Late Night Encounters

Kapitel 21

Entschlüsse – Teil 2


Während des gesamten Rückfluges nach L.A. verfluchte ich im Geiste meinen Vater. Jeden Versuch einer Konversation mit Edward, den ich machte, erwiderte er mit einem kleinen Lächeln und kurzen Antworten. Er war nicht ganz so abgeschottet wie noch vor wenigen Tagen, aber sehr vorsichtig darüber, wie und wo er mich berührte und was er sagte.

So vieles hatte sich in den letzten paar Tagen ereignet. Rose und Emmett, mein erster wirklicher Streit mit Edward, der Überfall, endlich herauszufinden, was aus Alice geworden war, durch Edwards dicke Schale vorzudringen ... es war einfach so viel für solch eine kurze Zeitspanne. Alice hatte versprochen, anzurufen und genauer zu erklären, warum sie so plötzlich nach Texas aufgebrochen war wegen eines Mannes, den sie kaum kannte, aber ich wusste, dass es ihr und Rose gut ging. Es gab nichts, worüber man sich derzeit extreme Sorgen machen musste.

Meine einzige Sorge in diesem speziellen Moment war wieder einmal der stille Mann an meiner Seite.

Sobald wir in meine Wohnung zurückkehrten und ich es mir auf meiner Couch so bequem wie möglich gemacht hatte, streckte ich den Arm nach Edwards Hand aus und zog ihn sanft neben mich, damit er sich setzte. "Okay, ich habe keine Ahnung, was mein Vater zu dir gesagt hat, aber momentan stelle ich mir das Schlimmste vor. Und er grinste wie die Katze, die den Kanarienvogel gefressen hat, und du hast ausgesehen, als hättest du einen Geist gesehen. Also zur Hölle mit dem Ganzen 'was auf der Station passiert ist, bleibt auf der Station', und erzähl' mir, was er gesagt hat, dass du so reagierst."

"Es war nichts", antwortete er mit einem kleinen Glucksen. Das selbe verwirrende, halbherzige Lächeln zierte wieder sein Gesicht und ging mir richtig auf die Nerven. Ich seufzte und funkelte ihn böse an, und er lockerte seinen Griff. Er lehnte sich vorwärts und faltete die Hände vor sich. Sein Blick ruhte auf dem Kaffeetischchen. "Das mit Chicago hat ihn richtig aus der Bahn geworfen, Bella. Mich genauso."

"Gott, wir kauen doch jetzt nicht wieder dieses Thema durch, oder?", stöhnte ich. Ich lehnte den Kopf zurück gegen die Rücklehne der Couch. "Ich dachte, du wolltest das."

Edward sah zu mir herüber, während ich mit der Hand zwischen uns beide deutete. Er schüttelte rasch den Kopf, drehte sich zu mir um und strich mit seinen Fingern über mein Haar. "Natürlich, Baby. So habe ich das auch nicht gemeint. Ich habe nur keine Ahnung gehabt, dass du überhaupt darüber nachgedacht hast. Und ich glaube nicht, dass dein Vater das auch nur eine Sekunde lang geglaubt hat.


Flashback in EPOV


Ich ging an Chief Swan vorbei und zur Tür hinaus und merkte, wie sich die Beklemmung in meinem Bauch verstärkte. Ich hörte seine Schritte hinter mir und das Klimpern seiner Schlüssel, mein Herz begann zu rasen und auf meiner Stirn brach mir der Schweiß aus. Bellas Vater hatte nicht gerade den besten ersten Eindruck von mir bekommen, und der Gedanke daran, allein mit ihm zu sein ... auf einer Polizeistation, wo es auch echte Gefängniszellen gab ... mit dem Vater meiner Freundin, dem Polizeichef ... ich gab gut und gerne zu, dass mich das mehr als nur ein wenig nervös machte.

"Ich muss schnell meine Sachen vom Beifahrersitz räumen, außer es macht Ihnen nichts aus, hinten zu sitzen", sagte er mit ausdruckslosem Gesicht, und als mir keine Antwort einfiel, schüttelte er den Kopf und lachte.

Das würde noch ein langer Nachmittag werden.

Sobald er die Dokumente, die auf dem Beifahrersitz lagen, auf einen Stapel in die Mitte geschoben hatte, setzte ich mich im Wagen neben ihn. Stille erfüllte den beengten Raum im Fahrzeug und ich blickte starr zum Seitenfenster hinaus. Wenn er versuchte, mich einzuschüchtern, dann funktionierte das. Sehr gut sogar.

Das kleine Diner, an dem wir sicher schon drei Mal vorbeigekommen waren, flog wieder an uns vorüber und es wurde offensichtlich, dass es eine Hinhaltetaktik war. Er zögerte dies hinaus, so lang er konnte. Es gab keinen Zweifel daran, dass er den Weg zur Polizeistation nicht fand, zu der er jeden Tag fuhr, noch dazu in der kleinen Stadt, in der er schon sein ganzes Leben verbracht hatte. Ab und an warf er mir Blicke zu, als erwartete er von mir, ich würde etwas sagen, aber ich hatte keine Idee. Seine Reaktion darauf, wie wir uns kennen lernten - die Version, die auch für Eltern annehmbar war - war nicht gerade ermutigend gewesen. Was sonst könnte ich dem noch hinzufügen?

"Ihre Tochter ist in persona noch viel besser, Sir." Das klang nicht einmal in meinen Ohren richtig.

Nach einer schier endlosen Fahrt kamen wir vor der Polizeistation an und mein Bauch fühlte sich plötzlich an, als würde er mir in der Kehle stecken. Der Chief stieg wortlos aus dem Wagen und begann, auf den Eingang zuzulaufen, und ich folgte dichtauf. Meine Nervosität erreichte neue Höhen. Das musste der schlimmste Alptraum eines jeden Mannes sein. Sogar das kleine Gebäude vor mir erschien, als wäre es zehn Stockwerke hoch und höllisch einschüchternd.

"Warum warten Sie nicht da drinnen, ich brauche nur ein paar Minuten", sagte er beiläufig und deutete auf das geöffnete Zimmer neben sich, während er weiterging.

Ich hielt inne, als ich die Tür erreichte, und musste hart schlucken. Das war ein Befragungsraum mit einem langen, rechteckigen Tisch und unbequem aussehenden Stühlen. Es gab sogar einen Spiegel an der Wand - all das, was man immer bei den Wiederholungen von Law and Order und den anderen typischen Kriminalfilmen zu sehen bekam.

Oh fuck, dachte ich mir, als ich zögerlich das Zimmer betrat und mich setzte. Es kam mir vor, als würde mir gleich schlecht werden. Alles, das ich zu diesem Zeitpunkt brauchte, waren Beamte in Anzügen mit hässlichen Krawatten und einem Pappbecher mit Kaffee in der Hand, die die Befragung durchführten.

Ich zog mein Handy aus der Hosentasche und wählte rasch Bellas Nummer, da ich sie jetzt mehr denn je brauchte. Sie ging nach dem ersten Klingeln ran und ihre Stimme war ein wenig panisch, was mich nicht gerade beruhigte. Wenn sie nervös war, wollte ich lieber gar nicht wissen, was auf mich zukam.

