Acht

Kapitel 4

Die amoralische Amorell


Direkt nach dem Mittagessen ging Hermione in das ehemalige Klassenzimmer von Verteidigung gegen die dunklen Künste. Sie sah sich unter den sieben anderen Schülern um. Anscheinend war dieses Fach namens Trauerbewältigung, Häusereinigkeit und Toleranz - sie war sich sicher, dass diese Bezeichnung eine Art Spitznamen brauchte - das Einzige, das alle Achtklässler zusammen und ohne die Anwesenheit der eigentlichen Siebtklässler haben würden. Das war ziemlich seltsam. In ihrer Arithmantik-Klasse gab es auch nicht viele Schüler, aber in diesem Fach waren wirklich lächerlich wenige Teilnehmer.

Bevor sie sich weiter in die Bedeutung des Themas vertiefen konnte, weshalb sie gerade dieses Fach gemeinsam hatten, betrat Professor Amorell das Zimmer.

"Einen schönen Nachmittag, alle zusammen", sagte sie, stellte ihre Tasche ab und setzte sich sofort an die Kante ihres Tisches. Sie war barfuß unterwegs. Das war auch ziemlich seltsam. Sie lächelte sie erfreut an, wodurch die Narbe auf ihrem Gesicht noch größer wirkte. "Zum Beginn möchte ich gleich etwas klarstellen. Ihr werdet euch alle für eine Trauerbewältigungs-Session bei mir einschreiben - außerhalb des Unterrichts. Wenn ich es für notwendig befinde, wird es noch weitere Sessions geben." Ihr Blick wanderte kurz zu Harry.

Er verzog das Gesicht.

"Also", fuhr sie fort, "das Ziel dieses Faches ist schon von seiner Bezeichnung her ziemlich klar." Sie wedelte mit ihrem Zauberstab und die schrecklich lange Bezeichnung dieses Faches erschien auf der Schiefertafel. "Wenn ich nicht falsch liege, sollte dies generell ziemlich lustig werden, obwohl euch das nicht immer so vorkommen wird." Amorell lachte, aber Hermione war sich nicht ganz sicher warum. Sie bekam langsam eine böse Vorahnung.

"Anscheinend hatten wir alle sehr viel Glück gehabt. Es war meine Bitte, euch alle zu nehmen, euch Achtklässler, euch, allein. Da wir eine gerade Anzahl sind, haben wir den wunderbaren Vorteil, dass ihr euch in Paare aufteilen könnt." Sie lächelte breit.

"Also, ich sage euch jetzt, was wir tun werden. Ich will, dass ihr alle jemanden vom anderen Geschlecht findet, der nicht, ich wiederhole, nicht aus dem selben Haus stammt. Diese Person wird euer Partner für die meisten Aktivitäten hier im nächsten Schuljahr sein."

Hermione hatte das große Pech, ein Gehirn zu haben, das schnell arbeitete, und das war auch der Grund, warum sie in komplette Panik ausbrach. Sie blickte sich verzweifelt im Zimmer um, aber es war wirklich hoffnungslos. Harry hatte gerade Hannah als Partnerin gefunden. Ron war hin- und hergerissen zwischen August und Padma - entweder das Mädchen, das die Cannons nicht mochte, oder das Mädchen, das immer noch ein wenig böse wegen dem misslungenen Date in ihrem vierten Jahr war. Dean sah ebenfalls ziemlich unentschlossen aus.

Schließlich blickte sie zu Malfoy. Er versuchte gerade mit ziemlich wenig Erfolg, Padmas Blick auf sich zu ziehen. Padma ignorierte ihn, lief auf Dean zu, der sie anlächelte und mit seiner Partnerin anscheinend recht zufrieden war.

Ron fügte sich seinem Schicksal und trottete langsam hinüber zu August, die einen Anstecker der Holy-Head Harpies trug.

Und das war's dann wohl.

Er war der einzige Junge in diesem Fach, der nicht aus Gryffindor kam, und das bedeutete, er musste auf alle Fälle ihr Partner sein. Hermione schritt zaghaft auf ihn zu. Sie konnte das schaffen, sagte sie sich. Sie war schließlich die Diplomatische. Sie war diejenige, die immer um die Häusereinigkeit bemüht war.

Aber das hier war der doofe Malfoy, schmollte sie.

