A/N: Diese Fanfiction ist schon sehr, sehr lange in Arbeit, aber ich hatte sie für einige Zeit runter genommen, um die bereits fertigen Kapitel etwas zu überarbeiten. Ich werde sie nun nach und nach wieder einstellen, bin aber auch gleichzeitig dabei die Geschichte auf englisch zu übersetzten. Darüber hinaus arbeite ich auch noch an einer Geschichte zu Mystic Knights, ich hoffe aber alles so schnell wie möglich updaten zu können.

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Die Story spielt kurz nach 6x12 „Der perfekte Mann" („Prince Charmed"), die Hexen wissen also, dass Wyatt böse wird, aber noch nicht, wer Chris wirklich ist.

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Kapitel 1: Erinnerungen

„Und wo genau denkst du, dass du hingehst?" Die vorwurfsvolle Stimme hinter ihr ließ Paige unbewusst zusammenzucken. Sie war fast am Fuß der Treppe angekommen, als sie von einem gewissen Wächter des Lichts aufgehalten wurde.

„Hör zu, Chris, es ist Samstagabend und ich hab eine Verabredung, zu der ich schon spät dran bin. Wenn es dir also nichts ausmacht, werde ich jetzt gehen, ok?"

„Und wenn es mir doch etwas ausmacht?" Paige sah zu dem dunkelhaarigen jungen Mann auf, der sie vom Treppenabsatz aus mit verschränkten Armen beobachtete. Die linke Hand an ihrer Hüfte und den rechten Zeigefinger an den Lippen schien sie einige Sekunden zu überlegen, nur um dann mit einem spöttischen Lächeln
„Mmh, dann auch.", zu erwidern.

Während die jüngste der Mächtigen Drei sich umdrehte und auf die Haustür zuging, konnte sie hinter sich hören, wie Chris die Treppe herunter stürmte und sich beeilte um zu ihr aufzuschließen.

„Paige, den Dämonen ist es egal ob Samstagabend ist oder nicht. Wir sind heute schon einmal angegriffen worden, die Dämonen könnten wieder kommen."

„Aber Piper hat sie doch gesprengt." Paige war inzwischen an der Tür angekommen und verdrehte die Augen während sie sich zu ihrem Wächter des Lichts umdrehte.

„Nur zwei von ihnen. Es besteht die Chance, dass der Dritte es noch einmal versucht."

Chris war verzweifelt. Warum schien nie jemand seine Warnungen ernst zu nehmen? Er war nur hier in dieser Zeit, um seinen Bruder Wyatt davor zu bewahren böse zu werden. Nicht, dass jemand davon wüsste, also zumindest den Teil mit dem Bruder. Die Tatsache, dass ihr geliebter Sohn in einigen Jahren zum Tyrann und Mörder werden würde, hatte er Piper und Leo mittlerweile klar machen können, aber dass auch er selbst ihr Sohn war, würde er wohl noch eine Weile für sich behalten müssen.

Vermutlich würden sie ihm nicht einmal glauben, denn vor allem Leo zweifelte noch sehr stark an ihm. Und auch wenn seine Tanten ihn sicher nicht für böse oder sonst eine Bedrohung hielten, hatte er nicht das Gefühl, dass sie ihn besonders mochten oder zumindest unterstützten.

„Ganz ruhig, Chris. Es wird nichts passieren. Piper ist hier und passt auf Wyatt auf und du bist doch auch noch da. Wenn ihr meine Hilfe braucht, dann ruft mich. Ich habe mit Phoebe geübt. Ich bin zwar noch nicht so gut, wie du und Leo, aber wenn ihr mich energisch genug ruft, dann werde ich euch hören und sofort kommen. Zufrieden?"

Paige konnte sehen, dass er nicht zufrieden war, aber er würde sich damit abfinden müssen. Sie war sehr stolz darauf endlich ihre Kräfte als Wächterin des Lichts verbessert zu haben, aber Chris sah nicht danach aus, als hätte er diesem Teil ihrer Ausführung besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt.