"Ich dachte, die Verhörzimmer in den Filmen waren nur ein Hollywood-Mythos. Der Einwegspiegel ist furchterregend", flüsterte ich ins Handy und versuchte, die Unterhaltung privat bleiben zu lassen. Mein Blick blieb starr auf die Wand vor mir gerichtet. "Glaubst du, er beobachtet mich?"

"Ich werde ihn umbringen. Ich schwöre es bei Gott!", knurrte sie quasi ins Telefon – nun, Verwirrung ist besser als Angst, dachte ich.

Im Augenwinkel bemerkte ich eine Bewegung und ich blickte hoch. Ihr Vater ging vom Ende des Ganges auf mich zu – und hielt zwei Pappbecher in den Händen. "Oh Shit, er kommt mit Kaffee zurück. Ich muss los. Lieb' dich, Baby."

Ich beendete abrupt das Telefonat und schob mein Handy in meine Hosentasche. Ich setzte mich ein wenig gerader hin und versuchte, selbstbewusster zu erscheinen, als ich mich fühlte.

Bellas Vater stellte die Becher auf den Tisch und ging zurück, um die Tür und die Jalousien vor dem Fenster zu schließen. Sein Blick traf auf meinen, als er zurückkam. Er setzte sich mir gegenüber hin und rückte mit dem Stuhl näher. "Also, wie lang sind Sie und Bella schon zusammen?"

Wow, er redet definitiv nicht um den heißen Brei herum, dachte ich mir, während ich mich räusperte und überlegte, wie ich antworten könnte. "Seit ein paar Monaten, Sir."

"Und diese ganze Internet-Sache? Sie können sicher verstehen, warum mich das in meinem Arbeitsfeld mehr als nur ein wenig nervös macht", fuhr er fort. Er verschränkte die Hände vor sich auf dem Tisch. "Nun, ich bin mir sicher, Sie sind ein guter Mensch und alles, wie Bella gesagt hat. Aber es geht um mein kleines Mädchen, mein einziges Kind. Ich weiß, ich kann sie nicht für immer beschützen, aber der Gedanke daran, dass sie so weit weg ist mit jemandem, den sie kaum kennt ... Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich das in Ordnung finde."

Meine Gedanken überschlugen sich und wurden dann völlig leer. Ich konnte an nichts denken, das ihm das alles erklären könnte. Dass ich trotz der Entfernung zwischen uns wahrscheinlich mehr über Bella wusste, als wenn wir uns unter normalen Umständen kennengelernt hätten. Wir hatten online eine Art von Freiheit, über gewisse Dinge zu reden, ohne uns zu verstellen oder nervös zu sein, als wenn wir uns von Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzen würden, und das gewährte uns einen Einblick in den jeweils anderen, für den man mittels normalem Ausgehen Jahre gebraucht hätte.

Aber wie konnte ich das ihrem Vater gegenüber in Worte fassen?

Ein weiterer Aspekt, der meine Gedanken kreuzte, war, dass ich nicht mit Sicherheit wusste, ob er wegen New York Bescheid wusste oder ob er dachte, dass unser erstes Treffen darin resultiert hatte, dass sie gekränkt und verzweifelt aus Chicago flüchtete. Und direkt in die Gefahrenzone kam, die zu der momentanen Situation geführt hatte. Ich spürte weitere Schweißausbrüche auf meiner Stirn. Es gab einfach keine sichere Antwort.

"Sir, ich verstehe Ihre Bedenken. Bella und ich haben uns über die letzten paar Monate gut kennengelernt und wir sorgen uns sehr um den jeweils anderen. Obwohl ich keine Ahnung hatte, dass sie es in Betracht zieht, direkt nach ihrem Abschluss nach Chicago zu ziehen", begann ich. Er grunzte und trank einen Schluck Kaffee.

"Also hatten Sie nur vor, diese Online-Sache weiterzuführen? Sie glauben nicht, dass sie etwas Besseres verdient hat?"

Die Ablehnung in seiner Stimme war verstörend und er funkelte mich zornig an. Ich holte tief Luft und schüttelte den Kopf. Ich blickte hinunter auf den anderen Becher und überlegte, ob ich es wagen sollte, einen Schluck zu trinken, damit ich das hier nicht noch mehr verbocken konnte. Ich verwarf diesen Gedanken schnell wieder, denn ich wusste, ich konnte es nicht gebrauchen, noch nervöser zu werden.

"Überhaupt nicht. Ich hätte wirklich gehofft, eines Tages die Möglichkeit anzusprechen, einander näher zu sein, aber bislang war das noch nicht der Fall", sagte ich und beobachtete ihn, wie er sich in seinem Stuhl zurücklehnte und die Arme vor seiner Brust verschränkte.

"Wollen Sie das wirklich? So, wie Bella es beschrieben hat, klang es nicht danach", antwortete er. Seine Lippen waren vor Skeptik gespitzt.

Ich griff mir mit der Hand in den Nacken, um die Haut dort nervös zu reiben, und ich kniff meine Augen zusammen. Ich versank mit jedem Wort, das ich sprach, tiefer ins Schlamassel.

"Edward, ich versuche wirklich, kein Arsch zu sein", seufzte er und lehnte sich am Tisch nach vorne. Ich öffnete meine Augen, um zu merken, dass seine Gesichtszüge etwas weicher geworden waren, obwohl seine Stimme immer noch streng klang. "Ich will nur das Beste für Bella. Sie hat alles, was man braucht, um etwas aus sich zu machen, und es würde mir nicht gefallen, wenn sie alles über Bord wirft für eine Beziehung, die vielleicht nicht ernst gemeint ist."

Ich atmete tief ein und nickte. Meine Hände waren fest vor mir verschränkt. "Ich verstehe, was Sie meinen. Aber ich würde nie etwas tun, mit dem ich Bella hindere, das zu erreichen, was sie will. Sie ist eine sehr eigensinnige und entschlossene Frau, und das ist eines der vielen Dinge, die ich an ihr liebe."

Chief Swan dachte einen Moment lang darüber nach und klopfte mit dem Daumen leicht an den Tisch. Ich musste schwer schlucken und rutschte unter seinem prüfenden Blick unwohl hin und her. Plötzlich gluckste er und schüttelte den Kopf. Er verwirrte mich mit seinen rasch ändernden Stimmungslagen. "Ich beobachte dich schon, seit du in L.A. angekommen bist, und noch genauer, seit ich von deiner Verbindung zu ihr erfahren habe. Die Tatsache, dass du alles stehen und liegen gelassen hast, um hier bei ihr zu sein, trotz der Umstände, sagt schon vieles aus. Und obwohl es nicht auf meiner Top-Ten-Liste stand, einen Mann im Bett mit meiner Tochter vorzufinden ..."

Ich spürte, wie mir sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, als er die Augenbrauen hochzog, und mein Magen hüpfte mir förmlich in die Kehle hoch. In meinem Kopf tauchte sofort das Bild davon aus, wie er sich über den Tisch warf, mich am Hals packte und würgte. Gedanklich versetzte ich mich in seine Lage und wusste, ich würde an seiner Stelle wahrscheinlich dasselbe machen wollen. Ich versuchte zu sprechen, brachte aber kein Geräusch hervor.