Er runzelte die Stirn, als sie näher kam. "Was, du?", fragte er.

"Ja, ich." Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und sah ihn an.

"Scheiße, unglaublich", murmelte er leise. Er hatte seinen Zauberstab gezückt, bemerkte sie. Sie nahm an, dass er sich darauf gefreut hatte, ihn jetzt zu benutzen, da sie ja im Unterricht waren. Und anhand seines Gesichtsausdrucks konnte sie sagen, dass er nun ebenfalls ihre gezwungene Partnerschaft in diesem Fach bemerkt hatte.

"Alle in Paare aufgeteilt?", fragte Amorell. Ihre Stimme klang viel zu fröhlich, wenn man den Ernst dieser Situation betrachtete. "Heute werden wir lernen, einander zu vertrauen. Und es tut mir Leid, dass das alles womöglich kitschig oder klischeehaft klingt, aber ihr werdet heute alle etwas tun, das euch wahrscheinlich nicht sehr gefallen wird." Hermione wurde von Minute zu Minute nervöser. Malfoy sah ebenfalls nicht besonders erfreut aus. "Ich will, dass sich die Mädchen auf der Kante meines Tisches aufstellen. Jungs, ihr werdet eure Partnerinnen auffangen, wenn sie rückwärts vom Tisch fallen."

Hermiones Augen wurden tellergroß, wenn nicht gar noch größer. Ihr ganzer Körper war so angespannt wie eine geladene Kanone. Langsam drehte sich Malfoy zu ihr um. "Das könnte interessant werden", sagte er und klang dabei wie eine Katze, die kurz davor war, eine sehr fette Maus zu verspeisen.

"Und dann natürlich, Mädels, werdet ihr die Jungs auffangen ... sofern sie nicht zu schwer für euch sind", fügte Amorell hinzu. "Vielleicht werde ich den Tisch etwas absenken."

"Ich lasse dich nicht fallen, wenn du mich auch nicht fallen lässt", sagte Hermione. Ihre Stimme war voller Panik, und Malfoys Lächeln wurde immer breiter.

"Dich fallen lassen? Davon hatte ich schon immer geträumt." Er gluckste.

Zögerlich nahm Hermione ihren Platz am Ende der recht kurzen Reihe ein. August stand bereits auf dem Lehrertisch. Ron stand mit ausgestreckten Armen hinter ihr, um sie aufzufangen. Trotz ihrer Besorgnis musste Hermione bei diesem seltsamen Anblick lächeln. Ron war beinah einen halben Meter größer als August. Sie aufzufangen würde ihm sicher nicht schwer fallen. Wohingegen es sicher unmöglich war, dass August Ron auffangen konnte, außer wenn sie einen Federleicht-Zauber anwendete.

"Also, wirst du mich sicher auffangen?", fragte August.

"Ja", sagte Ron.

"Ganz sicher?"

"Ja", stöhnte er.

"Hast du deine Arme schon in der Höhe?"

"Ja." Ron sah langsam ziemlich genervt aus.

August holte tief Luft. "Okay." Und sie ließ sich rückwärts den Tisch hinunter fallen. Ron fing sie in einer simplen Bewegung auf. Sie klammerte sich kurz an seinen Arm und sah ängstlich aus, während Ron lachte und sie auf die Beine stellte.

Padma war die Nächste, und Dean benahm sich sehr zögerlich, als er sie auffing, wodurch das Mädchen ein wenig grummelte, bevor sie davonging und sich auf einen der Schülertische setzte. Harry fing Hannah auf, als wäre sie bloß ein zu groß geratener Quaffel. Schließlich war Hermione dran.

Auf zittrigen Beinen stieg sie zuerst auf den Stuhl und dann weiter auf den Tisch, und dann ... weigerte sie sich, sich umzudrehen. "Mach dir keine Sorgen", rief Ron, "wir kümmern uns schon darum, dass er dich auffängt." Er betonte dies, indem er mit seinem Zauberstab gegen seine Handinnenfläche schlug. Rosa Funken stoben hervor und er schüttelte mit einem schmerzhaften Gesichtsausdruck seine verbrannte Hand.

Malfoy verdrehte die Augen. "Jetzt mach schon, Granger", sagte er und tippte mit seinen Fingern gegen seinen Bizeps.