„Na gut, meinetwegen. Aber bleib nicht zu lange weg."

„Okay, mum!" Paige, die bereits durch die Tür war, winkte ihm noch einmal über die Schulter zu, dann stieg sie in ihr Auto und machte sich auf zu ihrem Date mit Richard. Natürlich hätte sie sich auch teleportieren können, aber da er versuchte ohne Magie zu leben, versuchte sie in seiner Gegenwart möglichst darauf zu verzichten.

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Kopfschüttelnd schloss Chris die Vordertür und ging in die Küche um sich noch eine Kleinigkeit zu essen zu machen. Er hoffte inständig, dass die Schwestern seine Autorität als ihr Wächter des Lichts bald anerkennen würden, oder wenigstens seine Warnungen mehr beachteten. Am liebsten würde er ihnen die ganze Wahrheit sagen, alles was in der Zukunft schief gegangen war, all die Verbrechen die sein ach-so-wundervoller Bruder begangen hatte.

Aber er hatte keine Ahnung was Wyatts Verwandlung bewirkt hatte und so wusste er nicht in wieweit er die Zukunft verändern durfte ohne alles möglicherweise noch schlimmer zu machen.

Es war ihm sogar bereits in den Sinn gekommen, dass er selbst möglicherweise für alles verantwortlich sein könnte. Wenn er den Hexen nun von Wyatts Gräueltaten erzählte und diese ihn daraufhin immer unbewusst auf Distanz hielten, könnte das nicht sogar dazu führen, dass er sich schließlich von ihnen und allem wofür die Mächtigen Drei jemals standen abwandte?

Chris bekam Kopfschmerzen beim bloßen Denken an die möglichen Konsequenzen von Zeitreisen. Er war erst 22 Jahre alt, und obwohl er in seinem Leben schon viel gesehen hatte, hätte ihn wohl nichts hierauf vorbereiten können.

Phoebes und Paiges wiederholte Versuche ihn dazu zu bringen sich zu entspannen und alles etwas lockerer angehen zu lassen wirkten beinahe lächerlich im Hinblick auf all das, was auf dem Spiel stand. Aber natürlich konnte er nicht erwarten, dass sie es verstanden. Und wenn er seine Aufgabe erfolgreich zu Ende brachte würden sie das auch nie.

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Chris hatte die ganze Zeit über im halb-dunkeln gestanden und den Inhalt des Kühlschranks begutachtet, während er seinen Gedanken nachhing, entsprechend überrascht war er daher, als plötzlich das Licht anging. Als wäre er bei etwas verbotenem erwischt worden, schloss er blitzschnell die Kühlschranktür, wirbelte herum und sah sich nun der Ältesten der drei Schwestern gegenüber.

Ohne es verhindern zu können sah er plötzlich vor seinem inneren Auge Bilder aus seiner Kindheit: Er konnte seine Mutter sehen, die ihn beim Süßigkeiten naschen erwischte, obwohl es bald Abendessen gab, und die genau dort stand wo Piper nun stehen geblieben war und ihn vorwurfsvoll ansah. Sie hatte dann immer so getan als wäre sie beleidigt und gesagt Chris würde ihre Kochkünste nicht zu schätzen wissen.

„Hi… Piper." Es hatte all seine Überwindungskraft gekostet sie nicht ‚Mum' zu nennen und ihr in die Arme zu fallen, obwohl er gerade das am liebsten tun würde. Aber er würde sein Geheimnis nicht preisgeben, das würde die Dinge nur noch komplizierter machen.

„Du zögerst, war dir mein Name entfallen?" Piper kam nun weiter in die Küche hinein und schob Chris sanft zur Seite, um selbst einen Blick in den Kühlschrank zu werfen. Da sie gerade dessen Inhalt studierte, bemerkte sie nicht den sehnsüchtigen Blick, der kurz auf dem Gesicht ihres Wächters des Lichts erschien.

„Entschuldige bitte, ich bin nur etwas erschöpft." Anscheinend mit dieser Antwort zufrieden, nickte Piper kurz, während sie damit begann verschiedene Dinge aus dem Kühlschrank auf den Küchentisch zu stellen.