"Edward, geht es dir gut? Du siehst aus, als wäre dir schlecht", fragte er und neigte den Kopf ein wenig zur Seite.

Und das fiel ihm jetzt erst auf? Nachdem ich schon wer weiß wie lange hier saß, in diesem Zimmer, das mit jeder Sekunde kleiner zu werden schien, und wo ich mir den Arsch abschwitzte. Und erst jetzt sah ich aus, als wäre mir schlecht?

Ich schaffte es, kurz zu nicken, bevor er fortfuhr: "Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du ihre Seite keinen Moment länger verlassen hast, als es absolut notwendig war. Und ich habe dich nicht hierher gebracht, um dir Angst einzujagen, nur um von Mann zu Mann mit dir zu sprechen. Dann wäre das mal gesagt." Er hielt inne, stand auf und legte seine Handflächen auf den Tisch vor sich. "Wenn meiner Tochter irgendetwas zustößt oder du ihr auch nur auf irgendeine Art und Weise in Chicago weh tust, haben wir ein Problem. Nichts, weder meine Dienstmarke, noch meine Frau, ist mir wichtiger als mein kleines Mädchen."

"Ja, Sir", antwortete ich rasch mit wild klopfendem Herzen in meiner Brust ...


BPOV

"Er hat dich bedroht?", rief ich durch zusammengebissene Zähne. Meine Augen weiteten sich. "Das ist eindeutig Amtsmissbrauch. Was zur Hölle stimmt nicht mit ihm? Das kann er doch nicht machen?"

Als ich begann, in meiner Tasche nach meinem Handy zu suchen, um meinen Vater sofort anzurufen, spürte ich Edwards Finger auf meiner Hand. "Bella, nicht."

"Nein, er wird dir schneller einen Privatdetektiv auf den Hals hetzen und deine Hintergründe checken, als du glaubst, und ..."

Meine Worte verstummten zu einem erstickten Schnauben, als er seine Lippen sanft auf meine drückte und einen Arm um meine Schultern schlang. Er zog sich nur langsam wieder zurück und schüttelte den Kopf, während er mit seinen Fingern über meine Wange strich. "Er hat sich nur wie ein Dad benommen. Und auch wenn das nicht der Fall gewesen wäre, würde ich mir sowieso keine Sorgen machen. Was kann er schon herausfinden? Dass ich vor zehn Jahren einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitu ng bekommen habe?"

"Wenn es also nicht an meinem Vater lag, warum hast du dich dann so seltsam benommen?", fragte ich mit einem übertriebenen Seufzen.

Edwards Blick hielt meinen fest und ich spürte, wie er sanft über meinen Arm streichelte. "Warum hast du mir das mit Chicago nicht erzählt?"

Meine Augen betrachteten sein Bein, wo ich mit den Fingerspitzen kleine Kreise auf den rauen Denimstoff seiner Jeans zeichnete. "Ich wollte ja. Ich wollte es nur zuerst sehen. Das weißt du ja selbst aus erster Hand, bevor ich eine feste Entscheidung treffe. Ich überlege nicht nur, dir näher zu sein, obwohl das definitiv ein wichtiger Faktor war. Ich hatte vor, in Chicago mit dir darüber zu sprechen, bevor ... das alles passierte."

Edward nickte ernst und drückte seine Lippen an meine Schläfe. Ich lehnte mich an ihn und wollte in diesem Moment nichts mehr, als seine Arme um mich zu spüren. Er zog sich lang genug von mir zurück, damit er seine Position ändern und ich mich zwischen seinen Beinen an seine Brust lehnen konnte. Überraschenderweise fühlte ich mich so wohl, wie schon seit Tagen nicht mehr. Ich spürte seinen Atem an meinem Haar, roch die schreckliche Seife, die er in Forks seiner Haut zumuten musste, kombiniert mit seinem vertrauten Duft in den Kleidungsstücken. Sein Herz schlug rhythmisch hinter mir und seine Arme hatten mich fest um die Schultern umfasst.

Und mehr als alles andere fühlte ich mich sicher.

"Deshalb hast du mir in dieser Nacht in Vegas all diese Fragen gestellt", sagte er leise. Ich sah zu ihm hoch und er erschien mir genauso distanziert, wie er sich anhörte. Sein Blick kehrte einen Moment später voll Klarheit zu mir zurück. "Ob ich dich immer noch wollen würde, wenn du mir näher wärst."

Ich schloss meine Augen und nickte langsam. Ich lehnte meine Stirn seitlich an seinen Hals. "Ja."

"Und du willst immer noch? Trotz ... allem?", fragte er nervös und musste hörbar schlucken.

"Wie lange wollen wir noch um den heißen Brei herumreden?", seufzte ich leise Ich nahm seine Hand, die zuvor noch auf meiner Schulter gelegen hatte. Die Ereignisse in Chicago würden noch eine Weile lang der Grund für eine gewisse Unruhe zwischen uns sein, genauso wie die Folgeereignisse in L.A. Aber nur, wenn wir das zuließen. Unsere Unterhaltungen waren sehr eingeschränkt gewesen, seit er im Krankenhaus angekommen war, weil wir niemals wirklich allein sein konnten, und das machte einen fast wahnsinnig. "Ja, ich will nach Chicago ziehen, und ich will eindeutig so schnell wie möglich von L.A. weg. Aber einige Dinge haben sich geändert."

"Wie zum Beispiel?", fragte Edward. Ich schloss meine Augen und strich mit der Hand über seinen Arm. Das Zögern in seiner Stimme war unmissverständlich gewesen, als wäre er besorgt, ich hätte meine Meinung über uns geändert. Und das bestärkte mich nur in meiner Entscheidung.

"Ich will mir eine eigene Wohnung suchen. In deiner Nähe, aber ich muss mir dort auch ein eigenes Leben aufbauen", antwortete ich. Ich spürte seine Lippen an meinem Schlüsselbein und suchte seinen Blick, aber er hatte die Augen zusammengekniffen. Meine Hand legte sich an seine Wange und ich strich mit den Fingern darüber, während ich ihm einen Kuss auf die Stirn gab. "Wir brauchen einen Neuanfang, Edward. Wir müssen zusammen ausgehen wie ein normales Paar. Nichts zwischen uns war jemals normal gewesen. Nicht, dass ich mich beschwere, aber ich glaube wirklich, dass wir das beide brauchen."

Ich spürte, wie er endlich wieder den Atem ausstieß, und er legte seine Hand auf meine, die immer noch an seiner Wange lag. Er küsste meine Handinnenfläche. "Und dann sehen wir, wohin uns das führt."

Edwards Blick erwiderte meinen, in den Tiefen seiner Iriden lagen Fragen verborgen, die sich erst im Lauf der Zeit beantworten würden. Ich nickte, als ich meine Finger mit seinen verwob, und lehnte mich an ihn. "Ich liebe dich, und es gibt nichts, das ich mehr will, als bei dir zu sein. Aber ich muss auch auf meinen eigenen zwei Beinen stehen können, wenn ich in Chicago überleben will, sollte das mit uns nicht klappen."

