und strich mir sanft das Haar aus dem Gesicht. "Bella, ohne dich gibt es einfach keine Zukunft für mich."


"Isabella Marie Swan, was ist nur los mit dir?" Die Stimme meines Vaters hallte am nächsten Morgen durch die Küche. Seine beiden Arme waren weit von sich gestreckt. Ich saß still mit gesenktem Blick am Tisch, meine Finger pickten an der schwarzen Schiene an meinem Handgelenk herum. "Das bist nicht du, junge Lady. Wer ist dieser Kerl und warum hast du ihn uns gegenüber kein einziges Mal erwähnt?"

"Weil ich das nicht wollte. Die Befragungen, wenn ich zum ersten Mal erwähne, dass ich einen Freund habe", sagte ich spitz und blickte hoch in das rot angelaufene Gesicht meines Vaters. Ich war dankbar, dass Edward mit meiner Mutter draußen im Wohnzimmer war. Mein Dad konnte ziemlich Angst einflößend sein, wenn er wütend war, und momentan bestand kein Zweifel daran, wie böse er war. "Edward ist ein toller Mann. Er ist Arzt ..."

"Aus Chicago. Was zur Hölle hast du dir gedacht, Bella?", rief er und hatte seine Finger an seine Stirn gedrückt. "Nicht zu vergessen, viel zu alt für dich."

"Er ist achtundzwanzig, das ist nicht so viel älter als ..."

"Ein achtundzwanzig Jahre alter Arzt vom anderen Ende des Landes? Das macht keinen Sinn. Was, gibt es denn in L.A. keine Jungs in deinem Alter? Und du bist außerdem zum Studieren dort, nicht zum Ausgehen."

"Dad, meine Noten sind gut und ich komme in all meinen Fächern gut mit. Und ich laufe nicht am Campus herum, von einer Party zur nächsten, und betrinke mich oder schlafe mit diversen Jungs. Ich habe einfach eines Abends begonnen, mich online mit Edward zu unterhalten und ..."

"Mach mal halblang. Online? Du hast diesen Jungen im Internet kennen gelernt?", antwortete mein Vater mit geweiteten Augen. Seine Schultern spannten sich an und er ballte die Hände zu Fäusten. "Das ist vorbei, junge Lady. Sofort. Meine Tochter hat sicher kein krankes Internet... Ding laufen."

"Nein, das ist es nicht! Und überhaupt, mir geht es gut, Dad. Ich habe noch ein wenig Schmerzen und eine Heidenangst vor all dem, was passiert ist, aber mir geht es gut. Danke der Nachfrage", fauchte ich mit Zornestränen in meinen Augen. Ich stand langsam von meinem Platz auf und stellte mich vor ihm hin. "Du kannst das nicht machen. Ich habe mein ganzes Leben lang versucht, immer das zu tun, was du wolltest, ein braves Kind zu sein und gute Noten zu kriegen, und dich stolz zu machen. Aber verdammt, ich bin kein kleines Kind mehr. Ich bin zweiundzwanzig, bin bald mit dem College fertig und ich glaube, es ist an der Zeit für dich, mich mein eigenes Leben führen zu lassen. Ich werde nicht zulassen, dass du das Beste zerstörst, das mir je passiert ist. Ich liebe ihn, Dad."

Bei meinem Wortschwall stand mein Vater wie vom Donner gerührt da und war zum ersten Mal, seit ich denken kann, sprachlos. Meine Kehle brannte ein wenig von meinen Schreien und wegen dem unterdrückten Weinen in meiner Brust, und ich sah, wie er seine Hände in die Taschen steckte und den Kopf senkte. "Ich will dich nur nicht verletzt sehen, Bella. Er wohnt in Chicago, was für eine Zukunft könnt ihr schon haben?"

"Keine", antwortete ich schon leiser. Er sah mich an und ich schüttelte den Kopf. "Solange ich so weit weg von ihm bin. Ich komme nicht wieder zurück nach Washington, Dad."

Mit ungläubigem Blick sank er langsam auf den Küchenstuhl, ohne je seinen Blick von mir zu wenden. Seine Brust hob und senkte sich dramatisch und seine Hand legte sich auf sein Herz.

"Dad?", sagte ich besorgt. Ich trat auf ihn zu, um ihm die Hand auf die Schulter zu legen. Meine Mutter und Edward erschienen einen Moment später in der Tür und mein Vater schüttelte den Kopf.

"Mir geht's gut. Nur ...", er hielt inne. Seine Finger legten sich sanft über meine Hand und schlossen sich darum. "Du kommst nicht nach Hause."

