Letztes Kapitel: Bulma weist Vegeta zurück. Wütend verlässt er das Haus...

Chapter 25 - Verloren.

Vegeta rannte aus der Tür, erleichtert, dass sie ihm nicht folgte. Er war stinksauer. Jawohl, er war nicht traurig, nur weil diese dumme Frau ihm nicht verzeihen konnte! Er war nur wütend, weil er so viel Zeit mit ihr verschwendet hatte! Ja! Er wollte nichts wie weg von diesem Ort, an dem sie ihn immer wieder so verletzte.

Er rannte durch den Garten um Anlauf für einen steilen Flug in die Luft zu nehmen, aber gerade als er sich vom Boden abstoßen wollte, prallte er mit jemand zusammen. Sie wären beide hingefallen, hätte der andere nicht so schnell reagiert und ihn halb aufgefangen.

"Whooo, Vejita!", hörte Vegeta eine nur allzu vertraute, helle Stimme sagen und er richtete sich schnell wieder auf. Kakarott. Er war der letzte, den Vegeta jetzt gebrauchen konnte. "Hey, was hat dich denn gestochen? Warum rennst du wie ein Irrer durch die Dunkelheit?"

Eine Ader pochte auf Vegetas Stirn und er versuchte, sich zusammenzureißen. Der Versuch misslang kläglich. Ohne jegliche Vorwarnung hieb er Kakarott die Faust ins Gesicht. Unsanft landete der auf dem Hintern und Blut schoss aus seiner Nase. Total verdattert sah er zu Vegeta hoch und fragte: "Wofür war das?!"

Wütend starrte der andere Saiyajin zu seinem Freund runter und schnaubte: "Dafür, dass du so blöde dreinschaust!" Er war total ungerecht und gemein zu Kakarott, aber das war ihm im Moment egal (nein, eigentlich war es ihm immer egal, aber für gewöhnlich fand er wenigstens einen plausiblen Grund, um Kakarott anzugreifen).

Kakarott verzog das Gesicht und wischte sich mit dem Handrücken über die Nase. Vegeta tat es fast leid, was er getan hatte, und streckte dem anderen versöhnlich die Hand hin. Kakarott sah ihn einen Augenblick lang misstrauisch an, dann griff er nach der Hand und ließ sich in die Höhe ziehen. Vegeta nickte unmerklich. Wenigstens einer, der meine Entschuldigungen annimmt.

"Ist was passiert?", fragte Kakarott und kämpfte jetzt mit seinem Hemdsärmel gegen den dünnen Blutstrom aus seiner Nase an.

"Alles bestens.", antwortete Vegeta düster.

Kakarott nickte und sagte sarkastisch: "Ah ja. Und deswegen kommst du mitten in der Nacht aus der Capsule Corporation gerannt und versuchst, mir den Schädel einzuschlagen?"

Vegeta verzog verächtlich das Gesicht, antwortete dann aber: "Sie erinnert sich."

Kakarott nickte wissend. "Das dachte ich mir schon. Aber so schlimm kann es doch nicht sein. Nach allem, was seit dem Gedächtnisverlust passiert ist kann sie dich doch nicht mehr wirklich hassen."

"Du hast echt keinen Schimmer, worum es geht!", giftete Vegeta. "Sie erinnert sich, baka! Sie erinnert sich daran, dass ich sie..." Vegeta hielt abrupt inne, als ihm bewusst wurde, dass er im Begriff gewesen war, Kakarott das Geheimnis zu verraten.

"Dass du was, Vegeta?", fragte Kakarott misstrauisch.

"Nichts, Kakarott. Zerbrich dir nicht den Kopf über Dinge, von denen du nichts verstehst.", knurrte Vegeta.

Aber so schnell ließ der andere sich nicht mehr abwimmeln. "Nein, warte mal. Ihr beide habt immer beharrlich geschwiegen wenn es um diese Sache ging und ich habe das auch respektiert. Aber langsam wird mir das doch unheimlich. Was hast du ihr angetan, dass sie dir nach alldem immer noch nicht verzeihen kann, nach so langer Zeit?"

Vegeta schüttelte nur stumm den Kopf, wollte sich umdrehen und weggehen, aber Kakarott packte ihm an der Schulter und riss ihn herum. "Sag es mir, Vegeta! Vielleicht kann ich euch helfen! Was ist damals passiert?"