Seine Brust sackte zusammen, als hätte ich ihm mit meinen Worten den Wind aus den Segeln genommen. Sein Kopf sank zurück und unsere verschränkten Hände sanken zu Boden. "Ich weiß."

Mein Daumen streichelte über seinen und ich drehte den Kopf, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben. "Aber ich würde dich nie kampflos aufgeben."

Edwards Kopf hob sich, damit er mich wieder ansehen konnte. Er starrte mich einen Moment lang an, bevor er meine Hand losließ und mein Gesicht zwischen seine Hände nahm. "Ich liebe dich."

Seine Stimme war ein heiseres Flüstern, und dennoch ging nichts von der Bedeutung dieser Worte verloren. Seine Lippen legten sich sanft auf meine. Ich wollte ihn, sehnte mich nach seiner Berührung und wollte seinen Körper wieder an meinem spüren. Aber als ich herumrutschte, um mich ganz in dem Kuss zu verlieren, erinnerte meine Rippen mich wieder schmerzhaft an meine Verletzungen. Ich richtete mich wieder auf und hatte Mühe, durch die Schmerzen hindurch zu atmen, bis sie endlich nachließen. "Ich kann nicht schnell genug wieder gesund sein."

Ich hörte ein leises Lachen aus seiner Kehle entweichen, ehe er mir einen Kuss auf die Nasenspitze gab und mir sanft mit seinen Fingerrücken über die Wangen streichelte. "Wir haben Zeit, Baby."

"Aber du fliegst morgen schon wieder ab", antwortete ich leicht schmollend.

"Ich schwöre, ich mache es wieder gut, Bella." Ich öffnete die Augen, um ihn anzusehen, und bemerkte die Ernsthaftigkeit in seinem Blick, bevor er seine Stirn an meine lehnte. "Jeden einzelnen Augenblick, den ich vergeudet habe, werde ich wieder gut machen, auch wenn ich ewig dafür brauche."


Ich sah zu Boden und versuchte, die Tränen zurückzudrängen, während ich Edwards Stimme lauschte, der gerade telefonierte und ein Taxi für die Fahrt zum Flughafen bestellte. Ich hatte zwar darauf bestanden, ihn selbst dorthin zu bringen, konnte ihn aber endeffektlich nicht davon überzeugen, wodurch unsere gemeinsame Zeit weiter verkürzt wurde. Ich wusste nicht, wie ich es schaffen sollte, mich wieder von ihm zu verabschieden, da die vergangene Woche so emotional ermüdend gewesen war.

So turbulent es auch gewesen war, ich konnte es dennoch nicht bereuen. Wenn überhaupt war ich mir sicher, dass wir eines Tages darauf zurückblicken und es als den Tritt in den Hintern betrachten würden, den wir beide dringend gebraucht hatten. Wir waren in die Realität zurückgezwungen worden, sahen uns als echte Menschen und nicht als die Fantasie, in die wir versunken waren.

Aber das machte es auch nicht leichter, ihn gehen zu lassen.

"Es ist in zwanzig Minuten da." Seine Stimme unterbrach meine Gedanken und ich nickte nur als Antwort, denn ich konnte meine Tränen nicht länger zurückhalten und somit liefen sie mir über die Wangen. Er kniete sich vor mir hin, seine Hände langen auf meinen Knien. "Baby, weine nicht. Wir werden uns sehr bald wieder sehen."

"Ich weiß", antwortete ich mit einem Schniefen und einem Nicken. Meine Finger strichen über seinen Arm, ich hob den Blick aber nicht an. "Ich wünschte nur, du würdest mich mitkommen lassen."

"Ich würde nie in dieses Flugzeug kommen", sagte er ernst und ich sah ihn endlich an. Er drückte mir einen sanften Kuss auf die Lippen, nahm mein Gesicht in seine Hände und blieb noch ein paar Sekunden so, bevor er sich zurückzog. "Und ich muss morgen früh arbeiten, und du hast Schule. Das echte Leben ruft."

"Ich hatte in den letzten Tagen mehr als genug 'echtes Leben'", gab ich mit einem Schnaufen zurück und er stieß ein unbehagliches Glucksen aus. "Der Gedanke an drei weitere Monate, bis ich dich wieder berühren kann, ist ... hart."

"Ich weiß. Für mich auch", flüsterte Edward. Ich holte tief Luft und ignorierte das Stechen, das es auslöste. "Was?"

"Warte kurz", sagte ich eilig, schob ihn sanft zurück und stand von der Couch auf. Ich bemerkte kaum seinen verwirrten Blick, als ich in mein Schlafzimmer ging und mich vor meinen Koffer kniete.

"Bella, was tust du?", fragte er von der Tür aus, während ich begann, die Kleidungsstücke aus dem Inneren hastig auf den Boden zu werfen.

"Warte kurz!", wiederholte ich mit meinem Aufschrei. Ich wühlte mich weiter durch die Kleider, bis meine Finger auf das weiche Material stießen, das ich gesucht hatte.

Edwards graues T-Shirt.

Er zog eine Augenbraue hoch, als ich aufstand. Er hielt es an seine Brust, nachdem ich es ihm auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer gegeben hatte. Er beobachtete mich still, als ich seinen Kleidersack öffnete und das Hemd herausholte, das er getragen hatte, als er nach L.A. gekommen war. Ich hielt es an mein Gesicht, holte tief Luft und atmete seinen Duft ein.

Meine Augen öffneten sich und ich sah seine Schuhe, die direkt vor mir standen. Dann sah ich hoch, wo er noch mit neugierigem Gesichtsausdruck das Shirt an seinem Finger hochhielt.

"Ich habe es in New York aus deiner Tasche genommen, als du im Bad warst. Damit ich darin schlafen kann, wenn ich wieder zu Hause bin", sagte ich mit einem peinlich berührten Unterton in meiner Stimme. "Ich dachte, dass wenn ich dich rieche, ich vielleicht besser einschlafen kann. Und es hat auch irgendwie funktioniert, bis es langsam nach mir gerochen hat. Dumm, ich weiß."

"Überhaupt nicht", antwortete er nach einem Augenblick und streckte die Hand nach meiner aus. Ich nahm sie und erhob mich vom Boden, um vor ihm zu stehen. Er schlang seine Arme um meine Taille. "Ich wünschte, ich hätte selbst daran gedacht."

Edwards Lippen legten sich wieder auf meine und ich erwiderte leidenschaftlich den Kuss, bis er seine Stirn an meine lehnte, um wieder Luft zu holen.

"Ich liebe dich", flüsterte ich mit geschlossenen Augen, da sie sich wieder mit Tränen füllten.

"Und ich liebe dich", antwortete er und strich mit seinen Händen über meinen Rücken. Er versuchte, von mir wegzugehen, und ich ergriff mit meiner gesunden Hand seine Schulter und schüttelte den Kopf. "Ich muss gehen, Baby."