„Ich weiß, momentan sind ja nur wir beide und Wyatt da, aber ich habe Lust zu kochen, willst du mir nicht Gesellschaft leisten und mir dabei etwas zur Hand gehen?"

Piper warf ihm einen fragenden Blick zu, halb erwartend, dass er ablehnen würde. Denn solange es nicht um die Dämonenjagd ging, schien der junge Mann mit den wahrscheinlich schönsten grünen Augen die sie je gesehen hatte, nicht sehr gesellig zu sein. Er war bereits ein paar Monate bei ihnen und im Grunde wusste sie rein gar nichts über ihn, außer, dass er aus der Zukunft kam und nicht sehr gesprächig war.

„Ja, gerne!" Erstaunt sah Piper Chris an und hatte dabei den Eindruck, dass er von seiner Antwort nicht weniger überrascht war als sie. Nun, dann würde sich vielleicht endlich mal eine Gelegenheit bieten das Eis zwischen ihnen zu brechen, denn die Hexe hatte schon des Öfteren den Eindruck gehabt, dass ihr Wächter des Lichts versuchte ihr aus dem Weg zu gehen, oder zumindest nicht alleine in einem Raum mit ihr sein wollte.

Sollte er sie etwa in der Zukunft nicht gemocht haben? Nun, wenn das der Fall war würde sie ihr Bestes tun um diesen schlechten Eindruck auszulöschen.

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„Soll ich dir noch etwas aus der Küche mitbringen?"

„Nein danke, ich hab' alles." Piper schüttelte lächelnd den Kopf über sich selbst als sie in die Küche ging um eine neue Flasche Cola zu holen. Wie hatte Chris es nur geschafft, dass sie damit einverstanden war vor dem Fernseher zu essen? Das war etwas, was bei ihr normalerweise nie in Frage kam und jetzt hatten sie es sich beide auf der Couch gemütlich gemacht, waren nach dem richtigen Essen auf Chips und Cola umgestiegen und sahen sich dabei die x-te Wiederholung von ‚Die Firma' an.

Der junge Mann ließ plötzlich ganz andere Seiten an sich erkennen, an deren Existenz Piper bisher nicht geglaubt hatte. Und sie hoffte, dass es nicht nur bei diesem Abend bliebe, denn sonst würde sich Chris früher oder später mit seiner Verbissenheit selbst zu Grunde richten. Manchmal hatte sie das Gefühl, er vergaß, dass er dieser Bedrohung nicht allein gegenüber stand. Sie, ihre Schwestern und Leo würden nicht zulassen, dass jemand Wyatt etwas antat, aber sich ständig deswegen verrückt zu machen half niemandem. Piper hatte nicht nur einmal erlebt, wie ein Gefühlschaos ihre Kräfte beeinflussen konnte, und im Ernstfall wäre so etwas möglicherweise tödlich. Darauf würde sie es nicht ankommen lassen.

Wie um diese negativen Gedanken wenigstens für den Moment zu vertreiben schüttelte Piper den Kopf, sie würde sich diesen Abend durch nichts kaputt machen lassen, nicht wenn es in diesem Haus zur Abwechslung mal friedlich zuging. Ausreichend für den Rest des Films gerüstet, ging sie zurück ins Wohnzimmer, wobei sie an Wyatts Laufstall vorbei kam und einen Moment inne hielt um ihrem Sohn beim Schlafen zuzusehen.

Chris, der sich immer noch Sorgen wegen des heutigen Dämonangriffs machte, hatte darauf bestanden den kleinen Jungen nicht so lange unbeaufsichtigt in seinem Zimmer zu lassen, und so lag Wyatt nun auf einem Berg aus Decken und Kissen und schlief friedlich.