Der Prinz schwieg einen Moment. Kakarott würde ihn verachten, wenn er die Wahrheit erführe. Vegeta würde seinen einzigen Freund auch noch verlieren. Aber was machte das noch für einen Unterschied? Und ein winziger Teil von Vegeta hoffte, Kakarott könnte darüber hinwegsehen und das alles doch noch irgendwie einrenken. Irgendwie. Egal wie.

"Vegeta! Was war damals los, zwischen euch?"

Vegeta schaute Kakarott eisig an, obwohl in seinem Inneren Chaos herrschte. Und sagte: "Ich hab sie vergewaltigt."

WUMM. Hätte er Kakarott noch mal eine reingehauen, die Wirkung hätte nicht verheerender sein können. Er starrte Vegeta an, ungläubig, mit weit aufgerissenen Augen. Ungläubig... das war das richtige Wort. Kakarott schüttelte ganz langsam seinen Kopf. "Nein...", hauchte er. "Nein, das glaub ich dir nicht. Du hast viel böses getan aber das... nein, das niemals. Du lügst doch! Oder?"

Vegeta grinste, obwohl sich ihm fast der Magen umdrehte. Er deutete mit dem Kopf in Richtung Haus. "Frag doch Bulma."

Kakarott wurde kreidebleich. Er machte einen Schritt von Vegeta weg und drehte sich dann um und rannte ins Haus. Vegeta stand noch einen Moment lang da, dann drehte auch er sich um und hob vom Boden ab. Er hatte an einem Tag seinen besten Freund und seine Frau verloren. Warum nur kam ihm das alles so verflucht bekannt vor?



Bulma saß total fertig auf dem Boden im Flur und kämpfte mit ihren widersprüchlichen Gefühlen. Sie hätte nie geglaubt, dass man für eine Person zugleich so viele verschiedene Empfindungen haben konnte. Sie verachtete Vegeta, fürchtete ihn, gleichzeitig liebte sie ihn. Wie konnte das bloß sein? Sie hatte ihn nicht mal aufhalten können, sie hatte nicht mal gewusst, ob sie ihn hatte aufhalten wollen. Seine Nähe hatte plötzlich etwas Bedrohliches.

Sie rang immer noch mit sich, als plötzlich jemand zur Tür rein gestürmt kam. Sie riss den Kopf hoch, erfüllt mit verzweifelter Hoffnung. Vegeta? Im trüben Licht konnte sie die Person nicht sofort erkennen, aber dann fiel derjenige neben ihr auf die Knie und sagte: "Bulma? Alles okay?" Son Goku.

"Son-kun.", murmelte sie. "Du bist das. Was machst du denn hier?"

"Ich hab mir schon gedacht, dass was nicht stimmt, weil Vegeta's Ki plötzlich so hoch gegangen ist. Ich hab ihn draußen getroffen.", erklärte ihr langjähriger bester Freund. "Du erinnerst dich wieder, stimmt das?"

Bulma nickte, obwohl sie nicht genau wusste, ob er mit seinen Saiyajin- Augen in der Dunkelheit so eine feine Bewegung ausmachen konnte oder nicht. Dann schlang Son Goku plötzlich die Arme um sie und umarmte sie. Bulma war erst mal so überrascht, dass sie keinen Ton rausbrachte. Son Goku war schon immer lieb und freundlich gewesen, aber das... Die letzten beiden Saiyajin mochten sehr verschieden sein, aber genau wie Vegeta war Son Goku auch nie ein Freund von Zärtlichkeiten gewesen. Sie hatte nie gesehen, wie er Chichi geküsst hatte oder besonders väterlich mit seinen Söhnen umgegangen war. Im Herzen war er auch ein Saiyajin.

Um so überraschender war sein plötzlicher Gefühlsausbruch. "Was soll das, Son-kun?", fragte sie ein wenig verlegen.

"Vegeta hat mir gesagt, was damals passiert ist!", antwortete er und Bulma erschrak. Vegeta hatte WAS? Wie kam er dazu, Son Goku davon zu erzählen? Warum jetzt?! Aber bevor sie was sagen konnte, fragte Goku: "Stimmt es wirklich?"

Bulma überlegte einen Moment, was sie dazu sagen sollte. Aber schließlich antwortete sie schlicht: "Ja."

Sie hörte ihn sagen: "Wenn ich das gewusst hätte... warum hast du nie was gesagt?"

