Kapitel 1

Ben POV

Traurig beobachte ich Bea und Michael, wie sie sich anlächeln und miteinander turteln. Wieder steigt eine enorme Wut in mir auf, die ich am liebsten an den beiden auslassen würde, aber Bea hat mir schmerzlich klar gemacht, dass sie nichts von mir will. Nicht jetzt und auch nicht in Zukunft - und ich Idiot halte auch noch meinen Kopf für sie hin und lasse mich als Stalker betiteln.

Ich saß auf der Aula-Bühne, wartete insgeheim auf Bea und dachte nach. Über Bea, über uns und mein Verhalten. Mit meinen Verhalten an der Treppe hätte ich fast Beas Leben ruiniert. Wieso wollte ich sie bloß Küssen, obwohl ich doch wusste, dass uns jemand sehen könnte und Bea es aus diesem Grund und vielen anderen nicht wollte. Ich bin ein solcher Idiot.

Oh … Ben"

Bea stand in der Aula und sah sich verwirrt um. Normalerweise wäre die AG jetzt hier, aber außer Bea und mir war niemand hier.

Bea", hauchte ich.

Wo ist die AG?"

Nicht hier", sagte ich knapp.

Ich suche eigentlich die AG.", erklärte sie.

Viel Glück"

Sie flimmerte mit den Wimpern und nickte. Ihr Mund stand ein Spaltbreit offen und sie musterte mich. Ich sah sie einfach nur an.

Danke, dass du gelogen hast"

Ich nickte.

Ich … ich möchte das … so etwas nie wieder passiert", fing sie an. „Ich möchte meinen Job nicht verlieren."

Ich nickte stumm.

Das ist vorbei … vorbei verstehst du?", sagte sie nachdrücklich. „Nicht weil ich Lehrerin bin und du mein Schüler, … sondern weil ich dich … nicht liebe." Bea riss mein Herz in tausend kleine Teilchen mit diesem einfachen Satz.

Noch immer beobachtete ich die beiden und diese enorme Wut ließ meine Hände zu Fäuste werden. Am liebsten würde ich an dem Herr Heisig und Bea meine ganze Wut freien Lauf lassen, weil niemand es mehr verdient hatte, als die beiden, die sich jetzt so herrlich vergnügten.

„Na Ben", Luzi hatte sich neben mich gestellt und schaute Bea an. „lass lieber die Finger von ihr."

„Keine Angst", ich lächelte sie an. „Ich mach schon nichts falsches"

„Na dann ist gut", antwortete sie.

„Hast du heute Abend eigentlich schon was vor?"

Sie schüttelte den Kopf. „Ne"

„Wie wär's mit Chulos?"

Luzi nickte und lächelte mich an.

„Gut"

Ich hatte Luzi mit meinen Wagen abgeholt und nun fuhren wir zusammen zum Chulos, aber nur schwer konnte ich mich auf den Verkehr konzentrieren, noch immer war ich mit meinen Gedanken bei Bea. Ich brauchte dringend Ablenkung … vor allem von meiner Gefühlswelt.

„Halt", rief Luzi. „Wir sind schon da."

Verwirrt guckte ich aus dem Seitenfenster und tatsächlich das Chuloslogo leuchtete mir entgegen. Entschuldigen sah ich Luzi an, die mich leicht sauer anfunkelte.

„Was ist den mit dir los?", fragte sie und kräuselte die Nase.

„Ich … ich äh war nur in Gedanken", winkte ich ab und stieg aus dem Wagen.

„Bei Frau Vogel?", hakte sie nach und musterte mich genau.

Ich schüttelte abwertend den Kopf, schloss meinen Wagen ab und ging zum Chulos.

„Kommst du?", fragte ich sie grinsend.

Luzi lächelte und wir gingen gemeinsam zu Eingang.

„Ich hätte ja nie gedacht, dass Ben auf alte Frauen abfährt." Caro stand mit ein paar „Freunden" am Eingang und lästerte, was das Zeug hält.

„Auf alten Gäulen lernt man eben das reiten", lachte ein Junge und grinsten Caro frech an.

Luzi funkelte Caro böse an und ich ignorierte ihre lächerliche Show einfach und ging ins Chulos. Luzi kam mir schnell hinterher.

„Die ist so eine ", regte sich Luzi über Caros Verhalten auf.

Ich winkte mit einem Kopfschütteln ab: „Lass sie."

Zusammen gingen wir zur Bar.

„Was kann ich euch bringen?", fragte der Barkeeper, Sebastian.

„Ein Bier … und du Luzi?"

„Auch."

„Zwei Bier also. Kommt sofort." Sebastian stellte zwei Flaschen auf den Tresen und verschwand im Hinterzimmer.

Ich griff nach der Flasche und nahm einen großen Schluck. Luzi beobachte mich dabei genau und nippte an ihrem Bier.

„Komm lass uns Tanzen", schlug ich vor und zog Luzi auf die Tanzfläche.

Noch immer bin ich im Chulos. Ich hatte mit Luzi wirklich viel Spaß gehabt und es hat mich auch ein kleines bisschen von meinen trüben Gedanken abgehalten, darum bin ich ihr auch sehr dankbar, aber jetzt wo sie weg ist … verdammt! Die Wut und die Traurigkeit sind wieder da.

„Noch ein", sage ich dem Barkeeper und zeige auf mein leeres Glas.

Vielleicht saufe ich mich einfach zu … dann kann ich zumindest beruhigt einschlafen und muss für heute nicht mehr an Bea denken. Der Barkeeper stellt den Whiskey auf den Tresen und sieht mich prüfend an. Also kein wildes betrinke für klein Ben.

„Bin gleich weg Chef", stöhne ich und zwinkere ihm zu.

Ich trinke mein Glas leer, lege ein paar Scheinchen auf den Tresen und gehe aus dem Chulos. Es war stockdüster, aber ich konnte noch sehr gut Bea auf der andern Straßenseite erkennen, wie sie telefonierte und wild gestikulierte. Die Wut in mir wurde wieder stärker und penetranter, als sie die Straße überquerte und auf mich zu kam. Sie trug ihre braunes Haar offen und es fiel fein über ihre Schultern, dazu trug sie ein schwarzes Kleid.

„Bea ...", knurre ich, als uns nur noch ein paar Meter trennten.

Die Frau kommt immer näher, legt ihr Handy in die Handtasche und kräuselt die Stirn. Es war eindeutig nicht Bea, aber diese Frau sah ihr zum Verwechseln ähnlich. Die Haar, die Augen, die Figur, das Gesicht … wirklich alles.

„Ich wollte dich eigentlich fragen ob du mich nach Hause fahren kannst, aber scheinbar hast du zu viel getrunken und ich muss mir jemand anders suchen."

„Nein …", winke ich ab. „Ich … du sieht einer Frau total ähnlich die ich kenne."

Die Frau zieht ungläubig eine Augenbraue hoch.

„Wirklich.", versichere ich ihr. „Übrigens mein Name ist Ben … Ben Bergmann."

„Nett dich kennen zu lernen Ben, aber ich suche mir lieber jemand anderen." Sie nickte kurz mit den Kopf und machte auf den Absatz kehr.

„Spinner", hörte ich sie noch murmeln und dann verschwand sie mit irgendeinen wildfremden Typen in seinen Wagen.