Ein Lächeln stahl sich auf Pipers Lippen, als sie daran dachte, wie unbeholfen Chris manchmal in seiner Nähe schien. Es war sicher seltsam für ihn denselben Wyatt, den er als ausgewachsenen Mann kannte, hier plötzlich als Baby auf dem Arm zu halten. Das Lächeln verschwand jedoch sofort wieder als sie an den Tag dachte, an dem Chris ihn das letzte Mal gesehen hatte. Er war von seiner Verlobten Bianca in die Zukunft entführt worden, wo diese von Wyatt, Pipers geliebtem Sohn Wyatt, getötet worden war. Er hatte versucht Chris zu erledigen, aber Bianca, die ihn immer noch liebte, hatte sich für ihn geopfert.

In gewissem Sinne fühlte Piper sich schuldig, als sie nun zu dem jungen Mann auf dem Sofa hinüber sah. Ihr Sohn hatte ihm so viel Schmerz zugefügt, und trotzdem wollte er keine Rache nehmen, oder Wyatt töten solange dieser noch jung war. Er war nur hier um zu verhindern, dass aus dem unschuldigen Kind jemals das Monster wurde, das er kannte.

Chris hatte nie von seiner Familie erzählt, aber Piper hoffte, dass sie in seiner Zeit noch lebten und stolz auf ihn waren. Wenn sie seine Mutter wäre, sie wäre es.

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Es war etwa zehn Minuten später, als Chris plötzlich ein eigenartiges Kribbeln spürte, das durch seinen ganzen Körper lief. Piper hatte es wohl auch gespürt, denn sie schaltete den Ton des Fernsehers ab und sah ihn fragenden an. Wie auf ein unsichtbares Signal hin sprangen nun beide von der Couch auf und eilten hinüber zu Wyatt, der seinen Schutzschild aktiviert hatte und sich verunsichert im Raum umsah. Keiner von ihnen konnte etwas entdecken und doch waren sie sich sicher nicht mehr allein zu sein.

Chris entfernte sich vorsichtig einige Schritte von den Beiden und ließ seinen Blick durch das Zimmer wandern, auf der Suche nach etwas verdächtigem, bis ihn ein ersticktes Keuchen hinter sich blitzschnell herumfahren ließ.

Blut. Überall Blut, und Piper die ihn mit aufgerissenen Augen anstarrte und deren Blick dann langsam nach unten wanderte, zu der Dolchspitze, die aus ihrer Brust ragte. Chris fühlte sich, als wäre sein eigenes Herz stehen geblieben, während er gegen die Erinnerungen ankämpfte, die sich ihren Weg zurück in sein Bewusstsein bahnen wollten. All das Blut…, der Dolch…, Piper die ihn ansah, dem Tode nahe…

Es war ein Schrei, der ihn wieder in die Realität zurück holte, im selben Moment als der Dämon hinter seiner Mutter sichtbar wurde und den Dolch mit einem Ruck aus ihrem Körper heraus riss. Er sah fast aus wie ein Mensch, mit der Ausnahme, dass seine Augen von innen zu leuchten schienen.

Am Rande seines Bewusstseins nahm Chris wahr, dass es nicht Piper oder der Dämon war der geschrieen hatte, sondern er selbst, womit er nun dessen Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte.

Der junge Mann ballte eine Hand zur Faust um den Angreifer in seiner Bewegung inne halten zu lassen, aber schon nach wenigen Sekunden konnte dieser sich aus seinem magischen Griff befreien und ging nun mit dem blutigen Dolch auf ihn los.

Chris versuchte ihn von sich weg zu schleudern aber seine Magie war nicht stark genug um seinem Gegner etwas anhaben zu können, also blieb ihm nur übrig langsam zurückzuweichen.

Immer wieder fiel sein Blick auf Piper, die noch versuchte, sich an der Kante von Wyatts Laufstall festzuhalten, aber nun unweigerlich zu Boden ging. Er konnte die Qualen in ihrem Gesicht sehen und wollte nichts lieber als an ihrer Seite sein, aber dafür musste er zuerst einmal diesen Dämon erledigen.