Mein Kopf hob sich, um Edward anzusehen, der mir einen genauso fragenden Blick zuwarf. "Nein", antwortete ich zittrig und spürte, wie mein Vater meine Hand fester umschloss. "Ich habe mich nach Stellen für ein Praktikum umgesehen, da ich so kurz vor dem Abschluss stehe. Ich habe einige in L.A. gefunden, aber dort hält mich nichts mehr, jetzt, wo Rose zu Em zieht und Alice ebenfalls wegbricht und zu Jasper nach Texas übersiedelt. Es gibt ein paar in Seattle, aber ich muss dorthin, wohin mein Herz mich führt. Also habe ich mir ein paar in Chicago herausgesucht."

Der Atem blieb mir in der Kehle stecken, als ich sah, wie Edwards Augen sich weiteten. Ich war mir nicht sicher, wie ich bei ihm an dieses Thema herangehen könnte, da wir uns nie wirklich über die Zukunft unterhalten hatten. Ich hatte Angst, er würde glauben, dass alles zu schnell ging. Aber am Ende musste es meine Entscheidung sein.

"Du gehst nach Chicago?", fragte mein Vater mit angespannter Stimme. Er sah zu Edward.

"Es ist noch nicht in Stein gemeißelt. Ich habe noch keine Stelle angenommen und ich muss mir erst noch über einige Dinge klar werden", sagte ich mit gesenktem Blick. Ich sammelte mich kurz, bevor ich ihm wieder in die Augen sah. "Aber ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass es das ist, was ich machen will. Nachdem ich zurück nach L.A. gegangen bin und meinen Abschluss gemacht habe."

Mein Vater blickte zu mir hoch und begann, den Kopf zu schütteln. "Baby, du kannst nicht dorthin zurückkehren. Das ist viel zu gefährlich für dich."

"Bella, er hat Recht. L.A. ist jetzt kein guter Ort, an dem du sein kannst. Es muss noch einen anderen Weg geben, wie du deinen Abschluss machen kannst", sagte Edward. Er betrat die Küche vollends und ging auf mich zu.

"Ich werde nicht mit der Angst leben und mich verstecken, sodass dieser Kerl gewinnt. Ich kann ihm nicht diese Macht über mich geben", antwortete ich. Mein Blick wanderte von Einem zum Anderen. "Ich habe nur mehr knappe drei Monate, und ich habe nicht so lange so hart dafür gearbeitet, nur damit er mir das wegnimmt. Ich will dieses Semester beenden und auf diese Bühne gehen, um das Diplom zu bekommen, für das ich mir den Arsch aufgerissen habe."

Mein Vater und Edward tauschten einen nervtötenden Blick aus, beide sprachen mit ihren Blicken Bände. Ihre gemeinsame Besorgnis und Angst war ihnen ins Gesicht geschrieben, und obwohl ich wusste, dass dies mehr als gerechtfertigt war, war meine Entschlossenheit stärker.

"Ich bin mir der Gefahr bewusst, aber ich muss das tun."

Mein Blick blieb auf meinen Dad geheftet. Ich sah, wie seine Schultern geschlagen nach unten sackten und er den Kopf schüttelte. Er erschreckte mich, indem er abrupt aufstand und durch die Küche ging. Seine Hand fuhr leicht über seinen Schnurrbart und seine Mundwinkel, ehe er sie an die Rückseite seines Halses legte. "Bella, wenn dir jemals wieder etwas zustößt, würde mich das umbringen. Und dieser kranke Bastard könnte dich mir und deiner Mutter wegnehmen." Er hielt inne, sein Blick wanderte quer durch den Raum zu dem Mann an meiner Seite, und er schluckte hart. "Und Edward."

Seine Stimme war gezerrt und belegt und seine Zähne zusammengebissen, als er sprach, aber die Emotionen standen ihm so deutlich in den Augen, wie ich es noch nie bei ihm gesehen hatte. Mein Dad hatte noch nie groß seine Gefühle gezeigt, aber Eines, das ich noch nie angezweifelt hatte, war, dass er mich auf seine extreme, übermäßig beschützerische Weise mehr als alles andere auf der Welt liebte. Und ich wusste, dass es ihm schwer fiel zu begreifen, dass sein kleines Mädchen erwachsen wurde und er in das Gesicht des Mannes blicken musste, mit dem er ihr Herz nun teilen musste.

Als ich langsam schwach auf den Beinen wurde, spürte ich Edwards Hand an meinem Ellenbogen. Ich sah ihn an und schüttelte den Kopf. "Mir geht's gut", sagte ich leise und ging dann hinüber zu meinem Vater. "Dad, du musst dir keine Sorgen machen. Ich bin die Tochter eines Cops und du hast mir beigebracht, wie ich mich selbst schützen kann. Ich stecke mir ein Pfefferspray ein oder nehme sogar Unterricht in Selbstverteidigung. Das heißt, sobald ich wieder gesund bin."