"Küss mich noch einmal. Bitte", weinte ich leise. Meine Finger legten sich in seinen Nacken und er zögerte nicht, mir entgegenzukommen. Seine Lippen trafen in einem langsamen, leidenschaftlichen Kuss auf meine, seine Zunge strich leicht über meine, bevor er ihn zögerlich wieder unterbrach.

"Bevor du es weißt, sind wir wieder zusammen, Bella. Und dann verlasse ich dich nie mehr."

Ich nickte und ließ ihn widerwillig los. Ich sah, wie er seine Tasche über die Schulter warf und sich auf den Weg zur Tür machte. Er sah ein letztes Mal zu mir zurück, als er sie öffnete, und hielt das T-Shirt, das ich ihm zurückgegeben hatte, an sein Gesicht. Seine Augenwinkel verzogen sich, als er lächelte, bevor er zur Tür hinaus verschwand.

Und mein Herz brach.


EPOV

Durch diese Tür zu gehen, zerriss mich innerlich. Ich sah, wie ihr die Tränen über das Gesicht liefen und ihre Lippe zitterte, obwohl sie sie zwischen die Zähne genommen hatte. Bevor ich die erste Stufe erreicht hatte, musste ich bereits das Bedürfnis bekämpfen, mich umzudrehen, und ich wusste, ich hatte die richtige Entscheidung getroffen, indem ich allein zurück zum Flughafen fuhr.

Als ich auf dem Rücksitz im Taxi saß, knoteten meine Finger den Stoff in meinen Händen und ein halbes Lächeln legte sich auf meine Lippen. Ich weiß noch, wie ich nach diesem einen T-Shirt gesucht hatte, als ich von New York nach Hause zurückgekehrt war, und ich war der Meinung, dass ich es in dem Hotelzimmer vergessen haben musste – obwohl ich mir sicher war, dass ich es eingepackt hatte. Die Entdeckung, dass Bella es aus meiner Tasche genommen hatte, als ich nicht hingesehen hatte, um einen Teil von mir mit nach Hause zu nehmen, belustigte mich und sorgte dafür, dass ich sie noch liebenswerter fand.

Als ich Stunden später daheim ankam, holte ich es sofort aus der Seitentasche, wo ich es hingepackt hatte, und zog es mich ein, damit ich mich mit ihrem Duft umgeben konnte. Ich war erschöpft von der anstrengenden Woche, die ich gerade hinter mir hatte, und obwohl ich sie schmerzlich vermisste, fühlte ich eine seltsame Art von Frieden in mir. Wie die Ruhe nach dem Sturm. Ich hatte wieder Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit ihr.

Ich holte mein Handy aus der Tasche, öffnete eine neue SMS-Nachricht und begann zu tippen.

Wollte dir nur eine gute Nacht wünschen und dir sagen, dass du wirklich gut riechst. ;)

Ich drückte auf Senden und stellte meinen Wecker, danach kletterte ich ins Bett und schloss meine Augen, bis das Handy auf meinem Nachttisch vibrierte. Ich lachte laut auf, als ich ihre Antwort las.

Zum Glück weiß ich, wovon du sprichst, sonst wäre das ziemlich gruselig. Du riechst auch gut. Gute Nacht, ich liebe dich.

Ich liebe dich auch. Wir telefonieren morgen. Vergiss nicht, gut abzuschließen.

Ich sah sie förmlich vor mir, wie sie die Augen verdrehte und stöhnte, als ich auf Senden drückte, da ich wusste, was sie von der Bitte ihres Vaters und von mir hielt, denn das war schon an der Grenze zur Überfürsorglichkeit. Dennoch antwortete sie mit einem einfachen Mach ich.


"Okay, wie wäre es mit dieser?" Bellas übertriebene Stimme kam durch mein Headset und ein weiterer Link zu einer freien Wohnung erschien auf meinem Monitor

Ich klickte darauf, sah mir die Location an und schüttelte sofort den Kopf. "Auf keinen Fall, Baby. Das ist viel zu weit draußen und definitiv nicht die beste Nachbarschaft."

Ich beobachtete sie durch die Webcam, wie sie ihre Hände in die Luft warf und sich ruckartig zurücklehnte. "Ich gebe auf! Ich werde nie etwas finden. Ich glaube langsam, du sagst das alles nur, damit ich zu dir ziehe."

"Diesen Gedanken hatte ich auch schon", neckte ich sie und lachte, als sie ihre Augen verengte. "Aber ich verspreche, das ist es nicht. Ich will nur, dass du in einer sicheren Gegend bist und du keinen langen Arbeitsweg hast."

"Und keinen langen Weg zu dir", antwortete sie mit gespitzten Lippen, während sie versuchte, ihr Lächeln zu verbergen.

Ich musste zugeben, anfangs war ich ein wenig enttäuscht gewesen, als Bella mir vor meiner Abreise aus L.A. erzählte, dass sie in Chicago ihre eigene Wohnung haben wollte. Und ich fühlte mich sogar ein wenig schuldig, als sie mir die Gründe erklärte, aber ihre Schlussfolgerungen klangen einleuchtend. Sie begann ein neues Leben in Chicago und sie musste es für sich selbst beginnen. Frisch mit dem College fertig, verstand ich ihr Bedürfnis, sich selbst und ihren Eltern zu beweisen, dass sie es allein schaffen konnte. Wir wollten auch eine neue Phase in unserer Beziehung beginnen, eine, auf die sie sich anscheinend schon freute, obwohl sie verständlicherweise auch nervös war.

Dating. Abendessen. Kino. Hände halten und uns am eine des Abends einen Gute-Nacht-Kuss geben. Normalität.

So sehr ich wusste, dass sie das wollte, war das auch der Aspekt, der ihr Angst machte. "Normal" war da, wo ich in Panik geraten war und mich vor ihr verschlossen hatte. Wahrscheinlich hatten wir noch einen weiten Weg vor uns, bevor sie sicher war, dass ich sie nicht verlassen würde.

Wir hatten uns in den letzten eineinhalb Monaten sogar ein wenig darüber unterhalten, seit wir für Bella eine Wohnung suchten, zwischen unseren nächtlichen Chat-Unterhaltungen und den häufigen SMS, die wir uns tagsüber schickten. Sie hatte sich für ein Praktikum in einem Architekturbüro beworben, das nur wenige Meilen von meinem Krankenhaus entfernt lag, und hatte eine Zusage bekommen. Ein weiterer Schritt in Richtung ihres Umzuges nach Chicago. Und mit diesem Schritt kam die Zeit für Entscheidungen, sowohl über ihre Wohnung, als auch über uns.

Bella hatte beschlossen, zuerst zu sehen, ob sie eine auf sechs Monate befristete Mietwohnung fand, mit der Möglichkeit zur Verlängerung, da es für sie die beste Option war. Sie wollte nicht in einem ein-Jahres-Vertrag gebunden sein, falls sich zwischen uns alles so entwickelte, wie wir es hofften, und wir schon früher bereit waren, den nächsten Schritt in unserer Beziehung zu gehen. Und andererseits, sollten wir nach sechs Monaten noch nicht so weit sein, hatte sie keine Eile, eine neue Wohnung zu finden.