"Streck zuerst deine Arme aus", bellte sie ihn an. "Und ich warne dich. Ich werde dir ohne zu zögern Hauspunkte abziehen, wenn es sein muss." Sie erinnerte sich plötzlich zurück an ihren Schwimmunterricht. Sie hatte es immer gehasst, ins tiefe Wasser zu springen, und sie war immer ganz erstarrt dagestanden, bis sie sich selbst dazu gebracht hatte, einfach zu springen. Und diesmal sah es aus und fühlte es sich an, als würde sie blind ins offene Maul eines Hais springen.

Er streckte seine Arme aus und sah dabei noch immer unendlich gelangweilt aus. Zögerlich drehte sie sich um. Eins ... zwei ... zählte sie innerlich mit. Und bei drei erlaubte sie sich, einfach nach hinten zu fallen.

Sie spürte gerade noch, wie die Sohlen ihrer Schuhe über die Kante des Tisches schrammten, bevor sie spürte, wie sich zwei starke Arme um sie schlangen. Eine befand sich an der Rückseite ihrer Oberschenkel, die andere hinter ihren Schultern.

Zu schnell - und woher dieser Gedanke kam, wusste sie überhaupt nicht - hatte er sie wieder auf die Beine gestellt und klopfte er sich die Hände an seiner Robe ab.

"Merlin, Granger, was isst du so? Federn? Ich könnte dich durch einen Quidditch-Ring werfen, ohne es wirklich zu versuchen." Hermione sah ihn böse an, obwohl sie dachte, dass es sich eher wie ein verschleiertes Kompliment anhörte.

Amorell begann zu applaudieren. "Kleine Planänderung. Ich glaube nicht, dass es besonders sicher wäre, wenn Miss Moon versucht, Mr. Weasley aufzufangen, also habe ich mir etwas Anderes für euch alle ausgedacht." Hermione stöhnte. Sie hatte das dumpfe Gefühl, dass ihr dieses Fach überhaupt keinen Spaß machen würde. "Also, so sieht der Plan aus. Ich werde euch Jungs mit einem temporären Blendezauber belegen. Mädchen, ihr müsst sie durch das Klassenzimmer führen, vielleicht auch durch das Schloss, wenn ihr wollt. Geht einfach auf Nummer sicher, dass ihr zehn Minuten vor dem Ende dieser Stunde wieder zurück seid, damit ich euch eure Hausübungen erklären und den Blendezauber von euch nehmen kann."

Als Malfoy diesmal sich zu Hermione umdrehte, war er an der Reihe, verängstigt auszusehen. Hermione grinste böse. "Ängstlich, was?"


Draco starrte Granger an, deren Gesichtsausdruck sich von Genervtheit zu einem bösen Grinsen wandelte, das seinem eigenen sehr ähnelte.

Professor Amorells Name erinnerte ihn entfernt an drei Dinge. Der erste Grund war eher dumm: an einen Morchel-Pilz. Er mochte sie, wenn sie geröstet und in einer cremigen Soße mit Nudeln serviert wurden. Der zweite war, was ihm in diesem Moment eingefallen war, als er Granger beobachtete, die mit jeder Nanosekunde immer breiter und breiter grinste. Amoralisch. Die Frau war definitiv amoralisch, wenn sie sie zwang, solche Spielchen miteinander zu spielen. Und der dritte? Amore. Und davon verspürte er gerade sehr wenig, weder seitens der fröhlichen Lehrerin, noch von Granger.

"Komm schon, Malfoy", sagte sie.

"Ich glaube, du verstehst schon, warum ich zögere, Granger", sagte er und runzelte die Stirn. Er wollte sich nicht von der Stelle bewegen, solange nicht dieses schreckliche Grinsen von ihrem Gesicht verschwand.

Aber Amorell hatte ihre eigenen Ideen. "Mr. Malfoy und Miss Granger, nehme ich an?", fragte sie. Sie hatte eine Pergamentrolle mit einem Foto von jedem von ihnen, und daneben standen ihre Namen. Draco war zufrieden, als er merkte, dass sein Bild eine gewisse Aristokratie ausstrahlte, denn die linke Augenbraue war ein wenig angehoben. Die meisten Menschen konnten bloß eine Augenbraue heben. Draco konnte beide hoch ziehen, wobei die rechte Braue höher ging als die linke. Aber nachdem er dies über die Jahre oft vor einem Spiegel ausprobiert hatte, hatte er beschlossen, dass ihm das subtile Anheben der linken Braue besser zusagte als das höhere Anheben seiner rechten Augenbraue. Die linke signalisierte Macht. Die rechte bedeutete Unglauben und Verachtung.