"Genau deswegen.", antwortete sie. "Du hättest ihm wer-weiß-was angetan. Und das wollte ich trotz allem nicht. Ich hab ihn nie wirklich gehasst, Son- kun. Es war nämlich nicht seine Schuld, er hatte keine Kontrolle über sich. Ich konnte ihm bloß nicht verzeihen." Er ließ sie wieder los und sie wischte sich übers Gesicht.

Nach einer kurzen Pause fragte er: "Und was wird jetzt aus euch? Wollt ihr euch wieder bis aufs Blut bekämpfen? Soll alles von vorne losgehen?"

"Natürlich nicht.", seufzte sie. "Ich mag ja nicht sehr viel weiser geworden sein in den letzten Jahren, aber eins hab ich inzwischen begriffen: Ich liebe Vegeta, mehr als alles andere auf der Welt."

"Und was ist dann das Problem?", erkundigte er sich vorsichtig.

Sie antwortete seufzend: "Ich kann das nicht so einfach vergessen. Ich seh ihn immer wieder vor mir, mit seinen blutigen Händen, wie er mich mit diesen furchtbaren Augen ansieht... es ist schrecklich. Ich will ihn umarmen und küssen, andererseits will ich möglichst viel Abstand zwischen uns bringen."

Son Goku grübelte einen Moment darüber nach, dann hatte er wohl einen Einfall und sagte begeistert: "Warum bitten wir dann nicht einfach Shenlong, deine Erinnerung daran auszulöschen?"

Bulma seufzte. "Geht nicht, ich habe ihn doch erst vor einer Weile gerufen damit er mich wieder jung macht. Wir können die Dragonballs frühestens wieder in vier Monaten benutzen! Und bis dahin wird sein Hass auf mich wieder so groß sein, dass es sowieso sinnlos ist."

"Dann bleibt nur eins... du musst darüber nachdenken und dir klarmachen, welches Gefühl stärker ist: die Zuneigung zu ihm oder die Angst."

"Ich weiß.." Bulma seufzte. Sie stand auf und machte das Licht an.

Son Goku erhob sich ebenfalls und gab ehrlich zu: "Ich hätte niemals gedacht, dass er zu so etwas fähig ist. Kein Wunder, dass du so unnachgiebig warst. Und du musstest diese Bürde ganz alleine tragen."

Bulma lächelte traurig. Dann fiel ihr Blick auf den dünnen Blutstrom von seiner Nase über sein Kinn. "Du blutest ja, Son-kun!"

Er grinste ansatzweise und wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht. "Ach das. Ich hab doch gesagt ich bin ihm draußen begegnet."

Bulma schüttelte missbilligend den Kopf. "Er ist wirklich unmöglich. Komm, Son-kun. Ich hol dir ein bisschen Eis für deine Nase. Hoffentlich hat er dir nichts gebrochen."



Wütend saß Vegeta am Wasser und warf Steine in den See. Blöde Scheiße! Scheiße, Scheiße, Scheiße! Es war alles schief gegangen, was nur hatte schief gehen können! Er hatte doch genau gewusst, dass sie so reagieren würde, wenn sie sich erinnerte, trotzdem hatte er sich wieder neu in sie verliebt. Dann hatte er die Gelegenheit, es ihr zu beichten und sie darauf vorzubereiten, ungenutzt verstreichen lassen. Und als dann der unausweichliche Moment gekommen war, hatte er aggressiv reagiert und sie damit wahrscheinlich endgültig verschreckt. Verflucht!

Und zu allem Überfluss hatte er das Geheimnis auch noch seinem besten, nein, seinem einzigen Freund an dem Kopf geworfen und den damit auch noch verjagt. Was zum Teufel war nur in ihn gefahren? Vegeta, in den letzten Wochen hast du dich benommen wie ein verdammter Anfänger!

Auf einmal zischte es und ein ziemlich ernst dreinblickender Kakarott tauchte in seinem Blickfeld auf. "Ah, Kakarott.", sagte Vegeta betont unbetroffen. "Ich hab mir doch gedacht, dass du noch kommst. Willst du das nachholen, was du vor 10 Jahren nicht tun konntest?"

Der andere Saiyajin schüttelte seinen Kopf. "Ich schätze, du bist schon gestraft genug, Vegeta."

Blinde Wut stieg in ihm hoch, aber Vegeta kämpfte sie nieder und ließ sich äußerlich nichts anmerken. "Was willst du dann hier, Kakarott?"