"In Ordnung, das ist die Wohnung, von der ich glaube, dass wir beide damit glücklich sein könnten", sagte ich, kopierte den Link und schickte ihn ihr. "Es ist nicht weit zu deiner Arbeit und zu mir und immer noch im leistbaren Bereich."

Bella stützte ihr Kinn auf ihre Handfläche, als sie auf den Link klickte, und ihre Augen wanderten über den Bildschirm. "Ich glaube, dort ist der Wandschrank größer als das Bad."

"Bella", stöhnte ich und rieb mir mit den Handballen die Augen.

"Ich weiß, ich weiß. Ich habe weniger als zwei Monate Zeit, um eine Wohnung zu finden, bevor ich übersiedle." Bella seufzte schwer. "Aber wer könnte mir verübeln, dass ich mir lieber meinen tollen Freund ansehe statt irgendwelche komischen Wohnungen."

Meine Brauen zogen sich zusammen, bevor ich meine Hände sinken ließ. Ich sah ihr schönes Gesicht mit einem Funkeln in den Augen, das ich seit Vegas nicht mehr gesehen hatte. Es war zwar kein Abend seit dieser ersten Nacht nach L.A. vergangen, an dem ich nicht ihre Stimme gehört hatte, aber reden war auch schon alles, das wir taten. In der Zeit, die ihr Körper und unsere Beziehung zur Genesung brauchte, hatten wir langsam wieder unsere Intimität und unser Vertrauen aufgebaut, ohne jemals zu vergessen, die Liebe auszudrücken, die wir für einander empfanden.

Ein elektrisches Kribbeln erfüllte die Luft um mich herum, als ich sie beobachtete, wie ihre Zunge hervor kam, um ihre Unterlippe zu befeuchten, und ich konnte nicht anders ... ich wurde sofort steif.

"Ich habe dich vermisst, Edward", flüsterte Bella. Sie lehnte sich wieder zurück und strich sich mit den Fingern langsam über den Hals. Ich räusperte mich und richtete diskret meinen Penis in der Hose, während sie weiter zwischen ihre Brüste strich und sie die rechte mit ihrem Zeigefinger umkreiste ... über meinem T-Shirt.

"Oh, Fuck", keuchte ich schwer. Ich musste hart schlucken, konnte meinen Blick aber nicht von der sexy Frau auf meinem Bildschirm abwenden.

"Das habe ich auch vermisst", sagte sie mit einem leisen Kichern und ich zog meine Augenbrauen hoch. Wenn sie meinen Gesichtsausdruck bemerkt hatte, dann verbarg sie es gut, denn sie begann mit leichter Stimme: "Weißt du, ich habe heute schon ein paar Sachen gepackt, denn es ist nie zu früh, um damit anzufangen. Und ich habe in einer Schublade ein paar ziemlich interessante Dinge gefunden."

"Oh wirklich?", antwortete ich. Ihr Themenwechsel verwirrte mich total.

Bella summte leise mit einem Nicken, ein hinterlistiges Grinsen erschien auf ihrem Gesicht. "Von einem speziellen Shopping-Trip mit Rose."

Mit ihren Worten und ihrem geänderten Tonfall lief ein Schauer durch meinen Körper. Bilder gingen mir durch den Kopf mit dem Ergebnis ihres letzten "Shopping-Trips mit Rose", den sie mir gegenüber erwähnt hatte – die Pole-Stange, ihr Striptease ... und dieser Stuhl.

"Ich dachte schon daran, sie wegzupacken, aber das wäre so schade gewesen", sprach sie mit ihrer sexy Stimme, als sie einen schwarzen Spitzen-BH vor die Kamera hielt, gefolgt von dem dazu passenden String. Ein Kleidungsstück nach dem anderen wanderte über den Bildschirm, in den diversesten Stoffen und Farben. Blauer Satin, lavendelfarbene Seide, weiße Spitze – ich stellte mir ihren Körper in all diesen Sachen vor und stieß ein Stöhnen aus, als mein Schwanz an die Vorderseite meiner Jeans stieß. "Es war wirklich keine leichte Entscheidung, was ich heute Abend anziehen sollte. Interessiert?"

"Du hast keine Ahnung, Baby", stöhnte ich und entlockte ihr damit ein Lächeln. Sie stand auf und ihre Finger lösten die Schnürung ihrer Hose. Als sie begann, sie über ihre schmalen Hüften zu schieben, erspähte ich kurz einen schwarzen Riemen, bevor das T-Shirt darüber fiel und wieder alles bedeckte. "Unfair."

"Geduld, Herr Doktor", neckte sie, als die Hose nach unten rutschte und sie heraustrat. Es war schon so lange her, seit ich sie so gesehen hatte, dass sogar der Anblick ihrer nackten Beine unter dem zu großen Shirt, das sie trug, so verdammt sexy war. Und mein Körper reagierte sofort. "Du bist dran. Zieh' die Hose aus."

Ich holte tief Luft und griff hinunter, um den Knopf meiner Jeans zu öffnen, als sie mich aufhielt. Sie schüttelte den Kopf und tadelte mich mit ihrem Finger.

"Nein, nein. Steh' auf, ich will zusehen", sagte sie und setzte sich wieder hin. Sie stützte ihr Kinn auf ihrem Knie ab, denn sie wusste, ich konnte nicht widerstehen. Sie war die perfekte Kombination aus süß und sexy, wenn sie das tat, und das machte mich verrückt. "Bitte."

Dieses eine, einfache Wort sorgte dafür, dass ich erschauderte. Ich sah, wie sie den Kopf zur Seite neigte und ihre Wange auf das Knie legte. Oh, heute Nacht zog sie alle Register.

Ich stand auf, schob meinen Stuhl zurück und stellte mich besser in ihr Blickfeld, bevor ich den Knopf löste und ich den Reißverschluss öffnete. Ihr Atem wurde ein wenig schwerer und sie fuhr sich mit den Zähnen über ihre Unterlippe, als der Jeansstoff über meine Hüften rutschte und zu Boden fiel.

"Gott, habe ich dir je gesagt, wie toll deine Oberschenkel sind?", fragte Bella mit atemloser Stimme. Ihre Hand hob sich, um wieder ihre Brust zu massieren.

Meine Augen weiteten sich vor Überraschung, nicht nur wegen ihrer Aussage, sondern auch wegen dem ansteigenden Level der Erregung in ihrer Stimme. Es bestand zwar kein Zweifel daran, dass ich die verführerische Seite von Bella vermisst hatte, aber ich hatte auf unserer momentanen Ebene der Intimität zwischen uns noch lange nicht erwartet, dass sie so empfänglich darauf reagieren würde – und schon gar nicht, dass sie es in die Wege leiten würde. Die Lust legte sich schwer auf ihre Stimme und ihren Blick sowie auf ihre Handlungen, als ihre Hand über ihre Brust strich und unter dem Shirt dem Blick der Webcam entschwand.

"Die Oberschenkel, was?", fragte ich neugierig und kämpfte gegen mein belustigtes Lächeln, während ich nie den Blick von ihr abwandte.