"Ja, das stimmt", antwortete Granger für sie beide. Sie war sich Dracos Überlegungen der assoziierenden Psychologie des Augenbrauen-Hebens nicht bewusst.

"Ah, ja", sagte Amorell, nickte mit dem Kopf und setzte Häkchen neben ihre Namen. "Und ich sehe hier, dass Sie, Miss Granger, muggelstämmig sind. Ist das korrekt?"

Grangers eigene Augenbrauen zogen sich zusammen, und zwar nicht aus Verwirrung, sondern aus Misstrauen, wie er meinte. "Ja", sagte sie langsam, als ob sie die Gewässer bei der neuen Lehrerin austesten müsste.

"Interessant." Da war wieder das Wort, das Thomas so bedeutsam vorgekommen war. "Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie eure Partnerschaft sich entwickeln wird."

"Diesbezüglich ...", begann Granger.

"Die große Bedeutung dieses Faches liegt wirklich an Teams wie diesem", fuhr Amorell fort, als hätte sie das Mädchen nicht gehört. "Häusereinigkeit und Toleranz", betonte sie. "Meine Hoffnung und die der Schulräte ist es, dass wir zukünftige Kriege verhindern können, wenn wir all diese sinnlosen Zankereien über Ränge und Blutstatus unterbinden können, und obwohl es nie die Absicht der Gründer von Hogwarts war, basiert die Häuserrivalität - in ihren ursprünglichsten Grundzügen - auf simplen Charakterzügen." Lieber Merlin, diese Frau lächelte schon wieder. "Und damit könnt ihr euch gar nicht vorstellen, wie froh es mich macht, dass ihr zwei euch zusammengetan habt. Die größten Knackpunkte liegen zwischen Muggelgeborenen und Reinblütern und zwischen Gryffindors und Slytherins. Und ihr beide habt im Verlauf des Krieges solch unterschiedliche Rollen eingenommen." Und damit verzog das breite Lächeln am Gesicht dieser Frau ihre Narbe auf eine noch hässlichere Art und Weise. "Und natürlich liegt auch ein Teil der Toleranz darin, die Barrieren der Geschlechter abzubrechen, und deshalb habe ich euch je einem Jungen beziehungsweise einem Mädchen zugeteilt."

Und damit drehte die Frau sich zu Draco, murmelte den Blendezauber und alles wurde komplett dunkel.

Eine lange Zeit über passierte absolut gar nichts. Draco stand einfach da und wartete auf das, was wohl die schlimmste (und peinlichste) Erfahrung seines Lebens sein würde, die nicht im Zusammenhang mit dem Krieg stand. Nach einem Augenblick konzentrierte er sich auf Grangers Atem. "Und?", fragte er schließlich.

"Sei still. Ich denke nach", sagte sie mit einem grübelnden Tonfall.

"Jetzt mal was Neues, Granger. Du denkst immer nach." Trotz seiner Sorgen wusste er, dass von den drei Gryffindor-Helden sie diejenige war, die am wenigsten etwas unnötig Kindisches oder Gemeines machen würde.

Und dann merkte er, wie jemand an seinem Ärmel zog. "Ich habe überlegt, wie wir das am besten machen können, ohne dass ich gezwungen bin, dich zu berühren", gab sie zu.

"Du willst also nicht Händchen halten? Ich bin erschüttert. Ich bin wahrlich erschüttert."

"Lügen stehen dir nicht, Malfoy", antwortete sie ziemlich schnippisch. Sie hatte begonnen, ihn zu führen, und er war sich relativ sicher, dass sie zur Tür des Klassenzimmers hinaus gingen. Die Luft veränderte sich, als sie den Gang betraten, und Granger begann, ihn nach rechts zu führen.

Draco versuchte, sich darauf zu konzentrieren, wo sie waren, oder zumindest wo er annahm, dass sie waren. Wenn er richtig lag, waren sie nicht weit von einer Stiege entfernt, und er verlangsamte automatisch seinen Schritt, bis Granger praktisch kämpfte, ihn dazu zu bringen, ihr zu folgen. "Was?", fragte sie.