Mein Dad schlang seine Arme sanft um mich, gab mir einen Kuss auf die Stirn und legte seine Hand an mein Haar. "Ein extra Riegel an die Tür."

Ich seufzte und nickte, entspannte mich in seiner Umarmung und legte meinen Kopf an seine Schulter. "Ja, Dad."

"Und die Fenster sind nachts geschlossen und versperrt", fuhr er fort.

"Ich bin im zweiten Stock ...", wollte ich protestieren, aber sein Blick ruhte streng auf meinem Gesicht. "Fenster geschlossen und versperrt. Versprochen."

"Und bitte, ruf uns jeden Abend an, damit wir wissen, dass es dir gut geht. Auch als R-Gespräch, wenn es sein muss."

"Mach' ich", flüsterte ich. Ich hielt sein Flanellhemd in meiner Faust und atmete den vertrauten Geruch von Aftershave, Bier und einfach nur "Dad" ein.

Ich spürte, wie sein Kinn über meinen Kopf strich, während er die Hand hob und quer durch den Raum zu Edward blickte. "Ich fahre runter auf die Station und hole ein paar Pfeffersprays. Ich glaube, das wäre eine gute Gelegenheit, damit Sie und ich uns ein wenig unterhalten."

Seine Arme ließen von mir ab und ich sah hinüber zu Edward. Sein Adamsapfel senkte und hob sich langsam, als er schwer schluckte und nickte. "Ja, Sir."

Edwards Stimme bebte ein wenig, als er sprach, und er erschien mir wahrlich eingeschüchtert, während er meinem Vater aus der Küche hinaus folgte. Er drehte den Kopf, um noch einmal zu mir zurückzublicken, und ich gab ihm das schönste Lächeln, das ich zustande brachte, bevor er dicht gefolgt von meinem Dad zur Tür hinaus ging.


Die Stunden, die nach ihrer Abfahrt vergangen waren, waren nervenaufreibend. Auch wenn meine Mutter mir ständig versicherte, dass alles gut werden würde, konnte ich nicht anders, als mir Sorgen zu machen. Endlich bekam ich mein Leben wieder in den Griff und den Edward, den ich liebte, zurück. Das Letzte, was ich brauchte, war, dass mein Vater hereinkam und alles wieder zerstörte.

Meine Sorgen wurden etwa eine Stunde, nachdem sie gefahren waren, schlimmer, denn ich bekam einen Anruf von Edward.

"Ich dachte, die Verhörzimmer in den Filmen waren nur ein Hollywood-Mythos. Der Einwegspiegel ist furchterregend", flüsterte er leise. Ich stöhnte und bedeckte meine Augen mit meiner Hand. "Glaubst du, er beobachtet mich?"

"Ich werde ihn umbringen. Ich schwöre es bei Gott!", fauchte ich und sah meine Mutter an, die ihre Augen verdrehte, als hätte sie instinktiv gewusst, was mein Vater vorhatte. Sie schwor immer, er war ein Teddybär im Körper eines Grizzlybären, aber für mich fühlte es sich an, als wären meine Worte zuvor in der Küche auf taube Ohren gestoßen.

Es musste mir doch gestattet sein, erwachsen zu werden, mein Leben unter Kontrolle zu bringen und meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Und das schloss die Entscheidung mit ein, mit wem ich zusammen sein wollte.

"Oh Shit, er kommt mit Kaffee zurück. Ich muss los. Lieb' dich, Baby."

Ich seufzte laut, als die Leitung unterbrochen wurde. Ich nahm mein Handy fest in die Hand und biss die Zähne zusammen. "Dad!"

Meine Mutter versuchte weiterhin, mich die nächsten drei Stunden über zu beruhigen, bis wir das Knirschen von Kies unter den Reifen des Streifenwagens und das Verstummen des Motors hörte. Mein Vater betrat ruhig das Haus, ging in die Küche und nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank.

"Dad, wo ist Edward?", fragte ich streng, als er sich gegen den Tresen lehnte und einen Schluck aus der Dose trank, als hätte er keine einzige Sorge auf der Welt.

"Oh, er kommt schon. Entspann' dich", antwortete mein Dad nach einem Moment. "Ehrlich, ist er immer so verklemmt?"

"Was hast du getan?", zischte ich leise, bevor Edward endlich in die Küche kam. Sein Gesicht war blass und er schenkte mir ein schüchternes Lächeln.

"Erinnere dich daran, Edward, was auf der Station passiert ist, bleibt auf der Station." Mein Dad hatte ein Schimmern in den Augen, das mir komplett fremd war, dann drehte er sich mit einem Lächeln zu mir und zwinkerte.

Na das muss eine Unterhaltung gewesen sein.