Da seine Zauberkräfte keine Wirkung gezeigt hatten, ging er dazu über, ihn mit allem zu attackieren was in Reichweite war, aber ein Schwenk mit dem Arm genügte als Abwehr und Vasen und Stühle zerbrachen gleichermaßen in tausend Stücke.

Schließlich war Chris buchstäblich in die Ecke gedrängt und er musste einsehen, dass er gegen diesen Dämon nichts ausrichten konnte, also würde er versuchen sich, Piper und Wyatt in Sicherheit zu teleportieren. Die Macht der Drei war sicherlich stark genug um den Angreifer zu vernichten, aber dafür musste er erst einmal sichergehen, dass Piper überlebte.

Gerade wollte er sich zu ihr teleportieren, als eine Explosion den Dämon plötzlich in die Seite traf und dieser schmerzerfüllt aufschrie. Der Dolch fiel aus seiner Hand während er nach Luft rang. Schwer verwundet warf er noch einen letzten hasserfüllten Blick auf Chris, bevor er so schnell verschwand wie er erschienen war.

Für einen kurzen Moment stand der junge Mann wie versteinert da. Niemand sonst war hier, wer hatte den Dämon verwundet? Seine Mutter war am Boden, bewusstlos, sie konnte es nicht gewesen sein.

Oh mein Gott, mum!

„Mum!" Innerhalb einer Sekunde kniete Chris neben ihr auf dem Boden, ihre erschreckend kalte Hand in seiner. „Mum." Vorsichtig, um sie nicht noch mehr zu verletzen, zog er sie in seine Arme. Blut durchtränkte seine Jeans und sein T-Shirt, aber er nahm keine Notiz davon, ebenso wenig, wie von den Tränen die seine Wangen hinunter rannen und sich mit der roten Flüssigkeit vermischten.

„Leo." Was zuerst nur ein Flüstern war, wurde schnell lauter, bis er den Namen seines Vaters immer wieder rief, so laut er nur konnte. In seiner Panik nahm Chris es nicht einmal wahr, als dieser endlich in einem Wirbel aus blauem Licht erschien. Erst als Leo ihn an den Schultern packte und leicht schüttelte, schaltete sich sein Verstand langsam wieder ein.

„Lass sie los." Leo erkannte, wie durcheinander der junge Mann vor ihm immer noch war, also gab er sich die größte Mühe seine Stimme so ruhig wie möglich klingen zu lassen, auch wenn, Angesicht von Pipers Zustand, die Angst immer mehr von ihm Besitz ergriff.

„Ich werde Piper heilen, leg' sie also vorsichtig wieder auf den Boden."

Widerstrebend folgte Chris seiner Anweisung und ließ den Körper seiner Mutter langsam auf den Boden gleiten. Nicht bereit sich völlig von ihr zu trennen, hielt er jedoch immer noch ihre Hand, während er beobachtete, wie Leo seine Hände über der tiefen Wunde schweben ließ, aus der immer noch Pipers Leben entwich. Einige entsetzliche Augenblicke lang schien es, als sei es zu spät, aber dann erschien doch noch das vertraute Glühen und die Verletzung verschwand, ebenso wie das Blut auf Pipers Kleidung.

Erleichtert sah Leo wie die Liebe seines Lebens wieder gleichmäßig atmete und nun langsam die Augen öffnete. Als er Chris' verzweifelte Schreie gehört hatte, war er sofort hierher gekommen, obwohl er sich gerade in einer Versammlung mit den anderen Ältesten befunden und diese deutlich ihr Missfallen für seinen plötzlichen Aufbruch gezeigt hatten. Aber er konnte sich nicht an das letzte Mal erinnern, dass er solch eine Panik und Verzweiflung gehört hatte, also blieb ihm keine Wahl als zu kommen, da etwas Schreckliches geschehen sein musste.

Da es Piper nun wieder gut ging und auch Wyatt okay schien, das hatte er bei seinem Eintreffen als erstes überprüft, war Leo geschockt über den Ausdruck in Chris' Augen, als er zu dem jungen Mann hinüber sah. Wenn dieser Blick der einzige Hinweis auf die Situation gewesen wäre, den Leo gehabt hätte, so hätte er sicherlich mit dem Anblick von Pipers Leiche auf dem Boden gerechnet.