"Dich fragen, wie es weitergeht.", entgegnete der.

Der ältere Saiyajin verzog das Gesicht zu einem misslungenen Grinsen. "So wie vorher."

Son Goku seufzte. "Ich habe es lange nicht geglaubt, aber ihr beide habt wirklich keine Chance mehr. Sie kann dir nicht verzeihen und du kannst nicht ändern, was du bist. Sie sagte, sie möchte noch mal mit dir reden. Es wird nicht lange dauern und danach wird sie dich nicht mehr stören."

Vegeta hatte keine Lust, unter Kakarott's Aufsicht mit ihr zu sprechen, aber er war es einfach leid, sich zu widersetzen. Müde machte er eine zustimmende Handbewegung und sein Ex - Rivale verschwand einen Moment lang aus seinem Sichtfeld. Vegeta stand auf und wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht, obwohl er ganz sicher nicht geweint hatte.

Dann tauchten die zwei auch schon wieder auf. Kakarott nickte Vegeta traurig zu und verzog sich dann außer Hörweite. Bulma sah eher entschlossen als traurig aus. Ihre Miene war todernst. "Vegeta, was ich dir zu sagen habe wird nicht lange dauern."

Er sah ihr gerade in die Augen, wohl wissend was sie ihm sagen würde. Er würde weder ihr noch Kakarott die Genugtuung geben, seine Gefühle zu zeigen. Bulma wich seinem Blick mit unsteten Augen aus, sagte aber fest: "Ich weiß, dass das was damals passiert ist auch mein Fehler war. Es war ungerecht von mir, dich dafür zu hassen und ich will nie wieder, dass wir uns so streiten wie damals." Sie hob den Kopf und sah ihn endlich richtig an. "Aber ich kann das nicht einfach vergessen, das weißt du. Dazu hat es sich zu tief in meine Seele gebrannt."

Vegeta war versucht, seinen Blick von ihr abzuwenden, aber er wollte den Blickkontakt nicht als erster beenden, so als wäre es ein stummer Kampf zwischen ihnen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, aber sie wandte ihren Blick nicht ab.

Bulma sagte klar: "Wir sollten uns nicht wiedersehen. Ich kann so nicht mit dir glücklich werden. Ich will versuchen, alleine klarzukommen. Ich will versuchen, dich zu vergessen." Sie strauchelte und Vegeta musste dem Impuls widerstehen, sie aufzufangen, ihr Halt zu geben. Das war nicht länger seine Aufgabe.

Er schluckte schwer und antwortete: "Das werde ich auch."

Sie griff nach seiner Hand, aber Vegeta machte einen Schritt zurück, so als wäre ihre Berührung für ihn gefährlich. Sie sah traurig zu ihm hoch, eine Träne lief über ihre Wange. "Lebwohl, Vegeta. Ich wünsche dir alles Gute." Sie winkte Kakarott wieder heran.

Vegeta nickte langsam und antwortete: "Sayounara, Onna." Seine Hände zitterten.

Bulma und Vegeta schauten einander in die Augen, als Kakarott leise ein Wort des Abschieds zu Vegeta sagte. Sie weinte, er versuchte, möglichst unbeteiligt auszusehen, obgleich er wusste, dass sie in seinen Augen lesen konnte wie in einem Buch. Sie schauten sich in die Augen, so lange, bis Kakarott zwei Finger an die Stirn legte und gemeinsam mit Bulma schließlich verschwand.

Vegeta ließ sich zurück auf den Boden sinken. Er konnte nicht mal sagen, ob das hier jetzt schlimmer oder einfacher für ihn war als die letzte Trennung. So oder so war es eigenartig. Die letzten Wochen waren so turbulent und voller neuer Hoffnung gewesen, wie immer hatte sie sein Leben auf den Kopf gestellt. Und jetzt waren sie wieder am Anfang. Mit Misstrauen auf beiden Seiten, das eine Annäherung unmöglich machte.

Vegeta hörte zu seiner eigenen Überraschung, wie ein leises Lachen über seine Lippen kam. Sein Herz war schwer, trotzdem konnte er nicht aufhören. Er riss den Kopf zurück und lachte lauthals in die Nacht hinein.

Die Farce ist endlich zu Ende. Ich habe verloren. Nein, ich hatte nie wirklich eine Chance.

ENDE.