Bellas Augen schlossen sich und ihr Kopf neigte sich zurück. Sie nickte langsam, während sie ihre Unterlippe verführerisch zwischen die Zähne nahm. Fuck, sie ist wunderschön. "So straff und muskulös. So, wie sie unter deinen Jeans sichtbar sind. So, wie sie sich an meiner Haut anfühlen, wenn du mich von hinten fickst."

Ich ließ mich mit einem tiefen Grollen zurück in den Stuhl sinken, während die Erinnerungen empor kamen. So wie in der Nacht in New York, als ich sie über die Bettkante gebeugt nahm. In Las Vegas, mit unseren Händen, die das Kopfteil umgriffen. Jedes Mal lag ein Blick voll absolutem Entzücken auf ihrem Gesicht. Mein Schwanz pulsierte und ich nahm ihn durch die Boxershorts in die Hand. Ich wollte unbedingt dem Schmerz Abhilfe schaffen, den sie in meinem Körper verursachte. "Fuck, lass mich dich sehen, Bella."

Ihre vernebelten Augen öffneten sich bei meiner verzweifelten Bitte, sie starrte direkt in die Kamera und stand endlich auf. Ihre Finger legten sich um den Rand des Shirts und hoben eine Ecke hoch, um mir ein winziges Stück ihres Höschens zu zeigen, das sie darunter trug. Der dünne, schwarze Riemen an ihrer Hüfte, den ich vorhin schon gesehen hatte, führte zu einem dunkelroten Satinstoff, über dem sich schwarze Spitze befand.

"Mehr", flüsterte ich atemlos, als ihre Hand den Stoff losließ und die selbe Bewegung an der anderen Seite wiederholte. Diesmal strichen ihre Finger über ihre Bikinizone. "Ich muss diesen Körper sehen."

"Verschwimmen deine Erinnerungen?", fragte Bella und zog langsam das T-Shirt hoch, um mir ihren Unterbauch zu zeigen, ehe sie wieder anhielt.

"Niemals. Ich sehe dich jede Nacht vor mir." Mein Blick ruhte auf ihrer Haut. Ich wünschte so sehr, ich könnte sie berühren und küssen.

"Tja, offenbar", sagte sie und verdrehte die Augen. Endlich zog sie sich das Kleidungsstück aus, "müsstest du schon blind sein, damit es anders wäre."

Ich schüttelte den Kopf und bewunderte den herrlichen Anblick vor mir. Die dunklen Farben von BH und Höschen, die sie trug, waren ein Kontrast zu der blassen Haut und sorgten dafür, dass es mir praktisch in den Fingern juckte, sie zu berühren. "Nein, Baby. Wenn die Kamera aus ist. Wenn ich alleine im Bett liege und dich vermisse. Ich kann nicht anders."

Eine perfekte Augenbraue hob sich, als sie mir deutete, aufzustehen und ebenfalls mein Shirt auszuziehen. "Du holst dir ohne mich einen runter?"

Ich nickte schamlos und warf mein T-Shirt zur Seite. "Sonst könnte ich nie einschlafen. Du hast keine Ahnung, wie schwer du es mir machst, ohne es überhaupt zu versuchen."

"Tja, in dem Fall", sagte sie und spitzte die Lippen, hakte ihre Daumen an den Riemen an ihren Hüften ein und zog die knappe Unterwäsche ihre Beine hinab. "Ich glaube, du schuldest mir einen Orgasmus oder zwei, bevor du heute auch nur ein kleines bisschen Erleichterung bekommst. Also mache ich es mir einfach mal bequem."

Meine Augen weiteten sich ein wenig, als mit ihren Worten ein teuflisches Lächeln auf ihrem Gesicht erschiend. Die Wände ihrer Wohnung verschwommen in einem Wirbel hinter ihr, als sie sich bewegte, bis der vertraute Anblick ihres Bettes in Sicht kam. Sie stellte den Laptop auf der Matratze ab und reizte mich mit ihrem letzten Kleidungsstück, das sie noch trug, genau so wie beim ersten Mal vor all diesen Monaten, als ich sie zum ersten Mal wirklich sehen durfte. Und auch im selben Umfeld.

"Ich will dich sehen. Alles von dir. Damit ich die ganze Zeit über deine Hände beobachten kann", sagte sie mit tiefer Stimme, schwer vor Erregung, als sie den Träger ihres BHs quälend langsam über die Schulter schob. "Ich will, dass nichts meine Sicht auf deinen Schwanz behindert, während ich mir vorstelle, er wäre in mir und nicht deine erstaunlichen Finger. Also muss die Boxershorts auch gehen."

Ich spürte, wie der Atem schwer meinem Körper entwich, obwohl ich kaum die Beengung bemerkte, die das in meiner Brust hervorrief. Ich begann, mit meinem Schreibtischsessel nach hinten zu rollen, jede Bewegung entlockte Bellas Lippen ein "mehr", bis ich die richtige Entfernung für sie erreicht hatte. Sie zu sehen, wie sie die Kontrolle übernahm, war so heiß, aber es schmerzte mich auch körperlich nach ihr, und zu wissen, dass ich sie beobachten würde und selbst keine Erleichterung bekam ... das würde mich wahrscheinlich umbringen.

Bella summte zufrieden und schob eine Seite ihres BHs hinunter, um ihre Brust zu enthüllen, während sie mir zusah, wie ich meine Boxershorts auszog. "Das könnte ich mir immer wieder ansehen. Es ist jedes Mal so, als hätte ich den Jackpot geknackt."

Ich verdrehte die Augen, aber sah, wie sie sich zurück auf das Bett legte und mit ihren Fingerspitzen über ihre nackte Brust strich. Meine Hände ergriffen fest die Armlehnen, während ich mich wieder hinsetzte und ihr zusah, wie sie Kreise um ihren Nippel zog. Sie sah mich wieder an.

"Ich habe dich wirklich so sehr vermisst", flüsterte sie. Ihre Hände legten sich an die Vorderseite ihres BHs und öffneten dort den Clip. Die zwei Körbchen fielen zur Seite und sie streckte den Rücken durch, als es von ihrem Körper fiel, danach warf sie das Wäschestück über ihren Kopf. "Ich vermisse es, wie du mich berührst, wie du mich küsst, wie du mich fickst, bis nichts anderes auf der Welt mehr existiert."

Ich beobachtete, wie Bellas Finger ihren Körper hinab strichen und in sie glitten, als die letzten Worte ihre Lippen verließen. Ein hörbares Einatmen erfüllte meine Ohren und sorgte dafür, dass mein Schwanz mich noch einmal schmerzhaft daran erinnerte, dass da eine wunderschöne, nackte Frau auf meinem Bildschirm war ... und ich überhaupt nichts tun dagegen machen konnte. "Du bringst mich um, Baby."