Zum ersten Mal glitt sein Blick nun tiefer und Leo bemerkte mit Entsetzen das Blut, mit dem die Kleidung des jungen Wächters des Lichts getränkt war. War es nur Pipers Blut oder auch sein eigenes?

„Bist du verletzt?" Es dauerte eine Weile bis der Sinn dieser Worte zu Chris durchdrang und auch dann konnte er nur mit einem schwachen Kopfschütteln antworten. Er konnte das Bild von Piper und dem Dolch der aus ihrer Brust ragte nicht aus seinem Kopf vertreiben, aber nach und nach wurde es von einem Bild aus seiner Erinnerung überlagert, das fast dasselbe zeigte:

Piper stand vor ihm und wollte ihm gerade ein Paket überreichen, als hinter ihr ein schwarz gekleideter Mann mit einem Schwert in der Hand auftauchte, welches er ihr in den Rücken stieß. Chris hatte versucht sie zu warnen, aber alles war so schnell gegangen und bevor er gewusst hatte, was geschah, waren überall Männer in derselben Kleidung aufgetaucht. Schreie hatten plötzlich das Haus erfüllt, aber schon nach wenigen Sekunden war es wieder still geworden.

Aus den Augenwinkeln hatte er gesehen, wie seine Tanten und auch seine Cousinen zu Boden gegangen waren, aber er selbst hatte nur an der Seite seiner Mutter gekniet und in ihre toten Augen gestarrt, viel zu verstört, um an seine eigene Sicherheit zu denken.

Der Mann der seine Mutter getötet hatte kam nun auf ihn zu und stieß ihn mit dem Fuß an, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Chris hatte sein Ende kommen sehen sollen, aber bevor das Schwert ihn berührt hatte, war seine Umgebung plötzlich hinter einer Wand aus blauem Licht verschwunden. Im letzten Moment hatte er noch Paige sehen können, die mit letzter Kraft einen Arm in seine Richtung ausgestreckt und ihn in Sicherheit teleportiert hatte...

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Pipers Gesicht direkt vor seinem war es, was ihn wieder ins Hier und Jetzt zurückbrachte. Sie hatte ihre Hände um seinen Kopf gelegt und zwang ihn somit ihr in die Augen zu sehen.

„Was ist mit dir, Chris? Bist du verletzt?"

Während Leo sie geheilt hatte, war sie überrascht gewesen, dass Chris ihre Hand hielt, aber seine darauf folgende Reaktion war noch eine viel größere Überraschung gewesen. Als sie wieder vollkommen bei sich war, hatte er dagesessen, mit dem Rücken an Wyatts Laufstall gelehnt, die angezogenen Beine mit den Armen umschlungen gehalten und ins Leere gestarrt und das alles, während er über und über mit Blut besudelt war.

Ihn so zu sehen hatte ihr fast noch einen größeren Schock versetzt als der eigentliche Dämonenangriff. Was war geschehen, das den jungen Wächter des Lichts so mitgenommen hatte. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass eine von ihnen verletzt oder sogar fast getötet worden war und auch wenn es dieses Mal sehr knapp gewesen war, erklärte das nicht dieses Verhalten.

„Chris, rede mit mir." Tiefe Besorgnis schwang in dieser Aufforderung mit, aber Chris konnte sich nicht dazu bringen ihr zu folgen. Dieser Angriff und Pipers Verletzung hatten zu viele Erinnerungen geweckt, die er schon seit Jahren zu verdrängen versuchte und jetzt hier bei seinen zukünftigen Eltern zu sein, ohne mit ihnen wirklich über all das reden zu können, schien plötzlich unerträglich. Nur mit Mühe kam er wieder auf die Füße, wobei er Pipers Hand, die ihn stützen wollte zur Seite stieß.

Das Einzige, was sie aus ihm herausbekamen, bevor er sich wegteleportierte war:

„Ich kann nicht."

tbc