"Du wolltest mich nicht warnen, oder?", fragte er. Er hätte seine Arme verschränkt, wenn nicht gerade an einem Arm ein Parasit hängen würde.

"Wovor sollte ich dich warnen?"

"Vor den Stufen, Granger. Ich bin nicht dumm, weißt du. Ich werde nicht zulassen, dass du mich die Stufen hinab stößt."

Zu seiner Überraschung lachte sie auf. "Malfoy, du bist so dumm. Wir sind noch gute zehn Meter oder so entfernt."

Er starrte sie streng an, obwohl, wenn er sich ehrlich war, wusste er nicht einmal genau, wo ihr Kopf sich jetzt befand. Er konnte genauso gut den Fleck zwei Meter neben ihr anstarren. "Und warum sollte ich das glauben?"

Sie stöhnte auf. "Tja, zum Einen muss ich die Stufen zuerst hinabgehen, oder? Ich denke, dann könntest du es spüren." Sie zerrte an seinem Ärmel, wodurch sein Arm herumschlenkerte. "Aber wenn du Angst hast, können wir umdrehen und in die andere Richtung gehen." Er hörte die scharrenden Geräusche ihrer Schritte und spürte das Ziehen an seinem Ärmel, aber er bewegte sich nicht.

"Ich habe keine Angst", brummte er. "Aber es ist nichts falsch daran, aus Selbstschutz vor einer Gryffindor vorsichtig zu sein."

Sie schnaubte leicht auf. "Du klingst so, als wäre ich Peeves. Ich schlage vor, du beginnst langsam, ein wenig Vertrauen aufzubauen, das du in dieser Übung in deinen Handlungen zeigen solltest."

Er lachte. "Und du hast ebenfalls genau das getan, als du mir noch vor einem Moment angedroht hast, Hauspunkte abzuziehen?"

"Touché." Sie zog wieder an seinem Ärmel, und widerwillig ließ er sich von ihr in die andere Richtung ziehen. Blind herumgeführt zu werden war wirklich eine orientierungslose Erfahrung. Die halbe Zeit über war er sich sicher, dass sie mit ihm direkt in eine Wand oder zum Fenster hinaus lief.

Sie waren gerade um eine Ecke gebogen - zumindest nahm er an, es wäre eine Ecke gewesen - als sie plötzlich stehen blieb und er ihr in den Rücken lief. Seine Nase stieß einen Moment lang direkt an ihren Hinterkopf und er wischte ich wütend über das Gesicht. Er versuchte, ihre Haare von seinem Gesicht wegzustreifen.

Und dann ergriff sie wirklich sein Handgelenk und zog ihn in die andere Richtung. Sie schritt überraschenderweise ziemlich rasch dahin. "Was stimmt denn nicht?", fragte er, als er begann, hinter ihr ein paar Stufen hochzutaumeln. Seine Schienbeine knallten dagegen, also hatte sie hoffentlich auch einen guten Grund dafür.

"Trelawney", zischte sie.

Draco hatte Wahrsagen nie belegt. Er kannte sich gut genug damit aus, also war es nicht nötig gewesen. Aber es überraschte ihn, dass die Musterschülerin so eine negative Reaktion gegenüber der käferäugigen Lehrerin zeigte.

Aber das war keine gute Erklärung. Er blieb abrupt stehen und bereute es sofort wieder. Granger prallte zurück, während sie an seinem Arm zog, und sie fiel nach hinten, sodass sie beide zusammen die Stufen hinunter fielen und in einem Knäuel am Ende der Treppe landeten. Ihr Ellenbogen drückte in seine Milz und er hatte schon wieder ein Büschel ihres nach Honig riechenden Haares im Gesicht.

"Au", stöhnte er, während sie sich auf die Beine rappelte. Den Korridor entlang hörte er das Geräusch von Schritten, die näher kamen.

"Oh, Sie sind es, Miss Granger", sagte eine luftige Stimme mit ein wenig Spott im Tonfall. "Was machen Sie hier außerhalb des Unterrichts?"

Grangers Tonfall war hochmütig. "Sie meinen, Sie wissen das nicht? Ich dachte doch, Sie könnten hellsehen."