Ein Grinsen zeigte sich auf ihren Lippen, sie schüttelte den Kopf und rollte auf die Kamera zu. "Ich habe noch nicht einmal begonnen, Baby", antwortete sie. Sie wiederholte mein Kosewort und dann positionierte sie ihren Körper so, dass sich die Kamera direkt zwischen ihren Beinen befand. Mein Griff um die Armlehnen verstärkte sich, da es immer schwieriger wurde, mich zurückzuhalten, als ihre Finger über ihre Klitoris strichen und begannen, verführerische Kreise darum zu zeichnen. "Jetzt habe ich begonnen. Und wage es nicht, diesen Schwanz anzufassen."

Ich biss die Zähne zusammen und beobachtete sie, wie sie sich vor mir befriedigte, während ihre Augen die ganze Zeit über auf den Bildschirm gerichtet waren. "Und was wenn doch?"

"Es wird Konsequenzen geben", antwortete sie atemlos.

Ich lehnte mich in meinem Stuhl vor und stützte die Ellenbogen auf den Armlehnen ab, während ich den Kopf schüttelte. "Das glaube ich nicht."

"Willst du mich herausfordern?", sagte sie mit ruhiger Stimme, aber ihre Handbewegung sagte das Gegenteil aus, denn sie erhöhte die Geschwindigkeit. Das war genau das, was sie wollte.

"Ich glaube ja", antwortete ich und nickte, als meine Hand die Lehne losließ und sich an meinen Schwanz legte. Ich hielt ihn still, quälte mich selbst, aber schürte damit auch ein Feuer in ihr und ihre Augen verengten sich. "Es gibt nichts, was du dagegen tun kannst, oder, Sweetheart?"

"Oh ... Gott!", knurrte sie durch zusammengebissene Zähne und sie schloss ihre Augen ein wenig. "Warte nur."

Ihr schwerer Atem nahm ihrer Drohung jegliche Überzeugungskraft, ihre Brüste hoben und senkten sich gleichmäßig mit jedem Atemzug. "Ich zittere, Bella", sagte ich sarkastisch mit einem frechen Grinsen und meine Hand begann sich zu bewegen. "Ich glaube nicht, dass du es durchziehen würdest, auch nicht, wenn du jetzt hier wärst, um mich aufzuhalten. Aber dann wäre ich ja auch schon in dir und würde dafür sorgen, dass du kommst, noch bevor du die Gelegenheit hast, darüber nachzudenken."

Bella stöhnte ein lautes "Fuck!", und sie kniff ihre halb geschlossenen Augen zu, während ich immer schneller wurde. Ich schloss meine eigenen Augen kurz wegen der schieren Lust des Augenblicks, bevor ich sie wieder ansah. "Ein Monat ... drei Wochen ... vier Tage ... Shit!"

Bella inmitten ihres Höhepunktes zu beobachten, war schon immer ein wunderschöner und faszinierender Anblick für mich gewesen. Aber sie zu hören, wie sie die Zeit herunterzählte, bis wir endlich wieder zusammen sein konnten ... das sorgte rasch dafür, dass ich es selbst nicht mehr aushielt. Ich spürte, wie sich im unteren Teil meines Bauches alles zusammenzog, wie sich die Sehnen in meinem Nacken anspannten, und eine warme Welle durch meinen Körper lief, ehe ich ein nachhallendes Stöhnen ausstieß und kam.

Nichts und niemand bescherte mir jemals solch einen Höhepunkt, wie Bella es tat. Nicht einmal die Erinnerungen an sie, die ich tief in meinen Erinnerungen aufbewahrte und an die ich jede Nacht dachte. Nichts kam dem nah, in ihre schönen grünen Augen zu sehen und mir die genaue Form dieser vollen, schmollenden Lippen und jeder Kurve ihres tollen Körpers einzuprägen.

Meine Augen blieben ein paar Sekunden lang geschlossen, während ich darum kämpfte, mich wieder zu sammeln, aber schließlich sah ich hoch und fand sie quer über dem Bett liegend vor. Sie sah beinahe so aus, als würde sie schlafen. "Bella?"

"Glaubst du, könntest du morgen wegen dieser Wohnung anrufen, während ich Vorlesung habe, da du ja deinen freien Tag hast?", fragte sie. Sie bewegte nur ihre Lippen und ihre Stimme war leise. "Je näher ich bei dir bin, desto besser. Das ist eine Qual."

Ich gluckste leise und sie öffnete endlich ihre Augen. Ein Lächeln erschien langsam auf ihren Lippen. Ich griff nach dem frischen Handtuch, das ich immer in meiner Schublade liegen hatte, nickte und wischte mir den Oberkörper ab. "Ja, ich kann mich für dich darum kümmern."

"Danke", flüsterte sie und sie schloss ihre Augen wieder.

Ich dachte daran, ihr jetzt sofort eine gute Nacht zu wünschen und sie schlafen zu lassen, aber eines geisterte noch in meinen Gedanken herum. "Baby?", sagte ich leise und rollte mich näher an den Schreibtisch heran. Sie summte als Antwort. "Gar nichts? Die ganze Zeit über?"

"Ich hab' geflunkert", antwortete Bella und ihre Lippen zuckten, da sie ein Lächeln unterdrücken wollte. Meine Augen weiteten sich und sie lachte, als sie mich endlich ansah. "Auf keinen Fall hätte ich nicht gekonnt. Ich sehe dich auch jede Nacht vor mir, Edward."

Ich seufzte und fuhr mir mit der Hand durch die Haare, während ich ihr Gesicht betrachtete. Sie war nicht mehr das Mädchen, das mir vor Monaten in ihrem betrunkenen Zustand eine Nachricht geschickt hatte, und ich war auch nicht mehr derselbe Mensch wie damals.

Ich hatte wahres Glück und Liebe erlebt, genauso wie ein gebrochenes Herz und Verzweiflung. Für all das hatte ich mir nie die Zeit genommen, um es zu erleben oder mir einzugestehen, dass es das gab. Zum ersten Mal passte ich eine Beziehung nicht meiner Karriere an, sondern suchte einen Weg, um beide Teile meines Lebens zu vereinbaren.

Und was Bella betraf – das nervöse, unsichere Mädchen, das sich in dieser zweiten Nacht endlich nüchtern eingeloggt hatte, existierte nicht mehr. Stattdessen war da eine wunderschöne, selbstbewusste Frau, die zum ersten Mal ihr Leben selbst in die Hand nahm. Sogar nach ihrem Angriff, nachdem der Täter in Haft genommen worden war, stand sie mit beiden Beinen beharrlich am Boden – wo sie noch vor einem halben Jahr wahrscheinlich aufgegeben hätte.

Nichts in unserem Leben war perfekt oder würde jemals perfekt sein. Wir hatten beide endlich gemerkt, dass es nicht perfekt sein musste, damit wir beide damit völlig zufrieden sein konnten.

"Ich liebe dich, Bella", flüsterte ich und sah, dass ihre Augen gegen die Müdigkeit ankämpften. "Du solltest schlafen gehen."

Bella nickte zögerlich und setzte sich auf. "Wir telefonieren morgen miteinander. Ich liebe dich auch, Edward. Gute Nacht."

Und mit einem letzten Kuss, den sie mir von ihren Fingerspitzen zuhauchte, wurde mein Bildschirm schwarz.